Kapitel 44: vivāhadharma-kanyādāna-śulkaviveka
Die Eheformen, der Brautpreis und die Frage, wem das Mädchen gehört
Bhīṣma belehrt Yudhiṣṭhira über die rechte Weise, ein Mädchen zu geben, die acht Eheformen (hier bes. brāhma, kṣātra, gāndharva, āsura, rākṣasa, paiśāca), Heiratsalter und Brautpreis; im Fortgang wird die Rechtslage bei mehreren Bewerbern erörtert.
yudhiṣṭhira uvāca; yan mūlaṃ sarvadharmāṇāṃ prajanasya gṛhasya ca; pitṛdevātithīnāṃ ca tan me brūhi pitāmaha
Yudhiṣṭhira sprach: „Was die Wurzel aller Pflichten ist, der Zeugung und des Hauses und [der Pflichten] gegenüber Ahnen, Göttern und Gästen, das sage mir, Großvater.“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf. 3.Sg.)
yan mūlaṃ sarvadharmāṇām
was die Wurzel aller Pflichten [ist] (Nom.Sg.n. / Gen.Pl.)
prajanasya gṛhasya ca
der Zeugung und des Hauses (Gen.Sg.)
pitṛdevātithīnāṃ ca
und der Ahnen, Götter und Gäste (Dvandva, Gen.Pl.)
Bhīṣma sprach: „Diese Pflicht gilt unter allen Pflichten als die am meisten der Überlegung würdige: einem wie beschaffenen [Bräutigam] soll ein Mädchen gegeben werden, Herr der Erde?“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf. 3.Sg.)
ayaṃ hi sarvadharmāṇāṃ dharmaḥ
denn diese Pflicht unter allen Pflichten (Nom.Sg.m. / Gen.Pl.)
cintyatamo mataḥ
gilt als am meisten zu bedenken (Superl., Part.Perf.Pass.)
kīdṛśāya pradeyā syāt kanyā
einem wie beschaffenen soll das Mädchen zu geben sein (Dat.Sg.; Pot. 3.Sg.)
śīlavṛtte samājñāya vidyāṃ yoniṃ ca karma ca; adbhir eva pradātavyā kanyā guṇavate vare; brāhmaṇānāṃ satām eṣa dharmo nityaṃ yudhiṣṭhira
Wenn man Charakter und Lebenswandel, Wissen, Herkunft und Tun [des Bewerbers] erkannt hat, soll das Mädchen allein mit Wasser einem tugendhaften Bräutigam gegeben werden. Dies ist stets die Pflicht der guten Brahmanen, Yudhiṣṭhira.
Wort für Wort
śīlavṛtte samājñāya
Charakter und Lebenswandel erkannt habend (Akk.Du.; Gerundium)
vidyāṃ yoniṃ ca karma ca
Wissen, Herkunft und Tun (Akk.Sg.)
adbhir eva pradātavyā
allein mit Wasser zu geben (Instr.Pl.; Gerundiv)
kanyā guṇavate vare
das Mädchen einem tugendhaften Bräutigam (Nom.Sg.f.; Dat./Lok.Sg.)
brāhmaṇānāṃ satām eṣa dharmaḥ
dies ist die Pflicht der guten Brahmanen (Gen.Pl.)
āvāhyam āvahed evaṃ yo dadyād anukūlataḥ; śiṣṭānāṃ kṣatriyāṇāṃ ca dharma eṣa sanātanaḥ
Die Heimzuführende soll [der Bräutigam] so heimführen, [und ebenso], wer sie wohlwollend gibt. Dies ist der ewige Brauch der Wohlgesitteten und der Kṣatriyas.
Wort für Wort
āvāhyam āvahed evam
die Heimzuführende soll man so heimführen (Gerundiv Akk.; Pot. 3.Sg.)
yo dadyād anukūlataḥ
wer [sie] gibt aus Wohlwollen (Pot. 3.Sg.; Abl.-Adv.)
śiṣṭānāṃ kṣatriyāṇāṃ ca
der Wohlgesitteten und der Kṣatriyas (Gen.Pl.)
dharma eṣa sanātanaḥ
dies ist die ewige Pflicht (Nom.Sg.m.)
Konstruktion des ersten Halbverses knapp; „āvāhyam“ als Gerundiv (die Heimzuführende) gefasst.
ātmābhipretam utsṛjya kanyābhipreta eva yaḥ; abhipretā ca yā yasya tasmai deyā yudhiṣṭhira; gāndharvam iti taṃ dharmaṃ prāhur dharmavido janāḥ
Wer den eigenen Wunsch beiseitelässt und allein den Wunsch des Mädchens [gelten lässt], und wem ein Mädchen lieb ist, dem soll sie gegeben werden, Yudhiṣṭhira. Diese Pflicht nennen die Pflichtkundigen „gāndharva“.
