Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Anuśāsanaparva

Kapitel 117: māṃsabhakṣaṇādoṣaguṇakathana Fleischessen und Fleischverzicht: Vorzüge der Gewaltlosigkeit und Mitleid mit allen Wesen

Yudhiṣṭhira fragt nach Vorzügen und Nachteilen des Fleischverzichts; Bhīṣma räumt den Reiz des Fleisches ein, preist aber Mitleid und Gewaltlosigkeit (ahiṃsā) als höchsten Dharma und nennt Ausnahmen für Opfer und Jagd der Kṣatriyas.

yudhiṣṭhira uvāca; ime vai mānavā loke bhṛśaṃ māṃsasya gṛddhinaḥ; visṛjya bhakṣān vividhān yathā rakṣogaṇās tathā

Yudhiṣṭhira sprach: „Diese Menschen in der Welt sind über die Maßen gierig nach Fleisch; die vielerlei [anderen] Speisen lassen sie beiseite [und verlangen danach] wie Scharen von Rakṣas.“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
ime vai mānavā loke
diese Menschen fürwahr in der Welt (Nom.Pl./Lok.)
bhṛśaṃ māṃsasya gṛddhinaḥ
überaus gierig nach Fleisch (Adv./Gen./Nom.Pl.)
visṛjya bhakṣān vividhān
vielerlei Speisen beiseitelassend (Abs./Akk.Pl.)
yathā rakṣogaṇās tathā
wie Rakṣas-Scharen, so [sind sie] (Nom.Pl.)

nāpūpān vividhākārāñ śākāni vividhāni ca; ṣāḍavān rasayogāṃś ca tathecchanti yathāmiṣam

Nicht Kuchen von mannigfacher Gestalt, nicht vielerlei Gemüse, nicht Ṣāḍava-Gerichte und Würzmischungen begehren sie so, wie sie Fleisch begehren.

Wort für Wort
na apūpān vividhākārān
nicht Kuchen von vielerlei Gestalt (Akk.Pl.)
śākāni vividhāni ca
und vielerlei Gemüse (Akk.Pl.)
ṣāḍavān rasayogān ca
Ṣāḍava-Speisen und Würzmischungen (Akk.Pl.)
tathā icchanti
so begehren sie (3.Pl.Präs.)
yathā āmiṣam
wie Fleisch (Akk.)

tatra me buddhir atraiva visarge parimuhyate; na manye rasataḥ kiṃ cin māṃsato 'stīha kiṃ cana

Darüber gerät mein Verstand gerade bei diesem Verzicht in Verwirrung; ich meine nicht, dass es hier dem Geschmack nach irgendetwas [Besseres] als Fleisch gäbe.

Wort für Wort
tatra me buddhiḥ
darüber (Lok.), mein Verstand (Gen./Nom.)
atra eva visarge
gerade bei diesem Verzicht (Lok.)
parimuhyate
gerät in Verwirrung (3.Sg.Pass./Med.Präs.)
na manye rasataḥ kiṃ cit
ich meine nicht, dem Geschmack nach etwas (1.Sg.Präs./Abl.-Adv.)
māṃsataḥ asti iha kiṃ cana
als Fleisch gibt es hier irgendetwas (Abl./3.Sg.Präs.)

tad icchāmi guṇāñ śrotuṃ māṃsasyābhakṣaṇe 'pi vā; bhakṣaṇe caiva ye doṣās tāṃś caiva puruṣarṣabha

Deshalb möchte ich die Vorzüge hören, die im Nichtessen von Fleisch liegen, und die Nachteile, die im Essen liegen, Stier unter den Männern.

Wort für Wort
tad icchāmi
deshalb wünsche ich (1.Sg.Präs.)
guṇān śrotum
die Vorzüge zu hören (Akk.Pl./Inf.)
māṃsasya abhakṣaṇe api vā
beim Nichtessen von Fleisch (Gen./Lok.)
bhakṣaṇe ca eva ye doṣāḥ
und beim Essen, welche Nachteile (Lok./Nom.Pl.)
tān ca eva puruṣarṣabha
die [will ich hören], Stier unter den Männern (Akk.Pl./Vok.)

sarvaṃ tattvena dharmajña yathāvad iha dharmataḥ; kiṃ vā bhakṣyam abhakṣyaṃ vā sarvam etad vadasva me

Sage mir dies alles der Wahrheit gemäß, Kenner des Dharma, genau und hier nach dem Dharma: was essbar ist oder nicht essbar, das alles sage mir.

Wort für Wort
sarvaṃ tattvena
alles der Wahrheit gemäß (Akk./Instr.)
dharmajña yathāvat
Kenner des Dharma, genau (Vok./Adv.)
iha dharmataḥ
hier nach dem Dharma (Adv.)
kiṃ vā bhakṣyam abhakṣyaṃ vā
was essbar oder nicht essbar (Nom.n.)
sarvam etad vadasva me
all dies sage mir (Imp.Med.2.Sg.)

yathaitad yādṛśaṃ caitad guṇā ye cāsya varjane; doṣā bhakṣayato ye ca tan me brūhi pitāmaha

Wie es sich damit verhält und von welcher Art es ist, welche Vorzüge im Meiden davon liegen und welche Nachteile dem entstehen, der es isst, das sage mir, Großvater.

