Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Anuśāsanaparva

Kapitel 119: kīṭopākhyāne vyāsakīṭasaṃvādaḥ Vyāsa und der Käfer: Aufstieg durch die Geburten bis zur Brahmanenschaft

Fortsetzung der Käfer-Erzählung: Vyāsa erklärt dem zum Königssohn gewordenen Käfer die Wirkung von Tun und Geburt und verheißt ihm den Aufstieg über die Stände bis zur Brahmanenschaft.

vyāsa uvāca; śubhena karmaṇā yad vai tiryagyonau na muhyase; mamaiva kīṭa tat karma yena tvaṃ na pramuhyase

Vyāsa sprach: Dass du durch gutes Werk im Tierschoß nicht verwirrt bist – das ist allein mein Werk, Käfer, durch das du nicht verwirrt wirst.

Wort für Wort
vyāsa uvāca
Vyāsa sprach (Perf.)
śubhena karmaṇā yad vai
durch gutes Werk, dass ja (Instr.Sg.)
tiryagyonau na muhyase
im Tierschoß nicht verwirrt wirst (Lok.Sg./2.Sg.Pass.Präs.)
mama eva kīṭa tat karma
mein allein, Käfer, jenes Werk (Gen./Vok./Nom.)
yena tvaṃ na pramuhyase
durch das du nicht verwirrt wirst (Instr./2.Sg.Präs.)

ahaṃ hi darśanād eva tārayāmi tapobalāt; tapobalād dhi balavad balam anyan na vidyate

Ich nämlich rette schon durch bloßen Anblick, aus der Kraft meiner Askese; denn eine andere Kraft, die stärker wäre als die Askesekraft, gibt es nicht.

Wort für Wort
aham hi darśanād eva
ich nämlich schon durch Anblick (Nom./Abl.Sg.)
tārayāmi tapobalāt
rette (hinüber) aus Askesekraft (1.Sg.Kaus.Präs./Abl.)
tapobalād hi balavad balam
denn als Askesekraft (ist) stärkere Kraft (Abl./Nom.Sg.n.)
anyat na vidyate
eine andere gibt es nicht (Nom./3.Sg.Pass.)

jānāmi pāpaiḥ svakṛtair gataṃ tvāṃ kīṭa kīṭatām; avāpsyasi paraṃ dharmaṃ dharmastho yadi manyase

Ich weiß, dass du durch deine selbstbegangenen Übel, Käfer, in den Käferzustand gelangt bist; du wirst höchstes Recht erlangen, wenn du dich an das Recht hältst [und es so meinst].

Wort für Wort
jānāmi pāpaiḥ svakṛtaiḥ
ich weiß, durch selbstgetane Übel (1.Sg.Präs./Instr.Pl.)
gataṃ tvāṃ kīṭa kīṭatām
dich Gegangenen, Käfer, zur Käferheit (Part.Akk./Vok./Akk.)
avāpsyasi paraṃ dharmam
du wirst erlangen das höchste Recht (2.Sg.Fut./Akk.)
dharmastho yadi manyase
im Recht stehend, wenn du meinst (Nom./2.Sg.Präs.)

dharmastho yadi manyase: Sinn unsicher; wörtlich „wenn du dich als im Recht stehend erachtest“ [?]

karma bhūmikṛtaṃ devā bhuñjate tiryagāś ca ye; dharmād api manuṣyeṣu kāmo 'rthaś ca yathā guṇaiḥ

Das auf der Erde getane Werk genießen die Götter und die Tierwesen; unter den Menschen entstehen aus dem Recht auch Lust und Nutzen, je nach den Eigenschaften.

Wort für Wort
karma bhūmikṛtam
das auf der Erde getane Werk (Nom./Part.Nom.)
devā bhuñjate
die Götter genießen (Nom.Pl./3.Pl.Med.)
tiryagāḥ ca ye
und die, die Tierwesen sind (Nom.Pl.)
dharmād api manuṣyeṣu
aus dem Recht auch unter Menschen (Abl./Lok.Pl.)
kāmaḥ arthaḥ ca yathā guṇaiḥ
Lust und Nutzen, gemäß den Eigenschaften (Nom.Sg./Instr.Pl.)

Verderbte/knappe Konstruktion; Wiedergabe der zweiten Vershälfte unsicher.

vāgbuddhipāṇipādaiś cāpy upetasya vipaścitaḥ; kiṃ hīyate manuṣyasya mandasyāpi hi jīvataḥ

Was geht einem Menschen verloren, der mit Rede, Verstand, Händen und Füßen begabt und einsichtig ist – ja, selbst wenn er nur ein Dummkopf ist, solange er lebt?