Wort für Wort
ātmābhipretam utsṛjya
das vom Selbst Gewünschte aufgebend (Akk.; Gerundium)
kanyābhipreta eva yaḥ
wer nur das vom Mädchen Gewünschte [beachtet] (Nom.Sg.m.)
abhipretā ca yā yasya
und die, die von jemandem gewünscht ist (Nom.Sg.f.; Gen.)
tasmai deyā yudhiṣṭhira
dem ist sie zu geben, Yudhiṣṭhira (Dat.; Gerundiv; Vok.)
Nachdem man [Widerstand leistenden Verwandten] die Köpfe erschlagen und abgeschlagen hat, [ist es] der gewaltsame Raub [des Mädchens] aus dem Haus der Weinenden, während sie weint, mein Lieber: das ist das Kennzeichen der Rākṣasa-Pflicht.
Wort für Wort
hatvā chittvā ca śīrṣāṇi
erschlagen und abgeschlagen habend die Köpfe (Gerundien; Akk.Pl.)
rudatāṃ rudatīṃ gṛhāt
der Weinenden [Gen.Pl.], die Weinende [Akk.Sg.f.], aus dem Haus (Part.Präs.; Abl.)
prasahya haraṇam
gewaltsames Wegnehmen (Gerundium; Nom.Sg.n.)
tāta
mein Lieber (Vok.)
rākṣasaṃ dharmalakṣaṇam
das Rākṣasa-[Verfahren], Kennzeichen der Pflicht (Nom.Sg.n.)
Der Genitiv rudatāṃ rudatīm ist knapp; „Köpfe“ als Köpfe der sich Widersetzenden ergänzt.
Wer eine Schlafende, Berauschte oder Unachtsame im Verborgenen aufsucht, das ist die schlimmste der Eheschließungen, als „paiśāca“ bekannt, die niedrigste.
Wort für Wort
suptāṃ mattāṃ pramattāṃ vā
eine Schlafende, Berauschte oder Unachtsame (Akk.Sg.f.)
raho yatropagacchati
im Verborgenen, wo einer sich nähert (Adv.; 3.Sg.Präs.)
sa pāpiṣṭho vivāhānām
das ist die schlimmste der Eheschließungen (Superl. Nom.; Gen.Pl.)
paiśācaḥ prathito 'dhamaḥ
Paiśāca genannt, die niedrigste (Part.Perf.Pass.; Nom.Sg.m.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (Sternstelle).
Die brāhma-, die kṣātra- und die gāndharva-[Ehe]: diese sind pflichtgemäß, Bester der Männer. Getrennt oder gemischt sind sie zu vollziehen, darüber besteht kein Zweifel.
Wort für Wort
brāhmaḥ kṣātro 'tha gāndharva
die Brāhma-, die Kṣātra- und die Gāndharva-[Ehe] (Nom.Sg.)
ete dharmyā nararṣabha
diese sind pflichtgemäß, Stier unter den Männern (Nom.Pl.; Vok.)
pṛthag vā yadi vā miśrāḥ
getrennt oder gemischt (Adv.; Nom.Pl.)
kartavyā nātra saṃśayaḥ
sind zu vollziehen, hierin ist kein Zweifel (Gerundiv; Nom.Sg.)
Drei Ehefrauen [darf] ein Brahmane [haben], zwei Ehefrauen aber ein Kṣatriya; ein Vaiśya soll [nur] eine aus der eigenen Kaste nehmen. Bei diesen soll die Nachkommenschaft gleich [gelten].
Wort für Wort
tisro bhāryā brāhmaṇasya
drei Ehefrauen für den Brahmanen (Nom.Pl.f.; Gen.Sg.)
dve bhārye kṣatriyasya tu
zwei Ehefrauen aber für den Kṣatriya (Nom.Du.f.)
vaiśyaḥ svajātiṃ vindeta
der Vaiśya soll eine der eigenen Kaste finden (Pot. Med. 3.Sg.)
tāsv apatyaṃ samaṃ bhavet
bei diesen soll die Nachkommenschaft gleich sein (Lok.Pl.f.; Pot.)
brāhmaṇī tu bhavej jyeṣṭhā kṣatriyā kṣatriyasya tu; ratyartham api śūdrā syān nety āhur apare janāḥ
Die Brahmanin soll die Älteste sein, aber für den Kṣatriya die Kṣatriya-Frau. Auch zum Liebesvergnügen möge es eine Śūdra-Frau sein; „nein“, sagen andere Leute.
