Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Anuśāsanaparva

Kapitel 44: vivāhadharma-kanyādāna-śulkaviveka Die Eheformen, der Brautpreis und die Frage, wem das Mädchen gehört

Bhīṣma belehrt Yudhiṣṭhira über die rechte Weise, ein Mädchen zu geben, die acht Eheformen (hier bes. brāhma, kṣātra, gāndharva, āsura, rākṣasa, paiśāca), Heiratsalter und Brautpreis; im Fortgang wird die Rechtslage bei mehreren Bewerbern erörtert.

yudhiṣṭhira uvāca; yan mūlaṃ sarvadharmāṇāṃ prajanasya gṛhasya ca; pitṛdevātithīnāṃ ca tan me brūhi pitāmaha

Yudhiṣṭhira sprach: „Was die Wurzel aller Pflichten ist, der Zeugung und des Hauses und [der Pflichten] gegenüber Ahnen, Göttern und Gästen, das sage mir, Großvater.“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf. 3.Sg.)
yan mūlaṃ sarvadharmāṇām
was die Wurzel aller Pflichten [ist] (Nom.Sg.n. / Gen.Pl.)
prajanasya gṛhasya ca
der Zeugung und des Hauses (Gen.Sg.)
pitṛdevātithīnāṃ ca
und der Ahnen, Götter und Gäste (Dvandva, Gen.Pl.)
tan me brūhi pitāmaha
das sage mir, Großvater (Imp. 2.Sg.; Vok.)

bhīṣma uvāca; ayaṃ hi sarvadharmāṇāṃ dharmaś cintyatamo mataḥ; kīdṛśāya pradeyā syāt kanyeti vasudhādhipa

Bhīṣma sprach: „Diese Pflicht gilt unter allen Pflichten als die am meisten der Überlegung würdige: einem wie beschaffenen [Bräutigam] soll ein Mädchen gegeben werden, Herr der Erde?“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf. 3.Sg.)
ayaṃ hi sarvadharmāṇāṃ dharmaḥ
denn diese Pflicht unter allen Pflichten (Nom.Sg.m. / Gen.Pl.)
cintyatamo mataḥ
gilt als am meisten zu bedenken (Superl., Part.Perf.Pass.)
kīdṛśāya pradeyā syāt kanyā
einem wie beschaffenen soll das Mädchen zu geben sein (Dat.Sg.; Pot. 3.Sg.)
iti vasudhādhipa
so [fragend], Herr der Erde (Vok.)

śīlavṛtte samājñāya vidyāṃ yoniṃ ca karma ca; adbhir eva pradātavyā kanyā guṇavate vare; brāhmaṇānāṃ satām eṣa dharmo nityaṃ yudhiṣṭhira

Wenn man Charakter und Lebenswandel, Wissen, Herkunft und Tun [des Bewerbers] erkannt hat, soll das Mädchen allein mit Wasser einem tugendhaften Bräutigam gegeben werden. Dies ist stets die Pflicht der guten Brahmanen, Yudhiṣṭhira.

Wort für Wort
śīlavṛtte samājñāya
Charakter und Lebenswandel erkannt habend (Akk.Du.; Gerundium)
vidyāṃ yoniṃ ca karma ca
Wissen, Herkunft und Tun (Akk.Sg.)
adbhir eva pradātavyā
allein mit Wasser zu geben (Instr.Pl.; Gerundiv)
kanyā guṇavate vare
das Mädchen einem tugendhaften Bräutigam (Nom.Sg.f.; Dat./Lok.Sg.)
brāhmaṇānāṃ satām eṣa dharmaḥ
dies ist die Pflicht der guten Brahmanen (Gen.Pl.)
nityaṃ yudhiṣṭhira
stets, Yudhiṣṭhira (Adv.; Vok.)

āvāhyam āvahed evaṃ yo dadyād anukūlataḥ; śiṣṭānāṃ kṣatriyāṇāṃ ca dharma eṣa sanātanaḥ

Die Heimzuführende soll [der Bräutigam] so heimführen, [und ebenso], wer sie wohlwollend gibt. Dies ist der ewige Brauch der Wohlgesitteten und der Kṣatriyas.

Wort für Wort
āvāhyam āvahed evam
die Heimzuführende soll man so heimführen (Gerundiv Akk.; Pot. 3.Sg.)
yo dadyād anukūlataḥ
wer [sie] gibt aus Wohlwollen (Pot. 3.Sg.; Abl.-Adv.)
śiṣṭānāṃ kṣatriyāṇāṃ ca
der Wohlgesitteten und der Kṣatriyas (Gen.Pl.)
dharma eṣa sanātanaḥ
dies ist die ewige Pflicht (Nom.Sg.m.)

Konstruktion des ersten Halbverses knapp; „āvāhyam“ als Gerundiv (die Heimzuführende) gefasst.

ātmābhipretam utsṛjya kanyābhipreta eva yaḥ; abhipretā ca yā yasya tasmai deyā yudhiṣṭhira; gāndharvam iti taṃ dharmaṃ prāhur dharmavido janāḥ

Wer den eigenen Wunsch beiseitelässt und allein den Wunsch des Mädchens [gelten lässt], und wem ein Mädchen lieb ist, dem soll sie gegeben werden, Yudhiṣṭhira. Diese Pflicht nennen die Pflichtkundigen „gāndharva“.

Wort für Wort
ātmābhipretam utsṛjya
das vom Selbst Gewünschte aufgebend (Akk.; Gerundium)
kanyābhipreta eva yaḥ
wer nur das vom Mädchen Gewünschte [beachtet] (Nom.Sg.m.)
abhipretā ca yā yasya
und die, die von jemandem gewünscht ist (Nom.Sg.f.; Gen.)
tasmai deyā yudhiṣṭhira
dem ist sie zu geben, Yudhiṣṭhira (Dat.; Gerundiv; Vok.)
gāndharvam iti taṃ dharmam
„gāndharva“ [nennen] diese Pflicht (Akk.Sg.)
prāhur dharmavido janāḥ
sagen die Pflichtkundigen (Perf. 3.Pl.; Nom.Pl.)

dhanena bahunā krītvā saṃpralobhya ca bāndhavān; asurāṇāṃ nṛpaitaṃ vai dharmam āhur manīṣiṇaḥ

Wer mit viel Vermögen kauft und die Verwandten [damit] verlockt: diese Pflicht, König, nennen die Weisen die der Asuras.

Wort für Wort
dhanena bahunā krītvā
mit viel Vermögen gekauft habend (Instr.Sg.; Gerundium)
saṃpralobhya ca bāndhavān
und die Verwandten verlockt habend (Gerundium; Akk.Pl.)
asurāṇāṃ nṛpa etaṃ vai dharmam
diese Pflicht der Asuras, König (Gen.Pl.; Vok.; Akk.Sg.)
āhur manīṣiṇaḥ
nennen die Weisen (Perf. 3.Pl.; Nom.Pl.)

hatvā chittvā ca śīrṣāṇi rudatāṃ rudatīṃ gṛhāt; prasahya haraṇaṃ tāta rākṣasaṃ dharmalakṣaṇam

Nachdem man [Widerstand leistenden Verwandten] die Köpfe erschlagen und abgeschlagen hat, [ist es] der gewaltsame Raub [des Mädchens] aus dem Haus der Weinenden, während sie weint, mein Lieber: das ist das Kennzeichen der Rākṣasa-Pflicht.

