Er, der hochweise Yudhiṣṭhira, wurde gesalbt, gewann die Herrschaft und stellte damals alle seine Untertanen [an ihren Platz] wieder her, der Beste der Männer.
Wort für Wort
so 'bhiṣiktaḥ
er, der Gesalbte (PPP Nom.Sg.)
mahāprājñaḥ prāpya rājyam
der hochweise, nachdem er die Herrschaft erlangt hatte (Nom.Sg./Abs./Akk.Sg.)
yudhiṣṭhiraḥ
Yudhiṣṭhira (Nom.Sg.)
avasthāpya naraśreṣṭhaḥ
nachdem er wieder eingesetzt hatte, der Beste der Männer (Abs./Nom.Sg.)
sarvāḥ svaprakṛtīḥ tadā
alle seine eigenen Untertanen/Stände damals (Akk.Pl.f.)
prakṛti hier: Untertanen bzw. Stände/Amtsträger des Reiches.
dvijebhyo balamukhyebhyo naigamebhyaś ca sarvaśaḥ; pratigṛhyāśiṣo mukhyās tadā dharmabhṛtāṃ varaḥ
Von den Brahmanen, den Heerführern und den Stadtbürgern allerseits nahm er die Segenswünsche entgegen, damals, der Vorzüglichste unter den Tugendbewahrern, der Erste.
Wort für Wort
dvijebhyaḥ balamukhyebhyaḥ
von den Zweimalgeborenen, von den Heerführern (Abl.Pl.)
naigamebhyaḥ ca sarvaśaḥ
und von den Stadtbürgern ringsum (Abl.Pl./Adv.)
pratigṛhya āśiṣaḥ
nachdem er entgegengenommen hatte die Segenssprüche (Abs./Akk.Pl.)
Nachdem der Glanzvolle fünfzig Nächte in der Hauptstadt geweilt hatte, gedachte der Stier unter den Männern der Verabredung mit dem Ersten der Kauravas.
Wort für Wort
uṣitvā śarvarīḥ
nachdem er verweilt hatte, Nächte (Abs./Akk.Pl.)
śrīmān pañcāśat
der Glanzvolle, fünfzig (Nom.Sg./Num.)
nagarottame
in der besten der Städte (Lok.Sg.)
samayaṃ kauravāgryasya
die Übereinkunft mit dem Ersten der Kauravas (Akk.Sg./Gen.Sg.)
sasmāra puruṣarṣabhaḥ
gedachte, der Stier unter den Männern (Perf.3.Sg./Nom.Sg.)
samaya: Verabredung/Zeitpunkt (Bhīṣmas Todesstunde bei der Sonnenwende).
tataś ca puṇḍarīkākṣam āha dharmabhṛtāṃ varaḥ; bhagavan yogayukto 'si tūṣṇīṃ dhyāyasi śatruhan; brūhi māṃ puruṣaśreṣṭha ājñāpyo bhavatā hy aham; dhyāyasva puṇḍarīkākṣa śreyo me paramaṃ hitam; śrībhagavān; śaratalpagato bhīṣmaḥ śāmyann iva hutāśanaḥ; māṃ dhyāti puruṣavyāghras tato me tadgataṃ manaḥ
Darauf sprach der Beste der Dharma-Träger zu dem Lotosäugigen: „Erhabener, du bist in Yoga versunken, schweigend sinnst du, Bezwinger der Feinde. Sprich zu mir, Bester der Männer, ich bin von dir zu beauftragen. Sinne, Lotosäugiger, [auf] das höchste Heil und Wohl für mich.“ Der Erhabene [sprach]: „Auf dem Pfeilbett liegt Bhīṣma, verlöschend wie das Opferfeuer; mich sinnt der Tigergleiche unter den Männern, darum ist mein Geist auf ihn gerichtet.“
Wort für Wort
tataḥ ca puṇḍarīkākṣam āha
und darauf sprach er zum Lotosäugigen (Perf.3.Sg./Akk.Sg.)
dharmabhṛtāṃ varaḥ
der Beste der Dharma-Träger (Nom.Sg.)
bhagavan yogayuktaḥ asi
Erhabener, du bist in Yoga versunken (Vok./PPP Nom./2.Sg.)
tūṣṇīṃ dhyāyasi śatruhan
schweigend sinnst du, Feindtöter (Adv./2.Sg./Vok.)
brūhi māṃ puruṣaśreṣṭha
sprich zu mir, Bester der Männer (Imp.2.Sg./Vok.)
