Mahābhārata · Anuśāsanaparva
Kapitel 99: taḍāgārāmavṛkṣaropaṇaphala
Die Frucht von Teichen, Gärten und dem Pflanzen von Bäumen
Bhīṣma erläutert auf Yudhiṣṭhiras Frage den religiösen Verdienst des Anlegens von Teichen, Gärten und Bäumen; die Kapitelmitte behandelt den Wassergeber nach Jahreszeiten, der Schluss die Baumpflanzung.
yudhiṣṭhira uvāca; ārāmāṇāṃ taḍāgānāṃ yat phalaṃ kurunandana; tad ahaṃ śrotum icchāmi tvatto 'dya bharatarṣabha
Yudhiṣṭhira sprach: „Welche Frucht Gärten und Teiche [bringen], o Freudenspender der Kurus – das möchte ich heute von dir hören, o Stier unter den Bhāratas.“
Wort für Wort yudhiṣṭhira uvāca Yudhiṣṭhira sprach (3.Sg.Perf.) ārāmāṇāṃ taḍāgānāṃ der Gärten, der Teiche (Gen.Pl.) yat phalaṃ welche Frucht (Nom./Akk.Sg.n.) kurunandana o Freudenspender der Kurus (Vok.Sg.) tad ahaṃ śrotum icchāmi das will ich hören (1.Sg.Präs.; Inf.) tvatto 'dya bharatarṣabha von dir heute, o Stier unter den Bhāratas (Abl.; Vok.Sg.) bhīṣma uvāca; supradarśā vanavatī citradhātuvibhūṣitā; upetā sarvabījaiś ca śreṣṭhā bhūmir ihocyate
Bhīṣma sprach: „Gut zu überschauen, waldreich, mit bunten Mineralien geschmückt und mit allen Samen versehen – ein solcher Boden wird hier der beste genannt.“
Wort für Wort bhīṣma uvāca Bhīṣma sprach (3.Sg.Perf.) supradarśā vanavatī gut sichtbar, waldreich (Nom.Sg.f.) citradhātuvibhūṣitā mit bunten Mineralien geschmückt (Nom.Sg.f., Kompositum) upetā sarvabījaiś ca und versehen mit allen Samen (Part.Perf.Pass.; Instr.Pl.) śreṣṭhā bhūmir der beste Boden (Nom.Sg.f.) iha ucyate wird hier genannt (3.Sg.Präs.Pass.) tasyāḥ kṣetraviśeṣaṃ ca taḍāgānāṃ niveśanam; audakāni ca sarvāṇi pravakṣyāmy anupūrvaśaḥ
Ich werde dir auch die Besonderheit des Feldes [dafür], die Anlage der Teiche und alles, was das Wasser betrifft, der Reihe nach darlegen.
Wort für Wort tasyāḥ kṣetraviśeṣaṃ ca und die Besonderheit des Feldes dieser [Erde] (Gen.Sg.f.; Akk.Sg.) taḍāgānāṃ niveśanam die Anlage der Teiche (Gen.Pl.; Akk.Sg.n.) audakāni ca sarvāṇi und alles Wasserbezügliche (Akk.Pl.n.) pravakṣyāmi anupūrvaśaḥ ich werde darlegen der Reihe nach (1.Sg.Fut.; Adv.) taḍāgānāṃ ca vakṣyāmi kṛtānāṃ cāpi ye guṇāḥ; triṣu lokeṣu sarvatra pūjito yas taḍāgavān
Ich werde auch die Vorzüge der Teiche nennen, wenn sie angelegt sind: Wer einen Teich besitzt, wird in den drei Welten überall geehrt.
Wort für Wort taḍāgānāṃ ca vakṣyāmi und von den Teichen werde ich sprechen (Gen.Pl.; 1.Sg.Fut.) kṛtānāṃ ca api ye guṇāḥ auch von den angelegten, welche Vorzüge [sie haben] (Part.Perf.Pass.Gen.Pl.; Nom.Pl.m.) triṣu lokeṣu sarvatra in den drei Welten überall (Lok.Pl.; Adv.) pūjito yaḥ taḍāgavān geehrt wird, wer einen Teich hat (Part.Perf.Pass.Nom.Sg.; Nom.Sg.m.) Der Vers ist syntaktisch knapp; „pūjitaḥ“ ist mit „yaḥ taḍāgavān“ zu verbinden.
atha vā mitrasadanaṃ maitraṃ mitravivardhanam; kīrtisaṃjananaṃ śreṣṭhaṃ taḍāgānāṃ niveśanam
Oder [er ist] ein Haus der Freunde, freundschaftlich, die Freunde mehrend, Ruhm erzeugend – die Anlage von Teichen ist das Beste.
