Kapitel 49: putraprakāranirūpaṇam
Die Arten der Söhne und die Weihe von Söhnen gemischter Herkunft
Bhīṣma zählt auf Yudhiṣṭhiras Frage die Arten der Söhne (aurasa, kṣetraja, dāttaka, kṛtrima u. a.) auf, erklärt die aus gemischten Verbindungen hervorgehenden Apadhvaṃsajas und Apasadas und legt fest, wie Verstoßene und Angenommene zu weihen sind. Der Text ist an mehreren Stellen schwierig oder verderbt.
yudhiṣṭhira uvāca; brūhi putrān kuruśreṣṭha varṇānāṃ tvaṃ pṛthak pṛthak; kīdṛśyāṃ kīdṛśāś cāpi putrāḥ kasya ca ke ca te
Yudhiṣṭhira sprach: „Nenne [mir], Bester der Kuru, die Söhne der Stände (varṇa) einzeln, jeden für sich: Wie beschaffen [sind] die Söhne, in welcher [Frau gezeugt], und wessen [Söhne] und welche sind sie?“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
brūhi putrān kuru-śreṣṭha
sprich [von] den Söhnen, Bester der Kuru (Imp./Akk.Pl./Vok.)
varṇānāṃ tvaṃ pṛthak pṛthak
du, der Stände, einzeln, einzeln (Gen.Pl.)
kīdṛśyāṃ kīdṛśāḥ ca api putrāḥ
in welcher [Frau] und wie beschaffen die Söhne (Lok.Sg.f./Nom.Pl.)
„Sehr viele einander widersprechende Aussagen über die Sohnschaft (die durch Söhne Bewirkten) werden gehört. Uns, die wir hierin verwirrt sind, König, ist es dir angemessen, den Zweifel zu beseitigen.“
Wort für Wort
vipravādāḥ subahuśaḥ
Widersprüche, sehr vielfach (Nom.Pl./Adv.)
śrūyante putra-kāritāḥ
werden gehört, [die] durch Söhne bewirkten [Verhältnisse] (Pass.3.Pl./Nom.Pl.)
atra naḥ muhyatām
hierin, von uns, die wir verwirrt sind (Lok./Gen.Pl./Part.Präs.Gen.Pl.)
rājan saṃśayaṃ chettum arhasi
König, den Zweifel zu spalten, vermagst/sollst du (Vok./Akk./Inf./2.Sg.)
putrakāritāḥ: Deutung unsicher (‚durch Söhne Bewirktes‘, d. h. die Regeln der Sohnschaft).
bhīṣmaḥ; ātmā putras tu vijñeyaḥ prathamo bahudhā pare; sve kṣetre saṃskṛte yas tu putram utpādayet svayam; tam aurasaṃ vijānīyāt putraṃ prathamakalpitam; agniṃ prajāpatiṃ ceṣṭvā varāya pratipāditā; putrikā syād duhitari saṃkalpenāpi vā sutaḥ; talpe jātaḥ pramītasya klībasya patitasya vā; svadharmeṇa niyukto yaḥ sa putraḥ kṣetrajaḥ smṛtaḥ; mātā pitā ca dadyātāṃ yam adbhiḥ putram āpadi; sadṛśaṃ prītisaṃyuktau vijñeyo dāttakaḥ sutaḥ; sadṛśaṃ tu prakuryād yaṃ guṇadoṣavicakṣaṇam; putraṃ putraguṇair yuktaṃ vijñeyas tu sa kṛtrimaḥ; utpadyate yas tu gūḍhaṃ na ca jñāyeta kasya cit; sa bhaved gūḍhajo nāma tasya syād yasya talpajaḥ; mātāpitṛbhyām utsṛṣṭaṃ tayor anyatareṇa vā; yaḥ putraṃ pratigṛhṇīyād apaviddhaḥ sa ucyate; pitṛveśmani kanyā tu yaṃ putraṃ janayed rahaḥ; kānīnaṃ taṃ vaden nāmnā voḍhuḥ kanyāsamudbhavaḥ; yā garbhiṇī saṃskriyate jñātājñātāpi vā satī; voḍhuḥ sa garbho bhavati sahoḍha iti cocyate; yā patyā vā parityaktā atha vā svecchayāpi vā; utpādayed akṣatāyāṃ sa paunarbhava ucyate; mātāpitṛvihīno vā sakto vā syād akāraṇāt; ātmānaṃ sparśayed yas tu svayaṃdattaḥ sa ucyate; krīṇīyād yas tv apatyārthaṃ mātāpitror yam antikāt; sa sutas tasya sadṛśaḥ krīto nāma budhaiḥ smṛtaḥ; dvādaśaite pare prāhur evaṃ dharmasya pāṭhakāḥ