Wort für Wort
brāhmaṇī tu bhavej jyeṣṭhā
die Brahmanin soll die Älteste [Hauptfrau] sein (Nom.Sg.f.; Pot.)
kṣatriyā kṣatriyasya tu
die Kṣatriya-Frau für den Kṣatriya (Nom.Sg.f.; Gen.)
ratyartham api śūdrā syāt
zum Liebesvergnügen auch eine Śūdra-Frau möge sein (Adv.; Pot.)
nātibālāṃ vahanty anye anityatvāt prajārthinaḥ; vahanti karmiṇas tasyām antaḥśuddhivyapekṣayā; aparānvayasaṃbhūtāṃ saṃsvapnādivivarjitām; kāmo yasyāṃ niṣiddhaś ca ke cid icchanti cāpadi
Manche heiraten eine nicht allzu junge [Frau], da [das Leben] unbeständig ist, die Nachkommen Wünschenden; die Ritualtätigen heiraten sie im Hinblick auf innere Reinheit; eine, die aus anderer Abstammung geboren [?] und frei von Beischlaf und dergleichen ist; [eine,] bei der Begierde untersagt ist [?] – manche wünschen [sie] auch in der Not.
Wort für Wort
nātibālāṃ vahanty anye
eine nicht allzu junge heiraten andere (Akk.Sg.f.; 3.Pl.Präs.)
anityatvāt prajārthinaḥ
wegen der Unbeständigkeit, Nachkommen Wünschende (Abl.; Nom.Pl.)
vahanti karmiṇas tasyām
die Ritualtätigen heiraten, in Bezug auf sie (Nom.Pl.; Lok.Sg.f.)
antaḥśuddhivyapekṣayā
im Hinblick auf innere Reinheit (Instr.Sg.)
aparānvayasaṃbhūtām
aus anderer Abstammung geboren [?] (Akk.Sg.f.)
saṃsvapnādivivarjitām
frei von gemeinsamem Schlafen und dergleichen (Akk.Sg.f.)
kāmo yasyāṃ niṣiddhaś ca
und bei der Begierde untersagt ist [?] (Nom.Sg.; Part.)
ke cid icchanti cāpadi
manche wünschen [sie] auch in der Not (3.Pl.Präs.; Lok.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (Sternstelle); Text sehr knapp und vermutlich gestört, Deutung unsicher.
Drei Jahre soll ein Mädchen, das die Regel hat, [als] tugendhafte [Frau] abwarten; ist aber das vierte erreicht, soll sie sich selbst einen Gatten erwerben.
Wort für Wort
trīṇi varṣāṇy udīkṣeta
drei Jahre soll sie abwarten (Akk.Pl.n.; Pot. Med. 3.Sg.)
kanyā ṛtumatī satī
das Mädchen, die Menstruierende, die Tugendhafte (Nom.Sg.f.)
caturthe tv atha saṃprāpte
wenn aber dann das vierte erreicht ist (Lok. abs.)
svayaṃ bhartāram arjayet
selbst soll sie einen Gatten erwerben (Adv.; Akk.; Pot. 3.Sg.)
prajano hīyate tasyā ratiś ca bharatarṣabha; ato 'nyathā vartamānā bhaved vācyā prajāpateḥ
Ihr geht die Zeugung [Kinder] und die Lust verloren, Stier der Bharatas; wenn sie anders verfährt als so, wäre sie [vom Schöpfer] Prajāpati zu tadeln [?].
Wort für Wort
prajano hīyate tasyāḥ
die Zeugung geht ihr verloren (Nom.Sg.; Pass. 3.Sg.; Gen.Sg.f.)
ratiś ca bharatarṣabha
und die Lust, Stier der Bharatas (Nom.Sg.; Vok.)
ato 'nyathā vartamānā
wenn sie anders als so verfährt (Abl.-Adv.; Part.Präs. Med.)
bhaved vācyā prajāpateḥ
wäre sie zu tadeln von Prajāpati her [?] (Pot.; Gerundiv; Gen./Abl.)
Zweiter Halbvers in der Konstruktion (vācyā prajāpateḥ) unsicher.
asapiṇḍā ca yā mātur asagotrā ca yā pituḥ; ity etām anugaccheta taṃ dharmaṃ manur abravīt
Die von der Mutter her keine Sapiṇḍa-Verwandte und vom Vater her nicht von gleichem Gotra ist: diese soll man heiraten, [so] sprach Manu die Pflicht aus.
Wort für Wort
asapiṇḍā ca yā mātuḥ
und die keine Sapiṇḍa von der Mutter her ist (Nom.Sg.f.; Gen.)
asagotrā ca yā pituḥ
und die nicht gleichen Gotras vom Vater her ist (Nom.Sg.f.)
ity etām anugaccheta
diese soll man aufsuchen [heiraten] (Akk.; Pot. 3.Sg.)
Yudhiṣṭhira sprach: „Der Brautpreis mag von einem [Mann] gegeben sein, ein anderer sagt: ‚Ich gebe [ihn]‘, ein anderer mag mit Gewalt [Anspruch] anmelden, ein anderer Vermögen vorzeigen.“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
śulkam anyena dattaṃ syāt
der Brautpreis möge von einem anderen gegeben sein (Nom.; Instr.; Part.; Pot.)
dadānīty āha cāparaḥ
„ich gebe“, sagt ein anderer (1.Sg.Präs.; Perf. 3.Sg.)
balād anyaḥ prabhāṣeta
mit Gewalt möge ein anderer sprechen (Abl.; Pot. Med.)
dhanam anyaḥ pradarśayet
Vermögen möge ein anderer zeigen (Akk.; Kaus.Pot.)
