Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Anuśāsanaparva

Kapitel 97: chatropānahotpattiḥ Ursprung von Sonnenschirm und Sandalen: Jamadagni und Sūrya

Yudhiṣṭhira fragt nach Herkunft und Sinn der Gaben von Schirm und Sandalen bei den Totenopfern; Bhīṣma leitet mit dem Itihāsa von Jamadagni und der Sonne ein. Das Kapitel bricht mit Sūryas Rede an den zürnenden Ṛṣi ab.

yudhiṣṭhira uvāca; yad idaṃ śrāddhadharmeṣu dīyate bharatarṣabha; chatraṃ copānahau caiva kenaitat saṃpravartitam; kathaṃ caitat samutpannaṃ kimarthaṃ ca pradīyate

Yudhiṣṭhira sprach: „Was da bei den Vorschriften der Ahnenopfer gegeben wird, o Stier der Bharatas, Schirm und Sandalen: Wer hat dies eingeführt? Wie ist es entstanden, und wozu wird es gegeben?

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
yad idaṃ śrāddhadharmeṣu dīyate bharatarṣabha
was dies bei den Śrāddha-Vorschriften gegeben wird, o Stier der Bharatas (Präs. Pass./Lok. Pl./Vok.)
chatraṃ ca upānahau ca eva
Schirm und auch Sandalen (Nom. Sg./Nom. Du.)
kena etat saṃpravartitam
durch wen ist dies in Gang gesetzt worden (Instr./Part. Pass.)
katham ca etat samutpannam
und wie ist dies entstanden (Part. Perf. Pass.)
kimartham ca pradīyate
und wozu wird es gegeben (3.Sg.Präs.Pass.)

na kevalaṃ śrāddhadharme puṇyakeṣv api dīyate

Nicht nur bei den Ahnenopfern, auch bei [anderen] verdienstvollen Anlässen wird es gegeben.

Wort für Wort
na kevalaṃ
nicht allein (Adv.)
śrāddhadharme
bei der Śrāddha-Pflicht (Lok. Sg.)
puṇyakeṣu api
auch bei verdienstlichen [Riten] (Lok. Pl.)
dīyate
wird gegeben (3.Sg.Präs.Pass.)

bahuṣv api nimitteṣu puṇyam āśritya dīyate

Auch bei vielen [anderen] Anlässen wird es gegeben, indem man sich auf das Verdienst stützt.

Wort für Wort
bahuṣu api nimitteṣu
auch bei vielen Anlässen (Lok. Pl.)
puṇyam āśritya
sich auf Verdienst stützend (Abs.)
dīyate
wird gegeben (3.Sg.Präs.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (*0441); Bezug von puṇyam āśritya knapp.

etad vistarato rājañ śrotum icchāmi tattvataḥ

Dies möchte ich ausführlich, o König, der Wahrheit gemäß hören.

Wort für Wort
etad vistarataḥ
dies ausführlich (Akk./Adv.)
rājan
o König (Vok.)
śrotum icchāmi
hören möchte ich (Inf./1.Sg.Präs.)
tattvataḥ
der Wahrheit gemäß (Adv.)

bhīṣma uvāca; śṛṇu rājann avahitaś chatropānahavistaram; yathaitat prathitaṃ loke yena caitat pravartitam

Bhīṣma sprach: „Höre, o König, aufmerksam die ausführliche Darlegung über Schirm und Sandalen, wie dies in der Welt bekannt wurde und von wem es eingeführt wurde.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
śṛṇu rājan avahitaḥ
höre, o König, aufmerksam (Imp./Vok./Nom.)
chatropānahavistaram
die Ausführung über Schirm und Sandalen (Akk. Sg.)
yathā etat prathitaṃ loke
wie dies bekannt wurde in der Welt (Part. Pass./Lok.)
yena ca etat pravartitam
und von wem dies in Gang gesetzt wurde (Instr./Part. Pass.)

yathā cākṣayyatāṃ prāptaṃ puṇyatāṃ ca yathā gatam; sarvam etad aśeṣeṇa pravakṣyāmi janādhipa

Und wie es unvergängliche Dauer erlangte und wie es zu einem verdienstvollen [Werk] wurde: all dies werde ich vollständig verkünden, o Herr der Menschen.

