Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Anuśāsanaparva

Kapitel 124: śāṇḍilīsumanāsaṃvāda Śāṇḍilīs Unterweisung an Sumanā über die Pflichten der tugendhaften Gattin

Śāṇḍilī, eine in die Götterwelt gelangte Frau, erklärt Sumanā, dass ihr Aufstieg auf treuem, achtsamem Gattendienst und häuslicher Sorgfalt beruht. Am Kapitelende steht eine späte Zusatzpassage über die Verehrung Nārāyaṇas.

yudhiṣṭhira uvāca; satstrīṇāṃ samudācāraṃ sarvadharmabhṛtāṃ vara; śrotum icchāmy ahaṃ tvattas taṃ me brūhi pitāmaha

Yudhiṣṭhira sprach: „Das Verhalten tugendhafter Frauen, du Bester unter allen Trägern des Dharma, möchte ich von dir hören; das sage mir, Großvater.“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
satstrīṇāṃ samudācāraṃ
das Verhalten/den Wandel guter (tugendhafter) Frauen (Gen.Pl./Akk.Sg.)
sarvadharmabhṛtāṃ vara
du Bester der Träger aller Dharmas (Gen.Pl./Vok.Sg.)
śrotum icchāmy ahaṃ tvattaḥ
hören möchte ich von dir (Inf./1.Sg.Präs./Abl.)
taṃ me brūhi pitāmaha
das sage mir, Großvater (Imp./Dat.-Gen./Vok.)

bhīṣma uvāca; sarvajñāṃ sarvadharmajñāṃ devaloke manasvinīm; kaikeyī sumanā nāma śāṇḍilīṃ paryapṛcchata

Bhīṣma sprach: Sumanā, die Kaikeyī [Fürstin der Kekaya], befragte im Götterreich Śāṇḍilī, die Allwissende, die alle Pflichten Kennende, die Hochgesinnte.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
sarvajñāṃ sarvadharmajñāṃ
die Allwissende, die alle Dharmas Kennende (Akk.Sg.f.)
devaloke manasvinīm
in der Götterwelt, die Hochgesinnte (Lok.Sg./Akk.Sg.f.)
kaikeyī sumanā nāma
die Kaikeyī, Sumanā mit Namen (Nom.Sg.f.)
śāṇḍilīṃ paryapṛcchata
Śāṇḍilī befragte sie (Akk./Impf. Med.)

kena vṛttena kalyāṇi samācāreṇa kena vā; vidhūya sarvapāpāni devalokaṃ tvam āgatā

„Durch welches Verhalten, Glückliche, oder durch welchen Wandel bist du, alle Sünden abschüttelnd, in die Götterwelt gelangt?“

Wort für Wort
kena vṛttena kalyāṇi
durch welches Verhalten, Glückliche (Instr.Sg./Vok.Sg.f.)
samācāreṇa kena vā
oder durch welchen Wandel (Instr.Sg.)
vidhūya sarvapāpāni
nachdem du alle Sünden abgeschüttelt hast (Abs./Akk.Pl.)
devalokaṃ tvam āgatā
in die Götterwelt bist du gekommen (Akk./Nom./PPP f.)

hutāśanaśikheva tvaṃ jvalamānā svatejasā; sutā tārādhipasyeva prabhayā divam āgatā

„Wie eine Flamme des Feuers leuchtest du in deinem eigenen Glanz; wie die Tochter des Herrn der Sterne [des Mondes] bist du durch deinen Schimmer zum Himmel gekommen.“

Wort für Wort
hutāśanaśikheva tvaṃ
wie eine Feuerflamme du (Kompositum/Nom.)
jvalamānā svatejasā
leuchtend durch eigene Glut (Part.Präs./Instr.Sg.)
sutā tārādhipasyeva
wie die Tochter des Herrn der Sterne (Nom.Sg.f./Gen.Sg.)
prabhayā divam āgatā
durch Glanz zum Himmel gekommen (Instr./Akk./PPP f.)

Die ‚Tochter des Mondes‘ ist wohl Rohiṇī oder Ähnliches [?]; genauer Bezug offen.

arajāṃsi ca vastrāṇi dhārayantī gataklamā; vimānasthā śubhe bhāsi sahasraguṇam ojasā

„Staubfreie Gewänder trägst du, frei von Ermattung; im Himmelswagen weilend, Glückliche, strahlst du an Kraft tausendfach.“

Wort für Wort
arajāṃsi ca vastrāṇi
und staubfreie Gewänder (Akk.Pl.n.)
dhārayantī gataklamā
tragend, deren Ermattung geschwunden ist (Part.Präs.f./Bahuvrīhi)
vimānasthā śubhe
im Himmelswagen stehend, Schöne (Nom.Sg.f./Vok.)
bhāsi sahasraguṇam ojasā
du strahlst tausendfach durch Kraft (2.Sg.Präs./Adv./Instr.)

na tvam alpena tapasā dānena niyamena vā; imaṃ lokam anuprāptā tasmāt tattvaṃ vadasva me

„Nicht durch geringe Askese, Gabe oder Gelübde hast du diese Welt erlangt; darum sage mir die Wahrheit.“

Wort für Wort
na tvam alpena tapasā
nicht du durch geringe Askese (Instr.Sg.n.)
dānena niyamena vā
oder durch Gabe, durch Gelübde (Instr.Sg.)
imaṃ lokam anuprāptā
diese Welt erreicht habend (Akk./PPP f.)
tasmāt tattvaṃ vadasva me
darum sprich mir die Wahrheit (Imp.Med./Dat.)

iti pṛṣṭā sumanayā madhuraṃ cāruhāsinī; śāṇḍilī nibhṛtaṃ vākyaṃ sumanām idam abravīt

So von Sumanā gefragt, sprach die lieblich Lächelnde, Śāṇḍilī, bescheiden und sanft diese Worte zu Sumanā.