Bhīṣma sprach: „Jedes menschliche Werk, das zum [festen] Bestand vollzogen wird, [gilt] dessen, [der es tut], als mit Mantra-Sprüchen begleitet [und] beschlossen; die Lüge aber ist ein Vergehen.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
yat kiṃ cit karma mānuṣyam
welches menschliche Werk auch immer (Nom.Sg.n.)
saṃsthānāya prakṛṣyate
zum Bestand/zur Vollendung durchgeführt wird (Dat.; Pass. 3.Sg.)
mantravan mantritaṃ tasya
mit Mantra versehen [und] beschlossen [ist] es für ihn (Nom.Sg.n.; Part.; Gen.)
mṛṣāvādas tu pātakaḥ
die Lüge aber ist ein Vergehen (Nom.Sg.m.)
Deutung von „saṃsthānāya prakṛṣyate“ und „mantritam“ mit Vorbehalt.
na hy akāmena saṃvādaṃ manur evaṃ praśaṃsati; ayaśasyam adharmyaṃ ca yan mṛṣā dharmakopanam
Denn Manu billigt eine Abmachung nicht auf diese Weise, wenn sie wider Willen [geschlossen ist]; unrühmlich und pflichtwidrig ist, was Lüge ist, und zerstört die Pflicht.
Wort für Wort
na hy akāmena saṃvādam
denn nicht durch [einen] Unwilligen [?] die Abmachung (Instr.Sg.m.; Akk.)
manur evaṃ praśaṃsati
Manu lobt so (Nom.; 3.Sg.Präs.)
ayaśasyam adharmyaṃ ca
unrühmlich und pflichtwidrig (Nom.Sg.n.)
yan mṛṣā dharmakopanam
was Lüge [ist], die Pflicht Erzürnendes (Adv./Nom.; Nom.Sg.n.)
Sinn von „akāmena“ und dem ersten Halbvers unsicher.
naikāntadoṣa ekasmiṃs tad dānaṃ nopalabhyate; dharmato yāṃ prayacchanti yāṃ ca krīṇanti bhārata
Nicht in einem einzigen [Teil] liegt ein ausschließlicher Fehler; jene Gabe findet sich [so] nicht vor, [weder bei der,] die man pflichtgemäß gibt, noch bei der, die man kauft, Bhārata.
Wort für Wort
naikāntadoṣa ekasmiṃs
kein ausschließlicher Fehler in einem einzigen (Nom.; Lok.Sg.)
tad dānaṃ nopalabhyate
jene Gabe wird nicht gefunden [?] (Nom.Sg.n.; Pass. 3.Sg.)
dharmato yāṃ prayacchanti
die man dem Recht gemäß gibt (Abl.-Adv.; 3.Pl.Präs.)
yas tv atra mantrasamayo bhāryāpatyor mithaḥ kṛtaḥ; tam evāhur garīyāṃsaṃ yaś cāsau jñātibhiḥ kṛtaḥ
Welche Mantra-Vereinbarung hier zwischen Ehefrau und Gatte gegenseitig getroffen wurde, die nennen sie die gewichtigere, und [auch die], die von den Verwandten getroffen wurde.
Wort für Wort
yas tv atra mantrasamayaḥ
welche Mantra-Vereinbarung hier (Nom.Sg.m.)
bhāryāpatyor mithaḥ kṛtaḥ
zwischen Ehefrau und Gatte gegenseitig gemacht (Gen.Du.; Part.)
tam evāhur garīyāṃsam
die nennen sie die gewichtigere (Akk.; Perf. 3.Pl.; Komp.)
yaś cāsau jñātibhiḥ kṛtaḥ
und die, die von den Verwandten gemacht wurde (Instr.Pl.)
Die von den Göttern Gegebene, [die] Ehefrau, erkennt der Gatte aufgrund der Weisung der Pflicht [an]; sie weist göttliche und menschliche unwahre Rede zurück.
Wort für Wort
devadattāṃ patir bhāryām
die von den Göttern gegebene Ehefrau, der Gatte (Akk.Sg.f.; Nom.)
vetti dharmasya śāsanāt
erkennt [an] auf Weisung der Pflicht [?] (3.Sg.Präs.; Abl.)
sā daivīṃ mānuṣīṃ vācam
sie: die göttliche, menschliche Rede (Nom.Sg.f.; Akk.Sg.f.)
anṛtāṃ paryudasyati
als unwahre weist sie zurück [?] (Akk.; 3.Sg.Präs.)
Genaue Konstruktion und Sinn von „paryudasyati“ hier unsicher.
