Kapitel 11: śrīvāsasthānakathanam
Śrī nennt die Orte und Menschen, bei denen sie wohnt, und die Sühne für Undankbare
Rukmiṇī fragt die Göttin Śrī (Lakṣmī) auf Nārāyaṇas Schoß, wo sie weilt und wen sie meidet; Bhīṣma gibt Yudhiṣṭhira Śrīs Auskunft weiter. Eine Zusatzpassage schließt die Erzählung von Vatsanābha über die Undankbarkeit an.
yudhiṣṭhira uvāca; kīdṛśe puruṣe tāta strīṣu vā bharatarṣabha; śrīḥ padmā vasate nityaṃ tan me brūhi pitāmaha
Yudhiṣṭhira sprach: „Bei welcher Art von Mann, Vater, oder auch bei [welchen] Frauen, du Stier der Bharatas, wohnt Śrī, [die] Lotosgeborene, beständig? Das sage mir, Großvater.“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.3.Sg.)
kīdṛśe puruṣe tāta
bei welcher Art von Mann, Vater (Lok./Vok.)
strīṣu vā bharatarṣabha
oder bei Frauen, Stier der Bharatas (Lok.Pl./Vok.)
śrīḥ padmā vasate nityam
Śrī, die Lotosgeborene [Lotosgöttin], wohnt beständig (Nom.Sg./3.Sg.Präs.Med.)
bhīṣma uvāca; atra te vartayiṣyāmi yathādṛṣṭaṃ yathāśrutam; rukmiṇī devakīputrasaṃnidhau paryapṛcchata
Bhīṣma sprach: „Hierzu will ich dir berichten, wie [ich es] gesehen und wie [ich es] gehört habe: Rukmiṇī befragte [einst] in Gegenwart des Sohnes der Devakī [Kṛṣṇa] [die Göttin Śrī].“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
atra te vartayiṣyāmi
hierzu werde ich dir erzählen (Fut.1.Sg.Kaus.)
yathādṛṣṭaṃ yathāśrutam
wie gesehen, wie gehört (Adv., Part.Pass.)
rukmiṇī
Rukmiṇī (Nom.)
devakīputrasaṃnidhau
in der Nähe des Sohnes der Devakī (Lok. Sg., Kompositum)
paryapṛcchata
befragte (Impf.3.Sg.Med.)
Das Objekt (Śrī) ist ergänzt; es folgt aus der nächsten Strophe.
Als Rukmiṇī, die Mutter des Makaradhvaja [Pradyumna], die leuchtende Śrī mit lotosgleichem Antlitz auf Nārāyaṇas Schoß sitzen sah, fragte sie sie aus Neugier, mit staunenden, schönen Augen.
Wort für Wort
nārāyaṇasyāṅkagatām
auf dem Schoß Nārāyaṇas befindlich (Akk.Sg.f.)
jvalantīṃ dṛṣṭvā
die leuchtende [Śrī] erblickend (Part.Präs./Abs.)
śriyaṃ padmasamānavaktrām
Śrī mit lotosgleichem Antlitz (Akk.Sg.f., Bahuvrīhi)
kautūhalād vismitacārunetrā
aus Neugier, mit staunenden schönen Augen (Abl./Nom.Sg.f.)
papraccha mātā makaradhvajasya
fragte die Mutter des Makaradhvaja (Perf.3.Sg./Nom./Gen.)
kānīha bhūtāny upasevase tvaṃ; saṃtiṣṭhatī kāni na sevase tvam; tāni trilokeśvarabhūtakānte; tattvena me brūhi maharṣikanye
„Welche Wesen suchst du hier auf, und welche suchst du nicht auf, [obwohl du] bei ihnen weilst? Diese sage mir der Wahrheit gemäß, du Geliebte des [Wesens, das] Herr der drei Welten ist, du Tochter eines großen Sehers.“
Wort für Wort
kānīha bhūtāny upasevase tvam
welche Wesen suchst du hier auf, du (Akk.Pl.n./2.Sg.Präs.Med.)
saṃtiṣṭhatī kāni na sevase tvam
[obwohl] dabeistehend, welche suchst du nicht auf (Part.Präs.f./2.Sg.)
tāni tattvena me brūhi
diese sage mir der Wahrheit gemäß (Instr./Imp.)
trilokeśvarabhūtakānte
du Geliebte des Herrn der drei Welten (Vok.Sg.f., Kompositum)
maharṣikanye
Tochter eines großen Sehers (Vok.Sg.f.)
trilokeśvarabhūtakānte: gedeutet als Kompositum „Geliebte dessen, der Herr der drei Welten geworden/seiend ist“ (bhūta hier als Füllwort/Wesen), also Viṣṇu; Deutung nicht ganz sicher [?].
So von der Göttin [Rukmiṇī] im Beisein des Garuḍa-Bannerträgers [Kṛṣṇa] angesprochen, sprach da Śrī, die mondgesichtige, freundlich Gestimmte, ein süß klingendes, herzgewinnendes Wort.
