Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Anuśāsanaparva

Kapitel 133: karmaphalavibhāgaḥ Umā und Maheśvara über den Lohn guter und schlechter Taten

Dialog zwischen Umā und Maheśvara (Śiva) über Taten und ihre Früchte: Freigebigkeit und Ehrerbietung führen zu Himmel und Wohlstand, Geiz, Hochmut und Gewalt zur Hölle und niedrigen Geburt; danach Fragen nach Klugheit, Blindheit, Krankheit und Unmännlichkeit.

umovāca; kiṃśīlāḥ kiṃsamācārāḥ puruṣāḥ kaiś ca karmabhiḥ; svargaṃ samabhipadyante saṃpradānena kena vā

Umā sprach: „Von welcher Wesensart und von welchem Wandel sind die Menschen, und durch welche Taten oder durch welche Gabe gelangen sie in den Himmel?“

Wort für Wort
umā uvāca
Umā sprach (3.Sg.Perf.)
kiṃśīlāḥ kiṃsamācārāḥ puruṣāḥ
von welcher Wesensart, von welchem Verhalten [sind] die Männer (Nom.Pl.)
kaiś ca karmabhiḥ
und durch welche Taten (Instr.Pl.)
svargaṃ samabhipadyante
sie gelangen zum Himmel (3.Pl.Präs.Med.)
saṃpradānena kena vā
oder durch welche Gabe (Instr.Sg.)

maheśvara uvāca; dātā brāhmaṇasatkartā dīnāndhakṛpaṇādiṣu; bhakṣyabhojyānnapānānāṃ vāsasāṃ ca pradāyakaḥ

Maheśvara sprach: „Ein Geber, der Brāhmaṇas ehrt [und] Armen, Blinden, Elenden und dergleichen Speisen, Getränke und Nahrung sowie Kleider gibt;

Wort für Wort
maheśvara uvāca
Maheśvara sprach (3.Sg.Perf.)
dātā brāhmaṇasatkartā
ein Geber, ein Ehrer der Brāhmaṇas (Nom.Sg.)
dīnāndhakṛpaṇādiṣu
unter Armen, Blinden, Elenden und anderen (Lok.Pl.)
bhakṣyabhojyānnapānānāṃ
von Kau- und Eßspeisen, Nahrung und Getränken (Gen.Pl.)
vāsasāṃ ca pradāyakaḥ
und von Kleidern, der Spender (Gen.Pl./Nom.Sg.)

pratiśrayān sabhāḥ kūpān prapāḥ puṣkariṇīs tathā; naityakāni ca sarvāṇi kim icchakam atīva ca

[der] Unterkünfte, Versammlungshallen, Brunnen, Trinkhütten und Lotusteiche [stiftet] und alle täglichen [Gaben gibt], was immer einer wünscht, und noch weit mehr;

Wort für Wort
pratiśrayān sabhāḥ kūpān
Unterkünfte, Hallen, Brunnen (Akk.Pl.)
prapāḥ puṣkariṇīs tathā
Trinkhütten und Lotusteiche ebenso (Akk.Pl.)
naityakāni ca sarvāṇi
und alles Tägliche (Akk.Pl.n.)
kim icchakam atīva ca
was immer ein Wünschender [begehrt], und darüber hinaus (Akk.Sg.n./Adv.)

Der Text von Pāda cd ist knapp und syntaktisch unklar; Wiedergabe sinngemäß.

āsanaṃ śayanaṃ yānaṃ dhanaṃ ratnaṃ gṛhāṃs tathā; sasyajātāni sarvāṇi gāḥ kṣetrāṇy atha yoṣitaḥ

Sitz, Lager, Fahrzeug, Vermögen, Juwelen und Häuser, alle Arten von Feldfrüchten, Kühe, Felder und auch Frauen –

Wort für Wort
āsanaṃ śayanaṃ yānaṃ
Sitz, Lager, Fahrzeug (Akk.Sg.n.)
dhanaṃ ratnaṃ gṛhāṃs tathā
Vermögen, Juwel und Häuser ebenso (Akk.)
sasyajātāni sarvāṇi
alle Arten von Feldfrüchten (Akk.Pl.n.)
gāḥ kṣetrāṇy atha yoṣitaḥ
Kühe, Felder und Frauen (Akk.Pl.)

supratītamanā nityaṃ yaḥ prayacchati mānavaḥ; evaṃbhūto mṛto devi devaloke 'bhijāyate

[wer] dies [alles] stets frohen Herzens gibt, ein solcher Mensch wird, wenn er gestorben ist, o Göttin, in der Welt der Götter geboren.

Wort für Wort
supratītamanā nityaṃ
frohen Sinnes, stets (Nom.Sg./Adv.)
yaḥ prayacchati mānavaḥ
welcher Mensch gibt (3.Sg.Präs.)
evaṃbhūto mṛto devi
so beschaffen, gestorben, o Göttin (Nom.Sg./Vok.)
devaloke ’bhijāyate
in der Götterwelt wird er geboren (Lok./3.Sg.Präs.Med.)

tatroṣya suciraṃ kālaṃ bhuktvā bhogān anuttamān; sahāpsarobhir mudito ramitvā nandanādiṣu

Dort weilt er sehr lange Zeit, genießt unübertreffliche Genüsse, vergnügt sich froh mit Apsaras in Nandana und anderen [Gärten],

Wort für Wort
tatroṣya suciraṃ kālaṃ
dort geweilt habend, sehr lange Zeit (Abs./Akk.)
bhuktvā bhogān anuttamān
genossen habend unübertreffliche Genüsse (Abs./Akk.Pl.)
sahāpsarobhir mudito
mit Apsaras, erfreut (Instr.Pl./Nom.Sg.)
ramitvā nandanādiṣu
sich vergnügt habend in Nandana und anderen (Abs./Lok.Pl.)

tasmāt svargāc cyuto lokān mānuṣeṣūpajāyate; mahābhoge kule devi dhanadhānyasamācite

[und] wird, aus jenem Himmel herabgefallen, unter den Menschen geboren, o Göttin, in einer Familie von großem Wohlstand, die mit Besitz und Getreide angefüllt ist.

Wort für Wort
tasmāt svargāc cyuto
aus diesem Himmel herabgefallen (Abl./Nom.Sg.)
lokān mānuṣeṣūpajāyate
[aus] den Welten unter den Menschen wird er geboren (Abl./Lok.Pl./3.Sg.Präs.Med.)
mahābhoge kule devi
in einer Familie mit großem Genuß, o Göttin (Lok.Sg./Vok.)
dhanadhānyasamācite
mit Vermögen und Getreide angehäuft (Lok.Sg.)

Pāda b (lokān mānuṣeṣu) im Text etwas holprig; Wiedergabe sinngemäß.

tatra kāmaguṇaiḥ sarvaiḥ samupeto mudā yutaḥ; mahābhogo mahākośo dhanī bhavati mānavaḥ

Dort ist der Mensch mit allen Sinnesfreuden ausgestattet und von Freude erfüllt, [er wird] reich an Genüssen, mit großem Schatz, ein Vermögender.

