Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Anuśāsanaparva

Kapitel 68: gobhūmivāgdānaprasaṃsā Preis der Kuh-, Land- und Wissensgabe; wem man Kühe schenken soll

Yudhiṣṭhira fragt nach der Landschenkung; Bhīṣma stellt Kuh, Erde und Sarasvatī (Rede/Wissen) als gleichwertige Gaben zusammen und geht dann auf den Umgang mit Kühen, würdige Empfänger und den Frevel des Raubes von Brāhmaṇa-Gut ein.

yudhiṣṭhira uvāca; bhūya eva kuruśreṣṭha dānānāṃ vidhim uttamam; kathayasva mahāprājña bhūmidānaṃ viśeṣataḥ

Yudhiṣṭhira sprach: „Noch einmal, bester der Kurus, [erkläre] die höchste Regel der Gaben; berichte, du sehr Weiser, insbesondere über die Landschenkung.“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf. 3.Sg.)
bhūya eva kuruśreṣṭha
noch einmal, o Bester der Kurus (Vok.)
dānānāṃ vidhim uttamam
die höchste Regel der Gaben (Akk./Gen.Pl.)
kathayasva mahāprājña
berichte, o sehr Weiser (Imp. Med. 2.Sg./Vok.)
bhūmidānaṃ viśeṣataḥ
die Landschenkung, insbesondere (Akk./Adv.)

pṛthivīṃ kṣatriyo dadyād brāhmaṇas tāṃ svakarmaṇā; vidhivat pratigṛhṇīyān na tv anyo dātum arhati

„Die Erde soll ein Kṣatriya schenken; ein Brāhmaṇa soll sie gemäß seinem [Standes]werk regelgerecht annehmen; ein anderer aber ist nicht geeignet, [sie] zu schenken.“

Wort für Wort
pṛthivīṃ kṣatriyo dadyāt
die Erde soll ein Kṣatriya schenken (Akk./Nom./Opt. 3.Sg.)
brāhmaṇas tāṃ svakarmaṇā
ein Brāhmaṇa sie [nehmen] gemäß eigenem Werk (Nom./Akk./Instr.)
vidhivat pratigṛhṇīyāt
regelgerecht soll er annehmen (Adv./Opt. 3.Sg.)
na tv anyo dātum arhati
kein anderer aber ist geeignet zu schenken (Nom./Inf./Präs. 3.Sg.)

sarvavarṇais tu yac chakyaṃ pradātuṃ phalakāṅkṣibhiḥ; vede vā yat samāmnātaṃ tan me vyākhyātum arhasi

„Was aber von allen Ständen, die nach Lohn verlangen, geschenkt werden kann, oder was im Veda überliefert ist, das sollst du mir darlegen.“

Wort für Wort
sarvavarṇais tu yac chakyam
was aber von allen Ständen möglich ist (Instr.Pl./Nom.n.)
pradātuṃ phalakāṅkṣibhiḥ
zu schenken, von den nach Lohn Verlangenden (Inf./Instr.Pl.)
vede vā yat samāmnātam
oder was im Veda überliefert ist (Lok./Part.Pass.)
tan me vyākhyātum arhasi
das sollst du mir darlegen (Inf./Dat./Präs. 2.Sg.)

bhīṣma uvāca; tulyanāmāni deyāni trīṇi tulyaphalāni ca; sarvakāmaphalānīha gāvaḥ pṛthvī sarasvatī

Bhīṣma sprach: „Drei gleichnamige Dinge sind zu schenken, und [sie sind] von gleichem Lohn; sie haben hier die Erfüllung aller Wünsche zum Lohn: Kühe, Erde und Sarasvatī.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
tulyanāmāni deyāni trīṇi
gleichnamig, zu schenken, drei (Nom.n.Pl./Gerundiv/Num.)
tulyaphalāni ca
und von gleichem Lohn (Nom.n.Pl.)
sarvakāmaphalāni iha
mit Erfüllung aller Wünsche als Lohn, hier (Nom.n.Pl./Adv.)
gāvaḥ pṛthvī sarasvatī
Kühe, Erde, Sarasvatī [Rede] (Nom.Pl./Nom.Sg.)