Wort für Wort
iti pṛṣṭā sumanayā
so gefragt von Sumanā (PPP f./Instr.)
madhuraṃ cāruhāsinī
sanft, die schön Lächelnde (Adv./Nom.Sg.f.)
śāṇḍilī nibhṛtaṃ vākyaṃ
Śāṇḍilī, bescheiden [diese] Rede (Nom./Adv. bzw. Adj./Akk.)
sumanām idam abravīt
zu Sumanā dies sagte sie (Akk./Impf.)

nibhṛtam kann Adverb (‚bescheiden‘) oder Attribut zu vākyam (‚verhalten‘) sein.

nāhaṃ kāṣāyavasanā nāpi valkaladhāriṇī; na ca muṇḍā na jaṭilā bhūtvā devatvam āgatā

„Weder in ockerfarbenem Gewand noch Baumrinde tragend, weder kahlgeschoren noch mit Filzlocken bin ich zur Göttlichkeit gelangt.“

Wort für Wort
nāhaṃ kāṣāyavasanā
nicht ich, in ockerfarbenes Gewand gekleidet (Nom.Sg.f.)
nāpi valkaladhāriṇī
auch nicht Baumrinde tragend (Nom.Sg.f.)
na ca muṇḍā na jaṭilā
weder kahl noch verfilzt-lockig (Nom.Sg.f.)
bhūtvā devatvam āgatā
[so] geworden bin ich zur Göttlichkeit gelangt (Abs./Akk./PPP f.)

ahitāni ca vākyāni sarvāṇi paruṣāṇi ca; apramattā ca bhartāraṃ kadā cin nāham abruvam

„Unheilsame und überhaupt harte Worte habe ich, achtsam, zu meinem Gatten niemals gesprochen.“

Wort für Wort
ahitāni ca vākyāni
und unzuträgliche Worte (Akk.Pl.n.)
sarvāṇi paruṣāṇi ca
alle, und harte (Akk.Pl.n.)
apramattā ca bhartāraṃ
und achtsam, zum Gatten (Nom.Sg.f./Akk.Sg.)
kadā cin nāham abruvam
niemals habe ich gesprochen (Impf.1.Sg.)

sarvāṇi ist hier abgeschwächt: ‚alle Arten von‘ unheilsamen und harten Worten.

devatānāṃ pitṝṇāṃ ca brāhmaṇānāṃ ca pūjane; apramattā sadāyuktā śvaśrūśvaśuravartinī

„Bei der Verehrung der Götter, der Väter und der Brāhmaṇas war ich achtsam und stets eifrig, der Schwiegermutter und dem Schwiegervater zugewandt [und dienend].“

Wort für Wort
devatānāṃ pitṝṇāṃ ca
der Götter und der Väter (Gen.Pl.)
brāhmaṇānāṃ ca pūjane
und der Brāhmaṇas, bei der Verehrung (Gen.Pl./Lok.Sg.)
apramattā sadāyuktā
achtsam, stets eifrig (Nom.Sg.f.)
śvaśrūśvaśuravartinī
der Schwiegermutter und dem Schwiegervater gemäß handelnd (Nom.Sg.f./Kompositum)

paiśunye na pravartāmi na mamaitan manogatam; advāre na ca tiṣṭhāmi ciraṃ na kathayāmi ca

„Zu Ohrenbläserei lasse ich mich nicht hinreißen, auch ist mir das nicht im Sinn; an einer [unschicklichen] Tür stehe ich nicht, und ich schwatze nicht lange.“

Wort für Wort
paiśunye na pravartāmi
zu Verleumdung neige ich nicht (Lok.Sg./1.Sg.Präs. Med.)
na mama etat manogatam
auch ist das nicht in meinem Sinn (Gen./Nom.n.)
advāre na ca tiṣṭhāmi
und an einer Nicht-Tür stehe ich nicht (Lok.Sg./1.Sg.Präs.)
ciraṃ na kathayāmi ca
und lange rede ich nicht (Adv./1.Sg.Präs.)

advāre: wörtlich ‚an einer Nicht-Tür‘, gemeint wohl eine unschickliche Stelle, etwa ein Nebenausgang [?].

asad vā hasitaṃ kiṃ cid ahitaṃ vāpi karmaṇā; rahasyam arahasyaṃ vā na pravartāmi sarvathā

„Unziemliches, Gelächter oder irgendetwas Unheilsames im Tun, Heimliches oder Unheimliches: darauf lasse ich mich in keiner Weise ein.“

Wort für Wort
asad vā hasitaṃ kiṃ cit
Unziemliches oder Gelächter, irgendetwas (Nom./Akk.n.)
ahitaṃ vāpi karmaṇā
oder auch Unheilsames durch Tat (Akk.n./Instr.Sg.)
rahasyam arahasyaṃ vā
Heimliches oder Nicht-Heimliches (Akk.n.)
na pravartāmi sarvathā
ich lasse mich nicht ein, in keiner Weise (1.Sg.Präs./Adv.)

kāryārthe nirgataṃ cāpi bhartāraṃ gṛham āgatam; āsanenopasaṃyojya pūjayāmi samāhitā

„Und wenn mein Gatte in einer Angelegenheit ausgegangen und dann nach Hause gekommen ist, empfange ich ihn mit einem Sitz und ehre ihn, gesammelt.“

