Kapitel 96: puṣkarastainaśapathāḥ
Die Schwüre der Weisen um Agastyas gestohlenen Lotos und Indras Lösung
Bhīṣma erzählt eine alte Geschichte von der Pilgerfahrt der Weisen: Agastya vermisst seinen Lotos und verdächtigt die Gefährten, die sich durch Schwüre reinigen. Indra, der den Lotos genommen hat, prüft mit seinem eigenen Schwur den Dharma und gibt ihn zurück.
puṣkarārthaṃ kṛtaṃ stainyaṃ purā bharatasattama; rājarṣibhir mahārāja tathaiva ca dvijarṣibhiḥ
Um eines Lotos willen wurde einst ein Diebstahl [unterstellt bzw. verübt (?)], o Bester der Bharata, von Königsweisen, o großer König, und ebenso von Brahmanenweisen.
Wort für Wort
puṣkarārthaṃ
um des Lotos willen (Adv./Akk. Kompositum)
kṛtaṃ stainyaṃ purā
wurde Diebstahl begangen [?] einst (Part.Perf.Pass./Nom.n./Adv.)
bharatasattama
o Bester der Bharata (Vok.)
rājarṣibhir mahārāja
von Königsweisen, o großer König (Instr.Pl./Vok.)
tathā eva ca dvijarṣibhiḥ
und ebenso von Brahmanenweisen (Instr.Pl.)
puṣkara kann „Lotos“ oder (Lotos-)See bedeuten; nach dem Zusammenhang ist die Lotosblume gemeint. Ob stainya „verübt“ oder nur „vorgeworfen“ meint, bleibt offen: verdächtigt wird die Gesellschaft der Weisen, der Dieb ist Indra.
ṛṣayaḥ sametāḥ paścime vai prabhāse; samāgatā mantram amantrayanta; carāma sarve pṛthivīṃ puṇyatīrthāṃ; tan naḥ kāryaṃ hanta gacchāma sarve
Die Ṛṣis, versammelt im westlichen Prabhāsa, kamen zusammen und hielten Rat: „Wir alle wollen die Erde mit ihren heiligen Tīrthas durchwandern; das ist unser Vorhaben – wohlan, lasst uns alle gehen.“
Wort für Wort
ṛṣayaḥ sametāḥ
die Ṛṣis, versammelt (Nom.Pl./Part.Perf.Pass.)
paścime vai prabhāse
im westlichen Prabhāsa fürwahr (Lok.)
samāgatā mantram amantrayanta
zusammengekommen hielten sie Rat (Part./Impf.Med.3.Pl.)
carāma sarve pṛthivīṃ puṇyatīrthām
wir alle wollen durchwandern die Erde mit heiligen Tīrthas (Opt./Konj.1.Pl./Akk.)
tan naḥ kāryaṃ hanta gacchāma sarve
das ist unser Vorhaben, wohlan, lasst uns alle gehen (Nom.n./Part./Konj.1.Pl.)
puṇyatīrthām ist eine unregelmäßige Akkusativ-Plural-Form (metrisch).
Sie zogen los und stellten den Hochgesinnten, den Hundertopferer, den Vṛtra-Töter [Indra] an die Spitze, o Herrscher der Menschen; alle Tīrthas umwandelnd, gingen sie am Māgha-Vollmondtag zur Kauśikī, einem heiligen Tīrtha.
Wort für Wort
jagmuḥ puraskṛtya mahānubhāvaṃ
sie gingen, den Hochgesinnten voranstellend (Perf.3.Pl./Abs./Akk.)
śatakratuṃ vṛtrahaṇaṃ narendra
den Śatakratu, den Vṛtra-Töter, o Herr der Menschen (Akk./Akk./Vok.)
tīrthāni sarvāṇi parikramanto
alle Tīrthas umwandelnd (Akk.Pl./Part.Präs.Nom.Pl.)
māghyāṃ yayuḥ
am Māgha-Vollmondtag gingen sie (Lok.f./Perf.3.Pl.)
kauśikīṃ puṇyatīrthām
zur Kauśikī, einem heiligen Tīrtha (Akk.)
māghyām: „am Vollmondtag des Monats Māgha“ (Ergänzung nach dem Sinn).
sarveṣu tīrtheṣv atha dhūtapāpā; jagmus tato brahmasaraḥ supuṇyam; devasya tīrthe jalam agnikalpā; vigāhya te bhuktabisaprasūnāḥ
Nachdem sie in allen Tīrthas ihre Sünden abgeschüttelt hatten, gingen sie darauf zum überaus heiligen Brahmasaras. Im Tīrtha des Gottes, feuergleich, tauchten sie ins Wasser, [und] sie aßen Lotoswurzeln und -sprosse.
Wort für Wort
sarveṣu tīrtheṣv atha dhūtapāpā
in allen Tīrthas dann, von Sünde gereinigt (Lok.Pl./Kompositum Nom.Pl.)
jagmus tato brahmasaraḥ supuṇyam
gingen sie danach zum Brahmasaras, dem überaus heiligen (Perf./Adv./Akk.)
devasya tīrthe jalam agnikalpā
im Tīrtha des Gottes, ins Wasser, feuergleich (Gen./Lok./Akk./Nom.Pl.)
vigāhya te
eingetaucht, sie (Abs./Nom.Pl.)
bhuktabisaprasūnāḥ
Lotoswurzeln und -sprosse gegessen habend [?] (Kompositum Nom.Pl.)
bhuktabisaprasūnāḥ ist knapp; hier als „Lotoswurzeln und -sprosse verzehrend“ aufgefasst [?].
ke cid bisāny akhanaṃs tatra rājann; anye mṛṇālāny akhanaṃs tatra viprāḥ; athāpaśyan puṣkaraṃ te hriyantaṃ; hradād agastyena samuddhṛtaṃ vai
Manche gruben dort Lotoswurzeln aus, o König, andere, die Brahmanen, gruben dort Lotosstängel aus; da sahen sie den Lotos weggeholt werden, den Agastya aus dem See emporgehoben hatte.