Wort für Wort
tatra kāmaguṇaiḥ sarvaiḥ
dort mit allen Sinnesfreuden (Instr.Pl.)
samupeto mudā yutaḥ
ausgestattet, mit Freude verbunden (Nom.Sg.)
mahābhogo mahākośo
mit großem Genuß, mit großem Schatz (Nom.Sg.)
dhanī bhavati mānavaḥ
ein Vermögender wird der Mensch (Nom.Sg./3.Sg.Präs.)

ete devi mahābhogāḥ prāṇino dānaśīlinaḥ; brahmaṇā vai purā proktāḥ sarvasya priyadarśanāḥ

Dies, o Göttin, sind die Wesen von großem Wohlstand, die der Freigebigkeit ergeben sind; sie wurden einst von Brahmā verkündet und sind allen lieb anzusehen.

Wort für Wort
ete devi mahābhogāḥ
diese, o Göttin, [sind] die mit großem Wohlstand (Nom.Pl./Vok.)
prāṇino dānaśīlinaḥ
die Wesen, der Gabe zugeneigt (Nom.Pl.)
brahmaṇā vai purā proktāḥ
von Brahmā wahrlich einst verkündet (Instr./Part.Pass.Nom.Pl.)
sarvasya priyadarśanāḥ
für alle lieblich anzuschauen (Gen.Sg./Nom.Pl.)

apare mānavā devi pradānakṛpaṇā dvijaiḥ; yācitā na prayacchanti vidyamāne 'py abuddhayaḥ

Andere Menschen aber, o Göttin, sind im Geben knauserig; von Brāhmaṇas gebeten, geben sie nicht, obwohl sie [es] haben, die Unverständigen.

Wort für Wort
apare mānavā devi
andere Menschen, o Göttin (Nom.Pl./Vok.)
pradānakṛpaṇā dvijaiḥ
im Geben knauserig, von den Zweimalgeborenen (Nom.Pl./Instr.Pl.)
yācitā na prayacchanti
gebeten geben sie nicht (Part.Pass./3.Pl.Präs.)
vidyamāne ’py abuddhayaḥ
obwohl [es] vorhanden ist, die Unverständigen (Lok.abs./Nom.Pl.)

dīnāndhakṛpaṇān dṛṣṭvā bhikṣukān atithīn api; yācyamānā nivartante jihvālobhasamanvitāḥ

Wenn sie Arme, Blinde, Elende, Bettler und auch Gäste sehen, weichen sie, darum angegangen, aus, von der Gier der Zunge beherrscht.

Wort für Wort
dīnāndhakṛpaṇān dṛṣṭvā
Arme, Blinde, Elende gesehen habend (Akk.Pl./Abs.)
bhikṣukān atithīn api
Bettler und auch Gäste (Akk.Pl.)
yācyamānā nivartante
angebettelt wenden sie sich ab (Part.Pass.Nom.Pl./3.Pl.Präs.Med.)
jihvālobhasamanvitāḥ
mit Zungengier behaftet (Nom.Pl.)

na dhanāni na vāsāṃsi na bhogān na ca kāñcanam; na gāvo nānnavikṛtiṃ prayacchanti kadā cana

Weder Reichtum noch Kleider, weder Genüsse noch Gold, weder Kühe noch eine Speisezubereitung geben sie jemals.

Wort für Wort
na dhanāni na vāsāṃsi
nicht Vermögen, nicht Kleider (Akk.Pl.n.)
na bhogān na ca kāñcanam
nicht Genüsse und nicht Gold (Akk.)
na gāvo nānnavikṛtiṃ
nicht Kühe, nicht Speisezubereitung (Akk.Pl./Akk.Sg.)
prayacchanti kadā cana
sie geben jemals (3.Pl.Präs.)

Im Text steht na gāvaḥ (Nom.) neben Akkusativen; als Akk. verstanden.

apravṛttās tu ye lubdhā nāstikā dānavarjitāḥ; evaṃbhūtā narā devi nirayaṃ yānty abuddhayaḥ

Die aber untätig, gierig, Leugner [und] der Gabe bar sind – solche Menschen, o Göttin, gehen, die Unverständigen, in die Hölle.

Wort für Wort
apravṛttās tu ye lubdhā
die aber untätig, gierig sind (Nom.Pl.)
nāstikā dānavarjitāḥ
Leugner, der Gabe ledig (Nom.Pl.)
evaṃbhūtā narā devi
so beschaffene Männer, o Göttin (Nom.Pl./Vok.)
nirayaṃ yānty abuddhayaḥ
gehen in die Hölle, die Unverständigen (Akk./3.Pl.Präs./Nom.Pl.)

te cen manuṣyatāṃ yānti yadā kālasya paryayāt; dhanarikte kule janma labhante svalpabuddhayaḥ

Wenn sie durch den Umlauf der Zeit zur Menschheit gelangen, erhalten sie, die Geringverständigen, Geburt in einer Familie, die arm an Vermögen ist.

Wort für Wort
te cen manuṣyatāṃ yānti
wenn sie zur Menschheit gelangen (Nom.Pl./3.Pl.Präs.)
yadā kālasya paryayāt
wenn, infolge des Umlaufs der Zeit (Abl.Sg.)
dhanarikte kule janma
in einer vermögensleeren Familie Geburt (Lok.Sg./Akk.Sg.)
labhante svalpabuddhayaḥ
erlangen die Geringverständigen (3.Pl.Präs.Med./Nom.Pl.)

kṣutpipāsāparītāś ca sarvabhogabahiṣkṛtāḥ; nirāśāḥ sarvabhogebhyo jīvanty adhamajīvikām

Von Hunger und Durst geplagt, von allen Genüssen ausgeschlossen, ohne Hoffnung auf alle Genüsse, fristen sie ein elendes Leben.

Wort für Wort
kṣutpipāsāparītāś ca
und von Hunger und Durst heimgesucht (Nom.Pl.)
sarvabhogabahiṣkṛtāḥ
von allen Genüssen ausgeschlossen (Nom.Pl.)
nirāśāḥ sarvabhogebhyo
hoffnungslos auf alle Genüsse (Nom.Pl./Abl.Pl.)
jīvanty adhamajīvikām
sie leben ein niedriges Leben (3.Pl.Präs./Akk.Sg.)

alpabhogakule jātā alpabhogaratā narāḥ; anena karmaṇā devi bhavanty adhanino narāḥ

In Familien mit geringem Genuß geboren, an geringem Genuß hängend – durch diese Tat, o Göttin, werden Menschen zu Besitzlosen.