Wort für Wort
hatvā chittvā ca śīrṣāṇi
erschlagen und abgeschlagen habend die Köpfe (Gerundien; Akk.Pl.)
rudatāṃ rudatīṃ gṛhāt
der Weinenden [Gen.Pl.], die Weinende [Akk.Sg.f.], aus dem Haus (Part.Präs.; Abl.)
prasahya haraṇam
gewaltsames Wegnehmen (Gerundium; Nom.Sg.n.)
tāta
mein Lieber (Vok.)
rākṣasaṃ dharmalakṣaṇam
das Rākṣasa-[Verfahren], Kennzeichen der Pflicht (Nom.Sg.n.)

Der Genitiv rudatāṃ rudatīm ist knapp; „Köpfe“ als Köpfe der sich Widersetzenden ergänzt.

suptāṃ mattāṃ pramattāṃ vā raho yatropagacchati; sa pāpiṣṭho vivāhānāṃ paiśācaḥ prathito 'dhamaḥ

Wer eine Schlafende, Berauschte oder Unachtsame im Verborgenen aufsucht, das ist die schlimmste der Eheschließungen, als „paiśāca“ bekannt, die niedrigste.

Wort für Wort
suptāṃ mattāṃ pramattāṃ vā
eine Schlafende, Berauschte oder Unachtsame (Akk.Sg.f.)
raho yatropagacchati
im Verborgenen, wo einer sich nähert (Adv.; 3.Sg.Präs.)
sa pāpiṣṭho vivāhānām
das ist die schlimmste der Eheschließungen (Superl. Nom.; Gen.Pl.)
paiśācaḥ prathito 'dhamaḥ
Paiśāca genannt, die niedrigste (Part.Perf.Pass.; Nom.Sg.m.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (Sternstelle).

pañcānāṃ tu trayo dharmyā dvāv adharmyau yudhiṣṭhira; paiśāca āsuraś caiva na kartavyau kathaṃ cana

Von den fünf aber sind drei pflichtgemäß, zwei nicht pflichtgemäß, Yudhiṣṭhira: die paiśāca- und die āsura-[Ehe] darf man auf keine Weise vollziehen.

Wort für Wort
pañcānāṃ tu trayo dharmyāḥ
von den fünfen aber sind drei pflichtgemäß (Gen.Pl.; Nom.Pl.m.)
dvāv adharmyau yudhiṣṭhira
zwei nicht pflichtgemäß, Yudhiṣṭhira (Nom.Du.m.; Vok.)
paiśāca āsuraś caiva
die paiśāca- und die āsura-[Form] (Nom.Du.)
na kartavyau kathaṃ cana
sind auf keine Weise zu vollziehen (Gerundiv Du.)

brāhmaḥ kṣātro 'tha gāndharva ete dharmyā nararṣabha; pṛthag vā yadi vā miśrāḥ kartavyā nātra saṃśayaḥ

Die brāhma-, die kṣātra- und die gāndharva-[Ehe]: diese sind pflichtgemäß, Bester der Männer. Getrennt oder gemischt sind sie zu vollziehen, darüber besteht kein Zweifel.

Wort für Wort
brāhmaḥ kṣātro 'tha gāndharva
die Brāhma-, die Kṣātra- und die Gāndharva-[Ehe] (Nom.Sg.)
ete dharmyā nararṣabha
diese sind pflichtgemäß, Stier unter den Männern (Nom.Pl.; Vok.)
pṛthag vā yadi vā miśrāḥ
getrennt oder gemischt (Adv.; Nom.Pl.)
kartavyā nātra saṃśayaḥ
sind zu vollziehen, hierin ist kein Zweifel (Gerundiv; Nom.Sg.)

tisro bhāryā brāhmaṇasya dve bhārye kṣatriyasya tu; vaiśyaḥ svajātiṃ vindeta tāsv apatyaṃ samaṃ bhavet

Drei Ehefrauen [darf] ein Brahmane [haben], zwei Ehefrauen aber ein Kṣatriya; ein Vaiśya soll [nur] eine aus der eigenen Kaste nehmen. Bei diesen soll die Nachkommenschaft gleich [gelten].

Wort für Wort
tisro bhāryā brāhmaṇasya
drei Ehefrauen für den Brahmanen (Nom.Pl.f.; Gen.Sg.)
dve bhārye kṣatriyasya tu
zwei Ehefrauen aber für den Kṣatriya (Nom.Du.f.)
vaiśyaḥ svajātiṃ vindeta
der Vaiśya soll eine der eigenen Kaste finden (Pot. Med. 3.Sg.)
tāsv apatyaṃ samaṃ bhavet
bei diesen soll die Nachkommenschaft gleich sein (Lok.Pl.f.; Pot.)

brāhmaṇī tu bhavej jyeṣṭhā kṣatriyā kṣatriyasya tu; ratyartham api śūdrā syān nety āhur apare janāḥ

Die Brahmanin soll die Älteste sein, aber für den Kṣatriya die Kṣatriya-Frau. Auch zum Liebesvergnügen möge es eine Śūdra-Frau sein; „nein“, sagen andere Leute.

Wort für Wort
brāhmaṇī tu bhavej jyeṣṭhā
die Brahmanin soll die Älteste [Hauptfrau] sein (Nom.Sg.f.; Pot.)
kṣatriyā kṣatriyasya tu
die Kṣatriya-Frau für den Kṣatriya (Nom.Sg.f.; Gen.)
ratyartham api śūdrā syāt
zum Liebesvergnügen auch eine Śūdra-Frau möge sein (Adv.; Pot.)
nety āhur apare janāḥ
„nein“, sagen andere Leute (Perf. 3.Pl.; Nom.Pl.)

apatyajanma śūdrāyāṃ na praśaṃsanti sādhavaḥ; śūdrāyāṃ janayan vipraḥ prāyaścittī vidhīyate

Das Zeugen von Nachkommen in einer Śūdra-Frau loben die Guten nicht; ein Brahmane, der in einer Śūdra-Frau zeugt, wird als büßepflichtig bestimmt.

Wort für Wort
apatyajanma śūdrāyām
Geburt von Nachkommen in einer Śūdra-Frau (Nom.Sg.n.; Lok.Sg.f.)
na praśaṃsanti sādhavaḥ
loben nicht die Guten (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.)
śūdrāyāṃ janayan vipraḥ
ein Brahmane, der in der Śūdra-Frau zeugt (Part.Präs.; Nom.Sg.)
prāyaścittī vidhīyate
wird als büßepflichtig festgesetzt (Nom.Sg.; Pass. 3.Sg.)

nātibālāṃ vahanty anye anityatvāt prajārthinaḥ; vahanti karmiṇas tasyām antaḥśuddhivyapekṣayā; aparānvayasaṃbhūtāṃ saṃsvapnādivivarjitām; kāmo yasyāṃ niṣiddhaś ca ke cid icchanti cāpadi

Manche heiraten eine nicht allzu junge [Frau], da [das Leben] unbeständig ist, die Nachkommen Wünschenden; die Ritualtätigen heiraten sie im Hinblick auf innere Reinheit; eine, die aus anderer Abstammung geboren [?] und frei von Beischlaf und dergleichen ist; [eine,] bei der Begierde untersagt ist [?] – manche wünschen [sie] auch in der Not.