Wort für Wort
yathā etad yādṛśaṃ ca etad
wie dies [sich verhält] und von welcher Art dies [ist]
guṇā ye ca asya varjane
und welche Vorzüge in seinem Meiden (Nom.Pl./Lok.)
doṣā bhakṣayato ye ca
und welche Nachteile dem Essenden (Nom.Pl./Gen.Part.)
tad me brūhi pitāmaha
das sage mir, Großvater (Imp.2.Sg./Vok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (nur in einem Teil der Handschriften).

bhīṣma uvāca; evam etan mahābāho yathā vadasi bhārata; na māṃsāt param atrānyad rasato vidyate bhuvi

Bhīṣma sprach: „So ist es, Starkarmiger, wie du sagst, Bhārata: Nichts anderes auf Erden ist dem Geschmack nach höher als Fleisch.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
evam etat mahābāho
so ist dies, Starkarmiger (Vok.)
yathā vadasi bhārata
wie du sagst, Bhārata (2.Sg.Präs./Vok.)
na māṃsāt param atra anyat
nichts Höheres als Fleisch hier sonst (Abl./Nom.n.)
rasato vidyate bhuvi
dem Geschmack nach gibt es auf Erden (Abl./3.Sg.Pass./Lok.)

kṣatakṣīṇābhitaptānāṃ grāmyadharmaratāś ca ye; adhvanā karśitānāṃ ca na māṃsād vidyate param

Für Verwundete, Entkräftete und von Hitze Gequälte, für die, die dem Geschlechtsleben ergeben sind, und für die vom Wandern Abgezehrten gibt es nichts Besseres als Fleisch.

Wort für Wort
kṣata-kṣīṇa-abhitaptānām
für Verwundete, Entkräftete, Erhitzte (Gen.Pl., Dvandva)
grāmyadharmaratāḥ ca ye
und die, die am Geschlechtsleben Freude haben (Nom.Pl.)
adhvanā karśitānām ca
und für die durch den Weg Abgezehrten (Instr./Gen.Pl.)
na māṃsāt vidyate param
es gibt nichts Besseres als Fleisch (Abl./3.Sg.Pass./Nom.n.)

grāmyadharma (eigentlich ‚dörfliche Pflicht‘) meint hier den Geschlechtsverkehr; abhitapta kann auch ‚fieberkrank‘ heißen.

sadyo vardhayati prāṇān puṣṭim agryāṃ dadāti ca

Es mehrt sogleich die Lebenskräfte und verleiht höchste Nahrhaftigkeit.

Wort für Wort
sadyaḥ vardhayati prāṇān
sogleich mehrt es die Lebenskräfte (Adv./3.Sg.Kaus./Akk.Pl.)
puṣṭim agryāṃ dadāti ca
und gibt höchste Kräftigung (Akk.f./3.Sg.Präs.)

nāśo bhakṣaṇadoṣasya dānam eva satāṃ matam; kṣudhitānāṃ dvijānāṃ ca sarveṣāṃ caiva jīvanam; dattvā bhavati pūtātmā śraddhayā lobhavarjitaḥ; śikṣayanti na yācante darśayantaḥ svamūrtibhiḥ; avastheyam adānasya mā bhūd evaṃ bhavān iti; dānādyaiḥ suśucir māṃsaṃ punar naiva sa bhakṣayet

Die Vernichtung der Schuld des Essens ist allein das Geben: das ist die Meinung der Guten. [Geben] für Hungernde und für Brahmanen, und der Lebensunterhalt für alle: Nachdem man gegeben hat, wird man reinen Wesens, im Glauben, frei von Gier. Sie lehren, sie bitten nicht, indem sie durch ihre eigenen Gestalten zeigen: ‚Dies ist der Zustand des Nichtgebens; möge es dir nicht so ergehen.‘ Durch Gaben und dergleichen wohlgereinigt, soll er nie wieder Fleisch essen.

Wort für Wort
nāśaḥ bhakṣaṇadoṣasya
Vernichtung der Schuld des Essens (Nom./Gen.)
dānam eva satāṃ matam
das Geben allein ist der Guten Meinung (Nom.n./Gen.Pl.)
kṣudhitānāṃ dvijānāṃ ca sarveṣāṃ ca eva jīvanam
für Hungernde und Brahmanen, und für alle Lebensunterhalt (Gen.Pl.)
dattvā bhavati pūtātmā
nach dem Geben wird man reinen Wesens (Abs./3.Sg.Präs./Nom.)
śraddhayā lobhavarjitaḥ
mit Glauben, gierefrei (Instr./Nom.)
śikṣayanti na yācante
sie lehren, bitten nicht (3.Pl.Präs.)
darśayantaḥ svamūrtibhiḥ
zeigend durch ihre eigenen Gestalten (Part.Nom.Pl./Instr.Pl.)
avasthā iyam adānasya mā bhūd evaṃ bhavān iti
dieser Zustand des Nichtgebens: möge es dir nicht so sein [?] (Nom./Gen./Prohib.)
dānādyaiḥ suśuciḥ māṃsaṃ punar na eva sa bhakṣayet
durch Gaben usw. wohlgereinigt soll er Fleisch nie wieder essen (Instr.Pl./Nom./Opt.3.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage, syntaktisch teils unklar; die Verse 4–5 (‚śikṣayanti … bhavān iti‘) sind schwierig und nur vorläufig gedeutet.

na bhakṣo 'bhyadhikaḥ kaś cin māṃsād asti paraṃtapa

Es gibt keine Speise, die dem Fleisch überlegen wäre, Bezwinger der Feinde.