Wort für Wort
ke cid bisāny akhanaṃs tatra rājan
manche gruben dort Lotoswurzeln, o König (Impf.3.Pl./Akk.Pl./Vok.)
anye mṛṇālāny akhanaṃs tatra viprāḥ
andere gruben dort Lotosstängel, die Brahmanen (Akk.Pl./Nom.Pl.)
atha apaśyan puṣkaraṃ te
da sahen sie den Lotos (Impf.3.Pl./Akk.)
hriyantaṃ
der weggenommen wurde [?] (Part.Präs.Pass.Akk.)
hradād agastyena samuddhṛtaṃ vai
aus dem See von Agastya emporgehoben fürwahr (Abl./Instr./Part.Perf.Pass.)
hriyantam „weggetragen/entwendet“ neben samuddhṛtam „heraufgeholt“: gemeint ist, dass Agastyas Lotos fehlt bzw. weggenommen ist [?].
tān āha sarvān ṛṣimukhyān agastyaḥ; kenādattaṃ puṣkaraṃ me sujātam; yuṣmāñ śaṅke dīyatāṃ puṣkaraṃ me; na vai bhavanto hartum arhanti padmam
Zu all diesen vornehmsten Ṛṣis sprach Agastya: „Wer hat meinen schön gewachsenen Lotos genommen? Euch verdächtige ich; gebt mir den Lotos [zurück]! Ihr Herren dürft die Blume nicht stehlen.“
Wort für Wort
tān āha sarvān ṛṣimukhyān agastyaḥ
zu diesen allen, den vornehmsten Ṛṣis, sprach Agastya (Perf.3.Sg./Akk.Pl.)
kena ādattaṃ puṣkaraṃ me sujātam
von wem wurde mein schön gewachsener Lotos genommen (Instr./Part.Pass./Akk.)
yuṣmāñ śaṅke
euch verdächtige ich (Akk.Pl./Präs.1.Sg.)
dīyatāṃ puṣkaraṃ me
gegeben werde der Lotos mir (Imp.Pass.3.Sg.)
na vai bhavanto hartum arhanti padmam
ihr Herren dürft nicht stehlen die Lotosblume (Nom.Pl./Inf./Akk.)
„Ich höre [wohl]: Die Zeit schädigt die Kraft des Dharma; sie ist nun gekommen, die Bedrängnis des Dharma wächst. Solange sich der Adharma hier noch nicht ausbreitet, gehe ich für lange in die jenseitige Welt.“
Wort für Wort
śṛṇomi kālo hiṃsate dharmavīryaṃ
ich höre, die Zeit schädigt die Kraft des Dharma (Präs.1.Sg./Nom./Präs.3.Sg./Akk.)
sā iyaṃ prāptā
diese ist gekommen (Nom.f./Part.Perf.Pass.)
vardhate dharmapīḍā
es wächst die Bedrängnis des Dharma (Präs.3.Sg./Nom.)
purā adharmo vardhate na iha yāvat
ehe der Adharma hier wächst, solange nicht [?] (Nom./Präs.3.Sg./Konj.)
tāvad gacchāmi paralokaṃ cirāya
so lange gehe ich in die jenseitige Welt für lange (Präs.1.Sg./Akk./Dat.)
Zu purā … yāvat (Zeile 3–4) ist der Sinn „ehe/solange noch nicht“ nur erschlossen [?].
„Bevor Brahmanen inmitten des Dorfes mit lauter Stimme den Vṛṣalas die Veden vortragen, bevor der König ungerechte Rechtshändel [entscheidet bzw. duldet (?)], gehe ich in die jenseitige Welt.“
Wort für Wort
purā vedān brāhmaṇā grāmamadhye
bevor die Brahmanen die Veden inmitten des Dorfes (Akk.Pl./Nom.Pl./Lok.)
ghuṣṭasvarā vṛṣalāñ śrāvayanti
mit lauter Stimme den Vṛṣalas vortragen lassen (Kompositum Nom.Pl./Akk.Pl./Kaus.3.Pl.)
purā rājā vyavahārān adharmyān
bevor der König Rechtshändel, ungerechte (Nom./Akk.Pl./Akk.Pl.)
paśyati
ansieht [?] (Präs.3.Sg.)
ahaṃ paralokaṃ vrajāmi
ich gehe in die jenseitige Welt (Nom./Akk./Präs.1.Sg.)
paśyati hier als „ansehen, entscheiden“ (Rechtsfälle prüfen) gefasst [?].
„Bevor alle Menschen die Geringeren, die noch Geringeren und die Ehrwürdigeren nicht mehr achten werden, solange dies nicht in Finsternis [umschlägt (?)] – so lange gehe ich für lange in die jenseitige Welt.“
Wort für Wort
purā avarān pratyavarān garīyaso
bevor die Geringeren, die noch Geringeren, die Ehrwürdigeren (Akk.Pl.)
yāvan narā na avamaṃsyanti sarve
solange die Menschen nicht missachten werden, alle (Nom.Pl./Fut.3.Pl.)
tamottaraṃ yāvad idaṃ na vartate
solange dies nicht in Finsternis [?] verläuft (Nom.n./Präs.3.Sg.)
tāvad vrajāmi paralokaṃ cirāya
so lange gehe ich in die jenseitige Welt für lange (Präs.1.Sg./Akk./Dat.)
Der Vers ist syntaktisch dunkel: tamottaram (tama-uttaram „Finsternis obenauf“ oder tamas + uttaram) und der Gegensatz avara/pratyavara/garīyas sind unsicher [?].
purā prapaśyāmi pareṇa martyān; balīyasā durbalān bhujyamānān; tasmād yāsyāmi paralokaṃ cirāya; na hy utsahe draṣṭum īdṛṅ nṛloke
„Bevor ich sehe, wie Sterbliche, die Schwachen, von einem anderen, Stärkeren ausgebeutet werden, werde ich deshalb für lange in die jenseitige Welt gehen; ich ertrage es nicht, so etwas in der Welt der Menschen zu sehen.“
Wort für Wort
purā prapaśyāmi pareṇa martyān
bevor ich sehe die Sterblichen von einem anderen (Präs.1.Sg./Akk.Pl./Instr.)
balīyasā durbalān bhujyamānān
von einem Stärkeren die Schwachen, die verzehrt werden (Instr./Akk.Pl./Part.Präs.Pass.)
tasmād yāsyāmi paralokaṃ cirāya
deshalb werde ich gehen in die jenseitige Welt für lange (Abl./Fut.1.Sg./Akk./Dat.)