Wort für Wort
nātibālāṃ vahanty anye
eine nicht allzu junge heiraten andere (Akk.Sg.f.; 3.Pl.Präs.)
anityatvāt prajārthinaḥ
wegen der Unbeständigkeit, Nachkommen Wünschende (Abl.; Nom.Pl.)
vahanti karmiṇas tasyām
die Ritualtätigen heiraten, in Bezug auf sie (Nom.Pl.; Lok.Sg.f.)
antaḥśuddhivyapekṣayā
im Hinblick auf innere Reinheit (Instr.Sg.)
aparānvayasaṃbhūtām
aus anderer Abstammung geboren [?] (Akk.Sg.f.)
saṃsvapnādivivarjitām
frei von gemeinsamem Schlafen und dergleichen (Akk.Sg.f.)
kāmo yasyāṃ niṣiddhaś ca
und bei der Begierde untersagt ist [?] (Nom.Sg.; Part.)
ke cid icchanti cāpadi
manche wünschen [sie] auch in der Not (3.Pl.Präs.; Lok.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (Sternstelle); Text sehr knapp und vermutlich gestört, Deutung unsicher.

triṃśadvarṣo daśavarṣāṃ bhāryāṃ vindeta nagnikām; ekaviṃśativarṣo vā saptavarṣām avāpnuyāt

Ein Dreißigjähriger soll eine zehnjährige unreife Ehefrau nehmen, oder ein Einundzwanzigjähriger eine siebenjährige.

Wort für Wort
triṃśadvarṣo daśavarṣām
ein Dreißigjähriger [eine] Zehnjährige (Nom.Sg.m.; Akk.Sg.f.)
bhāryāṃ vindeta nagnikām
eine Ehefrau soll er nehmen, eine unreife (Pot. Med. 3.Sg.; Akk.)
ekaviṃśativarṣo vā
oder ein Einundzwanzigjähriger (Nom.Sg.m.)
saptavarṣām avāpnuyāt
eine Siebenjährige soll er erlangen (Pot. 3.Sg.)

yasyās tu na bhaved bhrātā pitā vā bharatarṣabha; nopayaccheta tāṃ jātu putrikādharmiṇī hi sā

Eine, die weder Bruder noch Vater hat, Bester der Bhāratas, soll man niemals heiraten, denn sie ist eine „Tochter-Sohn“-Pflichtige [putrikā].

Wort für Wort
yasyās tu na bhaved bhrātā
deren aber kein Bruder da sein sollte (Gen.Sg.f.; Pot.)
pitā vā bharatarṣabha
oder Vater, Stier der Bharatas (Nom.; Vok.)
nopayaccheta tāṃ jātu
man soll sie niemals heiraten (Pot. Med. 3.Sg.; Akk.)
putrikādharmiṇī hi sā
denn sie unterliegt der Putrikā-Regel (Nom.Sg.f.)

Die Tochter ohne Bruder gilt als zur Einsetzung als „Sohn“ des Vaters (putrikā) bestimmt.

trīṇi varṣāṇy udīkṣeta kanyā ṛtumatī satī; caturthe tv atha saṃprāpte svayaṃ bhartāram arjayet

Drei Jahre soll ein Mädchen, das die Regel hat, [als] tugendhafte [Frau] abwarten; ist aber das vierte erreicht, soll sie sich selbst einen Gatten erwerben.

Wort für Wort
trīṇi varṣāṇy udīkṣeta
drei Jahre soll sie abwarten (Akk.Pl.n.; Pot. Med. 3.Sg.)
kanyā ṛtumatī satī
das Mädchen, die Menstruierende, die Tugendhafte (Nom.Sg.f.)
caturthe tv atha saṃprāpte
wenn aber dann das vierte erreicht ist (Lok. abs.)
svayaṃ bhartāram arjayet
selbst soll sie einen Gatten erwerben (Adv.; Akk.; Pot. 3.Sg.)

prajano hīyate tasyā ratiś ca bharatarṣabha; ato 'nyathā vartamānā bhaved vācyā prajāpateḥ

Ihr geht die Zeugung [Kinder] und die Lust verloren, Stier der Bharatas; wenn sie anders verfährt als so, wäre sie [vom Schöpfer] Prajāpati zu tadeln [?].

Wort für Wort
prajano hīyate tasyāḥ
die Zeugung geht ihr verloren (Nom.Sg.; Pass. 3.Sg.; Gen.Sg.f.)
ratiś ca bharatarṣabha
und die Lust, Stier der Bharatas (Nom.Sg.; Vok.)
ato 'nyathā vartamānā
wenn sie anders als so verfährt (Abl.-Adv.; Part.Präs. Med.)
bhaved vācyā prajāpateḥ
wäre sie zu tadeln von Prajāpati her [?] (Pot.; Gerundiv; Gen./Abl.)

Zweiter Halbvers in der Konstruktion (vācyā prajāpateḥ) unsicher.

asapiṇḍā ca yā mātur asagotrā ca yā pituḥ; ity etām anugaccheta taṃ dharmaṃ manur abravīt

Die von der Mutter her keine Sapiṇḍa-Verwandte und vom Vater her nicht von gleichem Gotra ist: diese soll man heiraten, [so] sprach Manu die Pflicht aus.

Wort für Wort
asapiṇḍā ca yā mātuḥ
und die keine Sapiṇḍa von der Mutter her ist (Nom.Sg.f.; Gen.)
asagotrā ca yā pituḥ
und die nicht gleichen Gotras vom Vater her ist (Nom.Sg.f.)
ity etām anugaccheta
diese soll man aufsuchen [heiraten] (Akk.; Pot. 3.Sg.)
taṃ dharmaṃ manur abravīt
diese Pflicht sprach Manu (Akk.; Impf. 3.Sg.)

sā praśastā dvijātīnāṃ dārakarmaṇi maithune

Sie ist bei den Zweimalgeborenen für das Eheritual und den Beischlaf gepriesen.

Wort für Wort
sā praśastā
sie ist gepriesen (Nom.Sg.f.; Part.Perf.Pass.)
dvijātīnām
bei den Zweimalgeborenen (Gen.Pl.)
dārakarmaṇi maithune
beim Ehe-Werk, beim Beischlaf (Lok.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (Sternstelle).

yudhiṣṭhira uvāca; śulkam anyena dattaṃ syād dadānīty āha cāparaḥ; balād anyaḥ prabhāṣeta dhanam anyaḥ pradarśayet

Yudhiṣṭhira sprach: „Der Brautpreis mag von einem [Mann] gegeben sein, ein anderer sagt: ‚Ich gebe [ihn]‘, ein anderer mag mit Gewalt [Anspruch] anmelden, ein anderer Vermögen vorzeigen.“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
śulkam anyena dattaṃ syāt
der Brautpreis möge von einem anderen gegeben sein (Nom.; Instr.; Part.; Pot.)
dadānīty āha cāparaḥ
„ich gebe“, sagt ein anderer (1.Sg.Präs.; Perf. 3.Sg.)
balād anyaḥ prabhāṣeta
mit Gewalt möge ein anderer sprechen (Abl.; Pot. Med.)
dhanam anyaḥ pradarśayet
Vermögen möge ein anderer zeigen (Akk.; Kaus.Pot.)

