Kapitel 112: dharmasahāya-karmavipākavarṇana
Bṛhaspati lehrt: Der Dharma als einziger Begleiter und die Wiedergeburten je nach Tat
Yudhiṣṭhira befragt Bṛhaspati, was den Menschen nach dem Tod begleitet. Nach der Lehre vom Dharma und der Entstehung des Lebewesens folgt ein langer Katalog von Vergehen und den dafür vorgesehenen Wiedergeburten in Tiergestalt, bis der Mensch wieder erlangt wird.
Yudhiṣṭhira sprach: „Großvater, Starkarmiger, in allen Lehrschriften Bewanderter! Ich möchte die höchste Ordnung des Kreislaufs der Sterblichen [saṃsāra] hören.“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
pitāmaha mahābāho
Großvater, Starkarmiger (Vok.)
sarvaśāstraviśārada
in allen Lehrschriften Bewanderter (Vok.)
śrotum icchāmi
ich möchte hören (Inf./1.Sg.Präs.)
martyānāṃ saṃsāravidhim uttamam
der Sterblichen höchste Ordnung des Saṃsāra (Gen.Pl./Akk.Sg.)
„Durch welches Verhalten, König der Könige, gelangen Menschen, die sich [so] verhalten, im Kampf zum höchsten Himmel, und wie [gelangen sie], o Herrscher, in die Hölle?“
mṛtaṃ śarīram utsṛjya kāṣṭhaloṣṭasamaṃ janāḥ; prayānty amuṃ lokam itaḥ ko vai tān anugacchati
„Den toten Körper, [der] Holz und Erdklumpen gleich [ist], lassen die Menschen zurück und gehen von hier in jene Welt. Wer folgt ihnen dabei wirklich?“
Wort für Wort
mṛtaṃ śarīram utsṛjya
den toten Körper zurücklassend (Akk./Abs.)
kāṣṭhaloṣṭasamaṃ janāḥ
Holz und Erdklumpen gleich, die Menschen (Akk./Nom.Pl.)
prayānty amuṃ lokam itaḥ
gehen in jene Welt von hier (3.Pl.Präs./Akk./Adv.)
Bhīṣma sprach: „Dort kommt der hochherzige, erhabene Bṛhaspati, von hohem Verstand. Frage ihn, den sehr Glückbegabten, nach diesem geheimen, ewigen [Wissen].
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
asāv āyāti bhagavān bṛhaspatiḥ
dort kommt der Erhabene, Bṛhaspati (3.Sg.Präs./Nom.)
Yudhiṣṭhira sprach: „Erhabener, der du alle Dharmas kennst und in allen Lehrschriften bewandert bist: Wer ist für den Sterblichen der Helfer, Vater, Mutter, Sohn oder Lehrer?
Bṛhaspati sprach: „Allein wird das Wesen geboren, König der Könige, allein geht es zugrunde; allein überwindet es Schwierigkeiten, und allein geht es auch in [ein] schlimmes Geschick.
Wort für Wort
bṛhaspatir uvāca
Bṛhaspati sprach (Perf.)
ekaḥ prasūto rājendra
allein geboren, König der Könige (Nom./Vok.)
jantur eko vinaśyati
das Wesen geht allein zugrunde (Nom./3.Sg.Präs.)
ekas tarati durgāṇi
allein überwindet er Schwierigkeiten (3.Sg.Präs./Akk.Pl.)
gacchaty ekaś ca durgatim
und allein geht er in ein schlimmes Geschick (Akk.)
mṛtaṃ śarīram utsṛjya kāṣṭhaloṣṭasamaṃ janāḥ; muhūrtam upatiṣṭhanti tato yānti parāṅmukhāḥ; tais tac charīram utsṛṣṭaṃ dharma eko 'nugacchati
Den toten Körper, [der] Holz und Erdklumpen gleich [ist], lassen die Menschen zurück; einen Augenblick lang stehen sie [dabei], dann gehen sie mit abgewandtem Gesicht davon. Von ihnen wird dieser Körper verlassen; [nur] der Dharma allein folgt [dem Lebenden].
