Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Anuśāsanaparva

Kapitel 9: pratiśrutāpradānadoṣaḥ Vom Nichtgeben des Versprochenen an Brāhmaṇas: Schakal und Affe, Glut des Brāhmaṇa

Bhīṣma antwortet auf Yudhiṣṭhiras Frage nach dem Schicksal derer, die den Brāhmaṇas Versprochenes nicht geben. Er erzählt vom Gespräch eines Schakals und eines Affen und preist die Macht der Hoffnung und des Zorns der Brāhmaṇas.

yudhiṣṭhira uvāca; brāhmaṇānāṃ tu ye loke pratiśrutya pitāmaha; na prayacchanti mohāt te ke bhavanti mahāmate

Yudhiṣṭhira sprach: „Diejenigen in der Welt, o Großvater, die Brāhmaṇas etwas versprochen haben und es aus Verblendung nicht geben – was für [Wesen] werden sie, o Hochgesinnter?“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.3.Sg.)
brāhmaṇānāṃ tu ye loke
die aber, die in der Welt den Brāhmaṇas (Gen./Dat.-Sinn; Lok.)
pratiśrutya pitāmaha
nachdem sie versprochen haben (Abs.), o Großvater (Vok.)
na prayacchanti mohāt
nicht geben sie aus Verblendung (3.Pl.Präs.; Abl.)
te ke bhavanti mahāmate
was für [Wesen] werden sie (3.Pl.Präs.), o Hochgesinnter (Vok.)

dānadharmeṣu bho bhīṣma sadaiva niścayo hi me

„In den Gabenpflichten, o Bhīṣma, ist mein Entschluss stets [fest].“

Wort für Wort
dānadharmeṣu
in den Gabenpflichten (Lok.Pl.; Tatpuruṣa)
bho bhīṣma
o Bhīṣma (Vok.)
sadaiva niścayo hi me
stets ja ist mein Entschluss (Nom.Sg.; Gen./Dat. me)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Satz ist knapp; wohl gemeint: Yudhiṣṭhiras Wille, sich über die Gabenpflichten zu unterrichten, steht fest.

etan me tattvato brūhi dharmaṃ dharmabhṛtāṃ vara; pratiśrutya durātmāno na prayacchanti ye narāḥ

„Sage mir dies der Wahrheit gemäß, o Bester unter den Rechtstragenden: das Recht [betreffend] jene Menschen, die, böswillig, nach einem Versprechen nicht geben.“

Wort für Wort
etan me tattvato brūhi
dies mir der Wahrheit gemäß sprich (Imp.2.Sg.)
dharmaṃ dharmabhṛtāṃ vara
das Recht (Akk.), o Bester der Rechtstragenden (Vok.; Gen.Pl.)
pratiśrutya durātmānaḥ
nachdem sie versprochen haben (Abs.), die Böswilligen (Nom.Pl.)
na prayacchanti ye narāḥ
nicht geben, [nämlich] die Menschen (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.)

bhīṣma uvāca; yo na dadyāt pratiśrutya svalpaṃ vā yadi vā bahu; āśās tasya hatāḥ sarvāḥ klībasyeva prajāphalam

Bhīṣma sprach: „Wer nach einem Versprechen nicht gibt, sei es wenig oder viel, dessen Hoffnungen sind alle zerstört, wie [die Hoffnung auf] Nachkommenschaft bei einem Impotenten.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
yo na dadyāt pratiśrutya
wer nicht gibt (Opt.3.Sg.), nachdem er versprochen hat (Abs.)
svalpaṃ vā yadi vā bahu
wenig oder auch viel (Akk.)
āśās tasya hatāḥ sarvāḥ
die Hoffnungen dessen sind zerstört, alle (Nom.Pl.f.; Part.Pass.)
klībasyeva prajāphalam
wie beim Impotenten die Frucht der Nachkommenschaft (Gen.Sg.; Nom.Sg.n.)

yāṃ rātriṃ jāyate pāpo yāṃ ca rātriṃ vinaśyati; etasminn antare yad yat sukṛtaṃ tasya bhārata; yac ca tasya hutaṃ kiṃ cit sarvaṃ tasyopahanyate