Wort für Wort atha vā oder (Partikel) mitrasadanaṃ maitraṃ Haus der Freunde, freundschaftlich (Nom.Sg.n.) mitravivardhanam die Freunde mehrend (Nom.Sg.n.) kīrtisaṃjananaṃ Ruhm erzeugend (Nom.Sg.n.) śreṣṭhaṃ taḍāgānāṃ niveśanam das Beste ist die Anlage von Teichen (Nom.Sg.n.; Gen.Pl.) dharmasyārthasya kāmasya phalam āhur manīṣiṇaḥ; taḍāgaṃ sukṛtaṃ deśe kṣetram eva mahāśrayam
Für Dharma, Artha und Kāma nennen die Weisen einen gut in der Gegend angelegten Teich die Frucht – ja, ein großes Feld der Zuflucht.
Wort für Wort dharmasya arthasya kāmasya des Dharma, des Artha, des Kāma (Gen.Sg.) phalam āhuḥ manīṣiṇaḥ als Frucht nennen die Weisen (3.Pl.Perf.; Nom.Pl.m.) taḍāgaṃ sukṛtaṃ deśe einen gut angelegten Teich in der Gegend (Akk.Sg.n.; Part.Perf.Pass.; Lok.Sg.) kṣetram eva mahāśrayam ja, ein Feld, große Zuflucht (Akk.Sg.n.) Der Zusammenhang von „phalam“ mit den drei Lebenszielen (Gen.) ist knapp formuliert; Wiedergabe mit den wenigsten Zusatzannahmen.
caturvidhānāṃ bhūtānāṃ taḍāgam upalakṣayet; taḍāgāni ca sarvāṇi diśanti śriyam uttamām
Man soll den Teich als [Wohltat] für die vierfachen Wesen ansehen; und alle Teiche verleihen höchstes Glück.
Wort für Wort caturvidhānāṃ bhūtānām der vierfachen Wesen (Gen.Pl.) taḍāgam upalakṣayet den Teich soll man bemerken/ansehen (Opt.3.Sg.) taḍāgāni ca sarvāṇi und alle Teiche (Nom.Pl.n.) diśanti śriyam uttamām verleihen höchstes Glück (3.Pl.Präs.; Akk.Sg.f.) upalakṣayet: Bedeutung „ansehen als, erkennen als“; die Ergänzung „[Wohltat]“ ist sinngemäß. [?]
devā manuṣyā gandharvāḥ pitaroragarākṣasāḥ; sthāvarāṇi ca bhūtāni saṃśrayanti jalāśayam
Götter, Menschen, Gandharvas, Ahnen, Schlangen und Rākṣasas sowie die unbeweglichen Wesen suchen das Wasserbecken auf.
Wort für Wort devā manuṣyā gandharvāḥ Götter, Menschen, Gandharvas (Nom.Pl.m.) pitaroragarākṣasāḥ Ahnen, Schlangen und Rākṣasas (Nom.Pl.m., Kompositum aus pitaraḥ + uraga + rākṣasāḥ) sthāvarāṇi ca bhūtāni und die unbeweglichen Wesen (Nom.Pl.n.) saṃśrayanti jalāśayam suchen Zuflucht bei dem Wasserbecken (3.Pl.Präs.; Akk.Sg.m.) tasmāt tāṃs te pravakṣyāmi taḍāge ye guṇāḥ smṛtāḥ; yā ca tatra phalāvāptir ṛṣibhiḥ samudāhṛtā
Deshalb werde ich dir sagen, welche Vorzüge beim Teich überliefert sind und welche Erlangung von Frucht dort von den Sehern verkündet wurde.
Wort für Wort tasmāt tān te pravakṣyāmi deshalb werde ich dir diese darlegen (Abl.; Akk.Pl.; Dat.Sg.; 1.Sg.Fut.) taḍāge ye guṇāḥ smṛtāḥ welche Vorzüge beim Teich überliefert sind (Lok.Sg.; Nom.Pl.m.; Part.Perf.Pass.) yā ca tatra phalāvāptiḥ und welche Erlangung von Frucht dort (Nom.Sg.f.) ṛṣibhiḥ samudāhṛtā von den Sehern verkündet (Instr.Pl.; Part.Perf.Pass.Nom.Sg.f.) varṣamātre taḍāge tu salilaṃ yasya tiṣṭhati; agnihotraphalaṃ tasya phalam āhur manīṣiṇaḥ
Wessen Wasser im Teich nur [für die Dauer] der Regenzeit steht, dem, sagen die Weisen, gebührt die Frucht des Agnihotra.
