Kapitel 1: gautamīlubdhakasaṃvāda
Gautamī, der Jäger, die Schlange, Mṛtyu und Kāla: Das eigene Tun als Ursache des Todes
Bhīṣma belehrt den verzweifelten Yudhiṣṭhira mit der alten Erzählung von der Brahmanin Gautamī, deren Sohn an einem Schlangenbiss starb: Weder Schlange noch Mṛtyu noch Kāla, sondern das eigene Karma ist Ursache. Der Chunk beginnt mit den Zusatzversen und Yudhiṣṭhiras Klage sowie dem Anfang des Streitgesprächs.
yaḥ śvetatvam upāgataḥ kṛtayuge tretāyuge raktatāṃ; yugme yaḥ kapilaḥ kalau sa bhagavān kṛṣṇatvam abhyāgataḥ; yaṃ vedāntavido vadanti munayo yo yogibhir gīyate; sa brahmā yadi vā haro yadi hariḥ pāyāj jagad durgateḥ; kṛṣṇadvaipāyanaṃ vyāsaṃ viddhi nārāyaṇaṃ svayam; ko 'nyo hi puṇḍarīkākṣān mahābhāratakṛd bhavet
Der, der im Kṛtayuga zur Weißheit gelangte, im Tretāyuga zur Röte, im [Dvāpara,] dem paarigen [Zeitalter], der gelbbraune, im Kali aber jener Erhabene zur Schwärze [Kṛṣṇa-Sein] gelangte; den die Weisen, die Kenner des Vedānta, [so] nennen, der von den Yogins besungen wird: er, sei es Brahmā, sei es Hara [Śiva], sei es Hari [Viṣṇu], möge die Welt vor Not bewahren. Wisse: Kṛṣṇa Dvaipāyana Vyāsa ist Nārāyaṇa selbst; wer sonst als der Lotosäugige könnte der Schöpfer des Mahābhārata sein?
Wort für Wort
yaḥ śvetatvam upāgataḥ kṛtayuge
der zur Weißheit gelangte im Kṛtayuga (Nom.; Part.Perf.Pass.; Lok.)
tretāyuge raktatāṃ
im Tretāyuga zur Röte (Lok.; Akk.)
yugme yaḥ kapilaḥ
im paarigen [Zeitalter] der Gelbbraune (Lok.; Nom.)
kalau sa bhagavān kṛṣṇatvam abhyāgataḥ
im Kali jener Erhabene zur Schwärze gelangt (Lok.; Nom.; Akk.; Part.)
yaṃ vedāntavido vadanti munayaḥ
den die Vedānta-Kenner, die Weisen, nennen (Akk.; Nom.Pl.; 3.Pl.Präs.)
yo yogibhir gīyate
der von den Yogins besungen wird (Instr.Pl.; 3.Sg.Pass.)
sa brahmā yadi vā haro yadi hariḥ
er, sei es Brahmā oder Hara oder Hari (Nom.)
pāyāj jagad durgateḥ
möge die Welt vor Not schützen (3.Sg.Opt.; Akk.; Abl.)
kṛṣṇadvaipāyanaṃ vyāsaṃ viddhi nārāyaṇaṃ svayam
Kṛṣṇa Dvaipāyana Vyāsa wisse als Nārāyaṇa selbst (Akk.; Imp.)
ko 'nyo hi puṇḍarīkākṣān
wer sonst denn als der Lotosäugige (Nom.; Abl.)
mahābhāratakṛd bhavet
könnte Verfasser des Mahābhārata sein (Nom.; 3.Sg.Opt.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzstrophen der Handschriften (Widmungs- und Segensverse); yugme yaḥ kapilaḥ: Zuordnung zum Dvāpara nach dem Zusammenhang der vier Zeitalterfarben.
lakṣmīmaṭhanivāso 'haṃ gopālākhyo dvijottamaḥ; śrīkṛṣṇaṃ tu namaskṛtya likhyāmi muktikāmyayā
Ich, der ich im Kloster der Lakṣmī wohne, mit Namen Gopāla, ein Bester der Zweimalgeborenen, schreibe, nachdem ich Śrī Kṛṣṇa verehrt habe, [dies] aus dem Wunsch nach Erlösung.
Wort für Wort
lakṣmīmaṭhanivāso 'haṃ
ich, im Lakṣmī-Kloster wohnend (Nom.; Kompositum)
gopālākhyo dvijottamaḥ
Gopāla genannt, ein Bester der Zweimalgeborenen (Nom.)
śrīkṛṣṇaṃ tu namaskṛtya
Śrī Kṛṣṇa aber, nachdem ich mich verneigt habe (Akk.; Abs.)
likhyāmi muktikāmyayā
ich schreibe aus Verlangen nach Erlösung (1.Sg.Präs.; Instr.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Kolophon-artiger Schreibervers eines späteren Kopisten.
Nachdem er aus dem Lager nach Hāstinapura gelangt war, betrat Saṃjaya, Bhārata, der hochweise, den Palast des Dhṛtarāṣṭra; der Wagenlenker, vom Kummer übermannt, verstört, tief betrübt, sann über das grauenvolle Gemetzel am Sohn des Wagenlenkers [Karṇa] durch die Pāṇḍavas nach.
Wort für Wort
śibirād dhāstinapuraṃ prāpya
aus dem Lager, nach Hāstinapura gelangt (Abl.; Akk.; Abs.)
bhārata saṃjayaḥ
Bhārata, Saṃjaya (Vok.; Nom.)
praviveśa mahāprājño
betrat der hochweise (Perf.3.Sg.; Nom.)
dhṛtarāṣṭraniveśanam
das Haus des Dhṛtarāṣṭra (Akk.)