Wort für Wort
kāryārthe nirgataṃ ca api
auch [wenn er] um einer Aufgabe willen ausgegangen ist (Lok./PPP Akk.)
bhartāraṃ gṛham āgatam
den Gatten, der nach Hause gekommen ist (Akk.Sg./PPP)
āsanena upasaṃyojya
mit einem Sitz versehend/bewirtend (Instr./Abs.)
pūjayāmi samāhitā
ehre ich, gesammelt (1.Sg.Präs./Nom.Sg.f.)

yad yac ca nābhijānāti yad bhojyaṃ nābhinandati; bhakṣyaṃ vāpy atha vā lehyaṃ tat sarvaṃ varjayāmy aham

„Was immer er nicht kennt und was an Essbarem er nicht schätzt, sei es zu Verzehrendes, zu Kauendes oder zu Leckendes: all das meide ich.“

Wort für Wort
yad yac ca na abhijānāti
und was immer er nicht kennt (3.Sg.Präs.)
yad bhojyaṃ na abhinandati
was Essbares er nicht gern hat (Nom.n./3.Sg.Präs.)
bhakṣyaṃ vā api atha vā lehyaṃ
sei es Kaubares oder Leckbares (Nom.n.)
tat sarvaṃ varjayāmy aham
das alles meide ich (Akk./1.Sg.Präs. Kaus.)

na abhijānāti: ‚nicht kennt/anerkennt‘; ob ‚nicht mag‘ gemeint ist, bleibt leicht offen.

kuṭumbārthe samānītaṃ yat kiṃ cit kāryam eva tu; prātar utthāya tat sarvaṃ kārayāmi karomi ca

„Was immer an Arbeit für den Haushalt herbeigebracht [oder anzugehen] ist, all das lasse ich nach dem Aufstehen am Morgen ausführen und tue es [selbst].“

Wort für Wort
kuṭumbārthe samānītaṃ
für den Haushalt herbeigebracht (Lok./PPP n.)
yat kiṃ cit kāryam eva tu
was immer an Zu-Tuendem (Nom.n.)
prātar utthāya
früh aufgestanden (Adv./Abs.)
tat sarvaṃ kārayāmi karomi ca
all das lasse ich tun und tue (1.Sg.Präs. Kaus./Präs.)

agnisaṃrakṣaṇaparā gṛhaśuddhiṃ ca kāraye; pātrāṇāṃ dhanadhānyānāṃ śayanāsanavastunām; kumārān pālaye nityaṃ kumārīḥ pariśikṣaye; ātmapriyāṇi hitvāpi garbhasaṃrakṣaṇe ratā; bālānāṃ varjaye nityaṃ śāpaṃ kopaṃ pratāpanam; avikṣiptāni dhānyāni nānnavikṣepaṇaṃ gṛhe; ratnavat spṛhaye gehe gāvaḥ sayavasodakāḥ; samudgamya ca śuddhāhaṃ bhikṣāṃ dadyāṃ dvijātiṣu

„Dem Hüten des Feuers hingegeben, lasse ich das Haus reinigen, ebenso die Geräte, Güter und Getreidevorräte, Betten, Sitze und Gebrauchsgegenstände. Die Knaben hüte ich stets, die Mädchen unterweise ich. Auch das, was mir selbst lieb ist, lasse ich beiseite, dem Schutz der Leibesfrucht ergeben. Von den Kindern halte ich stets Fluch, Zorn und Quälen fern. Getreide liegt nicht verstreut umher, und im Haus gibt es kein Verstreuen von Speise. Wie Juwelen hege ich im Haus die Kühe mit Futter und Wasser. Und nachdem ich mich erhoben und gereinigt habe, würde ich den Zweimalgeborenen Almosen geben.“

Wort für Wort
agnisaṃrakṣaṇaparā
dem Hüten des Feuers ergeben (Nom.Sg.f.)
gṛhaśuddhiṃ ca kāraye
und die Reinigung des Hauses lasse ich vollziehen (Akk./1.Sg. Kaus.)
pātrāṇāṃ dhanadhānyānāṃ
der Gefäße, Reichtümer und Getreide (Gen.Pl.)
śayanāsanavastunām
der Betten, Sitze und Gegenstände (Gen.Pl.)
kumārān pālaye nityaṃ
die Knaben behüte ich stets (Akk.Pl./1.Sg.)
kumārīḥ pariśikṣaye
die Mädchen unterweise ich (Akk.Pl.f./1.Sg. Kaus.)
ātmapriyāṇi hitvā api
auch das mir Liebe lassend (Akk.Pl.n./Abs.)
garbhasaṃrakṣaṇe ratā
am Schutz der Leibesfrucht sich erfreuend (Lok./Nom.Sg.f.)
bālānāṃ varjaye nityaṃ
von den Kindern halte ich stets fern (Gen.Pl./1.Sg.)
śāpaṃ kopaṃ pratāpanam
Fluch, Zorn, Quälen (Akk.Sg.)
avikṣiptāni dhānyāni
unverstreute Getreide (Nom.Pl.n.)
na annavikṣepaṇaṃ gṛhe
kein Verstreuen von Speise im Haus (Nom./Lok.)
ratnavat spṛhaye gehe
wie Juwelen hege ich im Haus (Adv./1.Sg./Lok.)
gāvaḥ sayavasodakāḥ
Kühe samt Futter und Wasser (Nom.Pl.f./Bahuvrīhi)
samudgamya ca śuddhā aham
und aufgestanden, ich, rein (Abs./Nom.Sg.f.)
bhikṣāṃ dadyāṃ dvijātiṣu
Almosen würde ich geben den Zweimalgeborenen (Akk./Opt.1.Sg./Lok.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; samudgamya ist unsicher (‚aufgestanden‘ oder ‚hervorgetreten‘ [?]).

