Kapitel 145: śatarudrīyamāhātmya
Rudras Größe: Dakṣas Opfer, die Zerstörung der drei Burgen und Durvāsas
Kṛṣṇa erzählt Yudhiṣṭhira auf dessen Bitte die Größe und die Namen Śivas (Rudras/Mahādevas), die er von Durvāsas erfahren hat; das Kapitel schildert Rudras Zorn beim Opfer Dakṣas, die Vernichtung der drei Asura-Burgen, den Lobpreis als All-Gott und Durvāsas als Erscheinungsform Śivas.
vāsudeva uvāca; hanta te kathayiṣyāmi namaskṛtvā kapardine; yad avāptaṃ mahārāja śreyo yac cārjitaṃ yaśaḥ
Vāsudeva sprach: „Wohlan, ich will es dir erzählen, nachdem ich mich vor dem Träger des Haarknotens [Śiva] verneigt habe – was ich, o Großkönig, an Heil erlangt und an Ruhm erworben habe.
Wort für Wort
vāsudeva uvāca
Vāsudeva sprach
hanta te kathayiṣyāmi
wohlan, dir werde ich erzählen (Interj.; 1.Sg.Fut.)
namaskṛtvā kapardine
nachdem ich mich verneigt habe vor dem Haarknotenträger (Abs.; Dat.)
yad avāptaṃ mahārāja śreyaḥ
was erlangt wurde, o Großkönig, das Heil (PPP; Vok.; Nom. n.)
„Śiva, der Allgegenwärtige, Rudra – höre von mir, wer der Schöpfer ist.“
Wort für Wort
śivaḥ sarvagato rudraḥ
Śiva, der Allgegenwärtige, Rudra (Nom. m.)
sraṣṭā yas taṃ śṛṇuṣva me
der Schöpfer, der, ihn höre von mir (Nom.; Rel.; Imp. Med.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers der kritischen Ausgabe; Syntax des zweiten Pādas knapp (Bezug von yas taṃ unklar).
na surā nāsurā loke na gandharvā na pannagāḥ; kupite sukham edhante tasminn api guhāgatāḥ
Weder Götter noch Asuras in der Welt, weder Gandharvas noch Schlangen gedeihen glücklich, wenn er erzürnt ist – auch nicht, wenn sie in Höhlen geflohen sind.
Wort für Wort
na surā nāsurā loke
nicht Götter, nicht Asuras in der Welt (Nom.Pl.; Lok.)
na gandharvā na pannagāḥ
nicht Gandharvas, nicht Schlangen (Nom.Pl.)
kupite sukham edhante
wenn er erzürnt ist, gedeihen glücklich (Lok. abs.; 3.Pl.Präs. Med.)
prajāpateś ca dakṣasya yajato vitate kratau; vivyādha kupito yajñaṃ nirbhayas tu bhavas tadā; dhanuṣā bāṇam utsṛjya saghoṣaṃ vinanāda ca
Als Prajāpati Dakṣa opferte, bei dem weit ausgebreiteten Ritus, durchbohrte Bhava damals zornig, doch furchtlos, das Opfer; er ließ mit dem Bogen einen Pfeil schnellen und brüllte laut mit [dem Klang der Sehne].
Wort für Wort
prajāpateś ca dakṣasya yajato
und des Prajāpati Dakṣa, der opferte (Gen.; Part. Gen.)
vitate kratau
beim ausgebreiteten Ritus (Lok.)
vivyādha kupito yajñam
durchbohrte zornig das Opfer (Perf. 3.Sg.; Nom.; Akk.)
nirbhayas tu bhavas tadā
furchtlos aber Bhava damals (Nom.; Nom.)
dhanuṣā bāṇam utsṛjya
mit dem Bogen einen Pfeil entsendend (Instr.; Akk.; Abs.)
saghoṣaṃ vinanāda ca
mit Getöse brüllte er (Adv.; Perf. 3.Sg.)