Wort für Wort
alpabhogakule jātā
in einer Familie mit geringem Genuß geboren (Lok./Nom.Pl.)
alpabhogaratā narāḥ
an geringem Genuß sich erfreuend, die Männer (Nom.Pl.)
anena karmaṇā devi
durch diese Tat, o Göttin (Instr.Sg./Vok.)
bhavanty adhanino narāḥ
werden Besitzlose, die Männer (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)

apare stambhino nityaṃ māninaḥ pāpato ratāḥ; āsanārhasya ye pīṭhaṃ na prayacchanty acetasaḥ

Andere sind stets starr, dünkelhaft, der Sünde ergeben; [sie sind] Unverständige, die dem, der einen Sitz verdient, keinen Sitz geben,

Wort für Wort
apare stambhino nityaṃ
andere, starr, stets (Nom.Pl./Adv.)
māninaḥ pāpato ratāḥ
stolz, an der Sünde hängend (Nom.Pl.)
āsanārhasya ye pīṭhaṃ
dem Sitzwürdigen, die einen Sitz (Gen.Sg./Akk.Sg.)
na prayacchanty acetasaḥ
nicht geben, die Unverständigen (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)

mārgārhasya ca ye mārgaṃ na yacchanty alpabuddhayaḥ; pādyārhasya ca ye pādyaṃ na dadaty alpabuddhayaḥ

die dem, der einen Weg verdient, den Weg nicht überlassen, die Geringverständigen, und die dem, der Fußwasser verdient, kein Fußwasser reichen, die Geringverständigen,

Wort für Wort
mārgārhasya ca ye mārgaṃ
und dem Wegwürdigen, die den Weg (Gen.Sg./Akk.Sg.)
na yacchanty alpabuddhayaḥ
nicht überlassen, die Geringverständigen (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)
pādyārhasya ca ye pādyaṃ
und dem Fußwasserwürdigen, die Fußwasser (Gen.Sg./Akk.Sg.)
na dadaty alpabuddhayaḥ
nicht geben, die Geringverständigen (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)

arghārhān na ca satkārair arcayanti yathāvidhi; arghyam ācamanīyaṃ vā na yacchanty alpabuddhayaḥ

die die Ehrengabe-Würdigen nicht mit Ehrungen nach der Vorschrift verehren und keine Ehrengabe und kein Mundspülwasser reichen, die Geringverständigen,

Wort für Wort
arghārhān na ca satkārair
die Ehrengabe-Würdigen nicht mit Ehrungen (Akk.Pl./Instr.Pl.)
arcayanti yathāvidhi
verehren sie nach der Vorschrift (3.Pl.Präs./Adv.)
arghyam ācamanīyaṃ vā
Ehrenwasser oder Mundspülwasser (Akk.Sg.n.)
na yacchanty alpabuddhayaḥ
nicht reichen sie, die Geringverständigen (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)

guruṃ cābhigataṃ premṇā guruvan na bubhūṣate; abhimānapravṛttena lobhena samavasthitāḥ

und die einen aus Zuneigung gekommenen Lehrer nicht wie einen Lehrer behandeln wollen, vielmehr von hochmütigem Antrieb und Gier beherrscht dastehen,

Wort für Wort
guruṃ cābhigataṃ premṇā
und den Lehrer, [der] aus Zuneigung gekommen ist (Akk.Sg./Part.Akk./Instr.Sg.)
guruvan na bubhūṣate
wie einen Lehrer nicht wollen sie [ihn behandeln] (Adv./Desid.3.Sg.)
abhimānapravṛttena lobhena
durch vom Hochmut getriebene Gier (Instr.Sg.)
samavasthitāḥ
beharrend (Part.Nom.Pl.)

bubhūṣate in Pāda b als 3.Sg. bei pluralischem Subjekt, wohl verderbt oder generisch; Wiedergabe sinngemäß [?].

saṃmānyāṃś cāvamanyante vṛddhān paribhavanti ca; evaṃvidhā narā devi sarve nirayagāminaḥ

und die Ehrwürdige mißachten und Älteste geringschätzen – solche Menschen, o Göttin, sind allesamt zur Hölle Bestimmte.

Wort für Wort
saṃmānyāṃś cāvamanyante
und Achtenswerte verachten sie (Akk.Pl./3.Pl.Präs.Med.)
vṛddhān paribhavanti ca
Älteste und übergehen sie (Akk.Pl./3.Pl.Präs.)
evaṃvidhā narā devi
so geartete Männer, o Göttin (Nom.Pl./Vok.)
sarve nirayagāminaḥ
alle zur Hölle gehend (Nom.Pl.)

te vai yadi narās tasmān nirayād uttaranti vai; varṣapūgais tato janma labhante kutsite kule

Wenn solche Menschen dann aus jener Hölle wieder heraufsteigen, erlangen sie nach Mengen von Jahren Geburt in einer verachteten Familie.

Wort für Wort
te vai yadi narās
diese Menschen, wenn (Nom.Pl.)
tasmān nirayād uttaranti vai
aus jener Hölle steigen sie hinauf (Abl./3.Pl.Präs.)
varṣapūgais tato
nach Scharen von Jahren, dann (Instr.Pl./Adv.)
janma labhante kutsite kule
Geburt erlangen sie in verachteter Familie (Akk.Sg./3.Pl./Lok.Sg.)

śvapākapulkasādīnāṃ kutsitānām acetasām; kuleṣu teṣu jāyante guruvṛddhāpacāyinaḥ

In den Familien der verachteten, unverständigen Śvapākas, Pulkasas und dergleichen werden sie geboren, die Lehrer und Älteste mißachten.

Wort für Wort
śvapākapulkasādīnāṃ
der Hundekocher, Pulkasas und dergleichen (Gen.Pl.)
kutsitānām acetasām
der Verachteten, Unverständigen (Gen.Pl.)
kuleṣu teṣu jāyante
in jenen Familien werden sie geboren (Lok.Pl./3.Pl.Präs.Med.)
guruvṛddhāpacāyinaḥ
Lehrer und Älteste Mißachtende (Nom.Pl.)

apacāyin eigentlich ‚Ehrende‘; hier nach dem Zusammenhang als ‚Mißachtende‘ gefaßt [?].

na stambhī na ca mānī yo devatādvijapūjakaḥ; lokapūjyo namaskartā praśrito madhuraṃ vadan

Wer nicht starr und nicht dünkelhaft ist, die Götter und Zweimalgeborenen verehrt, von der Welt verehrt wird, sich verneigt, bescheiden ist und lieblich spricht,

Wort für Wort
na stambhī na ca mānī yo
wer nicht starr und nicht stolz ist (Nom.Sg.)
devatādvijapūjakaḥ
Verehrer der Götter und Zweimalgeborenen (Nom.Sg.)
lokapūjyo namaskartā
von der Welt zu ehren, Grüßender (Nom.Sg.)
praśrito madhuraṃ vadan
bescheiden, lieblich redend (Nom.Sg./Part.Präs.)

sarvavarṇapriyakaraḥ sarvabhūtahitaḥ sadā; adveṣī sumukhaḥ ślakṣṇaḥ snigdhavāṇīpradaḥ sadā

der allen Ständen Liebes tut, stets den Wesen allen zum Wohl, ohne Haß, freundlichen Antlitzes, sanft, und stets freundliche Worte spendend,