Wort für Wort
evaṃ tadā śrīr abhibhāṣyamāṇā
so da Śrī angesprochen werdend (Part.Präs.Pass.Nom.f.)
devyā samakṣaṃ garuḍadhvajasya
vor der Göttin, im Angesicht des Garuḍa-Bannerträgers (Instr./Adv./Gen.)
uvāca vākyaṃ madhurābhidhānam
sprach ein Wort von süßem Ausdruck (Perf./Akk.Sg.n.)
manoharaṃ candramukhī prasannā
herzgewinnend, die Mondgesichtige, gnädig [gestimmt] (Akk./Nom.Sg.f.)
im Zornlosen, den Göttern Ergebenen, Dankbaren, Sinnesbeherrschten, stets Kraftvollen.
Wort für Wort
akrodhane
im Zornlosen (Lok.Sg.)
devapare
im den Göttern Ergebenen (Lok.Sg.)
kṛtajñe
im Dankbaren (Lok.Sg.)
jitendriye
im Sinnesbezwinger (Lok.Sg.)
nityam udīrṇasattve
stets [im] von hoher Wesenskraft (Adv./Lok.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzstrophe der kritischen Ausgabe (*0058), nur in einem Teil der Handschriften.
nākarmaśīle puruṣe vasāmi; na nāstike sāṃkarike kṛtaghne; na bhinnavṛtte na nṛśaṃsavṛtte; na cāpi caure na guruṣv asūye
Nicht wohne ich im Mann, der untätig ist, nicht im Ungläubigen, im [Ordnungen] Vermischenden, im Undankbaren, nicht in dem mit zerrüttetem Lebenswandel, nicht in dem mit grausamem Lebenswandel, und auch nicht im Dieb, nicht in dem, der gegen Lehrer missgünstig ist.
Wort für Wort
nākarmaśīle puruṣe vasāmi
nicht im untätigen Mann wohne ich (Lok.Sg.)
na nāstike sāṃkarike kṛtaghne
nicht im Ungläubigen, Ordnungsvermischer, Undankbaren (Lok.Sg.)
na bhinnavṛtte
nicht im Zerrüttetes Betragen Habenden (Lok.Sg.)
na nṛśaṃsavṛtte
nicht im Grausames Betragen Habenden (Lok.Sg.)
na cāpi caure
und auch nicht im Dieb (Lok.Sg.)
na guruṣv asūye
nicht in dem, der Lehrern gegenüber neidisch ist (Lok.Sg.)
ye cālpatejobalasattvasārā; hṛṣyanti kupyanti ca yatra tatra; na devi tiṣṭhāmi tathāvidheṣu; nareṣu saṃsuptamanoratheṣu
Und die [Männer], die nur geringe Glut, Kraft, Wesensstärke und Kernkraft besitzen, die sich hier und dort freuen und zürnen: bei solchen, Göttin, bleibe ich nicht, bei Männern, deren Wünsche eingeschlummert sind.
Wort für Wort
ye cālpatejobalasattvasārā
und die, [die] geringe Glut, Kraft, Wesenskraft und Kern [haben] (Nom.Pl., Bahuvrīhi)
yaś cātmani prārthayate na kiṃ cid; yaś ca svabhāvopahatāntarātmā; teṣv alpasaṃtoṣarateṣu nityaṃ; nareṣu nāhaṃ nivasāmi devi
Und wer für sich selbst nichts erstrebt und wer in seinem Innersten durch seine [schlechte] Natur verdorben ist: in solchen Männern, die stets an geringer Zufriedenheit Gefallen finden, wohne ich nicht, Göttin.“
Wort für Wort
yaś cātmani prārthayate na kiṃ cit
und wer für sich nichts erstrebt (Nom./Lok./3.Sg.Präs.Med.)
yaś ca svabhāvopahatāntarātmā
und wer durch seine Natur im Innern verdorben ist (Nom.Sg., Bahuvrīhi)
teṣv alpasaṃtoṣarateṣu nityam
in diesen, die stets an geringer Zufriedenheit hängen (Lok.Pl.)
nareṣu nāhaṃ nivasāmi devi
in Männern wohne ich nicht, Göttin (Lok.Pl./1.Sg./Vok.)
svabhāvopahatāntarātmā: Deutung „durch [eigene schlechte] Natur im Innern geschädigt“ [?].
Ich wohne bei denen, die tugendhaft sind, die den Dharma kennen, den Hochgesinnten, die den Alten dienen, den Selbstbeherrschten, die das Wesen [der Dinge] kennen, den Hochgesinnten.
Wort für Wort
vasāmi dharmaśīleṣu
ich wohne bei den Tugendhaften (Lok.Pl.)
dharmajñeṣu mahātmasu
bei den Dharmakundigen, Hochgesinnten (Lok.Pl.)
vṛddhaseviṣu dānteṣu
bei den den Alten Dienenden, Beherrschten (Lok.Pl.)
avandhyakāleṣu sadā snānaśaucarateṣu ca; brahmacaryatapojñānagodvijātipriyeṣu ca
und bei denen, deren Zeit nie unfruchtbar [vergeudet] ist, die stets Freude an Bad und Reinheit haben, und die Keuschheit, Askese, Wissen, Kühe und Zweimalgeborene lieben.