„[dem Klang der Sehne]“ frei ergänzt für saghoṣam; wörtlich „mit Getöse“.
tena caivātikopena sa yajñaḥ saṃdhito 'bhavat; yad yac cāpi hataṃ tatra tat tathaiva pradīyate
Durch diesen übergroßen Zorn [wurde] jenes Opfer wieder zusammengefügt; und was immer dort zerschlagen worden war, das wird ebenso [wieder] hergestellt.
Wort für Wort
tena ca ati-kopena
und durch diesen übergroßen Zorn (Instr.Sg.)
sa yajñaḥ saṃdhito 'bhavat
jenes Opfer wurde wieder zusammengefügt (Nom.Sg.; Part.Pass. + Impf.)
yad yac ca api hatam tatra
und was immer dort auch zerschlagen war (Nom./Akk.Sg.n.; Part.Pass.)
tat tathā eva pradīyate
das wird ebenso wiedergegeben/hergestellt (3.Sg.Pass.Präs.)
yudhiṣṭhiraḥ; tripurāṇi mahābāho jitavān sa maheśvaraḥ; vāsudevaḥ; ācakṣva me yathātattvaṃ sarvajña madhusūdana; śṛṇu me gadatas tāta yathā dagdhaṃ puratrayam
Yudhiṣṭhira [sprach]: „Die drei Burgen hat er, der Große Herr, besiegt, Starkarmiger. Berichte mir der Wahrheit gemäß, Allwissender, Madhusūdana.“ Vāsudeva [sprach]: „Höre von mir, Lieber, während ich erzähle, wie die Dreiburg verbrannt wurde.“
Wort für Wort
yudhiṣṭhiraḥ
Yudhiṣṭhira [sprach] (Nom.Sg.)
tripurāṇi mahābāho jitavān sa maheśvaraḥ
die drei Burgen hat besiegt, Starkarmiger, jener Große Herr (Akk.Pl.n./Vok./Part.Perf.Akt.)
vāsudevaḥ
Vāsudeva [sprach] (Nom.Sg.)
ācakṣva me yathātattvaṃ sarvajña madhusūdana
berichte mir der Wahrheit gemäß, Allwissender, Madhusūdana (Imp.Med.2.Sg./Vok.)
śṛṇu me gadataḥ tāta
höre von mir, dem Sprechenden, Lieber (Imp.2.Sg./Gen.Part.Präs./Vok.)
yathā dagdhaṃ puratrayam
wie verbrannt wurde die Dreiburg (Part.Pass./Nom.Sg.n.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; die Sprecherangaben stehen im überlieferten Text vor bzw. zwischen den Halbversen und sind hier den Rede-Teilen zugeordnet.
Rudra, ihn, den Herrn, dessen Werke schrecklich sind, kundig aller Waffen [gingen sie an].
Wort für Wort
rudraṃ tam
Rudra, ihn (Akk.Sg.)
raudra-karmāṇaṃ
dessen Werke schrecklich sind (Akk.Sg.; Kompositum)
sarva-astra-kuśalaṃ prabhum
kundig aller Waffen, den Herrn (Akk.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile; grammatisch abgebrochen, das Verb fehlt ([Anm.: Satz abgebrochen]).
So angesprochen, sagte er „So sei es“, machte Viṣṇu zum besten Pfeil, Agni zur Spitze, den Vaivasvata Yama zur Befiederung, die Veden zum Bogen und Sāvitrī, die beste, zur Sehne.
Wort für Wort
sa tathā uktaḥ tathā iti uktvā
er, so angesprochen, „so sei es“ gesagt habend (Nom.Sg./Part.Pass./Abs.)
viṣṇuṃ kṛtvā śara-uttamam
Viṣṇu zum besten Pfeil gemacht habend (Akk.Sg./Abs.)