na hi utsahe draṣṭum īdṛṅ nṛloke
ich ertrage es nicht, solches zu sehen in der Menschenwelt (Präs.1.Sg./Inf./Lok.)
tam āhur ārtā ṛṣayo maharṣiṃ; na te vayaṃ puṣkaraṃ corayāmaḥ; mithyābhiṣaṅgo bhavatā na kāryaḥ; śapāma tīkṣṇāñ śapathān maharṣe
Zu ihm, dem großen Ṛṣi, sagten die bekümmerten Ṛṣis: „Wir stehlen deinen Lotos nicht; du darfst keine falsche Beschuldigung erheben. Wir wollen scharfe Schwüre schwören, großer Ṛṣi.“
Wort für Wort
tam āhur ārtā ṛṣayo maharṣiṃ
zu ihm sagten die bekümmerten Ṛṣis, dem großen Ṛṣi (Akk./Perf.3.Pl./Nom.Pl./Akk.)
na te vayaṃ puṣkaraṃ corayāmaḥ
wir stehlen deinen Lotos nicht (Gen./Nom.Pl./Akk./Präs.1.Pl.)
mithyābhiṣaṅgo bhavatā na kāryaḥ
eine falsche Beschuldigung darf von dir nicht gemacht werden (Nom./Instr./Gerundiv)
śapāma tīkṣṇāñ śapathān maharṣe
wir wollen schwören scharfe Schwüre, großer Ṛṣi (Konj.1.Pl./Akk.Pl./Vok.)
te niścitās tatra maharṣayas tu; saṃmanyanto dharmam evaṃ narendra; tato 'śapañ śapathān paryayeṇa; sahaiva te pārthiva putrapautraiḥ
Diese großen Ṛṣis, dort entschlossen und so den Dharma achtend, o Herrscher der Menschen, schworen dann der Reihe nach ihre Schwüre, zusammen mit ihren Söhnen und Enkeln, o König.
Wort für Wort
te niścitās tatra maharṣayas tu
diese entschlossenen großen Ṛṣis dort aber (Nom.Pl./Part.Perf.Pass.)
saṃmanyanto dharmam evaṃ narendra
den Dharma so achtend, o Herr der Menschen (Part.Präs.Nom.Pl./Akk./Vok.)
tato 'śapañ śapathān paryayeṇa
dann schworen sie Schwüre der Reihe nach (Impf.3.Pl./Akk.Pl./Instr.)
saha eva te pārthiva putrapautraiḥ
zusammen mit ihren Söhnen und Enkeln, o König (Instr.Pl./Vok.)
bhṛgur uvāca; pratyākrośed ihākruṣṭas tāḍitaḥ pratitāḍayet; khādec ca pṛṣṭhamāṃsāni yas te harati puṣkaram
Bhṛgu sprach: „Wer dir den Lotos stiehlt, der soll hier, wenn beschimpft, zurückschimpfen, wenn geschlagen, zurückschlagen und [hinterrücks] das Fleisch vom Rücken essen.“
Wort für Wort
bhṛgur uvāca
Bhṛgu sprach (Perf.)
pratyākrośet ihākruṣṭas
er soll zurückschimpfen, hier beschimpft (Opt.3.Sg./Part.Pass.)
tāḍitaḥ pratitāḍayet
geschlagen soll er zurückschlagen (Part.Pass./Opt.3.Sg.)
khādec ca pṛṣṭhamāṃsāni
und essen das Fleisch vom Rücken (Opt.3.Sg./Akk.Pl.)
yas te harati puṣkaram
wer dir den Lotos stiehlt (Nom./Gen./Präs.3.Sg./Akk.)
vasiṣṭha uvāca; asvādhyāyaparo loke śvānaṃ ca parikarṣatu; pure ca bhikṣur bhavatu yas te harati puṣkaram
Vasiṣṭha sprach: „Er soll in der Welt dem Veda-Studium abgeneigt sein und einen Hund hinter sich herschleppen, und in der Stadt Bettelmönch sein, wer dir den Lotos stiehlt.“
Wort für Wort
vasiṣṭha uvāca
Vasiṣṭha sprach (Perf.)
asvādhyāyaparo loke
dem Nichtstudium ergeben in der Welt (Kompositum Nom./Lok.)
śvānaṃ ca parikarṣatu
und einen Hund soll er hinter sich herschleppen (Akk./Imp.3.Sg.)
pure ca bhikṣur bhavatu
und in der Stadt soll er Bettler sein (Lok./Nom./Imp.3.Sg.)
Kaśyapa sprach: „Überall soll er alles feilschen bzw. verwetten, bei Hinterlegtem soll er gierig sein und zu falschem Zeugnis gehen, wer dir den Lotos stiehlt.“
Wort für Wort
kaśyapa uvāca
Kaśyapa sprach (Perf.)
sarvatra sarvaṃ paṇatu
überall alles soll er verwetten/feilschen [?] (Adv./Akk./Imp.3.Sg.)
nyāse lobhaṃ karotu ca
und bei Hinterlegtem Gier haben (Lok./Akk./Imp.3.Sg.)
kūṭasākṣitvam abhyetu
zu falscher Zeugenschaft soll er gehen (Akk./Imp.3.Sg.)
yas te harati puṣkaram
wer dir den Lotos stiehlt
paṇatu (√paṇ) „wetten, handeln“; die genaue Bedeutung hier ist unsicher [?].
Gautama sprach: „Er soll leben, hochmütig in seinem Denken [?], und mit Niedrigem Handel treiben, er soll Ackerbauer und Neider sein, wer dir den Lotos stiehlt.“
Wort für Wort
gautama uvāca
Gautama sprach (Perf.)
jīvatv ahaṃkṛto buddhyā
er soll leben, hochmütig durch Verstand [?] (Imp.3.Sg./Nom./Instr.)
vipaṇatv adhamena saḥ
er soll Handel treiben mit Niedrigem, er (Imp.3.Sg./Instr./Nom.)
karṣako matsarī ca astu
Ackerbauer und Neider soll er sein (Nom./Nom./Imp.3.Sg.)
aṅgirā uvāca; aśucir brahmakūṭo 'stu śvānaṃ ca parikarṣatu; brahmahānikṛtiś cāstu yas te harati puṣkaram
Aṅgiras sprach: „Unrein sei er, ein falscher Brahmane, und einen Hund schleppe er hinter sich her; ein Brahmanenmörder und Betrüger sei er, wer dir den Lotos stiehlt.“
Wort für Wort
aṅgirā uvāca
Aṅgiras sprach (Perf.)
aśucir brahmakūṭo 'stu
unrein, ein Scheinbrahmane soll er sein (Nom./Nom./Imp.3.Sg.)
