Kapitel 67: tiladīpādidānamāhātmya
Yamas Lehre an einen Brahmanen: Verdienst der Gabe von Sesam, Wasser, Lampen und Gewändern
Die Belehrung wird als alte Erzählung von Yama und dem Brahmanen Śarmin aus Parṇaśālā eingekleidet. Yama schärft dem Brahmanen ein, Sesam, Wasser, Lampen und Gewänder zu spenden.
yudhiṣṭhira uvāca; tilānāṃ kīdṛśaṃ dānam atha dīpasya caiva ha; annānāṃ vāsasāṃ caiva bhūya eva bravīhi me
Yudhiṣṭhira sprach: „Wie steht es um die Gabe von Sesam, ferner um die von Lampen, und um die von Speisen und Gewändern? Sprich mir noch weiter darüber.“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
tilānāṃ kīdṛśaṃ dānam
wie [ist] die Gabe der Sesamkörner (Gen.Pl./Nom.Sg.n.)
Da sprach Yama zu einem Mann, der schwarze Gewänder trug, rote Augen und aufgerichtete Körperhaare hatte, mit Krähenschenkeln, Augen und Nase [wie eine Krähe]:
Wort für Wort
atha prāha yamaḥ
da sprach Yama (Perf.)
kaṃ cit puruṣam
zu einem gewissen Mann (Akk.Sg.)
kṛṣṇavāsasam
schwarz gekleidet (Akk.Sg.)
raktākṣam
rotäugig (Akk.Sg.)
ūrdhvaromāṇam
mit aufrechten Haaren (Akk.Sg.)
kākajaṅghākṣināsikam
mit Krähenschenkeln, -augen, -nase (Bahuvrīhi, Akk.Sg.)
Der Halbvers kākajaṅghākṣināsikam ist ein Kompositum; die Deutung „Krähenschenkel, Augen und Nase“ ist wörtlich.
der in Ruhe [Selbstbeherrschung] gefestigt ist, gelehrt, ein Lehrer, der nicht geachtet wird. Und bring keinen anderen, der dieselbe Sippe hat, von seiner Seite [aus der Nachbarschaft].
Wort für Wort
śame niviṣṭaṃ
in Ruhe gefestigt (Part.Pass., Akk.Sg.)
vidvāṃsam adhyāpakam
gelehrt, Lehrer (Akk.Sg.)
anādṛtam
nicht geachtet (Akk.Sg.)
mā ca anyam ānayethāḥ tvam
und bring nicht einen anderen (Prohib., Opt.2.Sg.)
sagotraṃ tasya pārśvataḥ
gleicher Sippe, von seiner Seite (Akk./Abl.-Suffix)
sa hi tādṛgguṇas tena tulyo 'dhyayanajanmanā; apatyeṣu tathā vṛtte samastenaiva dhīmatā; tam ānaya yathoddiṣṭaṃ pūjā kāryā hi tasya me
Denn er hat solche Eigenschaften, [und jener andere] ist ihm gleich an Lernen und Geburt; auch im Verhalten gegenüber den Nachkommen [ist] der Kluge [ihm gleich, wenn man alles] zusammen[nimmt] [?]. Bring ihn, wie bezeichnet; denn ihm gebührt von mir Verehrung.“
Wort für Wort
sa hi tādṛgguṇaḥ
denn er ist von solcher Art der Eigenschaften (Nom.Sg.)
tena tulyo 'dhyayanajanmanā
ihm gleich an Lernen und Geburt (Instr.)
apatyeṣu tathā vṛtte
ebenso im Verhalten gegen Nachkommen (Lok.)
samastenaiva dhīmatā
mit dem Klugen ganz und gar (Instr.) [?]
tam ānaya yathoddiṣṭam
bring ihn wie bezeichnet (Imp.)
pūjā kāryā hi tasya me
denn Verehrung ist ihm von mir zu erweisen (Gerundiv)
Der zweite Halbvers (apatyeṣu tathā vṛtte samastenaiva dhīmatā) ist syntaktisch unklar.
evam ukte tu vacane dharmarājena sa dvijaḥ; uvāca dharmarājānaṃ nirviṇṇo 'dhyayanena vai; yo me kālo bhavec cheṣas taṃ vaseyam ihācyuta
Als der Dharmarāja so gesprochen hatte, sagte jener Zweimalgeborene, des Lernens überdrüssig, zum Dharmarāja: „Die Zeit, die mir noch übrig sein mag, möchte ich hier verbringen, o Unfehlbarer.“
Wort für Wort
evam ukte tu vacane
als so das Wort gesprochen war (Lok.abs.)
dharmarājena sa dvijaḥ
vom Dharmarāja, jener Zweimalgeborene
uvāca dharmarājam
sprach zum Dharmarāja
nirviṇṇo 'dhyayanena vai
des Lernens überdrüssig (Part.)
yo me kālo bhaved śeṣaḥ
welche Zeit mir übrig sein mag (Opt.)
taṃ vaseyam ihācyuta
die möchte ich hier verweilen, o Acyuta (Opt.1.Sg./Vok.)
yama uvāca; nāhaṃ kālasya vihitaṃ prāpnomīha kathaṃ cana; yo hi dharmaṃ carati vai taṃ tu jānāmi kevalam
Yama sprach: „Ich erlange hier keinesfalls etwas, was von der Zeit verfügt ist [ich kann ihre Anordnung nicht ändern]. Wer den Dharma befolgt, den erkenne ich allein.