Wort für Wort
na bhakṣaḥ abhyadhikaḥ kaś cit
keine Speise ist überlegen (Nom.)
māṃsāt asti
als Fleisch gibt es (Abl./3.Sg.Präs.)
paraṃtapa
Bezwinger der Feinde (Vok.)

vivarjane tu bahavo guṇāḥ kauravanandana; ye bhavanti manuṣyāṇāṃ tān me nigadataḥ śṛṇu

Im Meiden aber liegen viele Vorzüge, Wonne der Kauravas, die den Menschen entstehen; die höre von mir, der ich sie aufzähle.

Wort für Wort
vivarjane tu bahavaḥ guṇāḥ
im Meiden aber viele Vorzüge (Lok./Nom.Pl.)
kauravanandana
Wonne der Kauravas (Vok.)
ye bhavanti manuṣyāṇām
die den Menschen entstehen (3.Pl.Präs./Gen.Pl.)
tān me nigadataḥ śṛṇu
die höre von mir, der sie aufzählt (Imp.2.Sg./Part.Gen.)

svamāṃsaṃ paramāṃsair yo vivardhayitum icchati; nāsti kṣudrataras tasmān na nṛśaṃsataro naraḥ

Wer sein eigenes Fleisch durch das Fleisch anderer mehren will: einen Menschen, der erbärmlicher oder grausamer wäre als er, gibt es nicht.

Wort für Wort
sva-māṃsaṃ para-māṃsaiḥ yaḥ
wer sein eigenes Fleisch durch fremdes Fleisch (Akk./Instr.Pl.)
vivardhayitum icchati
zu mehren wünscht (Inf./3.Sg.Präs.)
na asti kṣudrataraḥ tasmāt
es gibt keinen Erbärmlicheren als ihn (Komp./Abl.)
na nṛśaṃsataraḥ naraḥ
keinen grausameren Menschen (Komp./Nom.)

na hi prāṇāt priyataraṃ loke kiṃ cana vidyate; tasmād dayāṃ naraḥ kuryād yathātmani tathā pare

Denn nichts in der Welt ist lieber als das Leben; darum soll der Mensch Mitleid üben, gegen andere so wie gegen sich selbst.

Wort für Wort
na hi prāṇāt priyataram
denn nichts Lieberes als das Leben (Abl./Komp.)
loke kiṃ cana vidyate
in der Welt gibt es irgendetwas (Lok./3.Sg.Pass.)
tasmāt dayāṃ naraḥ kuryāt
darum soll der Mensch Mitleid üben (Akk./Opt.3.Sg.)
yathā ātmani tathā pare
wie gegen sich, so gegen andere (Lok.)

śukrāc ca tāta saṃbhūtir māṃsasyeha na saṃśayaḥ; bhakṣaṇe tu mahān doṣo vadhena saha kalpate

Und aus dem Samen, Lieber, entsteht hier das Fleisch, ohne Zweifel; im Essen aber liegt eine große Schuld, die mit dem Töten einhergeht.

Wort für Wort
śukrāt ca tāta saṃbhūtiḥ
und aus dem Samen, Lieber, die Entstehung (Abl./Vok./Nom.)
māṃsasya iha na saṃśayaḥ
des Fleisches hier, kein Zweifel (Gen./Nom.)
bhakṣaṇe tu mahān doṣaḥ
im Essen aber große Schuld (Lok./Nom.)
vadhena saha kalpate
mit dem Töten zusammen entsteht/ist verbunden (Instr./3.Sg.Med.)

ahiṃsālakṣaṇo dharma iti vedavido viduḥ; yad ahiṃsraṃ bhavet karma tat kuryād ātmavān naraḥ

Der Dharma hat die Gewaltlosigkeit zum Kennzeichen, so wissen die Veda-Kundigen; welches Handeln gewaltfrei ist, das soll der selbstbeherrschte Mensch tun.

Wort für Wort
ahiṃsā-lakṣaṇaḥ dharmaḥ
der Dharma, dessen Kennzeichen Gewaltlosigkeit ist (Nom.)
iti vedavidaḥ viduḥ
so wissen die Veda-Kenner (3.Pl.Perf.)
yat ahiṃsraṃ bhavet karma
welches Handeln gewaltfrei sei (Opt.3.Sg.)
tat kuryāt ātmavān naraḥ
das soll der selbstbeherrschte Mensch tun (Opt.3.Sg./Nom.)

pitṛdaivatayajñeṣu prokṣitaṃ havir ucyate; vidhinā vedadṛṣṭena tad bhuktveha na duṣyati

Bei Opfern für Ahnen und Götter heißt die Opfergabe ‚besprengt‘; nach der im Veda gesehenen Regel wird man, wenn man sie hier gegessen hat, nicht befleckt.