Yudhiṣṭhira sprach: „Wenn bei einer Jungfrau, für die der Brautpreis erlangt [worden] ist, ein besserer Bräutigam kommt, ausgestattet mit Dharma, Kāma und Artha – ist dann [dem Ersten] Unwahrheit vorzuhalten oder nicht?“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf. 3.Sg.)
kanyāyāṃ prāptaśulkāyām
bei einer Jungfrau, für die der Brautpreis erlangt ist (Lok. Sg. f.)
jyāyāṃś ced āvrajed varaḥ
wenn ein besserer Bräutigam herankommt (Nom. Sg. m.; Opt. 3.Sg.)
dharmakāmārthasaṃpannaḥ
ausgestattet mit Dharma, Kāma und Artha (Kompositum, Nom. Sg. m.)
vācyam atrānṛtaṃ na vā
ist hierbei Unwahrheit anzulasten oder nicht (Gerundiv n.; Nom./Akk. anṛtam)
Bei diesem beiderseitigen Fehler: Was soll man tun, um das Bessere zu erreichen? Dies gilt uns als das am meisten zu bedenkende Dharma unter allen Dharmas.
Wort für Wort
tasmin ubhayato doṣe
in diesem beiderseitigen Fehler (Lok. Sg. m.)
kurvañ chreyaḥ samācaret
tuend [d. h. handelnd] soll man das Bessere ausüben (Part. Präs.; Opt. 3.Sg.)
ayaṃ naḥ sarvadharmāṇām
dies gilt uns unter allen Dharmas (Nom. Sg.; Gen. Pl.)
dharmaś cintyatamo mataḥ
als das Dharma, das am meisten zu bedenken ist, angesehen (Nom. Sg. m.; Superl.; Part. Perf. Pass.)
bhīṣma uvāca; na vai niṣṭhākaraṃ śulkaṃ jñātvāsīt tena nāhṛtam; na hi śulkaparāḥ santaḥ kanyāṃ dadati karhi cit
Bhīṣma sprach: „Der Brautpreis ist nicht entscheidend; [dies] wusste [er] und hat ihn darum nicht [als bindend] vorgebracht [?]. Denn Rechtschaffene, die auf den Brautpreis aus sind, geben eine Jungfrau niemals her.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf. 3.Sg.)
na vai niṣṭhākaraṃ śulkam
der Brautpreis ist nicht entscheidend/abschließend (Nom. Sg. n.)
jñātvāsīt tena nāhṛtam
erkannt war es; von ihm nicht herbeigebracht [?] (Abs./Ind.; Instr.; Part. Pass.)
na hi śulkaparāḥ santaḥ
denn nicht auf den Brautpreis Bedachte, Gute (Nom. Pl. m.)
kanyāṃ dadati karhi cit
geben eine Jungfrau jemals (Akk. Sg.; 3.Pl. Präs.)
Der Halbvers „jñātvāsīt tena nāhṛtam“ ist syntaktisch unklar (Lesart jñātvā āsīt? nāhṛtam = nicht vorgebracht/geholt?).
anyair guṇair upetaṃ tu śulkaṃ yācanti bāndhavāḥ; alaṃkṛtvā vahasveti yo dadyād anukūlataḥ
Verwandte verlangen aber einen Brautpreis in Gestalt anderer Vorzüge [nicht als Kaufpreis]. Wer [sie] wohlwollend mit den Worten „Schmücke [sie] und führe [sie] heim“ gibt,
Wort für Wort
anyair guṇair upetaṃ tu
versehen mit anderen Vorzügen aber (Instr. Pl.; Part. Perf. Pass.)
śulkaṃ yācanti bāndhavāḥ
einen Brautpreis verlangen die Verwandten (3.Pl.; Nom. Pl.)
tac ca tāṃ ca dadāty eva na śulkaṃ vikrayo na saḥ; pratigṛhya bhaved deyam eṣa dharmaḥ sanātanaḥ
der gibt eben jenes [Geschenk] und sie dazu; das ist kein Brautpreis, das ist kein Verkauf. Nachdem man [es] angenommen hat, ist [sie] zu geben; dies ist das ewige Dharma.
Wort für Wort
tac ca tāṃ ca dadāty eva
jenes und sie gibt er eben (Akk. n./f.; 3.Sg. Präs.)
na śulkaṃ
kein Brautpreis (Nom. Sg. n.)
vikrayo na saḥ
kein Verkauf ist jener (Nom. Sg. m.)
pratigṛhya bhaved deyam
nachdem man angenommen hat, ist [sie] zu geben (Abs.; Opt.; Gerundiv)
nāniṣṭāya pradātavyā kanyā ity ṛṣicoditam; tan mūlaṃ kāmamūlasya prajanasyeti me matiḥ
„Einem Unerwünschten darf die Jungfrau nicht gegeben werden“ – so wurde von Ṛṣis gelehrt. Das ist, so meine Ansicht, die Wurzel der aus Liebe [kāma] gewurzelten Fortpflanzung.