„In der Nacht, in der der Sünder geboren wird, und in der Nacht, in der er zugrunde geht – in diesem Zwischenraum: was immer er an guten Werken [vollbracht hat], o Bhārata, und was immer von ihm geopfert wurde, all das wird ihm zunichte gemacht.“

Wort für Wort
yāṃ rātriṃ jāyate pāpaḥ
in welcher Nacht der Sünder geboren wird (Akk. der Zeit; 3.Sg.Pass./Med.)
yāṃ ca rātriṃ vinaśyati
und in welcher Nacht er zugrunde geht (3.Sg.Präs.)
etasminn antare yad yat sukṛtaṃ
in diesem Zwischenraum, was immer an Gutgetanem (Lok.; Nom.Sg.n.)
tasya bhārata
seines (Gen.), o Bhārata (Vok.)
yac ca tasya hutaṃ kiṃ cit
und was immer von ihm geopfert ist (Part.Pass.)
sarvaṃ tasyopahanyate
alles wird ihm vernichtet (3.Sg.Pass.)

dattaṃ vā bharatarṣabha; tapas taptam atho vāpi

„[Sei es] Gegebenes, o Stier unter den Bharatas, oder auch geübte Askese.“

Wort für Wort
dattaṃ vā
oder Gegebenes (Part.Pass.n.)
bharatarṣabha
o Stier unter den Bharatas (Vok.)
tapas taptam
Askese, geübte (Nom./Akk.n.; Part.Pass.)
atho vāpi
oder auch (Partikeln)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Halbvers-Fragment einer Zusatzpassage, syntaktisch an 009.004 angeschlossen.

atraitad vacanaṃ prāhur dharmaśāstravido janāḥ; niśamya bharataśreṣṭha buddhyā paramayuktayā

„Hierzu sprachen die Kenner der Dharmaśāstras dieses Wort, nachdem sie es erwogen hatten, o Bester der Bharatas, mit höchst angemessenem Verstand.“

Wort für Wort
atraitad vacanaṃ prāhuḥ
hierzu dieses Wort sprachen sie (3.Pl.Perf.)
dharmaśāstravido janāḥ
die Kenner der Dharmaśāstras, die Leute (Nom.Pl.)
niśamya bharataśreṣṭha
nachdem sie erwogen haben (Abs.), o Bester der Bharatas (Vok.)
buddhyā paramayuktayā
mit höchst angemessenem Verstand (Instr.Sg.f.)

api codāharantīmaṃ dharmaśāstravido janāḥ; aśvānāṃ śyāmakarṇānāṃ sahasreṇa sa mucyate

„Und es führen die Kenner der Dharmaśāstras auch dies an: Erst durch tausend Pferde mit dunklen Ohren wird er [davon] befreit.“

Wort für Wort
api codāharantīmam
und führen auch dies an (3.Pl.Präs.; Akk.Sg.n.)
dharmaśāstravido janāḥ
die Kenner der Dharmaśāstras, die Leute (Nom.Pl.)
aśvānāṃ śyāmakarṇānāṃ
von Pferden mit dunklen Ohren (Gen.Pl.)
sahasreṇa sa mucyate
durch tausend wird er befreit (Instr.; 3.Sg.Pass.)

Sinn der Halbzeile 8ab/8cd knapp: der Säumige wird erst durch eine Buße von tausend Pferden frei; der Bezug ist sinngemäß ergänzt.

atraivodāharantīmam itihāsaṃ purātanam; sṛgālasya ca saṃvādaṃ vānarasya ca bhārata

„Hierzu führt man diese uralte Erzählung an: das Gespräch eines Schakals und eines Affen, o Bhārata.“

Wort für Wort
atraivodāharanti imam
eben hierzu führen sie an diese (3.Pl.Präs.; Akk.Sg.m.)
itihāsaṃ purātanam
Erzählung, uralte (Akk.Sg.)
sṛgālasya ca saṃvādaṃ
und des Schakals Gespräch (Gen.; Akk.)
vānarasya ca bhārata
und des Affen, o Bhārata (Gen.; Vok.)

tau sakhāyau purā hy āstāṃ mānuṣatve paraṃtapa; anyāṃ yoniṃ samāpannau sārgālīṃ vānarīṃ tathā

