Kapitel 124: śāṇḍilīsumanāsaṃvāda
Śāṇḍilīs Unterweisung an Sumanā über die Pflichten der tugendhaften Gattin
Śāṇḍilī, eine in die Götterwelt gelangte Frau, erklärt Sumanā, dass ihr Aufstieg auf treuem, achtsamem Gattendienst und häuslicher Sorgfalt beruht. Am Kapitelende steht eine späte Zusatzpassage über die Verehrung Nārāyaṇas.
Bhīṣma sprach: Sumanā, die Kaikeyī [Fürstin der Kekaya], befragte im Götterreich Śāṇḍilī, die Allwissende, die alle Pflichten Kennende, die Hochgesinnte.
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
sarvajñāṃ sarvadharmajñāṃ
die Allwissende, die alle Dharmas Kennende (Akk.Sg.f.)
devaloke manasvinīm
in der Götterwelt, die Hochgesinnte (Lok.Sg./Akk.Sg.f.)
„Wie eine Flamme des Feuers leuchtest du in deinem eigenen Glanz; wie die Tochter des Herrn der Sterne [des Mondes] bist du durch deinen Schimmer zum Himmel gekommen.“
Wort für Wort
hutāśanaśikheva tvaṃ
wie eine Feuerflamme du (Kompositum/Nom.)
jvalamānā svatejasā
leuchtend durch eigene Glut (Part.Präs./Instr.Sg.)
sutā tārādhipasyeva
wie die Tochter des Herrn der Sterne (Nom.Sg.f./Gen.Sg.)
prabhayā divam āgatā
durch Glanz zum Himmel gekommen (Instr./Akk./PPP f.)
Die ‚Tochter des Mondes‘ ist wohl Rohiṇī oder Ähnliches [?]; genauer Bezug offen.
devatānāṃ pitṝṇāṃ ca brāhmaṇānāṃ ca pūjane; apramattā sadāyuktā śvaśrūśvaśuravartinī
„Bei der Verehrung der Götter, der Väter und der Brāhmaṇas war ich achtsam und stets eifrig, der Schwiegermutter und dem Schwiegervater zugewandt [und dienend].“
Wort für Wort
devatānāṃ pitṝṇāṃ ca
der Götter und der Väter (Gen.Pl.)
brāhmaṇānāṃ ca pūjane
und der Brāhmaṇas, bei der Verehrung (Gen.Pl./Lok.Sg.)
apramattā sadāyuktā
achtsam, stets eifrig (Nom.Sg.f.)
śvaśrūśvaśuravartinī
der Schwiegermutter und dem Schwiegervater gemäß handelnd (Nom.Sg.f./Kompositum)
paiśunye na pravartāmi na mamaitan manogatam; advāre na ca tiṣṭhāmi ciraṃ na kathayāmi ca
„Zu Ohrenbläserei lasse ich mich nicht hinreißen, auch ist mir das nicht im Sinn; an einer [unschicklichen] Tür stehe ich nicht, und ich schwatze nicht lange.“
Wort für Wort
paiśunye na pravartāmi
zu Verleumdung neige ich nicht (Lok.Sg./1.Sg.Präs. Med.)
na mama etat manogatam
auch ist das nicht in meinem Sinn (Gen./Nom.n.)
advāre na ca tiṣṭhāmi
und an einer Nicht-Tür stehe ich nicht (Lok.Sg./1.Sg.Präs.)
ciraṃ na kathayāmi ca
und lange rede ich nicht (Adv./1.Sg.Präs.)
advāre: wörtlich ‚an einer Nicht-Tür‘, gemeint wohl eine unschickliche Stelle, etwa ein Nebenausgang [?].
kuṭumbārthe samānītaṃ yat kiṃ cit kāryam eva tu; prātar utthāya tat sarvaṃ kārayāmi karomi ca
„Was immer an Arbeit für den Haushalt herbeigebracht [oder anzugehen] ist, all das lasse ich nach dem Aufstehen am Morgen ausführen und tue es [selbst].“
Wort für Wort
kuṭumbārthe samānītaṃ
für den Haushalt herbeigebracht (Lok./PPP n.)
yat kiṃ cit kāryam eva tu
was immer an Zu-Tuendem (Nom.n.)
prātar utthāya
früh aufgestanden (Adv./Abs.)
tat sarvaṃ kārayāmi karomi ca
all das lasse ich tun und tue (1.Sg.Präs. Kaus./Präs.)