Wort für Wort
pitṛ-daivata-yajñeṣu
bei Opfern für Ahnen und Götter (Lok.Pl.)
prokṣitaṃ haviḥ ucyate
besprengte Opfergabe heißt es (Part.Nom./Nom./3.Sg.Pass.)
vidhinā veda-dṛṣṭena
durch die im Veda gesehene Regel (Instr.)
tad bhuktvā iha na duṣyati
hat man das gegessen, wird man hier nicht befleckt (Abs./3.Sg.Präs.)

yajñārthe paśavaḥ sṛṣṭā ity api śrūyate śrutiḥ; ato 'nyathā pravṛttānāṃ rākṣaso vidhir ucyate

‚Für das Opfer sind die Tiere geschaffen‘: auch das wird als Offenbarung gehört; wer anders verfährt, dessen Verfahren heißt das der Rakṣas.

Wort für Wort
yajña-arthe paśavaḥ sṛṣṭāḥ
für das Opfer sind Tiere geschaffen (Lok./Nom.Pl./Part.)
iti api śrūyate śrutiḥ
so wird auch die Offenbarung gehört (3.Sg.Pass./Nom.)
ataḥ anyathā pravṛttānām
von denen, die anders als so handeln (Gen.Pl.Part.)
rākṣasaḥ vidhiḥ ucyate
die Regel der Rākṣasas heißt es (Nom./3.Sg.Pass.)

kṣatriyāṇāṃ tu yo dṛṣṭo vidhis tam api me śṛṇu; vīryeṇopārjitaṃ māṃsaṃ yathā khādan na duṣyati

Auch die Regel, die für die Kṣatriyas gesehen ist, höre von mir: [nämlich,] wie man durch Heldenkraft erworbenes Fleisch essen kann, ohne befleckt zu werden.

Wort für Wort
kṣatriyāṇāṃ tu yaḥ dṛṣṭaḥ vidhiḥ
die für die Kṣatriyas gesehene Regel (Gen.Pl./Nom.)
tam api me śṛṇu
auch die höre von mir (Akk./Imp.)
vīryeṇa upārjitaṃ māṃsam
durch Heldenkraft erworbenes Fleisch (Instr./Part.Akk.)
yathā khādan na duṣyati
wie man essend nicht befleckt wird (Part.Nom./3.Sg.)

āraṇyāḥ sarvadaivatyāḥ prokṣitāḥ sarvaśo mṛgāḥ; agastyena purā rājan mṛgayā yena pūjyate

Die Waldtiere sind alle den Göttern geweiht, ringsum besprengt, König; von Agastya wurde einst, König, [dies so bestimmt], wodurch die Jagd in Ehren gehalten wird.

Wort für Wort
āraṇyāḥ sarva-daivatyāḥ
die Waldtiere sind allen Göttern geweiht (Nom.Pl.)
prokṣitāḥ sarvaśaḥ mṛgāḥ
ringsum besprengt, die Tiere (Part./Adv./Nom.Pl.)
agastyena purā rājan
von Agastya einst, König (Instr./Adv./Vok.)
mṛgayā yena pūjyate
wodurch die Jagd geehrt wird (Nom./Instr./3.Sg.Pass.)

Der Satz ‚agastyena … pūjyate‘ ist elliptisch; ergänzt ist eine Verfügung Agastyas.

rakṣaṇārthāya bhūtānāṃ hiṃsrān hanyān mṛgān punaḥ

Zum Schutz der Wesen soll man reißende Tiere erschlagen.

Wort für Wort
rakṣaṇa-arthāya bhūtānām
zum Schutz der Wesen (Dat./Gen.Pl.)
hiṃsrān hanyāt mṛgān punaḥ
man soll reißende Tiere erschlagen, wiederum (Akk.Pl./Opt.3.Sg./Adv.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage.

nātmānam aparityajya mṛgayā nāma vidyate; samatām upasaṃgamya rūpaṃ hanyān na vā nṛpa

Ohne sich selbst preiszugeben gibt es keine Jagd, die den Namen verdiente; auf gleicher Ebene [mit dem Wild] angelangt, mag man die Gestalt [d. h. das Tier] erschlagen oder nicht, König.

Wort für Wort
na ātmānam aparityajya
nicht ohne sich selbst preiszugeben (Akk./Abs.)
mṛgayā nāma vidyate
gibt es eine Jagd dem Namen nach (Nom./3.Sg.Pass.)
samatām upasaṃgamya
Gleichheit erreicht habend (Akk./Abs.)
rūpaṃ hanyāt na vā nṛpa
die Gestalt [?] möge er erschlagen oder nicht, König (Akk./Opt./Vok.)