pravāsaṃ yadi me bhartā yāti kāryeṇa kena cit; maṅgalair bahubhir yuktā bhavāmi niyatā sadā

„Wenn mein Gatte aus irgendeinem Anlass auf Reisen geht, bin ich stets mit vielen Segensriten versehen und gezügelt.“

Wort für Wort
pravāsaṃ yadi me bhartā
wenn mein Gatte auf Reise (Akk./Konj./Gen./Nom.)
yāti kāryeṇa kena cit
geht, aus irgendeinem Anlass (3.Sg.Präs./Instr.)
maṅgalair bahubhir yuktā
mit vielen Segensriten versehen (Instr.Pl./Nom.Sg.f.)
bhavāmi niyatā sadā
bin ich, gezügelt, stets (1.Sg.Präs./PPP f./Adv.)

añjanaṃ rocanāṃ caiva snānaṃ mālyānulepanam; prasādhanaṃ ca niṣkrānte nābhinandāmi bhartari

„Augensalbe, Rocanā-Farbe, Bad, Girlanden und Salben, Schmuck: daran habe ich keine Freude, wenn der Gatte fortgegangen ist.“

Wort für Wort
añjanaṃ rocanāṃ caiva
Augensalbe und Rocanā (Akk.Sg.)
snānaṃ mālyānulepanam
Bad, Girlande und Salbung (Akk.Sg.n.)
prasādhanaṃ ca
und Schmuck/Toilette (Akk.Sg.n.)
niṣkrānte na abhinandāmi bhartari
wenn der Gatte fortgegangen ist, freue ich mich daran nicht (Lok.abs./1.Sg.)

notthāpayāmi bhartāraṃ sukhasuptam ahaṃ sadā

„Ich wecke meinen Gatten niemals auf, wenn er behaglich schläft.“

Wort für Wort
na utthāpayāmi bhartāraṃ
ich wecke den Gatten nicht (1.Sg.Kaus./Akk.)
sukhasuptam
behaglich schlafend (Akk.Sg.m.)
ahaṃ sadā
ich stets (Nom./Adv.)

notthāpaye sukhaṃ suptaṃ hy āturaṃ pālaye patim

„Den behaglich Schlafenden wecke ich nicht; den Kranken, den Gatten, pflege ich.“

Wort für Wort
na utthāpaye sukhaṃ suptaṃ
ich wecke den behaglich Schlafenden nicht (1.Sg./Adv./PPP)
hi āturaṃ
denn den Kranken (Akk.Sg.)
pālaye patim
pflege ich den Gatten (1.Sg./Akk.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile; die Fügung mit hi ist im Zusammenhang locker.

ātureṣv api kāryeṣu tena tuṣyati me manaḥ

„Auch bei dringenden Angelegenheiten [wecke ich ihn nicht]; darüber ist mein Sinn zufrieden.“

Wort für Wort
ātureṣu api kāryeṣu
auch bei dringenden Angelegenheiten (Lok.Pl.)
tena tuṣyati me manaḥ
dadurch ist mein Sinn zufrieden (Instr./3.Sg.Präs./Gen./Nom.)

nāyāsayāmi bhartāraṃ kuṭumbārthe ca sarvadā; guptaguhyā sadā cāsmi susaṃmṛṣṭaniveśanā

„Ich mache dem Gatten keine Mühe, auch nicht für den Haushalt, zu keiner Zeit; ich hüte Geheimes, und mein Haus ist stets gut gefegt.“

Wort für Wort
na āyāsayāmi bhartāraṃ
ich mühe den Gatten nicht ab (1.Sg.Kaus./Akk.)
kuṭumbārthe ca sarvadā
auch um des Haushalts willen, jederzeit (Lok./Adv.)
guptaguhyā sadā ca asmi
und stets bin ich, die Geheimes bewahrt (Nom.Sg.f.)
susaṃmṛṣṭaniveśanā
deren Wohnung wohlgefegt ist (Bahuvrīhi Nom.Sg.f.)

bandhakīṃ varjayāmy eva kuhakāmūlakarma ca

„Die Buhlerin meide ich ganz, ebenso Gaukelei und Wurzelzauber.“

Wort für Wort
bandhakīṃ varjayāmi eva
die Unzüchtige meide ich gewiss (Akk.Sg.f./1.Sg.)
kuhakāmūlakarma ca
und Gaukelei und Wurzelzauber (Kompositum Akk.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile; kuhakā-mūlakarma alternativ: ‚Gaukelei und Wurzelzauber‘ als zwei Glieder.

imaṃ dharmapathaṃ nārī pālayantī samāhitā; arundhatīva nārīṇāṃ svargaloke mahīyate

„Diesen Pfad des Dharma, gesammelt bewahrend, wird eine Frau, wie Arundhatī unter den Frauen, in der Himmelswelt verehrt.“

Wort für Wort
imaṃ dharmapathaṃ nārī
diesen Pfad des Dharma, die Frau (Akk./Nom.Sg.f.)
pālayantī samāhitā
bewahrend, gesammelt (Part.Präs.f./PPP f.)
arundhatī iva nārīṇāṃ
wie Arundhatī unter den Frauen (Nom./Gen.Pl.)
svargaloke mahīyate
in der Himmelswelt wird sie verehrt (Lok./3.Sg.Präs. Pass.)