Wort für Wort
sarvavarṇapriyakaraḥ
allen Ständen Liebes tuend (Nom.Sg.)
sarvabhūtahitaḥ sadā
allen Wesen heilsam, stets (Nom.Sg./Adv.)
adveṣī sumukhaḥ ślakṣṇaḥ
ohne Haß, freundlichen Gesichts, sanft (Nom.Sg.)
snigdhavāṇīpradaḥ sadā
liebevolle Rede gebend, stets (Nom.Sg./Adv.)

svāgatenaiva sarveṣāṃ bhūtānām avihiṃsakaḥ; yathārhasatkriyāpūrvam arcayann upatiṣṭhati

der durch bloßes Willkommen keinem der Wesen Gewalt antut und [jeden] nach vorheriger, dem Rang gemäßer Ehrung verehrend bedient,

Wort für Wort
svāgatenaiva sarveṣāṃ
allein durch Willkommen, allen (Instr.Sg./Gen.Pl.)
bhūtānām avihiṃsakaḥ
den Wesen nicht schädigend (Gen.Pl./Nom.Sg.)
yathārhasatkriyāpūrvam
mit vorausgehender angemessener Ehrung (Adv.)
arcayann upatiṣṭhati
verehrend wartet er auf (Part.Präs./3.Sg.Präs.)

mārgārhāya dadan mārgaṃ guruṃ guruvad arcayan; atithipragraharatas tathābhyāgatapūjakaḥ

dem Wegwürdigen den Weg gebend, den Lehrer wie einen Lehrer verehrend, dem Empfang des Gastes zugetan und den Angekommenen ehrend –

Wort für Wort
mārgārhāya dadan mārgaṃ
dem Wegwürdigen den Weg gebend (Dat.Sg./Part.Präs./Akk.Sg.)
guruṃ guruvad arcayan
den Lehrer wie einen Lehrer verehrend (Akk.Sg./Adv./Part.Präs.)
atithipragraharatas
an der Gastaufnahme sich erfreuend (Nom.Sg.)
tathābhyāgatapūjakaḥ
ebenso Verehrer des Angekommenen (Nom.Sg.)

evaṃbhūto naro devi svargatiṃ pratipadyate; tato mānuṣatāṃ prāpya viśiṣṭakulajo bhavet

ein solcher Mensch, o Göttin, erlangt den Weg zum Himmel; dann, zur Menschenwelt gelangt, wird er in einer ausgezeichneten Familie geboren.

Wort für Wort
evaṃbhūto naro devi
ein so beschaffener Mann, o Göttin (Nom.Sg./Vok.)
svargatiṃ pratipadyate
erlangt den Weg zum Himmel (Akk.Sg./3.Sg.Präs.Med.)
tato mānuṣatāṃ prāpya
danach, zur Menschheit gelangt (Adv./Abs.)
viśiṣṭakulajo bhavet
in vorzüglicher Familie geboren sei er (Nom.Sg./3.Sg.Opt.)

tatrāsau vipulair bhogaiḥ sarvaratnasamāyutaḥ; yathārhadātā cārheṣu dharmacaryāparo bhavet

Dort ist er mit reichen Genüssen und mit allen Juwelen versehen, ein den Würdigen angemessen Gebender, und der Pflege des Dharma ergeben.

Wort für Wort
tatrāsau vipulair bhogaiḥ
dort er mit reichen Genüssen (Instr.Pl.)
sarvaratnasamāyutaḥ
mit allen Juwelen ausgestattet (Nom.Sg.)
yathārhadātā cārheṣu
angemessen Gebender, und unter den Würdigen (Nom.Sg./Lok.Pl.)
dharmacaryāparo bhavet
der Dharma-Übung ergeben sei er (Nom.Sg./3.Sg.Opt.)

saṃmataḥ sarvabhūtānāṃ sarvalokanamaskṛtaḥ; svakarmaphalam āpnoti svayam eva naraḥ sadā

Von allen Wesen geachtet, von der ganzen Welt gegrüßt, erlangt der Mensch stets selbst die Frucht seines eigenen Tuns.

Wort für Wort
saṃmataḥ sarvabhūtānāṃ
geachtet von allen Wesen (Nom.Sg./Gen.Pl.)
sarvalokanamaskṛtaḥ
von aller Welt gegrüßt (Nom.Sg.)
svakarmaphalam āpnoti
die Frucht des eigenen Tuns erlangt er (Akk.Sg./3.Sg.Präs.)
svayam eva naraḥ sadā
selbst eben, der Mann, stets (Adv./Nom.Sg.)

udāttakulajātīya udāttābhijanaḥ sadā; eṣa dharmo mayā prokto vidhātrā svayam īritaḥ

Er ist stets von hoher Geburt und edler Herkunft. Dies ist der Dharma, von mir verkündet, vom Schöpfer selbst ausgesprochen.

Wort für Wort
udāttakulajātīya
von edler Familie und Art (Nom.Sg.)
udāttābhijanaḥ sadā
von edler Abstammung, stets (Nom.Sg./Adv.)
eṣa dharmo mayā proktaḥ
dies [ist] der Dharma, von mir verkündet (Nom.Sg./Instr./Part.Pass.)
vidhātrā svayam īritaḥ
vom Schöpfer selbst ausgesprochen (Instr.Sg./Adv./Part.Pass.)

yas tu raudrasamācāraḥ sarvasattvabhayaṃkaraḥ; hastābhyāṃ yadi vā padbhyāṃ rajjvā daṇḍena vā punaḥ

Wer aber ein grausames Verhalten hat, allen Lebewesen Furcht einflößt – mit den Händen oder auch mit den Füßen, mit einem Strick oder wiederum mit einem Stock,

Wort für Wort
yas tu raudrasamācāraḥ
wer aber grausamen Wandels (Nom.Sg.)
sarvasattvabhayaṃkaraḥ
allen Wesen Furcht machend (Nom.Sg.)
hastābhyāṃ yadi vā padbhyāṃ
mit beiden Händen oder mit den Füßen (Instr.Du./Instr.Pl.)
rajjvā daṇḍena vā punaḥ
mit einem Strick oder mit einem Stock wiederum (Instr.Sg.)

loṣṭaiḥ stambhair upāyair vā jantūn bādhati śobhane; hiṃsārthaṃ nikṛtiprajñaḥ prodvejayati caiva ha

mit Erdklumpen, Pfählen oder [anderen] Mitteln bedrängt er Lebewesen, du Schöne; zum Verletzen [sinnend], listenreich im Denken, jagt er [sie] auch in Schrecken.

Wort für Wort
loṣṭaiḥ stambhair upāyair vā
mit Erdklumpen, Pfählen oder Mitteln (Instr. Pl.)
jantūn bādhati
Lebewesen (Akk. Pl.) bedrängt er (3.Sg.Präs.)
śobhane
du Schöne (Vok. f.)
hiṃsārthaṃ
zum Zweck des Verletzens (Adv.)
nikṛtiprajñaḥ
wer im Denken auf Tücke sinnt (Nom. Sg. m., Kompositum)
prodvejayati caiva ha
und er erschreckt [sie] wahrlich (3.Sg.Kaus.Präs.)

upakrāmati jantūṃś ca udvegajananaḥ sadā; evaṃśīlasamācāro nirayaṃ pratipadyate

Und er stellt den Lebewesen nach, stets Schrecken erregend. Wer solche Wesensart und solches Betragen hat, gelangt in die Hölle.