pāṇigrahītā tv anyaḥ syāt kasya kanyā pitāmaha; tattvaṃ jijñāsamānānāṃ cakṣur bhavatu no bhavān

„Und ein anderer mag der Handergreifer sein: wessen ist dann das Mädchen, Großvater? Für uns, die wir die Wahrheit ergründen wollen, sei du das Auge.“

Wort für Wort
pāṇigrahītā tv anyaḥ syāt
und ein anderer möge der Handergreifer sein (Nom.Sg.m.; Pot.)
kasya kanyā pitāmaha
wessen [ist] das Mädchen, Großvater (Gen.; Nom.; Vok.)
tattvaṃ jijñāsamānānām
für die, die die Wahrheit erkennen wollen (Akk.; Part.Desid.; Gen.Pl.)
cakṣur bhavatu no bhavān
Auge sei uns du, Ehrwürdiger (Imp. 3.Sg.; Gen.Pl.; Nom.)

bhīṣma uvāca; yat kiṃ cit karma mānuṣyaṃ saṃsthānāya prakṛṣyate; mantravan mantritaṃ tasya mṛṣāvādas tu pātakaḥ

Bhīṣma sprach: „Jedes menschliche Werk, das zum [festen] Bestand vollzogen wird, [gilt] dessen, [der es tut], als mit Mantra-Sprüchen begleitet [und] beschlossen; die Lüge aber ist ein Vergehen.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
yat kiṃ cit karma mānuṣyam
welches menschliche Werk auch immer (Nom.Sg.n.)
saṃsthānāya prakṛṣyate
zum Bestand/zur Vollendung durchgeführt wird (Dat.; Pass. 3.Sg.)
mantravan mantritaṃ tasya
mit Mantra versehen [und] beschlossen [ist] es für ihn (Nom.Sg.n.; Part.; Gen.)
mṛṣāvādas tu pātakaḥ
die Lüge aber ist ein Vergehen (Nom.Sg.m.)

Deutung von „saṃsthānāya prakṛṣyate“ und „mantritam“ mit Vorbehalt.

bhāryāpatyṛtvigācāryāḥ śiṣyopādhyāya eva ca; mṛṣokte daṇḍam arhanti nety āhur apare janāḥ

Ehefrau, Nachkommenschaft, Opferpriester und Lehrer, ebenso Schüler und Unterweiser verdienen bei einer Lüge Strafe; „nein“, sagen andere Leute.

Wort für Wort
bhāryāpatyṛtvigācāryāḥ
Ehefrau, Nachkomme, Opferpriester, Lehrer (Dvandva Nom.Pl.)
śiṣyopādhyāya eva ca
und Schüler und Unterweiser (Nom.Pl.)
mṛṣokte daṇḍam arhanti
verdienen bei gesagter Lüge Strafe (Lok.; Akk.; 3.Pl.Präs.)
nety āhur apare janāḥ
„nein“, sagen andere Leute (Perf. 3.Pl.)

na hy akāmena saṃvādaṃ manur evaṃ praśaṃsati; ayaśasyam adharmyaṃ ca yan mṛṣā dharmakopanam

Denn Manu billigt eine Abmachung nicht auf diese Weise, wenn sie wider Willen [geschlossen ist]; unrühmlich und pflichtwidrig ist, was Lüge ist, und zerstört die Pflicht.

Wort für Wort
na hy akāmena saṃvādam
denn nicht durch [einen] Unwilligen [?] die Abmachung (Instr.Sg.m.; Akk.)
manur evaṃ praśaṃsati
Manu lobt so (Nom.; 3.Sg.Präs.)
ayaśasyam adharmyaṃ ca
unrühmlich und pflichtwidrig (Nom.Sg.n.)
yan mṛṣā dharmakopanam
was Lüge [ist], die Pflicht Erzürnendes (Adv./Nom.; Nom.Sg.n.)

Sinn von „akāmena“ und dem ersten Halbvers unsicher.

naikāntadoṣa ekasmiṃs tad dānaṃ nopalabhyate; dharmato yāṃ prayacchanti yāṃ ca krīṇanti bhārata

Nicht in einem einzigen [Teil] liegt ein ausschließlicher Fehler; jene Gabe findet sich [so] nicht vor, [weder bei der,] die man pflichtgemäß gibt, noch bei der, die man kauft, Bhārata.

Wort für Wort
naikāntadoṣa ekasmiṃs
kein ausschließlicher Fehler in einem einzigen (Nom.; Lok.Sg.)
tad dānaṃ nopalabhyate
jene Gabe wird nicht gefunden [?] (Nom.Sg.n.; Pass. 3.Sg.)
dharmato yāṃ prayacchanti
die man dem Recht gemäß gibt (Abl.-Adv.; 3.Pl.Präs.)
yāṃ ca krīṇanti bhārata
und die man kauft, Bhārata (3.Pl.Präs.; Vok.)

Textstelle knapp und unsicher [?].

bandhubhiḥ samanujñāto mantrahomau prayojayet; tathā sidhyanti te mantrā nādattāyāḥ kathaṃ cana

Von den Verwandten gebilligt, soll man Mantra und Opferspende vollziehen; so wirken diese Mantras, niemals aber bei einer nicht Gegebenen.

Wort für Wort
bandhubhiḥ samanujñātaḥ
von den Verwandten gebilligt (Instr.Pl.; Part.Perf.Pass.)
mantrahomau prayojayet
Mantra und Opfer soll er vollziehen (Dvandva Akk.Du.; Pot. Kaus.)
tathā sidhyanti te mantrāḥ
so gelingen diese Mantras (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.)
nādattāyāḥ kathaṃ cana
keineswegs bei einer nicht Gegebenen (Gen./Abl.Sg.f.)

yas tv atra mantrasamayo bhāryāpatyor mithaḥ kṛtaḥ; tam evāhur garīyāṃsaṃ yaś cāsau jñātibhiḥ kṛtaḥ

Welche Mantra-Vereinbarung hier zwischen Ehefrau und Gatte gegenseitig getroffen wurde, die nennen sie die gewichtigere, und [auch die], die von den Verwandten getroffen wurde.

Wort für Wort
yas tv atra mantrasamayaḥ
welche Mantra-Vereinbarung hier (Nom.Sg.m.)
bhāryāpatyor mithaḥ kṛtaḥ
zwischen Ehefrau und Gatte gegenseitig gemacht (Gen.Du.; Part.)
tam evāhur garīyāṃsam
die nennen sie die gewichtigere (Akk.; Perf. 3.Pl.; Komp.)
yaś cāsau jñātibhiḥ kṛtaḥ
und die, die von den Verwandten gemacht wurde (Instr.Pl.)

devadattāṃ patir bhāryāṃ vetti dharmasya śāsanāt; sā daivīṃ mānuṣīṃ vācam anṛtāṃ paryudasyati

Die von den Göttern Gegebene, [die] Ehefrau, erkennt der Gatte aufgrund der Weisung der Pflicht [an]; sie weist göttliche und menschliche unwahre Rede zurück.

