Kapitel 130: vānaprasthadharmaḥ tapaḥphalāni ca
Pflichten der Waldeinsiedler und Frucht der Askese- und Yogaübungen
Umā befragt Maheśvara (Śiva) zu den Pflichten der Waldeinsiedler und der frei lebenden Asketen; Śiva schildert Riten, Entsagungsübungen und die jeweils erreichten Welten und betont Geradheit und Gewaltlosigkeit als Kern des Dharma.
maheśvara uvāca; vānaprastheṣu yo dharmas taṃ me śṛṇu samāhitā; śrutvā caikamanā devi dharmabuddhiparā bhava
Maheśvara sprach: „Die Pflicht, die es bei den Waldeinsiedlern gibt, die höre von mir, Gesammelte; und wenn du sie gehört hast, Göttin, sei einsgerichteten Geistes und ganz auf die Einsicht in den Dharma bedacht.
Wort für Wort
maheśvara uvāca
Maheśvara sprach (Perf.)
vānaprastheṣu yo dharmaḥ
die Pflicht, die bei Waldeinsiedlern [gilt] (Lok.Pl./Nom.Sg.)
taṃ me śṛṇu samāhitā
diese höre von mir, Gesammelte (Akk./Imp.2.Sg./Vok.f.)
śrutvā caikamanā
und nach dem Hören einsgerichteten Geistes (Abs./Nom.m.)
devi dharmabuddhiparā bhava
Göttin, sei auf Dharma-Einsicht ausgerichtet (Vok./Imp.2.Sg.)
Von den vollendeten, gezügelten, guten Waldeinsiedlern, die den Aufenthalt im Wald angetreten haben, ist diese Handlung zu vollziehen; höre, wie sie beschaffen ist.
Wort für Wort
saṃsiddhair niyataiḥ sadbhiḥ
von den Vollendeten, Gezügelten, Guten (Instr.Pl.)
vanavāsam upāgataiḥ
die den Waldaufenthalt angetreten haben (Instr.Pl., Part.Perf.)
vānaprasthair idaṃ karma
von Waldeinsiedlern dieses Werk (Instr.Pl./Nom.Sg.n.)
kartavyaṃ śṛṇu yādṛśam
ist zu tun; höre, wie beschaffen (Gerundiv/Imp.2.Sg./Akk.)
… von den Gesammelten, Yoga-Tragenden, Guten, und im Sommer ebenso mit den fünf Feuern; von denen, die im Froschyoga gefestigt sind und sich der Regel gemäß üben.
Wort für Wort
yuktair yogavahaiḥ sadbhiḥ
von den Gesammelten, Yoga-Tragenden, Guten (Instr.Pl.)
grīṣme pañcatapais tathā
im Sommer und ebenso mit den fünf Feuern (Lok.Sg./Instr.Pl.)
vīrāsanagatair nityaṃ sthaṇḍile śayanais tathā; śītayogo 'gniyogaś ca cartavyo dharmabuddhibhiḥ
Von denen, die stets im Heldensitz verharren und ebenso auf dem bloßen Boden schlafen, ist von den auf den Dharma Bedachten Kälte-Yoga und Feuer-Yoga auszuüben.
Wort für Wort
vīrāsanagatair nityam
von denen, die stets im Heldensitz sind (Instr.Pl./Adv.)
sthaṇḍile śayanais tathā
und ebenso auf dem Opferplatz/bloßen Boden Schlafenden (Lok.Sg./Instr.Pl.)
śītayogo ’gniyogaś ca
Kälte-Yoga und Feuer-Yoga (Nom.Sg.)
kartavyo dharmabuddhibhiḥ
ist zu üben von den Dharma-Gesinnten (Gerundiv/Instr.Pl.)
abbhakṣair vāyubhakṣaiś ca śaivālottarabhojanaiḥ; aśmakuṭṭais tathā dāntaiḥ saṃprakṣālais tathāparaiḥ
Von Wasseresser, Luftessern, denen, die Wasserpflanzen als vornehmste Speise haben, ebenso von Steinklopfern, Gezähmten und anderen, die [alles] abspülen …
Wort für Wort
abbhakṣair vāyubhakṣaiś ca
von Wasserverzehrern und Luftverzehrern (Instr.Pl.)