Wort für Wort
mṛtaṃ śarīram utsṛjya kāṣṭhaloṣṭasamaṃ janāḥ
den toten Körper, holz- und erdklumpengleich, zurücklassend die Menschen (Abs./Nom.Pl.)
muhūrtam upatiṣṭhanti
einen Augenblick lang stehen sie dabei (Akk./3.Pl.Präs.)
tato yānti parāṅmukhāḥ
dann gehen sie abgewandten Gesichts (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)
tais tac charīram utsṛṣṭam
von ihnen ist jener Körper verlassen (Instr.Pl./Part.Pass.)
Darum soll der Dharma von den Menschen stets als Helfer gepflegt werden. Das Lebewesen, das mit Dharma verbunden ist, geht zum höchsten Weg in den Himmel; ebenso gelangt der, der mit Adharma verbunden ist, in die Hölle.
Wort für Wort
tasmād dharmaḥ sahāyārthe
darum der Dharma zum Zweck der Hilfe (Abl./Nom./Lok.)
sevitavyaḥ sadā nṛbhiḥ
soll gepflegt werden, stets von den Menschen (Gerundiv/Instr.Pl.)
prāṇī dharmasamāyukto
das Lebewesen, mit Dharma verbunden (Nom.)
gacchate svargatiṃ parām
geht zum höchsten Himmelsweg (3.Sg.Präs.Med./Akk.)
yudhiṣṭhira uvāca; śrutaṃ bhagavato vākyaṃ dharmayuktaṃ paraṃ hitam; śarīravicayaṃ jñātuṃ buddhis tu mama jāyate
Yudhiṣṭhira sprach: „Gehört ist das Wort des Erhabenen, das mit Dharma verbunden und höchst heilsam ist. Doch in mir entsteht der Gedanke, die Untersuchung des Körpers zu erkennen.
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
śrutaṃ bhagavato vākyam
gehört ist das Wort des Erhabenen (Part.Pass./Gen./Nom.)
dharmayuktaṃ paraṃ hitam
mit Dharma verbunden, höchst heilsam (Nom.)
śarīravicayaṃ jñātum
die Untersuchung des Körpers zu erkennen (Akk./Inf.)
buddhis tu mama jāyate
doch der Gedanke entsteht mir (Nom./Gen./3.Sg.Präs.)
prāpnute jīva eva hi; tato 'sya karma paśyanti śubhaṃ vā yadi vāśubham; devatāḥ pañcabhūtasthāḥ kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi
[Es] erlangt ja eben das Lebewesen. [Anm.: Das Objekt fehlt im überlieferten Halbvers.] Dann sehen sie sein Tun, ob gut oder schlecht, die in den fünf Elementen weilenden Götter. Was möchtest du noch hören?
Wort für Wort
prāpnute jīva eva hi
erlangt ja eben das Lebewesen (3.Sg.Präs.Med./Nom.)
tato 'sya karma paśyanti
dann sehen sie sein Tun (Adv./Gen./Akk./3.Pl.Präs.)
śubhaṃ vā yadi vā aśubham
ob gut oder ob schlecht (Akk.)
devatāḥ pañcabhūtasthāḥ
die Götter, in den fünf Elementen weilend (Nom.Pl.)
kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi
was noch mehr möchtest du hören (Akk./Adv./Inf./2.Sg.Präs.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; der erste Halbvers ist ohne Objekt und syntaktisch unvollständig.
bṛhaspatir uvāca; āsannamātraḥ satataṃ tair bhūtair abhibhūyate; vipramuktaś ca tair bhūtaiḥ punar yāty aparāṃ gatim; sa tu bhūtasamāyuktaḥ prāpnute jīva eva ha
Bṛhaspati sprach: „Kaum herangekommen, wird er stets von jenen Elementen überwältigt; und von jenen Elementen [wieder] gelöst, geht er erneut zu einem anderen Ziel. Er aber, mit den Elementen verbunden, erlangt es als Lebender ja [Anm.: Objekt fehlt] [?].
Wort für Wort
bṛhaspatir uvāca
Bṛhaspati sprach (Perf.)
āsannamātraḥ satatam
kaum herangekommen, stets (Nom./Adv.)
tair bhūtair abhibhūyate
von jenen Elementen überwältigt (Instr.Pl./3.Sg.Pass.)
vipramuktaś ca tair bhūtaiḥ
und von jenen Elementen befreit (Nom./Instr.Pl.)
punar yāty aparāṃ gatim
geht wieder zu anderem Ziel (Adv./3.Sg.Präs./Akk.)
sa tu bhūtasamāyuktaḥ
er aber, mit den Elementen verbunden (Nom.)
prāpnute jīva eva ha
erlangt, als Lebender ja (3.Sg.Präs.Med./Nom.)