Der zweite Halbvers ist unsicher: ‚rūpaṃ‘ ist unklar.

ato rājarṣayaḥ sarve mṛgayāṃ yānti bhārata; lipyante na hi doṣeṇa na caitat pātakaṃ viduḥ

Darum gehen alle Königsweisen auf die Jagd, Bhārata; sie werden nicht von Schuld befleckt, und man hält dies nicht für ein Vergehen.

Wort für Wort
ataḥ rājarṣayaḥ sarve
darum alle Königsweisen (Nom.Pl.)
mṛgayāṃ yānti bhārata
gehen auf die Jagd, Bhārata (Akk./3.Pl.Präs./Vok.)
lipyante na hi doṣeṇa
sie werden nicht befleckt von Schuld (3.Pl.Pass./Instr.)
na ca etat pātakaṃ viduḥ
und sie halten dies nicht für ein Vergehen (Akk./3.Pl.Perf.)

na hi tatparamaṃ kiṃ cid iha loke paratra ca; yat sarveṣv iha lokeṣu dayā kauravanandana

Denn nichts ist höher hier in der Welt und im Jenseits als dies: das Mitleid gegen alle in diesen Welten, Wonne der Kauravas.

Wort für Wort
na hi tat param kiṃ cit
denn nichts Höheres als das (Nom.n.)
iha loke paratra ca
in dieser Welt und im Jenseits (Lok./Adv.)
yat sarveṣu iha lokeṣu dayā
nämlich das Mitleid gegen alle in diesen Welten (Lok.Pl./Nom.f.)
kauravanandana
Wonne der Kauravas (Vok.)

na bhayaṃ vidyate jātu narasyeha dayāvataḥ; dayāvatām ime lokāḥ pare cāpi tapasvinām

Nie besteht Furcht für den mitleidvollen Menschen hier; den Mitleidvollen gehören diese Welten, und auch den Asketen die jenseitigen.

Wort für Wort
na bhayaṃ vidyate jātu
niemals besteht Furcht (Nom./3.Sg.Pass./Adv.)
narasya iha dayāvataḥ
für den mitleidvollen Menschen hier (Gen.)
dayāvatām ime lokāḥ
den Mitleidvollen [gehören] diese Welten (Gen.Pl./Nom.Pl.)
pare ca api tapasvinām
und die jenseitigen auch den Asketen (Nom.Pl./Gen.Pl.)

abhayaṃ sarvabhūtebhyo yo dadāti dayāparaḥ; abhayaṃ tasya bhūtāni dadatīty anuśuśrumaḥ

Wer aus Mitleid allen Wesen Furchtlosigkeit gibt, dem geben die Wesen Furchtlosigkeit: so haben wir überliefert gehört.

Wort für Wort
abhayaṃ sarvabhūtebhyaḥ
Furchtlosigkeit vor allen Wesen (Akk./Abl.Pl.)
yaḥ dadāti dayāparaḥ
wer gibt, dem Mitleid zugewandt (3.Sg.Präs./Nom.)
abhayaṃ tasya bhūtāni dadati
Furchtlosigkeit geben ihm die Wesen (Gen./Nom.Pl./3.Pl.)
iti anuśuśrumaḥ
so haben wir gehört (1.Pl.Perf.)

kṣataṃ ca skhalitaṃ caiva patitaṃ kliṣṭam āhatam; sarvabhūtāni rakṣanti sameṣu viṣameṣu ca

Den Verwundeten, Gestrauchelten, Gefallenen, Bedrängten und Geschlagenen [Mitleidigen] schützen alle Wesen, auf ebenem wie auf unebenem Gelände.

Wort für Wort
kṣataṃ ca skhalitaṃ ca eva
verwundet und gestrauchelt (Part.Akk.)
patitaṃ kliṣṭam āhatam
gefallen, bedrängt, geschlagen (Part.Akk.)
sarvabhūtāni rakṣanti
alle Wesen schützen [ihn] (Nom.Pl./3.Pl.Präs.)
sameṣu viṣameṣu ca
auf ebenem und unebenem [Gelände] (Lok.Pl.)

Objekt (der Mitleidige) ist im Text nur aus dem Zusammenhang zu ergänzen.

nainaṃ vyālamṛgā ghnanti na piśācā na rākṣasāḥ; mucyante bhayakāleṣu mokṣayanti ca ye parān

Ihn töten weder Raubtiere noch Piśācas noch Rākṣasas; sie werden in Zeiten der Furcht befreit, die andere befreien.

Wort für Wort
na enaṃ vyāla-mṛgāḥ ghnanti
ihn töten nicht Raubtiere (Akk./Nom.Pl./3.Pl.)
na piśācāḥ na rākṣasāḥ
nicht Piśācas, nicht Rākṣasas (Nom.Pl.)
mucyante bhaya-kāleṣu
sie werden befreit in Zeiten der Furcht (3.Pl.Pass./Lok.Pl.)
mokṣayanti ca ye parān
die auch andere befreien (3.Pl.Kaus./Akk.Pl.)

prāṇadānāt paraṃ dānaṃ na bhūtaṃ na bhaviṣyati; na hy ātmanaḥ priyataraḥ kaś cid astīti niścitam

Eine größere Gabe als die Lebensgabe gab es nie und wird es nie geben; denn dass nichts einem lieber ist als das eigene Selbst, ist gewiss.