śvānaṃ ca parikarṣatu
und einen Hund soll er hinter sich herschleppen (Akk./Imp.3.Sg.)
brahmahā nikṛtiś ca astu
Brahmanenmörder und Betrüger soll er sein (Nom./Nom./Imp.3.Sg.)
dhundhumāra uvāca; akṛtajño 'stu mitrāṇāṃ śūdrāyāṃ tu prajāyatu; ekaḥ saṃpannam aśnātu yas te harati puṣkaram
Dhundhumāra sprach: „Undankbar gegen Freunde sei er, mit einer Śūdra-Frau soll er Kinder zeugen, und allein soll er das Wohlbereitete [bzw. den Reichtum] essen, wer dir den Lotos stiehlt.“
Wort für Wort
dhundhumāra uvāca
Dhundhumāra sprach (Perf.)
akṛtajño 'stu mitrāṇāṃ
undankbar soll er sein gegen Freunde (Nom./Imp.3.Sg./Gen.Pl.)
śūdrāyāṃ tu prajāyatu
mit einer Śūdra-Frau soll er Nachkommen zeugen (Lok.f./Imp.3.Sg.)
ekaḥ saṃpannam aśnātu
allein soll er das Wohlbereitete essen (Nom./Akk./Imp.3.Sg.)
Pūru sprach: „Er soll sich als Arzt betätigen und von seiner Frau ernährt werden; sein Lebensunterhalt soll vom Schwiegervater kommen, wer dir den Lotos stiehlt.“
Wort für Wort
pūrur uvāca
Pūru sprach (Perf.)
cikitsāyāṃ pracaratu
in der Heilkunst soll er tätig sein (Lok./Imp.3.Sg.)
bhāryayā ca eva puṣyatu
und von der Frau soll er ernährt werden (Instr./Imp.3.Sg.)
śvaśurāt tasya vṛttiḥ syād
vom Schwiegervater soll sein Unterhalt sein (Abl./Gen./Nom./Opt.3.Sg.)
dilīpa uvāca; udapānaplave grāme brāhmaṇo vṛṣalīpatiḥ; tasya lokān sa vrajatu yas te harati puṣkaram
Dilīpa sprach: „In einem Dorf, in dem der Brunnen überschwemmt ist [?], soll er als Brahmane Gatte einer Śūdra-Frau sein; deren [d. h. dieser Leute] Welten soll er betreten, wer dir den Lotos stiehlt.“
Wort für Wort
dilīpa uvāca
Dilīpa sprach (Perf.)
udapānaplave grāme
in einem Dorf mit überschwemmtem Brunnen [?] (Lok.)
brāhmaṇo vṛṣalīpatiḥ
ein Brahmane als Gatte einer Śūdra-Frau (Nom./Nom.)
tasya lokān sa vrajatu
dessen Welten soll er betreten (Gen./Akk.Pl./Imp.3.Sg.)
yas te harati puṣkaram
wer dir den Lotos stiehlt
udapānaplave grāme ist unsicher (Brunnen/Wasserstelle und plava „Überschwemmung, Floß“) [?]; tasya lokān „seine Welten“ bezieht sich vermutlich auf das Los des Śūdrafrauen-Gatten.
śukra uvāca; pṛṣṭhamāṃsaṃ samaśnātu divā gacchatu maithunam; preṣyo bhavatu rājñaś ca yas te harati puṣkaram
Śukra sprach: „Das Fleisch vom Rücken soll er essen, bei Tage soll er zum Beischlaf gehen, und Diener des Königs soll er sein, wer dir den Lotos stiehlt.“
Wort für Wort
śukra uvāca
Śukra sprach (Perf.)
pṛṣṭhamāṃsaṃ samaśnātu
das Rückenfleisch soll er essen (Akk./Imp.3.Sg.)
divā gacchatu maithunam
bei Tag soll er zum Beischlaf gehen (Adv./Imp.3.Sg./Akk.)
preṣyo bhavatu rājñaś ca
Diener soll er sein und des Königs (Nom./Imp.3.Sg./Gen.)
jamadagnir uvāca; anadhyāyeṣv adhīyīta mitraṃ śrāddhe ca bhojayet; śrāddhe śūdrasya cāśnīyād yas te harati puṣkaram
Jamadagni sprach: „An Tagen, an denen man nicht studiert, soll er studieren, einen Freund soll er beim Ahnenopfer speisen, und beim Ahnenopfer eines Śūdra soll er essen, wer dir den Lotos stiehlt.“
Wort für Wort
jamadagnir uvāca
Jamadagni sprach (Perf.)
anadhyāyeṣv adhīyīta
an Nicht-Studiertagen soll er studieren (Lok.Pl./Opt.Med.3.Sg.)
mitraṃ śrāddhe ca bhojayet
einen Freund beim Ahnenopfer soll er speisen (Akk./Lok./Opt.Kaus.3.Sg.)
śrāddhe śūdrasya ca aśnīyād
und beim Ahnenopfer eines Śūdra soll er essen (Lok./Gen./Opt.3.Sg.)