śokenāpahataḥ sūto
vom Kummer überwältigt, der Wagenlenker (Instr.; Part.; Nom.)
vihvalan bhṛśaduḥkhitaḥ
verstört, sehr bekümmert (Nom.)
cintayan vaiśasaṃ ghoraṃ
nachsinnend über das grauenvolle Gemetzel (Part.Präs.; Akk.)
sūtaputrasya pāṇḍavaiḥ
des Sohnes des Wagenlenkers, durch die Pāṇḍavas (Gen.; Instr.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). vihvalan: Sandhi-/Sonderform für vihvalaḥ.
yudhiṣṭhira uvāca; śamo bahuvidhākāraḥ sūkṣma uktaḥ pitāmaha; na ca me hṛdaye śāntir asti kṛtvedam īdṛśam
Yudhiṣṭhira sprach: „Die Beruhigung, Großvater, hat vielerlei Gestalt und ist [von dir] als fein [schwer fassbar] dargelegt worden. Doch in meinem Herzen ist keine Ruhe, nachdem ich dies Derartige getan habe.“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Nom.; Perf.3.Sg.)
śamo bahuvidhākāraḥ
die Beruhigung, vielgestaltig (Nom.)
sūkṣma uktaḥ pitāmaha
fein, gesagt, Großvater (Nom.; Part.Pass.; Vok.)
na ca me hṛdaye śāntir asti
und nicht ist in meinem Herzen Frieden (Lok.; Nom.; 3.Sg.Präs.)
asminn arthe bahuvidhā śāntir uktā tvayānagha; svakṛte kā nu śāntiḥ syāc chamād bahuvidhād api
„In dieser Sache ist von dir, Makelloser, vielfältige Ruhe dargelegt worden. Doch welche Ruhe könnte es bei einer selbst begangenen Tat geben, selbst durch vielfältige Beruhigung?“
Wort für Wort
asminn arthe bahuvidhā
in dieser Sache vielfältige (Lok.; Nom.f.)
śāntir uktā tvayānagha
Ruhe ist gesagt von dir, Makelloser (Nom.; Part.Pass.; Instr.; Vok.)
svakṛte kā nu śāntiḥ syāt
bei selbst Getanem, welche Ruhe könnte sein (Lok.; 3.Sg.Opt.)
śamād bahuvidhād api
selbst durch vielfältige Beruhigung (Abl.)
Wörtlich: „bei Selbstgetanem“; die Deutung von śamād … api als Abl. der Gegenüberstellung (‚trotz‘) ist die einfachste Lesart.
śarācitaśarīraṃ hi tīvravraṇam udīkṣya ca; śamaṃ nopalabhe vīra duṣkṛtāny eva cintayan
„Denn wenn ich deinen von Pfeilen bedeckten Leib und die schwere Wunde ansehe, finde ich keine Ruhe, Held, während ich nur an die [meine] Untaten denke.“
Wort für Wort
śarācitaśarīraṃ hi
[dich] mit von Pfeilen bedecktem Leib (Akk.; Kompositum)
tīvravraṇam udīkṣya ca
und die schwere Wunde ansehend (Akk.; Abs.)
śamaṃ nopalabhe vīra
Ruhe erlange ich nicht, Held (Akk.; 1.Sg.Präs.; Vok.)
„Deine mit Blut übergossenen Glieder, die wie ein [Quellen] strömender Berg sind, sehe ich, Tiger unter den Männern, und ich sinke dahin wie eine Lotosblume in der Regenzeit.“
Wort für Wort
rudhireṇāvasiktāṅgaṃ
dessen Glieder mit Blut übergossen sind (Instr.; Akk.)
prasravantaṃ yathācalam
strömend wie ein Berg (Part.Präs.; Akk.)
tvāṃ dṛṣṭvā puruṣavyāghra
dich gesehen habend, Tiger unter den Männern (Akk.; Abs.; Vok.)
sīde varṣāsv ivāmbujam
ich sinke/welke, wie in der Regenzeit die Lotosblume (1.Sg.Präs.; Lok.Pl.; Nom.)
ivāmbujam: Vergleichsbild nach dem Kontext; die Verbindung „Lotos in der Regenzeit“ ist als Bild des Dahinsinkens gedeutet [?].
„Was könnte schlimmer sein als dies, dass um meinetwillen der Großvater von den Feinden auf dem Schlachtfeld in diesen Zustand gebracht wurde, und ebenso andere Könige samt ihren Söhnen und Verwandten?“
Wort für Wort
ataḥ kaṣṭataraṃ kiṃ nu
was ist schlimmer als dies? (Abl.; Komp.; Interr.)
matkṛte yat pitāmahaḥ
um meinetwillen, dass der Großvater (Lok.; Nom.)
imām avasthāṃ gamitaḥ
in diesen Zustand gebracht (Akk.; Part.Kaus.)
pratyamitrai raṇājire
von den Gegnern auf dem Kampfplatz (Instr.Pl.; Lok.)
vayaṃ hi dhārtarāṣṭrāś ca kālamanyuvaśānugāḥ; kṛtvedaṃ ninditaṃ karma prāpsyāmaḥ kāṃ gatiṃ nṛpa
„Denn wir und die Dhārtarāṣṭras, der Macht der Zeit und des Zorns folgend, welches Ziel werden wir erlangen, König, nachdem wir diese getadelte Tat vollbracht haben?“
Wort für Wort
vayaṃ hi dhārtarāṣṭrāś ca
denn wir und die Dhārtarāṣṭras (Nom.Pl.)
