Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Anuśāsanaparva

Kapitel 34: brāhmaṇamāhātmya Preis der Brahmanen und das Gespräch zwischen Vāsudeva und der Erde

Bhīṣma preist Ehrung und Schutz der Brahmanen; die eingelegte Erzählung lässt Pṛthivī dem Kṛṣṇa den Dienst an Brahmanen als reinigend empfehlen.

bhīṣma uvāca; brāhmaṇān eva satataṃ bhṛśaṃ saṃpratipūjayet; ete hi somarājāna īśvarāḥ sukhaduḥkhayoḥ

Bhīṣma sprach: „Die Brahmanen allein soll man beständig und sehr verehren; denn diese sind Somakönige [d. h. Soma ist ihr König], Herren über Glück und Leid.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
brāhmaṇān eva satataṃ bhṛśaṃ
die Brahmanen allein, beständig, sehr (Akk.Pl./Adv.)
saṃpratipūjayet
soll man verehren (3.Sg.Opt.)
ete hi somarājānaḥ
denn diese sind Somakönige (Nom.Pl., Bahuvrīhi)
īśvarāḥ sukhaduḥkhayoḥ
Herren über Glück und Leid (Nom.Pl./Gen.Du. des Kompositums)

ete bhogair alaṃkārair anyaiś caiva kim icchakaiḥ; sadā pūjyā namaskāryā rakṣyāś ca pitṛvan nṛpaiḥ; ato rāṣṭrasya śāntir hi bhūtānām iva vāsavāt

Diese sind stets mit Genüssen, Schmuck und was sie sonst wünschen zu ehren, zu grüßen und von den Königen wie ein Vater zu beschützen; denn von ihnen kommt dem Reich Frieden, wie den Wesen von Vāsava [Indra].

Wort für Wort
ete bhogair alaṃkārair
diese, mit Genüssen, mit Schmuck (Nom.Pl./Instr.Pl.)
anyaiś caiva kim icchakaiḥ
und mit anderem, was immer sie wünschen (Instr.Pl.)
sadā pūjyā namaskāryā
stets zu ehren, zu grüßen (Gerundiv Nom.Pl.)
rakṣyāś ca pitṛvan nṛpaiḥ
und zu beschützen wie ein Vater von den Königen (Gerundiv/Adv./Instr.Pl.)
ato rāṣṭrasya śāntir hi
denn von hier [kommt] dem Reich Friede (Abl./Gen./Nom.Sg.)
bhūtānām iva vāsavāt
wie den Wesen von Vāsava (Gen.Pl./Abl.Sg.)

jāyatāṃ brahmavarcasvī rāṣṭre vai brāhmaṇaḥ śuciḥ; mahārathaś ca rājanya eṣṭavyaḥ śatrutāpanaḥ

Im Reich möge ein glanzvoller, reiner Brahmane geboren werden; und ein Kṣatriya, ein Großwagenkämpfer, Bedränger der Feinde, ist zu wünschen.

Wort für Wort
jāyatāṃ brahmavarcasvī
möge geboren werden, ein Brahmaglanz-Besitzender (3.Sg.Imp.Pass./Nom.Sg.)
rāṣṭre vai brāhmaṇaḥ śuciḥ
im Reich fürwahr ein reiner Brahmane (Lok./Nom.Sg.)
mahārathaś ca rājanya
und ein Großwagenkämpfer, Kṣatriya (Nom.Sg.)
eṣṭavyaḥ śatrutāpanaḥ
ist zu wünschen, Feindebedränger (Gerundiv/Nom.Sg.)

iti māṃ nāradaḥ prāha satataṃ sarvabhūtaye

So sprach Nārada stets zu mir, zum Gedeihen aller Wesen.

Wort für Wort
iti māṃ nāradaḥ prāha
so zu mir Nārada sprach (Akk.Sg./Nom.Sg./3.Sg.Perf.)
satataṃ
stets (Adv.)
sarvabhūtaye
zum Gedeihen von allem / für das Wohl aller (Dat.Sg.) [?]