Śibi sprach: „Ohne errichtetes heiliges Feuer soll er sterben, beim Opfer soll er Störung bewirken, und mit Asketen soll er in Streit geraten, wer dir den Lotos stiehlt.“
Wort für Wort
śibir uvāca
Śibi sprach (Perf.)
anāhitāgnir mriyatāṃ
ohne heiliges Feuer soll er sterben (Nom./Imp.Med.3.Sg.)
yajñe vighnaṃ karotu ca
und beim Opfer Störung bewirken (Lok./Akk./Imp.3.Sg.)
tapasvibhir virudhyeta
mit Asketen soll er in Streit geraten (Instr.Pl./Opt.Med.3.Sg.)
yayātir uvāca; anṛtau jaṭī vratinyāṃ vai bhāryāyāṃ saṃprajāyatu; nirākarotu vedāṃś ca yas te harati puṣkaram
Yayāti sprach: „Zur unrechten Zeit soll er, mit Haarflechte, bei seiner ein Gelübde haltenden Frau Kinder zeugen, und die Veden soll er verwerfen, wer dir den Lotos stiehlt.“
Wort für Wort
yayātir uvāca
Yayāti sprach (Perf.)
anṛtau jaṭī
zur unrechten Zeit, mit Haarflechte (Lok./Nom.)
vratinyāṃ vai bhāryāyāṃ saṃprajāyatu
bei der Gelübde haltenden Frau soll er zeugen (Lok.f./Lok.f./Imp.3.Sg.)
nirākarotu vedāṃś ca
und die Veden soll er zurückweisen (Imp.3.Sg./Akk.Pl.)
Nahuṣa sprach: „Einen Gast soll der Hausherr abweisen, ein Geweihter soll triebgeleitet sein, und Wissen soll er gegen Bezahlung erteilen, wer dir den Lotos stiehlt.“
Wort für Wort
nahuṣa uvāca
Nahuṣa sprach (Perf.)
atithiṃ gṛhastho nudatu
einen Gast soll der Hausherr abweisen (Akk./Nom./Imp.3.Sg.)
kāmavṛtto 'stu dīkṣitaḥ
triebgeleitet soll der Geweihte sein (Nom./Imp.3.Sg./Nom.)
vidyāṃ prayacchatu bhṛto
Wissen soll er erteilen als Bezahlter [?] (Akk./Imp.3.Sg./Nom.)
Ambarīṣa sprach: „Grausam und dem Dharma entsagend soll er sein gegenüber Frauen, Verwandten und Kühen, und auch einen Brahmanen soll er verlassen, wer dir den Lotos stiehlt.“
Wort für Wort
ambarīṣa uvāca
Ambarīṣa sprach (Perf.)
nṛśaṃsas tyaktadharmo 'stu
grausam, den Dharma aufgebend soll er sein (Nom./Kompositum Nom./Imp.3.Sg.)
strīṣu jñātiṣu goṣu ca
gegenüber Frauen, Verwandten und Kühen (Lok.Pl.)
brāhmaṇaṃ ca api jahatu
und auch einen Brahmanen soll er verlassen (Akk./Imp.3.Sg.)
Nārada sprach: „Verborgen unwissend, [aber] außen die Lehre rezitierend, soll er ein misstöniges Wort [sprechen (?)] und Ehrwürdigere verachten, wer dir den Lotos stiehlt.“
Wort für Wort
nārada uvāca
Nārada sprach (Perf.)
gūḍho 'jñānī
verborgen unwissend (Nom./Nom.)
bahiḥ śāstraṃ paṭhatāṃ
außen die Lehre rezitierend [?] (Adv./Akk./Part.Präs.Gen.Pl.)
visvaraṃ padam
ein misstöniges Wort [?] (Akk.)
garīyaso 'vajānātu
Ehrwürdigere soll er verachten (Akk.Pl./Imp.3.Sg.)
yas te harati puṣkaram
wer dir den Lotos stiehlt
Der Vers ist syntaktisch unsicher: gūḍho 'jñānī bahiḥ śāstraṃ paṭhatāṃ visvaraṃ padam könnte auch „unter denen, die außen das Śāstra rezitieren, sei ihm ein Wort misstönig“ meinen [?].
Nābhāga sprach: „Immer möge er Unwahres reden und mit den Guten in Streit liegen; gegen Brautpreis möge er die Tochter geben – wer dir den Lotos raubt.“
Wort für Wort
nābhāga uvāca
Nābhāga sprach (Perf.)
anṛtaṃ bhāṣatu sadā
Unwahres möge er reden immer (Akk.; 3.Sg.Imp.)
sadbhiḥ ca eva virudhyatu
und mit den Guten möge er streiten (Instr.Pl.; 3.Sg.Imp.)
śulkena kanyāṃ dadatu
gegen Brautpreis die Tochter möge er geben (Instr./Akk.; 3.Sg.Imp.)
kavir uvāca; padā sa gāṃ tāḍayatu sūryaṃ ca prati mehatu; śaraṇāgataṃ ca tyajatu yas te harati puṣkaram
Kavi sprach: „Mit dem Fuß möge er eine Kuh schlagen und gegen die Sonne urinieren; den Schutzsuchenden möge er im Stich lassen – wer dir den Lotos raubt.“
Wort für Wort
kavir uvāca
Kavi sprach (Perf.)
padā sa gāṃ tāḍayatu
mit dem Fuß möge er die Kuh schlagen (Instr.; Akk.; 3.Sg.Imp.)
sūryaṃ ca prati mehatu
und gegen die Sonne möge er urinieren (Akk. mit prati; 3.Sg.Imp.)
śaraṇāgataṃ ca tyajatu
und den Schutzsuchenden möge er verlassen (Akk.; 3.Sg.Imp.)
viśvāmitra uvāca; karotu bhṛtako 'varṣāṃ rājñaś cāstu purohitaḥ; ṛtvig astu hy ayājyasya yas te harati puṣkaram
Viśvāmitra sprach: „Als Lohnarbeiter möge er Regenlosigkeit [Dürre] bewirken [?] und Hauspriester eines Königs sein; Opferpriester möge er sein für den, für den man nicht opfern darf – wer dir den Lotos raubt.“
Wort für Wort
viśvāmitra uvāca
Viśvāmitra sprach (Perf.)
karotu bhṛtako 'varṣām
möge tun als Lohnarbeiter Regenlosigkeit [?] (3.Sg.Imp.; Nom.; Akk.)
rājñaḥ ca astu purohitaḥ
und des Königs sei er Hauspriester (Gen.; 3.Sg.Imp.; Nom.)