Wort für Wort
nāniṣṭāya pradātavyā kanyā
einem Unerwünschten ist eine Jungfrau nicht zu geben (Dat.; Gerundiv f.)
iti ṛṣicoditam
so von Ṛṣis angeregt/gelehrt (Part. Perf. Pass. n.)
tan mūlaṃ kāmamūlasya
das ist die Wurzel dessen, das im Verlangen wurzelt (Nom. n.; Gen. Sg. n.)
prajanasyeti me matiḥ
der Fortpflanzung – so ist meine Ansicht (Gen. Sg.; Nom. Sg. f.)
samīkṣya ca bahūn doṣān saṃvāsād vidviṣāṇayoḥ; yathā niṣṭhākaraṃ śulkaṃ na jātv āsīt tathā śṛṇu
Nachdem ich viele Nachteile des Zusammenlebens zweier einander Hassender bedacht hatte – höre, wie es dazu kam, dass der Brautpreis niemals entscheidend war.
Wort für Wort
samīkṣya ca bahūn doṣān
und nachdem [man] viele Fehler erwogen hat (Abs.; Akk. Pl.)
saṃvāsād vidviṣāṇayoḥ
vom Zusammenleben zweier einander Hassender (Abl.; Gen. Du. Part. Med.)
ahaṃ vicitravīryāya dve kanye samudāvaham; jitvā ca māgadhān sarvān kāśīn atha ca kosalān; gṛhītapāṇir ekāsīt prāptaśulkāparābhavat
Ich führte für Vicitravīrya zwei Jungfrauen heim, nachdem ich alle Māgadhas, Kāśīs und Kosalas besiegt hatte. Die eine war [schon] an der Hand ergriffen [worden], die andere wurde zu einer, für die der Brautpreis erlangt war.
Wort für Wort
ahaṃ vicitravīryāya
ich für Vicitravīrya (Nom.; Dat.)
dve kanye samudāvaham
zwei Jungfrauen führte ich heim (Akk. Du.; Impf. 1.Sg.)
jitvā ca māgadhān sarvān
und nachdem ich alle Māgadhas besiegt hatte (Abs.; Akk. Pl.)
kāśīn atha ca kosalān
die Kāśīs und die Kosalas (Akk. Pl.)
gṛhītapāṇir ekāsīt
die eine war eine, deren Hand ergriffen war (Nom. Sg. f.; Impf. 3.Sg.)
prāptaśulkāparābhavat
die andere wurde eine mit erlangtem Brautpreis (Nom. Sg. f.; Impf.)
Zahlen und Namen der Jungfrauen weichen vom sonstigen Erzählzusammenhang ab (Ambā, Ambikā, Ambālikā); hier wörtlich wiedergegeben.
apy anyām anupapraccha śaṅkamānaḥ pitur vacaḥ; atīva hy asya dharmepsā pitur me 'bhyadhikābhavat
Ich fragte auch die andere weiter, da ich dem Wort des Vaters misstraute; denn das Verlangen nach Dharma war bei diesem meinem Vater übermäßig groß geworden [?].
Wort für Wort
apy anyām anupapraccha
ich fragte auch die andere weiter (Akk. Sg. f.; Perf. 1.Sg.)
śaṅkamānaḥ pitur vacaḥ
misstrauend dem Wort des Vaters (Part. Präs. Med.; Gen.; Akk.)
atīva hy asya dharmepsā
denn übermäßig [war] dessen Verlangen nach Dharma (Nom. Sg. f.)
pitur me 'bhyadhikābhavat
bei meinem Vater wurde es übergroß (Gen.; Impf. 3.Sg.)
Subjekt von anupapraccha (1./3.Sg. formgleich) und Bezug von „asya“ unsicher.
Da sagte ich, o König, in dem Wunsch nach dem rechten Brauch, dieses Wort: „Den Brauch will ich der Wahrheit gemäß wissen“ – [und wiederholte es] immer wieder.
Wort für Wort
tato 'ham abruvaṃ rājan
da sprach ich, o König (Impf. 1.Sg.; Vok.)
ācārepsur idaṃ vacaḥ
nach dem Brauch verlangend dieses Wort (Nom. Sg. m.; Akk.)
ācāraṃ tattvato vettum
den Brauch der Wahrheit gemäß zu kennen (Akk.; Adv.; Inf.)
„Wenn bei euch die Entscheidung vom Brautpreis abhängt und nicht ebenso vom Handergreifen, so soll die, für die der Brautpreis erlangt ist, nach dem Intervall der Röstkörner [?] dem erwählten Gatten dienen.“
Wort für Wort
yadi vaḥ śulkato niṣṭhā
wenn bei euch die Entscheidung vom Brautpreis her [liegt] (Gen./Dat. Pl.; Abl.-Adv.)
na pāṇigrahaṇaṃ tathā
nicht ebenso das Handergreifen (Nom. Sg. n.)
lājāntaram upāsīta
nach dem Röstkorn-Intervall [?] soll sie aufsuchen/dienen (Akk./Adv.; Opt. Med. 3.Sg.)
prāptaśulkā patiṃ vṛtam
[die] mit erlangtem Brautpreis den erwählten Gatten (Nom. Sg. f.; Akk. Sg.; Part. Perf. Pass.)