śaivālottarabhojanaiḥ
mit Wasserpflanzen als Hauptspeise (Instr.Pl.)
aśmakuṭṭais tathā dāntaiḥ
ebenso von Steinklopfern, Gezähmten (Instr.Pl.)
saṃprakṣālais tathāparaiḥ
von Abspülenden und anderen (Instr.Pl.)
aśmakuṭṭa: Asketen, die Körner mit Steinen zerklopfen; saṃprakṣāla: die ihre Speise abspülen und nichts aufbewahren.
… in Bast und Baumrinde gehüllt, in Antilopenfell gekleidet: so ist die Lebensführung zu vollziehen, zur rechten Zeit, gemäß dem Dharma, gemäß der Vorschrift.
Wort für Wort
cīravalkalasaṃvītaiḥ
in Bastgewand und Rinde gehüllt (Instr.Pl.)
mṛgacarmanivāsibhiḥ
in Antilopenfell Wohnende/Gekleidete (Instr.Pl.)
kāryā yātrā yathākālam
die Lebensführung ist zu vollziehen, zeitgemäß (Gerundiv/Nom.Sg.f./Adv.)
Von den ständig im Wald Lebenden, Waldwanderern, Waldhütern, im Wald Weilenden ist, wenn sie den Wald wie einen Lehrer aufgesucht haben, von den vom Wald Lebenden [dort] zu wohnen.
Wort für Wort
vananityair vanacaraiḥ
von im Wald Beständigen, Waldwanderern (Instr.Pl.)
vanapair vanagocaraiḥ
von Waldhütern, im Wald Weilenden (Instr.Pl.)
vanaṃ gurum iva āsādya
den Wald wie einen Lehrer erreicht habend (Akk./Abs.)
vastavyaṃ vanajīvibhiḥ
ist zu wohnen von vom Wald Lebenden (Gerundiv/Instr.Pl.)
vanapaiḥ: „Waldhüter/-schützer“ oder „Wald-Trinker“ – Bedeutung unsicher.
srugbhāṇḍaparamā nityaṃ tretāgniśaraṇāḥ sadā; santaḥ satpathanityā ye te yānti paramāṃ gatim
Die stets Opferlöffel und Gefäße als Höchstes [haben] und stets beim Dreifeuer Zuflucht nehmen, die Guten, die beständig auf dem guten Pfad sind, gehen zum höchsten Ziel.
Wort für Wort
srugbhāṇḍaparamā nityam
denen Löffel und Gefäße das Höchste sind, stets (Nom.Pl./Adv.)
tretāgniśaraṇāḥ sadā
die im Dreifeuer Zuflucht haben, allezeit (Nom.Pl./Adv.)
santaḥ satpathanityā ye
die Guten, die stets auf gutem Pfad sind (Nom.Pl./Rel.)
maheśvara uvāca; svairiṇas tāpasā devi sarve dāravihāriṇaḥ; teṣāṃ mauṇḍyaṃ kaṣāyaś ca vāsarātriś ca kāraṇam
Maheśvara sprach: „Die frei wandelnden Asketen, Göttin, alle mit Frauen umherziehend: bei ihnen sind Kahlgeschorenheit, das ockerfarbene Gewand und [das Verweilen] bei Tag und Nacht [?] das Kennzeichen.
Wort für Wort
maheśvara uvāca
Maheśvara sprach (Perf.)
svairiṇas tāpasā devi
die frei wandelnden Asketen, Göttin (Nom.Pl./Vok.)
sarve dāravihāriṇaḥ
alle mit Frauen umherziehend (Nom.Pl.)
teṣāṃ mauṇḍyaṃ kaṣāyaś ca
bei ihnen Kahlheit und ockerfarbenes Gewand (Gen.Pl./Nom.Sg.)
vāsarātriś ca kāraṇam
und Tag und Nacht [?] als Kennzeichen/Grund (Nom.Sg.)
vāsarātriś ca kāraṇam ist unsicher; evtl. „Wohnen (vāsa) und Nacht (rātri)“ o. Ä.
trikālam abhiṣekaś ca hotraṃ tv ṛṣikṛtaṃ mahat; samādhiḥ satpathasthānaṃ yathoditaniṣevaṇam
Dreimal täglich das Baden, das große von den Ṛṣis eingesetzte Opferwerk, die Sammlung, das Verbleiben auf dem guten Pfad und die Befolgung des Gesagten.