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (nur in einem Teil der Handschriften).

brāhmaṇaṃ jātisaṃpannaṃ dharmajñaṃ saṃśitavratam; vāsayeta gṛhe rājan na tasmāt param asti vai

Einen Brahmanen von guter Herkunft, der den Dharma kennt und strenge Gelübde hält, soll man im Haus wohnen lassen, König; es gibt fürwahr nichts Höheres als ihn.

Wort für Wort
brāhmaṇaṃ jātisaṃpannaṃ
einen Brahmanen, von Geburt ausgezeichneten (Akk.Sg.)
dharmajñaṃ saṃśitavratam
den Dharma-Kenner, streng im Gelübde (Akk.Sg.)
vāsayeta gṛhe rājan
soll man wohnen lassen im Haus, König (3.Sg.Opt.Kaus./Lok./Vok.)
na tasmāt param asti vai
nichts Höheres als er ist fürwahr (Abl./Nom.Sg.n./3.Sg.Präs.)

brāhmaṇebhyo havir dattaṃ pratigṛhṇanti devatāḥ; pitaraḥ sarvabhūtānāṃ naitebhyo vidyate param

Die den Brahmanen gegebene Opfergabe nehmen die Götter an; die Ahnen aller Wesen [tun es ebenso]; es gibt nichts Höheres als diese.

Wort für Wort
brāhmaṇebhyo havir dattaṃ
den Brahmanen die Opfergabe gegeben (Dat.Pl./Nom.Sg./Part.Pass.)
pratigṛhṇanti devatāḥ
nehmen an die Gottheiten (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)
pitaraḥ sarvabhūtānām
die Ahnen aller Wesen (Nom.Pl./Gen.Pl.)
naitebhyo vidyate param
von diesen her ist nichts Höheres vorhanden (Abl.Pl./3.Sg.Pass./Nom.Sg.n.)

ādityaś candramā vāyur bhūmir āpo 'mbaraṃ diśaḥ; sarve brāhmaṇam āviśya sadānnam upabhuñjate

Āditya, Mond, Wind, Erde, Wasser, Luftraum und die Himmelsrichtungen: alle genießen, nachdem sie in einen Brahmanen eingegangen sind, stets die Speise.

Wort für Wort
ādityaś candramā vāyur
Sonne, Mond, Wind (Nom.Sg.)
bhūmir āpo 'mbaraṃ diśaḥ
Erde, Wasser, Luftraum, Himmelsrichtungen (Nom.)
sarve brāhmaṇam āviśya
alle, in einen Brahmanen eingegangen (Nom.Pl./Akk.Sg./Gerundium)
sadānnam upabhuñjate
stets die Speise genießen (Adv./Akk.Sg./3.Pl.Med.)

na tasyāśnanti pitaro yasya viprā na bhuñjate; devāś cāpy asya nāśnanti pāpasya brāhmaṇadviṣaḥ

Von dem, dessen Brahmanen nicht speisen, essen auch die Ahnen nicht; und auch die Götter essen nicht von diesem Sünder, der Brahmanen hasst.

Wort für Wort
na tasyāśnanti pitaro
nicht von dem essen die Ahnen (Gen.Sg./3.Pl.Präs./Nom.Pl.)
yasya viprā na bhuñjate
dessen Brahmanen nicht speisen (Gen.Sg./Nom.Pl./3.Pl.Med.)
devāś cāpy asya nāśnanti
und auch die Götter essen von diesem nicht (Nom.Pl./Gen.Sg.)
pāpasya brāhmaṇadviṣaḥ
des Sünders, des Brahmanenhassers (Gen.Sg.)

brāhmaṇeṣu tu tuṣṭeṣu prīyante pitaraḥ sadā; tathaiva devatā rājan nātra kāryā vicāraṇā

Sind die Brahmanen aber zufrieden, so sind stets die Ahnen erfreut, und ebenso die Götter, König; darüber ist kein Zweifel anzustellen.