ṛtvig astu hi ayājyasya
Opferpriester sei er für den nicht zu Bedienenden (Nom.; Gen.)
yas te harati puṣkaram
wer dir den Lotos raubt
bhṛtako 'varṣām: Text unsicher; wohl „als Lohnarbeiter (bhṛtaka) Dürre/Regenlosigkeit (avarṣā) verursachen“ oder „als Söldner Nicht-Regen“; Wiedergabe unsicher.
parvata uvāca; grāme cādhikṛtaḥ so 'stu kharayānena gacchatu; śunaḥ karṣatu vṛttyarthe yas te harati puṣkaram
Parvata sprach: „Im Dorf sei er als Beamter eingesetzt und fahre auf einem Eselskarren; Hunde möge er ziehen [oder: schleppen] um des Lebensunterhalts willen – wer dir den Lotos raubt.“
Wort für Wort
parvata uvāca
Parvata sprach (Perf.)
grāme ca adhikṛtaḥ saḥ astu
im Dorf und als Beamter eingesetzt sei er (Lok.; Part.Pass.; 3.Sg.Imp.)
kharayānena gacchatu
mit dem Eselsgefährt möge er fahren (Instr.; 3.Sg.Imp.)
śunaḥ karṣatu vṛttyarthe
Hunde möge er schleppen zum Lebensunterhalt (Akk.Pl.; 3.Sg.Imp.; Lok.)
bharadvāja uvāca; sarvapāpasamādānaṃ nṛśaṃse cānṛte ca yat; tat tasyāstu sadā pāpaṃ yas te harati puṣkaram
Bharadvāja sprach: „Die Ansammlung aller Sünden, die es bei einem Grausamen und bei einer Lüge gibt – diese Sünde soll immer auf ihm liegen, wer dir den Lotos raubt.“
Wort für Wort
bharadvāja uvāca
Bharadvāja sprach (Perf.)
sarvapāpasamādānaṃ
die Aufnahme/Ansammlung aller Sünden (Nom./Akk.n.; Kompositum)
nṛśaṃse ca anṛte ca yat
was bei Grausamkeit und Lüge [ist] (Lok.; Rel.)
tat tasya astu sadā pāpam
das sei ihm immer als Sünde (Nom.; Gen.; 3.Sg.Imp.)
aṣṭaka uvāca; sa rājāstv akṛtaprajñaḥ kāmavṛttiś ca pāpakṛt; adharmeṇānuśāstūrvīṃ yas te harati puṣkaram
Aṣṭaka sprach: „Der sei ein König ohne Einsicht [ungebildet], der nach Willkür lebt und Böses tut; mit Unrecht möge er die Erde regieren – wer dir den Lotos raubt.“
Wort für Wort
aṣṭaka uvāca
Aṣṭaka sprach (Perf.)
sa rājā astu akṛtaprajñaḥ
der sei König ohne gebildete Einsicht (Nom.; 3.Sg.Imp.; Bahuvrīhi)
kāmavṛttiḥ ca pāpakṛt
und nach Willkür lebend, Böses tuend (Nom.)
adharmeṇa anuśāstu urvīm
mit Unrecht möge er die Erde beherrschen (Instr.; 3.Sg.Imp.; Akk.)
śukaḥ; śūdrayonau dvijātis tu reto muñcatu kāmataḥ; saṃnyāsī maithunaṃ gacched yas te harati puṣkaram; yamaḥ; aupāsanavihīnas tu devabrāhmaṇanindakaḥ; devasatrādhikāryas tu yas te harati puṣkaram
Śuka [sprach]: „Ein Zweimalgeborener möge in einem Śūdra-Schoß aus Begierde seinen Samen ergießen; ein Entsagender möge Beischlaf vollziehen – wer dir den Lotos raubt.“ Yama [sprach]: „Ohne das Aupāsana-Feuer, ein Schmäher der Götter und Brahmanen, möge er Vorsteher eines Götteropfers sein – wer dir den Lotos raubt.“
Wort für Wort
śukaḥ; śūdrayonau dvijātiḥ tu
Śuka; im Śūdra-Schoß der Zweimalgeborene (Lok.; Nom.)
retaḥ muñcatu kāmataḥ
Samen möge er ergießen aus Begierde (Akk.; 3.Sg.Imp.; Abl.-Adv.)
saṃnyāsī maithunaṃ gacchet
ein Entsagender möge Beischlaf vollziehen (Nom.; Akk.; 3.Sg.Opt.)
yas te harati puṣkaram; yamaḥ
wer dir den Lotos raubt; Yama
aupāsanavihīnaḥ tu devabrāhmaṇanindakaḥ
ohne Aupāsana-Feuer, Schmäher der Götter und Brahmanen (Nom.)
devasatrādhikāryaḥ tu
Vorsteher/Zuständiger für ein Götteropfer (Nom.)
yas te harati puṣkaram
wer dir den Lotos raubt
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzstrophe (*0435); enthält zwei Sprecher.
gālava uvāca; pāpiṣṭhebhyas tv anarghārhaḥ sa naro 'stu svapāpakṛt; dattvā dānaṃ kīrtayatu yas te harati puṣkaram
Gālava sprach: „Unter den ärgsten Sündern sei er der Ehre unwürdig, dieser Mann, der sich selbst Sünde antut; nachdem er eine Gabe gegeben hat, möge er sie rühmen – wer dir den Lotos raubt.“
Wort für Wort
gālava uvāca
Gālava sprach (Perf.)
pāpiṣṭhebhyaḥ tu anarghārhaḥ
gegenüber den ärgsten Sündern unwürdig der Ehre (Abl.Pl. Superl.; Nom.)
saḥ naraḥ astu svapāpakṛt
dieser Mann sei einer, der seine eigene Sünde tut [?] (Nom.; 3.Sg.Imp.)
dattvā dānaṃ kīrtayatu
nachdem er die Gabe gegeben, möge er [sie] rühmen (Abs.; Akk.; 3.Sg.Imp.)
yas te harati puṣkaram
wer dir den Lotos raubt
svapāpakṛt (‚der seine eigene Sünde tut / sich selbst Böses antut‘) ist in der Deutung unsicher.
Arundhatī sprach: „Die Schwiegermutter möge sie verleumden, ihrem Gatten möge sie missmutig sein; allein möge sie Wohlschmeckendes essen – die Frau, die dir den Lotos raubt.“
Wort für Wort
arundhaty uvāca
Arundhatī sprach (Perf.)