Wort für Wort
avandhyakāleṣu sadā
bei denen, deren Zeit nie unfruchtbar ist, stets (Lok.Pl./Adv.)
snānaśaucarateṣu ca
und die an Bad und Reinheit Freude haben (Lok.Pl.)
brahmacaryatapojñāna
Keuschheit, Askese, Wissen (Kompositumglied)
godvijātipriyeṣu ca
und die Kühe und Zweimalgeborene lieben (Lok.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzstrophe (*0059).
strīṣu kṣāntāsu dāntāsu devadvijaparāsu ca; vasāmi satyaśīlāsu svabhāvaniratāsu ca
Ich wohne bei den Frauen, die nachsichtig und beherrscht sind und den Göttern und Zweimalgeborenen ergeben, bei denen von wahrhaftigem Wesen, die ihrer [guten] Natur zugetan sind.
Wort für Wort
strīṣu kṣāntāsu dāntāsu
bei Frauen, nachsichtigen, beherrschten (Lok.Pl.f.)
devadvijaparāsu ca
und den Göttern und Zweimalgeborenen ergebenen (Lok.Pl.f.)
vasāmi satyaśīlāsu
ich wohne bei den Wahrhaftigen (1.Sg./Lok.Pl.f.)
svabhāvaniratāsu ca
und bei denen, die ihrer Natur zugetan sind (Lok.Pl.f.)
svadharmaśīleṣu ca dharmavitsu; vṛddhopasevānirate ca dānte; kṛtātmani kṣāntipare samarthe; kṣāntāsu dāntāsu tathābalāsu; satyasvabhāvārjavasaṃyutāsu; vasāmi devadvijapūjitāsu
[Ich wohne] bei denen, die ihrer eigenen Pflicht gemäß leben und den Dharma kennen; im [Mann], der den Alten zu dienen pflegt, beherrscht, selbstgefestigt, nachsichtig und fähig ist; bei den nachsichtigen, beherrschten und [so auch] schwachen Frauen, die mit Wahrhaftigkeit, [guter] Natur und Geradheit begabt sind; ich wohne bei denen, die von Göttern und Zweimalgeborenen verehrt werden.
Wort für Wort
svadharmaśīleṣu ca dharmavitsu
bei denen, die der eigenen Pflicht gemäß leben, und Dharmakundigen (Lok.Pl.)
vṛddhopasevānirate ca dānte
im den Alten Dienenden und Beherrschten (Lok.Sg.m.)
kṛtātmani kṣāntipare samarthe
im Selbstgefestigten, Nachsichtigen, Fähigen (Lok.Sg.m.)
kṣāntāsu dāntāsu tathābalāsu
bei nachsichtigen, beherrschten, ebenso schwachen (Frauen) (Lok.Pl.f.)
satyasvabhāvārjavasaṃyutāsu
bei denen, die mit Wahrheit, Natur und Geradheit verbunden sind (Lok.Pl.f.)
vasāmi devadvijapūjitāsu
ich wohne bei den von Göttern und Zweimalgeborenen Verehrten (1.Sg./Lok.Pl.f.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (*0061), sprachlich uneinheitlich; tathābalāsu unsicher [?].
Eine Frau, die ihr Hausgerät verstreut liegen lässt, unbedacht handelt, ihrem Gatten stets widerspricht, an fremden Häusern Gefallen findet und schamlos ist – eine Frau solcher Art meide ich.
Wort für Wort
prakīrṇabhāṇḍām anavekṣyakāriṇīm
die mit verstreutem Hausgerät, unbedacht Handelnde (Akk.Sg.f.)
sadā ca bhartuḥ pratikūlavādinīm
und stets dem Gatten Widersprechende (Akk.Sg.f.)
parasya veśmābhiratām alajjām
am Haus eines anderen Gefallen Findende, Schamlose (Akk.Sg.f.)
Eine launische, unreine, naschhafte, standhaftigkeitslose, streitliebende, vom Schlaf überwältigte, ständig daliegende Frau – eine Frau solcher Art meide ich.
Wort für Wort
lolām acokṣām
eine unstete, unreine (Akk.Sg.f.)
avalehinīṃ ca
und eine Naschende [Leckende] (Akk.Sg.f.)
vyapetadhairyāṃ kalahapriyāṃ ca
ohne Standhaftigkeit und streitliebend (Akk.Sg.f.)
nidrābhibhūtāṃ satataṃ śayānām
vom Schlaf überwältigt, ständig liegend (Akk.Sg.f.)
evaṃvidhāṃ strīṃ parivarjayāmi
eine solche Frau meide ich (1.Sg.Präs.)
avalehinī: eigentlich „Ableckende“; hier als gierig-naschhaft gedeutet [?].
Ich wohne bei den wahrhaftigen, stets lieblich anzuschauenden, mit Glück begabten, tugendreichen Frauen, den gattentreuen, von gutem Wesen, den geschmückten.