Wort für Wort
vāgbuddhipāṇipādaiḥ ca api upetasya
und auch mit Rede, Verstand, Händen, Füßen ausgestattet (Instr.Pl./Part.Gen.)
vipaścitaḥ
des Einsichtigen (Gen.Sg.)
kiṃ hīyate
was geht verloren (Nom./3.Sg.Pass.)
manuṣyasya mandasya api hi jīvataḥ
dem Menschen, selbst dem Trägen, der lebt (Gen.Sg./Part.Gen.)

Zweite Vershälfte unsicher: kiṃ hīyate wörtlich „was wird ihm entzogen/fehlt ihm“ [?]

jīvan hi kurute pūjāṃ viprāgryaḥ śaśisūryayoḥ; bruvann api kathāṃ puṇyāṃ tatra kīṭa tvam eṣyasi

Denn schon lebend erweist ein Vorzüglichster der Brahmanen Mond und Sonne Verehrung; und wenn er auch nur eine verdienstvolle Erzählung vorträgt – dorthin wirst du gelangen, Käfer.

Wort für Wort
jīvan hi kurute pūjām
lebend nämlich erweist er Verehrung (Part.Nom./3.Sg.Med.Präs./Akk.)
viprāgryaḥ śaśisūryayoḥ
der Erste der Brahmanen dem Mond und der Sonne (Nom./Gen.Du.)
bruvan api kathāṃ puṇyām
auch wenn er spricht eine verdienstvolle Erzählung (Part.Nom./Akk.Sg.f.)
tatra kīṭa tvam eṣyasi
dorthin, Käfer, wirst du gehen (Adv./Vok./2.Sg.Fut.)

pūjāṃ śaśisūryayoḥ kurute: Konstruktion unsicher [?]

guṇabhūtāni bhūtāni tatra tvam upabhokṣyase; tatra te 'haṃ vineṣyāmi brahmatvaṃ yatra cecchasi

Dort wirst du Wesen genießen, die [dir] untergeordnet sind; dort werde ich dich zur Brahmanenschaft führen, wo immer du willst.

Wort für Wort
guṇabhūtāni bhūtāni
untergeordnete Wesen (Akk.Pl.n.)
tatra tvam upabhokṣyase
dort wirst du genießen (Adv./2.Sg.Fut.Med.)
tatra te aham vineṣyāmi
dort werde ich dir führen (Adv./Dat./1.Sg.Fut.)
brahmatvaṃ yatra ca icchasi
zur Brahmanenschaft, wo immer du willst (Akk./Adv./2.Sg.Präs.)

guṇabhūtāni: auch „zu Eigenschaften/Mitteln gewordene“ möglich [?]

sa tatheti pratiśrutya kīṭo vartmany atiṣṭhata

Er sagte: „So sei es“, stimmte zu und blieb auf dem Weg.

Wort für Wort
sa
er (Nom.)
tathā iti pratiśrutya
„so“, nachdem er zugestimmt hatte (Part.Abs.)
kīṭaḥ
der Käfer (Nom.Sg.)
vartmani atiṣṭhata
auf dem Weg blieb er (Lok./3.Sg.Impf.Med.)

śakaṭavrajaś ca sumahān āgataś ca yadṛcchayā; cakrākrameṇa bhinnaś ca kīṭaḥ prāṇān mumoca ha; saṃbhūtaḥ kṣatriyakule prasādād amitaujasaḥ

Da kam zufällig ein sehr großer Wagenzug daher; vom Ansturm eines Rades zerquetscht, gab der Käfer sein Leben auf. Er wurde in einer Kṣatriya-Familie geboren, durch die Gnade [des Vyāsa] von unermesslicher Kraft.

Wort für Wort
śakaṭavrajaḥ ca sumahān
und ein sehr großer Wagenzug (Nom.Sg.)
āgataḥ ca yadṛcchayā
und kam zufällig (Part.Nom./Instr.)
cakrākrameṇa bhinnaḥ ca
und vom Ansturm des Rades zerteilt (Instr./Part.Nom.)
kīṭaḥ prāṇān mumoca ha
der Käfer gab die Lebenshauche auf (Nom./Akk.Pl./3.Sg.Perf.)
saṃbhūtaḥ kṣatriyakule
geboren in einer Kṣatriya-Familie (Part.Nom./Lok.)
prasādāt amitaujasaḥ
durch die Gnade des unermesslich Kraftvollen (Abl./Gen.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (*0599); prasādād amitaujasaḥ: Bezug auf Vyāsa angenommen [?]

tam ṛṣiṃ draṣṭum agamat sarvāsv anyāsu yoniṣu

Er ging, um jenen Seher zu sehen, durch alle anderen Mutterschöße [hindurch].