Gleichnamig: go „Kuh/Erde/Rede“; pṛthvī = Erde; sarasvatī hier als heilige Rede/Wissen.

yo brūyāc cāpi śiṣyāya dharmyāṃ brāhmīṃ sarasvatīm; pṛthivīgopradānābhyāṃ sa tulyaṃ phalam aśnute

„Und wer seinem Schüler die rechtmäßige, brahmanische Rede [den Veda] lehrt, der erlangt einen gleichen Lohn wie durch das Schenken von Erde und Kuh.“

Wort für Wort
yo brūyāc cāpi śiṣyāya
und wer auch dem Schüler sagen [lehren] sollte (Rel./Opt./Dat.)
dharmyāṃ brāhmīṃ sarasvatīm
die rechtmäßige brahmanische Rede (Akk.f.)
pṛthivīgopradānābhyām
durch die Schenkungen von Erde und Kuh (Instr.Du.)
sa tulyaṃ phalam aśnute
der erlangt gleichen Lohn (Nom./Akk./Präs. Med. 3.Sg.)

tathaiva gāḥ praśaṃsanti na ca deyaṃ tataḥ param; saṃnikṛṣṭaphalās tā hi laghvarthāś ca yudhiṣṭhira; mātaraḥ sarvabhūtānāṃ gāvaḥ sarvasukhapradāḥ

„Ebenso preisen sie die Kühe, und darüber hinaus ist nichts zu schenken; denn diese haben unmittelbar nahen Lohn und sind von geringem Aufwand, Yudhiṣṭhira. Die Kühe sind die Mütter aller Wesen und Spender jeglichen Glücks.“

Wort für Wort
tathaiva gāḥ praśaṃsanti
ebenso preisen sie die Kühe (Adv./Akk.Pl./Präs. 3.Pl.)
na ca deyaṃ tataḥ param
und nichts Weiteres ist zu schenken darüber hinaus (Gerundiv/Adv.)
saṃnikṛṣṭaphalās tā hi
denn diese haben nahen Lohn (Nom.f.Pl.)
laghvarthāś ca yudhiṣṭhira
und sind von geringem Aufwand, o Yudhiṣṭhira (Nom.Pl./Vok.)
mātaraḥ sarvabhūtānām
Mütter aller Wesen (Nom.Pl./Gen.Pl.)
gāvaḥ sarvasukhapradāḥ
die Kühe, Geberinnen alles Glücks (Nom.Pl.)

vṛddhim ākāṅkṣatā nityaṃ gāvaḥ kāryāḥ pradakṣiṇāḥ

„Wer beständig Gedeihen wünscht, soll die Kühe [zu seiner Rechten] umschreiten.“

Wort für Wort
vṛddhim ākāṅkṣatā nityam
von dem, der Gedeihen wünscht, stets (Akk./Instr.Part./Adv.)
gāvaḥ kāryāḥ pradakṣiṇāḥ
Kühe sind zu machen [als] rechts zu umgehende (Nom.Pl./Gerundiv/Nom.Pl.)

saṃtāḍyā na tu pādena gavāṃ madhye ca na vrajet

„Man soll [sie] nicht mit dem Fuß schlagen und soll nicht mitten durch die Kühe hindurchgehen.“

Wort für Wort
saṃtāḍyā na tu pādena
zu schlagen nicht aber mit dem Fuß (Gerundiv/Instr.)
gavāṃ madhye ca na vrajet
und inmitten der Kühe soll man nicht gehen (Gen.Pl./Lok./Opt.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

maṅgalāyatanaṃ devyas tasmāt pūjyāḥ sadaiva hi

„Denn als göttliche Stätten des Heils sind sie stets zu verehren.“

Wort für Wort
maṅgalāyatanaṃ devyaḥ
Stätten des Heils, Göttinnen (Nom.n./Nom.f.Pl.)
tasmāt pūjyāḥ
deshalb zu verehren (Abl./Gerundiv Pl.)
sadaiva hi
stets ja (Adv./Part.)