Wort für Wort
prāṇa-dānāt param dānam
größere Gabe als die Lebensgabe (Abl./Nom.)
na bhūtaṃ na bhaviṣyati
nicht gewesen, nicht wird sein (Part./3.Sg.Fut.)
na hi ātmanaḥ priyataraḥ
denn nichts Lieberes als das Selbst (Abl./Komp.)
kaś cid asti iti niścitam
irgendeiner gibt es, so ist es gewiss (3.Sg.Präs./Part.)

aniṣṭaṃ sarvabhūtānāṃ maraṇaṃ nāma bhārata; mṛtyukāle hi bhūtānāṃ sadyo jāyati vepathuḥ

Unerwünscht ist allen Wesen der Tod, Bhārata; zur Zeit des Sterbens entsteht den Wesen sogleich Zittern.

Wort für Wort
aniṣṭaṃ sarvabhūtānām
unerwünscht allen Wesen (Nom.n./Gen.Pl.)
maraṇaṃ nāma bhārata
der Tod nämlich, Bhārata (Nom./Vok.)
mṛtyu-kāle hi bhūtānām
zur Todeszeit denn den Wesen (Lok./Gen.Pl.)
sadyaḥ jāyati vepathuḥ
sogleich entsteht Zittern (Adv./3.Sg.Präs./Nom.)

jātijanmajarāduḥkhe nityaṃ saṃsārasāgare; jantavaḥ parivartante maraṇād udvijanti ca

Im Leid von Geburt, Entstehen und Altern, im ewigen Ozean des Saṃsāra, kreisen die Geschöpfe und schrecken vor dem Tod zurück.

Wort für Wort
jāti-janma-jarā-duḥkhe
im Leid von Geburt, Entstehen und Altern (Lok.)
nityaṃ saṃsāra-sāgare
ständig im Ozean des Saṃsāra (Adv./Lok.)
jantavaḥ parivartante
die Geschöpfe kreisen umher (Nom.Pl./3.Pl.Med.)
maraṇāt udvijanti ca
und schrecken vor dem Tod zurück (Abl./3.Pl.Präs.)

garbhavāseṣu pacyante kṣārāmlakaṭukai rasaiḥ; mūtraśleṣmapurīṣāṇāṃ sparśaiś ca bhṛśadāruṇaiḥ

In den Aufenthalten im Mutterleib werden sie gegart von scharfen, sauren und bitteren Säften und von den überaus schrecklichen Berührungen von Urin, Schleim und Kot.

Wort für Wort
garbha-vāseṣu pacyante
in den Aufenthalten im Mutterleib werden sie gegart (Lok.Pl./3.Pl.Pass.)
kṣāra-amla-kaṭukaiḥ rasaiḥ
von scharfen, sauren, bitteren Säften (Instr.Pl.)
mūtra-śleṣma-purīṣāṇām
von Urin, Schleim und Kot (Gen.Pl.)
sparśaiḥ ca bhṛśa-dāruṇaiḥ
und durch überaus schreckliche Berührungen (Instr.Pl.)

jātāś cāpy avaśās tatra bhidyamānāḥ punaḥ punaḥ; pāṭyamānāś ca dṛśyante vivaśā māṃsagṛddhinaḥ

Und geboren, hilflos, dort immer wieder zerschnitten, sieht man sie auch aufgespalten und machtlos, [diese] Fleischgierigen.

Wort für Wort
jātāḥ ca api avaśāḥ tatra
und geboren, auch, hilflos, dort (Part.Nom.Pl./Adj./Adv.)
bhidyamānāḥ punaḥ punaḥ
zerschnitten werdend, immer wieder (Part.Pass./Adv.)
pāṭyamānāḥ ca dṛśyante
und aufgespalten werdend, werden sie gesehen (Part.Pass./3.Pl.Pass.)
vivaśāḥ māṃsa-gṛddhinaḥ
machtlos, die Fleischgierigen [?] (Nom.Pl.)

Der Vers ist syntaktisch knapp; die Deutung, dass die Fleischgierigen selbst als zerrissene Wesen gesehen werden, ist unsicher.

kumbhīpāke ca pacyante tāṃ tāṃ yonim upāgatāḥ; ākramya māryamāṇāś ca bhrāmyante vai punaḥ punaḥ

Im Kumbhīpāka [Höllenkessel] werden sie gegart, in jeden [Mutterschoß] und jede Existenzform eingegangen; überwältigt und getötet, werden sie wieder und wieder umhergetrieben.

Wort für Wort
kumbhīpāke ca pacyante
und im Kumbhīpāka werden sie gegart (Lok./3.Pl.Pass.)
tāṃ tāṃ yonim upāgatāḥ
in jeden Mutterschoß eingegangen (Akk./Part.Nom.Pl.)
ākramya māryamāṇāḥ ca
überwältigt und getötet werdend (Abs./Part.Pass.)
bhrāmyante vai punaḥ punaḥ
werden fürwahr umhergetrieben, immer wieder (3.Pl.Pass./Adv.)

nātmano 'sti priyataraḥ pṛthivyām anusṛtya ha; tasmāt prāṇiṣu sarveṣu dayāvān ātmavān bhavet

Nichts auf Erden ist einem lieber als das eigene Selbst, wenn man der Sache nachgeht; darum soll man gegen alle Lebewesen mitleidig und selbstbeherrscht sein.