Wort für Wort varṣamātre taḍāge tu im Teich aber nur für die Regenzeit (Lok.Sg.) salilaṃ yasya tiṣṭhati dessen Wasser steht (Nom.Sg.n.; Gen.Sg.; 3.Sg.Präs.) agnihotraphalaṃ tasya die Frucht des Agnihotra ist seine (Nom.Sg.n.; Gen.Sg.) phalam āhuḥ manīṣiṇaḥ als Frucht sagen die Weisen (3.Pl.Perf.; Nom.Pl.m.) śaratkāle tu salilaṃ taḍāge yasya tiṣṭhati; gosahasrasya sa pretya labhate phalam uttamam
Wessen Wasser aber in der Herbstzeit im Teich steht, der erlangt nach dem Tod die höchste Frucht von tausend Kühen.
Wort für Wort śaratkāle tu salilaṃ in der Herbstzeit aber das Wasser (Lok.Sg.; Nom.Sg.n.) taḍāge yasya tiṣṭhati im Teich, wessen es steht (Lok.Sg.; Gen.Sg.; 3.Sg.Präs.) gosahasrasya sa pretya von tausend Kühen, der nach dem Tod (Gen.Sg.; Nom.Sg.; Gerundium) labhate phalam uttamam erlangt die höchste Frucht (3.Sg.Präs.; Akk.Sg.n.) hemantakāle salilaṃ taḍāge yasya tiṣṭhati; sa vai bahusuvarṇasya yajñasya labhate phalam
Wessen Wasser in der Winterzeit im Teich steht, der erlangt wahrlich die Frucht eines Opfers mit viel Gold.
Wort für Wort hemantakāle salilaṃ in der Winterzeit das Wasser (Lok.Sg.; Nom.Sg.n.) taḍāge yasya tiṣṭhati im Teich, wessen es steht (Lok.Sg.; Gen.Sg.; 3.Sg.Präs.) sa vai der wahrlich (Nom.Sg.m.; Partikel) bahusuvarṇasya yajñasya eines Opfers mit viel Gold (Gen.Sg.m.) labhate phalam erlangt die Frucht (3.Sg.Präs.; Akk.Sg.n.) yasya vai śaiśire kāle taḍāge salilaṃ bhavet; agniṣṭomasya yajñasya phalam āhur manīṣiṇaḥ
Wessen Teich in der kühlen Jahreszeit Wasser hat, dem, sagen die Weisen, gebührt die Frucht des Agniṣṭoma-Opfers.
Wort für Wort yasya vai śaiśire kāle wessen wahrlich in der kühlen Jahreszeit (Gen.Sg.; Lok.Sg.) taḍāge salilaṃ bhavet im Teich Wasser sei (Lok.Sg.; Nom.Sg.n.; Opt.3.Sg.) agniṣṭomasya yajñasya des Agniṣṭoma-Opfers (Gen.Sg.) phalam āhuḥ manīṣiṇaḥ als Frucht sagen die Weisen (3.Pl.Perf.; Nom.Pl.m.) taḍāgaṃ sukṛtaṃ yasya vasante tu mahāśrayam
Wessen Teich gut angelegt ist, eine große Zuflucht, im Frühling ...
Wort für Wort taḍāgaṃ sukṛtaṃ yasya wessen Teich gut angelegt ist (Nom.Sg.n.; Part.Perf.Pass.; Gen.Sg.) vasante tu im Frühling aber (Lok.Sg.) mahāśrayam große Zuflucht (Nom.Sg.n.) Halbvers 099.014ab; Satz setzt sich in den folgenden Einheiten (099.014*0444, 099.014cd) fort.
vasantakāle pānīyaṃ taḍāge yasya tiṣṭhati
[Wessen] Wasser in der Frühlingszeit im Teich steht,
Wort für Wort vasantakāle pānīyaṃ in der Frühlingszeit Trinkwasser (Lok.Sg.; Nom.Sg.n.) taḍāge yasya tiṣṭhati im Teich, wessen es steht (Lok.Sg.; Gen.Sg.; 3.Sg.Präs.) Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften).
atirātrasya yajñasya phalaṃ sa samupāśnute
... der erlangt die Frucht des Atirātra-Opfers.