pracodanaṃ devakṛtaṃ gavāṃ karmasu vartatām; pūrvam evākṣaraṃ nānyad abhidheyaṃ kathaṃ cana

„Das von den Göttern gemachte Antreiben [durch Zuruf] gilt für die Kühe bei den Verrichtungen; das erste Wort [Silbe] allein, nichts anderes ist in irgendeiner Weise zu sagen.“

Wort für Wort
pracodanaṃ devakṛtam
der von den Göttern gemachte Antrieb (Nom.n.)
gavāṃ karmasu vartatām
für die Kühe bei den Arbeiten Wirkenden (Gen.Pl./Lok.Pl./Part. Gen.)
pūrvam evākṣaram
nur die erste Silbe [Wort] (Akk./Nom.n.)
nānyad abhidheyam
nichts anderes ist zu sagen (Gerundiv)
kathaṃ cana
in keiner Weise (Adv.)

Text unsicher: vartatām und akṣaram (Silbe/Wort) schwierig; gemeint wohl, dass beim Antreiben der Kühe nur ein bestimmter Zuruf, nicht anderes gesagt werden soll.

pracāre vā nipāne vā budho nodvejayeta gāḥ; tṛṣitā hy abhivīkṣantyo naraṃ hanyuḥ sabāndhavam

„Weder beim Weiden noch an der Tränke soll ein Weiser die Kühe beunruhigen; denn durstig blickend würden sie den Menschen samt seinen Verwandten töten.“

Wort für Wort
pracāre vā nipāne vā
auf der Weide oder an der Tränke (Lok.)
budho nodvejayeta gāḥ
der Weise soll nicht beunruhigen die Kühe (Nom./Opt. Kaus.)
tṛṣitā hy abhivīkṣantyaḥ
denn durstig blickend (Nom.f.Pl./Part.)
naraṃ hanyuḥ sabāndhavam
würden den Menschen samt Verwandten töten (Akk./Opt. 3.Pl.)

pitṛsadmāni satataṃ devatāyatanāni ca; pūyante śakṛtā yāsāṃ pūtaṃ kim adhikaṃ tataḥ

„Die Ahnenhäuser und die Götterstätten werden beständig durch ihren Dung gereinigt; was ist dann reiner als sie?“

Wort für Wort
pitṛsadmāni satatam
Ahnenhäuser, beständig (Nom.n.Pl./Adv.)
devatāyatanāni ca
und Göttertempel (Nom.n.Pl.)
pūyante śakṛtā yāsām
werden gereinigt durch den Dung derer (Präs. Pass. 3.Pl./Instr./Rel. Gen.)
pūtaṃ kim adhikaṃ tataḥ
was Reineres ist mehr als das (Nom.n./Interrog./Abl.)

grāsamuṣṭiṃ paragave dadyāt saṃvatsaraṃ tu yaḥ; akṛtvā svayam āhāraṃ vrataṃ tat sārvakāmikam

„Wer ein Jahr lang einer fremden Kuh eine Handvoll Futter gibt, ohne zuvor selbst zu essen, dessen Gelübde ist eines, das alle Wünsche erfüllt.“

Wort für Wort
grāsamuṣṭiṃ paragave dadyāt
eine Handvoll Futter einer fremden Kuh soll geben (Akk./Dat./Opt.)
saṃvatsaraṃ tu yaḥ
ein Jahr lang aber wer (Akk./Rel.)
akṛtvā svayam āhāram
ohne selbst Nahrung zu nehmen (Abs./Adv./Akk.)
vrataṃ tat sārvakāmikam
das ist ein Gelübde, alle Wünsche erfüllend (Nom.n.)