Wort für Wort
na ātmanaḥ asti priyataraḥ
nichts ist lieber als das Selbst (Abl./Komp.)
pṛthivyām anusṛtya ha
auf Erden, [der Sache] nachgehend fürwahr (Lok./Abs./Part.)
tasmāt prāṇiṣu sarveṣu
darum gegen alle Lebewesen (Lok.Pl.)
dayāvān ātmavān bhavet
soll mitleidig und selbstbeherrscht sein (Nom./Opt.3.Sg.)

‚anusṛtya ha‘ ist im Sinn nicht ganz sicher.

sarvamāṃsāni yo rājan yāvajjīvaṃ na bhakṣayet; svarge sa vipulaṃ sthānaṃ prāpnuyān nātra saṃśayaḥ

Wer, König, sein Leben lang kein Fleisch irgendeiner Art isst, der erlangt im Himmel einen weiten Platz; daran ist kein Zweifel.

Wort für Wort
sarva-māṃsāni yaḥ rājan
wer alles Fleisch, König (Akk.Pl./Vok.)
yāvat-jīvaṃ na bhakṣayet
sein Leben lang nicht isst (Adv./Opt.3.Sg.)
svarge saḥ vipulaṃ sthānam
im Himmel er einen weiten Platz (Lok./Akk.)
prāpnuyāt na atra saṃśayaḥ
möge erlangen, hier kein Zweifel (Opt.3.Sg./Nom.)

ye bhakṣayanti māṃsāni bhūtānāṃ jīvitaiṣiṇām; bhakṣyante te 'pi tair bhūtair iti me nāsti saṃśayaḥ

Die das Fleisch von Wesen essen, die leben wollen, werden auch selbst von jenen Wesen gegessen; daran habe ich keinen Zweifel.

Wort für Wort
ye bhakṣayanti māṃsāni
die Fleisch essen (3.Pl.Präs./Akk.Pl.)
bhūtānāṃ jīvita-eṣiṇām
von Wesen, die Leben erstreben (Gen.Pl.)
bhakṣyante te api taiḥ bhūtaiḥ
werden auch sie von jenen Wesen gegessen (3.Pl.Pass./Instr.Pl.)
iti me na asti saṃśayaḥ
so habe ich keinen Zweifel (Nom.)

māṃ sa bhakṣayate yasmād bhakṣayiṣye tam apy aham; etan māṃsasya māṃsatvam ato budhyasva bhārata

‚Mich isst er, weil ich ihn wiederum essen werde‘ [so die Wesen]: dies ist das Fleisch-Sein des Fleisches; darum begreife es, Bhārata.

Wort für Wort
mām saḥ bhakṣayate yasmāt
mich isst er, weil (Akk./Nom./3.Sg.Präs./Abl.)
bhakṣayiṣye tam api aham
werde ich auch ihn essen (1.Sg.Fut./Akk.)
etat māṃsasya māṃsatvam
dies ist das Fleisch-Sein des Fleisches (Nom./Gen./Nom.)
ataḥ budhyasva bhārata
darum begreife es, Bhārata (Imp.Med./Vok.)

Volksetymologie: māṃsa = ‚mām sa‘ (‚mich – er‘). Der erste Halbvers ist elliptisch wiedergegeben; ‚yasmāt‘ ... ‚tam‘ ist im Sanskrit ‚weil er mich isst, werde ich auch ihn essen‘.

ghātako vadhyate nityaṃ tathā vadhyeta bandhakaḥ; ākroṣṭākruśyate rājan dveṣṭā dveṣyatvam āpnute

Der Töter wird stets getötet, ebenso wird der Fesselnde gefesselt; wer schmäht, wird geschmäht, König; der Hassende erlangt, gehasst zu werden.

Wort für Wort
ghātakaḥ vadhyate nityam
der Töter wird stets getötet (Nom./3.Sg.Pass./Adv.)
tathā vadhyeta bandhakaḥ
ebenso wird gefesselt der Fesselnde (Opt.Pass.3.Sg./Nom.)
ākroṣṭā ākruśyate rājan
der Schmähende wird geschmäht, König (Nom./3.Sg.Pass./Vok.)
dveṣṭā dveṣyatvam āpnute
der Hassende erlangt Gehasstwerden (Nom./Akk./3.Sg.Med.)

yena yena śarīreṇa yad yat karma karoti yaḥ; tena tena śarīreṇa tat tat phalam upāśnute

Mit welchem Körper einer welche Tat tut, mit ebendiesem Körper genießt er jene Frucht.