Wort für Wort
yama uvāca
Yama sprach
na ahaṃ kālasya vihitam
nicht [kann] ich das von der Zeit Verfügte (Gen./Part.)
brāhmaṇa uvāca; yat tatra kṛtvā sumahat puṇyaṃ syāt tad bravīhi me; sarvasya hi pramāṇaṃ tvaṃ trailokyasyāpi sattama
Der Brahmane sprach: „Sag mir, was ich dort tun kann, damit großes Verdienst entsteht. Denn du bist für alles der Maßstab, ja für die drei Welten, du Bester.“
Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca
der Brahmane sprach
yat tatra kṛtvā sumahat puṇyaṃ syāt
wodurch, dort getan, sehr großes Verdienst sei (Abs./Opt.)
etat sudurlabhataram iha loke dvijottama; āpo nityaṃ pradeyās te puṇyaṃ hy etad anuttamam
Dies ist in dieser Welt sehr schwer zu erlangen, bester Zweimalgeborener: Wasser sollst du beständig geben; denn dies ist ein unübertroffenes Verdienst.
Wort für Wort
etat sudurlabhataram
dies [ist] sehr viel schwerer zu erlangen (Komp.)
iha loke dvijottama
in dieser Welt, bester Zweimalgeborener (Lok./Vok.)
prapāś ca kāryāḥ pānārthaṃ nityaṃ te dvijasattama; bhukte 'py atha pradeyaṃ te pānīyaṃ vai viśeṣataḥ
Und Tränkstellen sollst du für das Trinken beständig errichten lassen, bester Zweimalgeborener; auch wenn gegessen wurde, sollst du besonders Trinkwasser geben.
Wort für Wort
prapāś ca kāryāḥ pānārtham
und Wasserhäuser sind zu machen zum Trinken (Gerundiv/Adv.)
nityaṃ te dvijasattama
beständig von dir, bester Zweimalgeborener
bhukte 'py atha pradeyaṃ te
auch nach dem Essen ist von dir zu geben (Lok.abs./Gerundiv)
Sieht man jemanden, der um Wasser bittet, so gebe man es gern und eilig. Beim Gewand [gilt] nach der Zahl der Fäden, bei der Lampe [ein Jahr] nach der Zahl der Augenblicke; nach der Zahl der Haare der Kühe erlangt man Genuss des Himmels; beim Wasser nach der Zahl der Tropfen: Dies alles bringe herbei [?].
Wort für Wort
pānīyābhyarthinaṃ dṛṣṭvā
einen Wasserbittenden gesehen habend (Abs.)
prītyā dadyāt tvarānvitaḥ
mit Freude gebe man, eilig (Opt.)
vastre tantupramāṇena
beim Gewand nach der Zahl der Fäden (Lok./Instr.)
dīpe nimiṣavatsaram
bei der Lampe [nach] Augenblicken ein Jahr [?] (Lok./Akk.)
gavāṃ lomapramāṇena
nach der Haarzahl der Kühe (Gen.Pl./Instr.)
svargabhogam upāśnute
Himmelsgenuss erlangt man (3.Sg.Med.)
jale bindupramāṇena
beim Wasser nach der Tropfenzahl (Lok./Instr.)
tad etāny upavartaya
daher bring dies herbei [?] (Imp.Kaus.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Textlich unsichere Zusatzpassage (Stern-Stelle); der Wortlaut ist knapp und teils unklar (nimiṣavatsaram, tad etāny upavartaya).
ratnadānaṃ ca sumahat puṇyam uktaṃ janādhipa; tāni vikrīya yajate brāhmaṇo hy abhayaṃkaraḥ
Auch die Gabe von Juwelen gilt als sehr großes Verdienst, Herr der Menschen; der Brahmane opfert, indem er sie verkauft, und wird zum Spender von Furchtlosigkeit.
Wort für Wort
ratnadānaṃ ca sumahat puṇyam
Juwelengabe und sehr großes Verdienst (Nom.Sg.n.)
uktaṃ janādhipa
wurde gesagt, Menschenherr (Part.Pass./Vok.)
tāni vikrīya yajate brāhmaṇaḥ
sie verkauft habend, opfert der Brahmane (Abs./3.Sg.Med.)
Wer in [rechter] Verfassung stehend einem solchen [Würdigen] die Annahme [der Gabe] gibt: dessen Dharma ist für beide unvergänglich, sagte Manu, der Dharmakundige.
Wort für Wort
yo dadāti sthitaḥ sthityām
wer gibt, in fester Lage/Ordnung stehend (Nom./Lok.)