Wort für Wort
devadattāṃ patir bhāryām
die von den Göttern gegebene Ehefrau, der Gatte (Akk.Sg.f.; Nom.)
vetti dharmasya śāsanāt
erkennt [an] auf Weisung der Pflicht [?] (3.Sg.Präs.; Abl.)
sā daivīṃ mānuṣīṃ vācam
sie: die göttliche, menschliche Rede (Nom.Sg.f.; Akk.Sg.f.)
anṛtāṃ paryudasyati
als unwahre weist sie zurück [?] (Akk.; 3.Sg.Präs.)

Genaue Konstruktion und Sinn von „paryudasyati“ hier unsicher.

yudhiṣṭhira uvāca; kanyāyāṃ prāptaśulkāyāṃ jyāyāṃś ced āvrajed varaḥ; dharmakāmārthasaṃpanno vācyam atrānṛtaṃ na vā

Yudhiṣṭhira sprach: „Wenn bei einer Jungfrau, für die der Brautpreis erlangt [worden] ist, ein besserer Bräutigam kommt, ausgestattet mit Dharma, Kāma und Artha – ist dann [dem Ersten] Unwahrheit vorzuhalten oder nicht?“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf. 3.Sg.)
kanyāyāṃ prāptaśulkāyām
bei einer Jungfrau, für die der Brautpreis erlangt ist (Lok. Sg. f.)
jyāyāṃś ced āvrajed varaḥ
wenn ein besserer Bräutigam herankommt (Nom. Sg. m.; Opt. 3.Sg.)
dharmakāmārthasaṃpannaḥ
ausgestattet mit Dharma, Kāma und Artha (Kompositum, Nom. Sg. m.)
vācyam atrānṛtaṃ na vā
ist hierbei Unwahrheit anzulasten oder nicht (Gerundiv n.; Nom./Akk. anṛtam)

tasminn ubhayato doṣe kurvañ chreyaḥ samācaret; ayaṃ naḥ sarvadharmāṇāṃ dharmaś cintyatamo mataḥ

Bei diesem beiderseitigen Fehler: Was soll man tun, um das Bessere zu erreichen? Dies gilt uns als das am meisten zu bedenkende Dharma unter allen Dharmas.

Wort für Wort
tasmin ubhayato doṣe
in diesem beiderseitigen Fehler (Lok. Sg. m.)
kurvañ chreyaḥ samācaret
tuend [d. h. handelnd] soll man das Bessere ausüben (Part. Präs.; Opt. 3.Sg.)
ayaṃ naḥ sarvadharmāṇām
dies gilt uns unter allen Dharmas (Nom. Sg.; Gen. Pl.)
dharmaś cintyatamo mataḥ
als das Dharma, das am meisten zu bedenken ist, angesehen (Nom. Sg. m.; Superl.; Part. Perf. Pass.)

tattvaṃ jijñāsamānānāṃ cakṣur bhavatu no bhavān; tad etat sarvam ācakṣva na hi tṛpyāmi kathyatām

Für uns, die wir die Wahrheit ergründen wollen, sei du das Auge. Erkläre all dies; denn ich werde nicht satt – es möge erzählt werden.

Wort für Wort
tattvaṃ jijñāsamānānām
der die Wahrheit Erkundenden (Part. Desid. Med., Gen. Pl.)
cakṣur bhavatu no bhavān
ein Auge sei für uns du, Verehrter (Imp. 3.Sg.; Dat./Gen. Pl.; Nom. Sg.)
tad etat sarvam ācakṣva
all dies erkläre (Imp. Med. 2.Sg.)
na hi tṛpyāmi
denn ich werde nicht satt (1.Sg. Präs.)
kathyatām
es möge erzählt werden (Imp. Pass. 3.Sg.)

bhīṣma uvāca; na vai niṣṭhākaraṃ śulkaṃ jñātvāsīt tena nāhṛtam; na hi śulkaparāḥ santaḥ kanyāṃ dadati karhi cit

Bhīṣma sprach: „Der Brautpreis ist nicht entscheidend; [dies] wusste [er] und hat ihn darum nicht [als bindend] vorgebracht [?]. Denn Rechtschaffene, die auf den Brautpreis aus sind, geben eine Jungfrau niemals her.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf. 3.Sg.)
na vai niṣṭhākaraṃ śulkam
der Brautpreis ist nicht entscheidend/abschließend (Nom. Sg. n.)
jñātvāsīt tena nāhṛtam
erkannt war es; von ihm nicht herbeigebracht [?] (Abs./Ind.; Instr.; Part. Pass.)
na hi śulkaparāḥ santaḥ
denn nicht auf den Brautpreis Bedachte, Gute (Nom. Pl. m.)
kanyāṃ dadati karhi cit
geben eine Jungfrau jemals (Akk. Sg.; 3.Pl. Präs.)

Der Halbvers „jñātvāsīt tena nāhṛtam“ ist syntaktisch unklar (Lesart jñātvā āsīt? nāhṛtam = nicht vorgebracht/geholt?).

anyair guṇair upetaṃ tu śulkaṃ yācanti bāndhavāḥ; alaṃkṛtvā vahasveti yo dadyād anukūlataḥ

Verwandte verlangen aber einen Brautpreis in Gestalt anderer Vorzüge [nicht als Kaufpreis]. Wer [sie] wohlwollend mit den Worten „Schmücke [sie] und führe [sie] heim“ gibt,

Wort für Wort
anyair guṇair upetaṃ tu
versehen mit anderen Vorzügen aber (Instr. Pl.; Part. Perf. Pass.)
śulkaṃ yācanti bāndhavāḥ
einen Brautpreis verlangen die Verwandten (3.Pl.; Nom. Pl.)
alaṃkṛtvā vahasveti
„nachdem du [sie] geschmückt hast, führe heim“ (Abs.; Imp. Med. 2.Sg.; iti)
yo dadyād anukūlataḥ
wer gibt in Wohlwollen/Einverständnis (Opt. 3.Sg.; Abl.-Adv.)

tac ca tāṃ ca dadāty eva na śulkaṃ vikrayo na saḥ; pratigṛhya bhaved deyam eṣa dharmaḥ sanātanaḥ

der gibt eben jenes [Geschenk] und sie dazu; das ist kein Brautpreis, das ist kein Verkauf. Nachdem man [es] angenommen hat, ist [sie] zu geben; dies ist das ewige Dharma.

Wort für Wort
tac ca tāṃ ca dadāty eva
jenes und sie gibt er eben (Akk. n./f.; 3.Sg. Präs.)
na śulkaṃ
kein Brautpreis (Nom. Sg. n.)
vikrayo na saḥ
kein Verkauf ist jener (Nom. Sg. m.)
pratigṛhya bhaved deyam
nachdem man angenommen hat, ist [sie] zu geben (Abs.; Opt.; Gerundiv)
eṣa dharmaḥ sanātanaḥ
dies ist das ewige Dharma (Nom. Sg. m.)

dāsyāmi bhavate kanyām iti pūrvaṃ nabhāṣitam; ye caivāhur ye ca nāhur ye cāvaśyaṃ vadanty uta

„Ich werde dir die Jungfrau geben“ – so wurde vorher nicht gesprochen; [es gibt solche,] die es sagen, die es nicht sagen, und die es unbedingt sagen.