Wort für Wort atirātrasya yajñasya des Atirātra-Opfers (Gen.Sg.) phalaṃ sa die Frucht, der (Akk.Sg.n.; Nom.Sg.m.) samupāśnute erlangt (3.Sg.Präs.Med.) nidāghakāle pānīyaṃ taḍāge yasya tiṣṭhati; vājapeyasamaṃ tasya phalaṃ vai munayo viduḥ
Wessen Wasser in der Sommerhitze im Teich steht, dessen Frucht, wissen die Weisen, ist wahrlich der des Vājapeya gleich.
Wort für Wort nidāghakāle pānīyaṃ in der Sommerhitze Trinkwasser (Lok.Sg.; Nom.Sg.n.) taḍāge yasya tiṣṭhati im Teich, wessen es steht (Lok.Sg.; Gen.Sg.; 3.Sg.Präs.) vājapeyasamaṃ tasya dem Vājapeya gleich ist sein (Nom.Sg.n.; Gen.Sg.) phalaṃ vai munayo viduḥ die Frucht, wahrlich, wissen die Weisen (Nom.Sg.n.; Nom.Pl.m.; 3.Pl.Perf.) sa kulaṃ tārayet sarvaṃ yasya khāte jalāśaye; gāvaḥ pibanti pānīyaṃ sādhavaś ca narāḥ sadā
Der rettet sein ganzes Geschlecht, dessen Wasserbecken gegraben ist, [an dem] Kühe Wasser trinken und stets gute Menschen.
Wort für Wort sa kulaṃ tārayet sarvam der möge das Geschlecht ganz retten (Nom.Sg.m.; Akk.Sg.n.; Opt.3.Sg.) yasya khāte jalāśaye dessen Wasserbecken, wenn es gegraben ist (Gen.Sg.; Lok.Abs.Sg.m.) gāvaḥ pibanti pānīyam Kühe trinken Wasser (Nom.Pl.f.; 3.Pl.Präs.; Akk.Sg.n.) sādhavaś ca narāḥ sadā und gute Männer stets (Nom.Pl.m.; Adv.) taḍāge yasya gāvas tu pibanti tṛṣitā jalam; mṛgapakṣimanuṣyāś ca so 'śvamedhaphalaṃ labhet
Wessen Teich Kühe, wenn sie durstig sind, Wasser trinken, [ebenso] Tiere, Vögel und Menschen, der erlangt die Frucht des Rossopfers.
Wort für Wort taḍāge yasya gāvas tu am Teich, wessen Kühe (Lok.Sg.; Gen.Sg.; Nom.Pl.f.) pibanti tṛṣitā jalam trinken durstig Wasser (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.f.; Akk.Sg.n.) mṛgapakṣimanuṣyāś ca und Tiere, Vögel und Menschen (Nom.Pl.m., Kompositum) so 'śvamedhaphalaṃ labhet der erlange die Frucht des Aśvamedha (Nom.Sg.m.; Opt.3.Sg.) yat pibanti jalaṃ tatra snāyante viśramanti ca; taḍāgadasya tat sarvaṃ pretyānantyāya kalpate
Was sie dort an Wasser trinken, worin sie baden und sich ausruhen – all das führt dem Teichspender im Jenseits zur Unendlichkeit.
Wort für Wort yat pibanti jalaṃ tatra was sie trinken an Wasser dort (Akk.Sg.n.; 3.Pl.Präs.) snāyante viśramanti ca [worin] sie baden und ruhen (3.Pl.Präs.Med.; 3.Pl.Präs.) taḍāgadasya tat sarvam des Teichspenders all das (Gen.Sg.m.; Nom.Sg.n.) pretya ānantyāya kalpate im Jenseits zur Unendlichkeit gereicht es (Gerundium; Dat.Sg.; 3.Sg.Präs.Med.) Der Relativsatz ist elliptisch; „yat pibanti jalam“ ist mit „snāyante viśramanti ca“ als Sammelbegriff für die Nutzung zu lesen.
durlabhaṃ salilaṃ tāta viśeṣeṇa paratra vai; pānīyasya pradānena prītir bhavati śāśvatī
Wasser ist schwer zu erlangen, mein Lieber, besonders im Jenseits; durch die Gabe von Wasser entsteht ewige Zufriedenheit.