Wort für Wort
trikālam abhiṣekaś ca
und dreimal täglich das Bad (Adv./Nom.Sg.)
hotraṃ tv ṛṣikṛtaṃ mahat
das große, von Ṛṣis bestimmte Opferwerk (Nom.Sg.n.)
ye ca daṃpatidharmāṇaḥ svadāraniyatendriyāḥ; caranti vidhidṛṣṭaṃ tad ṛtukālābhigāminaḥ
Und die, die die Pflichten von Ehepaaren haben, in den Sinnen bei der eigenen Frau gezügelt, üben das vorschriftsgemäß Gesehene, indem sie [ihr] zur Zeit der Fruchtbarkeit nahen.
Wort für Wort
ye ca daṃpatidharmāṇaḥ
und die Ehepaar-Pflichten Habenden (Nom.Pl.)
svadāraniyatendriyāḥ
in den Sinnen an die eigene Frau gebunden (Nom.Pl.)
caranti vidhidṛṣṭaṃ tad
üben das vorschriftsgemäß Gesehene (3.Pl.Präs./Akk.Sg.)
Für diese Pflichtbewussten gilt die von den Ṛṣis begründete Pflicht; nicht ist ein anderes Begehren als [das] aus freier Willkür von den Dharma-Sehenden zu pflegen [?].
Wort für Wort
teṣām ṛṣikṛto dharmaḥ
für sie die von Ṛṣis geschaffene Pflicht (Gen.Pl./Nom.Sg.)
dharmiṇām upapadyate
für die Pflichtbewussten trifft zu (Gen.Pl./3.Sg.Pass.)
na kāmakārāt kāmo ’nyaḥ
nicht ein anderes Begehren als aus Willkür [?] (Abl.Sg./Nom.Sg.)
saṃsevyo dharmadarśibhiḥ
ist zu pflegen von Dharma-Sehenden (Gerundiv/Instr.Pl.)
na kāmakārāt kāmo ’nyaḥ ist syntaktisch schwierig.
sarvabhūtānukampī yaḥ sarvabhūtārjavavrataḥ; sarvabhūtātmabhūtaś ca sa vai dharmeṇa yujyate
Wer mit allen Wesen mitfühlt, dem Gelübde der Geradheit gegenüber allen Wesen [ergeben], und wer das Selbst aller Wesen geworden ist, der ist wahrlich mit dem Dharma verbunden.
Wort für Wort
sarvabhūtānukampī yaḥ
wer mit allen Wesen mitfühlend (Nom.Sg.)
sarvabhūtārjavavrataḥ
dem Gelübde der Geradheit gegen alle Wesen [ergeben] (Nom.Sg.)
sarvabhūtātmabhūtaś ca
und wer zum Selbst aller Wesen geworden (Nom.Sg.)
sa vai dharmeṇa yujyate
der ist wahrlich mit Dharma verbunden (Nom./3.Sg.Pass.)
Der Nachsichtige, Gezähmte, der den Zorn Besiegte, dem Dharma zum Wesen geworden ist, der Nichtverletzende, der stets sein Herz am Dharma erfreut – ein solcher Mensch wird mit Dharma verbunden.
Wort für Wort
kṣāntaḥ dāntaḥ jitakrodhaḥ
nachsichtig, gezähmt, den Zorn besiegt (Part.Nom.Sg.; Bahuvrīhi)
dharmabhūtaḥ avihiṃsakaḥ
zum Dharma geworden, nichtverletzend (Kompositum/Nom.Sg.)
dharme ratamanāḥ nityam
am Dharma sein Herz erfreuend, stets (Lok.Sg.; Bahuvrīhi Nom.Sg.)
naro dharmeṇa yujyate
der Mensch wird mit Dharma verbunden (Nom.Sg.; Instr.Sg.; Pass.3.Sg.)
Frei von Trägheit, dessen Selbst Dharma ist, [so] den guten Pfad betreten habend – soweit möglich [?] –, im Wandel höchstes Ziel besitzend, erwacht: er wird tauglich zum Brahman-Werden.
Wort für Wort
vyapetatandro dharmātmā
frei von Trägheit, dharma-selig (Bahuvrīhi Nom.Sg.)
śakyā [?]
möglich/nach Vermögen (Nom.Sg.f. – Text unsicher)
satpatham āśritaḥ
den guten Pfad betreten habend (Akk.Sg.; Part.Pass.Nom.Sg.)
cāritraparamo buddhaḥ
im Wandel das Höchste besitzend, erwacht (Bahuvrīhi; Part.Nom.Sg.)
brahmabhūyāya kalpate
wird tauglich zum Brahman-Sein (Dat.Sg.; 3.Sg.Präs.Med.)