Wort für Wort
satyāsu nityaṃ priyadarśanāsu
bei den Wahrhaftigen, stets lieblich Anzuschauenden (Lok.Pl.f.)
saubhāgyayuktāsu guṇānvitāsu
bei den mit Glück Begabten, Tugendreichen (Lok.Pl.f.)
vasāmi nārīṣu pativratāsu
ich wohne bei Frauen, gattentreuen (1.Sg./Lok.Pl.f.)
In Bergen, Viehhürden, ebenso in Wäldern, in Seen mit blühenden Lotos- und Wasserlilien, in Flüssen, die vom Schnattern der Gänse widerhallen und vom Ruf der Kraniche verschönt sind.
Wort für Wort
śaileṣu goṣṭheṣu tathā vaneṣu
in Bergen, Viehhürden, ebenso Wäldern (Lok.Pl.)
saraḥsu phullotpalapaṅkajeṣu
in Seen mit blühenden Blauen Lotos und Lotos (Lok.Pl.)
[In Flüssen,] die von Teichen mit weiten Ufern geschmückt sind, von Asketen, Vollendeten und Zweimalgeborenen besucht werden; ich wohne stets in wasserreichen [Gewässern], deren Wasser von Löwen und Elefanten aufgewühlt ist; im brünstigen Elefanten, im Kuhstier, im Herrscher der Menschen, auf dem Löwenthron und stets im guten Mann.
Wort für Wort
vistīrṇakūlahradaśobhitāsu
von Teichen mit weiten Ufern geschmückt (Lok.Pl.f.)
tapasvisiddhadvijasevitāsu
von Asketen, Vollendeten, Zweimalgeborenen besucht (Lok.Pl.f.)
vasāmi nityaṃ subahūdakāsu
ich wohne stets in sehr wasserreichen (1.Sg./Lok.Pl.f.)
siṃhair gajaiś cākulitodakāsu
in [Gewässern], deren Wasser von Löwen und Elefanten aufgewühlt ist (Instr.Pl./Lok.Pl.f.)
matte gaje govṛṣabhe narendre
im brünstigen Elefanten, Kuhstier, Männerherrn (Lok.Sg.)
siṃhāsane satpuruṣe ca nityam
auf dem Löwenthron und im guten Mann stets (Lok.Sg.)
[in dem Haus,] in dem beim Opfer der Opferträger [Agni] mit Gaben bedacht wird, [und] bei den von Kuh und Brahmanen verehrten Göttern,
Wort für Wort
yasmin yajñe hūyati havyavāhe
in welchem Opfer der Opferträger bedacht wird (Lok.Sg./Lok.Sg.)
gobrāhmaṇābhyarcitadevatāsu
bei den von Kühen und Brahmanen verehrten Göttern (Lok.Pl.f.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvariante (*0063), Konstruktion unklar (hūyati ist ungewöhnlich, Lok. absolut?) [?].
svādhyāyanityeṣu dvijeṣu nityaṃ; kṣatre ca dharmābhirate sadaiva; vaiśye ca kṛṣyābhirate vasāmi; śūdre ca śuśrūṣaṇanityayukte
Bei den Zweimalgeborenen, die stets im Selbststudium des Veda verharren, beim Kṣatriya, der stets am Dharma Freude hat, beim Vaiśya, der dem Ackerbau zugetan ist, wohne ich, und beim Śūdra, der stets dem Dienen ergeben ist.
Wort für Wort
svādhyāyanityeṣu dvijeṣu nityam
bei den stets im Selbststudium [Verharrenden] Zweimalgeborenen (Lok.Pl.)
kṣatre ca dharmābhirate sadaiva
und beim Kṣatriya, dem Dharma Zugetanen, immer (Lok.Sg.)
vaiśye ca kṛṣyābhirate vasāmi
und beim Vaiśya, dem Ackerbau Zugetanen, wohne ich (Lok.Sg./1.Sg.)
śūdre ca śuśrūṣaṇanityayukte
und beim Śūdra, stets zum Dienen Verpflichteten (Lok.Sg.)
nārāyaṇe tv ekamanā vasāmi; sarveṇa bhāvena śarīrabhūtā; tasmin hi dharmaḥ sumahān niviṣṭo; brahmaṇyatā cātra tathā priyatvam
In Nārāyaṇa aber wohne ich einmütig, mit ganzem Wesen [ihm] zum Körper geworden; in ihm ist ja überaus großer Dharma verankert, und hier [sind] Brahmanenfreundlichkeit und Liebenswürdigkeit.