Wort für Wort
yena yena śarīreṇa
mit welchem Körper auch immer (Instr.)
yat yat karma karoti yaḥ
welche Tat auch immer einer tut (Akk./3.Sg.Präs.)
tena tena śarīreṇa
mit eben diesem Körper (Instr.)
tat tat phalam upāśnute
jene Frucht genießt er (Akk./3.Sg.Med.)

ahiṃsā paramo dharmas tathāhiṃsā paro damaḥ; ahiṃsā paramaṃ dānam ahiṃsā paramaṃ tapaḥ

Gewaltlosigkeit ist der höchste Dharma, ebenso ist Gewaltlosigkeit die höchste Selbstzügelung; Gewaltlosigkeit ist die höchste Gabe, Gewaltlosigkeit die höchste Askese.

Wort für Wort
ahiṃsā paramaḥ dharmaḥ
Gewaltlosigkeit ist der höchste Dharma (Nom.)
tathā ahiṃsā paraḥ damaḥ
ebenso Gewaltlosigkeit höchste Selbstzügelung (Nom.)
ahiṃsā paramaṃ dānam
Gewaltlosigkeit höchste Gabe (Nom.)
ahiṃsā paramaṃ tapaḥ
Gewaltlosigkeit höchste Askese (Nom.)

ahiṃsā paramo yajñas tathāhiṃsā paraṃ balam; ahiṃsā paramaṃ mitram ahiṃsā paramaṃ sukham; ahiṃsā paramaṃ satyam ahiṃsā paramaṃ śrutam

Gewaltlosigkeit ist das höchste Opfer, ebenso die höchste Kraft; Gewaltlosigkeit ist der höchste Freund, das höchste Glück, die höchste Wahrheit, die höchste Überlieferung [Gelehrsamkeit].

Wort für Wort
ahiṃsā paramaḥ yajñaḥ
Gewaltlosigkeit höchstes Opfer (Nom.)
tathā ahiṃsā paraṃ balam
ebenso höchste Kraft (Nom.)
ahiṃsā paramaṃ mitram
höchster Freund (Nom.)
ahiṃsā paramaṃ sukham
höchstes Glück (Nom.)
ahiṃsā paramaṃ satyam
höchste Wahrheit (Nom.)
ahiṃsā paramaṃ śrutam
höchste Überlieferung (Nom.)

sarvayajñeṣu vā dānaṃ sarvatīrtheṣu cāplutam; sarvadānaphalaṃ vāpi naitat tulyam ahiṃsayā

Die Gabe bei allen Opfern, das Bad an allen Furtplätzen oder auch die Frucht aller Gaben: dies kommt der Gewaltlosigkeit nicht gleich.

Wort für Wort
sarva-yajñeṣu vā dānam
bei allen Opfern die Gabe (Lok.Pl./Nom.)
sarva-tīrtheṣu ca āplutam
und an allen Furtplätzen das Bad (Lok.Pl./Nom.)
sarva-dāna-phalaṃ vā api
oder auch die Frucht aller Gaben (Nom.)
na etat tulyam ahiṃsayā
dies ist nicht gleich der Gewaltlosigkeit (Nom./Instr.)

ahiṃsrasya tapo 'kṣayyam ahiṃsro yajate sadā; ahiṃsraḥ sarvabhūtānāṃ yathā mātā yathā pitā

Die Askese des Gewaltlosen ist unvergänglich; der Gewaltlose opfert stets; der Gewaltlose ist für alle Wesen wie Mutter und wie Vater.

Wort für Wort
ahiṃsrasya tapaḥ akṣayyam
des Gewaltlosen Askese ist unvergänglich (Gen./Nom.)
ahiṃsraḥ yajate sadā
der Gewaltlose opfert stets (Nom./3.Sg.Med.)
ahiṃsraḥ sarvabhūtānām
der Gewaltlose [ist] für alle Wesen (Nom./Gen.Pl.)
yathā mātā yathā pitā
wie Mutter, wie Vater (Nom.)

agastyena purā rājan māṃsabhakṣaṃ tu jāṅgale

Von Agastya wurde einst, König, das Fleischessen im Wildland [?] [gestattet/geübt].

Wort für Wort
agastyena purā rājan
von Agastya einst, König (Instr./Adv./Vok.)
māṃsa-bhakṣaṃ tu
das Fleischessen aber (Akk./Nom.)
jāṅgale
im Wildland [?] (Lok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage, fragmentarisch; das Verb fehlt, die Ergänzung ist unsicher.

etat phalam ahiṃsāyā bhūyaś ca kurupuṃgava; na hi śakyā guṇā vaktum iha varṣaśatair api

Dies ist die Frucht der Gewaltlosigkeit, und mehr noch, Stier der Kurus; die Vorzüge lassen sich hier nicht aussprechen, selbst in hundert Jahren nicht.

Wort für Wort
etat phalam ahiṃsāyāḥ
dies ist die Frucht der Gewaltlosigkeit (Nom./Gen.)
bhūyaḥ ca kurupuṃgava
und mehr noch, Stier der Kurus (Adv./Vok.)
na hi śakyāḥ guṇāḥ vaktum
denn nicht sind die Vorzüge auszusprechen möglich (Nom.Pl./Inf.)
iha varṣa-śataiḥ api
hier selbst in hundert Jahren (Instr.Pl.)

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