bhīṣma uvāca; etad ākhyāya sā devī sumanāyai tapasvinī; patidharmaṃ mahābhāgā jagāmādarśanaṃ tadā

Bhīṣma sprach: „Nachdem die göttliche, asketische, hochgesegnete [Śāṇḍilī] der Sumanā so die Gattenpflicht dargelegt hatte, ging sie da aus dem Blick.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
etat ākhyāya sā devī
dies dargelegt habend, jene Göttin (Abs./Nom.Sg.f.)
sumanāyai tapasvinī
der Sumanā, die Asketin (Dat./Nom.Sg.f.)
patidharmaṃ mahābhāgā
die Gattenpflicht, die Hochgesegnete (Akk./Nom.Sg.f.)
jagāma adarśanaṃ tadā
ging in die Unsichtbarkeit da (Perf./Akk./Adv.)

yaś cedaṃ pāṇḍavākhyānaṃ paṭhet parvaṇi parvaṇi; sa devalokaṃ saṃprāpya nandane susukhaṃ vaset

„Und wer diese Pāṇḍava-Erzählung an jedem Parvan-Tag liest, wird, in die Götterwelt gelangt, im Nandana überaus glücklich weilen.“

Wort für Wort
yaḥ ca idaṃ pāṇḍavākhyānaṃ
und wer diese Pāṇḍava-Erzählung (Nom./Akk.n.)
paṭhet parvaṇi parvaṇi
lesen möge, an jedem Parvan-Tag (Opt./Lok.)
sa devalokaṃ saṃprāpya
der, in die Götterwelt gelangt (Nom./Abs.)
nandane susukhaṃ vaset
im Nandana [Götterhain] sehr glücklich weilen möge (Lok./Adv./Opt.)

yudhiṣṭhiraḥ; yaj jñeyaṃ paramaṃ kṛtyam anuṣṭheyaṃ mahātmabhiḥ; bhīṣmaḥ; sāraṃ me sarvaśāstrāṇāṃ vaktum arhasy anugrahāt; śrūyatām idam atyantaṃ gūḍhaṃ saṃsāramocanam; śrotavyaṃ ca tvayā samyag jñātavyaṃ ca viśāṃ pate; puṇḍarīkaḥ purā vipraḥ puṇyatīrthe japānvitaḥ; nāradaṃ paripapraccha śreyo yogaparaṃ munim; nāradaś cābravīd enaṃ brahmaṇoktaṃ mahātmanā; śṛṇuṣvāvahitas tāta jñānayogam anuttamam; aprabhūtaṃ prabhūtārthaṃ vedaśāstrārthasārakam; yaḥ paraḥ prakṛteḥ proktaḥ puruṣaḥ pañcaviṃśakaḥ; sa eva sarvabhūtātmā nara ity abhidhīyate; narāj jātāni tattvāni nārāṇīti tato viduḥ; tāny eva cāyanaṃ tasya tena nārāyaṇaḥ smṛtaḥ; nārāyaṇāj jagat sarvaṃ sargakāle prajāyate; tasminn eva punas tac ca pralaye saṃpralīyate; nārāyaṇaḥ paraṃ brahma tattvaṃ nārāyaṇaḥ paraḥ; parād api paraś cāsau tasmān nāsti parāt param; vāsudevaṃ tathā viṣṇum ātmānaṃ ca tathā viduḥ; saṃjñābhedaiḥ sa evaikaḥ sarvaśāstrābhisaṃskṛtaḥ; āloḍya sarvaśāstrāṇi vicārya ca punaḥ punaḥ; idam ekaṃ suniṣpannaṃ dhyeyo nārāyaṇaḥ sadā; tasmāt tvaṃ gahanān sarvāṃs tyaktvā śāstrārthavistarān; ananyacetā dhyāyasva nārāyaṇam ajaṃ vibhum; muhūrtam api yo dhyāyen nārāyaṇam atandritaḥ; so 'pi tadgatim āpnoti kiṃ punas tatparāyaṇaḥ; namo nārāyaṇāyeti yo veda brahma śāśvatam; antakāle japann eti tad viṣṇoḥ paramaṃ padam; śravaṇān mananāc caiva gītistutyarcanādibhiḥ; ārādhyaṃ sarvadā brahma puruṣeṇa hitaiṣiṇā; lipyate na sa pāpena nārāyaṇaparāyaṇaḥ; punāti sakalaṃ lokaṃ sahasrāṃśur ivoditaḥ; brahmacārī gṛhastho 'pi vānaprastho 'tha bhikṣukaḥ; keśavārādhanaṃ hitvā naiva yāti parāṃ gatim; janmāntarasahasreṣu durlabhā tadgatā matiḥ; tad bhaktavatsalaṃ devaṃ samārādhaya suvrata; nāradenaivam uktas tu sa vipro 'bhyarcayad dharim; svapne 'pi puṇḍarīkākṣaṃ śaṅkhacakragadādharam; kirīṭakuṇḍaladharaṃ lasacchrīvatsakaustubham; taṃ dṛṣṭvā devadeveśaṃ prāṇamatsaṃbhramānvitaḥ; atha kālena mahatā tathā pratyakṣatāṃ gataḥ; saṃstutaḥ stutibhir vedair devagandharvakiṃnaraiḥ; atha tenaiva bhagavān ātmalokam adhokṣajaḥ; gataḥ saṃpūjitaḥ sarvaiḥ sa yoginilayo hariḥ; tasmāt tvam api rājendra tadbhaktas tatparāyaṇaḥ; arcayitvā yathāyogaṃ bhajasva puruṣottamam; ajaram amaram ekaṃ dhyeyam ādyantaśūnyaṃ; saguṇam aguṇam ādyaṃ sthūlam atyantasūkṣmam; nirupamam upameyaṃ yogivijñānagamyaṃ; tribhuvanagurum īśaṃ tvaṃ prapadyasva viṣṇum