Wort für Wort
nārāyaṇe tv ekamanā vasāmi
in Nārāyaṇa aber wohne ich einmütig (Lok./Nom.f./1.Sg.)
sarveṇa bhāvena śarīrabhūtā
mit ganzem Wesen zum Körper geworden (Instr.Sg./Nom.Sg.f.)
tasmin hi dharmaḥ sumahān niviṣṭo
in ihm ist ja überaus großer Dharma verankert (Lok./Nom.Sg./Part.Pass.)
brahmaṇyatā cātra tathā priyatvam
und hier Brahmanenfreundlichkeit ebenso Liebenswürdigkeit (Nom.Sg.f./Nom.Sg.n.)
nāhaṃ śarīreṇa vasāmi devi; naivaṃ mayā śakyam ihābhidhātum; yasmiṃs tu bhāvena vasāmi puṃsi; sa vardhate dharmayaśorthakāmaiḥ
„Nicht mit dem Körper wohne ich, Göttin; so lässt es sich hier durch mich nicht [genau] sagen. In welchem Mann ich aber mit [innerer] Zuneigung wohne, der wächst an Dharma, Ruhm, Besitz und Lust.“
Wort für Wort
nāhaṃ śarīreṇa vasāmi devi
nicht mit dem Körper wohne ich, Göttin (Instr./1.Sg./Vok.)
naivaṃ mayā śakyam ihābhidhātum
so ist es von mir hier nicht zu sagen möglich (Instr./Inf.)
yasmiṃs tu bhāvena vasāmi puṃsi
in welchem Mann aber ich mit Zuneigung wohne (Lok.Sg./Instr.Sg.)
sa vardhate
der wächst (3.Sg.Präs.Med.)
dharmayaśorthakāmaiḥ
an Dharma, Ruhm, Besitz und Lust (Instr.Pl.)
naivaṃ mayā śakyam ihābhidhātum: Sinn „mit dem Körper“ (d. h. buchstäblich) lasse sich ihr Wohnen nicht angeben; Deutung [?].
yudhiṣṭhiraḥ; prāyaścittaṃ kṛtaghnānāṃ pratibrūhi pitāmaha; mātṝḥ pitṝn gurūṃś caiva ye 'vamanyanti mohitāḥ; ye cāpy anye pare tāta kṛtaghnā nirapatrapāḥ; bhīṣmaḥ; teṣāṃ gatiṃ mahābāho śrotum icchāmi tattvataḥ; kṛtaghnānāṃ gatis tāta narake śāśvatīḥ samāḥ; mātāpitṛgurūṇāṃ ca ye na tiṣṭhanta śāsane; kṛmikīṭapipīleṣu jāyante sthāvareṣu ca; durlabho hi punas teṣāṃ mānuṣye punarudbhavaḥ; atrāpy udāharantīmam itihāsaṃ purātanam; vatsanābho mahāprājño maharṣiḥ saṃśitavrataḥ; valmīkabhūto brahmarṣis tapyate sumahat tapaḥ; tasmiṃś ca tapyati tapo vāsavo bharatarṣabha; vavarṣa sumahad varṣaṃ savidyut stanayitnumān; tatra saptāhavarṣaṃ tu mumuce pākaśāsanaḥ; nimīlitākṣas tad varṣaṃ pratyagṛhṇata vai dvijaḥ; tasmin patati varṣe tu śītavātasamanvite; viśīrṇadhvastaśikharo valmīko 'śanitāḍitaḥ; tāḍyamāne tatas tasmin vatsanābhe mahātmani; kāruṇyāt tasya dharmas tu ānṛśaṃsyam athākarot; cintayānasya brahmarṣiṃ tapantam atidhārmikam; anurūpā matiḥ kṣipram upajātā svabhāvajā; svaṃ rūpaṃ māhiṣaṃ kṛtvā sumahāntaṃ manoharam; trāṇārthaṃ vatsanābhasya catuṣpād upari sthitaḥ; yadā tv apagataṃ varṣaṃ vṛṣṭivātasamanvitam; tato mahiṣarūpeṇa dharmo dharmabhṛtāṃ vara; śanair valmīkam utsṛjya prādravad bharatarṣabha; sthite 'smin vṛṣṭisaṃpāte vīkṣate sma mahātapāḥ; diśaś ca vipulās tatra girīṇāṃ śikharāṇi ca; dṛṣṭvā ca pṛthivīṃ sarvāṃ salilena pariplutām; jalāśayān sa tān dṛṣṭvā vipraḥ pramudito 'bhavat; acintayad vismitaś ca varṣāt kenāsmi rakṣitaḥ; so 'paśyat tatra mahiṣam avasthitam adūrataḥ; tiryagyonāv api kathaṃ dṛśyate dharmavatsalaḥ; ato nu bhadramahiṣaḥ śilāpaṭṭam avasthitaḥ; pīvaraś caiva balyaś ca bahumāṃso bhaved ayam; tasya buddhir iyaṃ jātā dharmasaṃsaktajā muneḥ; kṛtaghnā narakaṃ yānti ye ca viśvastaghātinaḥ; niṣkṛtiṃ neha paśyāmi kṛtaghnānāṃ kathaṃ cana; ṛte prāṇaparityāgād dharmajñānāṃ vaco yathā; akṛtvā bharaṇaṃ pitror adattvā gurudakṣiṇām; kṛtaghnatāṃ ca saṃprāpya maraṇāntā ca niṣkṛtiḥ; ākāṅkṣāyām upekṣāyāṃ copapātakam uttamam; tasmāt prāṇān parityakṣye prāyaścittārtham ity uta; sa meruśikharaṃ gatvā niḥsaṅgenāntarātmanā; prāyaścittaṃ kartukāmaḥ śarīraṃ tyaktum udyataḥ; dharmaḥ; nigṛhītaś ca dharmātmā haste dharmeṇa dharmavit; vatsanābha mahāprājña bahuvarṣaśatāyuṣa; parituṣṭo 'smi tyāgena niḥsaṅgena tathātmanaḥ; evaṃ dharmabhṛtaḥ sarve vimṛśanti kṛtākṛtam; na kaś cid vatsanābhasya yasya nopahataṃ manaḥ; yaś cānavadyaś carati śakto dharmaṃ ca sarvaśaḥ; nivartasva mahāprājña pūtātmā hy asi śāśvataḥ