Der letzte Halbvers ist ohne Objekt überliefert (vgl. Einheit 24).
yudhiṣṭhira uvāca; tvagasthimāṃsam utsṛjya taiś ca bhūtair vivarjitaḥ; jīvaḥ sa bhagavan kvasthaḥ sukhaduḥkhe samaśnute
Yudhiṣṭhira sprach: „Haut, Knochen und Fleisch verlassend und von jenen Elementen getrennt: Wo weilt, Erhabener, jenes Lebewesen und genießt Glück und Leid?“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
tvagasthimāṃsam utsṛjya
Haut, Knochen, Fleisch verlassend (Akk./Abs.)
taiś ca bhūtair vivarjitaḥ
und von jenen Elementen getrennt (Instr.Pl./Nom.)
jīvaḥ sa bhagavan kvasthaḥ
jenes Lebewesen, Erhabener, wo weilend (Nom./Vok./Nom.)
Bṛhaspati sprach: „Dem Genuss unterworfen, der Tat unterworfen, der Qual unterworfen: Wenn er diese drei erreicht hat, genießt er gemäß der Tat die Frucht.
Wort für Wort
bṛhaspatir uvāca
Bṛhaspati sprach (Perf.)
bhogavaśyaṃ karmavaśyam
dem Genuss unterworfen, der Tat unterworfen (Nom.n.)
yātanāvaśyam ity api
der Qual unterworfen, so auch (Nom.n./Part.)
etat trayāṇām āsādya
von diesen dreien erreicht habend (Gen.Pl./Abs.)
karmataḥ so 'śnute phalam
gemäß der Tat genießt er die Frucht (Abl.Adv./Nom./3.Sg.Präs.Med./Akk.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage.
Der Lebende, mit dem Dharma verbunden, gelangt rasch in den Zustand des Samens; hat er die Blüte der Frauen erreicht, so gebiert [sie] zur [rechten] Zeit, Bhārata. [?]
Wort für Wort
jīvo dharmasamāyuktaḥ
der Lebende, mit Dharma verbunden (Nom.)
śīghraṃ retastvam āgataḥ
rasch in den Zustand des Samens gelangt (Adv./Akk./Part.Pass.)
strīṇāṃ puṣpaṃ samāsādya
der Frauen Blüte erreichend (Gen.Pl./Akk./Abs.)
sūte kālena bhārata
gebiert zur Zeit, Bhārata (3.Sg.Präs.Med./Instr./Vok.)
Subjektwechsel im zweiten Halbvers (sūte: er zeugt bzw. sie gebiert) ist nicht ausdrücklich angezeigt.
Was da immer gesagt wird: Ein Mensch, der [das Gebotene] beständig unterlassen hat, gelangt in den Wurm-Mutterschoß, und so, oft gefallen [?].
Wort für Wort
yad etad ucyate nityam
was dies gesagt wird, beständig (Pass./Adv.)
akṛtvā puruṣaḥ sadā
nicht getan habend, der Mensch, stets (Abs./Nom.Sg.)
kṛmiyonim avāpnoti
erlangt den Wurm-Mutterschoß (Akk.Sg./3.Sg.Präs.)
bahuśaḥ patitas tathā
oftmals gefallen, ebenso (Adv./PPP Nom.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Objekt zu akṛtvā fehlt; Text vermutlich lückenhaft (Zusatzvers).
iha sthānāni puṇyāni devatulyāni bhūtale; tiryagyonyatiriktāni gatimanti ca sarvaśaḥ; yamasya viṣaye puṇye brahmalokasame guṇaiḥ; karmabhir niyatair baddho jantur duḥkhāny upāśnute; yena yena tu pāpena karmaṇā puruṣo gatim; prayāti narakaṃ ghoraṃ tat te vakṣyāmy ataḥ param
Hier auf Erden gibt es heilige Stätten, den Göttern gleich, die über tierische Geburten hinausgehen und überall Zugang [zu Zielen] haben [?]; im heiligen Bereich Yamas, der an Vorzügen der Brahma-Welt gleicht, erfährt das durch feste Taten gebundene Wesen Leiden. Durch welche Sünde, welche Tat auch immer der Mensch in die schreckliche Hölle geht, das will ich dir im Folgenden sagen.