akṛtvā āhāram wörtlich „ohne die Mahlzeit gemacht zu haben“ (d. h. vor dem eigenen Essen).

sa hi putrān yaśorthaṃ ca śriyaṃ cāpy adhigacchati; nāśayaty aśubhaṃ caiva duḥsvapnaṃ ca vyapohati

„Der erlangt Söhne, Ruhm und Glück; er vernichtet Unheil und vertreibt den bösen Traum.“

Wort für Wort
sa hi putrān yaśo 'rtham ca
der erlangt Söhne, Ruhm und Gewinn (Nom./Akk.Pl./Akk.)
śriyaṃ cāpy adhigacchati
und auch Glück erlangt er (Akk./Präs. 3.Sg.)
nāśayaty aśubhaṃ caiva
und vernichtet Unheil (Kaus. Präs./Akk.)
duḥsvapnaṃ ca vyapohati
und vertreibt den bösen Traum (Akk./Präs.)

yaśorthaṃ: Lesart unsicher (yaśas + artha „Ruhm und Gewinn“ oder yaśo ’rthaṃ).

yudhiṣṭhira uvāca; deyāḥ kiṃlakṣaṇā gāvaḥ kāś cāpi parivarjayet; kīdṛśāya pradātavyā na deyāḥ kīdṛśāya ca

Yudhiṣṭhira sprach: „Welche Kennzeichen müssen die Kühe haben, die zu schenken sind, und welche soll man meiden? Wem sind sie zu geben, und wem sind sie nicht zu geben?“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach
deyāḥ kiṃlakṣaṇā gāvaḥ
zu schenkende Kühe, von welchem Merkmal (Gerundiv Nom.Pl./Nom.Pl.)
kāś cāpi parivarjayet
und welche soll man auch meiden (Interrog./Opt.)
kīdṛśāya pradātavyā
wem, von welcher Art, sind sie zu geben (Dat./Gerundiv)
na deyāḥ kīdṛśāya ca
und wem nicht zu geben (Gerundiv/Dat.)

bhīṣma uvāca; asadvṛttāya pāpāya lubdhāyānṛtavādine; havyakavyavyapetāya na deyā gauḥ kathaṃ cana

Bhīṣma sprach: „Einem Menschen von schlechtem Wandel, einem Sünder, einem Gierigen, einem Lügner, einem, der von Opfer für Götter und Ahnen [havya, kavya] abgekommen ist, darf man keinesfalls eine Kuh schenken.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
asadvṛttāya pāpāya
einem Übelwandler, einem Sünder (Dat.)
lubdhāyānṛtavādine
einem Gierigen, einem Lügner (Dat.)
havyakavyavyapetāya
einem von Götter- und Ahnenopfer Abgewichenen (Dat.)
na deyā gauḥ kathaṃ cana
nicht zu geben ist eine Kuh in keiner Weise (Gerundiv/Nom.)

bhikṣave bahuputrāya śrotriyāyāhitāgnaye; dattvā daśagavāṃ dātā lokān āpnoty anuttamān

„Einem Bettler, einem [Mann] mit vielen Söhnen, einem Śrotriya, einem, der das Feuer angelegt hat: wer diesen zehn Kühe gibt, der Geber erlangt höchste Welten.“

Wort für Wort
bhikṣave bahuputrāya
einem Bettler, einem Vielsöhnigen (Dat.)
śrotriyāyāhitāgnaye
einem Veda-Kundigen, einem Feueranleger (Dat.)
dattvā daśagavāṃ dātā
nachdem er zehn Kühe gegeben hat, der Geber (Abs./Akk./Nom.)
lokān āpnoty anuttamān
erlangt unübertreffliche Welten (Akk.Pl./Präs.)