Bhīṣma [sprach]: „Als Erster ist der Sohn als ‚Selbst‘ (ātman) zu erkennen; [die] anderen [sind] vielfältig. Wer in seinem eigenen, [rituell] geweihten Feld selbst einen Sohn zeugt, den soll man als aurasa („leiblich“) kennen, als den zuerst eingesetzten Sohn. Die nach Verehrung Agnis und Prajāpatis dem Bräutigam Übergebene [ist] Sohnestochter (putrikā), [wenn es] um eine Tochter [geht]; oder [es gilt] ein Sohn schon durch bloße Absicht (saṃkalpa) [?]. Wer auf dem Lager eines Verstorbenen, eines Impotenten oder eines Ausgestoßenen [gezeugt] geboren ist, [von einem] gemäß der eigenen Rechtspflicht Bestellten, der gilt als kṣetraja („Feld-geboren“). Den Sohn, den Mutter und Vater in Not mit Wasser [hingeben], einem Gleichartigen, in Zuneigung verbunden, den soll man als dāttaka („Gegebenen“) erkennen. Wen aber einer als Gleichartigen annimmt, in Vorzügen und Mängeln kundig, einen Sohn mit den Vorzügen eines Sohnes, der ist als kṛtrima („Gemachter“) zu erkennen. Wer heimlich gezeugt wird und von niemandem [als dessen Sohn] erkannt wird, der heißt gūḍhaja („heimlich Gezeugter“); er gehört dem, auf dessen Lager [er] geboren ist. Wer einen von Mutter und Vater ausgesetzten oder von einem der beiden [ausgesetzten] Sohn annimmt, der wird apaviddha („Verstoßener“) genannt. Den Sohn aber, den eine Jungfrau im Haus des Vaters heimlich gebiert, den soll man mit Namen kānīna nennen; er ist dem Ehemann [zugehörig], der Jungfrauen-Geburt. Die Schwangere, die [in dem Zustand] vermählt wird, ob bekannt oder unbekannt [schwanger], deren Leibesfrucht gehört dem Ehemann und heißt sahoḍha („mit-Geheirateter“). Die, die vom Gatten verlassen wurde oder auch aus eigenem Willen [fortging], [und] einen [Sohn] gebiert, [während sie] unversehrt [?] [ist], dieser heißt paunarbhava. Wer, der Eltern beraubt oder ohne Grund [ihnen] entfremdet, sich selbst [jemandem] überantwortet (sich berühren lässt), der heißt svayaṃdatta („Selbstgegebener“). Wen einer um der Nachkommenschaft willen von den Eltern aus der Nähe kauft, dieser Sohn ist ihm gleichartig; von den Kundigen wird er krīta („Gekaufter“) genannt. Diese zwölf nennen andere so, die Überlieferer des Dharma.“
Wort für Wort
bhīṣmaḥ
Bhīṣma [sprach] (Nom.)
ātmā putraḥ tu vijñeyaḥ prathamaḥ
das Selbst, der Sohn aber, ist zu erkennen als erster (Nom./Gerundiv/Nom.)
bahudhā pare
vielfältig [die] anderen (Adv./Nom.Pl.)
sve kṣetre saṃskṛte yaḥ tu putram utpādayet svayam
in seinem eigenen geweihten Feld, wer aber einen Sohn zeugen sollte, selbst (Lok./Part./Opt.3.Sg.)
tam aurasaṃ vijānīyāt putraṃ prathama-kalpitam
den soll man als aurasa erkennen, den Sohn, den zuerst festgesetzten (Opt.3.Sg./Akk./Part.)
agniṃ prajāpatiṃ ca iṣṭvā varāya pratipāditā
Agni und Prajāpati verehrt habend, dem Bräutigam übergeben (Gerundium/Dat./Part.f.)
putrikā syāt duhitari saṃkalpena api vā sutaḥ
Sohnestochter sei [es], bei der Tochter, durch Absicht oder auch ein Sohn (Opt./Lok./Instr./Nom.)