Yudhiṣṭhira: „Was ist die höchste zu erkennende Pflicht, die von Hochgesinnten zu vollziehen ist?“ Bhīṣma: „Das Wesentliche aller Lehrschriften [mir] zu sagen, vermagst du aus Gnade. Höre dies äußerst Verborgene, das aus dem Saṃsāra erlöst; du sollst es recht hören und recht verstehen, Herr der Menschen. Einst befragte im heiligen Tīrtha der Brahmane Puṇḍarīka, ins Murmeln [Japa] vertieft, den Weisen Nārada, der auf das Heil und auf Yoga gerichtet ist. Und Nārada sagte zu ihm, was vom hochgesinnten Brahmā gesagt worden war: ‚Höre aufmerksam, Lieber, das unübertreffliche Yoga des Wissens, das Geringes ausdrückt und doch reich an Sinn ist, die Essenz der Bedeutung von Veda und Lehrschriften. Der als jenseits der Urnatur [Prakṛti] verkündete fünfundzwanzigste Puruṣa, eben der ist das Selbst aller Wesen und wird Nara genannt. Die aus Nara entstandenen Prinzipien kennt man daher als Nārāṇi; sie sind sein Aufenthalt [ayana], darum heißt er Nārāyaṇa. Aus Nārāyaṇa entsteht die ganze Welt zur Zeit der Schöpfung, in eben ihm löst sie sich bei der Auflösung wieder auf. Nārāyaṇa ist das höchste Brahman, Nārāyaṇa die höchste Wahrheit; er ist höher noch als das Höchste, darum gibt es nichts Höheres als das Höchste. Als Vāsudeva, ebenso als Viṣṇu und als das Selbst kennt man ihn; nur durch Unterschiede der Namen [erscheint er vielfältig], er ist der Eine, durch alle Lehrschriften ausgebildet. Nachdem man alle Lehrschriften durchgerührt und immer wieder erwogen hat, ist dies eine gut erwiesen: Stets ist Nārāyaṇa zu meditieren. Darum gib du alle dichten Weitläufigkeiten der Lehrschriftbedeutungen auf und meditiere mit ungeteiltem Sinn über Nārāyaṇa, den Ungeborenen, den Allumfassenden. Wer auch nur einen Augenblick unermüdlich über Nārāyaṇa meditiert, erlangt auch der dessen Ziel; wie viel mehr, wer ihm ganz hingegeben ist. Wer ‚Verehrung dem Nārāyaṇa‘ als das ewige Brahman kennt, gelangt, wenn er es in der Todesstunde murmelt, zu jener höchsten Stätte Viṣṇus. Durch Hören und Nachsinnen, durch Lieder, Preisungen, Verehrung und dergleichen ist Brahman stets vom Menschen, der sein Wohl sucht, zu verehren. Von Sünde wird er nicht befleckt, wer Nārāyaṇa ganz ergeben ist; er reinigt die ganze Welt wie die aufgegangene Tausendstrahlige [die Sonne]. Ob Brahmacārin, Hausvater, Waldeinsiedler oder Bettelmönch: Wer die Verehrung Keśavas aufgibt, geht keinesfalls zum höchsten Ziel. In tausenden anderen Geburten ist ein darauf gerichteter Sinn schwer zu erlangen; darum verehre jenen Gott, der seinen Verehrern liebevoll zugetan ist, du mit guten Gelübden.‘ Von Nārada so angesprochen, verehrte jener Brahmane Hari; sogar im Traum [sah er] den Lotosäugigen, Muschel, Diskus und Keule Tragenden, den Diadem und Ohrringe Tragenden, strahlend mit Śrīvatsa und Kaustubha. Ihn, den Gott der Götter, den Herrn, sah er und verneigte sich, von Erregung erfüllt. Dann, nach langer Zeit, wurde er ihm sichtbar, von den Veden, von Göttern, Gandharvas und Kiṃnaras mit Lobliedern gepriesen. Da ging der Erhabene, Adhokṣaja, eben durch ihn [veranlasst] zu seiner eigenen Welt, von allen verehrt, Hari, der im Yogin ruht. Darum, auch du, Herrscher der Könige, sei ihm ergeben und ganz ihm hingegeben; nachdem du ihn nach Gebühr verehrt hast, diene dem Puruṣottama, dem Alterslosen, Unsterblichen, Einen, zu Meditierenden, ohne Anfang und Ende, mit Eigenschaften und ohne, dem Ersten, Grobstofflichen und äußerst Feinen, Unvergleichlichen und doch Vergleichbaren, durch das Wissen der Yogins Erreichbaren, dem Lehrer der drei Welten, dem Herrn: Nimm du Zuflucht zu Viṣṇu.“