śakyā (Nom.Sg.f.) passt grammatisch nicht zum Bezug; vermutlich verderbt, evtl. śaktyā ‚nach Vermögen‘ gemeint.
umovāca; āśramābhiratā deva tāpasā ye tapodhanāḥ; dīptimantaḥ kayā caiva caryayātha bhavanti te
Umā sprach: „Göttlicher, die Asketen, die am Einsiedlerleben Freude haben und die Askese zum Reichtum haben – durch welche Lebensführung werden sie leuchtend?“
Wort für Wort
umā uvāca
Umā sprach (Nom.Sg.; Perf.3.Sg.)
āśramābhiratā deva
am Āśrama Freude habend, o Gott (Nom.Pl.; Vok.Sg.)
tāpasā ye tapodhanāḥ
die Asketen, die die Askese als Reichtum haben (Nom.Pl.; Rel.; Bahuvrīhi)
dīptimantaḥ kayā caryayā
glanzvoll, durch welche Lebensweise (Nom.Pl.; Instr.Sg.f.)
etaṃ me saṃśayaṃ deva tapaścaryāgataṃ śubham; śaṃsa sarvam aśeṣeṇa tryakṣa tripuranāśana
Diesen meinen Zweifel, Gott, der sich auf die Askese-Übung bezieht und heilsam [zu klären] ist – sprich ihn ohne Rest vollständig aus, Dreiäugiger, Vernichter der Drei Städte.
Wort für Wort
etaṃ me saṃśayaṃ deva
diesen meinen Zweifel, Gott (Akk.Sg.; Gen./Dat.; Vok.Sg.)
tapaścaryāgataṃ śubham
auf die Askese-Übung bezogen, heilsam (Akk.Sg.n.)
śaṃsa sarvam aśeṣeṇa
sprich alles ohne Rest (Imp.2.Sg.; Akk.; Instr./Adv.)
Maheśvara sprach: „Durch Fastengelübde Gezähmte, Gewaltlose, die Wahrheit Sprechende, Vollendete – diese freuen sich nach dem Tod mit den Gandharvas, frei von Leid.“
Wort für Wort
maheśvara uvāca
Maheśvara sprach (Nom.Sg.; Perf.3.Sg.)
upavāsavratair dāntāḥ
durch Fastengelübde gezähmt (Instr.Pl.; Nom.Pl.)
ahiṃsrāḥ satyavādinaḥ
gewaltlos, wahrhaft redend (Nom.Pl.)
saṃsiddhāḥ pretya
vollendet, nach dem Tod (Nom.Pl.; Abs.)
gandharvaiḥ saha modanti anāmayāḥ
mit Gandharvas freuen sie sich, leidfrei (Instr.Pl.; 3.Pl.Präs.; Nom.Pl.)
maṇḍūkayogaśayano yathāsthānaṃ yathāvidhi; dīkṣāṃ carati dharmātmā sa nāgaiḥ saha modate
Wer im Frosch-Yoga liegend, je nach Stätte und nach Vorschrift, die Weihe vollzieht, dessen Selbst dem Dharma zugewandt ist – der freut sich mit den Nāgas.
Wort für Wort
maṇḍūkayogaśayanaḥ
im Frosch-Yoga liegend (Kompositum Nom.Sg.)
yathāsthānaṃ yathāvidhi
je nach Stätte, nach Vorschrift (Adv.)
dīkṣāṃ carati
vollzieht die Weihe (Akk.Sg.; 3.Sg.Präs.)
dharmātmā saḥ nāgaiḥ saha modate
dharma-selig, er mit den Nāgas freut sich (Nom.Sg.; Instr.Pl.; 3.Sg.Med.)
śaivālaṃ śīrṇaparṇaṃ vā tad vrato yo niṣevate; śītayogavaho nityaṃ sa gacchet paramāṃ gatim
Wer Wasserpflanzen oder abgefallene Blätter, dies zum Gelübde nehmend, [als Nahrung] genießt und stets den Kälte-Yoga trägt, möge zum höchsten Ziel gelangen.