Wort für Wort durlabhaṃ salilaṃ tāta schwer erlangbar ist Wasser, Lieber (Nom.Sg.n.; Vok.Sg.) viśeṣeṇa paratra vai besonders im Jenseits wahrlich (Instr.Adv.; Adv.) pānīyasya pradānena durch die Gabe von Trinkwasser (Gen.Sg.; Instr.Sg.) prītir bhavati śāśvatī Zufriedenheit entsteht ewige (Nom.Sg.f.; 3.Sg.Präs.) tilān dadata pānīyaṃ dīpān dadata jāgrata; jñātibhiḥ saha modadhvam etat preteṣu durlabham
Gebt Sesam, gebt Wasser, gebt Lichter, seid wach! Freut euch mit den Verwandten! Das ist unter den Verstorbenen schwer zu bekommen.
Wort für Wort tilān dadata pānīyam Sesam gebt, Wasser (Akk.Pl.m.; Imp.2.Pl.; Akk.Sg.n.) dīpān dadata jāgrata Lichter gebt, seid wach (Akk.Pl.m.; Imp.2.Pl.; Imp.2.Pl.) jñātibhiḥ saha modadhvam mit den Verwandten freut euch (Instr.Pl.; Imp.2.Pl.Med.) etat preteṣu durlabham das ist unter den Verstorbenen schwer erlangbar (Nom.Sg.n.; Lok.Pl.m.; Nom.Sg.n.) sarvadānair gurutaraṃ sarvadānair viśiṣyate; pānīyaṃ naraśārdūla tasmād dātavyam eva hi
Wasser ist schwerer wiegend als alle Gaben, es übertrifft alle Gaben, o Tigerheld unter den Männern; deshalb soll man es unbedingt geben.
Wort für Wort sarvadānair gurutaram als alle Gaben gewichtiger (Instr.Pl. [Abl.-Funktion]; Komp.Nom.Sg.n.) sarvadānair viśiṣyate alle Gaben übertrifft es (Instr.Pl.; 3.Sg.Präs.Pass.) pānīyaṃ naraśārdūla Wasser, o Tiger unter den Männern (Nom.Sg.n.; Vok.Sg.) tasmād dātavyam eva hi deshalb ist es zu geben, ja (Abl.; Gerundiv; Partikeln) evam etat taḍāgeṣu kīrtitaṃ phalam uttamam
So ist diese höchste Frucht bei den Teichen verkündet worden.
Wort für Wort evam etat so dies (Adv.; Nom.Sg.n.) taḍāgeṣu kīrtitam bei den Teichen verkündet (Lok.Pl.; Part.Perf.Pass.Nom.Sg.n.) phalam uttamam die höchste Frucht (Nom.Sg.n.) ekāham api kaunteya bhūmistham udakaṃ kuru; kulaṃ tārayate janma sapta sapta ca sapta ca
Auch nur für einen Tag, o Sohn der Kuntī, lass Wasser im Boden [stehen]: Es rettet das Geschlecht, die [Geburt] siebenmal sieben und noch siebenmal.
Wort für Wort ekāham api kaunteya auch nur für einen Tag, o Sohn der Kuntī (Adv.; Vok.Sg.) bhūmistham udakaṃ kuru im Boden befindliches Wasser mach [bereit] (Akk.Sg.n.; Imp.2.Sg.) kulaṃ tārayate janma das Geschlecht rettet es, die Geburt (Akk.Sg.n.; 3.Sg.Präs.Med.; Akk.Sg.n.) sapta sapta ca sapta ca siebenmal sieben und sieben (Zahlwörter) Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeilen der kritischen Ausgabe; „bhūmistham udakam“ und die Zahlenangabe („sapta sapta ca sapta ca“) sind knapp und nicht eindeutig; Wiedergabe unsicher. [?]
ata ūrdhvaṃ pravakṣyāmi vṛkṣāṇām api ropaṇe
Von nun an werde ich auch über das Pflanzen von Bäumen sprechen.
Wort für Wort ataḥ ūrdhvaṃ von nun an, weiterhin (Adv.) pravakṣyāmi ich werde sprechen (1.Sg.Fut.) vṛkṣāṇām api ropaṇe auch über das Pflanzen der Bäume (Gen.Pl.; Lok.Sg.n.) sthāvarāṇāṃ ca bhūtānāṃ jātayaḥ ṣaṭ prakīrtitāḥ; vṛkṣagulmalatāvallyas tvaksārās tṛṇajātayaḥ
Für die unbeweglichen Wesen sind sechs Arten aufgezählt: Bäume, Sträucher, Schlingpflanzen, Ranken, Rindenpflanzen [„Kernrinder“] und Gräser.