Wort für Wort
upakrāmati jantūṃś ca
und er geht auf Lebewesen los (3.Sg.Präs.; Akk. Pl.)
udvegajananaḥ sadā
Schrecken erzeugend, stets (Nom. Sg. m.; Adv.)
evaṃśīlasamācāraḥ
wer solche Wesensart und solches Verhalten hat (Nom. Sg. m., Kompositum)
nirayaṃ pratipadyate
gelangt in die Hölle (Akk. Sg.; 3.Sg.Präs. Med.)

sa cen mānuṣatāṃ gacched yadi kālasya paryayāt; bahvābādhaparikliṣṭe so 'dhame jāyate kule

Sollte er, im Wandel der Zeit, doch zum Menschsein gelangen, so wird er in eine niedrige Familie geboren, die von vielen Leiden geplagt ist.

Wort für Wort
sa cen mānuṣatāṃ gacchet
wenn er zum Menschsein gelangte (Akk. f.; 3.Sg.Opt.)
yadi kālasya paryayāt
falls im Umlauf der Zeit (Abl. Sg.)
bahvābādhaparikliṣṭe
von vielen Bedrängnissen geplagt (Lok. Sg. n., Kompositum)
so 'dhame jāyate kule
er wird geboren in niedriger Familie (3.Sg.Präs. Med.; Lok. Sg.)

lokadveṣyo 'dhamaḥ puṃsāṃ svayaṃ karmakṛtaiḥ phalaiḥ; eṣa devi manuṣyeṣu boddhavyo jñātibandhuṣu

Er wird für die Welt verhasst, der Niedrigste unter den Männern, durch die Früchte seiner eigenen Taten. So ist er unter den Menschen, o Göttin, unter Verwandten und Sippengenossen zu erkennen.

Wort für Wort
lokadveṣyo 'dhamaḥ puṃsāṃ
der Welt verhasst, der Niedrigste der Männer (Nom. Sg. m.; Gen. Pl.)
svayaṃ karmakṛtaiḥ phalaiḥ
selbst durch die von seinen Taten bewirkten Früchte (Instr. Pl.)
eṣa devi
dieser, o Göttin (Nom.; Vok.)
manuṣyeṣu boddhavyaḥ
unter Menschen zu erkennen (Lok. Pl.; Gerundiv)
jñātibandhuṣu
unter Verwandten und Sippengenossen (Lok. Pl.)

aparaḥ sarvabhūtāni dayāvān anupaśyati; maitradṛṣṭiḥ pitṛsamo nirvairo niyatendriyaḥ

Ein anderer aber betrachtet alle Wesen mitleidvoll, freundlichen Blickes, wie ein Vater, ohne Feindschaft, mit gezügelten Sinnen.

Wort für Wort
aparaḥ
ein anderer (Nom. Sg. m.)
sarvabhūtāni dayāvān anupaśyati
alle Wesen mitleidsvoll betrachtet er (Akk. Pl.; Nom. Sg.; 3.Sg.Präs.)
maitradṛṣṭiḥ
freundlichen Blickes (Nom. Sg. m., Kompositum)
pitṛsamaḥ
einem Vater gleich (Nom. Sg. m.)
nirvairo niyatendriyaḥ
ohne Feindschaft, mit gebändigten Sinnen (Nom. Sg. m.)

nodvejayati bhūtāni na vihiṃsayate tathā; hastapādaiḥ suniyatair viśvāsyaḥ sarvajantuṣu

Er versetzt die Wesen nicht in Schrecken und verletzt sie ebenso nicht; mit wohlgezügelten Händen und Füßen ist er allen Lebewesen vertrauenswürdig.

Wort für Wort
nodvejayati bhūtāni
er erschreckt nicht die Wesen (3.Sg.Kaus.Präs.; Akk. Pl.)
na vihiṃsayate tathā
und verletzt nicht (3.Sg.Präs.; Adv.)
hastapādaiḥ suniyataiḥ
mit wohlgezügelten Händen und Füßen (Instr. Pl.)
viśvāsyaḥ
vertrauenswürdig (Nom. Sg. m., Gerundiv)
sarvajantuṣu
gegenüber allen Lebewesen (Lok. Pl.)

na rajjvā na ca daṇḍena na loṣṭair nāyudhena ca; udvejayati bhūtāni ślakṣṇakarmā dayāparaḥ

Nicht mit Strick, nicht mit Stock, nicht mit Erdklumpen und nicht mit Waffe erschreckt er die Wesen; sanft im Handeln, ganz dem Mitleid ergeben.

Wort für Wort
na rajjvā na ca daṇḍena
nicht mit Strick und nicht mit Stock (Instr. Sg.)
na loṣṭair nāyudhena ca
nicht mit Erdklumpen und nicht mit Waffe (Instr. Pl.; Instr. Sg.)
udvejayati bhūtāni
er erschreckt die Wesen (3.Sg.Kaus.Präs.; Akk. Pl.)
ślakṣṇakarmā
sanft im Handeln (Nom. Sg. m.)
dayāparaḥ
dem Mitleid ergeben (Nom. Sg. m.)

evaṃśīlasamācāraḥ svarge samupajāyate; tatrāsau bhavane divye mudā vasati devavat

Wer solche Wesensart und solches Betragen hat, wird im Himmel geboren; dort weilt er in einem göttlichen Palast, freudig, einem Gott gleich.

Wort für Wort
evaṃśīlasamācāraḥ
wer solche Wesensart und solches Verhalten hat (Nom. Sg. m.)
svarge samupajāyate
im Himmel wird er geboren (Lok. Sg.; 3.Sg.Präs. Med.)
tatrāsau bhavane divye
dort dieser in göttlichem Palast (Adv.; Nom.; Lok. Sg.)
mudā vasati devavat
freudig weilt er, gottgleich (Instr. Sg.; 3.Sg.Präs.; Adv.)

sa cet karmakṣayān martyo manuṣyeṣūpajāyate; alpābādho nirītīkaḥ sa jātaḥ sukham edhate

Wenn dieser Sterbliche nach dem Schwinden [seines] Karmas unter den Menschen geboren wird, so gedeiht er, als solcher geboren, glücklich, mit wenig Bedrängnis und frei von Plagen.

Wort für Wort
sa cet karmakṣayāt martyaḥ
wenn dieser Sterbliche nach Schwinden des Karmas (Abl. Sg.; Nom. Sg.)
manuṣyeṣūpajāyate
unter Menschen geboren wird (Lok. Pl.; 3.Sg.Präs. Med.)
alpābādho nirītīkaḥ
mit wenig Bedrängnis, frei von Plagen (Nom. Sg. m.)
sa jātaḥ sukham edhate
er, geboren, gedeiht glücklich (Part.Perf.Pass.; Adv.; 3.Sg.Präs. Med.)

sukhabhāgī nirāyāso nirudvegaḥ sadā naraḥ; eṣa devi satāṃ mārgo bādhā yatra na vidyate

Des Glücks teilhaftig, mühelos, stets frei von Schrecken ist dieser Mensch. Dies, o Göttin, ist der Weg der Guten, auf dem keine Bedrängnis besteht.

