Kapitel 3: viśvāmitrabrāhmaṇatvapraśnaḥ
Yudhiṣṭhiras Frage, wie der Kṣatriya Viśvāmitra zum Brahmanentum gelangte
Yudhiṣṭhira fragt Bhīṣma, wie Viśvāmitra als geborener Kṣatriya das Brahmanentum erlangen konnte, und zählt dazu dessen Taten auf. Zugleich stellt er die Frage, wie Mataṅga, in einen Caṇḍāla-Schoß geboren, Brahmane werden könnte.
Yudhiṣṭhira sprach: „Wenn das Brahmanentum von den [anderen] drei Ständen nur schwer zu erlangen ist, o Herrscher der Menschen, wie wurde es dann, großer König, von einem [bloßen] Kṣatriya, dem Hochgesinnten, erlangt?“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Nom.; Perf. 3.Sg.)
brāhmaṇyaṃ yadi duṣprāpaṃ
wenn das Brahmanentum schwer zu erlangen ist (Nom.Sg.n.)
tribhir varṇair narādhipa
von den drei Ständen, o Herrscher der Menschen (Instr.Pl.; Vok.)
kathaṃ prāptaṃ mahārāja
wie wurde es erlangt, o großer König (Part.Perf.Pass.; Vok.)
viśvāmitreṇa dharmātman brāhmaṇatvaṃ nararṣabha; śrotum icchāmi tattvena tan me brūhi pitāmaha
„Das Brahmanentum des Viśvāmitra, o du, dessen Wesen das Recht ist, du Stier unter den Männern, möchte ich der Wahrheit gemäß hören; das sage mir, Großvater.“
Wort für Wort
viśvāmitreṇa
durch Viśvāmitra (Instr.Sg.; Agens beim Passiv-Sinn „von V. erlangt“)
dharmātman nararṣabha
o du, dessen Wesen das Recht ist; o Stier unter den Männern (Vok.)
brāhmaṇatvaṃ
das Brahmanentum (Akk.Sg.n.)
śrotum icchāmi tattvena
hören möchte ich der Wahrheit gemäß (Inf.; 1.Sg.Präs.; Instr.)
tan me brūhi pitāmaha
das sage mir, Großvater (Imp.2.Sg.; Dat./Gen.; Vok.)
tena hy amitavīryeṇa vasiṣṭhasya mahātmanaḥ; hataṃ putraśataṃ sadyas tapasā prapitāmaha
„Denn von jenem [Viśvāmitra] von unermesslicher Kraft wurden [einst] die hundert Söhne des hochgesinnten Vasiṣṭha auf der Stelle durch [seine] Askese getötet, o Urgroßvater.“
Wort für Wort
tena hy amitavīryeṇa
denn von jenem, dem von unermesslicher Kraft (Instr.Sg.)
vasiṣṭhasya mahātmanaḥ
des Vasiṣṭha, des Hochgesinnten (Gen.Sg.)
hataṃ putraśataṃ
getötet wurde die Hundertschaft von Söhnen (Part.Perf.Pass.; Nom.Sg.n.)
sadyas tapasā prapitāmaha
sogleich durch Askese, o Urgroßvater (Adv.; Instr.Sg.; Vok.)
yātudhānāś ca bahavo rākṣasās tigmatejasaḥ; manyunāviṣṭadehena sṛṣṭāḥ kālāntakopamāḥ
„Und viele Yātudhānas und Rākṣasas von scharfer Glut wurden von ihm, dessen Leib von Zorn erfüllt war, erschaffen, dem Ende der Zeit [dem Todesgott] gleich.“
Wort für Wort
yātudhānāś ca bahavo
und viele Yātudhānas (Nom.Pl.m.)
rākṣasās tigmatejasaḥ
Rākṣasas von scharfer Glut (Nom.Pl.; Bahuvrīhi)
manyunāviṣṭadehena
von dem, dessen Leib vom Zorn erfüllt war (Instr.Sg.; Bahuvrīhi)
sṛṣṭāḥ
wurden erschaffen (Part.Perf.Pass.; Nom.Pl.)
kālāntakopamāḥ
dem Ende der Zeit und dem Todesgott gleich (Nom.Pl.; Kompositum)
mahān kuśikavaṃśaś ca brahmarṣiśatasaṃkulaḥ; sthāpito naraloke 'smin vidvān brāhmaṇasaṃstutaḥ
„Und das große Geschlecht der Kuśika, erfüllt von Hunderten von Brahmanenweisen, wurde in dieser Menschenwelt [von ihm] gegründet, [von ihm], dem Wissenden, von den Brahmanen Gepriesenen.“
Wort für Wort
mahān kuśikavaṃśaś ca
und das große Geschlecht der Kuśika (Nom.Sg.m.)
brahmarṣiśatasaṃkulaḥ
erfüllt von Hunderten von Brahmanenweisen (Nom.Sg.; Kompositum)
sthāpito naraloke 'smin
wurde gegründet in dieser Menschenwelt (Part.Perf.Pass.; Lok.Sg.)
vidvān brāhmaṇasaṃstutaḥ
der Wissende, von Brahmanen gepriesen (Nom.Sg.; Part.Perf.Pass.)