Wort für Wort
dāsyāmi bhavate kanyām
ich werde dir die Jungfrau geben (Fut. 1.Sg.; Dat.; Akk.)
iti pūrvaṃ nabhāṣitam
so, vorher nicht gesprochen (Part. Perf. Pass. mit na)
ye caivāhur ye ca nāhuḥ
und die, die sagen, und die, die nicht sagen (Perf. 3.Pl. āhuḥ)
ye cāvaśyaṃ vadanty uta
und die, die unbedingt sprechen (3.Pl. Präs.; Adv.)

Der Zusammenhang der Halbverse ist elliptisch.

tasmād ā grahaṇāt pāṇer yācayanti parasparam; kanyāvaraḥ purā datto marudbhir iti naḥ śrutam

Daher bitten sie einander bis zum Ergreifen der Hand. Ein Bräutigam für die Jungfrau wurde einst von den Maruts gegeben, so haben wir gehört.

Wort für Wort
tasmād ā grahaṇāt pāṇeḥ
daher bis zum Ergreifen der Hand (Abl.; Gen.)
yācayanti parasparam
sie bitten einander (3.Pl. Kaus./Präs.)
kanyāvaraḥ purā dattaḥ
ein Jungfrauenbräutigam wurde einst gegeben (Nom. Sg. m.; Part. Perf. Pass.)
marudbhir iti naḥ śrutam
von den Maruts – so [ist] von uns gehört (Instr. Pl.; Part. Perf. Pass.)

nāniṣṭāya pradātavyā kanyā ity ṛṣicoditam; tan mūlaṃ kāmamūlasya prajanasyeti me matiḥ

„Einem Unerwünschten darf die Jungfrau nicht gegeben werden“ – so wurde von Ṛṣis gelehrt. Das ist, so meine Ansicht, die Wurzel der aus Liebe [kāma] gewurzelten Fortpflanzung.

Wort für Wort
nāniṣṭāya pradātavyā kanyā
einem Unerwünschten ist eine Jungfrau nicht zu geben (Dat.; Gerundiv f.)
iti ṛṣicoditam
so von Ṛṣis angeregt/gelehrt (Part. Perf. Pass. n.)
tan mūlaṃ kāmamūlasya
das ist die Wurzel dessen, das im Verlangen wurzelt (Nom. n.; Gen. Sg. n.)
prajanasyeti me matiḥ
der Fortpflanzung – so ist meine Ansicht (Gen. Sg.; Nom. Sg. f.)

samīkṣya ca bahūn doṣān saṃvāsād vidviṣāṇayoḥ; yathā niṣṭhākaraṃ śulkaṃ na jātv āsīt tathā śṛṇu

Nachdem ich viele Nachteile des Zusammenlebens zweier einander Hassender bedacht hatte – höre, wie es dazu kam, dass der Brautpreis niemals entscheidend war.

Wort für Wort
samīkṣya ca bahūn doṣān
und nachdem [man] viele Fehler erwogen hat (Abs.; Akk. Pl.)
saṃvāsād vidviṣāṇayoḥ
vom Zusammenleben zweier einander Hassender (Abl.; Gen. Du. Part. Med.)
yathā niṣṭhākaraṃ śulkam
wie der Brautpreis entscheidend (Nom. Sg. n.)
na jātv āsīt tathā śṛṇu
niemals war – so höre (Impf. 3.Sg.; Imp. 2.Sg.)

ahaṃ vicitravīryāya dve kanye samudāvaham; jitvā ca māgadhān sarvān kāśīn atha ca kosalān; gṛhītapāṇir ekāsīt prāptaśulkāparābhavat

Ich führte für Vicitravīrya zwei Jungfrauen heim, nachdem ich alle Māgadhas, Kāśīs und Kosalas besiegt hatte. Die eine war [schon] an der Hand ergriffen [worden], die andere wurde zu einer, für die der Brautpreis erlangt war.

Wort für Wort
ahaṃ vicitravīryāya
ich für Vicitravīrya (Nom.; Dat.)
dve kanye samudāvaham
zwei Jungfrauen führte ich heim (Akk. Du.; Impf. 1.Sg.)
jitvā ca māgadhān sarvān
und nachdem ich alle Māgadhas besiegt hatte (Abs.; Akk. Pl.)
kāśīn atha ca kosalān
die Kāśīs und die Kosalas (Akk. Pl.)
gṛhītapāṇir ekāsīt
die eine war eine, deren Hand ergriffen war (Nom. Sg. f.; Impf. 3.Sg.)
prāptaśulkāparābhavat
die andere wurde eine mit erlangtem Brautpreis (Nom. Sg. f.; Impf.)

Zahlen und Namen der Jungfrauen weichen vom sonstigen Erzählzusammenhang ab (Ambā, Ambikā, Ambālikā); hier wörtlich wiedergegeben.

pāṇau gṛhītā tatraiva visṛjyā iti me pitā; abravīd itarāṃ kanyām āvahat sa tu kauravaḥ

„Die an der Hand Ergriffene ist eben dort freizulassen“, sagte mein Vater. Die andere Jungfrau aber führte jener Kaurava heim.

Wort für Wort
pāṇau gṛhītā tatraiva
die an der Hand Ergriffene eben dort (Part. Perf. Pass. f.; Adv.)
visṛjyā iti
freizulassen – so (Gerundiv f.)
me pitā abravīt
mein Vater sagte (Nom. Sg.; Impf. 3.Sg.)
itarāṃ kanyām āvahat
die andere Jungfrau führte heim (Akk. Sg.; Impf. 3.Sg.)
sa tu kauravaḥ
jener aber, der Kaurava (Nom. Sg. m.)

„Vater“: nach Vers 044.041 ist es Bāhlīka.

apy anyām anupapraccha śaṅkamānaḥ pitur vacaḥ; atīva hy asya dharmepsā pitur me 'bhyadhikābhavat

Ich fragte auch die andere weiter, da ich dem Wort des Vaters misstraute; denn das Verlangen nach Dharma war bei diesem meinem Vater übermäßig groß geworden [?].

Wort für Wort
apy anyām anupapraccha
ich fragte auch die andere weiter (Akk. Sg. f.; Perf. 1.Sg.)
śaṅkamānaḥ pitur vacaḥ
misstrauend dem Wort des Vaters (Part. Präs. Med.; Gen.; Akk.)
atīva hy asya dharmepsā
denn übermäßig [war] dessen Verlangen nach Dharma (Nom. Sg. f.)
pitur me 'bhyadhikābhavat
bei meinem Vater wurde es übergroß (Gen.; Impf. 3.Sg.)

Subjekt von anupapraccha (1./3.Sg. formgleich) und Bezug von „asya“ unsicher.

tato 'ham abruvaṃ rājann ācārepsur idaṃ vacaḥ; ācāraṃ tattvato vettum icchāmīti punaḥ punaḥ

Da sagte ich, o König, in dem Wunsch nach dem rechten Brauch, dieses Wort: „Den Brauch will ich der Wahrheit gemäß wissen“ – [und wiederholte es] immer wieder.

Wort für Wort
tato 'ham abruvaṃ rājan
da sprach ich, o König (Impf. 1.Sg.; Vok.)
ācārepsur idaṃ vacaḥ
nach dem Brauch verlangend dieses Wort (Nom. Sg. m.; Akk.)
ācāraṃ tattvato vettum
den Brauch der Wahrheit gemäß zu kennen (Akk.; Adv.; Inf.)
icchāmīti punaḥ punaḥ
ich wünsche – so, immer wieder (1.Sg. Präs.)

tato mayaivam ukte tu vākye dharmabhṛtāṃ varaḥ; pitā mama mahārāja bāhlīko vākyam abravīt

Als ich so gesprochen hatte, sagte da, o Großkönig, mein Vater Bāhlīka, der Beste unter den Dharmaträgern, ein Wort.