Wort für Wort
brāhmaṇeṣu tu tuṣṭeṣu
wenn aber die Brahmanen zufrieden sind (Lok.abs.)
prīyante pitaraḥ sadā
werden erfreut die Ahnen stets (3.Pl.Pass./Nom.Pl.)
tathaiva devatā rājan
ebenso die Götter, König (Nom.Pl./Vok.)
nātra kāryā vicāraṇā
hierbei ist keine Erwägung/kein Zweifel anzustellen (Gerundiv Nom.Sg.f.)

tathaiva te 'pi prīyante yeṣāṃ bhavati tad dhaviḥ; na ca pretya vinaśyanti gacchanti paramāṃ gatim

Ebenso werden auch jene erfreut, denen diese Opfergabe zukommt; und nach dem Tod gehen sie nicht unter, sondern gehen zum höchsten Ziel.

Wort für Wort
tathaiva te 'pi prīyante
ebenso auch sie werden erfreut (3.Pl.Pass.)
yeṣāṃ bhavati tad dhaviḥ
denen jene Opfergabe zuteilwird (Gen.Pl./3.Sg.Präs.)
na ca pretya vinaśyanti
und nicht gehen sie nach dem Tod zugrunde (Gerundium/3.Pl.)
gacchanti paramāṃ gatim
sie gehen zum höchsten Ziel (3.Pl./Akk.Sg.)

yena yenaiva haviṣā brāhmaṇāṃs tarpayen naraḥ; tena tenaiva prīyante pitaro devatās tathā

Mit welcher Opfergabe auch immer der Mensch Brahmanen sättigt, mit eben dieser werden Ahnen und ebenso Götter erfreut.

Wort für Wort
yena yenaiva haviṣā
mit welcher auch immer Opfergabe (Instr.Sg.)
brāhmaṇāṃs tarpayen naraḥ
Brahmanen sättigen soll der Mensch (Akk.Pl./3.Sg.Opt./Nom.Sg.)
tena tenaiva prīyante
mit eben dieser werden erfreut (Instr./3.Pl.Pass.)
pitaro devatās tathā
die Ahnen und ebenso die Götter (Nom.Pl.)

brāhmaṇād eva tad bhūtaṃ prabhavanti yataḥ prajāḥ; yataś cāyaṃ prabhavati pretya yatra ca gacchati

Vom Brahmanen allein [geht] jenes Wesen [aus], von dem die Geschöpfe entstehen; und woher dieser [Mensch] entsteht und wohin er nach dem Tod geht.

Wort für Wort
brāhmaṇād eva tad bhūtaṃ
vom Brahmanen allein jenes Wesen (Abl.Sg./Nom.Sg.n.) [?]
prabhavanti yataḥ prajāḥ
entstehen woher die Geschöpfe (3.Pl./Adv./Nom.Pl.)
yataś cāyaṃ prabhavati
und woher dieser entsteht (3.Sg.)
pretya yatra ca gacchati
nach dem Tod und wohin er geht (Gerundium/3.Sg.)

Konstruktion des ersten Pādas unsicher (Numerus von prabhavanti/bhūtam).

vedaiṣa mārgaṃ svargasya tathaiva narakasya ca; āgatānāgate cobhe brāhmaṇo dvipadāṃ varaḥ; brāhmaṇo bharataśreṣṭha svadharmaṃ veda medhayā

Dieser kennt den Weg zum Himmel und ebenso zur Hölle, Gekommenes und Kommendes, beides; der Brahmane ist der Beste der Zweifüßler; der Brahmane, Bester der Bharata, kennt seine eigene Pflicht durch Einsicht.