„Diese beiden waren einst Freunde in der Menschenzeit, o Bezwinger der Feinde; sie waren in einen anderen Mutterschoß eingegangen, [nämlich als] Schakalin und Äffin.“

Wort für Wort
tau sakhāyau purā hy āstām
diese beiden Freunde waren einst (Nom.Du.; Impf.3.Du.)
mānuṣatve paraṃtapa
im Menschsein (Lok.), o Bezwinger der Feinde (Vok.)
anyāṃ yoniṃ samāpannau
in einen anderen Mutterschoß gelangt (Akk.; Part.Nom.Du.)
sārgālīṃ vānarīṃ tathā
Schakalin und ebenso Äffin (Akk.Sg.f.)

saṃbhāṣamāṇau tu tataḥ sakhyaṃ tatra parasparam

„Als sie sich dann unterhielten, [entstand] dort gegenseitige Freundschaft.“

Wort für Wort
saṃbhāṣamāṇau tu tataḥ
sich unterhaltend aber dann (Part.Präs.Med.Nom.Du.)
sakhyaṃ tatra parasparam
Freundschaft dort untereinander (Akk./Nom.n.; Adv.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Verb fehlt; [entstand] ergänzt.

tataḥ parāsūn khādantaṃ sṛgālaṃ vānaro 'bravīt; śmaśānamadhye saṃprekṣya pūrvajātim anusmaran

Da sprach der Affe zum Schakal, der mitten auf dem Leichenacker Tote fraß; er blickte ihn an und erinnerte sich an die frühere Geburt:

Wort für Wort
tataḥ parāsūn khādantaṃ
dann Entseelte (Tote) fressend (Akk.Pl.; Part.Präs.Akk.Sg.)
sṛgālaṃ vānaro 'bravīt
zum Schakal (Akk.) sprach der Affe (Impf.3.Sg.)
śmaśānamadhye saṃprekṣya
mitten auf dem Leichenacker, ihn anblickend (Lok.; Abs.)
pūrvajātim anusmaran
die frühere Geburt erinnernd (Akk.; Part.Präs.)

kiṃ tvayā pāpakaṃ karma kṛtaṃ pūrvaṃ sudāruṇam; yas tvaṃ śmaśāne mṛtakān pūtikān atsi kutsitān

„Was für eine sehr grausame böse Tat hast du früher begangen, dass du auf dem Leichenacker Tote isst, Verweste, Abscheuliche?“

Wort für Wort
kiṃ tvayā pāpakaṃ karma
welche böse Tat von dir (Instr.; Nom.Sg.n.)
kṛtaṃ pūrvaṃ sudāruṇam
wurde begangen (Part.Pass.), früher, sehr grausam
yas tvaṃ śmaśāne
du, der du auf dem Leichenacker (Nom.; Lok.)
mṛtakān pūtikān atsi kutsitān
Tote, Verweste isst du, Abscheuliche (Akk.Pl.; 2.Sg.Präs.)

evam uktaḥ pratyuvāca sṛgālo vānaraṃ tadā; brāhmaṇasya pratiśrutya na mayā tad upākṛtam

So angesprochen, antwortete da der Schakal dem Affen: „Einem Brāhmaṇa [gegenüber], dem ich es versprochen hatte, wurde das von mir nicht erfüllt.“

Wort für Wort
evam uktaḥ pratyuvāca
so angesprochen antwortete (Part.Pass.; Perf.3.Sg.)
sṛgālo vānaraṃ tadā
der Schakal dem Affen da (Nom.; Akk.)
brāhmaṇasya pratiśrutya
einem Brāhmaṇa, nachdem [ich] versprochen hatte (Gen./Dat.-Sinn; Abs.)
na mayā tad upākṛtam
nicht wurde von mir dies erfüllt (Instr.; Part.Pass.)

tatkṛte pāpikāṃ yonim āpanno 'smi plavaṃgama; tasmād evaṃvidhaṃ bhakṣyaṃ bhakṣayāmi bubhukṣitaḥ

„Deswegen bin ich in einen sündigen Mutterschoß gelangt, o Springer; darum esse ich, hungrig, solche Nahrung.“