Bei daśagavām: Zehnzahl von Kühen; der Text ist elliptisch.

yaṃ caiva dharmaṃ kurute tasya puṇyaphalaṃ ca yat

„Und welche Pflicht [Dharma] er auch ausübt und was daraus an Verdienstlohn entsteht, ...“

Wort für Wort
yaṃ caiva dharmaṃ kurute
und welche Pflicht er auch übt (Akk./Präs. Med.)
tasya puṇyaphalaṃ ca yat
und dessen Verdienstlohn, der (Gen./Nom.)

Der Satz wird in Einheit 20 fortgesetzt.

juhoti yad bhojayati yad dadāti gavāṃ rasaiḥ

„... [was] er opfert, [wen] er speist, was er gibt, mit den Erzeugnissen der Kühe [Milch usw.] ...“

Wort für Wort
juhoti yad bhojayati
was er opfert, was er speisen lässt (Präs.)
yad dadāti
was er gibt (Präs.)
gavāṃ rasaiḥ
mit den Säften der Kühe (Gen.Pl./Instr.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Kurze Zusatzzeile, syntaktisch locker; Sinn: mit Milchprodukten geopfert, gespeist, gegeben.

sarvasyaivāṃśabhāg dātā tannimittaṃ pravṛttayaḥ

„... an allem hat der Geber einen Anteil; seinetwegen geschehen die Unternehmungen [des Beschenkten].“

Wort für Wort
sarvasyaivāṃśabhāg dātā
an allem ist der Geber Anteilhaber (Gen./Nom.)
tannimittaṃ pravṛttayaḥ
deswegen [sind] die Tätigkeiten (Nom.Pl.)

arthasya daśabhāg dātā tan nivṛttapravṛttaye

„Der Geber hat einen Zehntel-Anteil am Gewinn, zum Fortbestehen von dessen Tun und Lassen.“

Wort für Wort
arthasya daśabhāg dātā
des Gewinns Zehntel-Anteilhaber der Geber (Gen./Nom.)
tan nivṛttapravṛttaye
für dessen Ruhen und Wirken (Dat.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Text unklar [?]; Deutung unsicher.

yaś cainam utpādayati yaś cainaṃ trāyate bhayāt; yaś cāsya kurute vṛttiṃ sarve te pitaras trayaḥ

„Wer ihn zeugt, wer ihn vor Furcht rettet und wer ihm den Lebensunterhalt verschafft: diese alle sind seine drei Väter.“

Wort für Wort
yaś cainam utpādayati
und wer ihn erzeugt (Rel./Akk./Präs. Kaus.)
yaś cainaṃ trāyate bhayāt
und wer ihn vor Furcht rettet (Präs. Med./Abl.)
yaś cāsya kurute vṛttim
und wer ihm den Lebensunterhalt schafft (Gen./Präs. Med./Akk.)
sarve te pitaras trayaḥ
alle diese [sind] drei Väter (Nom.Pl.)

kalmaṣaṃ guruśuśrūṣā hanti māno mahad yaśaḥ; aputratāṃ trayaḥ putrā avṛttiṃ daśa dhenavaḥ

„Die Verehrung der Lehrer vernichtet Schuld, Stolz vernichtet großen Ruhm; drei Söhne [beheben] die Kinderlosigkeit, zehn Kühe die Unterhaltslosigkeit.“

Wort für Wort
kalmaṣaṃ guruśuśrūṣā hanti
Schuld vernichtet Lehrerdienst (Akk./Nom./Präs.)
māno mahad yaśaḥ
Stolz [vernichtet] großen Ruhm (Nom./Akk.)
aputratāṃ trayaḥ putrāḥ
Kinderlosigkeit [beheben] drei Söhne (Akk./Nom.Pl.)
avṛttiṃ daśa dhenavaḥ
Unterhaltslosigkeit [beheben] zehn Milchkühe (Akk./Nom.Pl.)

hanti ist aus dem ersten Glied zu ergänzen; zweiter Halbvers elliptisch.