kālamanyuvaśānugāḥ
der Gewalt von Zeit und Zorn folgend (Nom.Pl.; Kompositum)
kṛtvedaṃ ninditaṃ karma
nachdem wir diese getadelte Tat getan (Abs.; Akk.)
prāpsyāmaḥ kāṃ gatiṃ nṛpa
werden wir welchen Weg/welches Ziel erlangen, König (1.Pl.Fut.; Akk.; Vok.)
duryodhano hi samare sahasainyaḥ sahānujaḥ; nihataḥ kṣatradharme 'smin durātmā kulapāṃsanaḥ; na sa paśyati duṣṭātmā tvām adya patitaṃ kṣitau; ataḥ śreyo mṛtaṃ manye neha jīvitam ātmanaḥ; ahaṃ hi samare vīra gamitaḥ śatrubhiḥ kṣayam; abhaviṣyaṃ yadi purā saha bhrātṛbhir acyuta; na tvām evaṃ suduḥkhārtam adrākṣaṃ sāyakārditam; nūnaṃ hi pāpakarmāṇo dhātrā sṛṣṭāḥ sma he nṛpa; anyasminn api loke hi yathā mucyema kilbiṣāt; tathā praśādhi māṃ rājan mama ced icchasi priyam
„Duryodhana ist im Kampf samt seinem Heer und samt seinen jüngeren Brüdern in diesem Kṣatriya-Dharma erschlagen worden, der Böswillige, der Schandfleck seiner Sippe; er, der Boshafte, sieht dich heute nicht, auf der Erde gefallen. Daher halte ich den Tod für besser, nicht das eigene Leben hier. Wäre ich doch früher, Held, im Kampf von den Feinden in den Untergang gebracht worden, zusammen mit meinen Brüdern, Acyuta, so hätte ich dich nicht so von Leid gequält, von Pfeilen getroffen, gesehen. Wahrlich, wir sind vom Schöpfer als Täter von Bösem geschaffen worden, o König. Wie wir auch in der anderen Welt von der Schuld frei werden mögen, so unterweise mich, König, wenn du mir Liebes tun willst.“
Wort für Wort
duryodhano hi samare sahasainyaḥ sahānujaḥ
denn Duryodhana im Kampf samt Heer, samt jüngerem Bruder (Nom.; Lok.)
nihataḥ kṣatradharme 'smin
erschlagen in diesem Kṣatriya-Dharma (Part.Pass.; Lok.)
durātmā kulapāṃsanaḥ
der Böswillige, Schandfleck der Sippe (Nom.)
na sa paśyati duṣṭātmā tvām adya patitaṃ kṣitau
nicht sieht er, der Boshafte, dich heute auf der Erde gefallen (3.Sg.Präs.; Akk.; Part.; Lok.)
ataḥ śreyo mṛtaṃ manye
daher halte ich das Sterben für besser (Akk./Part.; 1.Sg.Präs.)
neha jīvitam ātmanaḥ
nicht hier das eigene Leben (Nom.; Gen.)
ahaṃ hi samare vīra gamitaḥ śatrubhiḥ kṣayam
ich, im Kampf, Held, von den Feinden zu Untergang gebracht (Part.Kaus.; Instr.; Akk.)
abhaviṣyaṃ yadi purā saha bhrātṛbhir acyuta
wenn ich früher zusammen mit den Brüdern [so] gewesen wäre, Acyuta (Kondit.; Instr.; Vok.)
na tvām evaṃ suduḥkhārtam adrākṣaṃ sāyakārditam
so hätte ich dich nicht so tief leidend, von Pfeilen geplagt, gesehen (Aor.1.Sg.; Akk.)
nūnaṃ hi pāpakarmāṇo dhātrā sṛṣṭāḥ sma he nṛpa
fürwahr sind wir als Täter böser Werke vom Schöpfer geschaffen, o König (Nom.Pl.; Instr.; Part.)
anyasminn api loke hi yathā mucyema kilbiṣāt
auch in der anderen Welt, wie wir von der Schuld frei werden mögen (Lok.; Opt.Pass.; Abl.)
tathā praśādhi māṃ rājan mama ced icchasi priyam
so unterweise mich, König, wenn du mir Liebes wünschst (Imp.; Akk.; Vok.; 2.Sg.Präs.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Passage abhaviṣyaṃ yadi … na … adrākṣam ist als irrealer Bedingungssatz gelesen, mit gamitaḥ als Ergänzung „in den Untergang gebracht“.
Bhīṣma sprach: „Als von anderem abhängig: warum siehst du dich selbst als Ursache an? In diesem Tun, Hochherziger, ist dies fein und jenseits der Sinne [erfassbar].“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Nom.; Perf.)
paratantraṃ kathaṃ hetum
abhängig von anderem, warum als Ursache (Akk.; Adv.; Akk.)
gautamy uvāca; visṛjainam abuddhis tvaṃ na vadhyo 'rjunaka tvayā; ko hy ātmānaṃ guruṃ kuryāt prāptavye sati cintayan
Gautamī sprach: „Lass ihn frei, du Unverständiger; von dir, Arjunaka, darf er nicht getötet werden. Denn wer würde sich selbst zum Schweren [Belasteten] machen, wenn er bedenkt, dass das Zu-Erlangende [ohnehin] eintritt?“
Wort für Wort
gautamy uvāca
Gautamī sprach (Nom.; Perf.)
visṛjainam abuddhis tvaṃ
lass ihn frei, du Unverständiger (Imp.; Akk.; Nom.)
na vadhyo 'rjunaka tvayā
nicht darf er getötet werden, Arjunaka, von dir (Gerundiv; Vok.; Instr.)
ko hy ātmānaṃ guruṃ kuryāt
wer würde sich selbst schwer machen (Nom.; Akk.; 3.Sg.Opt.)
prāptavye sati cintayan
wenn das Zu-Erlangende feststeht, nachdenkend (Lok. absol.; Part.)
prāptavye sati: Deutung „wenn das Bestimmte ohnehin eintreten muss“ [?].