Wort für Wort sthāvarāṇāṃ ca bhūtānām und der unbeweglichen Wesen (Gen.Pl.) jātayaḥ ṣaṭ prakīrtitāḥ Arten sechs werden genannt (Nom.Pl.f.; Part.Perf.Pass.) vṛkṣagulmalatāvallyaḥ Bäume, Sträucher, Schlingpflanzen, Ranken (Nom.Pl.f., Kompositum) tvaksārās tṛṇajātayaḥ Rindenpflanzen [mit Rinde als Kern] und Grasarten (Nom.Pl.m.; Nom.Pl.f.) „tvaksāra“ bezeichnet nach der Wortbildung Pflanzen, deren Kern in der Rinde liegt (z. B. Bambus, Betelpalme, vgl. 099.024*0446).
etā jātyas tu vṛkṣāṇāṃ teṣāṃ rope guṇās tv ime
Dies sind die Arten der Bäume; die Vorzüge ihres Pflanzens sind diese.
Wort für Wort etā jātyaḥ tu vṛkṣāṇām dies sind die Arten der Bäume (Nom.Pl.f.; Gen.Pl.) teṣāṃ rope ihres Pflanzens (Gen.Pl.; Lok.Sg.m.) guṇāḥ tu ime die Vorzüge aber [sind] diese (Nom.Pl.m.; Nom.Pl.m.) panasāmrādayo vṛkṣā gulmā mandārapūrvakāḥ; nāgikā maricā vallyo mālatītyādikā latāḥ; veṇukramukatvaksārāḥ sasyāni tṛṇajātayaḥ
Brotfruchtbaum, Mango und dergleichen sind Bäume; Sträucher sind die mit dem Mandāra an der Spitze; Betel, Pfeffer sind Ranken; Mālatī und dergleichen sind Schlingpflanzen; Bambus, Betelnusspalme sind Rindenpflanzen; Getreide und Gräser sind die Grasarten.
Wort für Wort panasāmrādayo vṛkṣā Brotfrucht, Mango usw. sind Bäume (Nom.Pl.m., Kompositum) gulmā mandārapūrvakāḥ Sträucher sind die mit Mandāra an der Spitze (Nom.Pl.m.) nāgikā maricā vallyo Betel, Pfeffer sind Ranken (Nom.Pl.f.) mālatītyādikā latāḥ Mālatī und dergleichen sind Schlingpflanzen (Nom.Pl.f.) veṇukramukatvaksārāḥ Bambus, Betelnusspalme sind Rindenpflanzen (Nom.Pl.m., Kompositum) sasyāni tṛṇajātayaḥ Getreidearten, Grasarten (Nom.Pl.n.; Nom.Pl.f.) Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Pflanzennamen (nāgikā, marica, mālatī) nach gängiger Deutung: Betel, Pfeffer, Jasmin. [?]
sasyāni ropaṇād eṣāṃ tṛptir bhavati śāśvatī
Durch das Pflanzen dieser Getreidearten entsteht ewige Sättigung.
Wort für Wort sasyāni Getreidearten (Nom./Akk.Pl.n.) ropaṇād eṣām durch das Pflanzen dieser (Abl.Sg.n.; Gen.Pl.) tṛptir bhavati śāśvatī Sättigung entsteht ewige (Nom.Sg.f.; 3.Sg.Präs.; Nom.Sg.f.) Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile; „sasyāni“ am Zeilenanfang ist syntaktisch schwer einzuordnen (evtl. verderbt). [?]
kīrtiś ca mānuṣe loke pretya caiva phalaṃ śubham
Und Ruhm in der Menschenwelt und nach dem Tod gute Frucht.
Wort für Wort kīrtiś ca mānuṣe loke und Ruhm in der Menschenwelt (Nom.Sg.f.; Lok.Sg.) pretya ca eva und nach dem Tod ebenso (Gerundium; Partikel) phalaṃ śubham gute Frucht (Nom.Sg.n.) labhate nāma loke ca pitṛbhiś ca mahīyate; devalokagatasyāpi nāma tasya na naśyati
Er erlangt [einen] Namen in der Welt und wird von den Ahnen geehrt; auch wenn er in die Götterwelt gegangen ist, vergeht sein Name nicht.
Wort für Wort labhate nāma loke ca er erlangt Namen und in der Welt (3.Sg.Präs.; Akk.Sg.n.; Lok.Sg.) pitṛbhiś ca mahīyate und von den Ahnen wird er geehrt (Instr.Pl.; 3.Sg.Präs.Pass.) devalokagatasya api auch des in die Götterwelt Gegangenen (Gen.Sg.m.) nāma tasya na naśyati Name seiner nicht vergeht (Nom.Sg.n.; Gen.Sg.; 3.Sg.Präs.) atītānāgate cobhe pitṛvaṃśaṃ ca bhārata
[Er rettet] die Vergangenheit und die Zukunft, beides, und die väterliche Linie, o Bhārata.