Wort für Wort
yathā ca akṣayyatāṃ prāptam
und wie es Unvergänglichkeit erlangt hat (Akk./Part. Pass.)
puṇyatāṃ ca yathā gatam
und wie es zur Verdienstlichkeit gelangt ist (Akk./Part. Pass.)
sarvam etad aśeṣeṇa
all dies ohne Rest (Akk./Instr.)
pravakṣyāmi janādhipa
werde ich verkünden, o Herr der Menschen (1.Sg.Fut./Vok.)

itihāsaṃ purāvṛttam imaṃ śṛṇu narādhipa; jamadagneś ca saṃvādaṃ sūryasya ca mahātmanaḥ

Höre diese alte, vergangene Erzählung, o Herr der Menschen, und das Gespräch Jamadagnis mit Sūrya, dem Hochgesinnten.

Wort für Wort
itihāsaṃ purāvṛttam imaṃ śṛṇu
diese Erzählung von Früherem höre (Akk./Part./Imp.)
narādhipa
o Herr der Menschen (Vok.)
jamadagneḥ ca saṃvādam
und das Gespräch Jamadagnis (Gen./Akk.)
sūryasya ca mahātmanaḥ
und Sūryas, des Hochgesinnten (Gen. Sg.)

purā sa bhagavān sākṣād dhanuṣākrīḍata prabho; saṃdhāya saṃdhāya śarāṃś cikṣepa kila bhārgavaḥ

Einst, o Herr, vergnügte sich jener ehrwürdige Bhārgava leibhaftig mit dem Bogen: Immer wieder legte er Pfeile an und schoss sie, so heißt es, ab.

Wort für Wort
purā sa bhagavān
einst jener Ehrwürdige (Adv./Nom.)
sākṣād dhanuṣā ākrīḍata
leibhaftig mit dem Bogen spielte (Adv./Instr./3.Sg.Impf. Med.)
prabho
o Herr (Vok.)
saṃdhāya saṃdhāya śarān
die Pfeile immer wieder anlegend (Abs. iterativ/Akk. Pl.)
cikṣepa kila bhārgavaḥ
schoss ab, so heißt es, der Bhārgava (3.Sg.Perf./Nom.)

tān kṣiptān reṇukā sarvāṃs tasyeṣūn dīptatejasaḥ; ānāyya sā tadā tasmai prādād asakṛd acyuta

Reṇukā holte alle diese abgeschossenen Pfeile von hellem Glanz für ihn herbei und gab sie ihm dann immer wieder, o Acyuta.

Wort für Wort
tān kṣiptān reṇukā sarvān
diese abgeschossenen alle, Reṇukā (Akk. Pl./Part. Pass./Nom.)
tasya iṣūn dīptatejasaḥ
seine Pfeile von leuchtendem Glanz (Gen./Akk. Pl.)
ānāyya sā tadā tasmai
herbeiholend, sie dann ihm (Abs./Dat.)
prādād asakṛd acyuta
gab sie mehrfach, o Acyuta (3.Sg.Aor./Adv./Vok.)

atha tena sa śabdena jyātalasya śarasya ca; prahṛṣṭaḥ saṃpracikṣepa sā ca pratyājahāra tān

Dann schoss er, erfreut über das Geräusch der Bogensehne und des Pfeils, [sie] ab, und sie brachte sie zurück.

Wort für Wort
atha tena sa śabdena
dann durch dieses Geräusch (Instr.)
jyātalasya śarasya ca
der Bogensehne(nschlag) und des Pfeils (Gen. Sg.)
prahṛṣṭaḥ saṃpracikṣepa
erfreut schoss er ab (Part. Pass./3.Sg.Perf.)
sā ca pratyājahāra tān
und sie brachte sie zurück (3.Sg.Perf./Akk. Pl.)

tato madhyāhnam ārūḍhe jyeṣṭhāmūle divākare; sa sāyakān dvijo viddhvā reṇukām idam abravīt

Als dann die Sonne zur Mittagszeit hinaufgestiegen war, im [Mondhaus] Jyeṣṭhā stehend, sprach der Zweimalgeborene, nachdem er die Pfeile abgeschossen hatte, zu Reṇukā dies:

Wort für Wort
tato madhyāhnam ārūḍhe
dann zum Mittag aufgestiegen (Akk./Lok. Part.)
jyeṣṭhāmūle divākare
als die Sonne bei Jyeṣṭhā-Mūla [stand] (Lok. abs.)
sa sāyakān dvijaḥ viddhvā
er, der Zweimalgeborene, die Pfeile abschießend (Nom./Akk./Abs.)
reṇukām idam abravīt
sprach zu Reṇukā dies (Akk./3.Sg.Impf.)