Yudhiṣṭhira [sprach]: „Nenne mir, Großvater, die Sühne der Undankbaren: derer, die Mütter, Väter und Lehrer, betört, geringschätzen, und anderer Undankbarer, Vater, die ohne Scham sind.“ Bhīṣma [sprach]: „Ihren Weg, Starkarmiger, will ich der Wahrheit nach hören.“ [Bhīṣma:] „Der Weg der Undankbaren, Vater, führt in die Hölle für ewige Jahre. Die der Weisung von Mutter, Vater und Lehrern nicht folgen, werden unter Würmern, Insekten und Ameisen geboren und unter unbeweglichen [Wesen]; schwer ist für sie eine erneute Geburt als Mensch. Auch hierzu führt man diese alte Erzählung an: Vatsanābha, hochweiser Großer Seher strenger Gelübde, ein Brahmanenseher, zum Ameisenhügel geworden, übte überaus große Askese. Und während er büßte, Stier der Bharatas, ließ Vāsava einen gewaltigen Regen fallen, mit Blitz und Donner. Sieben Tage lang ließ Pākaśāsana dort Regen los; mit geschlossenen Augen nahm der Zweimalgeborene diesen Regen auf. Als dieser Regen mit kaltem Wind fiel, [war] der Ameisenhügel, dessen Spitze zerbröckelt und zerstört [war], vom Blitz getroffen. Als da der hochgesinnte Vatsanābha getroffen wurde, erwies ihm Dharma aus Erbarmen Mitgefühl. Dem, der an den überaus frommen, büßenden Brahmanenseher dachte, kam rasch ein passender, aus [seiner] Natur geborener Gedanke: Er nahm seine Gestalt als gewaltiger, herzgewinnender Büffel an und stand vierfüßig über Vatsanābha zu dessen Schutz. Als aber der Regen mit dem Regenwind vergangen war, verließ Dharma in Büffelgestalt, du Bester der Dharmaträger, Stier der Bharatas, langsam den Ameisenhügel und lief davon. Als der Regenfall aufgehört hatte, blickte der große Asket umher: die weiten Himmelsrichtungen dort und die Gipfel der Berge. Und als er die ganze Erde vom Wasser überflutet sah, freute sich der Brahmane beim Anblick der Wasserbecken. Er dachte erstaunt: ‚Von wem bin ich vor dem Regen beschützt worden?‘ Er sah dort nicht weit entfernt einen Büffel stehen. [Er dachte:] ‚Wie wird selbst im Tierschoß einer gesehen, der dem Dharma zugetan ist? Also [ist es] wohl ein guter Büffel, der auf einer Felsplatte steht; kräftig, stark und fleischig dürfte dieser sein.‘ Dem Weisen kam dieser Gedanke, aus der Bindung an den Dharma geboren: ‚Undankbare gehen in die Hölle, und [ebenso] die, die Vertrauende töten. Eine Sühne für Undankbare sehe ich hier auf keine Weise, außer im Aufgeben des Lebens, wie es das Wort der Dharmakundigen [besagt]. Wer den Unterhalt der Eltern nicht besorgt und das Lehrerhonorar nicht gegeben hat und so zur Undankbarkeit gelangt ist, für den endet die Sühne im Tod. Bei [vorhandenem] Verlangen und [dennoch] Vernachlässigung ist es das höchste Nebenvergehen. Darum werde ich um der Sühne willen das Leben aufgeben.‘ So ging er zum Gipfel des Meru, mit ungebundenem Inneren, Sühne tun wollend, bereit, den Körper zu verlassen. Dharma [sprach]: Und der dharmagesinnte Dharmakundige wurde von Dharma an der Hand festgehalten: ‚Vatsanābha, Hochweiser, der du viele hundert Jahre lebst, ich bin zufrieden mit [deinem] Verzicht und der Ungebundenheit deines Selbst. So erwägen alle, die den Dharma tragen, das Getane und Ungetane. Keiner ist da, Vatsanābha, dessen Geist nicht verletzt wäre. Und wer untadelig wandelt, fähig ist und den Dharma in jeder Hinsicht [übt]: Kehre um, Hochweiser; du bist ja ewig reinen Selbstes.‘“
Wort für Wort
yudhiṣṭhiraḥ
Yudhiṣṭhira [sprach] (Nom.)