Wort für Wort atītānāgate ca ubhe Vergangenes und Zukünftiges, beides (Akk.Du.n.) pitṛvaṃśaṃ ca und die väterliche Linie (Akk.Sg.m.) bhārata o Bhārata (Vok.Sg.) Satz setzt sich in 099.026cd fort (tārayet); „atītānāgate“ ergänzt nach dem Zusammenhang die Ahnen und Nachkommen. [?]
śatāvarāñ śataparān mātāpitṛpitāmahān
[Er rettet] Hundert Frühere und Hundert Spätere, Mütter, Väter und Großväter,
Wort für Wort śatāvarān śataparān hundert Spätere, hundert Frühere (Akk.Pl.m.) mātāpitṛpitāmahān Mütter, Väter, Großväter (Akk.Pl.m., Dvandva) Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile; „avara“ und „para“ als Nachkommen und Vorfahren gedeutet (vgl. 033).
tārayed vṛkṣaropī ca tasmād vṛkṣān praropayet
[Ebenso] rettet der Baumpflanzer; deshalb soll man Bäume pflanzen.
Wort für Wort tārayet vṛkṣaropī ca möge retten und der Baumpflanzer (Opt.3.Sg.; Nom.Sg.m.) tasmād vṛkṣān deshalb Bäume (Abl.; Akk.Pl.m.) praropayet man soll pflanzen (Kaus.Opt.3.Sg.) ropayitvā tu yo vṛkṣān kāle śuśrūṣate nagān
Wer Bäume gepflanzt hat und sie zur rechten Zeit pflegt, [die Bäume],
Wort für Wort ropayitvā tu yaḥ vṛkṣān wer aber Bäume gepflanzt hat (Gerundium; Nom.Sg.m.; Akk.Pl.m.) kāle śuśrūṣate nagān zur rechten Zeit pflegt die Bäume (Lok.Sg.; 3.Sg.Präs.Desid.; Akk.Pl.m.) Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile; „śuśrūṣate“ hier „pflegt, wartet“.
tasya putrā bhavanty ete pādapā nātra saṃśayaḥ; paralokagataḥ svargaṃ lokāṃś cāpnoti so 'vyayān
dessen Söhne sind diese Bäume, daran ist kein Zweifel; er gelangt in die jenseitige Welt zum Himmel und erlangt unvergängliche Welten.
Wort für Wort tasya putrā bhavanti ete seine Söhne werden diese (Gen.Sg.; Nom.Pl.m.; 3.Pl.Präs.) pādapā na atra saṃśayaḥ Bäume, nicht hier Zweifel (Nom.Pl.m.; Nom.Sg.m.) paralokagataḥ svargam in die jenseitige Welt gegangen, den Himmel (Nom.Sg.m.; Akk.Sg.m.) lokān ca āpnoti so 'vyayān und Welten erreicht er unvergängliche (Akk.Pl.m.; 3.Sg.Präs.; Akk.Pl.m.) puṣpaiḥ suragaṇān vṛkṣāḥ phalaiś cāpi tathā pitṝn; chāyayā cātithīṃs tāta pūjayanti mahīruhāḥ
Mit Blüten ehren die Bäume die Götterscharen, mit Früchten ebenso die Ahnen, mit Schatten die Gäste, mein Lieber – die Bäume.
Wort für Wort puṣpaiḥ suragaṇān vṛkṣāḥ mit Blüten die Götterscharen, die Bäume (Instr.Pl.; Akk.Pl.m.; Nom.Pl.m.) phalaiś ca api tathā pitṝn und mit Früchten ebenso die Ahnen (Instr.Pl.; Akk.Pl.m.) chāyayā ca atithīn tāta und mit Schatten die Gäste, Lieber (Instr.Sg.; Akk.Pl.m.; Vok.Sg.) pūjayanti mahīruhāḥ ehren die Bäume [„Erdwachsenen“] (3.Pl.Präs.Kaus.; Nom.Pl.m.) pūjayanti kṣitiruhāś chāyayā hy atithīn sadā
Die Erdwachsenen ehren mit Schatten stets die Gäste.