Wort für Wort
yudhiṣṭhiraḥ yat jñeyaṃ paramaṃ kṛtyam anuṣṭheyaṃ mahātmabhiḥ
Yudhiṣṭhira [sprach] (Nom.); was zu erkennen ist, die höchste Pflicht (Nom.n./Gerundiv); von Hochgesinnten zu vollziehen (Gerundiv/Instr.Pl.)
bhīṣmaḥ sāraṃ me sarvaśāstrāṇāṃ vaktum arhasi anugrahāt
Bhīṣma [sprach] (Nom.); das Wesentliche aller Lehrschriften, mir (Akk./Dat.-Gen./Gen.Pl.); zu sagen vermagst du aus Gnade (Inf./2.Sg./Abl.)
śrūyatām idam atyantaṃ gūḍhaṃ saṃsāramocanam śrotavyaṃ ca tvayā samyag
es werde dies gehört, äußerst verborgen (Imp.Pass./Nom.n.); Erlösung vom Saṃsāra (Nom.n.); und von dir recht zu hören (Gerundiv/Instr./Adv.)
jñātavyaṃ ca viśāṃ pate puṇḍarīkaḥ purā vipraḥ puṇyatīrthe japānvitaḥ
und zu verstehen, Herr der Menschen (Gerundiv/Vok.); Puṇḍarīka, einst ein Brahmane (Nom.); an einer heiligen Furt, mit Japa verbunden (Lok./Nom.)
nāradaṃ paripapraccha śreyaḥ yogaparaṃ munim nāradaḥ ca abravīt enaṃ
befragte Nārada (Akk./Perf.); den auf Heil und Yoga gerichteten Weisen (Akk.); und Nārada sagte zu ihm (Nom./Impf./Akk.)
brahmaṇā uktaṃ mahātmanā śṛṇuṣva avahitaḥ tāta jñānayogam anuttamam
von Brahmā, dem Hochgesinnten, Gesagtes (Instr./PPP); höre aufmerksam, Lieber (Imp.Med./PPP/Vok.); das Yoga des Wissens, unübertroffen (Akk.)
aprabhūtaṃ prabhūtārthaṃ vedaśāstrārthasārakam yaḥ paraḥ prakṛteḥ proktaḥ
gering an Umfang, reich an Sinn (Akk.n./Bahuvrīhi); die Essenz des Sinnes von Veda und Lehrschrift (Akk.n.); der jenseits der Prakṛti verkündet ist (Nom./Abl./PPP)
puruṣaḥ pañcaviṃśakaḥ saḥ eva sarvabhūtātmā naraḥ iti abhidhīyate
der Puruṣa, der fünfundzwanzigste (Nom.); eben er ist das Selbst aller Wesen (Nom.); Nara wird er genannt (Nom./3.Sg.Pass.)
narāt jātāni tattvāni nārāṇi iti tataḥ viduḥ tāni eva ca ayanaṃ tasya
aus Nara entstandene Prinzipien (Abl./PPP Nom.Pl.); als Nārāṇi kennt man sie daher (Perf.3.Pl.); und eben sie sind sein Aufenthalt (Nom.Pl./Nom.n./Gen.)
tena nārāyaṇaḥ smṛtaḥ nārāyaṇāt jagat sarvaṃ sargakāle prajāyate
darum wird er Nārāyaṇa genannt (Instr./PPP); aus Nārāyaṇa die ganze Welt (Abl./Nom.); zur Schöpfungszeit wird geboren (Lok./3.Sg.Präs.)
tasmin eva punaḥ tat ca pralaye saṃpralīyate nārāyaṇaḥ paraṃ brahma
in ihm eben wiederum jenes (Lok./Adv./Nom.); bei der Auflösung löst sich auf (Lok./3.Sg.Präs.Pass.); Nārāyaṇa ist das höchste Brahman (Nom./Nom.n.)
tattvaṃ nārāyaṇaḥ paraḥ parāt api paraḥ ca asau tasmāt na asti parāt param
die Wahrheit, Nārāyaṇa der Höchste (Nom.); und höher noch als das Höchste ist er (Abl./Nom.); darum gibt es nichts Höheres als das Höchste (Abl./3.Sg.)
vāsudevaṃ tathā viṣṇum ātmānaṃ ca tathā viduḥ saṃjñābhedaiḥ saḥ eva ekaḥ
Vāsudeva, ebenso Viṣṇu (Akk.); und das Selbst, so kennt man [ihn] (Akk./Perf.3.Pl.); durch Namensunterschiede, er ist der Eine (Instr.Pl./Nom.)
sarvaśāstrābhisaṃskṛtaḥ āloḍya sarvaśāstrāṇi vicārya ca punaḥ punaḥ
durch alle Lehrschriften ausgebildet (PPP Nom.); alle Lehrschriften durchgerührt habend (Abs./Akk.Pl.); und wieder und wieder erwogen habend (Abs./Adv.)
idam ekaṃ suniṣpannaṃ dhyeyaḥ nārāyaṇaḥ sadā tasmāt tvaṃ gahanān sarvān
dies eine ist gut erwiesen (Nom.n.); zu meditieren ist stets Nārāyaṇa (Gerundiv/Nom./Adv.); darum du, alle dichten (Abl./Nom./Akk.Pl.)
tyaktvā śāstrārthavistarān ananyacetāḥ dhyāyasva nārāyaṇam ajaṃ vibhum
aufgebend die Weitläufigkeiten der Schriftbedeutungen (Abs./Akk.Pl.); mit ungeteiltem Sinn meditiere (Nom./Imp.Med.); Nārāyaṇa, den Ungeborenen, Allumfassenden (Akk.)
muhūrtam api yaḥ dhyāyet nārāyaṇam atandritaḥ saḥ api tadgatim āpnoti
wer auch nur einen Augenblick meditiert (Akk./Nom./Opt.); Nārāyaṇa, unermüdlich (Akk./Nom.); auch der erlangt dessen Ziel (Nom./Akk./3.Sg.Präs.)