„Dem Hüten des Feuers hingegeben, lasse ich das Haus reinigen, ebenso die Geräte, Güter und Getreidevorräte, Betten, Sitze und Gebrauchsgegenstände. Die Knaben hüte ich stets, die Mädchen unterweise ich. Auch das, was mir selbst lieb ist, lasse ich beiseite, dem Schutz der Leibesfrucht ergeben. Von den Kindern halte ich stets Fluch, Zorn und Quälen fern. Getreide liegt nicht verstreut umher, und im Haus gibt es kein Verstreuen von Speise. Wie Juwelen hege ich im Haus die Kühe mit Futter und Wasser. Und nachdem ich mich erhoben und gereinigt habe, würde ich den Zweimalgeborenen Almosen geben.“
Wort für Wort
agnisaṃrakṣaṇaparā
dem Hüten des Feuers ergeben (Nom.Sg.f.)
gṛhaśuddhiṃ ca kāraye
und die Reinigung des Hauses lasse ich vollziehen (Akk./1.Sg. Kaus.)
pātrāṇāṃ dhanadhānyānāṃ
der Gefäße, Reichtümer und Getreide (Gen.Pl.)
śayanāsanavastunām
der Betten, Sitze und Gegenstände (Gen.Pl.)
kumārān pālaye nityaṃ
die Knaben behüte ich stets (Akk.Pl./1.Sg.)
kumārīḥ pariśikṣaye
die Mädchen unterweise ich (Akk.Pl.f./1.Sg. Kaus.)
ātmapriyāṇi hitvā api
auch das mir Liebe lassend (Akk.Pl.n./Abs.)
garbhasaṃrakṣaṇe ratā
am Schutz der Leibesfrucht sich erfreuend (Lok./Nom.Sg.f.)
bālānāṃ varjaye nityaṃ
von den Kindern halte ich stets fern (Gen.Pl./1.Sg.)
śāpaṃ kopaṃ pratāpanam
Fluch, Zorn, Quälen (Akk.Sg.)
avikṣiptāni dhānyāni
unverstreute Getreide (Nom.Pl.n.)
na annavikṣepaṇaṃ gṛhe
kein Verstreuen von Speise im Haus (Nom./Lok.)
ratnavat spṛhaye gehe
wie Juwelen hege ich im Haus (Adv./1.Sg./Lok.)
gāvaḥ sayavasodakāḥ
Kühe samt Futter und Wasser (Nom.Pl.f./Bahuvrīhi)
samudgamya ca śuddhā aham
und aufgestanden, ich, rein (Abs./Nom.Sg.f.)
bhikṣāṃ dadyāṃ dvijātiṣu
Almosen würde ich geben den Zweimalgeborenen (Akk./Opt.1.Sg./Lok.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; samudgamya ist unsicher (‚aufgestanden‘ oder ‚hervorgetreten‘ [?]).
„Die Buhlerin meide ich ganz, ebenso Gaukelei und Wurzelzauber.“
Wort für Wort
bandhakīṃ varjayāmi eva
die Unzüchtige meide ich gewiss (Akk.Sg.f./1.Sg.)
kuhakāmūlakarma ca
und Gaukelei und Wurzelzauber (Kompositum Akk.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile; kuhakā-mūlakarma alternativ: ‚Gaukelei und Wurzelzauber‘ als zwei Glieder.