Wort für Wort
tatkṛte pāpikāṃ yonim
deswegen, in einen sündigen Mutterschoß (Lok.-Adv.; Akk.Sg.f.)
āpanno 'smi plavaṃgama
gelangt bin ich (Part.; 1.Sg.Präs.), o Springer (Vok.)
tasmād evaṃvidhaṃ bhakṣyaṃ
darum solche Speise (Abl.-Adv.; Akk.Sg.n.)
bhakṣayāmi bubhukṣitaḥ
esse ich, hungrig (1.Sg.Präs.; Part.Nom.)

etan mayā te kathitaṃ sṛgālo 'haṃ yathābhavam; vānara uvāca; tvaṃ tu vānaratāṃ prāptaḥ karmaṇā kena tad vada; pārakyāṇi purā lobhāt phalāny apahṛtāni ca; bhīṣma uvāca; tenāhaṃ karmadoṣeṇa vānaratvam upāgataḥ; evaṃ tau kathayitvā tu karmadoṣān parasparam; sṛgālo vānaraś cāpi pratiyātau yathāgatam

„Dies habe ich dir erzählt, wie es mit mir kam: ich bin ein Schakal.“ Der Affe sprach: „Du aber, durch welche Tat bist du in die Affenschaft gelangt? Das sage.“ [Bhīṣma sprach:] „Früher wurden aus Gier fremde Früchte [von mir] geraubt. Wegen dieses Tatfehlers bin ich zur Affenschaft gelangt.“ So sprachen die beiden, einander von ihren Tatfehlern erzählend; Schakal und Affe gingen wieder zurück, so wie sie gekommen waren.

Wort für Wort
etan mayā te kathitaṃ
dies von mir dir erzählt (Instr.; Dat./Gen.; Part.Pass.)
sṛgālo 'haṃ yathābhavam
ein Schakal bin ich, wie es kam (Nom.; Adv.)
vānara uvāca tvaṃ tu vānaratāṃ prāptaḥ
der Affe sprach: du aber die Affenschaft erlangt habend
karmaṇā kena tad vada
durch welche Tat (Instr.), das sprich (Imp.)
pārakyāṇi purā lobhāt phalāny apahṛtāni ca
fremde Früchte früher aus Gier geraubt (Nom.Pl.n.; Part.Pass.)
bhīṣma uvāca tenāhaṃ karmadoṣeṇa vānaratvam upāgataḥ
Bhīṣma sprach: durch diesen Tatfehler bin ich zur Affenschaft gelangt
evaṃ tau kathayitvā tu karmadoṣān parasparam
so nachdem die beiden einander die Tatfehler erzählt hatten (Abs.)
sṛgālo vānaraś cāpi pratiyātau yathāgatam
Schakal und Affe gingen zurück, wie sie gekommen waren (Aor./Perf.Du.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Sprecherangaben der Zusatzpassage sind offenbar verwirrt (Bhīṣma uvāca vor der Antwort des Sprechers der Tat; die Rollenverteilung der Frage/Antwort ist unklar). Wiedergabe wörtlich mit [Bhīṣma sprach:] wie im Text.

bhīṣma uvāca; sṛgālo vānaraṃ prāha punar eva nṛpottama; kiṃ tvayā pātakaṃ karma kṛtaṃ yenāsi vānaraḥ

Bhīṣma sprach: „Der Schakal sagte wiederum zum Affen, o bester der Könige: Welche sündige Tat hast du begangen, wodurch du ein Affe bist?“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
sṛgālo vānaraṃ prāha
der Schakal sagte zum Affen (Perf.3.Sg.)
punar eva nṛpottama
wiederum, o bester der Könige (Vok.)
kiṃ tvayā pātakaṃ karma kṛtaṃ
welche sündige Tat von dir begangen (Instr.; Part.Pass.)
yenāsi vānaraḥ
wodurch du ein Affe bist (Instr.; 2.Sg.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

sa cāpy āha brāhmaṇānāṃ phalāhāraḥ plavaṃgamaḥ; tasmān na brāhmaṇasvaṃ tu hartavyaṃ viduṣā sadā; sīmāvivāde moktavyaṃ dātavyaṃ ca pratiśrutam

Und dieser sagte: „Ich, der Affe, war ein Früchteesser [auf Kosten] der Brāhmaṇas. Darum darf Brāhmaṇa-Eigentum vom Wissenden niemals geraubt werden; bei einem Grenzstreit ist [der Anspruch] aufzugeben, und das Versprochene ist zu geben.“