kiṃ punaḥ tatparāyaṇaḥ namaḥ nārāyaṇāya iti yaḥ veda brahma śāśvatam
wie viel mehr, wer ihm ganz hingegeben ist (Nom.); ‚Verehrung dem Nārāyaṇa‘ (Dat.); wer das ewige Brahman kennt (Perf./Akk.)
antakāle japan eti tat viṣṇoḥ paramaṃ padam śravaṇāt mananāt ca eva
zur Todesstunde murmelnd geht er (Lok./Part./3.Sg.); zu jener höchsten Stätte Viṣṇus (Akk./Gen.); durch Hören und Nachsinnen (Abl.)
gītistutyarcanādibhiḥ ārādhyaṃ sarvadā brahma puruṣeṇa hitaiṣiṇā
durch Lieder, Preisungen, Verehrung usw. (Instr.Pl.); zu verehren stets das Brahman (Gerundiv/Adv./Nom.n.); vom Menschen, der sein Wohl sucht (Instr.)
lipyate na saḥ pāpena nārāyaṇaparāyaṇaḥ punāti sakalaṃ lokaṃ
er wird nicht befleckt von Sünde (3.Sg.Pass./Instr.); wer Nārāyaṇa ganz ergeben ist (Nom.); er reinigt die ganze Welt (3.Sg./Akk.)
sahasrāṃśuḥ iva uditaḥ brahmacārī gṛhasthaḥ api vānaprasthaḥ atha bhikṣukaḥ
wie die aufgegangene Sonne (Nom./PPP); Brahmacārin, auch Hausvater (Nom.); Waldeinsiedler, dann Bettelmönch (Nom.)
keśavārādhanaṃ hitvā na eva yāti parāṃ gatim janmāntarasahasreṣu
die Verehrung Keśavas aufgebend (Akk./Abs.); geht keinesfalls zum höchsten Ziel (3.Sg./Akk.); in tausenden anderen Geburten (Lok.Pl.)
durlabhā tadgatā matiḥ tat bhaktavatsalaṃ devaṃ samārādhaya suvrata
schwer zu erlangen ist der darauf gerichtete Sinn (Nom.f.); jenen Gott, der seinen Verehrern zugetan ist (Akk.); verehre, du mit guten Gelübden (Imp./Vok.)
nāradena evam uktaḥ tu saḥ vipraḥ abhyarcayat harim svapne api puṇḍarīkākṣaṃ
von Nārada so angesprochen (Instr./PPP); jener Brahmane verehrte Hari (Impf./Akk.); auch im Traum den Lotosäugigen (Lok./Akk.)
śaṅkhacakragadādharam kirīṭakuṇḍaladharaṃ lasacchrīvatsakaustubham
Muschel, Diskus und Keule Tragenden (Akk.); Diadem und Ohrringe Tragenden (Akk.); mit glänzendem Śrīvatsa und Kaustubha (Akk.)
taṃ dṛṣṭvā devadeveśaṃ prāṇamat saṃbhramānvitaḥ atha kālena mahatā
ihn, den Herrn der Götter der Götter, sehend (Abs./Akk.); verneigte sich, von Erregung erfüllt (Impf./Nom.); dann nach langer Zeit (Instr.)
tathā pratyakṣatāṃ gataḥ saṃstutaḥ stutibhiḥ vedaiḥ devagandharvakiṃnaraiḥ
so sichtbar geworden (Akk./PPP); gepriesen mit Lobliedern, von den Veden (PPP/Instr.Pl.); von Göttern, Gandharvas, Kiṃnaras (Instr.Pl.)
atha tena eva bhagavān ātmalokam adhokṣajaḥ gataḥ saṃpūjitaḥ sarvaiḥ
da der Erhabene eben durch ihn (Instr./Nom.); zur eigenen Welt, Adhokṣaja (Akk./Nom.); ging, von allen verehrt (PPP/Instr.Pl.)
saḥ yoginilayaḥ hariḥ tasmāt tvam api rājendra tadbhaktaḥ tatparāyaṇaḥ
er, Hari, der im Yogin ruht (Nom.); darum auch du, Herrscher der Könige (Abl./Vok.); ihm ergeben, ihm hingegeben (Nom.)
arcayitvā yathāyogaṃ bhajasva puruṣottamam ajaram amaram ekaṃ
verehrt habend, nach Gebühr (Abs./Adv.); diene dem Puruṣottama (Imp.Med./Akk.); den Alterslosen, Unsterblichen, Einen (Akk.)
dhyeyam ādyantaśūnyaṃ saguṇam aguṇam ādyaṃ sthūlam atyantasūkṣmam
zu Meditierenden, frei von Anfang und Ende (Akk.); mit und ohne Eigenschaften, den Ersten (Akk.); den Grobstofflichen, äußerst Feinen (Akk.)
nirupamam upameyaṃ yogivijñānagamyaṃ tribhuvanagurum īśaṃ
den Unvergleichlichen, [doch] Vergleichbaren (Akk.); durch das Wissen der Yogins erreichbar (Akk.); den Lehrer der drei Welten, den Herrn (Akk.)
tvaṃ prapadyasva viṣṇum
du nimm Zuflucht zu Viṣṇu (Nom./Imp.Med./Akk.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sehr späte vaiṣṇavische Zusatzpassage. Sprecherwechsel yudhiṣṭhiraḥ/bhīṣmaḥ im Text unklar: ‚sāraṃ me…‘ passt eher zu Yudhiṣṭhira als Bitte [?]; wörtlich wiedergegeben.

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