Wort für Wort
śaivālaṃ śīrṇaparṇaṃ vā
Wasserpflanze oder abgefallenes Blatt (Akk.Sg.)
tadvrataḥ yaḥ niṣevate
dessen Gelübde dies ist, wer genießt (Bahuvrīhi Nom.Sg.; 3.Sg.Med.)
śītayogavahaḥ nityam
den Kälte-Yoga tragend, stets (Nom.Sg.; Adv.)
saḥ gacchet paramāṃ gatim
der möge gehen zum höchsten Ziel (Opt.3.Sg.; Akk.Sg.)
Ob Luft-Esser oder Wasser-Esser oder auch von Früchten und Wurzeln sich nährend – er erlangt Herrschaft unter den Yakṣas und freut sich mit den Scharen der Apsarasen.
Wort für Wort
vāyubhakṣaḥ ambubhakṣaḥ vā
Luft-Esser oder Wasser-Esser (Nom.Sg.)
phalamūlāśanaḥ api vā
von Früchten und Wurzeln sich nährend, oder auch (Nom.Sg.)
yakṣeṣu aiśvaryam ādhāya
unter den Yakṣas Herrschaft erlangt habend (Lok.Pl.; Akk.Sg.; Abs.)
modate apsarasāṃ gaṇaiḥ
freut sich mit den Scharen der Apsarasen (3.Sg.Med.; Gen.Pl.; Instr.Pl.)
Wer im Sommer den Feuer-Yoga trägt, nach der von der Vorschrift gezeigten Handlung, und zwölf Jahre [so] vollbracht hat, wird ein König, ein Herr der Erde.
Wort für Wort
agniyogavahaḥ grīṣme
den Feuer-Yoga tragend im Sommer (Nom.Sg.; Lok.Sg.)
vidhidṛṣṭena karmaṇā
durch eine von der Vorschrift gezeigte Handlung (Instr.Sg.)
Wer, sich selbst als Lebensunterhalt nutzend, die zwölfjährige Weihe [vollzogen hat] und den Körper im großen Meer aufgibt, der erlangt die Welt des Varuṇa.
Wort für Wort
ātmānam upajīvan yaḥ
wer sich selbst als Lebensgrundlage nutzend (Akk.Sg.; Part.Nom.Sg.)
dīkṣāṃ dvādaśavārṣikīm
die zwölfjährige Weihe (Akk.Sg.f.)
tyaktvā mahārṇave deham
aufgegeben habend im großen Meer den Körper (Abs.; Lok.Sg.; Akk.Sg.)
ātmānam upajīvan yo dīkṣāṃ dvādaśavārṣikīm; aśmanā caraṇau bhittvā guhyakeṣu sa modate
Wer, sich selbst als Lebensunterhalt nutzend, die zwölfjährige Weihe [vollzieht] und sich mit einem Stein die Füße zerschlägt, der freut sich unter den Guhyakas.
Wort für Wort
ātmānam upajīvan yaḥ
wer sich selbst als Lebensgrundlage nutzend (Akk.Sg.; Part.Nom.Sg.)
dīkṣāṃ dvādaśavārṣikīm
die zwölfjährige Weihe (Akk.Sg.f.)
aśmanā caraṇau bhittvā
mit einem Stein die Füße zerschlagen habend (Instr.Sg.; Akk.Du.; Abs.)
guhyakeṣu saḥ modate
unter den Guhyakas er freut sich (Lok.Pl.; 3.Sg.Med.)
sādhayitvātmanātmānaṃ nirdvaṃdvo niṣparigrahaḥ; cīrtvā dvādaśa varṣāṇi dīkṣām ekāṃ manogatām; svargalokam avāpnoti devaiś ca saha modate
Wer sich durch sich selbst vervollkommnet hat, frei von den Gegensatzpaaren, besitzlos, zwölf Jahre lang eine einzige, im Geist [vollzogene] Weihe durchgeführt hat, der erlangt die Himmelswelt und freut sich mit den Göttern.
Wort für Wort
sādhayitvā ātmanā ātmānam
sich durch sich selbst vollendet habend (Abs.; Instr.Sg.; Akk.Sg.)
nirdvaṃdvaḥ niṣparigrahaḥ
frei von Gegensätzen, besitzlos (Nom.Sg.)
cīrtvā dvādaśa varṣāṇi
zwölf Jahre vollbracht habend (Abs.; Akk.Pl.)
dīkṣām ekāṃ manogatām
eine einzige geistgewirkte Weihe (Akk.Sg.f.)
svargalokam avāpnoti
erlangt die Himmelswelt (Akk.Sg.; 3.Sg.Präs.)
devaiḥ ca saha modate
und freut sich mit den Göttern (Instr.Pl.; 3.Sg.Med.)