talpe jātaḥ pramītasya klībasya patitasya vā
auf dem Lager geboren eines Verstorbenen, eines Impotenten oder eines Gefallenen (Lok./Part./Gen.)
dieser Sohn ist ihm gleichartig, krīta mit Namen von den Kundigen genannt (Nom./Instr.Pl.)
dvādaśa ete pare prāhuḥ evam dharmasya pāṭhakāḥ
zwölf diese, andere sagten [es] so, des Dharma Rezitatoren (Nom.Pl./Perf.3.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sternpassage (nur in einem Teil der Handschriften). Zählung: 12 Söhne (aurasa, putrikāputra, kṣetraja, dāttaka, kṛtrima, gūḍhaja, apaviddha, kānīna, sahoḍha, paunarbhava, svayaṃdatta, krīta). Mehrere Halbverse sind syntaktisch verdorben (putrikā/saṃkalpa, paunarbhava, svayaṃdatta).
„Wenn sie unversehrten Schoßes sein sollte, oder auch [zu einem anderen] gegangen und zurückgekehrt, so verdient sie durch den paunarbhava-Gatten erneut die Weihe (Vermählung).“
Wort für Wort
sā cet akṣata-yoniḥ syāt
wenn sie unversehrten Schoßes sein sollte (Nom.f./Opt.)
gata-pratyāgatā api vā
gegangen und zurückgekehrt, oder auch (Part.f.)
paunarbhavena bhartrā
durch den paunarbhava-Gatten (Instr.Sg.)
sā punaḥ saṃskāram arhati
sie verdient wieder die Weihe (Akk./3.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).
yaṃ brāhmaṇas tu śūdrāyāṃ kāmād utpādayet sutam; sa pārayann eva śavas tasmāt pāraśavaḥ smṛtaḥ; dāsyāṃ vā dāsadāsyāṃ vā yaḥ śūdrasya suto bhavet; so 'nujñāto hared aṃśam iti dharmo vyavasthitaḥ; kṣetrajādīn sutān etān ekādaśa yathoditān; putrapratinidhīn āhuḥ kriyālopān manīṣiṇaḥ; bhrātṝṇām ekajātānām ekaś cet putravān bhavet; sarvāṃs tāṃs tena putreṇa putriṇo manur abravīt; sarvāsām ekapatnīnām ekā cet putriṇī bhavet; sarvās tās tena putreṇa prāha putravatīr manuḥ
„Den Sohn, den ein Brāhmaṇa aus Lust auf einer Śūdrā-Frau zeugt, der ist, obwohl er lebt (‚hinüberbringend‘), eine Leiche (śava); daher heißt er pāraśava. Der Sohn einer Sklavin oder der Sklavin eines Sklaven, der einem Śūdra geboren wird, der darf mit Erlaubnis einen Anteil nehmen: so ist die Rechtsordnung festgelegt. Diese elf Söhne, kṣetraja usw., wie [oben] genannt, bezeichnen die Weisen als Sohnes-Stellvertreter wegen Ausfalls der [rituellen] Handlungen. Wenn von Brüdern, die von einem [Vater] abstammen, einer einen Sohn hat, so sind alle durch diesen Sohn Söhnehabende, sprach Manu. Wenn von allen Frauen eines [Mannes] nur eine einen Sohn hat, so sind alle durch diesen Sohn Söhnehabende, sagte Manu.“
Wort für Wort
yaṃ brāhmaṇaḥ tu śūdrāyāṃ kāmāt utpādayet sutam
den ein Brāhmaṇa aber auf einer Śūdrā aus Lust zeugt, den Sohn (Lok./Abl./Opt.)
saḥ pārayan eva śavaḥ tasmāt pāraśavaḥ smṛtaḥ
der, obwohl [lebend] hinüberbringend, eine Leiche; daher pāraśava genannt (Part.Präs./Abl.)
der, erlaubt, möge einen Anteil nehmen; so die Rechtsordnung festgelegt (Part./Opt./Part.)
kṣetraja-ādīn sutān etān ekādaśa yathā-uditān
kṣetraja usw., diese Söhne, elf, wie genannt (Akk.Pl.)
putra-pratinidhīn āhuḥ kriyā-lopāt manīṣiṇaḥ
Sohnes-Stellvertreter nennen sie, wegen Ausfalls der Handlungen, die Weisen (Perf.3.Pl./Abl./Nom.Pl.)