Wort für Wort
veda eṣa mārgaṃ svargasya
dieser kennt den Weg des Himmels (3.Sg.Perf./Akk.Sg./Gen.Sg.)
tathaiva narakasya ca
und ebenso den der Hölle (Gen.Sg.)
āgatānāgate cobhe
Gekommenes und Nichtgekommenes, beides (Akk.Du.n.)
brāhmaṇo dvipadāṃ varaḥ
der Brahmane, der Beste der Zweifüßler (Nom.Sg./Gen.Pl.)
brāhmaṇo bharataśreṣṭha
der Brahmane, Bester der Bharata (Nom.Sg./Vok.)
svadharmaṃ veda medhayā
die eigene Pflicht kennt er durch Einsicht (Akk.Sg./3.Sg.Perf./Instr.Sg.)

ye cainam anuvartante te na yānti parābhavam; na te pretya vinaśyanti gacchanti na parābhavam

Die ihm folgen, gehen nicht zugrunde; sie vergehen nicht nach dem Tod und gehen keiner Niederlage entgegen.

Wort für Wort
ye cainam anuvartante
und die ihm folgen (Nom.Pl./Akk.Sg./3.Pl.Med.)
te na yānti parābhavam
sie gehen nicht dem Untergang entgegen (3.Pl./Akk.Sg.)
na te pretya vinaśyanti
sie vergehen nicht nach dem Tod (Gerundium/3.Pl.)
gacchanti na parābhavam
sie gelangen nicht zur Niederlage (3.Pl.)

ye brāhmaṇamukhāt prāptaṃ pratigṛhṇanti vai vacaḥ; kṛtātmāno mahātmānas te na yānti parābhavam

Die das aus dem Mund eines Brahmanen empfangene Wort annehmen, gebildete Hochgesinnte, gehen nicht zugrunde.

Wort für Wort
ye brāhmaṇamukhāt prāptaṃ
die aus dem Mund des Brahmanen Empfangenes (Abl.Sg./Part.Pass.)
pratigṛhṇanti vai vacaḥ
annehmen fürwahr das Wort (3.Pl./Akk.Sg.)
kṛtātmāno mahātmānas
Geläuterte, Hochgesinnte (Nom.Pl.)
te na yānti parābhavam
sie gehen nicht dem Untergang entgegen (3.Pl./Akk.Sg.)

kṣatriyāṇāṃ pratapatāṃ tejasā ca balena ca; brāhmaṇeṣv eva śāmyanti tejāṃsi ca balāni ca

Der glühenden Kṣatriyas Glanz und Kraft, Glanz wie Kräfte, kommen allein in den Brahmanen zur Ruhe.

Wort für Wort
kṣatriyāṇāṃ pratapatāṃ
der Kṣatriyas, der glühenden (Gen.Pl./Part.Präs.)
tejasā ca balena ca
durch Glanz und durch Kraft (Instr.Sg.)
brāhmaṇeṣv eva śāmyanti
in den Brahmanen allein kommen zur Ruhe (Lok.Pl./3.Pl.)
tejāṃsi ca balāni ca
Glanzkräfte und Stärken (Nom.Pl.)

bhṛgavo 'jayaṃs tālajaṅghān nīpān aṅgiraso 'jayan; bharadvājo vaitahavyān ailāṃś ca bharatarṣabha

Die Bhṛgus besiegten die Tālajaṅghas, die Aṅgirasas besiegten die Nīpas; Bharadvāja [besiegte] die Vaitahavyas und die Ailas, Stier der Bharata.

Wort für Wort
bhṛgavo 'jayaṃs tālajaṅghān
die Bhṛgus besiegten die Tālajaṅghas (Nom.Pl./3.Pl.Impf./Akk.Pl.)
nīpān aṅgiraso 'jayan
die Nīpas besiegten die Aṅgirasas (Akk.Pl./Nom.Pl./3.Pl.Impf.)
bharadvājo vaitahavyān
Bharadvāja die Vaitahavyas (Nom.Sg./Akk.Pl.)
ailāṃś ca bharatarṣabha
und die Ailas, Stier der Bharata (Akk.Pl./Vok.)

citrāyudhāṃś cāpy ajayann ete kṛṣṇājinadhvajāḥ; prakṣipyātha ca kumbhān vai pāragāminam ārabhet

Auch die Citrāyudhas besiegten diese, die Antilopenfell-Banner Tragenden; [Anm.: der zweite Halbvers, wörtlich: „nachdem man Krüge hineingeworfen hat, soll man den ans andere Ufer Gelangenden beginnen“, ist unklar] [?].