prāyaścittaṃ kṛtaghnānāṃ pratibrūhi pitāmaha
die Sühne der Undankbaren nenne mir, Großvater (Akk./Gen.Pl./Imp.)
mātṝḥ pitṝn gurūṃś caiva ye 'vamanyanti mohitāḥ
die Mütter, Väter und Lehrer, die sie, betört, verachten (Akk.Pl./3.Pl.Präs.)
ye cāpy anye pare tāta kṛtaghnā nirapatrapāḥ
und die auch anderen Undankbaren, Schamlosen, Vater (Nom.Pl./Vok.)
bhīṣmaḥ
Bhīṣma [sprach]
teṣāṃ gatiṃ mahābāho śrotum icchāmi tattvataḥ
ihren Weg, Starkarmiger, will ich der Wahrheit nach hören (Akk./Vok./Inf.)
kṛtaghnānāṃ gatis tāta narake śāśvatīḥ samāḥ mātāpitṛgurūṇāṃ ca ye na tiṣṭhanta śāsane
der Undankbaren Weg, Vater, [ist] in der Hölle ewige Jahre (Nom./Lok./Akk.Pl.f.); und die der Weisung von Mutter, Vater, Lehrern nicht folgen (Gen.Pl./3.Pl.Impf.Med.? Konj.)
kṛmikīṭapipīleṣu jāyante sthāvareṣu ca durlabho hi punas teṣāṃ mānuṣye punarudbhavaḥ
werden unter Würmern, Insekten, Ameisen geboren und unter Unbeweglichen (Lok.Pl./3.Pl.Präs.Med.); schwer erreichbar ist ihnen nämlich wieder das Aufsteigen [Wiedergeburt] im Menschsein (Nom.Sg.m./Lok.)
auch hierzu führt man diese alte Erzählung an (3.Pl.Präs./Akk.Sg.); Vatsanābha, hochweiser Großseher strenger Gelübde (Nom.Sg.)
valmīkabhūto brahmarṣis tapyate sumahat tapaḥ tasmiṃś ca tapyati tapo vāsavo bharatarṣabha
zum Ameisenhügel geworden, der Brahmanenseher, übt überaus große Askese (Nom./3.Sg.Präs.Med.); und als er Askese übte, [ließ] Vāsava, Stier der Bharatas (Lok. abs./Nom./Vok.)
vavarṣa sumahad varṣaṃ savidyut stanayitnumān tatra saptāhavarṣaṃ tu mumuce pākaśāsanaḥ
es regnete einen gewaltigen Regen, mit Blitz und Donner (Perf.3.Sg./Akk./Nom.); dort ließ Pākaśāsana sieben Tage Regen los (Akk./Perf.3.Sg.Med./Nom.)
nimīlitākṣas tad varṣaṃ pratyagṛhṇata vai dvijaḥ tasmin patati varṣe tu śītavātasamanvite
mit geschlossenen Augen nahm der Zweimalgeborene diesen Regen auf (Nom./Akk./Impf.3.Sg.Med.); als dieser Regen fiel, verbunden mit kaltem Wind (Lok. abs.)
der Ameisenhügel, mit zerbröckelter, zerstörter Spitze, vom Blitz getroffen (Nom.Sg.m.); als da der hochgesinnte Vatsanābha getroffen wurde (Lok. abs. Part.Pass.)
kāruṇyāt tasya dharmas tu ānṛśaṃsyam athākarot cintayānasya brahmarṣiṃ tapantam atidhārmikam
aus Erbarmen erwies ihm aber Dharma Mitgefühl (Abl./Nom./Impf.3.Sg.); kam ihm rasch ein passender, aus [seiner] Natur geborener Gedanke (Nom.Sg.f.)
kam ihm rasch ein passender, aus [seiner] Natur geborener Gedanke (Nom.Sg.f.); seine Gestalt zu einer Büffelgestalt machend, sehr groß, herzgewinnend (Abs./Akk.)
trāṇārthaṃ vatsanābhasya catuṣpād upari sthitaḥ yadā tv apagataṃ varṣaṃ vṛṣṭivātasamanvitam
zum Schutz Vatsanābhas stand er vierfüßig darüber (Adv./Gen./Nom.Sg.); als aber der Regen vergangen war, [samt] Regenwind (Part.Pass.)
tato mahiṣarūpeṇa dharmo dharmabhṛtāṃ vara śanair valmīkam utsṛjya prādravad bharatarṣabha
da, in Büffelgestalt, Dharma, Bester der Dharmaträger (Instr./Nom./Vok.); verließ langsam den Hügel und lief davon, Stier der Bharatas (Abs./Impf.3.Sg.)
sthite 'smin vṛṣṭisaṃpāte vīkṣate sma mahātapāḥ diśaś ca vipulās tatra girīṇāṃ śikharāṇi ca
als dieser Regenfall aufgehört hatte, blickte der große Asket umher (Lok. abs./3.Sg.Präs.Med.); die weiten Himmelsrichtungen dort und die Gipfel der Berge (Akk.Pl.)