Wort für Wort
sukhabhāgī nirāyāsaḥ
des Glücks teilhaftig, mühelos (Nom. Sg. m.)
nirudvegaḥ sadā naraḥ
frei von Schrecken, stets, der Mann (Nom. Sg. m.; Adv.)
eṣa devi satāṃ mārgaḥ
dies, o Göttin, ist der Weg der Guten (Nom.; Vok.; Gen. Pl.; Nom. Sg.)
bādhā yatra na vidyate
wo Bedrängnis nicht besteht (Nom. Sg. f.; Adv.; 3.Sg.Pass.Präs.)

umovāca; ime manuṣyā dṛśyante ūhāpohaviśāradāḥ; jñānavijñānasaṃpannāḥ prajñāvanto 'rthakovidāḥ; duṣprajñāś cāpare deva jñānavijñānavarjitāḥ

Umā sprach: „Es sind diese Menschen zu sehen, die in Abwägen und Verwerfen [von Gründen] bewandert sind, mit Wissen und Erkenntnis ausgestattet, weise und in Sachfragen kundig; andere aber, o Gott, sind schwachen Verstandes, ohne Wissen und Erkenntnis.

Wort für Wort
umovāca
Umā sprach (3.Sg.Perf.)
ime manuṣyā dṛśyante
diese Menschen sind zu sehen (Nom. Pl.; 3.Pl.Pass.Präs.)
ūhāpohaviśāradāḥ
im Erwägen und Verwerfen bewandert (Nom. Pl. m., Kompositum)
jñānavijñānasaṃpannāḥ prajñāvanto 'rthakovidāḥ
mit Wissen und Erkenntnis begabt, weise, sachkundig (Nom. Pl. m.)
duṣprajñāś cāpare deva
und andere, schwachen Verstandes, o Gott (Nom. Pl.; Vok.)
jñānavijñānavarjitāḥ
ohne Wissen und Erkenntnis (Nom. Pl. m.)

Der Satz setzt sich in Vers 44 fort; die Rede Umās beginnt mit dem Anführungszeichen und endet erst in Vers 44.

kena karmavipākena prajñāvān puruṣo bhavet; alpaprajño virūpākṣa kathaṃ bhavati mānavaḥ; etaṃ me saṃśayaṃ chinddhi sarvadharmavidāṃ vara

Durch welche Reifung der Taten wird ein Mann verständig? Wie wird ein Mensch geringen Verstandes, o Virūpākṣa? Löse mir diesen Zweifel, du Bester unter den Kennern aller Dharmas.“

Wort für Wort
kena karmavipākena
durch welche Reifung der Taten (Instr. Sg.)
prajñāvān puruṣo bhavet
ein verständiger Mann würde (Nom. Sg.; 3.Sg.Opt.)
alpaprajño virūpākṣa
von geringem Verstand, o Virūpākṣa (Nom. Sg.; Vok.)
kathaṃ bhavati mānavaḥ
wie wird der Mensch (Adv.; 3.Sg.Präs.; Nom. Sg.)
etaṃ me saṃśayaṃ chinddhi
diesen meinen Zweifel zerschneide (Akk.; Imp. 2.Sg.)
sarvadharmavidāṃ vara
du Bester der Kenner aller Dharmas (Gen. Pl.; Vok.)

jātyandhāś cāpare deva rogārtāś cāpare tathā; narāḥ klībāś ca dṛśyante kāraṇaṃ brūhi tatra vai

„Andere, o Gott, sind von Geburt an blind, wieder andere von Krankheit geplagt, und Männer sind als Impotente zu sehen; nenne dafür den Grund.“

Wort für Wort
jātyandhāś cāpare deva
und andere von Geburt blind, o Gott (Nom. Pl.; Vok.)
rogārtāś cāpare tathā
und andere krankheitsgeplagt ebenso (Nom. Pl.)
narāḥ klībāś ca dṛśyante
und Männer als Impotente werden gesehen (Nom. Pl.; 3.Pl.Pass.Präs.)
kāraṇaṃ brūhi tatra vai
den Grund nenne dafür wahrlich (Akk.; Imp. 2.Sg.)

maheśvara uvāca; brāhmaṇān vedaviduṣaḥ siddhān dharmavidas tathā; paripṛcchanty aharahaḥ kuśalākuśalaṃ tathā

Maheśvara sprach: „Diejenigen, die Brāhmaṇas, Veda-Kundige, Vollendete und Kenner des Dharma Tag für Tag nach Gutem und Schlechtem befragen,

Wort für Wort
maheśvara uvāca
Maheśvara sprach (3.Sg.Perf.)
brāhmaṇān vedaviduṣaḥ
Brāhmaṇas, Veda-Kundige (Akk. Pl.)
siddhān dharmavidas tathā
Vollendete und Dharma-Kenner (Akk. Pl.)
paripṛcchanty aharahaḥ
befragen Tag für Tag (3.Pl.Präs.; Adv.)
kuśalākuśalaṃ tathā
Gutes und Schlechtes (Akk. Sg. n.)

Satz setzt sich in Vers 47 fort.

varjayanty aśubhaṃ karma sevamānāḥ śubhaṃ tathā; labhante svargatiṃ nityam iha loke sukhaṃ tathā

die meiden das üble Werk und üben das gute; sie erlangen stets einen Weg in den Himmel und hier in der Welt Glück.

Wort für Wort
varjayanty aśubhaṃ karma
sie meiden das üble Werk (3.Pl.Kaus.Präs.; Akk.)
sevamānāḥ śubhaṃ tathā
und das Gute pflegend (Part.Präs. Med. Nom. Pl.; Akk.)
labhante svargatiṃ nityam
sie erlangen den Weg in den Himmel stets (3.Pl.Präs. Med.; Akk.; Adv.)
iha loke sukhaṃ tathā
und hier in der Welt Glück (Lok. Sg.; Akk.)

sa cen mānuṣatāṃ yāti medhāvī tatra jāyate; śrutaṃ prajñānugaṃ cāsya kalyāṇam upajāyate

Wenn ein solcher zum Menschsein gelangt, wird er dort als Einsichtiger geboren; und Gelehrsamkeit, die dem Verstand folgt, stellt sich bei ihm als Heilvolles ein.