„Die, deren Dharma leicht [ihre Last gering] ist, schwimmen in der Welt obenauf wie Flöße im Wasser; die durch Sünde Schweren sinken wie eine ins Wasser gefallene Waffe.“
Wort für Wort
plavante dharmalaghavo
es schwimmen die, deren Dharma leicht ist (3.Pl.Med.; Nom.Pl.)
loke 'mbhasi yathā plavāḥ
in der Welt, wie im Wasser Flöße (Lok.; Nom.Pl.)
majjanti pāpaguravaḥ
es sinken die durch Sünde Schweren (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.)
śastraṃ skannam ivodake
wie eine ins Wasser gefallene Waffe (Nom.; Part.Pass.; Lok.)
yadi vāsmiṃs tu nihate pannage 'rjunaka tvayā; jīved ayaṃ bālako me tan na me 'rjunaka priyam
„Und wenn, Arjunaka, durch dich diese Schlange getötet würde und dieser mein Knabe lebendig würde, [auch] das wäre mir nicht lieb, Arjunaka.“
Wort für Wort
yadi vāsmiṃs tu nihate
oder wenn, wenn dieser getötet ist (Lok. absol.)
pannage 'rjunaka tvayā
die Schlange, Arjunaka, von dir (Lok.; Vok.; Instr.)
jīved ayaṃ bālako me
es lebte dieser mein Knabe (3.Sg.Opt.; Nom.; Gen.)
tan na me 'rjunaka priyam
das wäre mir nicht lieb, Arjunaka (Nom.n.; Vok.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sinn der Zusatzstrophe schwer greifbar; Wiedergabe wörtlich [?].
Der Jäger sprach: „Ich weiß es wohl so; hier gibt es keine, die Vorzug und Fehler [sicher] kennen [?]. Alle Bestellten werden [zu] Lehrern; diese Lehren aber gelten für den, der in sich ruht/gesund ist. Darum werde ich diese niedrige Schlange töten.“
Wort für Wort
lubdhaka uvāca
der Jäger sprach (Nom.; Perf.)
jānāmy evaṃ neha guṇāguṇajñāḥ
ich weiß es so; hier nicht Kenner von Vorzug und Fehler (1.Sg.Präs.; Nom.Pl.)
sarve niyuktā guravo vai bhavanti
alle Bestellten werden gewiss Lehrer (Nom.Pl.; 3.Pl.Präs.)
svasthasyaite tūpadeśā bhavanti
diese Belehrungen aber gelten für den in sich Ruhenden (Gen.; Nom.Pl.)
tasmāt kṣudraṃ sarpam enaṃ haniṣye
darum werde ich diese niedrige Schlange töten (Abl.; Akk.; 1.Sg.Fut.)
samīpsantaḥ kālayogaṃ tyajanti; sadyaḥ śucaṃ tv arthavidas tyajanti; śreyaḥ kṣayaḥ śocatāṃ nityaśo hi; tasmāt tyājyaṃ jahi śokaṃ hate 'smin
„Die, die den [rechten] Zusammenhang mit der Zeit erstreben, lassen [ihn/Trauer] fahren; die Sachkundigen geben die Trauer sogleich auf. Denn für die beständig Trauernden ist das Heil Schwund. Darum gib die aufzugebende Trauer auf, wenn dieser getötet ist.“
Wort für Wort
samīpsantaḥ kālayogaṃ
die die Verbindung mit der Zeit zu erlangen suchen (Part.Des.; Akk.)
tyajanti
sie lassen fahren (3.Pl.Präs.)
sadyaḥ śucaṃ tv arthavidas tyajanti
die Sachkundigen aber lassen sofort Trauer fahren (Adv.; Akk.; Nom.Pl.)
śreyaḥ kṣayaḥ śocatāṃ nityaśo hi
denn für die beständig Trauernden ist Heil Schwund (Nom.; Gen.Pl.; Adv.)
tasmāt tyājyaṃ jahi śokaṃ hate 'smin
darum gib die aufzugebende Trauer auf, wenn dieser getötet ist (Gerundiv; Imp.; Akk.; Lok.)
gautamy uvāca; na caivārtir vidyate 'smadvidhānāṃ; dharmārāmaḥ satataṃ sajjano hi; nityāyasto bālajano na cāsti; dharmo hy eṣa prabhavāmy asya nāham
Gautamī sprach: „Bei Menschen wie uns gibt es keinen Schmerz; der stets am Dharma Freude findende gute Mensch ist ja [so]. Auch gibt es keinen ständig sich abmühenden Kindlichen [?]; denn dies ist Dharma, ich habe darüber keine Macht, nicht ich.“
Wort für Wort
gautamy uvāca
Gautamī sprach (Nom.; Perf.)
na caivārtir vidyate 'smadvidhānāṃ
und keinen Schmerz gibt es bei uns Gleichen (Nom.; 3.Sg.Pass.; Gen.Pl.)
dharmārāmaḥ satataṃ sajjano hi
der Gute, stets am Dharma sich freuend (Nom.; Adv.)
nityāyasto bālajano na cāsti
ständig Angestrengter, Kindervolk gibt es nicht (Nom.; 3.Sg.Präs.)
dharmo hy eṣa prabhavāmy asya nāham
denn dies ist Dharma; ich vermag es nicht (Nom.; 1.Sg.Präs.; Gen.)