śvaśrvāpavādaṃ vadatu
Schmähung der Schwiegermutter möge sie äußern (Akk.; 3.Sg.Imp.)
bhartuḥ bhavatu durmanāḥ
dem Gatten gegenüber sei sie missmutig (Gen.; 3.Sg.Imp.; Nom.f.)
ekā svādu samaśnātu
allein möge sie Wohlschmeckendes essen (Nom.f.; Akk.n.; 3.Sg.Imp.)
bharadvājaḥ; sadā vasatu saṃnyāsī grāme vā nagare 'pi vā; bandhubhiḥ saha vāso 'stu yas te harati puṣkaram
Bharadvāja [sprach]: „Immer möge ein Entsagender wohnen, im Dorf oder auch in der Stadt; bei Verwandten sei sein Wohnen – wer dir den Lotos raubt.“
Wort für Wort
bharadvājaḥ
Bharadvāja [sprach]
sadā vasatu saṃnyāsī
immer möge wohnen der Entsagende (3.Sg.Imp.; Nom.)
grāme vā nagare 'pi vā
im Dorf oder auch in der Stadt (Lok.)
bandhubhiḥ saha vāsaḥ astu
mit Verwandten sei sein Wohnen (Instr.Pl.; Nom.)
yas te harati puṣkaram
wer dir den Lotos raubt
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers (*0437); der Sinn ist unklar (Entsagender bei Verwandten als Fluch).
vālakhilyā ūcuḥ; ekapādena vṛttyarthaṃ grāmadvāre sa tiṣṭhatu; dharmajñas tyaktadharmo 'stu yas te harati puṣkaram
Die Vālakhilyas sprachen: „Auf einem Bein stehe er um des Lebensunterhalts willen am Dorftor; obwohl er das Dharma kennt, sei er einer, der das Dharma aufgegeben hat – wer dir den Lotos raubt.“
Wort für Wort
vālakhilyā ūcuḥ
die Vālakhilyas sprachen (Perf.)
ekapādena vṛttyarthaṃ
auf einem Bein, um des Unterhalts willen (Instr.; Adv.)
grāmadvāre saḥ tiṣṭhatu
am Dorftor stehe er (Lok.; 3.Sg.Imp.)
dharmajñaḥ tyaktadharmaḥ astu
Dharma-Kundiger, Dharma-Verlassender sei er (Nom.; Part.Pass. Bahuvrīhi)
paśusakha uvāca; agnihotram anādṛtya sukhaṃ svapatu sa dvijaḥ; parivrāṭ kāmavṛtto 'stu yas te harati puṣkaram
Paśusakha sprach: „Das Agnihotra missachtend, möge jener Zweimalgeborene bequem schlafen; ein Wanderasket, der nach Belieben lebt, sei er – wer dir den Lotos raubt.“
Wort für Wort
paśusakha uvāca
Paśusakha sprach (Perf.)
agnihotram anādṛtya
das Agnihotra missachtend (Akk.; Abs.)
sukhaṃ svapatu sa dvijaḥ
bequem möge schlafen dieser Zweimalgeborene (Adv.; 3.Sg.Imp.; Nom.)
parivrāṭ kāmavṛttaḥ astu
ein Wanderasket, nach Willkür lebend, sei er (Nom.)
Surabhi sprach: „Aus dem Grund des Bālvaja-Grases möge ihr Melkgefäß aus Bronze sein; sie soll von einem fremden Kalb gemolken werden – die Kuh, die dir den Lotos raubt.“
Wort für Wort
surabhy uvāca
Surabhi sprach (Perf.)
bālvajena nidānena
durch/wegen Bālvaja-Gras als Grund [?] (Instr.)
kāṃsyaṃ bhavatu dohanam
aus Bronze sei das Melkgefäß (Nom.n.; 3.Sg.Imp.)
duhyeta paravatsena
gemolken werden möge sie mit einem fremden Kalb (3.Sg.Opt.Pass.; Instr.)
Bhīṣma sprach: „Als nun unter diesen vielfältigen, zahlreichen Schwüren geschworen wurde, o Herr der Kauravas, sah Sahasrākṣa, der Götterkönig, hocherfreut jenen zornigen Ersten der Brahmanen an.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
tataḥ tu taiḥ śapathaiḥ śapyamānaiḥ
als nun mit diesen Schwüren geschworen wurde (Instr.Pl.; Part.Pass., Lok.abs.-artig)
nānāvidhaiḥ bahubhiḥ kauravendra
mannigfachen, vielen, o Herr der Kauravas (Instr.Pl.; Vok.)
sahasrākṣaḥ devarāṭ saṃprahṛṣṭaḥ
der Tausendäugige, Götterkönig, hocherfreut (Nom.)
samīkṣya taṃ kopanaṃ vipramukhyam
sah an jenen zornigen Ersten der Brahmanen (Abs.; Akk.)
Der Satz läuft in der nächsten Strophe weiter (samīkṣya … athābravīt).
athābravīn maghavā pratyayaṃ svaṃ; samābhāṣya tam ṛṣiṃ jātaroṣam; brahmarṣidevarṣinṛparṣimadhye; yat tan nibodheha mamādya rājan
Da sprach Maghavan, jenen zornentbrannten Weisen ansprechend, seine eigene Überzeugung aus, inmitten der Brahmaseher, Götterseher und Königsseher; was er [sagte], das vernimm hier heute von mir, o König.
Wort für Wort
atha abravīt maghavā
da sprach Maghavan (Impf.; Nom.)
pratyayaṃ svaṃ samābhāṣya
seine eigene Überzeugung/Versicherung ansprechend/vortragend [?] (Akk.; Abs.)
tam ṛṣiṃ jātaroṣam
jenen Weisen, dessen Zorn entstanden war (Akk.; Bahuvrīhi)
brahmarṣidevarṣinṛparṣimadhye
inmitten der Brahma-, Götter- und Königsseher (Lok.; Kompositum)
yat tat nibodha iha mama adya rājan
was das war, vernimm hier von mir heute, o König (Rel./Dem.; Imp.; Vok.)
pratyayaṃ svam: ‚seine eigene Überzeugung/Zusicherung‘, Deutung nicht ganz sicher.