„lājāntaram“ unsicher (Zwischenraum/Zeitpunkt der Röstkorn-Opferung); Sinn daher nur vorläufig.
na hi dharmavidaḥ prāhuḥ pramāṇaṃ vākyataḥ smṛtam; yeṣāṃ vai śulkato niṣṭhā na pāṇigrahaṇāt tathā
Denn die Dharma-Kundigen nennen nicht als Maßstab, was bloß durch Rede überliefert ist, bei denen, deren Entscheidung vom Brautpreis abhängt und nicht ebenso vom Handergreifen.
Wort für Wort
na hi dharmavidaḥ prāhuḥ
denn die Dharma-Kenner sagen nicht (Nom. Pl.; Perf. 3.Pl.)
pramāṇaṃ vākyataḥ smṛtam
als Maßstab das durch Wort Überlieferte (Akk./Nom. n.; Abl.-Adv.; Part. Perf. Pass.)
yeṣāṃ vai śulkato niṣṭhā
[von denen], bei denen die Entscheidung vom Brautpreis her ist (Gen. Pl.)
prasiddhaṃ bhāṣitaṃ dāne teṣāṃ pratyasanaṃ punaḥ; ye manyante krayaṃ śulkaṃ na te dharmavido janāḥ
Bei ihnen ist das beim Geben Gesprochene bekannt, ebenso wieder die Zurückweisung [?]. Die den Brautpreis für einen Kauf halten, sind keine Dharma-Kenner.
Wort für Wort
prasiddhaṃ bhāṣitaṃ dāne
allgemein bekannt [ist] das Gesagte beim Geben (Part. Perf. Pass. n.; Lok.)
teṣāṃ pratyasanaṃ punaḥ
deren Zurückweisung wiederum [?] (Gen. Pl.; Nom. n.)
ye manyante krayaṃ śulkam
die den Brautpreis für einen Kauf halten (3.Pl. Med.; Akk.)
na te dharmavido janāḥ
nicht sind jene Leute Dharma-Kenner (Nom. Pl. m.)
„pratyasanam“ (Zurückweisung/Verwerfung) unsicher in der Konstruktion.
na caitebhyaḥ pradātavyā na voḍhavyā tathāvidhā; na hy eva bhāryā kretavyā na vikreyā kathaṃ cana
Weder ist einem von diesen [die Jungfrau] zu geben, noch ist eine solche [von ihnen] heimzuführen; denn niemals ist eine Gattin zu kaufen oder zu verkaufen.
Wort für Wort
na caitebhyaḥ pradātavyā
und nicht diesen ist [sie] zu geben (Dat. Pl.; Gerundiv f.)
na voḍhavyā tathāvidhā
noch ist eine solche heimzuführen (Gerundiv f.; Nom. Sg.)
na hy eva bhāryā kretavyā
denn niemals ist eine Gattin zu kaufen (Nom. Sg. f.; Gerundiv)
na vikreyā kathaṃ cana
nicht zu verkaufen auf irgendeine Weise (Gerundiv f.)
ye ca krīṇanti dāsīvad ye ca vikrīṇate janāḥ; bhavet teṣāṃ tathā niṣṭhā lubdhānāṃ pāpacetasām
Und die Leute, die [eine Frau] wie eine Sklavin kaufen, und die, die sie verkaufen – deren Entscheidung mag ebenso sein, der Habgierigen, im Sinn Sündigen.
Wort für Wort
ye ca krīṇanti dāsīvat
und die, die wie eine Sklavin kaufen (3.Pl. Präs.; Adv.)
ye ca vikrīṇate janāḥ
und die Leute, die verkaufen (3.Pl. Med.; Nom. Pl.)
bhavet teṣāṃ tathā niṣṭhā
deren Entscheidung mag ebenso sein (Opt. 3.Sg.; Gen. Pl.; Nom. Sg. f.)
lubdhānāṃ pāpacetasām
der Habgierigen, sündig Gesinnten (Gen. Pl.; Kompositum)
In diesem Dharma-Fall befragten die Leute Satyavān: „Bei einer Jungfrau, für die der Brautpreis erlangt ist, ist der Brautpreisgeber zur Ruhe gegangen [gestorben?],
Wort für Wort
asmin dharme
in diesem Dharma-Fall (Lok. Sg.)
satyavantaṃ paryapṛcchanta vai
Satyavān befragten (Akk.; Impf. Med. 3.Pl.)
janāḥ
die Leute (Nom. Pl.)
kanyāyāḥ prāptaśulkāyāḥ
bei einer Jungfrau mit erlangtem Brautpreis (Gen. Sg. f.)
śulkadaḥ praśamaṃ gataḥ
der Brautpreisgeber zur Ruhe gegangen (Nom. Sg.; Part. Perf. Pass.)