Wort für Wort
tato mayaivam ukte tu vākye
da, als von mir so das Wort gesprochen war (Instr.; Lok. abs.)
dharmabhṛtāṃ varaḥ
der Beste der Dharmaträger (Gen. Pl.; Nom. Sg.)
pitā mama mahārāja
mein Vater, o Großkönig (Nom.; Gen.; Vok.)
bāhlīko vākyam abravīt
Bāhlīka sprach ein Wort (Nom.; Akk.; Impf. 3.Sg.)

Bāhlīka ist Bhīṣmas Onkel väterlicherseits (pitṛvya), hier „Vater“ genannt.

yadi vaḥ śulkato niṣṭhā na pāṇigrahaṇaṃ tathā; lājāntaram upāsīta prāptaśulkā patiṃ vṛtam

„Wenn bei euch die Entscheidung vom Brautpreis abhängt und nicht ebenso vom Handergreifen, so soll die, für die der Brautpreis erlangt ist, nach dem Intervall der Röstkörner [?] dem erwählten Gatten dienen.“

Wort für Wort
yadi vaḥ śulkato niṣṭhā
wenn bei euch die Entscheidung vom Brautpreis her [liegt] (Gen./Dat. Pl.; Abl.-Adv.)
na pāṇigrahaṇaṃ tathā
nicht ebenso das Handergreifen (Nom. Sg. n.)
lājāntaram upāsīta
nach dem Röstkorn-Intervall [?] soll sie aufsuchen/dienen (Akk./Adv.; Opt. Med. 3.Sg.)
prāptaśulkā patiṃ vṛtam
[die] mit erlangtem Brautpreis den erwählten Gatten (Nom. Sg. f.; Akk. Sg.; Part. Perf. Pass.)

„lājāntaram“ unsicher (Zwischenraum/Zeitpunkt der Röstkorn-Opferung); Sinn daher nur vorläufig.

na hi dharmavidaḥ prāhuḥ pramāṇaṃ vākyataḥ smṛtam; yeṣāṃ vai śulkato niṣṭhā na pāṇigrahaṇāt tathā

Denn die Dharma-Kundigen nennen nicht als Maßstab, was bloß durch Rede überliefert ist, bei denen, deren Entscheidung vom Brautpreis abhängt und nicht ebenso vom Handergreifen.

Wort für Wort
na hi dharmavidaḥ prāhuḥ
denn die Dharma-Kenner sagen nicht (Nom. Pl.; Perf. 3.Pl.)
pramāṇaṃ vākyataḥ smṛtam
als Maßstab das durch Wort Überlieferte (Akk./Nom. n.; Abl.-Adv.; Part. Perf. Pass.)
yeṣāṃ vai śulkato niṣṭhā
[von denen], bei denen die Entscheidung vom Brautpreis her ist (Gen. Pl.)
na pāṇigrahaṇāt tathā
nicht ebenso vom Handergreifen (Abl.)

prasiddhaṃ bhāṣitaṃ dāne teṣāṃ pratyasanaṃ punaḥ; ye manyante krayaṃ śulkaṃ na te dharmavido janāḥ

Bei ihnen ist das beim Geben Gesprochene bekannt, ebenso wieder die Zurückweisung [?]. Die den Brautpreis für einen Kauf halten, sind keine Dharma-Kenner.

Wort für Wort
prasiddhaṃ bhāṣitaṃ dāne
allgemein bekannt [ist] das Gesagte beim Geben (Part. Perf. Pass. n.; Lok.)
teṣāṃ pratyasanaṃ punaḥ
deren Zurückweisung wiederum [?] (Gen. Pl.; Nom. n.)
ye manyante krayaṃ śulkam
die den Brautpreis für einen Kauf halten (3.Pl. Med.; Akk.)
na te dharmavido janāḥ
nicht sind jene Leute Dharma-Kenner (Nom. Pl. m.)

„pratyasanam“ (Zurückweisung/Verwerfung) unsicher in der Konstruktion.

na caitebhyaḥ pradātavyā na voḍhavyā tathāvidhā; na hy eva bhāryā kretavyā na vikreyā kathaṃ cana

Weder ist einem von diesen [die Jungfrau] zu geben, noch ist eine solche [von ihnen] heimzuführen; denn niemals ist eine Gattin zu kaufen oder zu verkaufen.

Wort für Wort
na caitebhyaḥ pradātavyā
und nicht diesen ist [sie] zu geben (Dat. Pl.; Gerundiv f.)
na voḍhavyā tathāvidhā
noch ist eine solche heimzuführen (Gerundiv f.; Nom. Sg.)
na hy eva bhāryā kretavyā
denn niemals ist eine Gattin zu kaufen (Nom. Sg. f.; Gerundiv)
na vikreyā kathaṃ cana
nicht zu verkaufen auf irgendeine Weise (Gerundiv f.)

ye ca krīṇanti dāsīvad ye ca vikrīṇate janāḥ; bhavet teṣāṃ tathā niṣṭhā lubdhānāṃ pāpacetasām

Und die Leute, die [eine Frau] wie eine Sklavin kaufen, und die, die sie verkaufen – deren Entscheidung mag ebenso sein, der Habgierigen, im Sinn Sündigen.

Wort für Wort
ye ca krīṇanti dāsīvat
und die, die wie eine Sklavin kaufen (3.Pl. Präs.; Adv.)
ye ca vikrīṇate janāḥ
und die Leute, die verkaufen (3.Pl. Med.; Nom. Pl.)
bhavet teṣāṃ tathā niṣṭhā
deren Entscheidung mag ebenso sein (Opt. 3.Sg.; Gen. Pl.; Nom. Sg. f.)
lubdhānāṃ pāpacetasām
der Habgierigen, sündig Gesinnten (Gen. Pl.; Kompositum)

asmin dharme satyavantaṃ paryapṛcchanta vai janāḥ; kanyāyāḥ prāptaśulkāyāḥ śulkadaḥ praśamaṃ gataḥ

In diesem Dharma-Fall befragten die Leute Satyavān: „Bei einer Jungfrau, für die der Brautpreis erlangt ist, ist der Brautpreisgeber zur Ruhe gegangen [gestorben?],

Wort für Wort
asmin dharme
in diesem Dharma-Fall (Lok. Sg.)
satyavantaṃ paryapṛcchanta vai
Satyavān befragten (Akk.; Impf. Med. 3.Pl.)
janāḥ
die Leute (Nom. Pl.)
kanyāyāḥ prāptaśulkāyāḥ
bei einer Jungfrau mit erlangtem Brautpreis (Gen. Sg. f.)
śulkadaḥ praśamaṃ gataḥ
der Brautpreisgeber zur Ruhe gegangen (Nom. Sg.; Part. Perf. Pass.)