vedāntaniṣṭhasya bahuśrutasya; prajñānatṛptasya jitendriyasya; śiṣṭasya dāntasya yatasya caiva; bhūteṣu nityaṃ priyavādinaś ca

„Einem, der im Vedānta gefestigt ist, sehr gelehrt, am Wissen gesättigt, die Sinne bezwungen, dem Gesitteten, Gezähmten, Beherrschten und stets Freundlich-Redenden zu den Wesen ...“

Wort für Wort
vedāntaniṣṭhasya bahuśrutasya
dem im Vedānta Gefestigten, dem Vielgelehrten (Gen.)
prajñānatṛptasya jitendriyasya
dem am Wissen Gesättigten, dem Sinnenbezwinger (Gen.)
śiṣṭasya dāntasya yatasya caiva
dem Gesitteten, Gezähmten und Gezügelten (Gen.)
bhūteṣu nityaṃ priyavādinaś ca
und dem gegenüber den Wesen stets Freundlich-Redenden (Lok./Adv./Gen.)

Satz setzt sich in 25 fort (Genetivreihe; zu ergänzen: „soll man Unterhalt geben“).

yaḥ kṣudbhayād vai na vikarma kuryān; mṛdur dāntaś cātitheyaś ca nityam; vṛttiṃ viprāyātisṛjeta tasmai; yas tulyaśīlaś ca saputradāraḥ

„... und der aus Hunger und Furcht keine Untat begehen würde, sanft, gezähmt, stets gastfreundlich: einem solchen soll man den Lebensunterhalt zuwenden, und dem, der gleichen Charakters ist, samt Söhnen und Frau.“

Wort für Wort
yaḥ kṣudbhayād vai na vikarma kuryāt
der aus Hunger [und] Furcht wahrlich keine Untat täte (Abl./Opt.)
mṛdur dāntaś cātitheyaś ca nityam
sanft, gezähmt und stets gastfreundlich (Nom.)
vṛttiṃ viprāyātisṛjeta tasmai
Lebensunterhalt soll man dem Brāhmaṇa, ihm, zuwenden (Akk./Dat./Opt.)
yas tulyaśīlaś ca saputradāraḥ
und wer gleichen Charakters ist, samt Söhnen und Frau (Nom.)

Zeile 4 grammatisch unsicher [?]; Bezug auf den Empfänger wohl: der mit gleichem Wesen (wie die Genannten) samt Familie.

śubhe pātre ye guṇā gopradāne; tāvān doṣo brāhmaṇasvāpahāre; sarvāvasthaṃ brāhmaṇasvāpahāro; dārāś caiṣāṃ dūrato varjanīyāḥ

„Welche Vorzüge es beim Schenken einer Kuh an ein würdiges Gefäß gibt, ebenso groß ist der Fehler beim Rauben von Brāhmaṇa-Gut; in jedem Zustand ist das Rauben von Brāhmaṇa-Gut [zu meiden]; ihre Frauen sind von weitem zu meiden.“

Wort für Wort
śubhe pātre ye guṇā gopradāne
im edlen Gefäß, welche Vorzüge bei der Kuhschenkung (Lok./Rel.Nom./Lok.)
tāvān doṣo brāhmaṇasvāpahāre
so groß ist der Fehler beim Rauben von Brāhmaṇa-Gut (Nom./Lok.)
sarvāvasthaṃ brāhmaṇasvāpahāraḥ
in jedem Zustand [ist] Rauben von Brāhmaṇa-Gut [schlimm] (Adv./Nom.)
dārāś caiṣāṃ dūrato varjanīyāḥ
und deren Frauen sind von weitem zu meiden (Nom.Pl./Gen.Pl./Abl.-Adv./Gerundiv)

Der zweite Halbvers ist grammatisch elliptisch; der Sinn der letzten Zeile ist unsicher [?].

yudhiṣṭhira uvāca; brāhmaṇasvāpahāreṇa kiyān doṣo bhavaty uta; brāhmasvam ucyate kiṃ vā tan me brūhi pitāmaha