Bhīṣma sprach: „Nachdem die göttliche, asketische, hochgesegnete [Śāṇḍilī] der Sumanā so die Gattenpflicht dargelegt hatte, ging sie da aus dem Blick.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
etat ākhyāya sā devī
dies dargelegt habend, jene Göttin (Abs./Nom.Sg.f.)
sumanāyai tapasvinī
der Sumanā, die Asketin (Dat./Nom.Sg.f.)
patidharmaṃ mahābhāgā
die Gattenpflicht, die Hochgesegnete (Akk./Nom.Sg.f.)
yudhiṣṭhiraḥ; yaj jñeyaṃ paramaṃ kṛtyam anuṣṭheyaṃ mahātmabhiḥ; bhīṣmaḥ; sāraṃ me sarvaśāstrāṇāṃ vaktum arhasy anugrahāt; śrūyatām idam atyantaṃ gūḍhaṃ saṃsāramocanam; śrotavyaṃ ca tvayā samyag jñātavyaṃ ca viśāṃ pate; puṇḍarīkaḥ purā vipraḥ puṇyatīrthe japānvitaḥ; nāradaṃ paripapraccha śreyo yogaparaṃ munim; nāradaś cābravīd enaṃ brahmaṇoktaṃ mahātmanā; śṛṇuṣvāvahitas tāta jñānayogam anuttamam; aprabhūtaṃ prabhūtārthaṃ vedaśāstrārthasārakam; yaḥ paraḥ prakṛteḥ proktaḥ puruṣaḥ pañcaviṃśakaḥ; sa eva sarvabhūtātmā nara ity abhidhīyate; narāj jātāni tattvāni nārāṇīti tato viduḥ; tāny eva cāyanaṃ tasya tena nārāyaṇaḥ smṛtaḥ; nārāyaṇāj jagat sarvaṃ sargakāle prajāyate; tasminn eva punas tac ca pralaye saṃpralīyate; nārāyaṇaḥ paraṃ brahma tattvaṃ nārāyaṇaḥ paraḥ; parād api paraś cāsau tasmān nāsti parāt param; vāsudevaṃ tathā viṣṇum ātmānaṃ ca tathā viduḥ; saṃjñābhedaiḥ sa evaikaḥ sarvaśāstrābhisaṃskṛtaḥ; āloḍya sarvaśāstrāṇi vicārya ca punaḥ punaḥ; idam ekaṃ suniṣpannaṃ dhyeyo nārāyaṇaḥ sadā; tasmāt tvaṃ gahanān sarvāṃs tyaktvā śāstrārthavistarān; ananyacetā dhyāyasva nārāyaṇam ajaṃ vibhum; muhūrtam api yo dhyāyen nārāyaṇam atandritaḥ; so 'pi tadgatim āpnoti kiṃ punas tatparāyaṇaḥ; namo nārāyaṇāyeti yo veda brahma śāśvatam; antakāle japann eti tad viṣṇoḥ paramaṃ padam; śravaṇān mananāc caiva gītistutyarcanādibhiḥ; ārādhyaṃ sarvadā brahma puruṣeṇa hitaiṣiṇā; lipyate na sa pāpena nārāyaṇaparāyaṇaḥ; punāti sakalaṃ lokaṃ sahasrāṃśur ivoditaḥ; brahmacārī gṛhastho 'pi vānaprastho 'tha bhikṣukaḥ; keśavārādhanaṃ hitvā naiva yāti parāṃ gatim; janmāntarasahasreṣu durlabhā tadgatā matiḥ; tad bhaktavatsalaṃ devaṃ samārādhaya suvrata; nāradenaivam uktas tu sa vipro 'bhyarcayad dharim; svapne 'pi puṇḍarīkākṣaṃ śaṅkhacakragadādharam; kirīṭakuṇḍaladharaṃ lasacchrīvatsakaustubham; taṃ dṛṣṭvā devadeveśaṃ prāṇamatsaṃbhramānvitaḥ; atha kālena mahatā tathā pratyakṣatāṃ gataḥ; saṃstutaḥ stutibhir vedair devagandharvakiṃnaraiḥ; atha tenaiva bhagavān ātmalokam adhokṣajaḥ; gataḥ saṃpūjitaḥ sarvaiḥ sa yoginilayo hariḥ; tasmāt tvam api rājendra tadbhaktas tatparāyaṇaḥ; arcayitvā yathāyogaṃ bhajasva puruṣottamam; ajaram amaram ekaṃ dhyeyam ādyantaśūnyaṃ; saguṇam aguṇam ādyaṃ sthūlam atyantasūkṣmam; nirupamam upameyaṃ yogivijñānagamyaṃ; tribhuvanagurum īśaṃ tvaṃ prapadyasva viṣṇum