Der Jäger sprach: „Nach dem Töten wäre Gewinn und unvergängliches Heil; sofortiger Gewinn wird von den Mächtigen gepriesen. Der Gewinn aber, der [erst] aus der Zeit [später] sofort eintritt [?]: bei einem so Verachtenswerten wäre im Töten Heil.“
Wort für Wort
lubdhaka uvāca
der Jäger sprach (Nom.; Perf.)
hatvā lābhaḥ śreya evāvyayaṃ syāt
nach dem Töten wäre Gewinn, unvergängliches Heil (Abs.; Nom.; 3.Sg.Opt.)
sadyo lābho balavadbhiḥ praśastaḥ
sofortiger Gewinn wird von den Mächtigen gepriesen (Instr.Pl.; Part.Pass.)
kālāl lābho yas tu sadyo bhaveta
der Gewinn aber, der aus der Zeit sofort eintritt [?] (Abl.; Rel.; 3.Sg.Opt.)
hate śreyaḥ kutsite tvīdṛśe syāt
beim Töten wäre Heil, bei so Verachtenswertem (Lok.; Nom.; Opt.)
Gautamī sprach: „Was für ein Gewinn wäre es, den Feind ergriffen und getötet zu haben? Oder welche Ruhe gäbe es, wenn man den Feind erlangt und nicht losgelassen hat? Warum, Guter, sollte ich der Schlange nicht verzeihen? Oder welchen Grund gäbe es, ihr nicht die Freilassung zu gewähren?“
Wort für Wort
gautamy uvāca
Gautamī sprach (Nom.; Perf.)
kārthaprāptir gṛhya śatruṃ nihatya
welcher Gewinn, den Feind gepackt, getötet (Interr.; Nom.; Abs.; Akk.)
kā vā śāntiḥ prāpya śatruṃ namuktvā
oder welche Ruhe, den Feind erlangt, nicht freigelassen (Nom.; Abs.; Abs.)
kasmāt saumya bhujage na kṣameyaṃ
warum, Guter, sollte ich der Schlange nicht verzeihen (Abl.; Vok.; Lok.; Opt.)
mokṣaṃ vā kiṃ kāraṇaṃ nāsya kuryām
oder welchen Grund gäbe es, ihr nicht Freilassung zu gewähren (Akk.; Opt.)
Der Jäger sprach: „Wegen dieses einen sind viele zu schützen; nicht ist einer wegen vieler zu schützen, Gautamī. Den, der sich vergangen hat, verlassen die Kenner des Dharma; töte du dieses kriechende Übel.“
Wort für Wort
lubdhaka uvāca
der Jäger sprach (Nom.; Perf.)
asmād ekasmād bahavo rakṣitavyā
wegen dieses einen sind viele zu schützen (Abl.; Nom.Pl.; Gerundiv)
naiko bahubhyo gautami rakṣitavyaḥ
nicht ein einziger wegen vieler, Gautamī (Nom.; Abl.; Vok.)
kṛtāgasaṃ dharmavidas tyajanti
den Schuldigen verlassen die Dharmakundigen (Akk.; Nom.Pl.; 3.Pl.Präs.)
Gautamī sprach: „Wenn diese Schlange getötet wird, wird mein Sohn, Jäger, das Leben nicht [zurück]erlangen; und einen anderen Nutzen sehe ich in ihrer Tötung nicht. Darum, Jäger, lass die Schlange frei, [sie soll] leben.“
Wort für Wort
gautamy uvāca
Gautamī sprach (Nom.; Perf.)
nāsmin hate pannage putrako me
nicht, wenn diese Schlange getötet ist, mein Söhnchen (Lok. absol.; Nom.)
saṃprāpsyate lubdhaka jīvitaṃ vai
wird erlangen, Jäger, das Leben (Fut.Med.; Vok.; Akk.)
guṇaṃ cānyaṃ nāsya vadhe prapaśye
und einen anderen Vorteil sehe ich nicht in ihrer Tötung (Akk.; Lok.; 1.Sg.Präs.)
tasmāt sarpaṃ lubdhaka muñca jīvam
darum, Jäger, lass die Schlange frei, lebend (Imp.; Akk.)
Der Jäger sprach: „Nachdem er Vṛtra getötet hatte, erhielt der Götterkönig den besten Anteil; und nachdem der Śūlin [Rudra] das Opfer zerstört hatte, erhielt er [ebenfalls] einen Anteil. Handle du nach dem Verhalten der Götter: töte rasch die Schlange, es sei kein Zweifel.“
Wort für Wort
lubdhaka uvāca
der Jäger sprach (Nom.; Perf.)
vṛtraṃ hatvā devarāṭ śreṣṭhabhāg vai
Vṛtra getötet, der Götterkönig, den besten Anteil habend (Abs.; Nom.)
yajñaṃ hatvā bhāgam avāpa caiva
und das Opfer zerstört, erhielt er einen Anteil (Abs.; Akk.; Perf.)