Śakra sprach: „Dem Adhvaryu [Yajurveda-Priester] gebe er die Tochter oder einem Chandoga [Sāmaveda-Sänger], der das Brahmacarya-Leben vollzogen hat; nachdem er den Atharvaveda studiert hat, soll der Brahmane das Schlussbad nehmen, der den Lotos wegnimmt.“
Wort für Wort
śakra uvāca
Śakra sprach (Perf.)
adhvaryave duhitaraṃ dadātu
dem Adhvaryu die Tochter gebe er (Dat.; Akk.; 3.Sg.Imp.)
cchandoge vā caritabrahmacarye
oder einem Chandoga, der das Brahmacarya vollzogen hat (Dat.; Bahuvrīhi)
ātharvaṇaṃ vedam adhītya vipraḥ
den Atharvaveda studiert habend, der Brahmane (Akk.; Abs.; Nom.)
snāyīta yaḥ puṣkaram ādadāti
das Schlussbad nehme er, wer den Lotos nimmt (3.Sg.Opt.Med.; Nom.; Akk.; 3.Sg.Präs.)
Der Sinn der Strophe als Schwur ist unsicher; wörtlich wiedergegeben.
Agastya sprach: „Ein Segen ist von dir gesprochen worden, kein Schwur, o Vernichter des Bala; der Lotos soll mir gegeben werden – das ist das ewige Dharma.“
Wort für Wort
agastya uvāca
Agastya sprach (Perf.)
āśīrvādaḥ tvayā proktaḥ
ein Segenswort ist von dir gesprochen (Nom.; Instr.; Part.Pass.)
śapathaḥ balasūdana
[als] Schwur, o Bala-Töter (Nom.; Vok.)
dīyatāṃ puṣkaraṃ mahyam
gegeben werde der Lotos mir (3.Sg.Imp.Pass.; Nom./Akk.; Dat.)
indra uvāca; na mayā bhagavaṃl lobhād dhṛtaṃ puṣkaram adya vai; dharmaṃ tu śrotukāmena hṛtaṃ na kroddhum arhasi
Indra sprach: „Nicht habe ich, o Ehrwürdiger, aus Gier den Lotos heute geraubt; aus dem Wunsch, das Dharma zu hören, wurde er genommen; du darfst nicht zürnen.“
Wort für Wort
indra uvāca
Indra sprach (Perf.)
na mayā bhagavan lobhāt
nicht von mir, o Ehrwürdiger, aus Gier (Instr.; Vok.; Abl.)
dhṛtaṃ puṣkaram adya vai
genommen der Lotos heute wahrlich (Part.Pass.; Nom.)
dharmaṃ tu śrotukāmena
das Dharma aber hören wollend (Akk.; Instr.)
hṛtaṃ na kroddhum arhasi
[er ist] weggenommen; nicht darfst du zürnen (Part.Pass.; Inf.; 2.Sg.Präs.)
„Das Dharma ist die Steigerung der Offenbarung [Śruti], der Damm des Dharma, makellos; es stammt von den Sehern, ist ewig, beständig und unvergänglich – dies habe ich [so] gehört.“
Wort für Wort
dharmaḥ śrutisamutkarṣaḥ
das Dharma [ist] Steigerung/Erhebung der Śruti [?] (Nom.)
dharmasetuḥ anāmayaḥ
Damm des Dharma, makellos (Nom.)
ārṣaḥ vai śāśvataḥ nityam
von den Sehern stammend, wahrlich ewig, beständig (Nom.; Adv.)
avyayaḥ ayaṃ mayā śrutaḥ
unvergänglich; dieser von mir gehört (Nom.; Instr.; Part.Pass.)
śrutisamutkarṣaḥ: ‚Erhebung/Steigerung der Śruti‘ (Deutung unsicher).
tvayā lokahitārthāya pīto vai lavaṇāmbudhiḥ; vindhyo nivārito yena vātāpiś ca niṣūditaḥ; nahuṣaḥ sarpatāṃ nīto bhavatā yad dvijottama; jijñāsamānena mayā kṛtaṃ tat kṣantum arhasi
„Von dir wurde zum Wohl der Welten der salzige Ozean getrunken; der Vindhya wurde durch dich aufgehalten, und Vātāpi wurde erschlagen; Nahuṣa wurde von dir, o Bester der Zweimalgeborenen, in den Zustand einer Schlange versetzt; da ich [dich] prüfen wollte, habe ich dies getan – das darfst du verzeihen.“
Wort für Wort
tvayā lokahitārthāya
von dir zum Wohl der Welten (Instr.; Dat.-Adv.)
pītaḥ vai lavaṇāmbudhiḥ
getrunken wahrlich der Salzozean (Part.Pass.; Nom.)
vindhyaḥ nivāritaḥ yena
der Vindhya wurde aufgehalten, durch den [= durch den, der] (Nom.; Part.Pass.; Instr.)
vātāpiḥ ca niṣūditaḥ
und Vātāpi wurde erschlagen (Nom.; Part.Pass.)
nahuṣaḥ sarpatāṃ nītaḥ bhavatā yat dvijottama
Nahuṣa wurde zum Schlangensein geführt von dir, o Bester der Zweimalgeborenen (Nom.; Akk.; Instr.; Vok.)
jijñāsamānena mayā kṛtaṃ tat kṣantum arhasi
von mir, der ich prüfen wollte, getan – das darfst du verzeihen (Instr.; Part.Pass.; Inf.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzstrophe (*0439).
na tam āpat spṛśet kā cin na jvaro na rujaś ca ha; virajāḥ śreyasā yuktaḥ pretya svargam avāpnuyāt
Kein Unglück wird ihn berühren, weder Fieber noch Krankheit; von Schmutz [der Leidenschaft] frei und mit Heil verbunden, wird er nach dem Tod den Himmel erlangen.
Wort für Wort
na tam āpat spṛśet kā cit
nicht möge ihn irgendein Unglück berühren (Nom.; 3.Sg.Opt.)
na jvaraḥ na rujaḥ ca ha
weder Fieber noch Krankheiten (Nom.Sg.; Nom.Pl.)
virajāḥ śreyasā yuktaḥ
frei von Staub, mit Heil verbunden (Nom.; Instr.; Part.Pass.)
pretya svargam avāpnuyāt
nach dem Tod den Himmel erlangen möge er (Abs.; Akk.; 3.Sg.Opt.)