ājñāpyaḥ bhavatā hi aham
zu beauftragen bin ich ja von dir (Gerundiv/Instr.)
dhyāyasva puṇḍarīkākṣa
sinne, Lotosäugiger (Imp.Med./Vok.)
śreyaḥ me paramaṃ hitam
das Beste, mir das höchste Wohl (Nom.Sg.n.)
śrībhagavān
der glanzvolle Erhabene [sprach] (Nom.Sg.)
śaratalpagataḥ bhīṣmaḥ
auf dem Pfeilbett liegend, Bhīṣma (Nom.Sg.)
śāmyan iva hutāśanaḥ
wie ein erlöschendes Opferfeuer (Part.Präs./Nom.Sg.)
māṃ dhyāti puruṣavyāghraḥ
mich sinnt der Tiger unter den Männern (3.Sg.)
tataḥ me tadgataṃ manaḥ
darum ist mein Geist dorthin gerichtet (Nom.Sg.n.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; die Sprecherangabe „śrībhagavān“ steht mitten in der Einheit. Vers 3 (dhyāyasva … hitam) in der Konstruktion unsicher.
sa niryayau gajapurād yājakaiḥ parivāritaḥ; dṛṣṭvā nivṛttam ādityaṃ pravṛttaṃ cottarāyaṇam
Er zog aus Gajapura [Hāstinapura] aus, von Opferpriestern umgeben, nachdem er gesehen hatte, dass die Sonne umgekehrt war und den nördlichen Lauf begonnen hatte.
Wort für Wort
sa niryayau gajapurāt
er zog aus von Gajapura (Perf.3.Sg./Abl.Sg.)
yājakaiḥ parivāritaḥ
von Opferpriestern umgeben (Instr.Pl./PPP Nom.Sg.)
dṛṣṭvā nivṛttam ādityam
nachdem er gesehen hatte, die zurückgekehrte Sonne (Abs./Akk.Sg.)
pravṛttaṃ ca uttarāyaṇam
und [sie] begonnen habend den nördlichen Lauf (PPP Akk.Sg./Akk.Sg.)
der über das höchste Selbst nachsann, [über] das ewige Dharma des Kṛṣṇa.
Wort für Wort
dhyāyantaṃ paramātmānam
nachsinnend über das höchste Selbst (Part.Akk.Sg./Akk.Sg.)
kṛṣṇadharmaṃ sanātanam
das Kṛṣṇa-Dharma, das ewige (Akk.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile; „kṛṣṇadharmam“ könnte auch als „das ewige Dharma [des] Kṛṣṇa“ oder „der Dharma-Kṛṣṇa“ verstanden werden [?].
abhivādyātha kaunteyaḥ pitāmaham ariṃdamam; dvaipāyanādīn viprāṃś ca taiś ca pratyabhinanditaḥ
Nachdem der Kuntī-Sohn den Großvater, den Bezwinger der Feinde, begrüßt hatte, und auch Dvaipāyana und die anderen Brahmanen, wurde er von diesen [ebenfalls] willkommen geheißen.
Wort für Wort
abhivādya atha kaunteyaḥ
nachdem er begrüßt hatte, dann der Kuntī-Sohn (Abs./Nom.Sg.)
pitāmaham ariṃdamam
den Großvater, den Feindbezwinger (Akk.Sg.)
dvaipāyanādīn viprāḥ ca
Dvaipāyana und die anderen, und die Brahmanen (Akk.Pl.)
taiḥ ca pratyabhinanditaḥ
und von diesen wieder begrüßt (Instr.Pl./PPP Nom.Sg.)
„viprāṃś“ ist Akk.Pl.; wörtlich „Dvaipāyana usw., die Brahmanen“.
[und] mit Mādhava, o Großkönig, mit Kṛṣṇa, dessen Taten mühelos sind.