Wörtlich „im Jyeṣṭhā-Fuß“ (jyeṣṭhāmūle); gemeint ist die Sonnenstellung im Monat Jyaiṣṭha/Mondhaus Jyeṣṭhā-Mūla, unsicher [?].

gacchānaya viśālākṣi śarān etān dhanuścyutān; yāvad etān punaḥ subhru kṣipāmīti janādhipa

„Geh, Weitäugige, hole diese vom Bogen abgeschossenen Pfeile, damit ich sie wieder abschieße, schönbrauige, o Herr der Menschen.“

Wort für Wort
gaccha ānaya viśālākṣi
geh, hole, Weitäugige (Imp./Imp./Vok.)
śarān etān dhanuścyutān
diese vom Bogen gelösten Pfeile (Akk. Pl.)
yāvat etān punaḥ subhru
damit ich sie wieder, Schönbrauige (Konj./Akk./Adv./Vok.)
kṣipāmi iti janādhipa
abschieße, so, o Herr der Menschen (1.Sg.Präs./Vok.)

sā gacchaty antarā chāyāṃ vṛkṣam āśritya bhāminī; tasthau tasyā hi saṃtaptaṃ śiraḥ pādau tathaiva ca

Sie ging, und auf dem Weg blieb die Schöne im Schatten eines Baumes stehen, denn ihr Kopf und ebenso ihre Füße waren erhitzt.

Wort für Wort
sā gacchati antarā
sie, gehend, unterwegs (Nom./Part. Präs./Adv.)
chāyāṃ vṛkṣam āśritya bhāminī
beim Schatten, einen Baum aufsuchend, die Zornige/Schöne (Akk./Abs./Nom.)
tasthau
blieb stehen (3.Sg.Perf.)
tasyāḥ hi saṃtaptaṃ śiraḥ pādau tathā eva ca
denn ihr [waren] erhitzt Kopf und Füße ebenso (Gen./Nom.)

sthitā sā tu muhūrtaṃ vai bhartuḥ śāpabhayāc chubhā; yayāv ānayituṃ bhūyaḥ sāyakān asitekṣaṇā; pratyājagāma ca śarāṃs tān ādāya yaśasvinī

Doch sie, die Schöne, blieb aus Furcht vor dem Fluch ihres Mannes nur einen Augenblick stehen; die Schwarzäugige ging wieder, die Pfeile zu holen, und die Ruhmreiche kam zurück, nachdem sie jene Pfeile genommen hatte.

Wort für Wort
sthitā sā tu muhūrtaṃ vai
stehend jedoch sie einen Augenblick (Part. Pass./Akk.)
bhartuḥ śāpabhayāt śubhā
aus Furcht vor dem Fluch des Gatten, die Schöne (Gen./Abl.)
yayau ānayitum bhūyaḥ sāyakān
ging, um wieder die Pfeile zu holen (3.Sg.Perf./Inf.)
asitekṣaṇā
die Schwarzäugige (Nom.)
pratyājagāma ca śarān tān ādāya
und kam zurück, jene Pfeile nehmend (3.Sg.Perf./Abs.)
yaśasvinī
die Ruhmreiche (Nom.)

sā prasvinnā sucārvaṅgī padbhyāṃ duḥkhaṃ niyacchatī; upājagāma bhartāraṃ bhayād bhartuḥ pravepatī

Schweißüberströmt, die Schönglieder, mit ihren Füßen Schmerz erduldend, kam sie, vor Furcht vor ihrem Gatten zitternd, zum Gatten.