ātmānam upajīvan yo dīkṣāṃ dvādaśavārṣikīm; hutvāgnau deham utsṛjya vahniloke mahīyate
Wer, sich selbst als Lebensunterhalt nutzend, die zwölfjährige Weihe [vollzogen hat], im Feuer opfert, den Körper aufgibt, der wird in der Feuerwelt geehrt.
Wort für Wort
ātmānam upajīvan yaḥ
wer sich selbst als Lebensgrundlage nutzend (Akk.Sg.; Part.Nom.Sg.)
dīkṣāṃ dvādaśavārṣikīm
die zwölfjährige Weihe (Akk.Sg.f.)
hutvā agnau deham utsṛjya
im Feuer geopfert habend, den Körper aufgegeben habend (Abs.; Lok.Sg.; Akk.Sg.; Abs.)
vahniloke mahīyate
in der Feuerwelt wird er geehrt (Lok.Sg.; 3.Sg.Pass./Med.)
Doch wer, Göttin, der Regel gemäß geweiht, gezügelt, ein Zweimalgeborener, das Selbst im Selbst niedergelegt hat, frei von Gegensatzpaaren und besitzlos ist,
Wort für Wort
yaḥ tu devi yathānyāyam
doch wer, Göttin, der Regel gemäß (Rel.Nom.; Vok.Sg.; Adv.)
dīkṣitaḥ niyataḥ dvijaḥ
geweiht, gezügelt, Zweimalgeborener (Nom.Sg.)
ātmani ātmānam ādhāya
im Selbst das Selbst niedergelegt habend (Lok.Sg.; Akk.Sg.; Abs.)
[der] zwölf Jahre lang eine einzige, im Geist [vollzogene] Weihe durchgeführt hat, den Reibholz-Satz an die Schulter gebunden – der geht unbehindert dahin.
Wort für Wort
cīrtvā dvādaśa varṣāṇi
zwölf Jahre vollbracht habend (Abs.; Akk.Pl.)
dīkṣām ekāṃ manogatām
eine einzige geistgewirkte Weihe (Akk.Sg.f.)
araṇīsahitaṃ skandhe baddhvā
die Reibhölzer samt [Zubehör] an die Schulter gebunden (Akk.Sg.; Lok.Sg.; Abs.)
sa śakralokago nityaṃ sarvakāmapuraskṛtaḥ; divyapuṣpasamākīrṇo divyacandanabhūṣitaḥ; sukhaṃ vasati dharmātmā divi devagaṇaiḥ saha
Er, stets in Śakras Welt weilend, mit allen Wünschen geehrt, mit himmlischen Blumen überschüttet, mit himmlischem Sandelholz geschmückt, lebt glücklich, dharma-selig, im Himmel mit den Götterscharen.
Wort für Wort
saḥ śakralokagaḥ nityam
er, in Śakras Welt gehend, stets (Nom.Sg.; Adv.)
sarvakāmapuraskṛtaḥ
mit allen Wünschen geehrt (Part.Nom.Sg.)
divyapuṣpasamākīrṇaḥ
mit himmlischen Blumen überschüttet (Part.Nom.Sg.)
Der in die Heldenwelt Gegangene, der Held, stets den Heldenyoga tragend, in der Wesensklarheit (sattva) stehend, alles aufgebend, geweiht, gezügelt, rein – wer den Heldenpfad betritt, dessen Welten sind ewig.
Wort für Wort
vīralokagataḥ vīraḥ
in die Heldenwelt gegangen, der Held (Nom.Sg.)
vīrayogavahaḥ sadā
den Heldenyoga tragend, stets (Nom.Sg.; Adv.)
sattvasthaḥ sarvam utsṛjya
in sattva stehend, alles aufgegeben habend (Nom.Sg.; Akk.Sg.; Abs.)
dīkṣitaḥ niyataḥ śuciḥ
geweiht, gezügelt, rein (Nom.Sg.)
vīrādhvānaṃ prapadyet yaḥ
wer den Heldenpfad betritt (Akk.Sg.; Opt.3.Sg.; Rel.Nom.)