Yudhiṣṭhira: „Was ist die höchste zu erkennende Pflicht, die von Hochgesinnten zu vollziehen ist?“ Bhīṣma: „Das Wesentliche aller Lehrschriften [mir] zu sagen, vermagst du aus Gnade. Höre dies äußerst Verborgene, das aus dem Saṃsāra erlöst; du sollst es recht hören und recht verstehen, Herr der Menschen. Einst befragte im heiligen Tīrtha der Brahmane Puṇḍarīka, ins Murmeln [Japa] vertieft, den Weisen Nārada, der auf das Heil und auf Yoga gerichtet ist. Und Nārada sagte zu ihm, was vom hochgesinnten Brahmā gesagt worden war: ‚Höre aufmerksam, Lieber, das unübertreffliche Yoga des Wissens, das Geringes ausdrückt und doch reich an Sinn ist, die Essenz der Bedeutung von Veda und Lehrschriften. Der als jenseits der Urnatur [Prakṛti] verkündete fünfundzwanzigste Puruṣa, eben der ist das Selbst aller Wesen und wird Nara genannt. Die aus Nara entstandenen Prinzipien kennt man daher als Nārāṇi; sie sind sein Aufenthalt [ayana], darum heißt er Nārāyaṇa. Aus Nārāyaṇa entsteht die ganze Welt zur Zeit der Schöpfung, in eben ihm löst sie sich bei der Auflösung wieder auf. Nārāyaṇa ist das höchste Brahman, Nārāyaṇa die höchste Wahrheit; er ist höher noch als das Höchste, darum gibt es nichts Höheres als das Höchste. Als Vāsudeva, ebenso als Viṣṇu und als das Selbst kennt man ihn; nur durch Unterschiede der Namen [erscheint er vielfältig], er ist der Eine, durch alle Lehrschriften ausgebildet. Nachdem man alle Lehrschriften durchgerührt und immer wieder erwogen hat, ist dies eine gut erwiesen: Stets ist Nārāyaṇa zu meditieren. Darum gib du alle dichten Weitläufigkeiten der Lehrschriftbedeutungen auf und meditiere mit ungeteiltem Sinn über Nārāyaṇa, den Ungeborenen, den Allumfassenden. Wer auch nur einen Augenblick unermüdlich über Nārāyaṇa meditiert, erlangt auch der dessen Ziel; wie viel mehr, wer ihm ganz hingegeben ist. Wer ‚Verehrung dem Nārāyaṇa‘ als das ewige Brahman kennt, gelangt, wenn er es in der Todesstunde murmelt, zu jener höchsten Stätte Viṣṇus. Durch Hören und Nachsinnen, durch Lieder, Preisungen, Verehrung und dergleichen ist Brahman stets vom Menschen, der sein Wohl sucht, zu verehren. Von Sünde wird er nicht befleckt, wer Nārāyaṇa ganz ergeben ist; er reinigt die ganze Welt wie die aufgegangene Tausendstrahlige [die Sonne]. Ob Brahmacārin, Hausvater, Waldeinsiedler oder Bettelmönch: Wer die Verehrung Keśavas aufgibt, geht keinesfalls zum höchsten Ziel. In tausenden anderen Geburten ist ein darauf gerichteter Sinn schwer zu erlangen; darum verehre jenen Gott, der seinen Verehrern liebevoll zugetan ist, du mit guten Gelübden.