Wort für Wort
sā prasvinnā sucārvaṅgī
sie, schweißnass, schöngliedrig (Nom.)
padbhyāṃ duḥkhaṃ niyacchatī
mit den Füßen Schmerz erleidend (Instr. Du./Part. Präs.)
upājagāma bhartāram
kam zum Gatten (3.Sg.Perf./Akk.)
bhayāt bhartuḥ pravepatī
aus Furcht vor dem Gatten zitternd (Abl./Part. Präs.)

sa tām ṛṣis tataḥ kruddho vākyam āha śubhānanām; reṇuke kiṃ cireṇa tvam āgateti punaḥ punaḥ

Da sprach der Ṛṣi zornig zu ihr, der Schönantlitzigen, wieder und wieder die Worte: „Reṇukā, warum bist du so spät gekommen?“

Wort für Wort
sa tām ṛṣiḥ tataḥ kruddhaḥ
er, der Seher, sie, dann zornig (Nom./Akk./Part.)
vākyam āha śubhānanām
sprach das Wort zu der Schönantlitzigen (Akk./3.Sg.Perf.)
reṇuke kiṃ cireṇa tvam
Reṇukā, warum nach langer Zeit du (Vok./Instr.)
āgatā iti punaḥ punaḥ
gekommen, so, immer wieder (Part. Pass./Adv.)

reṇukovāca; śiras tāvat pradīptaṃ me pādau caiva tapodhana; sūryatejoniruddhāhaṃ vṛkṣacchāyām upāśritā

Reṇukā sprach: „Mein Kopf war ganz erhitzt und auch meine Füße, o Asket; von der Glut der Sonne bedrängt, suchte ich den Schatten eines Baumes auf.

Wort für Wort
reṇukā uvāca
Reṇukā sprach (Perf.)
śiraḥ tāvat pradīptaṃ me
der Kopf zuerst war entflammt mir (Nom./Part.)
pādau ca eva tapodhana
und auch die Füße, o Reicher an Askese (Nom. Du./Vok.)
sūryatejoniruddhā ahaṃ
von der Sonnenglut aufgehalten, ich (Part. Pass./Nom.)
vṛkṣacchāyām upāśritā
des Baumes Schatten aufgesucht habend (Akk./Part. Pass.)

etasmāt kāraṇād brahmaṃś ciram etat kṛtaṃ mayā; etaj jñātvā mama vibho mā krudhas tvaṃ tapodhana

Aus diesem Grund, o Brahmane, habe ich so lange gebraucht; dies wissend, mein Herr, zürne nicht, du Reicher an Askese.“

Wort für Wort
etasmāt kāraṇāt brahman
aus diesem Grund, o Brahmane (Abl./Vok.)
ciram etat kṛtaṃ mayā
die Länge ist von mir bewirkt worden (Akk./Part. Pass./Instr.)
etat jñātvā mama vibho
dies erkannt habend, mein Herr (Abs./Vok.)
mā krudhaḥ tvaṃ tapodhana
zürne nicht du, Asket (Prohib./Nom./Vok.)

jamadagnir uvāca; adyainaṃ dīptakiraṇaṃ reṇuke tava duḥkhadam; śarair nipātayiṣyāmi sūryam astrāgnitejasā

Jamadagni sprach: „Noch heute, Reṇukā, werde ich ihn, der dir Leid bereitet, den Strahlenglühenden, mit Pfeilen niederstrecken, den Sūrya, durch die Glut meiner Feuerwaffe.“

Wort für Wort
jamadagniḥ uvāca
Jamadagni sprach (Perf.)
adya enam dīptakiraṇam
heute ihn, den mit glühenden Strahlen (Adv./Akk.)
reṇuke tava duḥkhadam
Reṇukā, dir Leid gebenden (Vok./Gen./Akk.)
śaraiḥ nipātayiṣyāmi
mit Pfeilen werde ich fällen (Instr./1.Sg.Fut. Kaus.)
sūryam astrāgnitejasā
die Sonne durch die Glut des Waffenfeuers (Akk./Instr.)