bhrātṝṇām eka-jātānām ekaḥ cet putravān bhavet
von Brüdern, von einem geboren, wenn einer sohnbesitzend wäre (Gen.Pl./Opt.)
sarvān tān tena putreṇa putriṇaḥ manuḥ abravīt
alle, diese, durch diesen Sohn Söhnehabende, Manu sagte (Instr./Akk.Pl./Impf.)
sarvāsām eka-patnīnām ekā cet putriṇī bhavet
von allen Gattinnen eines [Mannes], wenn eine Sohnhabende wäre (Gen.Pl.f.)
sarvāḥ tāḥ tena putreṇa prāha putravatīḥ manuḥ
alle, jene, durch diesen Sohn, nannte sohnhabend Manu (Akk.Pl.f./Perf.3.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sternpassage. Zählung ‚elf‘ setzt eine Reihung ohne den aurasa voraus.
bhīṣma uvāca; ātmā putras tu vijñeyas tasyānantarajaś ca yaḥ; niyuktajaś ca vijñeyaḥ sutaḥ prasṛtajas tathā
Bhīṣma sprach: „Der Sohn ist als ‚Selbst‘ zu erkennen, und der, der ihm unmittelbar folgend geboren ist; ebenso ist der durch Bestellung Gezeugte (niyuktaja) zu erkennen, und der prasṛtaja.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
ātmā putraḥ tu vijñeyaḥ
das Selbst, der Sohn aber, ist zu erkennen (Nom./Gerundiv)
tasya anantara-jaḥ ca yaḥ
und der ihm unmittelbar Nachgeborene (Gen./Nom.)
niyukta-jaḥ ca vijñeyaḥ sutaḥ prasṛta-jaḥ tathā
und der aus Bestellung Geborene ist zu erkennen, der Sohn, der prasṛtaja ebenso (Nom.)
prasṛtaja: Bedeutung unklar (etwa ‚aus [ausgestreckter/geöffneter] Verbindung Geborener‘).
patitasya ca bhāryāyāṃ bhartrā susamavetayā; tathā dattakṛtau putrāv adhyūḍhaś ca tathāparaḥ
„Und [der Sohn] auf der Gattin eines Ausgestoßenen, [gezeugt] durch einen [mit ihr] wohlvereinten Gatten [?]; ebenso die beiden Söhne, der Gegebene und der Gemachte, und ein weiterer, der adhyūḍha.“
Wort für Wort
patitasya ca bhāryāyām
und der Gattin eines Ausgestoßenen (Gen./Lok.)
bhartrā su-samavetayā
durch einen [mit ihr] wohl verbundenen Gatten [?] (Instr.)
tathā datta-kṛtau putrau
ebenso der Gegebene und der Gemachte, die beiden Söhne (Nom.Du.)
adhyūḍhaḥ ca tathā aparaḥ
der adhyūḍha und ebenso ein weiterer (Nom.)
Erste Zeile syntaktisch unklar (susamavetayā fem. Instr. neben bhartrā).
bhīṣma uvāca; triṣu varṇeṣu ye putrā brāhmaṇasya yudhiṣṭhira; varṇayoś ca dvayoḥ syātāṃ yau rājanyasya bhārata
Bhīṣma sprach: „Die Söhne, die einem Brāhmaṇa in den drei Ständen [geboren werden], Yudhiṣṭhira, und die beiden, die einem Rājanya in zwei Ständen [geboren] sein mögen, Bhārata,
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
triṣu varṇeṣu ye putrāḥ
in den drei Ständen, welche Söhne (Lok.Pl./Nom.Pl.)
brāhmaṇasya yudhiṣṭhira
eines Brāhmaṇa, Yudhiṣṭhira (Gen./Vok.)
varṇayoḥ ca dvayoḥ syātām yau rājanyasya bhārata
und in zwei Ständen sein mögen, welche beiden, eines Rājanya, Bhārata (Lok.Du./Opt.3.Du./Gen.)
eko dvivarṇa evātha tathātraivopalakṣitaḥ; ṣaḍ apadhvaṃsajās te hi tathaivāpasadāñ śṛṇu
„und einer [von einem Vaiśya] in einem [Stand, nämlich] dem zweiten, und ebenso hierbei [so] Gekennzeichneter [?]: diese sind die sechs Apadhvaṃsajas; ebenso höre nun die Apasadas.“
„Caṇḍāla sowie Vrātya und Vena, [geboren] von einer Brāhmaṇī, von Kṣatriya-Frauen und von einer Vaiśyā [einem Śūdra], werden als die drei Apasadas eines Śūdra bezeichnet.“
Wort für Wort
caṇḍālaḥ vrātya-venau ca
Caṇḍāla und Vrātya und Vena (Nom./Nom.Du.)