Wort für Wort
sa cen mānuṣatāṃ yāti
wenn er zum Menschsein gelangt (Akk. f.; 3.Sg.Präs.)
medhāvī tatra jāyate
als Einsichtiger wird er dort geboren (Nom. Sg.; 3.Sg.Präs. Med.)
śrutaṃ prajñānugaṃ cāsya
und das Gelernte, dem Verstand folgend, bei ihm (Nom. Sg. n.; Gen.)
kalyāṇam upajāyate
als Heilvolles entsteht (Nom. Sg. n.; 3.Sg.Präs. Med.)

paradāreṣu ye mūḍhāś cakṣur duṣṭaṃ prayuñjate; tena duṣṭasvabhāvena jātyandhās te bhavanti ha

Jene Törichten, die bei fremden Frauen einen bösen Blick richten, werden wahrlich durch diese böse Wesensart von Geburt an blind.

Wort für Wort
paradāreṣu ye mūḍhāḥ
die bei fremden Frauen Törichten (Lok. Pl.; Nom. Pl.)
cakṣur duṣṭaṃ prayuñjate
den bösen Blick richten (Akk. Sg. n.; 3.Pl.Präs. Med.)
tena duṣṭasvabhāvena
durch diese böse Wesensart (Instr. Sg.)
jātyandhās te bhavanti ha
von Geburt an blind werden jene wahrlich (Nom. Pl.; 3.Pl.Präs.)

manasā tu praduṣṭena nagnāṃ paśyanti ye striyam; rogārtās te bhavantīha narā duṣkṛtakarmiṇaḥ

Wer aber mit verdorbenem Sinn eine nackte Frau ansieht, diese Männer, üble Täter, werden hier krankheitsgeplagt.

Wort für Wort
manasā tu praduṣṭena
aber mit verdorbenem Sinn (Instr. Sg.)
nagnāṃ paśyanti ye striyam
die eine nackte Frau ansehen (Akk. Sg. f.; 3.Pl.Präs.; Akk.)
rogārtās te bhavantīha
krankheitsgeplagt werden jene hier (Nom. Pl.; 3.Pl.Präs.)
narā duṣkṛtakarmiṇaḥ
Männer, übler Taten (Nom. Pl.)

ye tu mūḍhā durācārā viyonau maithune ratāḥ; puruṣeṣu suduṣprajñāḥ klībatvam upayānti te

Die aber, die töricht und von schlechtem Wandel sind und am Beischlaf in einer [dafür] nicht bestimmten Öffnung Gefallen finden, unter Männern äußerst unverständig, die gelangen zur Impotenz.

Wort für Wort
ye tu mūḍhā durācārāḥ
die aber Törichten, von schlechtem Wandel (Nom. Pl.)
viyonau maithune ratāḥ
am Beischlaf in einer falschen Öffnung erfreut (Lok. Sg.; Lok. Sg.; Nom. Pl.)
puruṣeṣu suduṣprajñāḥ
unter Männern äußerst unverständig (Lok. Pl.; Nom. Pl.)
klībatvam upayānti te
Impotenz erreichen sie (Akk. Sg. n.; 3.Pl.Präs.)

viyonau: wörtlich „in einer falschen Öffnung (Schoß)“; die Deutung als widernatürlicher Verkehr ist naheliegend, aber nicht ausdrücklich gesagt.

paśūṃś ca ye bandhayanti ye caiva gurutalpagāḥ; prakīrṇamaithunā ye ca klībā jāyanti te narāḥ

Und die, die Tiere fesseln, und die, die das Lager des Lehrers besteigen, und die, die wahllos Beischlaf treiben: diese Männer werden als Impotente geboren.

Wort für Wort
paśūṃś ca ye bandhayanti
und die, die Tiere fesseln (Akk. Pl.; 3.Pl.Kaus.Präs.)
ye caiva gurutalpagāḥ
und die, die das Lager des Lehrers besteigen (Nom. Pl.)
prakīrṇamaithunā ye ca
und die, die wahllos Beischlaf haben (Nom. Pl.)
klībā jāyanti te narāḥ
als Impotente werden jene Männer geboren (Nom. Pl.; 3.Pl.Präs. Med.)

umovāca; sāvadyaṃ kiṃ nu vai karma niravadyaṃ tathaiva ca; śreyaḥ kurvann avāpnoti mānavo devasattama

Umā sprach: „Welches Werk ist denn tadelnswert und ebenso untadelig, bei dessen Tun der Mensch das Heil erlangt, o Bester der Götter?“

Wort für Wort
umovāca
Umā sprach (3.Sg.Perf.)
sāvadyaṃ kiṃ nu vai karma
welches Werk ist tadelnswert (Nom. Sg. n.)
niravadyaṃ tathaiva ca
und ebenso untadelig (Nom. Sg. n.)
śreyaḥ kurvann avāpnoti
das Heil erlangt, [es] tuend (Akk.; Part.Präs.; 3.Sg.Präs.)
mānavo devasattama
der Mensch, o Bester der Götter (Nom.; Vok.)

maheśvara uvāca; śreyāṃsaṃ mārgam ātiṣṭhan sadā yaḥ pṛcchate dvijān; dharmānveṣī guṇākāṅkṣī sa svargaṃ samupāśnute

Maheśvara sprach: „Wer stets den besseren Weg betritt und die Zweimalgeborenen befragt, nach Dharma suchend, Vorzüge begehrend, der gewinnt den Himmel.

Wort für Wort
maheśvara uvāca
Maheśvara sprach (3.Sg.Perf.)
śreyāṃsaṃ mārgam ātiṣṭhan
den besseren Weg betretend (Akk. Sg.; Part.Präs.)
sadā yaḥ pṛcchate dvijān
wer stets die Zweimalgeborenen befragt (Adv.; 3.Sg.Präs. Med.; Akk. Pl.)
dharmānveṣī guṇākāṅkṣī
nach Dharma suchend, nach Vorzügen strebend (Nom. Sg. m.)
sa svargaṃ samupāśnute
der erlangt den Himmel (Akk.; 3.Sg.Präs. Med.)

yadi mānuṣatāṃ devi kadā cit sa nigacchati; medhāvī dhāraṇāyuktaḥ prājñas tatrābhijāyate

Wenn er, o Göttin, irgendwann zum Menschsein kommt, wird er dort als Einsichtiger, mit Gedächtniskraft begabt, als Kluger geboren.

Wort für Wort
yadi mānuṣatāṃ devi
wenn zum Menschsein, o Göttin (Akk. f.; Vok.)
kadā cit sa nigacchati
irgendwann er kommt (Adv.; 3.Sg.Präs.)
medhāvī dhāraṇāyuktaḥ
einsichtig, mit Merkkraft begabt (Nom. Sg. m.)
prājñas tatrābhijāyate
als Kluger dort wird er geboren (Nom. Sg.; Adv.; 3.Sg.Präs. Med.)

eṣa devi satāṃ dharmo mantavyo bhūtikārakaḥ; nṛṇāṃ hitārthāya tava mayā vai samudāhṛtaḥ

Dies, o Göttin, ist der Dharma der Guten, als Mehrer des Gedeihens anzusehen; zum Nutzen der Menschen wurde er von mir dir wahrlich verkündet.