Zu astrāgnitejasā: „durch Glut/Kraft des Waffenfeuers“ oder „durch die Glut von Waffe und Feuer“.

bhīṣma uvāca; sa visphārya dhanur divyaṃ gṛhītvā ca bahūñ śarān; atiṣṭhat sūryam abhito yato yāti tatomukhaḥ

Bhīṣma sprach: Er spannte den göttlichen Bogen, nahm viele Pfeile und stellte sich der Sonne gegenüber auf, [mit dem Gesicht] dorthin gewandt, wohin sie zieht.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
sa visphārya dhanuḥ divyam
er, den göttlichen Bogen spannend (Abs./Akk.)
gṛhītvā ca bahūn śarān
und viele Pfeile nehmend (Abs./Akk. Pl.)
atiṣṭhat sūryam abhitaḥ
stand rings der Sonne gegenüber (3.Sg.Impf./Akk./Adv.)
yataḥ yāti tataḥmukhaḥ
wohin sie geht, dorthin das Gesicht gewandt (Adv./Nom.)

atha taṃ prahariṣyantaṃ sūryo 'bhyetya vaco 'bravīt; dvijarūpeṇa kaunteya kiṃ te sūryo 'parādhyate

Da trat Sūrya, als er ihn schießen wollte, in Gestalt eines Brahmanen heran und sprach die Worte: „Sohn Kuntīs, was hat dir die Sonne zuleide getan?“

Wort für Wort
atha tam prahariṣyantam
da ihn, der schlagen wollte (Akk./Part. Fut.)
sūryaḥ abhyetya vacaḥ abravīt
Sūrya, herantretend, sprach ein Wort (Nom./Abs./3.Sg.Impf.)
dvijarūpeṇa
in Brahmanengestalt (Instr.)
kaunteya
o Sohn Kuntīs (Vok.)
kiṃ te sūryaḥ aparādhyate
was tut dir die Sonne zuleide (Nom./Dat.-Gen./3.Sg.Präs.Pass.)

Die Anrede „Kaunteya“ an Jamadagni ist auffällig (Sohn der Kuntī); wohl formelhafte Anrede [?].

ādatte raśmibhiḥ sūryo divi vidvaṃs tatas tataḥ; rasaṃ sa taṃ vai varṣāsu pravarṣati divākaraḥ

„Mit [seinen] Strahlen nimmt Sūrya, o Wissender, am Himmel von überall her den Saft auf; diesen Saft lässt der Tagmacher in der Regenzeit herabregnen.

Wort für Wort
ādatte raśmibhiḥ sūryaḥ
nimmt auf mit Strahlen die Sonne (3.Sg.Präs.Med./Instr./Nom.)
divi vidvan tataḥ tataḥ
am Himmel, o Wissender, von da und dort (Lok./Vok./Adv.)
rasaṃ sa taṃ vai varṣāsu
den Saft, ebendiesen, in den Regenzeiten (Akk./Lok.)
pravarṣati divākaraḥ
regnet herab der Tagmacher (3.Sg.Präs./Nom.)

tato 'nnaṃ jāyate vipra manuṣyāṇāṃ sukhāvaham; annaṃ prāṇā iti yathā vedeṣu paripaṭhyate

Daraus entsteht, o Brahmane, die Nahrung, die den Menschen Wohlsein bringt; ‚Nahrung ist Lebenshauch‘, wie es in den Veden gelehrt wird.

Wort für Wort
tataḥ annaṃ jāyate vipra
daraus entsteht Nahrung, o Brahmane (Abl./Nom./Vok.)
manuṣyāṇāṃ sukhāvaham
den Menschen Wohl bringend (Gen. Pl./Nom.)
annaṃ prāṇāḥ iti
Nahrung [ist] Lebenshauch, so (Nom. Pl.)
yathā vedeṣu paripaṭhyate
wie in den Veden gelehrt wird (Lok./3.Sg.Präs.Pass.)

athābhreṣu nigūḍhaś ca raśmibhiḥ parivāritaḥ; sapta dvīpān imān brahman varṣeṇābhipravarṣati

Dann, in den Wolken verborgen und von Strahlen umgeben, überregnet er, o Brahmane, diese sieben Erdteile mit Regen.

Wort für Wort
atha abhreṣu nigūḍhaḥ ca
dann in den Wolken verborgen (Lok./Part. Pass.)
raśmibhiḥ parivāritaḥ
von Strahlen umgeben (Instr./Part. Pass.)
sapta dvīpān imān brahman
diese sieben Erdteile, o Brahmane (Akk. Pl./Vok.)
varṣeṇa abhipravarṣati
überregnet mit Regen (Instr./3.Sg.Präs.)

tatas tadauṣadhīnāṃ ca vīrudhāṃ patrapuṣpajam; sarvaṃ varṣābhinirvṛttam annaṃ saṃbhavati prabho

Dann entsteht, o Herr, aus den Pflanzen und Kräutern, aus Blatt und Blüte, all die durch den Regen hervorgebrachte Nahrung.