Wort für Wort
iha sthānāni puṇyāni
hier heilige Stätten (Nom.Pl.n.)
devatulyāni bhūtale
den Göttern gleich, auf Erden (Nom.Pl./Lok.Sg.)
tiryagyoni-atiriktāni
über tierische Geburten hinausgehend (Nom.Pl.n.)
gatimanti ca sarvaśaḥ
und mit Zielen/Bewegung versehen, überall (Nom.Pl.n./Adv.)
yamasya viṣaye puṇye
in Yamas heiligem Bereich (Lok.Sg.)
brahmalokasame guṇaiḥ
der Brahma-Welt gleich an Vorzügen (Lok.Sg./Instr.Pl.)
karmabhir niyatair baddho jantuḥ
durch feste Taten gebunden das Wesen (Instr.Pl./Nom.Sg.)
duḥkhāny upāśnute
erfährt Leiden (Akk.Pl./3.Sg.Med.)
yena yena tu pāpena karmaṇā
durch welche Sünde, welche Tat auch immer (Instr.Sg.)
puruṣo gatim prayāti narakaṃ ghoram
der Mensch geht den Weg in die schreckliche Hölle (Nom./Akk.Sg./3.Sg.Präs.)
tat te vakṣyāmy ataḥ param
das sage ich dir von nun an (1.Sg.Fut./Dat.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; gatimanti unsicher.
Ein Zweimalgeborener, der die vier Veden studiert hat, aber von Verblendung erfüllt ist, wird, wenn er von einem Gefallenen Gaben annimmt, im Eselsschoß geboren.
Wort für Wort
adhītya caturo vedān
die vier Veden studiert habend (Abs./Akk.Pl.)
dvijo mohasamanvitaḥ
der Zweimalgeborene, von Verblendung erfüllt (Nom.Sg.)
patitāt pratigṛhya
von einem Gefallenen annehmend (Abl.Sg./Abs.)
atha kharayonau prajāyate
dann im Eselsschoß wird er geboren (Lok.Sg./3.Sg.Pass.)
gardabhatvaṃ tu saṃprāpya daśa varṣāṇi jīvati; saṃvatsaraṃ tu kumbhīras tato jāyati mānavaḥ; putrasya mātāpitarau yasya ruṣṭāv ubhāv api; gurvapadhyānataḥ so 'pi mṛto jāyati gardabhaḥ
Zum Eselsdasein gelangt, lebt er zehn Jahre; ein Jahr lang ist er dann Krokodil, danach wird er Mensch. Wessen Eltern beide erzürnt sind [über ihren Sohn], auch der wird durch böses Sinnen gegen die Ehrwürdigen nach dem Tod als Esel geboren [?].
Wort für Wort
gardabhatvaṃ tu saṃprāpya
zum Eselsein gelangt (Akk.Sg./Abs.)
daśa varṣāṇi jīvati
zehn Jahre lebt er (Akk.Pl./3.Sg.Präs.)
saṃvatsaraṃ tu kumbhīraḥ
ein Jahr aber Krokodil (Akk.Sg./Nom.Sg.)
tato jāyati mānavaḥ
dann wird er Mensch (3.Sg.Präs./Nom.Sg.)
putrasya mātāpitarau yasya ruṣṭau ubhau api
des Sohnes Eltern, dessen, beide erzürnt (Gen./Nom.Du./Rel.Gen./PPP)
gurvapadhyānataḥ so 'pi
durch böses Sinnen gegen Ehrwürdige auch er (Abl.-Adv./Nom.)
mṛto jāyati gardabhaḥ
gestorben wird er Esel (PPP/3.Sg.Präs./Nom.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; der zweite Teil ist syntaktisch unklar.
bhartṛpiṇḍam upāśnan yo rājadviṣṭāni sevate; so 'pi mohasamāpanno mṛto jāyati vānaraḥ
Wer das Brot seines Herrn isst und [doch] das pflegt, was dem König verhasst ist, auch der wird, von Verblendung befallen, nach dem Tod als Affe geboren.