‘ Von Nārada so angesprochen, verehrte jener Brahmane Hari; sogar im Traum [sah er] den Lotosäugigen, Muschel, Diskus und Keule Tragenden, den Diadem und Ohrringe Tragenden, strahlend mit Śrīvatsa und Kaustubha. Ihn, den Gott der Götter, den Herrn, sah er und verneigte sich, von Erregung erfüllt. Dann, nach langer Zeit, wurde er ihm sichtbar, von den Veden, von Göttern, Gandharvas und Kiṃnaras mit Lobliedern gepriesen. Da ging der Erhabene, Adhokṣaja, eben durch ihn [veranlasst] zu seiner eigenen Welt, von allen verehrt, Hari, der im Yogin ruht. Darum, auch du, Herrscher der Könige, sei ihm ergeben und ganz ihm hingegeben; nachdem du ihn nach Gebühr verehrt hast, diene dem Puruṣottama, dem Alterslosen, Unsterblichen, Einen, zu Meditierenden, ohne Anfang und Ende, mit Eigenschaften und ohne, dem Ersten, Grobstofflichen und äußerst Feinen, Unvergleichlichen und doch Vergleichbaren, durch das Wissen der Yogins Erreichbaren, dem Lehrer der drei Welten, dem Herrn: Nimm du Zuflucht zu Viṣṇu.“
gering an Umfang, reich an Sinn (Akk.n./Bahuvrīhi); die Essenz des Sinnes von Veda und Lehrschrift (Akk.n.); der jenseits der Prakṛti verkündet ist (Nom./Abl./PPP)
puruṣaḥ pañcaviṃśakaḥ saḥ eva sarvabhūtātmā naraḥ iti abhidhīyate
der Puruṣa, der fünfundzwanzigste (Nom.); eben er ist das Selbst aller Wesen (Nom.); Nara wird er genannt (Nom./3.Sg.Pass.)
narāt jātāni tattvāni nārāṇi iti tataḥ viduḥ tāni eva ca ayanaṃ tasya
aus Nara entstandene Prinzipien (Abl./PPP Nom.Pl.); als Nārāṇi kennt man sie daher (Perf.3.Pl.); und eben sie sind sein Aufenthalt (Nom.Pl./Nom.n./Gen.)
tena nārāyaṇaḥ smṛtaḥ nārāyaṇāt jagat sarvaṃ sargakāle prajāyate
darum wird er Nārāyaṇa genannt (Instr./PPP); aus Nārāyaṇa die ganze Welt (Abl./Nom.); zur Schöpfungszeit wird geboren (Lok./3.Sg.Präs.)
tasmin eva punaḥ tat ca pralaye saṃpralīyate nārāyaṇaḥ paraṃ brahma
in ihm eben wiederum jenes (Lok./Adv./Nom.); bei der Auflösung löst sich auf (Lok./3.Sg.Präs.Pass.); Nārāyaṇa ist das höchste Brahman (Nom./Nom.n.)
tattvaṃ nārāyaṇaḥ paraḥ parāt api paraḥ ca asau tasmāt na asti parāt param
die Wahrheit, Nārāyaṇa der Höchste (Nom.); und höher noch als das Höchste ist er (Abl./Nom.); darum gibt es nichts Höheres als das Höchste (Abl./3.Sg.)
vāsudevaṃ tathā viṣṇum ātmānaṃ ca tathā viduḥ saṃjñābhedaiḥ saḥ eva ekaḥ
Vāsudeva, ebenso Viṣṇu (Akk.); und das Selbst, so kennt man [ihn] (Akk./Perf.3.Pl.); durch Namensunterschiede, er ist der Eine (Instr.Pl./Nom.)
sarvaśāstrābhisaṃskṛtaḥ āloḍya sarvaśāstrāṇi vicārya ca punaḥ punaḥ
durch alle Lehrschriften ausgebildet (PPP Nom.); alle Lehrschriften durchgerührt habend (Abs./Akk.Pl.); und wieder und wieder erwogen habend (Abs./Adv.)