Wort für Wort
citrāyudhāṃś cāpy ajayann
und auch die Citrāyudhas besiegten sie (Akk.Pl./3.Pl.Impf.)
ete kṛṣṇājinadhvajāḥ
diese, mit Antilopenfell als Banner (Nom.Pl., Bahuvrīhi)
prakṣipyātha ca kumbhān vai
und nachdem man Krüge hineingeworfen (Gerundium/Akk.Pl.) [?]
pāragāminam ārabhet
den ans andere Ufer Gehenden soll man beginnen (Akk.Sg./3.Sg.Opt.) [?]

Zweiter Halbvers vermutlich verderbt; Sinn im Zusammenhang nicht erkennbar.

yat kiṃ cit kathyate loke śrūyate paśyate 'pi vā; sarvaṃ tad brāhmaṇeṣv eva gūḍho 'gnir iva dāruṣu

Was immer in der Welt gesagt, gehört oder auch gesehen wird, all das ist allein in den Brahmanen verborgen, wie Feuer in Hölzern.

Wort für Wort
yat kiṃ cit kathyate loke
was immer gesagt wird in der Welt (3.Sg.Pass./Lok.)
śrūyate paśyate 'pi vā
gehört oder auch gesehen wird (3.Sg.Pass.)
sarvaṃ tad brāhmaṇeṣv eva
all das in den Brahmanen allein (Lok.Pl.)
gūḍho 'gnir iva dāruṣu
verborgen wie Feuer in Hölzern (Part.Pass./Nom.Sg./Lok.Pl.)

atrāpy udāharantīmam itihāsaṃ purātanam; saṃvādaṃ vāsudevasya pṛthvyāś ca bharatarṣabha

Hierzu erzählt man auch diese alte Geschichte, das Gespräch Vāsudevas und der Erde, Stier der Bharata.

Wort für Wort
atrāpy udāharantīmam
hierzu auch führen an diese (Adv./3.Pl.)
itihāsaṃ purātanam
Geschichte, alte (Akk.Sg.)
saṃvādaṃ vāsudevasya
das Gespräch des Vāsudeva (Akk.Sg./Gen.Sg.)
pṛthvyāś ca bharatarṣabha
und der Erde, Stier der Bharata (Gen.Sg./Vok.)

vāsudeva uvāca; mātaraṃ sarvabhūtānāṃ pṛcche tvā saṃśayaṃ śubhe; kena svit karmaṇā pāpaṃ vyapohati naro gṛhī

Vāsudeva sprach: „Mutter aller Wesen, ich frage dich, Glückliche, nach einem Zweifel: Durch welches Werk wohl vertreibt der Hausvater die Sünde?“

Wort für Wort
vāsudeva uvāca
Vāsudeva sprach
mātaraṃ sarvabhūtānāṃ
Mutter aller Wesen (Akk.Sg./Gen.Pl.)
pṛcche tvā saṃśayaṃ śubhe
ich frage dich nach einem Zweifel, Glückliche (1.Sg./Akk./Akk./Vok.)
kena svit karmaṇā pāpaṃ
durch welches Werk wohl die Sünde (Instr.Sg./Akk.Sg.)
vyapohati naro gṛhī
vertreibt der Mensch, der Hausvater (3.Sg./Nom.Sg.)

pṛthivy uvāca; brāhmaṇān eva seveta pavitraṃ hy etad uttamam; brāhmaṇān sevamānasya rajaḥ sarvaṃ praṇaśyati

Pṛthivī sprach: „Den Brahmanen allein soll man dienen; denn dies ist das höchste Reinigungsmittel. Wer den Brahmanen dient, dem schwindet aller Schmutz.“