Wort für Wort
bhartṛpiṇḍam upāśnan yaḥ
das Brot des Herrn essend, wer (Akk.Sg./Part./Rel.)
rājadviṣṭāni sevate
was dem König verhasst ist, pflegt er (Akk.Pl.n./3.Sg.Med.)
bhrātur bhāryāṃ tu durbuddhir yo dharṣayati mohitaḥ; puṃskokilatvam āpnoti so 'pi saṃvatsaraṃ nṛpa
Der Schlechtgesinnte, der, verblendet, die Frau seines Bruders bedrängt, erlangt, o Herrscher, das Dasein eines männlichen Kuckucks, und zwar ein Jahr lang.
Wort für Wort
bhrātur bhāryāṃ tu durbuddhiḥ
die Frau des Bruders, der Schlechtgesinnte (Gen./Akk./Nom.)
yo dharṣayati mohitaḥ
der bedrängt, verblendet (Rel.Nom./3.Sg.Präs./Part.Nom.)
puṃskokilatvam āpnoti
das Dasein eines männlichen Kuckucks erlangt er (Akk./3.Sg.Präs.)
so 'pi saṃvatsaraṃ nṛpa
er [dies] ein Jahr lang, o Herrscher (Nom./Akk./Vok.)
Auch Hund, Katze, Hahn und Ameisen wird er [nacheinander] werden.
Wort für Wort
śvā biḍālaḥ
Hund, Katze (Nom.)
kukkuṭaś ca
und Hahn (Nom.)
jāyetāpi pipīlikāḥ
auch würde er geboren [als] Ameisen (3.Sg.Opt.Med./Nom.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; jāyetāpi ist Optativ (jāyeta api), wohl im Sinne eines Futurs.
pipīlakas tu ṣaṇ māsān kīṭaḥ syān māsam eva ca; etān āsādya saṃsārān kṛmiyonau prajāyate
Als Ameise aber sechs Monate, als Käfer einen Monat, so mag es sein; nachdem er diese Daseinskreisläufe erreicht hat, wird er in einen Wurmschoß geboren.
Wort für Wort
pipīlakas tu ṣaṇ māsān
als Ameise aber sechs Monate (Nom./Akk.Pl.)
kīṭaḥ syān māsam eva ca
als Käfer möge es sein einen Monat eben auch (Nom./3.Sg.Opt./Akk.)
upasthite vivāhe tu dāne yajñe 'pi vābhibho; mohāt karoti yo vighnaṃ sa mṛto jāyate kṛmiḥ
Wenn aber eine Hochzeit, eine Gabe oder ein Opfer bevorsteht, o Mächtiger: Wer aus Verblendung ein Hindernis bereitet, wird nach dem Tod als Wurm geboren.
Wort für Wort
upasthite vivāhe tu
wenn bevorsteht die Hochzeit aber (Part.Lok./Lok.)
dāne yajñe 'pi vā
die Gabe, das Opfer oder auch (Lok./Lok.)
abhibho mohāt
o Mächtiger, aus Verblendung (Vok./Abl.)
karoti yo vighnaṃ
bereitet, wer ein Hindernis (3.Sg.Präs./Rel.Nom./Akk.)
sa mṛto jāyate kṛmiḥ
der, gestorben, wird geboren als Wurm (Nom./Part./3.Sg.Präs./Nom.)
devālayādhipatyaṃ hi kuryāt tad dravyabhakṣakaḥ; śvā bhūtvā sapta janmāni tato jāyati mānavaḥ; dvijagrāmādhipatyaṃ hi kṛtvā brahmasvabhakṣakaḥ; śvānayoniśataṃ prāpya caṇḍālaḥ puṣkalas tataḥ
Wer die Verwaltung eines Tempels ausübt und dessen Vermögen aufzehrt, wird sieben Geburten lang Hund und danach als Mensch geboren. Wer die Herrschaft über ein Brahmanendorf ausübt und Brahmanengut aufzehrt, gelangt in hundert Hundeschöße und wird danach ein Caṇḍāla, ein vollkommener.
Wort für Wort
devālayādhipatyaṃ hi kuryāt
die Oberherrschaft über einen Tempel wahrlich ausübt (Akk./3.Sg.Opt.)
tad dravyabhakṣakaḥ
dessen Vermögen verzehrend (Nom.)