Wort für Wort
tam ṛṣim draṣṭum
jenen Seher zu sehen (Akk./Inf.)
agamat
er ging (3.Sg.Aor.)
sarvāsu anyāsu yoniṣu
in allen anderen Mutterschößen (Lok.Pl.)

Halbvers steht in der Ausgabe getrennt von den Zusatzzeilen; Sinn nur im Zusammenhang mit *0599/*0600 klar [?]

dadarśa ca mahārāja saṃprāptaṃ rājaputratām

Und er sah [ihn], o großer König, als er [selbst] die Stellung eines Königssohnes erreicht hatte.

Wort für Wort
dadarśa ca
und er sah (3.Sg.Perf.)
mahārāja
o großer König (Vok.)
saṃprāptam
den [als] Erreichten (Part.Akk.)
rājaputratām
Königssohnschaft (Akk.Sg.f.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (*0600); Syntax knapp; Subjekt/Objekt wechselt [?]

śvāvidgodhāvarāhāṇāṃ tathaiva mṛgapakṣiṇām; śvapākavaiśyaśūdrāṇāṃ kṣatriyāṇāṃ ca yoniṣu

Er [wurde] unter den Mutterschößen von Hunden, Stachelschweinen, Waranen, Wildschweinen und ebenso von Wild und Vögeln, von Śvapāka, Vaiśya, Śūdra und Kṣatriya [geboren].

Wort für Wort
śvāvidgodhāvarāhāṇām
der Stachelschweine, Warane, Wildschweine (Gen.Pl.)
tathā eva mṛgapakṣiṇām
und ebenso der Tiere und Vögel (Gen.Pl.)
śvapākavaiśyaśūdrāṇām
der Hundeköche, Vaiśyas, Śūdras (Gen.Pl.)
kṣatriyāṇām ca yoniṣu
und der Kṣatriyas, in Mutterschößen (Gen.Pl./Lok.Pl.)

Ergänzung von „geboren/wurde“ nötig; śvāvid = Stachelschwein (nicht Hund) [?]

etāsv eva krameṇaiva yoniṣv āsa svakarmaṇā

In eben diesen Mutterschößen war er der Reihe nach, entsprechend seinem eigenen Tun.

Wort für Wort
etāsu eva krameṇa eva
in eben diesen, in eben dieser Reihenfolge (Lok.Pl./Instr.)
yoniṣu āsa
in Mutterschößen war er (Lok.Pl./3.Sg.Perf.)
svakarmaṇā
durch sein eigenes Tun (Instr.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (*0601)

sa kīṭety evam ābhāṣya ṛṣiṇā satyavādinā; pratismṛtyātha jagrāha pādau mūrdhnā kṛtāñjaliḥ

Als der wahrhaftige Seher ihn mit „Käfer“ angesprochen hatte, erinnerte er sich, und mit gefalteten Händen ergriff er, das Haupt gesenkt, [seine] Füße.

Wort für Wort
sa kīṭa iti evam ābhāṣya
er, mit „Käfer“ so angesprochen (Nom./Abs.)
ṛṣiṇā satyavādinā
vom Seher, dem Wahrhaftigen (Instr.)
pratismṛtya atha
sich erinnernd, dann (Abs.)
jagrāha pādau mūrdhnā
ergriff die Füße mit dem Haupt (3.Sg.Perf./Akk.Du./Instr.)
kṛtāñjaliḥ
mit gefalteten Händen (Nom.Sg.)

Der Ausdruck „Käfer“ wird als Anrede [an ihn] verstanden; Subjektwechsel im Satz [?]

paryāyeṇa tataḥ prāpya kṣātraṃ sthānam anuttamam

Nachdem er darauf der Reihe nach die unübertroffene Kṣatriya-Stellung erlangt hatte.