Wort für Wort
mādhavena mahārājaḥ
mit Mādhava, der Großkönig (Instr.Sg./Nom.Sg.)
kṛṣṇena
mit Kṛṣṇa (Instr.Sg.)
akliṣṭakarmaṇā
dessen Taten unermüdlich/mühelos sind (Bahuvrīhi, Instr.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile. „mahārājaḥ“ steht im Text als Nominativ (nicht Vokativ) [?].
prāpto 'smi samaye rājann agnīn ādāya te vibho; ācāryā brāhmaṇāś caiva ṛtvijo bhrātaraś ca me
„Ich bin zur [rechten] Zeit gekommen, o König, nachdem ich die Feuer für dich mitgenommen habe, Herr; meine Lehrer, die Brahmanen und die Opferpriester und meine Brüder [sind ebenfalls da].
Wort für Wort
prāptaḥ asmi samaye rājan
angelangt bin ich zur [rechten] Zeit, o König (PPP Nom./Lok.Sg./Vok.Sg.)
agnīn ādāya te vibho
die Feuer mitgenommen habend, dir, o Herr (Akk.Pl./Abs./Vok.Sg.)
Da hob Bhīṣma, dessen Haut faltig war, den mächtigen Arm und sprach zur rechten Zeit die Worte, mit einer Stimme wie [ein] Wasserwolken-Donner, der Redegewandte.
Wort für Wort
tataḥ calavaliḥ bhīṣmaḥ
da Bhīṣma, dessen Hautfalten beweglich/schlaff waren (Nom.Sg.)
pragṛhya vipulaṃ bhujam
nachdem er erhoben hatte den mächtigen Arm (Abs./Akk.Sg.)
oghameghasvanaḥ
mit einer Stimme wie eine Flut-Wolke (Bahuvrīhi Nom.Sg.)
vāgmī
der Redegewandte (Nom.Sg.)
kāle vacanam abravīt
zur [rechten] Zeit sprach er das Wort (Lok.Sg./Akk.Sg./Impf.3.Sg.)
„Zum Glück bist du gekommen, Sohn Kuntīs, mit deinen Ratgebern, Yudhiṣṭhira; denn der erhabene tausendstrahlige Tagmacher [die Sonne] hat sich gewendet.
Wort für Wort
diṣṭyā prāptaḥ asi
zum Glück angelangt bist du (Instr.Sg. Adv./PPP Nom./2.Sg.)
kaunteya sahāmātyaḥ yudhiṣṭhira
Kuntī-Sohn, mit den Ministern, Yudhiṣṭhira (Vok./Nom./Vok.)
parivṛttaḥ hi
gewendet fürwahr (PPP Nom.Sg.)
bhagavān sahasrāṃśuḥ divākaraḥ
der erhabene, tausendstrahlige Tagmacher (Nom.Sg.)
Nachdem der Gaṅgā-Sohn so zu Yudhiṣṭhira, dem Sohn des Dharma, gesprochen hatte, wandte er sich zur rechten Zeit an Dhṛtarāṣṭra und sagte [diese] Worte.
Wort für Wort
evam uktvā tu gāṅgeyaḥ
nachdem so gesprochen hatte der Gaṅgā-Sohn (Abs.Ger.; Nom.Sg.m.)
dharmaputraṃ yudhiṣṭhiram
zu Yudhiṣṭhira, dem Sohn des Dharma (Akk.Sg.m.)
dhṛtarāṣṭram athāmantrya
dann Dhṛtarāṣṭra ansprechend (Akk.Sg.m.; Abs.Ger.)
kāle vacanam abravīt
zur rechten Zeit sprach er die Rede (Lok.Sg.; Akk.Sg.n.; 3.Sg.Impf.)
vedaśāstrāṇi sarvāṇi dharmāṃś ca manujeśvara; vedāṃś ca caturaḥ sāṅgān nikhilenāvabudhyase
Alle Veden und Lehrbücher und die Pflichten [kennst du], Herr der Menschen; und die vier Veden samt ihren Hilfswissenschaften begreifst du vollständig.