idam ekaṃ suniṣpannaṃ dhyeyaḥ nārāyaṇaḥ sadā tasmāt tvaṃ gahanān sarvān
dies eine ist gut erwiesen (Nom.n.); zu meditieren ist stets Nārāyaṇa (Gerundiv/Nom./Adv.); darum du, alle dichten (Abl./Nom./Akk.Pl.)
aufgebend die Weitläufigkeiten der Schriftbedeutungen (Abs./Akk.Pl.); mit ungeteiltem Sinn meditiere (Nom./Imp.Med.); Nārāyaṇa, den Ungeborenen, Allumfassenden (Akk.)
muhūrtam api yaḥ dhyāyet nārāyaṇam atandritaḥ saḥ api tadgatim āpnoti
wer auch nur einen Augenblick meditiert (Akk./Nom./Opt.); Nārāyaṇa, unermüdlich (Akk./Nom.); auch der erlangt dessen Ziel (Nom./Akk./3.Sg.Präs.)
kiṃ punaḥ tatparāyaṇaḥ namaḥ nārāyaṇāya iti yaḥ veda brahma śāśvatam
wie viel mehr, wer ihm ganz hingegeben ist (Nom.); ‚Verehrung dem Nārāyaṇa‘ (Dat.); wer das ewige Brahman kennt (Perf./Akk.)
antakāle japan eti tat viṣṇoḥ paramaṃ padam śravaṇāt mananāt ca eva
zur Todesstunde murmelnd geht er (Lok./Part./3.Sg.); zu jener höchsten Stätte Viṣṇus (Akk./Gen.); durch Hören und Nachsinnen (Abl.)
durch Lieder, Preisungen, Verehrung usw. (Instr.Pl.); zu verehren stets das Brahman (Gerundiv/Adv./Nom.n.); vom Menschen, der sein Wohl sucht (Instr.)
lipyate na saḥ pāpena nārāyaṇaparāyaṇaḥ punāti sakalaṃ lokaṃ
er wird nicht befleckt von Sünde (3.Sg.Pass./Instr.); wer Nārāyaṇa ganz ergeben ist (Nom.); er reinigt die ganze Welt (3.Sg./Akk.)
sahasrāṃśuḥ iva uditaḥ brahmacārī gṛhasthaḥ api vānaprasthaḥ atha bhikṣukaḥ
wie die aufgegangene Sonne (Nom./PPP); Brahmacārin, auch Hausvater (Nom.); Waldeinsiedler, dann Bettelmönch (Nom.)
keśavārādhanaṃ hitvā na eva yāti parāṃ gatim janmāntarasahasreṣu
die Verehrung Keśavas aufgebend (Akk./Abs.); geht keinesfalls zum höchsten Ziel (3.Sg./Akk.); in tausenden anderen Geburten (Lok.Pl.)
durlabhā tadgatā matiḥ tat bhaktavatsalaṃ devaṃ samārādhaya suvrata
schwer zu erlangen ist der darauf gerichtete Sinn (Nom.f.); jenen Gott, der seinen Verehrern zugetan ist (Akk.); verehre, du mit guten Gelübden (Imp./Vok.)
nāradena evam uktaḥ tu saḥ vipraḥ abhyarcayat harim svapne api puṇḍarīkākṣaṃ
von Nārada so angesprochen (Instr./PPP); jener Brahmane verehrte Hari (Impf./Akk.); auch im Traum den Lotosäugigen (Lok./Akk.)
den Unvergleichlichen, [doch] Vergleichbaren (Akk.); durch das Wissen der Yogins erreichbar (Akk.); den Lehrer der drei Welten, den Herrn (Akk.)
tvaṃ prapadyasva viṣṇum
du nimm Zuflucht zu Viṣṇu (Nom./Imp.Med./Akk.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sehr späte vaiṣṇavische Zusatzpassage. Sprecherwechsel yudhiṣṭhiraḥ/bhīṣmaḥ im Text unklar: ‚sāraṃ me…‘ passt eher zu Yudhiṣṭhira als Bitte [?]; wörtlich wiedergegeben.