śvā bhūtvā sapta janmāni
Hund geworden, sieben Geburten (Abs./Akk.Pl.)
tato jāyati mānavaḥ
danach wird geboren als Mensch (3.Sg.Präs./Nom.)
dvijagrāmādhipatyaṃ hi kṛtvā brahmasvabhakṣakaḥ
die Herrschaft über ein Brahmanendorf ausgeübt habend, Brahmanengut verzehrend (Akk./Abs./Nom.)
śvānayoniśataṃ prāpya
hundert Hundeschöße erreicht habend (Akk./Abs.)
caṇḍālaḥ puṣkalas tataḥ
Caṇḍāla, vollkommen, danach (Nom./Nom./Adv.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; puṣkala in der Bedeutung „vollständig, ausgeprägt“ [?].
pūrvaṃ dattvā tu yaḥ kanyāṃ dvitīye saṃprayacchati; so 'pi rājan mṛto jantuḥ kṛmiyonau prajāyate
Wer eine Tochter zuerst [einem Bräutigam] gegeben hat und sie dann einem zweiten übergibt, o König, dieses Wesen wird nach dem Tod ebenfalls in einen Wurmschoß geboren.
Wort für Wort
pūrvaṃ dattvā tu yaḥ kanyām
zuerst gegeben habend aber, wer eine Tochter (Adv./Abs./Rel.Nom./Akk.)
dvitīye saṃprayacchati
einem zweiten übergibt (Lok./3.Sg.Präs.)
so 'pi rājan mṛto jantuḥ
der auch, o König, gestorben, das Wesen (Nom./Vok./Part./Nom.)
saṃsāracakram āsādya kṛmiyonau prajāyate; kṛmir bhavati varṣāṇi daśa pañca ca bhārata; tato garbhaṃ samāsādya tatraiva mriyate śiśuḥ
Zum Kreislauf des Daseins gelangt, wird er in einen Wurmschoß geboren; fünfzehn Jahre lang ist er ein Wurm, o Bhārata; danach, in einen Mutterleib gelangt, stirbt er dort selbst als Kind.
Wort für Wort
saṃsāracakram āsādya
das Rad des Daseinskreislaufs erreicht habend (Akk./Abs.)
kṛmiyonau prajāyate
im Wurmschoß wird er geboren (Lok./3.Sg.Präs.)
kṛmir bhavati varṣāṇi daśa pañca ca bhārata
Wurm ist er Jahre zehn und fünf, o Bhārata (Nom./3.Sg.Präs./Akk.Pl./Num./Vok.)
tato garbhaṃ samāsādya
danach einen Mutterleib erreicht habend (Adv./Akk./Abs.)
tatraiva mriyate śiśuḥ
eben dort stirbt er als Kind (Adv./3.Sg.Präs./Nom.)
tato garbhaśatair jantur bahubhiḥ saṃprajāyate; saṃsārāṃś ca bahūn gatvā tatas tiryak prajāyate
Danach wird das Wesen in vielen Hunderten von Mutterleibern geboren; und nachdem es viele Daseinskreisläufe durchlaufen hat, wird es danach als Tier geboren.
Wort für Wort
tato garbhaśatair jantuḥ
danach durch Hunderte von Mutterleibern das Wesen (Adv./Instr.Pl./Nom.)
bahubhiḥ saṃprajāyate
in vielen wird es geboren (Instr.Pl./3.Sg.Präs.)
saṃsārāṃś ca bahūn gatvā
und viele Kreisläufe durchlaufen habend (Akk.Pl./Akk.Pl./Abs.)
tatas tiryak prajāyate
danach als Tier wird es geboren (Adv./Nom./3.Sg.Präs.)
Wer einen Unbewaffneten erschlagen hat, [selbst] bewaffnet, der niedrigste der Männer, sei es aus Gewinnsucht oder als Feind, wird nach dem Tod als Esel geboren.
Wort für Wort
aśastraṃ puruṣaṃ hatvā
einen unbewaffneten Mann erschlagen habend (Akk./Akk./Abs.)
saśastraḥ puruṣādhamaḥ
bewaffnet, der niedrigste Mann (Nom./Nom.)
arthārthī yadi vā vairī
auf Gewinn aus oder aber feindlich (Nom./Ptk./Nom.)
sa mṛto jāyate kharaḥ
der, gestorben, wird geboren als Esel (Nom./Part./3.Sg.Präs.Med./Nom.)