brāhmaṇyām kṣatriyāsu ca
von einer Brāhmaṇī und von Kṣatriya-Frauen (Lok.)
vaiśyāyām ca eva śūdrasya
und von einer Vaiśyā eben, eines Śūdra (Lok./Gen.)
lakṣyante apasadāḥ trayaḥ
werden bezeichnet die Apasadas, drei (Pass.3.Pl./Nom.)
māgadho vāmakaś caiva dvau vaiśyasyopalakṣitau; brāhmaṇyāṃ kṣatriyāyāṃ ca kṣatriyasyaika eva tu
„Māgadha und Vāmaka, die beiden, werden [als Söhne] eines Vaiśya bezeichnet, [geboren] von einer Brāhmaṇī und von einer Kṣatriyā; und bei einem Kṣatriya [gibt es] nur einen,
brāhmaṇyāṃ lakṣyate sūta ity ete 'pasadāḥ smṛtāḥ; putrareto na śakyaṃ hi mithyā kartuṃ narādhipa
„[der] von einer Brāhmaṇī als Sūta bezeichnet wird: so gelten diese als die Apasadas. Denn der Same, [der] Söhne [hervorbringt], kann nicht zunichte gemacht (verfälscht) werden, Herrscher der Menschen.“
Wort für Wort
brāhmaṇyām lakṣyate sūtaḥ
von einer Brāhmaṇī wird bezeichnet der Sūta (Lok./Pass.)
iti ete apasadāḥ smṛtāḥ
so diese, Apasadas, gelten (Part.Pass.)
putra-retaḥ na śakyam hi
der Sohnessame kann nicht (Nom./Adj.)
mithyā kartum narādhipa
falsch/nichtig gemacht werden, Herrscher der Menschen (Inf./Vok.)
yudhiṣṭhira uvāca; kṣetrajaṃ ke cid evāhuḥ sutaṃ ke cit tu śukrajam; tulyāv etau sutau kasya tan me brūhi pitāmaha
Yudhiṣṭhira sprach: „Manche nennen den kṣetraja-Sohn, manche aber den śukraja-Sohn. Wessen sind diese beiden Söhne gleichwertig? Das sage mir, Großvater.“
bhīṣma uvāca; retajo vā bhavet putras tyakto vā kṣetrajo bhavet; adhyūḍhaḥ samayaṃ bhittvety etad eva nibodha me
Bhīṣma sprach: „Ein [aus dem] Samen Geborener mag Sohn sein, oder ein Verstoßener [?] wird ein kṣetraja; und der adhyūḍha, nachdem er die Vereinbarung gebrochen hat: nur dies vernimm von mir.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
reta-jaḥ vā bhavet putraḥ
aus Samen geboren mag der Sohn sein (Opt.)
tyaktaḥ vā kṣetrajaḥ bhavet
oder verlassen [?] mag ein kṣetraja sein (Part./Opt.)
adhyūḍhaḥ samayaṃ bhittvā
der adhyūḍha, die Vereinbarung gebrochen habend (Gerundium)
yudhiṣṭhira uvāca; retojaṃ vidma vai putraṃ kṣetrajasyāgamaḥ katham; adhyūḍhaṃ vidma vai putraṃ hitvā ca samayaṃ katham
Yudhiṣṭhira sprach: „Den aus Samen Geborenen kennen wir als Sohn; wie [aber kommt] die Herkunft des kṣetraja [zustande]? Und den adhyūḍha kennen wir als Sohn; wie, nachdem man die Vereinbarung aufgegeben hat?“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach
retojaṃ vidma vai putram
den Samengeborenen kennen wir gewiss als Sohn (1.Pl.Perf.)
kṣetrajasya āgamaḥ katham
des kṣetraja Herkunft, wie (Gen./Nom.)