Wort für Wort
sa cāpy āha
und auch dieser sagte (Perf.3.Sg.)
brāhmaṇānāṃ phalāhāraḥ plavaṃgamaḥ
der Früchte-Esser der Brāhmaṇas, der Affe (Gen.Pl.; Nom.)
tasmān na brāhmaṇasvaṃ tu hartavyaṃ
darum ist Brāhmaṇa-Eigentum nicht zu rauben (Abl.-Adv.; Gerundiv)
viduṣā sadā
vom Wissenden stets (Instr.Sg.)
sīmāvivāde moktavyaṃ
beim Grenzstreit ist aufzugeben (Lok.; Gerundiv)
dātavyaṃ ca pratiśrutam
und zu geben ist das Versprochene (Gerundiv; Part.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Bedeutung von sīmāvivāde moktavyam unsicher (sinngemäß: im Grenzstreit ist nachzugeben).

ity etad bruvato rājan brāhmaṇasya mayā śrutam; kathāṃ kathayataḥ puṇyāṃ dharmajñasya purātanīm

„So habe ich es, o König, von einem Brāhmaṇa gehört, der dies sagte, als er eine heilige, uralte Erzählung erzählte, ein Kenner des Dharma.“

Wort für Wort
ity etad bruvato rājan
so dies, von einem Sprechenden (Gen.), o König (Vok.)
brāhmaṇasya mayā śrutam
von einem Brāhmaṇa, von mir gehört (Instr.; Part.Pass.)
kathāṃ kathayataḥ puṇyāṃ
der eine Erzählung erzählte, heilige (Part.Gen.; Akk.Sg.f.)
dharmajñasya purātanīm
der des Dharma kundig ist (Gen.), uralte (Akk.Sg.f.)

śrutaṃ cāpi mayā bhūyaḥ kṛṣṇasyāpi viśāṃ pate; kathāṃ kathayataḥ pūrvaṃ brāhmaṇaṃ prati pāṇḍava

„Und auch von Kṛṣṇa habe ich weiterhin gehört, o Herr der Menschen, als er früher eine Erzählung erzählte in Bezug auf einen Brāhmaṇa, o Pāṇḍava.“

Wort für Wort
śrutaṃ cāpi mayā bhūyaḥ
und auch gehört von mir weiterhin (Part.Pass.; Instr.)
kṛṣṇasyāpi viśāṃ pate
auch von Kṛṣṇa (Gen.), o Herr der Menschen (Vok.)
kathāṃ kathayataḥ pūrvaṃ
der eine Erzählung erzählte (Part.Gen.), früher
brāhmaṇaṃ prati pāṇḍava
in Bezug auf einen Brāhmaṇa, o Pāṇḍava (Vok.)

na hartavyaṃ vipradhanaṃ kṣantavyaṃ teṣu nityaśaḥ; bālāś ca nāvamantavyā daridrāḥ kṛpaṇā api

„Das Vermögen eines Brāhmaṇa darf nicht geraubt werden; ihnen gegenüber ist stets Nachsicht zu üben; Kinder sind nicht zu missachten, auch nicht Arme und Bedauernswerte.“

Wort für Wort
na hartavyaṃ vipradhanaṃ
nicht zu rauben ist das Vermögen eines Vipra (Gerundiv; Nom.n.)
kṣantavyaṃ teṣu nityaśaḥ
nachzusehen ist ihnen gegenüber stets (Gerundiv; Lok.Pl.)
bālāś ca nāvamantavyā
und Kinder sind nicht zu missachten (Nom.Pl.; Gerundiv)
daridrāḥ kṛpaṇā api
Arme, Bedauernswerte auch (Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

evam eva ca māṃ nityaṃ brāhmaṇāḥ saṃdiśanti vai; pratiśrutya bhaved deyaṃ nāśā kāryā hi brāhmaṇaiḥ

„Und so unterweisen mich die Brāhmaṇas stets: Was versprochen wurde, soll gegeben werden; den Brāhmaṇas darf keine [leere] Hoffnung gemacht werden.“

Wort für Wort
evam eva ca māṃ nityaṃ
und ganz so mich stets
brāhmaṇāḥ saṃdiśanti vai
die Brāhmaṇas weisen an (3.Pl.Präs.)
pratiśrutya bhaved deyaṃ
nach Versprechen soll zu geben sein (Abs.; Opt.3.Sg.; Gerundiv)
nāśā kāryā hi brāhmaṇaiḥ
keine Hoffnung ist zu machen, denn den Brāhmaṇas [?] (Nom.f.; Gerundiv; Instr.)