Der Satz läuft in der nächsten Einheit weiter; „praśamaṃ gataḥ“ evtl. „gestorben“.

pāṇigrahītā cānyaḥ syād atra no dharmasaṃśayaḥ; tan naś chindhi mahāprājña tvaṃ hi vai prājñasaṃmataḥ; tattvaṃ jijñāsamānānāṃ cakṣur bhavatu no bhavān

und ein anderer wäre der Handergreifer; hierbei haben wir einen Zweifel über das Dharma. Entscheide uns das, du Hochweiser, denn du giltst als weise unter den Weisen; für uns, die wir die Wahrheit ergründen wollen, sei du das Auge.“

Wort für Wort
pāṇigrahītā cānyaḥ syāt
und ein anderer wäre Handergreifer (Nom. Sg.; Opt. 3.Sg.)
atra no dharmasaṃśayaḥ
hier haben wir einen Dharma-Zweifel (Lok.-Adv.; Nom. Sg. m.)
tan naś chindhi mahāprājña
das entscheide uns, du Hochweiser (Imp. 2.Sg.; Vok.)
tvaṃ hi vai prājñasaṃmataḥ
denn du bist bei den Weisen geachtet (Nom.; Part. Perf. Pass.)
tattvaṃ jijñāsamānānām
der die Wahrheit Erkundenden (Gen. Pl.)
cakṣur bhavatu no bhavān
ein Auge sei uns du (Imp. 3.Sg.)

tān evaṃ bruvataḥ sarvān satyavān vākyam abravīt; yatreṣṭaṃ tatra deyā syān nātra kāryā vicāraṇā; kurvate jīvato 'py evaṃ mṛte naivāsti saṃśayaḥ

Zu ihnen, die so sprachen, sagte Satyavān allen dieses Wort: „Wo man es wünscht, dort soll sie gegeben werden; hierbei ist keine Erwägung anzustellen. Man handelt so auch bei einem Lebenden; beim Toten aber besteht überhaupt kein Zweifel.“

Wort für Wort
tān evaṃ bruvataḥ sarvān
zu ihnen allen, die so sprachen (Akk. Pl.; Part. Präs.)
satyavān vākyam abravīt
Satyavān sprach das Wort (Nom.; Akk.; Impf.)
yatreṣṭaṃ tatra deyā syāt
wo es gewünscht ist, dort soll sie gegeben werden (Opt.; Gerundiv f.)
nātra kāryā vicāraṇā
hier ist keine Erwägung zu machen (Gerundiv f.; Nom. Sg.)
kurvate jīvato 'py evam
sie handeln so auch beim Lebenden (3.Pl. Med.; Gen.)
mṛte naivāsti saṃśayaḥ
beim Toten gibt es keinen Zweifel (Lok.; 3.Sg.)

Letzter Halbvers knapp; Lesart „jīvato ’py evaṃ“ = auch beim Lebenden.

devaraṃ praviśet kanyā tapyed vāpi mahat tapaḥ; tam evānuvratā bhūtvā pāṇigrāhasya nāma sā

Die Jungfrau mag zum Schwager eingehen oder auch große Askese üben; ihm ergeben geworden, [trägt] sie den Namen des Handergreifers [?].

Wort für Wort
devaraṃ praviśet kanyā
zum Schwager möge die Jungfrau eingehen (Akk.; Opt. 3.Sg.)
tapyed vāpi mahat tapaḥ
oder auch mag sie große Askese üben (Opt. Pass./Med.; Akk. n.)
tam evānuvratā bhūtvā
eben ihm ergeben geworden (Akk.; Nom. f.; Abs.)
pāṇigrāhasya nāma sā
den Namen des Handergreifers [trägt] sie (Gen.; Nom. f.)

Zweiter Halbvers syntaktisch knapp und unsicher.

likhanty eva tu keṣāṃ cid apareṣāṃ śanair api; iti ye saṃvadanty atra ta etaṃ niścayaṃ viduḥ

Bei manchen schreibt man es aber auch nieder, bei anderen allmählich [?]. Die hierbei so übereinstimmend sprechen, die kennen diese Entscheidung.

Wort für Wort
likhanty eva tu keṣāṃ cit
sie schreiben es aber bei manchen (3.Pl. Präs.; Gen.)
apareṣāṃ śanair api
bei anderen auch allmählich [?] (Gen. Pl.; Adv.)
iti ye saṃvadanty atra
die, die so hierbei übereinstimmend reden (3.Pl. Präs.)
ta etaṃ niścayaṃ viduḥ
jene kennen diese Entscheidung (Nom. Pl.; Akk.; Perf. 3.Pl.)

„likhanti“ und „śanair api“ unsicher.

tat pāṇigrahaṇāt pūrvam uttaraṃ yatra vartate; sarvamaṅgalamantraṃ vai mṛṣāvādas tu pātakaḥ

Dies [gilt]: Wo vor dem Handergreifen eine Antwort [Abmachung] besteht – [maßgeblich ist] das alles Glück bringende Mantra; Lüge aber ist verderblich [?].

Wort für Wort
tat pāṇigrahaṇāt pūrvam
dies [gilt] vor dem Handergreifen (Nom. n.; Abl.-Adv.)
uttaraṃ yatra vartate
wo eine Antwort besteht (Nom. n.; 3.Sg. Präs. Med.)
sarvamaṅgalamantraṃ vai
das Mantra aller Segnungen (Kompositum, Nom./Akk. n.)
mṛṣāvādas tu pātakaḥ
Lüge aber ist sündhaft/verderblich (Nom. Sg. m.)

Verderbter oder sehr knapper Text; Deutung vorläufig.

pāṇigrahaṇamantrāṇāṃ niṣṭhā syāt saptame pade; pāṇigrāhasya bhāryā syād yasya cādbhiḥ pradīyate

Die Entscheidung über die Handergreifungs-Mantras soll beim siebten Schritt liegen; Gattin des Handergreifers soll sie sein, [dem] sie mit Wasser gegeben wird.

Wort für Wort
pāṇigrahaṇamantrāṇām
der Handergreifungs-Mantras (Gen. Pl. m.)
niṣṭhā syāt saptame pade
die Entscheidung sei beim siebten Schritt (Opt. 3.Sg.; Lok.)
pāṇigrāhasya bhāryā syāt
des Handergreifers Gattin soll sie sein (Gen.; Nom. f.; Opt.)
yasya cādbhiḥ pradīyate
und dem sie mit Wasser gegeben wird (Gen. rel.; Instr. Pl.; Pass. 3.Sg.)

anukūlām anuvaṃśāṃ bhrātrā dattām upāgnikām; parikramya yathānyāyaṃ bhāryāṃ vinded dvijottamaḥ

Eine Willfährige, der [rechten] Familie Entstammende, vom Bruder Gegebene, beim Feuer [Stehende] – nachdem er sie, wie es Recht ist, umschritten hat, soll der Beste der Zweimalgeborenen die Gattin gewinnen.

Wort für Wort
anukūlām anuvaṃśām
eine Willfährige, der Familie Entsprechende (Akk. Sg. f.)
bhrātrā dattām
vom Bruder gegeben (Instr.; Part. Perf. Pass. Akk. f.)
upāgnikām
beim Feuer [stehend] (Akk. Sg. f.)
parikramya yathānyāyam
nachdem er umschritten hat, wie es Recht ist (Abs.; Adv.)
bhāryāṃ vinded dvijottamaḥ
die Gattin soll gewinnen der Beste der Zweimalgeborenen (Akk.; Opt. 3.Sg.; Nom.)

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