Wer aber eine Frau getötet hat, der Törichte, gelangt in den Bereich Yamas; nachdem er viele Leiden erlangt hat, [durchläuft er] zwanzig Daseinskreisläufe.
Wort für Wort
striyaṃ hatvā tu durbuddhiḥ
eine Frau getötet habend, der Törichte (Abs. Ger.; Akk.Sg.f. / Nom.Sg.m.)
yamasya viṣayaṃ gataḥ
in Yamas Bereich gelangt (Gen.Sg. / Akk.Sg. / Part.Perf.Pass. Nom.Sg.)
bahūn kleśān samāsādya
viele Leiden erlangt habend (Akk.Pl. / Abs. Ger.)
saṃsārān ca eva viṃśatim
und zwar zwanzig Daseinskreisläufe (Akk.Pl. / Akk.Sg.f.)
Der Satz ist elliptisch; ein Verb (etwa „durchläuft“) ist zu ergänzen.
Wer aber Speise stiehlt, wird ein Mensch zur Fliege; dem Fliegenschwarm unterworfen bleibt er viele Monate; danach, nachdem er das Übel getilgt hat, erlangt er wieder das Menschsein.
Wort für Wort
bhojanaṃ corayitvā tu
Speise gestohlen habend (Akk.Sg.n. / Abs. Ger.)
makṣikā jāyate naraḥ
wird zur Fliege, der Mensch (Nom.Sg.f. / 3.Sg.Präs. / Nom.Sg.m.)
makṣikāsaṃghavaśagaḥ
dem Fliegenschwarm unterworfen (Kompositum, Nom.Sg.m.)
bahūn māsān bhavati uta
viele Monate lang ist er, fürwahr (Akk.Pl. Dauer / 3.Sg.Präs.)
tataḥ pāpakṣayaṃ kṛtvā
danach Tilgung des Übels bewirkt habend (Adv. / Akk.Sg. / Abs. Ger.)
mānuṣatvam avāpnute
erlangt das Menschsein (Akk.Sg.n. / 3.Sg.Präs.Med.)
vādyaṃ hṛtvā tu puruṣo maśakaḥ saṃprajāyate; tathā piṇyākasaṃmiśram aśanaṃ corayen naraḥ; sa jāyate babhrusamo dāruṇo mūṣako naraḥ
Wer ein Musikinstrument raubt, wird zur Stechmücke geboren; und ebenso der Mensch, der eine mit Ölkuchen vermischte Speise stiehlt: er wird als Mensch zu einer braunen, grimmigen Maus.
Wort für Wort
vādyaṃ hṛtvā tu puruṣaḥ
ein Musikinstrument geraubt habend, der Mann (Akk.Sg.n. / Abs. Ger. / Nom.Sg.)
maśakaḥ saṃprajāyate
wird zur Stechmücke geboren (Nom.Sg. / 3.Sg.Präs.)
tathā piṇyākasaṃmiśram aśanam
ebenso mit Ölkuchen vermischte Speise (Adv. / Akk.Sg.n.)
corayet naraḥ
stiehlt der Mensch (3.Sg.Opt. / Nom.Sg.)
sa jāyate babhrusamaḥ
der wird geboren als braun-gleicher [?] (Nom.Sg.m.)
dāruṇaḥ mūṣakaḥ naraḥ
grimmige Maus, [er], der Mensch (Nom.Sg.m.)
babhrusama unsicher: „braun(farben)“ oder „dem Mungo gleich“.
daśan vai mānuṣān nityaṃ pāpātmā sa viśāṃ pate; ghṛtaṃ hṛtvā tu durbuddhiḥ kākamadguḥ prajāyate; matsyamāṃsam atho hṛtvā kāko jāyati durmatiḥ
Der Böswillige beißt dabei stets Menschen, o Herr der Menschen; wer aber Ghee raubt, der Törichte, wird zum Wasserraben [?]; wer Fisch und Fleisch raubt, der Schlechtgesinnte, wird zur Krähe.
Wort für Wort
daśan vai mānuṣān nityam
beißend fürwahr Menschen stets (Part.Präs. / Akk.Pl. / Adv.)
pāpātmā sa viśāṃ pate
der Böswillige, er, Herr der Menschen (Nom.Sg. / Vok.Sg.)