„Bei dem Opfer des Hariścandra, nachdem er die Götter durch die eigene Glut zufriedengestellt hatte, gelangte er in die Sohnschaft des weisen Viśvāmitra.“
Wort für Wort
hariścandrakratau
beim Opfer des Hariścandra (Lok.Sg.)
devāṃs toṣayitvātmatejasā
nachdem er die Götter zufriedengestellt hatte durch die eigene Glut (Akk.Pl.; Gerundium; Instr.Sg.)
putratām anusaṃprāptaḥ
gelangte in die Sohnschaft (Akk.Sg.f.; Part.Perf.Akt.)
„Der ältere [Bruder] Devarāta wird [von ihnen] nicht begrüßt, o Herrscher der Menschen; und [seine] fünfzig Söhne wurden verflucht und gerieten in den Stand der Hundeköche.“
Wort für Wort
nābhivādayate
grüßt nicht (3.Sg.Präs. Med. mit Negation)
jyeṣṭhaṃ devarātaṃ narādhipa
den älteren Devarāta, o Herrscher der Menschen (Akk.Sg.; Vok.)
putrāḥ pañcaśatāś cāpi
und auch die fünfzig Söhne (Nom.Pl.m.)
śaptāḥ
verflucht (Part.Perf.Pass.; Nom.Pl.)
śvapacatāṃ gatāḥ
in den Stand der Hundeköche gelangt (Akk.Sg.f.; Part.Perf.Akt.)
Subjekt und Bezug von nābhivādayate sind unklar (Passiv-Sinn angenommen) [?].
„Triśaṅku, von seinen Verwandten verlassen, der Ikṣvāku, wurde aus Zuneigung mit dem Kopf nach unten in den Himmel gebracht, [und] gelangte in die südliche Himmelsrichtung.“
Wort für Wort
triśaṅkur bandhusaṃtyakta
Triśaṅku, von den Verwandten verlassen (Nom.Sg.; Part.Perf.Pass.)
ikṣvākuḥ prītipūrvakam
der Ikṣvāku, aus Zuneigung (Nom.Sg.; Adv.)
avākśirā divaṃ nīto
mit dem Kopf nach unten in den Himmel gebracht (Nom.Sg.; Akk.Sg.; Part.Perf.Pass.)
dakṣiṇām āśrito diśam
die südliche Himmelsrichtung eingenommen habend (Akk.Sg.f.; Part.Perf.Akt.)
„Und Viśvāmitras [ist] ein breiter Fluss, von Königsweisen besucht: die Kauśikī, die glückverheißende, heilige, von Scharen von Brahmanenweisen besucht.“
Wort für Wort
viśvāmitrasya vipulā nadī
des Viśvāmitra [gehört] ein breiter Fluss (Gen.Sg.; Nom.Sg.f.)
rājarṣisevitā
von Königsweisen besucht (Nom.Sg.f.; Part.Perf.Pass.)
„Und der Erhabene, der Herr, der an der Spitze der Götterheere geht, wurde durch [dessen] Worte gepriesen, war gnädig gestimmt und befreite ihn vom Fluch.“
Wort für Wort
vāgbhiś ca bhagavān yena
und durch Worte, der Erhabene, von dem (Instr.Pl.; Nom.Sg.; Instr.Sg.)
devasenāgragaḥ prabhuḥ
der an der Spitze des Götterheeres Gehende, der Herr (Nom.Sg.)
stutaḥ prītamanāś cāsīt
gepriesen und war gnädig gestimmt (Part.Perf.Pass.; Impf. 3.Sg.)
śāpāc cainam amocayat
und befreite ihn vom Fluch (Abl.Sg.; Akk.Sg.; Impf.Kaus. 3.Sg.)
Das Bezugswort der Relativ-Korrelativ-Konstruktion (yena … enam) ist unklar; die Deutung der Personen ist unsicher [?].
„[Er], der inmitten des Dhruva, des Sohnes des Uttānapāda, und ebenso der Brahmanenweisen beständig leuchtet, nachdem er die nördliche Himmelsrichtung eingenommen hat.“
Wort für Wort
dhruvasyauttānapādasya
des Dhruva, des Sohnes des Uttānapāda (Gen.Sg.)
brahmarṣīṇāṃ tathaiva ca
und ebenso der Brahmanenweisen (Gen.Pl.)
madhye jvalati yo nityam
inmitten leuchtet, der beständig (Lok.Sg.; 3.Sg.Präs.; Adv.)
udīcīm āśrito diśam
der die nördliche Himmelsrichtung eingenommen hat (Akk.Sg.f.; Part.Perf.Akt.)
„Mit Recht erlangte Mataṅga das Brahmanentum nicht, o Stier unter den Bharatas; denn wie sollte einer, der in einem Caṇḍāla-Schoß geboren wurde, das Brahmanentum erlangen?“
Wort für Wort
sthāne mataṃgo brāhmaṇyaṃ
mit Recht [hat] Mataṅga das Brahmanentum (Lok.Sg.n.; Nom.Sg.; Akk.Sg.n.)
nālabhad bharatarṣabha
nicht erlangt, o Stier unter den Bharatas (Impf. 3.Sg.; Vok.)
caṇḍālayonau jāto hi
denn in einem Caṇḍāla-Schoß geboren (Lok.Sg.f.; Part.Perf.Pass.)
kathaṃ brāhmaṇyam āpnuyāt
wie könnte er das Brahmanentum erlangen (Akk.Sg.n.; Opt. 3.Sg.)