Wort für Wort
tataḥ tadā auṣadhīnāṃ ca vīrudhām
dann von den Pflanzen und Kräutern (Gen. Pl.)
patrapuṣpajam
aus Blatt und Blüte geboren (Akk./Nom. Sg.)
sarvaṃ varṣābhinirvṛttam
alles durch Regen entstanden (Nom./Part. Pass.)
annaṃ saṃbhavati prabho
Nahrung entsteht, o Herr (Nom./3.Sg.Präs./Vok.)

jātakarmāṇi sarvāṇi vratopanayanāni ca; godānāni vivāhāś ca tathā yajñasamṛddhayaḥ

Alle Geburtsriten, die Gelübde und Einweihungen, die Kuhgaben und Hochzeiten sowie die Vollendungen der Opfer …

Wort für Wort
jātakarmāṇi sarvāṇi
alle Geburtsriten (Nom. Pl.)
vratopanayanāni ca
und Gelübde und Einführungen (Nom. Pl.)
godānāni vivāhāḥ ca
Kuhgaben und Hochzeiten (Nom. Pl.)
tathā yajñasamṛddhayaḥ
ebenso Opfervollendungen (Nom. Pl.)

Satz setzt sich in 27 fort.

satrāṇi dānāni tathā saṃyogā vittasaṃcayāḥ; annataḥ saṃpravartante yathā tvaṃ vettha bhārgava

… Opfersitzungen und Gaben, ebenso Verbindungen und Vermögensansammlungen: aus der Nahrung gehen sie hervor, wie du, Bhārgava, weißt.

Wort für Wort
satrāṇi dānāni tathā
Opfersitzungen, Gaben ebenso (Nom. Pl.)
saṃyogāḥ vittasaṃcayāḥ
Verbindungen, Vermögensansammlungen (Nom. Pl.)
annataḥ saṃpravartante
aus der Nahrung gehen sie hervor (Abl./3.Pl.Präs.Med.)
yathā tvaṃ vettha bhārgava
wie du weißt, Bhārgava (2.Sg.Perf./Vok.)

ramaṇīyāni yāvanti yāvad ārambhakāṇi ca; sarvam annāt prabhavati viditaṃ kīrtayāmi te

Alles Erfreuliche, so viel es gibt, und alles, was Unternehmungen in Gang bringt: Alles entsteht aus Nahrung; Bekanntes sage ich dir.

Wort für Wort
ramaṇīyāni yāvanti
so viel Erfreuliches (Nom. Pl.)
yāvat ārambhakāṇi ca
und so viel Anfangendes/Unternehmungen Auslösendes (Nom. Pl.)
sarvam annāt prabhavati
alles entsteht aus Nahrung (Nom./Abl./3.Sg.Präs.)
viditaṃ kīrtayāmi te
Bekanntes sage ich dir (Part./1.Sg.Präs./Dat.)

yāvad ārambhakāṇi: Lesart „alles, was Unternehmungen anstößt“ [?].

sarvaṃ hi vettha vipra tvaṃ yad etat kīrtitaṃ mayā; prasādaye tvā viprarṣe kiṃ te sūryo nipātyate

Denn alles weißt du, Brahmane, was hier von mir dargelegt wurde. Ich besänftige dich, Brahmanen-Seher: Warum wird die Sonne von dir niedergestreckt?“

Wort für Wort
sarvaṃ hi vettha vipra tvam
denn alles weißt du, Brahmane (2.Sg.Perf./Vok.)
yat etat kīrtitaṃ mayā
was dies von mir gesagt wurde (Part. Pass./Instr.)
prasādaye tvā viprarṣe
ich besänftige dich, Brahmanen-Seher (1.Sg.Präs. Kaus./Akk./Vok.)
kiṃ te sūryaḥ nipātyate
warum wird von dir die Sonne gefällt (Gen.-Instr./Nom./3.Sg.Präs.Pass.)

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