Wort für Wort
eṣa devi satāṃ dharmaḥ
dies, o Göttin, ist der Dharma der Guten (Nom.; Vok.; Gen. Pl.)
mantavyo bhūtikārakaḥ
ist anzusehen als Gedeihen bewirkend (Gerundiv; Nom. Sg. m.)
nṛṇāṃ hitārthāya
zum Nutzen der Menschen (Gen. Pl.; Dat. Sg.)
tava mayā vai samudāhṛtaḥ
dir von mir wahrlich verkündet (Gen./Dat.; Instr.; Part.Perf.Pass.)

umovāca; apare svalpavijñānā dharmavidveṣiṇo narāḥ; brāhmaṇān vedaviduṣo necchanti parisarpitum

Umā sprach: „Andere Menschen wieder, von geringem Wissen, dem Dharma abgeneigt, wollen nicht zu Brāhmaṇas, den Veda-Kundigen, hingehen [um sie aufzusuchen].

Wort für Wort
umovāca
Umā sprach (3.Sg.Perf.)
apare svalpavijñānāḥ
andere von geringem Wissen (Nom. Pl. m.)
dharmavidveṣiṇo narāḥ
dem Dharma feindlich gesinnte Männer (Nom. Pl.)
brāhmaṇān vedaviduṣaḥ
zu Brāhmaṇas, Veda-Kundigen (Akk. Pl.)
necchanti parisarpitum
wollen nicht aufsuchen (3.Pl.Präs.; Inf.)

Der Satz setzt sich in Vers 58–59 fort.

vratavanto narāḥ ke cic chraddhādamaparāyaṇāḥ; avratā bhraṣṭaniyamās tathānye rākṣasopamāḥ

Manche Männer halten Gelübde und sind ganz auf Glauben und Selbstbeherrschung gerichtet; andere aber sind ohne Gelübde, haben die Observanzen aufgegeben, und wieder andere gleichen Rākṣasas;

Wort für Wort
vratavanto narāḥ ke cit
gelübdetreue Männer, manche (Nom. Pl.)
śraddhādamaparāyaṇāḥ
auf Glauben und Selbstzucht ausgerichtet (Nom. Pl. m., Kompositum)
avratā bhraṣṭaniyamāḥ
ohne Gelübde, mit aufgegebenen Regeln (Nom. Pl. m.)
tathānye rākṣasopamāḥ
und andere den Rākṣasas gleich (Nom. Pl.)

yajvānaś ca tathaivānye nirhomāś ca tathāpare; kena karmavipākena bhavantīha vadasva me

wieder andere sind Opferer, und wieder andere ohne Feueropfer: durch welche Reifung der Taten werden sie hier so? Sage es mir.“

Wort für Wort
yajvānaś ca tathaivānye
und Opferer, und ebenso andere (Nom. Pl.)
nirhomāś ca tathāpare
und ohne Feueropfer, und wieder andere (Nom. Pl.)
kena karmavipākena
durch welche Reifung der Taten (Instr. Sg.)
bhavantīha vadasva me
werden sie hier, sage mir (3.Pl.Präs.; Imp. Med.; Dat.)

maheśvara uvāca; āgamāl lokadharmāṇāṃ maryādāḥ pūrvanirmitāḥ; prāmāṇyenānuvartante dṛśyante hi dṛḍhavratāḥ

Maheśvara sprach: „Aus der Überlieferung [stammen] die Schranken der weltlichen Normen, die in alter Zeit festgesetzt wurden; sie werden als maßgebend befolgt, und man sieht [Menschen] von festen Gelübden.

Wort für Wort
maheśvara uvāca
Maheśvara sprach (3.Sg.Perf.)
āgamāl lokadharmāṇāṃ
aus der Überlieferung, der weltlichen Normen (Abl. Sg.; Gen. Pl.)
maryādāḥ pūrvanirmitāḥ
Schranken, vorzeitig festgesetzt (Nom. Pl.; Part.Perf.Pass.)
prāmāṇyenānuvartante
werden als maßgebend befolgt (Instr. Sg.; 3.Pl.Präs. Med.)
dṛśyante hi dṛḍhavratāḥ
man sieht ja [Menschen] festen Gelübdes (3.Pl.Pass.Präs.; Nom. Pl.)

Die Deutung von lokadharmāṇām maryādāḥ ist unsicher; āgamāt kann auch „auf Grund der Überlieferung“ heißen.

adharmaṃ dharmam ity āhur ye ca mohavaśaṃ gatāḥ; avratā naṣṭamaryādās te proktā brahmarākṣasāḥ

Die, die Adharma „Dharma“ nennen und der Verblendung verfallen sind, ohne Gelübde und ohne Wahrung der Schranken, werden Brahma-Rākṣasas genannt.

Wort für Wort
adharmaṃ dharmam ity āhuḥ
Adharma „Dharma“ nennen sie (Akk.; 3.Pl.Perf.)
ye ca mohavaśaṃ gatāḥ
und die, die in die Gewalt der Verblendung geraten sind (Nom. Pl.; Part.Perf.)
avratā naṣṭamaryādāḥ
ohne Gelübde, mit verlorenen Schranken (Nom. Pl. m.)
te proktā brahmarākṣasāḥ
diese werden Brahma-Rākṣasas genannt (Part.Perf.Pass.; Nom. Pl.)

te cet kālakṛtodyogāt saṃbhavantīha mānuṣāḥ; nirhomā nirvaṣaṭkārās te bhavanti narādhamāḥ

Wenn diese durch das von der Zeit bewirkte Streben hier als Menschen entstehen, werden sie ohne Feueropfer und ohne Vaṣaṭ-Ruf, die niedrigsten unter den Männern.

Wort für Wort
te cet kālakṛtodyogāt
wenn jene durch das von der Zeit bewirkte Streben [?] (Abl. Sg.)
saṃbhavantīha mānuṣāḥ
hier als Menschen entstehen (3.Pl.Präs.; Nom. Pl.)
nirhomā nirvaṣaṭkārāḥ
ohne Feueropfer, ohne Vaṣaṭ-Ruf (Nom. Pl. m.)
te bhavanti narādhamāḥ
sie werden die niedrigsten der Männer (3.Pl.Präs.; Nom. Pl.)

kālakṛtodyogāt: Deutung unsicher; wörtlich „aus dem von der Zeit gemachten Streben“ [?].

eṣa devi mayā sarvaḥ saṃśayacchedanāya te; kuśalākuśalo nṝṇāṃ vyākhyāto dharmasāgaraḥ

Dies alles, o Göttin, wurde von mir, um deinen Zweifel zu zerschneiden, dargelegt: das Meer des Dharma, [das] Gutes und Schlechtes der Menschen [umfasst].“

Wort für Wort
eṣa devi mayā sarvaḥ
dies alles, o Göttin, von mir (Nom.; Vok.; Instr.)
saṃśayacchedanāya te
zum Zerschneiden deines Zweifels (Dat. Sg.; Gen.)
kuśalākuśalo nṝṇāṃ
Gutes und Schlechtes der Menschen (Nom. Sg. m.; Gen. Pl.)
vyākhyāto dharmasāgaraḥ
dargelegt, das Meer des Dharma (Part.Perf.Pass.; Nom. Sg.)

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