adhyūḍhaṃ vidma vai putram
den adhyūḍha kennen wir gewiss als Sohn
hitvā ca samayaṃ katham
und die Vereinbarung aufgegeben habend, wie (Gerundium)
bhīṣma uvāca; ātmajaṃ putram utpādya yas tyajet kāraṇāntare; na tatra kāraṇaṃ retaḥ sa kṣetrasvāmino bhavet
Bhīṣma sprach: „Wer einen leiblichen Sohn gezeugt hat und ihn aus einem anderen Grund aufgibt: dabei ist nicht der Same der Grund; er [der Sohn] würde dem Herrn des Feldes [gehören].“
putrakāmo hi putrārthe yāṃ vṛṇīte viśāṃ pate; tatra kṣetraṃ pramāṇaṃ syān na vai tatrātmajaḥ sutaḥ
„Ein Sohnbegehrender, um eines Sohnes willen, welche [Frau] er erwählt, Herr der Menschen: dabei soll das Feld maßgeblich sein; dort ist der Sohn nicht der eigene (leibliche).“
Wort für Wort
putra-kāmaḥ hi putra-arthe
ein Sohnbegehrender, um eines Sohnes willen (Nom./Lok.)
yāṃ vṛṇīte viśāṃ pate
welche er erwählt, Herr der Leute (Med.3.Sg./Vok.)
anyatra kṣetrajaḥ putro lakṣyate bharatarṣabha; na hy ātmā śakyate hantuṃ dṛṣṭāntopagato hy asau
„Anderswo wird [der] kṣetraja-Sohn bezeichnet, Stier der Bharata; denn das Selbst kann nicht getötet werden, denn dieser ist [durch] ein Beispiel [belegt] [?].“
Wort für Wort
anyatra kṣetrajaḥ putraḥ lakṣyate
anderswo der kṣetraja-Sohn wird bezeichnet (Adv./Pass.)
bharata-ṛṣabha
Stier der Bharata (Vok.)
na hi ātmā śakyate hantum
denn das Selbst kann nicht getötet werden (Pass./Inf.)
Yudhiṣṭhira sprach: „Wie beschaffen ist der gemachte Sohn, der allein durch Annahme bezeichnet wird? Oder [der,] bei dem Same oder Feld als maßgeblich erkannt würde, Bhārata?“
bhīṣma uvāca; mātāpitṛbhyāṃ saṃtyaktaṃ pathi yaṃ tu pralakṣayet; na cāsya mātāpitarau jñāyete sa hi kṛtrimaḥ
Bhīṣma sprach: „Den, den man auf dem Weg von Mutter und Vater verlassen findet, und dessen Mutter und Vater nicht bekannt sind, der ist ein kṛtrima (Gemachter).“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
mātā-pitṛbhyāṃ saṃtyaktaṃ pathi yaṃ tu pralakṣayet
von Mutter und Vater verlassen, auf dem Weg, wen man aber bemerkt (Abl.Du./Part./Lok./Opt.)
na ca asya mātā-pitarau jñāyete
und nicht dessen Mutter und Vater werden erkannt (Pass.3.Du.)
„Wer von Mutter und Vater verlassen ist [und] zu einem Standesgleichen gelangt: gemäß dessen Gotra und Stand soll man an ihm die Weihe vollziehen, Unerschütterlicher.“
Wort für Wort
tyaktaḥ mātā-pitṛbhyām yaḥ
verlassen von Mutter und Vater, wer (Part./Abl.Du.)
savarṇaṃ pratipadyate
zu einem Standesgleichen gelangt (Präs.Med.)
tat-gotra-varṇataḥ tasya
nach dessen Gotra und Stand, an ihm (Abl.)
kuryāt saṃskāram acyuta
soll man die Weihe vollziehen, Unerschütterlicher (Opt./Akk./Vok.)
atha deyā tu kanyā syāt tadvarṇena yudhiṣṭhira; saṃskartuṃ mātṛgotraṃ ca mātṛvarṇaviniścaye
„Wenn aber eine Jungfrau zu geben ist, [so] mit dessen Stand, Yudhiṣṭhira; und zu weihen ist [nach dem] Gotra der Mutter, wenn der Stand der Mutter feststeht [?].“
Wort für Wort
atha deyā tu kanyā syāt
wenn aber zu geben eine Jungfrau sei (Gerundiv/Opt.)
„Auch der kānīna und der adhyūḍhaja sind als die beiden ‚Makel unter den Söhnen‘ (putrakilbiṣa) zu erkennen; auch sie beide sind wie eigene Söhne zu weihen: so lautet die Entscheidung.“
Wort für Wort
kānīna-adhyūḍha-jau ca api
und auch die beiden, kānīna und adhyūḍhaja (Nom.Du.)