dṛṣṭvā ca pṛthivīṃ sarvāṃ salilena pariplutām jalāśayān sa tān dṛṣṭvā vipraḥ pramudito 'bhavat
und die ganze Erde, vom Wasser überflutet, erblickend (Abs./Akk.Sg.f.); als der Brahmane jene Wasserbecken sah, ward er erfreut (Akk.Pl./Abs./Impf.)
acintayad vismitaś ca varṣāt kenāsmi rakṣitaḥ so 'paśyat tatra mahiṣam avasthitam adūrataḥ
und er dachte erstaunt: vor dem Regen, von wem bin ich beschützt worden? (Impf./Nom./Abl./Instr./Part.Pass.); er sah dort einen Büffel nicht weit entfernt stehen (Impf.3.Sg./Akk.Sg.)
tiryagyonāv api kathaṃ dṛśyate dharmavatsalaḥ ato nu bhadramahiṣaḥ śilāpaṭṭam avasthitaḥ
wie wird selbst im Tierschoß einer gesehen, der dharmaliebend ist? (Lok./3.Sg.Präs.Pass./Nom.); also wohl ein guter Büffel, der auf einer Felsplatte steht (Nom./Akk./Part.Pass.)
pīvaraś caiva balyaś ca bahumāṃso bhaved ayam
kräftig, stark und fleischig dürfte dieser sein (Nom.Sg.m./Opt.3.Sg.)
tasya buddhir iyaṃ jātā dharmasaṃsaktajā muneḥ
in diesem Weisen entstand dieser Gedanke, aus der Bindung an Dharma geboren (Gen./Nom.Sg.f.)
kṛtaghnā narakaṃ yānti ye ca viśvastaghātinaḥ
Undankbare gehen in die Hölle, und die, die Vertrauende töten (Nom.Pl./Akk./3.Pl.Präs.)
niṣkṛtiṃ neha paśyāmi kṛtaghnānāṃ kathaṃ cana
Sühne sehe ich hier für Undankbare auf keine Weise (Akk./1.Sg.Präs./Gen.Pl.)
ṛte prāṇaparityāgād dharmajñānāṃ vaco yathā
außer durch Aufgeben des Lebens, wie das Wort der Dharmakundigen [lautet] (Abl./Gen.Pl.)
akṛtvā bharaṇaṃ pitror adattvā gurudakṣiṇām
ohne den Unterhalt der Eltern besorgt, ohne das Lehrerhonorar gegeben zu haben (Abs.)
kṛtaghnatāṃ ca saṃprāpya maraṇāntā ca niṣkṛtiḥ
und Undankbarkeit erlangt habend: die Sühne endet im Tod (Abs./Nom.Sg.f.)
ākāṅkṣāyām upekṣāyāṃ copapātakam uttamam
bei Verlangen und Vernachlässigung ein höchstes Nebenvergehen (Lok.Sg./Nom.Sg.n.)
deshalb werde ich das Leben aufgeben, um der Sühne willen, so [dachte er] (Fut.1.Sg.)
sa meruśikharaṃ gatvā niḥsaṅgenāntarātmanā
er ging zum Gipfel des Meru, mit ungebundenem Inneren (Abs./Instr.)
prāyaścittaṃ kartukāmaḥ śarīraṃ tyaktum udyataḥ
Sühne tun wollend, bereit, den Körper zu verlassen (Nom.Sg./Inf.)
dharmaḥ
Dharma [sprach]
nigṛhītaś ca dharmātmā haste dharmeṇa dharmavit
und festgehalten der dharmagesinnte Dharmakundige an der Hand von Dharma (Part.Pass./Lok./Instr.)
vatsanābha mahāprājña bahuvarṣaśatāyuṣa
Vatsanābha, Hochweiser, viele hundert Jahre Lebender (Vok.)
parituṣṭo 'smi tyāgena niḥsaṅgena tathātmanaḥ
ich bin zufrieden mit deinem Verzicht und der Ungebundenheit deines Selbst (Instr./Gen.)
evaṃ dharmabhṛtaḥ sarve vimṛśanti kṛtākṛtam
so erwägen alle Dharmaträger Getanes und Ungetanes (Nom.Pl./3.Pl.Präs.)
na kaś cid vatsanābhasya yasya nopahataṃ manaḥ
keiner, Vatsanābha, dessen Geist nicht verletzt wäre (Gen./Nom.Sg.n.)
yaś cānavadyaś carati śakto dharmaṃ ca sarvaśaḥ
und wer untadelig wandelt, fähig, und Dharma in jeder Hinsicht (Nom./3.Sg.Präs.)
nivartasva mahāprājña pūtātmā hy asi śāśvataḥ
kehre um, Hochweiser, du bist ja reinen Selbstes, ewig (Imp.Med./Vok./2.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (011.020@002), in Dialogform (Yudhiṣṭhira, Bhīṣma, Dharma); Sprecherwechsel im Sanskrit nur durch die Namen markiert, daher Anführungszeichen teils nach Sinn gesetzt. Textstellen wie ākāṅkṣāyām upekṣāyāṃ copapātakam uttamam sind unklar [?].