Wort für Wort pūjayanti kṣitiruhāḥ ehren die Erdwachsenen (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.m.) chāyayā hi atithīn sadā mit Schatten ja die Gäste stets (Instr.Sg.; Partikel; Akk.Pl.m.; Adv.) Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile, Variante zu 099.028cd.
kiṃnaroragarakṣāṃsi devagandharvamānavāḥ; tathā ṛṣigaṇāś caiva saṃśrayanti mahīruhān
Kiṃnaras, Schlangen, Rākṣasas, Götter, Gandharvas und Menschen sowie die Scharen der Seher suchen die Bäume auf.
Wort für Wort kiṃnaroragarakṣāṃsi Kiṃnaras, Schlangen, Rākṣasas (Nom.Pl.n./m., Kompositum) devagandharvamānavāḥ Götter, Gandharvas, Menschen (Nom.Pl.m., Kompositum) tathā ṛṣigaṇāḥ ca eva ebenso die Scharen der Seher (Nom.Pl.m.) saṃśrayanti mahīruhān suchen Zuflucht bei den Bäumen (3.Pl.Präs.; Akk.Pl.m.) puṣpitāḥ phalavantaś ca tarpayantīha mānavān; vṛkṣadaṃ putravad vṛkṣās tārayanti paratra ca
Blühend und fruchttragend erquicken die Bäume hier die Menschen; wie Söhne retten sie den Baumspender auch im Jenseits.
Wort für Wort puṣpitāḥ phalavantaś ca blühend und fruchttragend (Nom.Pl.m.) tarpayanti iha mānavān erquicken hier die Menschen (3.Pl.Präs.Kaus.; Akk.Pl.m.) vṛkṣadaṃ putravat vṛkṣāḥ den Baumspender wie Söhne, die Bäume (Akk.Sg.m.; Adv.; Nom.Pl.m.) tārayanti paratra ca retten auch im Jenseits (3.Pl.Präs.; Adv.) tasmāt taḍāge vṛkṣā vai ropyāḥ śreyorthinā sadā; putravat paripālyāś ca putrās te dharmataḥ smṛtāḥ
Deshalb sind am Teich Bäume stets von dem, der Heil wünscht, zu pflanzen; wie Söhne sind sie zu hegen; denn sie gelten gemäß dem Dharma als Söhne.
Wort für Wort tasmāt taḍāge vṛkṣā vai deshalb am Teich Bäume wahrlich (Abl.; Lok.Sg.; Nom.Pl.m.) ropyāḥ śreyorthinā sadā sind zu pflanzen von dem, der Heil erstrebt, stets (Gerundiv; Instr.Sg.m.) putravat paripālyāś ca und wie Söhne zu hegen (Adv.; Gerundiv Nom.Pl.m.) putrās te dharmataḥ smṛtāḥ Söhne sind sie nach dem Dharma überliefert (Nom.Pl.m.; Adv.; Part.Perf.Pass.) taḍāgakṛd vṛkṣaropī iṣṭayajñaś ca yo dvijaḥ; ete svarge mahīyante ye cānye satyavādinaḥ
Wer einen Teich anlegt, wer Bäume pflanzt und wer als Zweimalgeborener Opfer dargebracht hat, sowie die anderen, die die Wahrheit sagen – diese werden im Himmel geehrt.
Wort für Wort taḍāgakṛd vṛkṣaropī der Teichmacher, der Baumpflanzer (Nom.Sg.m.) iṣṭayajñaś ca yo dvijaḥ und wer als Zweimalgeborener Opfer dargebracht hat (Nom.Sg.m.; Nom.Sg.m.) ete svarge mahīyante diese werden im Himmel geehrt (Nom.Pl.m.; Lok.Sg.; 3.Pl.Präs.Pass.) ye ca anye satyavādinaḥ und welche anderen die Wahrheit sagen (Nom.Pl.m.) tasmāt taḍāgaṃ kurvīta ārāmāṃś caiva ropayet; yajec ca vividhair yajñaiḥ satyaṃ ca satataṃ vadet
Deshalb soll man einen Teich anlegen und Gärten pflanzen, mit vielerlei Opfern opfern und stets die Wahrheit sprechen.
Wort für Wort tasmāt taḍāgaṃ kurvīta deshalb einen Teich soll man anlegen (Abl.; Akk.Sg.n.; Opt.3.Sg.Med.) ārāmān ca ropayet und Gärten soll man pflanzen (Akk.Pl.m.; Kaus.Opt.3.Sg.) yajet ca vividhair yajñaiḥ und opfern soll man mit vielerlei Opfern (Opt.3.Sg.; Instr.Pl.) satyaṃ ca satataṃ vadet und Wahrheit stets sagen (Akk.Sg.n.; Adv.; Opt.3.Sg.)
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