Der Vers ist elliptisch; Verb und Abs. Ger. sind aus dem Zusammenhang ergänzt. plava als Wasservogel (Taucher?) unsicher; asaṃskṛta evtl. „unzubereitet“.
Der von Verblendung erfüllte Mensch; auch dieses Lebewesen, o König, [nachdem es] gestorben [ist] ...
Wort für Wort
naraḥ mohasamanvitaḥ
der Mensch, von Verblendung erfüllt (Nom.Sg. / Nom.Sg.m.)
saḥ api rājan
er auch, o König (Nom.Sg.m. / Vok.Sg.)
mṛtaḥ jantuḥ
gestorben, das Lebewesen (Part.Perf.Pass. Nom.Sg. / Nom.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Bruchstück einer Zusatzpassage (Halbvers samt abgebrochenem Pāda); der Satz bleibt unvollständig, Anschluss an Einheit 123 möglich.
patrorṇaṃ corayitvā tu kṛkalatvaṃ nigacchati; kauśikaṃ tu tato hṛtvā naro jāyati vartakaḥ; aṃśukaṃ corayitvā tu śuko jāyati mānavaḥ; corayitvā dukūlaṃ tu mṛto haṃsaḥ prajāyate
Wer Blattwolle [?] stiehlt, gelangt zum Zustand des Kṛkala; wer dann Seidenstoff raubt, wird als Mensch zur Wachtel geboren; wer ein feines Gewand stiehlt, wird als Mensch zum Papagei geboren; wer Leinengewebe stiehlt, wird nach dem Tod zum Schwan geboren.
gestorben, zum Schwan geboren (Part. Nom.Sg. / Nom.Sg.m. / 3.Sg.Präs.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). patrorṇa (Blatt-Wolle, feines Gewebe) und kṛkala (Vogel oder Eidechse) unsicher.
pāpāni tu naraḥ kṛtvā tiryag jāyati bhārata; na cātmanaḥ pramāṇaṃ te dharmaṃ jānanti kiṃ cana
Wenn ein Mensch Übles getan hat, o Bhārata, wird er als Tier geboren; und sie [diese Wesen] haben kein Maß ihrer selbst und kennen in keiner Weise das Recht.
parasvaharaṇe doṣāḥ sarva eva prakīrtitāḥ; etad vai leśamātreṇa kathitaṃ te mayānagha; aparasmin kathāyoge bhūyaḥ śroṣyasi bhārata
Alle Fehler beim Wegnehmen fremden Gutes sind [so] verkündet worden; dies ist dir nur in Kürze gesagt, Untadeliger; bei anderer Gelegenheit einer Erzählung wirst du mehr hören, Bhārata.
Wort für Wort
parasvaharaṇe doṣāḥ
beim Fremdgutraub die Fehler (Lok.Sg.n. / Nom.Pl.m.)
sarve eva prakīrtitāḥ
alle eben verkündet (Nom.Pl.m. / Part.Perf.Pass.)
etat vai leśamātreṇa
dies fürwahr nur in Kürze (Nom.Sg.n. / Instr.Sg.)
kathitaṃ te mayā anagha
gesagt dir von mir, Untadeliger (Part. / Dat.Sg. / Instr.Sg. / Vok.Sg.)
aparasmin kathāyoge
bei anderer Gelegenheit der Erzählung (Lok.Sg.)
bhūyaḥ śroṣyasi bhārata
mehr wirst du hören, Bhārata (Adv. / 2.Sg.Fut. / Vok.Sg.)
Auch von mir ist es dir vollständig, wie es sich gehört, dargelegt worden; wenn du dies gehört hast, großer König, richte deinen Sinn stets auf das Recht.
Wort für Wort
mayā api tava kārtsnyena
von mir auch dir vollständig (Instr.Sg. / Gen./Dat.Sg. / Instr.Sg.)
yāvat anuvarṇitam
wie gebührend dargelegt (Adv. / Part.Perf.Pass. Nom.Sg.n.)
etat śrutvā mahārāja
dies gehört habend, großer König (Akk.Sg.n. / Abs. Ger. / Vok.Sg.)
dharme kuru manaḥ sadā
auf das Recht richte den Sinn stets (Lok.Sg. / 2.Sg.Imp. / Akk.Sg.n. / Adv.)