Zweite Vershälfte grammatisch unsicher (nāśā = na āśā; brāhmaṇaiḥ als Instr. schwierig); sinngemäß wiedergegeben.

brāhmaṇo hy āśayā pūrvaṃ kṛtayā pṛthivīpate; susamiddho yathā dīptaḥ pāvakas tadvidhaḥ smṛtaḥ

„Denn ein Brāhmaṇa, o Herr der Erde, gilt durch eine früher [in ihm] geweckte Hoffnung als von der Art eines wohlentfachten, lodernden Feuers.“

Wort für Wort
brāhmaṇo hy āśayā pūrvaṃ
ein Brāhmaṇa nämlich durch Hoffnung zuvor (Instr.Sg.)
kṛtayā pṛthivīpate
die erzeugt wurde (Part.Instr.f.), o Herr der Erde (Vok.)
susamiddho yathā dīptaḥ
wie wohlentfacht, lodernd (Part.Nom.)
pāvakas tadvidhaḥ smṛtaḥ
ein Feuer, von solcher Art gilt er (Nom.; Part.Pass.)

yaṃ nirīkṣeta saṃkruddha āśayā pūrvajātayā; pradaheta hi taṃ rājan kakṣam akṣayyabhug yathā

„Wen er, zornentbrannt, mit der früher entstandenen Hoffnung ansieht, den verbrennt er, o König, wie das unerschöpflich verzehrende [Feuer] das Gestrüpp.“

Wort für Wort
yaṃ nirīkṣeta saṃkruddhaḥ
wen er ansehen mag, erzürnt (Opt.3.Sg.; Part.Nom.)
āśayā pūrvajātayā
mit der früher entstandenen Hoffnung (Instr.Sg.f.)
pradaheta hi taṃ rājan
verbrennen wird er ihn, o König (Opt.3.Sg.; Vok.)
kakṣam akṣayyabhug yathā
wie das Gestrüpp der unerschöpflich Verzehrende [Agni] (Akk.; Nom.)

sa eva hi yadā tuṣṭo vacasā pratinandati; bhavaty agadasaṃkāśo viṣaye tasya bhārata

„Wenn eben dieser aber zufrieden ist und mit einem Wort Beifall spendet, so wird er in dessen [des Gebers] Reich wie ein Heilmittel, o Bhārata.“

Wort für Wort
sa eva hi yadā tuṣṭaḥ
eben dieser aber, wenn zufrieden (Part.Nom.)
vacasā pratinandati
mit einem Wort erwidert er freudig (Instr.; 3.Sg.Präs.)
bhavaty agadasaṃkāśaḥ
wird er heilmittelgleich (3.Sg.Präs.; Nom.)
viṣaye tasya bhārata
im Reich dessen (Lok.; Gen.), o Bhārata (Vok.)

putrān pautrān paśūṃś caiva bāndhavān sacivāṃs tathā; puraṃ janapadaṃ caiva śāntir iṣṭeva puṣyati

„Söhne, Enkel, Vieh, Verwandte und Berater, ebenso Stadt und Land [– sie alle] nährt [sein] Segensfriede gleichsam wie ein Opfer.“

Wort für Wort
putrān pautrān paśūṃś caiva
Söhne, Enkel und Vieh (Akk.Pl.)
bāndhavān sacivāṃs tathā
Verwandte und Berater ebenso (Akk.Pl.)
puraṃ janapadaṃ caiva
Stadt und Land (Akk.Sg.)
śāntir iṣṭeva puṣyati
Besänftigung, wie ein Opfer, nährt (Nom.f.; 3.Sg.Präs.)

iṣṭā (Opfer) iva; śānti als Subjekt, puṣyati transitiv gebraucht; Lesart nicht ganz sicher.