Yudhiṣṭhira sprach: „Wie groß wird der Fehler durch das Rauben von Brāhmaṇa-Gut? Oder was heißt ‚Brāhmaṇa-Gut‘? Das sage mir, Großvater.“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach
brāhmaṇasvāpahāreṇa
durch das Rauben von Brāhmaṇa-Gut (Instr.)
kiyān doṣo bhavaty uta
wie groß ist der Fehler (Nom./Präs.)
brāhmasvam ucyate kiṃ vā
oder was wird ‚Brāhmaṇa-Gut‘ genannt (Nom./Pass.)
tan me brūhi pitāmaha
das sage mir, Großvater (Imp./Vok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

vipradāre parahṛte viprasvanicaye tathā; paritrāyanti śaktās tu namas tebhyo mṛtās tu vā; na pālayanti nihatā ye tān vaivasvato yamaḥ; daṇḍayan bhartsayan nityaṃ nirayebhyo na muñcati; tathā gavāṃ paritrāṇe pīḍane ca śubhāśubhe; vipragoṣu viśeṣeṇa rakṣiteṣu gṛheṣu vā

„Wenn die Frau eines Brāhmaṇa entführt wird und wenn Brāhmaṇa-Gut geraubt wird: die es zu schützen vermögen, denen sei Verehrung, [ob sie leben] oder tot sind; die es aber nicht beschützen, wenn [Brāhmaṇas] erschlagen werden, die quält und schilt Vaivasvata Yama beständig mit Strafen und lässt sie nicht aus den Höllen los. Ebenso [gilt es] beim Schutz der Kühe, bei ihrer Bedrängnis, im Guten wie im Bösen; besonders wenn Brāhmaṇas und Kühe in den Häusern geschützt werden.“

Wort für Wort
vipradāre parahṛte
wenn die Frau eines Brāhmaṇa von anderen entführt ist (Lok. abs.)
viprasvanicaye tathā
und ebenso [wenn] Brāhmaṇa-Gut [geraubt] (Lok.)
paritrāyanti śaktās tu
die aber schützen, die Fähigen (3.Pl./Nom.Pl.)
namas tebhyo mṛtās tu vā
Verehrung ihnen, [ob] tot oder [lebend] (Nom./Dat.Pl./Nom.Pl.)
na pālayanti nihatā ye
die nicht schützen [wenn sie] erschlagen [werden], welche (Präs./Part.Pass./Rel.)
tān vaivasvato yamaḥ daṇḍayan bhartsayan
sie, Vaivasvata Yama, strafend, schmähend (Akk./Nom./Part.)
nityaṃ nirayebhyo na muñcati
beständig aus Höllen lässt er nicht los (Adv./Abl./Präs.)
tathā gavāṃ paritrāṇe pīḍane ca
ebenso beim Schutz der Kühe und bei der Bedrängnis (Lok.)
śubhāśubhe vipragoṣu viśeṣataḥ
im Guten und Bösen, bei Brāhmaṇas und Kühen besonders (Lok.)
rakṣiteṣu gṛheṣu vā
wenn sie geschützt sind, in den Häusern oder (Part. Lok./Lok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage, syntaktisch schwer zu ordnen; die Gliederung des Sinns ist unsicher [?] (nihatā/ mṛtās).

na mṛtaḥ svargam āpnoti putrapautrasamanvitaḥ

„Auch wer [sonst] Söhne und Enkel hat, erlangt nach dem Tod den Himmel nicht [wenn er dies versäumt].“

Wort für Wort
na mṛtaḥ svargam āpnoti
nicht erlangt der Gestorbene den Himmel (Nom./Akk./Präs.)
putrapautrasamanvitaḥ
mit Söhnen und Enkeln versehen (Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Kontext fehlt (Zusatzzeile); Ergänzung in Klammern ist Deutung.

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