śūlī devo devavṛttaṃ kuru tvaṃ
der Speerträger-Gott; tu du das Verhalten der Götter (Nom.; Akk.; Imp.)
kṣipraṃ sarpaṃ jahi mā bhūd viśaṅkā
töte rasch die Schlange; kein Zweifel sei (Imp.; Aor.-Inj.; Nom.)
lubdhaka uvāca; yady anyavaśagenedaṃ kṛtaṃ te pannagāśubham; kāraṇaṃ vai tvam apy atra tasmāt tvam api kilbiṣī
Der Jäger sprach: „Wenn dies Üble, Schlange, von dir unter fremder Herrschaft getan wurde, so bist auch du hierbei eine Ursache; darum bist auch du schuldig.“
Wort für Wort
lubdhaka uvāca
der Jäger sprach (Nom.; Perf.)
yady anyavaśagenedaṃ kṛtaṃ te pannagāśubham
wenn dies unter fremder Macht von dir getan, Schlange, das Üble (Instr.; Part.; Vok.)
sarpa uvāca; sarva ete hy asvavaśā daṇḍacakrādayo yathā; tathāham api tasmān me naiṣa hetur matas tava
Die Schlange sprach: „Alle diese sind ohne eigene Macht, wie Stock, Töpferscheibe und anderes; so auch ich. Darum gilt mir dies nicht als Ursache, [so] wie du meinst [?].“
Wort für Wort
sarpa uvāca
die Schlange sprach (Nom.; Perf.)
sarva ete hy asvavaśā
alle diese sind ohne Eigenmacht (Nom.Pl.)
daṇḍacakrādayo yathā
wie Stock, Scheibe und anderes (Nom.Pl.)
tathāham api tasmān
so auch ich, deshalb (Nom.; Abl.)
me naiṣa hetur matas tava
mir nicht dies als Ursache, gehalten von dir (Gen.; Nom.; Part.; Gen.)
atha vā matam etat te te 'py anyonyaprayojakāḥ; kāryakāraṇasaṃdeho bhavaty anyonyacodanāt
Oder aber ist dies deine Ansicht: Auch jene [Ursachen] sind einander Antreiber; der Zweifel über Wirkung und Ursache entsteht durch das gegenseitige Antreiben.
Wort für Wort
atha vā matam etat te
oder aber: dies ist deine Ansicht (Nom./Akk. n., Gen./Dat. Sg.)
te 'py anyonyaprayojakāḥ
auch jene sind einander Antreiber (Nom. Pl. m.)
kāryakāraṇasaṃdehaḥ bhavati
Zweifel über Wirkung und Ursache entsteht (Nom. Sg.; 3.Sg.Präs.)
evaṃ sati na doṣo me nāsmi vadhyo na kilbiṣī; kilbiṣaṃ samavāye syān manyase yadi kilbiṣam
Wenn es sich so verhält, trifft mich keine Schuld; ich bin nicht zu töten, ich bin nicht schuldig. Schuld könnte im Zusammenwirken liegen, wenn du [es] als Schuld ansiehst.
Wort für Wort
evaṃ sati
wenn es so ist (Lok. abs.)
na doṣaḥ me
keine Schuld [trifft] mich (Nom. Sg.; Gen./Dat. Sg.)
na asmi vadhyaḥ na kilbiṣī
ich bin nicht zu töten, nicht schuldig (1.Sg.Präs.; Gerundiv Nom.; Nom.)
kilbiṣaṃ samavāye syāt
Schuld könnte im Zusammenwirken sein (Nom. n.; Lok.; 3.Sg.Opt.)
Du siehst [es] ja als Schuld an; so sagst du, [dass ich] zu töten [sei].
Wort für Wort
kilbiṣaṃ manyase hi tvam
Schuld siehst du ja an (Akk.; 2.Sg.Präs.; Nom.)
vadhyam
[als] zu töten (Gerundiv Akk. Sg. m.)
evaṃ prabhāṣase
so sprichst du (2.Sg.Präs.Med.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; der Satzbau ist knapp, vadhyam ist auf „mich“ zu beziehen.
lubdhaka uvāca; kāraṇaṃ yadi na syād vai na kartā syās tvam apy uta; vināśe kāraṇaṃ tvaṃ ca tasmād vadhyo 'si me mataḥ
Der Jäger sprach: „Wenn es keine Ursache gäbe, wärest auch du nicht der Täter; und du bist [selbst] Ursache beim Untergang; darum gelte du mir als zu töten.“
Wort für Wort
lubdhakaḥ uvāca
der Jäger sprach (Nom.; Perf.)
kāraṇaṃ yadi na syāt vai
wenn es keine Ursache gäbe (Nom.; 3.Sg.Opt.)
na kartā syāḥ tvam api uta
so wärest auch du nicht Täter (Nom.; 2.Sg.Opt.)
vināśe kāraṇaṃ tvaṃ ca
und du bist Ursache beim Untergang (Lok. Sg.)
tasmāt vadhyaḥ asi me mataḥ
darum bist du für mich als zu töten erachtet (Gerundiv; 2.Sg.Präs.; Part. Nom.)
„Auch wenn das Werk nicht getan ist, haftet hier [nichts] an, Schlange [?]; darum dürfte nicht gerade darin ein Grund liegen. Zu töten [bist du]; was redest du so viel?“
Wort für Wort
asati api kṛte kārye
auch wenn das Werk nicht getan ist (Lok. abs.)
na iha pannaga lipyate
hier haftet [nichts] an, Schlange (3.Sg.Pass.; Vok.)
tasmāt na atra eva hetuḥ syāt
darum dürfte nicht gerade hierin ein Grund sein (3.Sg.Opt.)
vadhyaḥ
zu töten (Gerundiv Nom. Sg. m.)
kiṃ bahu bhāṣase
was redest du viel (2.Sg.Präs.Med.)