Wort für Wort
pṛthivy uvāca
Pṛthivī sprach
brāhmaṇān eva seveta
den Brahmanen allein soll man dienen (Akk.Pl./3.Sg.Opt.Med.)
pavitraṃ hy etad uttamam
denn dies ist das höchste Reinigungsmittel (Nom.Sg.n.)
brāhmaṇān sevamānasya
dem, der den Brahmanen dient (Gen.Sg./Part.Präs.Med.)
rajaḥ sarvaṃ praṇaśyati
aller Schmutz vergeht (Nom.Sg./3.Sg.)

ato bhūtir ataḥ kīrtir ato buddhiḥ prajāyate; apareṣāṃ pareṣāṃ ca parebhyaś caiva ye pare

Daher entstehen Gedeihen, daher Ruhm, daher Einsicht, unter den Niederen und Höheren und unter denen, die höher sind als die Höheren.

Wort für Wort
ato bhūtir ataḥ kīrtir
daher Gedeihen, daher Ruhm (Adv./Nom.Sg.)
ato buddhiḥ prajāyate
daher Einsicht entsteht (Nom.Sg./3.Sg.Pass.)
apareṣāṃ pareṣāṃ ca
der Späteren/Anderen und der Höheren (Gen.Pl.) [?]
parebhyaś caiva ye pare
und derer, die höher als die Höheren sind (Abl.Pl./Nom.Pl.)

Zweiter Halbvers (apareṣāṃ pareṣāṃ ca …) syntaktisch schwierig; Wiedergabe wörtlich.

brāhmaṇā yaṃ praśaṃsanti puruṣaḥ sa pravardhate; atha yo brāhmaṇākruṣṭaḥ parābhavati so 'cirāt

Wen die Brahmanen loben, der Mensch gedeiht; wer aber von einem Brahmanen geschmäht wird, geht bald unter.

Wort für Wort
brāhmaṇā yaṃ praśaṃsanti
wen die Brahmanen preisen (Nom.Pl./Akk.Sg./3.Pl.)
puruṣaḥ sa pravardhate
dieser Mann gedeiht (Nom.Sg./3.Sg.)
atha yo brāhmaṇākruṣṭaḥ
aber wer vom Brahmanen beschimpft ist (Nom.Sg./Part.Pass.)
parābhavati so 'cirāt
geht zugrunde, jener, in Kürze (3.Sg./Abl. Adv.)

yathā mahārṇave kṣipta āmaloṣṭo vinaśyati; tathā duścaritaṃ karma parābhāvāya kalpate

Wie ein in den großen Ozean geworfener Lehmklumpen zergeht, so führt schlechtes Handeln zum Untergang.

Wort für Wort
yathā mahārṇave kṣipta
wie in den großen Ozean geworfen (Lok.Sg./Part.Pass.)
āmaloṣṭo vinaśyati
der ungebrannte Erdklumpen zergeht (Nom.Sg./3.Sg.)
tathā duścaritaṃ karma
so schlechtes Tun (Nom.Sg.n.)
parābhāvāya kalpate
führt zum Untergang (Dat.Sg./3.Sg.Med.)

paśya candre kṛtaṃ lakṣma samudre lavaṇodakam; tathā bhagasahasreṇa mahendraṃ paricihnitam

Sieh, am Mond ist ein Mal angebracht, im Meer das Salzwasser; ebenso ist Mahendra mit tausend Vulven gekennzeichnet.

Wort für Wort
paśya candre kṛtaṃ lakṣma
sieh, am Mond gemacht das Mal (Imp./Lok./Part.Pass./Nom.Sg.)
samudre lavaṇodakam
im Meer Salzwasser (Lok./Nom.Sg.)
tathā bhagasahasreṇa
ebenso mit tausend Vulven (Instr.Sg.)
mahendraṃ paricihnitam
Mahendra gekennzeichnet (Akk.Sg./Part.Pass.)

teṣām eva prabhāvena sahasranayano hy asau; śatakratuḥ samabhavat paśya mādhava yādṛśam

Durch ihre Macht wurde jener der Tausendäugige, der Śatakratu; sieh, Mādhava, wie er beschaffen ist.