etad dhi paramaṃ tejo brāhmaṇasyeha dṛśyate; sahasrakiraṇasyeva savitur dharaṇītale

„Dies nämlich wird hier als höchste Glut des Brāhmaṇa gesehen, wie die des tausendstrahligen Savitṛ auf der Erdoberfläche.“

Wort für Wort
etad dhi paramaṃ tejaḥ
dies nämlich [ist] die höchste Glut (Nom.n.)
brāhmaṇasyeha dṛśyate
des Brāhmaṇa; hier wird gesehen (Gen.; 3.Sg.Pass.)
sahasrakiraṇasyeva
gleichsam wie die des tausendstrahligen (Gen.Sg.)
savitur dharaṇītale
des Savitṛ (Sonne), auf der Erdoberfläche (Gen.; Lok.)

tasmād dātavyam eveha pratiśrutya yudhiṣṭhira; yadīcchec chobhanāṃ jātiṃ prāptuṃ bharatasattama

„Darum ist hier gewiss zu geben, wenn man versprochen hat, Yudhiṣṭhira, wenn man eine gute Geburt erlangen will, o Bester der Bharatas.“

Wort für Wort
tasmād dātavyam eveha
darum ist eben hier zu geben (Abl.-Adv.; Gerundiv)
pratiśrutya yudhiṣṭhira
nachdem man versprochen hat (Abs.), Yudhiṣṭhira (Vok.)
yadīcchec chobhanāṃ jātiṃ
wenn man wünschen sollte eine schöne Geburt (Opt.3.Sg.; Akk.)
prāptuṃ bharatasattama
zu erlangen (Inf.), o Bester der Bharatas (Vok.)

brāhmaṇasya hi dattena dhruvaṃ svargo hy anuttamaḥ; śakyaṃ prāptuṃ viśeṣeṇa dānaṃ hi mahatī kriyā

„Denn durch dem Brāhmaṇa Gegebenes kann der höchste Himmel sicher erlangt werden, zumal; denn Geben ist ein großes Werk.“

Wort für Wort
brāhmaṇasya hi dattena
denn durch dem Brāhmaṇa Gegebenes (Gen./Dat.-Sinn; Instr.Sg.n.)
dhruvaṃ svargo hy anuttamaḥ
sicher der Himmel, unübertrefflicher (Nom.)
śakyaṃ prāptuṃ viśeṣeṇa
möglich zu erlangen, besonders (Nom.n.; Inf.; Instr.-Adv.)
dānaṃ hi mahatī kriyā
Geben ist ja ein großes Werk (Nom.n.; Nom.f.)

ito dattena jīvanti devatāḥ pitaras tathā; tasmād dānāni deyāni brāhmaṇebhyo vijānatā

„Von dem von hier [aus] Gegebenen leben die Götter und ebenso die Väter; darum sind Gaben den Brāhmaṇas zu geben von dem, der es weiß.“

Wort für Wort
ito dattena jīvanti
von hier durch Gegebenes leben (Instr.; 3.Pl.Präs.)
devatāḥ pitaras tathā
die Gottheiten und ebenso die Väter (Nom.Pl.)
tasmād dānāni deyāni
darum sind Gaben zu geben (Nom.Pl.n.; Gerundiv)
brāhmaṇebhyo vijānatā
den Brāhmaṇas, vom Wissenden (Dat.Pl.; Part.Instr.)

mahad dhi bharataśreṣṭha brāhmaṇas tīrtham ucyate; velāyāṃ na tu kasyāṃ cid gacched vipro hy apūjitaḥ

„Denn groß, o Bester der Bharatas, wird der Brāhmaṇa als heilige Furt bezeichnet; zu keiner Zeit soll ein Vipra ungeehrt gehen.“

Wort für Wort
mahad dhi bharataśreṣṭha
groß nämlich, o Bester der Bharatas (Nom.n.; Vok.)
brāhmaṇas tīrtham ucyate
der Brāhmaṇa [als] heilige Furt wird genannt (Nom.; Nom.n.; 3.Sg.Pass.)
velāyāṃ na tu kasyāṃ cit
zu keiner Zeit aber (Lok.Sg.f.)
gacched vipro hy apūjitaḥ
gehen soll ein Vipra, ungeehrt (Opt.3.Sg.; Nom.; Part.)

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