Der Satz läuft in der nächsten Einheit weiter; „praśamaṃ gataḥ“ evtl. „gestorben“.
pāṇigrahītā cānyaḥ syād atra no dharmasaṃśayaḥ; tan naś chindhi mahāprājña tvaṃ hi vai prājñasaṃmataḥ; tattvaṃ jijñāsamānānāṃ cakṣur bhavatu no bhavān
und ein anderer wäre der Handergreifer; hierbei haben wir einen Zweifel über das Dharma. Entscheide uns das, du Hochweiser, denn du giltst als weise unter den Weisen; für uns, die wir die Wahrheit ergründen wollen, sei du das Auge.“
Wort für Wort
pāṇigrahītā cānyaḥ syāt
und ein anderer wäre Handergreifer (Nom. Sg.; Opt. 3.Sg.)
atra no dharmasaṃśayaḥ
hier haben wir einen Dharma-Zweifel (Lok.-Adv.; Nom. Sg. m.)
tan naś chindhi mahāprājña
das entscheide uns, du Hochweiser (Imp. 2.Sg.; Vok.)
tvaṃ hi vai prājñasaṃmataḥ
denn du bist bei den Weisen geachtet (Nom.; Part. Perf. Pass.)
Zu ihnen, die so sprachen, sagte Satyavān allen dieses Wort: „Wo man es wünscht, dort soll sie gegeben werden; hierbei ist keine Erwägung anzustellen. Man handelt so auch bei einem Lebenden; beim Toten aber besteht überhaupt kein Zweifel.“
Wort für Wort
tān evaṃ bruvataḥ sarvān
zu ihnen allen, die so sprachen (Akk. Pl.; Part. Präs.)
satyavān vākyam abravīt
Satyavān sprach das Wort (Nom.; Akk.; Impf.)
yatreṣṭaṃ tatra deyā syāt
wo es gewünscht ist, dort soll sie gegeben werden (Opt.; Gerundiv f.)
nātra kāryā vicāraṇā
hier ist keine Erwägung zu machen (Gerundiv f.; Nom. Sg.)
kurvate jīvato 'py evam
sie handeln so auch beim Lebenden (3.Pl. Med.; Gen.)
mṛte naivāsti saṃśayaḥ
beim Toten gibt es keinen Zweifel (Lok.; 3.Sg.)
Letzter Halbvers knapp; Lesart „jīvato ’py evaṃ“ = auch beim Lebenden.
tat pāṇigrahaṇāt pūrvam uttaraṃ yatra vartate; sarvamaṅgalamantraṃ vai mṛṣāvādas tu pātakaḥ
Dies [gilt]: Wo vor dem Handergreifen eine Antwort [Abmachung] besteht – [maßgeblich ist] das alles Glück bringende Mantra; Lüge aber ist verderblich [?].
Wort für Wort
tat pāṇigrahaṇāt pūrvam
dies [gilt] vor dem Handergreifen (Nom. n.; Abl.-Adv.)
uttaraṃ yatra vartate
wo eine Antwort besteht (Nom. n.; 3.Sg. Präs. Med.)
sarvamaṅgalamantraṃ vai
das Mantra aller Segnungen (Kompositum, Nom./Akk. n.)
mṛṣāvādas tu pātakaḥ
Lüge aber ist sündhaft/verderblich (Nom. Sg. m.)
Verderbter oder sehr knapper Text; Deutung vorläufig.
Die Entscheidung über die Handergreifungs-Mantras soll beim siebten Schritt liegen; Gattin des Handergreifers soll sie sein, [dem] sie mit Wasser gegeben wird.
Wort für Wort
pāṇigrahaṇamantrāṇām
der Handergreifungs-Mantras (Gen. Pl. m.)
niṣṭhā syāt saptame pade
die Entscheidung sei beim siebten Schritt (Opt. 3.Sg.; Lok.)
pāṇigrāhasya bhāryā syāt
des Handergreifers Gattin soll sie sein (Gen.; Nom. f.; Opt.)
yasya cādbhiḥ pradīyate
und dem sie mit Wasser gegeben wird (Gen. rel.; Instr. Pl.; Pass. 3.Sg.)
Eine Willfährige, der [rechten] Familie Entstammende, vom Bruder Gegebene, beim Feuer [Stehende] – nachdem er sie, wie es Recht ist, umschritten hat, soll der Beste der Zweimalgeborenen die Gattin gewinnen.
Wort für Wort
anukūlām anuvaṃśām
eine Willfährige, der Familie Entsprechende (Akk. Sg. f.)
bhrātrā dattām
vom Bruder gegeben (Instr.; Part. Perf. Pass. Akk. f.)
upāgnikām
beim Feuer [stehend] (Akk. Sg. f.)
parikramya yathānyāyam
nachdem er umschritten hat, wie es Recht ist (Abs.; Adv.)
bhāryāṃ vinded dvijottamaḥ
die Gattin soll gewinnen der Beste der Zweimalgeborenen (Akk.; Opt. 3.Sg.; Nom.)