[Anm.: Der erste Halbvers ist knapp und mehrdeutig; das Subjekt von lipyate (Schuld) ist ergänzt.]
sarpa uvāca; kāryābhāve kriyā na syāt saty asaty api kāraṇe; tasmāt tvam asmin hetau me vācyo hetur viśeṣataḥ
Die Schlange sprach: „Ohne Wirkung gäbe es kein Tun, ob eine Ursache da ist oder nicht; darum musst du mir in dieser Sache die Ursache im Besonderen nennen.“
Wort für Wort
sarpaḥ uvāca
die Schlange sprach (Nom.; Perf.)
kāryābhāve kriyā na syāt
beim Fehlen der Wirkung gäbe es kein Tun (Lok.; Nom.; 3.Sg.Opt.)
sati asati api kāraṇe
ob die Ursache besteht oder nicht (Lok. abs.)
tasmāt tvam asmin hetau
darum du in diesem Grund (Abl.; Nom.; Lok.)
me vācyaḥ hetuḥ viśeṣataḥ
mir ist der Grund zu nennen, im Besonderen (Dat.; Gerundiv Nom.; Adv.)
lubdhaka uvāca; vadhyas tvaṃ mama durbuddhe bālaghātī nṛśaṃsakṛt; bhāṣase kiṃ bahu punar vadhyaḥ san pannagādhama
Der Jäger sprach: „Zu töten bist du von mir, Bösgesinnter, Kindesmörder, Täter von Grausamem; was redest du wieder so viel, da du doch zu töten bist, Niedrigster der Schlangen?“
Wort für Wort
lubdhakaḥ uvāca
der Jäger sprach
vadhyaḥ tvaṃ mama durbuddhe
zu töten bist du für mich, Bösgesinnter (Gerundiv; Gen.; Vok.)
bālaghātī nṛśaṃsakṛt
Kindesmörder, Täter von Grausamem (Nom.; Nom.)
bhāṣase kiṃ bahu punaḥ
was redest du wieder viel (2.Sg.Präs.Med.)
vadhyaḥ san pannagādhama
da du zu töten bist, Niedrigster der Schlangen (Part.; Vok.)
sarpa uvāca; yathā havīṃṣi juhvānā makhe vai lubdhakartvijaḥ; na phalaṃ prāpnuvanty atra paraloke tathā hy aham
Die Schlange sprach: „So wie, Jäger, die Priester, die im Opfer Opfergaben darbringen, hier im Jenseits keine Frucht erlangen, so [ergeht es] auch mir.“
Wort für Wort
sarpaḥ uvāca
die Schlange sprach
yathā havīṃṣi juhvānāḥ
wie Opfergaben Darbringende (Akk. Pl.; Part. Nom. Pl.)
makhe vai
im Opfer fürwahr (Lok.)
lubdhaka ṛtvijaḥ
Jäger! die Priester (Vok.; Nom. Pl.)
na phalaṃ prāpnuvanti atra paraloke
keine Frucht erlangen sie hier im Jenseits (3.Pl.Präs.; Lok.)
tathā hi aham
so ebenso ich (Nom.)
Lesung lubdhakartvijaḥ als lubdhaka + ṛtvijaḥ aufgefasst; die Priester handeln für den Opferherrn, dem die Frucht zufällt.
sāttvikā rājasāś caiva tāmasā ye ca ke cana; bhāvāḥ kālātmakāḥ sarve pravartante hi jantuṣu
„Die sattvischen und rajasischen und tamasischen [Zustände] und welche es sonst noch gibt: alle Daseinszustände sind zeitgeartet und entfalten sich in den Wesen.“
Wort für Wort
sāttvikāḥ rājasāḥ ca eva tāmasāḥ
sattvische, rajasische und tamasische (Nom. Pl.)
ye ca ke cana
und welche auch immer (Nom. Pl.)
bhāvāḥ kālātmakāḥ sarve
Zustände, zeitgeartet, alle (Nom. Pl.; Bahuvrīhi)
pravartante hi jantuṣu
sie entfalten sich ja in den Wesen (3.Pl.Präs.Med.; Lok. Pl.)
„Āditya [die Sonne], der Mond, Viṣṇu, das Wasser, der Wind, Śatakratu [Indra], das Feuer, der Äther, die Erde, Mitra, die Kräuter und ebenso die Vasus,“
„Wie hältst du mich, Schlange, wenn du das so weißt, für schuldbehaftet? Oder wenn es sich so verhält: Schuld ist an mir, so bist auch du schuldbehaftet.“
Wort für Wort
evaṃ jñātvā
so erkennend (Abs.)
katham mām tvam sadoṣam
wie [hältst] du mich für schuldbehaftet (Akk.; Nom.; Akk.)
sarpa manyase
Schlange, du meinst (Vok.; 2.Sg.Präs.Med.)
atha ca evaṃgate doṣaḥ mayi
oder wenn es sich so verhält, [ist] Schuld an mir (Lok. abs.; Lok.)
yadi kāle tu doṣo 'sti yadi tatrāpi neṣyate; doṣo naiva parīkṣyo me na hy atrādhikṛtā vayam
„Wenn bei der Zeit Schuld liegt, und wenn sie auch dort nicht gelten gelassen wird [?], so ist die Schuld nicht von mir zu prüfen; wir sind dafür nicht zuständig.“
Wort für Wort
yadi kāle tu doṣaḥ asti
wenn bei der Zeit Schuld ist (Lok.; Nom.; 3.Sg.Präs.)
yadi tatra api na iṣyate
wenn es auch dort nicht gewollt/anerkannt wird (3.Sg.Pass.)
doṣaḥ na eva parīkṣyaḥ me
die Schuld ist nicht zu prüfen von mir (Gerundiv Nom.; Gen./Instr.)
na hi atra adhikṛtāḥ vayam
denn wir sind hierfür nicht bevollmächtigt (Part. Nom. Pl.)
