Kapitel 46: strīsaṃmānaprakaraṇam
Die Ehrung der Frauen und der Brautgabe
Bhīṣma legt Yudhiṣṭhira dar, dass Frauen zu ehren sind und Wohlstand und Familie von ihrer guten Behandlung abhängen; Vers 12 bringt zugleich Ansichten über ihre Abhängigkeit.
bhīṣma uvāca; prācetasasya vacanaṃ kīrtayanti purāvidaḥ; yasyāḥ kiṃ cin nādadate jñātayo na sa vikrayaḥ
Bhīṣma sprach: Das Wort des Prācetasa [Manu] verkünden die Kenner der Vorzeit: Was die Verwandten von ihr [der Braut] nicht an sich nehmen, das ist kein Kauf [?].
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
prācetasasya vacanaṃ
das Wort des Prācetasa (Gen./Akk.)
kīrtayanti purāvidaḥ
verkünden die Kenner der Vorzeit (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)
yasyāḥ kiṃ cin nādadate
von der [Braut] nichts nehmen sie an sich (Gen.Sg.f./3.Pl.Präs.Med.)
jñātayaḥ
die Verwandten (Nom.Pl.)
na sa vikrayaḥ
das ist kein Verkauf (Nom.Sg.m.)
Deutung von yasyāḥ kiṃ cin nādadate … na sa vikrayaḥ unsicher.
apūjitāś ca yatraitāḥ sarvās tatrāphalāḥ kriyāḥ; tadaiva tat kulaṃ nāsti yadā śocanti jāmayaḥ
Und wo diese nicht geehrt werden, dort sind alle Handlungen fruchtlos. Genau dann gibt es jenes Geschlecht nicht mehr, wenn die Schwestern [und Frauen des Hauses] klagen.
Wort für Wort
apūjitāś ca yatraitāḥ
und wo diese ungeehrt sind (Nom.Pl.f.)
sarvās tatrāphalāḥ kriyāḥ
dort sind alle Handlungen fruchtlos (Nom.Pl.f.)
tadaiva tat kulaṃ nāsti
eben dann besteht jenes Geschlecht nicht (Nom.Sg.n./3.Sg.Präs.)
Häuser, die von Schwestern [und Frauen] verflucht sind, wie von einem Zauber vernichtet, glänzen nicht und gedeihen nicht, sie sind ohne Glück, o Fürst.
Wort für Wort
jāmīśaptāni gehāni
von Frauen verfluchte Häuser (Nom.Pl.n.)
nikṛttānīva kṛtyayā
wie durch Zauber zerschnitten (Part.Pass./Instr.Sg.)
naiva bhānti na vardhante
sie glänzen nicht, sie wachsen nicht (3.Pl.Präs.)
śriyā hīnāni pārthiva
des Glücks beraubt, o Fürst (Instr./Nom.Pl.n./Vok.Sg.)
Manu, der zum Himmel zu gehen wünschte, vertraute die Frauen den Männern an: schwach, mit wenig [Hülle/Bedarf] [?], freundlich, durch Wahrheit siegend.
Wort für Wort
striyaḥ puṃsāṃ paridade
die Frauen vertraute ich den Männern an (Akk.Pl./Gen.Pl./Perf.Med.)
manur jigamiṣur divam
Manu, den Himmel zu erreichen wünschend (Nom.Sg./Desid.-Adj./Akk.)
strīpratyayo hi vo dharmo ratibhogāś ca kevalāḥ; paricaryānnasaṃskārās tadāyattā bhavantu vaḥ
Denn euer Dharma beruht auf Vertrauen zu den Frauen, und [auch] die Freuden der Liebe allein; Dienst und Zubereitung der Speise sollen von ihnen abhängen, für euch.
Wort für Wort
strīpratyayo hi vo dharmaḥ
denn euer Dharma beruht auf den Frauen (Nom.Sg.m./Gen.Pl.)
ratibhogāś ca kevalāḥ
und die reinen Liebesgenüsse (Nom.Pl.m.)
paricaryānnasaṃskārāḥ
Dienst und Zubereitung der Speise (Nom.Pl.m., Dvandva)
tadāyattā bhavantu vaḥ
sollen von ihnen abhängen, für euch (Imp.3.Pl./Gen.Pl.)
Diese Frauen sind gewissermaßen Glücksgöttinnen [Śrī]; wer Wohlstand wünscht, muss sie gut behandeln. Umsorgt und in Zucht gehalten wird die Frau zur Śrī, Bhārata.
Wort für Wort
śriya etāḥ striyo nāma
diese Frauen sind Glücksgöttinnen, wahrlich (Nom.Pl.f./Adv.)
satkāryā bhūtim icchatā
sind gut zu behandeln von dem, der Wohlstand wünscht (Gerundiv/Instr.Sg.)
lālitā nigṛhītā ca
umsorgt und im Zaum gehalten (Part.Pass.Nom.Sg.f.)
strī śrīr bhavati bhārata
die Frau wird zur Śrī, Bhārata (Nom.Sg.f./3.Sg.Präs./Vok.)