Wort für Wort
vedaśāstrāṇi sarvāṇi
alle Veden und Lehrschriften (Nom./Akk.Pl.n.; Dvandva)
dharmān ca manujeśvara
und die Pflichten, Herr der Menschen (Akk.Pl.m.; Vok.)
vedān ca caturaḥ sāṅgān
und die vier Veden mit ihren Gliedern (Akk.Pl.m.)
nikhilena avabudhyase
vollständig verstehst du (Instr.Sg. adverbial; 2.Sg.Präs.Med.)
So wie die Söhne Pāṇḍus, König, so [gehören] sie dir dem Dharma nach; beschütze sie, im Dharma feststehend, [sie,] die am Dienst an den Älteren Freude haben.
Wort für Wort
yathā pāṇḍoḥ sutāḥ rājan
wie Pāṇḍus Söhne, König (Gen.Sg.; Nom.Pl.m.; Vok.)
tathā eva tava dharmataḥ
so eben [sind sie] dein, dem Dharma gemäß (Gen.; Adv.)
Vāsudeva, der Goldene, der Puruṣa, Savitṛ, Virāj; du bist die zum Lebewesen gewordene, [ihm] entsprechende, höchste, ewige Seele. Rette mich, der ich dir ergeben bin, dessen Herz auf dich gerichtet ist, der ich keine Frau und keinen Besitz habe, Lotosäugiger, höchster Puruṣa, immerdar.
Wort für Wort
vāsudevaḥ hiraṇyātmā
Vāsudeva, dessen Selbst golden ist (Nom.Sg.m.; Bahuvrīhi)
puruṣaḥ savitā virāṭ
der Puruṣa, Savitṛ, Virāj (Nom.Sg.m.)
jīvabhūtaḥ anurūpaḥ tvam
du, zum Lebewesen geworden, entsprechend (Nom.Sg.m.)
paramātmā sanātanaḥ
höchste Seele, ewiger (Nom.Sg.m.)
tvadbhaktaṃ tvadgatasvāntam
mich, dir ergeben, dessen Herz zu dir gegangen ist (Akk.Sg.m.; Bahuvrīhi)
adāram aparigraham
ohne Gattin, ohne Besitz (Akk.Sg.m.)
trāyasva puṇḍarīkākṣa
rette, Lotosäugiger (Imp.2.Sg.Med.; Vok.)
puruṣottama nityaśaḥ
höchster Puruṣa, immerdar (Vok.; Adv.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Text stellenweise elliptisch, „mich“ ist zu tvadbhaktam ergänzt.
ānṛśaṃsyaparair bhāvyaṃ sadaiva niyatātmabhiḥ; brahmaṇyair dharmaśīlaiś ca taponītyaiś ca bhārata
Ihr sollt stets auf Mitgefühl bedacht, in euch gefestigt, brahmanenfreundlich, dem Dharma ergeben und der Askese und dem rechten Wandel zugetan sein, Bhārata.
Wort für Wort
ānṛśaṃsyaparaiḥ bhāvyam
von solchen, denen Mitgefühl das Höchste ist, ist zu sein (Instr.Pl.m.; Gerundiv)
sadā eva niyatātmabhiḥ
stets, mit beherrschtem Selbst (Adv.; Instr.Pl.m.)
brahmaṇyaiḥ dharmaśīlaiḥ ca
brahmanenfreundlich und dem Dharma zugeneigt (Instr.Pl.m.)
taponītyaiḥ ca bhārata
und asketisch-rechten Wandels, Bhārata (Instr.Pl.m.; Vok.)
taponītya ist unsicher; als „durch Askese und Klugheit/Lebensführung“ gedeutet [?].
[nachdem er] den Zweimalgeborenen vielerlei Reichtum gegeben hatte, König, für immer,
Wort für Wort
dhanaṃ bahuvidham
Reichtum von vielerlei Art (Akk.Sg.n.)
rājan
König (Vok.Sg.m.)
dattvā nityam
gegeben habend, für immer (Abs.Ger.; Adv.)
dvijātiṣu
den Zweimalgeborenen (Lok.Pl.m.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile; Lok. dvijātiṣu hier als Dativ-Sinn („an die Zweimalgeborenen“).