[Anm.: yadi tatrāpi neṣyate ist knapp; Subjekt (Schuld) ergänzt.] Verschachtelte Anführungszeichen im Vers 65 sind als einfache Zitierung wiedergegeben.
Der Tod sprach: „Wir beide sind machtlos, der Gewalt der Zeit unterworfen und tun das Verfügte; wir sollten nicht der Schuld zugerechnet werden, wenn du recht siehst.“
Wort für Wort
mṛtyuḥ uvāca
der Tod sprach
vivaśau kālavaśagau āvām
machtlos, der Zeit unterworfen, wir beide (Nom. Du.)
tad diṣṭakāriṇau
daher das Bestimmte Tuende (Nom. Du.)
na āvām doṣeṇa gantavyau
wir beiden sind nicht durch Schuld zu erfassen (Instr.; Gerundiv Nom. Du.)
Der Jäger sprach: „Wenn ihr beide, Tod und Schlange, der Gewalt der Zeit unterworfen seid, wie können Freude und Zorn bei euch sein? Das möchte ich wissen.“
Wort für Wort
lubdhakaḥ uvāca
der Jäger sprach
yuvām ubhau kālavaśau yadi vai
wenn ihr beide der Zeit unterworfen seid (Nom. Du.)
mṛtyupannagau
Tod und Schlange (Nom. Du.)
harṣakrodhau katham syātām
wie könnten Freude und Zorn sein (Nom. Du.; 3.Du.Opt.)
Der Tod sprach: „Was immer es hier an Regungen geben mag – alle sind von der Zeit angetrieben; das habe ich vorher schon gesagt, Jäger, im Hinblick auf die Zeit.“
Wort für Wort
mṛtyuḥ uvāca
der Tod sprach
yāḥ kāḥ cit iha ceṣṭāḥ syuḥ
was für Regungen es hier auch geben mag (Nom. Pl. f.; 3.Pl.Opt.)
sarvāḥ kālapracoditāḥ
alle von der Zeit angetrieben (Part. Nom. Pl.)
pūrvam eva etat uktaṃ hi mayā
dies ist zuvor schon von mir gesagt (Part.; Instr.)
kāla uvāca; naivāhaṃ nāpy ayaṃ mṛtyur nāyaṃ lubdhaka pannagaḥ; kilbiṣī jantumaraṇe na vayaṃ hi prayojakāḥ
Die Zeit sprach: „Weder ich noch dieser Tod, noch dieser Jäger, noch die Schlange: Schuldig am Tod eines Wesens sind wir nicht; wir sind nicht die Antreiber.“
akarod yad ayaṃ karma tan no 'rjunaka codakam; praṇāśahetur nānyo 'sya vadhyate 'yaṃ svakarmaṇā
„Was dieser für eine Tat getan hat, das ist unser Antreiber, Arjunaka; es gibt keinen anderen Grund für seinen Untergang; er wird durch sein eigenes Tun getötet.“
Wort für Wort
akarot yat ayam karma
was für eine Tat dieser getan hat (3.Sg.Impf.; Akk.)
tat naḥ arjunaka codakam
das ist unser Antreiber, Arjunaka (Gen./Dat. Pl.; Vok.)
praṇāśahetuḥ na anyaḥ asya
Grund des Untergangs ist kein anderer für ihn (Nom.; Gen.)
vadhyate ayam svakarmaṇā
er wird getötet durch eigenes Tun (3.Sg.Pass.; Instr.)
„Wenn du dies gehört hast, komm zur Ruhe und sei nicht sorgenvoll, o König; wisse, dass die drei Welten auf eigenem Tun beruhen, Stier unter den Menschen.“
Wort für Wort
etat śrutvā śamaṃ gaccha
dies gehört habend, komm zur Ruhe (Abs.; 2.Sg.Imp.)
mā bhūḥ cintāparaḥ nṛpa
sei nicht sorgenvoll, König (Prohib.; Nom.; Vok.)
svakarmapratyayān lokān trīn
die drei Welten als auf eigenem Tun beruhend (Akk. Pl.)
na tu tvayā kṛtaṃ pārtha nāpi duryodhanena vai; kālena tat kṛtaṃ viddhi vihatā yena pārthivāḥ
„Nicht von dir wurde es getan, Pārtha, und auch nicht von Duryodhana; durch die Zeit wurde es getan – wisse, dass durch sie die Fürsten vernichtet wurden.“
Wort für Wort
na tu tvayā kṛtam pārtha
nicht von dir getan, Pārtha (Instr.; Part.; Vok.)
na api duryodhanena vai
auch nicht von Duryodhana (Instr.)
kālena tat kṛtam viddhi
durch die Zeit wurde das getan, wisse (Instr.; 2.Sg.Imp.)
vihatāḥ yena pārthivāḥ
durch die die Fürsten vernichtet wurden (Part. Nom. Pl.; Instr.)