Wort für Wort
teṣām eva prabhāvena
durch die Macht eben jener (Gen.Pl./Instr.Sg.)
sahasranayano hy asau
tausendäugig fürwahr jener (Nom.Sg.)
śatakratuḥ samabhavat
Śatakratu wurde (Nom.Sg./3.Sg.Impf.)
paśya mādhava yādṛśam
sieh, Mādhava, wie beschaffen (Imp./Vok./Adv.)

icchan bhūtiṃ ca kīrtiṃ ca lokāṃś ca madhusūdana; brāhmaṇānumate tiṣṭhet puruṣaḥ śucir ātmavān

Wer Gedeihen, Ruhm und [gute] Welten wünscht, Madhusūdana, der soll als reiner, selbstbeherrschter Mann in Zustimmung der Brahmanen leben.

Wort für Wort
icchan bhūtiṃ ca kīrtiṃ ca
wünschend Gedeihen und Ruhm (Part.Präs./Akk.Sg.)
lokāṃś ca madhusūdana
und Welten, Madhusūdana (Akk.Pl./Vok.)
brāhmaṇānumate tiṣṭhet
in Zustimmung der Brahmanen soll er stehen (Lok.Sg./3.Sg.Opt.)
puruṣaḥ śucir ātmavān
der Mann, rein, selbstbeherrscht (Nom.Sg.)

ity etad vacanaṃ śrutvā medinyā madhusūdanaḥ; sādhu sādhv ity athety uktvā medinīṃ pratyapūjayat

Als Madhusūdana diese Rede der Medinī gehört hatte, sagte er: „Gut, gut!“, und ehrte Medinī.

Wort für Wort
ity etad vacanaṃ śrutvā
so diese Rede gehört habend (Akk.Sg./Gerundium)
medinyā madhusūdanaḥ
von Medinī, Madhusūdana (Gen./Abl.Sg./Nom.Sg.)
sādhu sādhv ity athety uktvā
„gut, gut“ und „so sei es“ gesagt habend (Interj./Gerundium)
medinīṃ pratyapūjayat
die Medinī ehrte er wieder (Akk.Sg./3.Sg.Impf.)

etāṃ śrutvopamāṃ pārtha prayato brāhmaṇarṣabhān

Nachdem du dieses Gleichnis gehört hast, Pārtha, [verehre] gesammelt die Besten unter den Brahmanen,

Wort für Wort
etāṃ śrutvopamāṃ pārtha
diese gehört habend, das Gleichnis, Pārtha (Akk.Sg.f./Gerundium/Vok.)
prayato brāhmaṇarṣabhān
gesammelt, die Stiere unter den Brahmanen (Nom.Sg./Akk.Pl.)

Satz setzt sich in den Einheiten 31 und 32 fort.

prayato bharatarṣabha; brāhmaṇāñ śrutasaṃpannān

gesammelt, Stier der Bharata, die Brahmanen, reich an Gelehrsamkeit,

Wort für Wort
prayato bharatarṣabha
gesammelt, Stier der Bharata (Nom.Sg./Vok.)
brāhmaṇāñ śrutasaṃpannān
die Brahmanen, mit Vedawissen ausgestattet (Akk.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Fortsetzung im folgenden Vers.

satataṃ pūjayethās tvaṃ tataḥ śreyo 'bhipatsyase

sollst du stets ehren; dann wirst du Heil erlangen.

Wort für Wort
satataṃ pūjayethās tvaṃ
stets sollst du ehren (Adv./2.Sg.Opt.Med./Nom.)
tataḥ śreyo 'bhipatsyase
dann wirst du das Bessere/Heil erlangen (Adv./Akk.Sg.n./2.Sg.Fut.Med.)

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