śalyam agniṃ tathā kṛtvā
Agni zur Spitze ebenso gemacht habend (Akk.Sg./Abs.)
puṅkhaṃ vaivasvataṃ yamam
zur Befiederung den Vaivasvata Yama (Akk.Sg.)
vedān kṛtvā dhanuḥ sarvān
alle Veden zum Bogen gemacht habend (Akk.Pl./Nom.-Akk.Sg.n.)
tato dhyātvātha bhagavān brahmā tam amitaujasam; ayaṃ śreṣṭha iti jñātvā vavande tam umāpatim
Da sann der Erhabene Brahmā nach, und in ihm den Unermesslich-Mächtigen erkennend – „Dieser ist der Höchste“ –, verneigte er sich vor ihm, dem Gemahl der Umā.
Wort für Wort
tataḥ dhyātvā atha bhagavān brahmā
da nachgesonnen habend, dann der Erhabene Brahmā (Abs./Nom.Sg.)
tam amita-ojasam
ihn, den von unermesslicher Kraft (Akk.Sg.)
ayaṃ śreṣṭhaḥ iti jñātvā
„dieser ist der Höchste“ so erkannt habend (Nom.Sg./Abs.)
vavande tam umā-patim
verneigte sich vor ihm, dem Gatten der Umā (3.Sg.Perf./Akk.Sg.)
sa kālaḥ so 'ntako mṛtyuḥ sa tamo rātryahāni ca; māsārdhamāsā ṛtavaḥ saṃdhye saṃvatsaraś ca saḥ
Er ist die Zeit, er der Beender, der Tod, er die Finsternis, Nächte und Tage, Monatshälften und Monate, Jahreszeiten, die beiden Dämmerungen und das Jahr.
Wort für Wort
sa kālaḥ so 'ntakaḥ mṛtyuḥ
er Zeit, er Beender, Tod (Nom.Sg.)
sa tamaḥ
er Finsternis (Nom.Sg.n.)
rātri-ahāni ca
Nächte und Tage (Nom.Pl.)
māsa-ardhamāsāḥ ṛtavaḥ
Monate, Halbmonate, Jahreszeiten (Nom.Pl.)
saṃdhye saṃvatsaraḥ ca saḥ
die beiden Dämmerungen und das Jahr, er (Nom.Du./Nom.Sg.)
sa dhātā sa vidhātā ca viśvakarmā sa sarvavit; nakṣatrāṇi diśaś caiva pradiśo 'tha grahās tathā; viśvamūrtir ameyātmā bhagavān amitadyutiḥ
Er ist der Erhalter und der Ordner, er Viśvakarman, der Allwissende; die Sternbilder, die Himmelsrichtungen, die Zwischenrichtungen und die Planeten; er, dessen Gestalt das All ist, dessen Wesen unermesslich ist, der Erhabene von unermesslichem Glanz.
Wort für Wort
sa dhātā sa vidhātā ca
er Erhalter und Ordner (Nom.Sg.)
viśvakarmā sa sarva-vit
Viśvakarman, er der Allwissende (Nom.Sg.)
nakṣatrāṇi diśaḥ ca eva
Sternbilder und Himmelsrichtungen (Nom.Pl.)
pradiśaḥ atha grahāḥ tathā
Zwischenrichtungen, dann Planeten ebenso (Nom.Pl.)
viśva-mūrtiḥ ameya-ātmā
dessen Gestalt das All, unermessliches Selbst (Nom.Sg.)
īdṛśaḥ sa mahādevo bhūyaś ca bhagavān ataḥ; na hi śakyā guṇā vaktum api varṣaśatair api
So ist jener Mahādeva, und der Erhabene [ist] darüber hinaus noch mehr; denn seine Eigenschaften kann man nicht aufzählen, selbst in Hunderten von Jahren nicht.
Wort für Wort
īdṛśaḥ sa mahādevaḥ
so beschaffen ist jener Mahādeva (Nom.Sg.)
bhūyaḥ ca bhagavān ataḥ
und noch mehr der Erhabene darüber hinaus (Adv./Nom.Sg./Adv.)
na hi śakyāḥ guṇāḥ vaktum
denn nicht können Eigenschaften genannt werden (Nom.Pl./Inf.)