Wort für Wort
paryāyeṇa tataḥ
der Reihe nach, dann (Instr./Adv.)
prāpya
erlangt habend (Abs.)
kṣātraṃ sthānam anuttamam
den Kṣatriya-Stand, unübertroffen (Akk.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (*0602); Halbvers unvollständig, Anschluss unklar [?]

kīṭa uvāca; idaṃ tad atulaṃ sthānam īpsitaṃ daśabhir guṇaiḥ; yad ahaṃ prāpya kīṭatvam āgato rājaputratām

Der Käfer sprach: „Dies ist jene unvergleichliche, von zehn Vorzügen ersehnte Stellung, die ich, nachdem ich das Käferdasein erreicht hatte, [nun] als Königssohn erlangt habe.

Wort für Wort
kīṭa uvāca
der Käfer sprach (Perf.)
idaṃ tat atulaṃ sthānam
dies ist jene unvergleichliche Stellung (Nom.)
īpsitaṃ daśabhiḥ guṇaiḥ
erstrebt mit zehn Vorzügen (Part.Nom./Instr.Pl.)
yad aham prāpya kīṭatvam
die ich, nach Erreichen des Käferseins (Nom./Abs.)
āgataḥ rājaputratām
gelangt bin zur Königssohnschaft (Part.Nom./Akk.)

daśabhir guṇaiḥ: „zehn Eigenschaften“ nicht näher bestimmt [?]

vahanti mām atibalāḥ kuñjarā hemamālinaḥ; syandaneṣu ca kāmbojā yuktāḥ paramavājinaḥ

Mich tragen überaus starke Elefanten mit goldenen Ketten, und vor die Streitwagen sind Kāmboja-Pferde von höchster Güte gespannt.

Wort für Wort
vahanti mām atibalāḥ
tragen mich, überaus starke (3.Pl.Präs./Akk./Nom.Pl.)
kuñjarāḥ hemamālinaḥ
Elefanten mit goldenen Ketten (Nom.Pl.)
syandaneṣu ca kāmbojāḥ
und vor Streitwagen Kāmbojas [Rosse] (Lok.Pl./Nom.Pl.)
yuktāḥ paramavājinaḥ
angeschirrt, Pferde bester Art (Part.Nom.Pl.)

uṣṭrāśvatarayuktāni yānāni ca vahanti mām; sabāndhavaḥ sahāmātyaś cāśnāmi piśitaudanam

Mit Kamelen und Maultieren bespannte Wagen tragen mich; mit Verwandten und Ministern esse ich Fleisch und Reis.

Wort für Wort
uṣṭrāśvatarayuktāni yānāni
mit Kamelen und Maultieren bespannte Gefährte (Nom.Pl.n.)
ca vahanti mām
und tragen mich (3.Pl.Präs./Akk.)
sabāndhavaḥ sahāmātyaḥ
mit Verwandten, mit Ministern (Nom.Sg.)
ca aśnāmi piśitaudanam
und esse Fleisch und Reis (1.Sg.Präs./Akk.)

gṛheṣu sunivāseṣu sukheṣu śayaneṣu ca; parārdhyeṣu mahābhāga svapāmīha supūjitaḥ

In gut bewohnbaren Häusern, auf bequemen, überaus kostbaren Lagern schlafe ich hier, o Hochbeglückter, hoch geehrt.

Wort für Wort
gṛheṣu sunivāseṣu
in Häusern, gut zu bewohnen (Lok.Pl.)
sukheṣu śayaneṣu ca
und auf bequemen Lagern (Lok.Pl.)
parārdhyeṣu mahābhāga
auf kostbaren; o Hochbeglückter (Lok.Pl./Vok.)
svapāmi iha supūjitaḥ
schlafe ich hier, hoch geehrt (1.Sg.Präs./Part.Nom.)

sarveṣv apararātreṣu sūtamāgadhabandinaḥ; stuvanti māṃ yathā devaṃ mahendraṃ priyavādinaḥ

In allen letzten Nachtwachen preisen mich Sūtas, Māgadhas und Barden mit freundlichen Worten, wie man den Gott Mahendra preist.

Wort für Wort
sarveṣu apararātreṣu
in allen letzten Nächten (Lok.Pl.)
sūtamāgadhabandinaḥ
Sūtas, Māgadhas, Barden (Nom.Pl.)
stuvanti mām
preisen mich (3.Pl.Präs./Akk.)
yathā devam mahendram
wie den Gott Mahendra (Akk.)
priyavādinaḥ
freundlich Redende (Nom.Pl.)

apararātreṣu: „in den späteren Nachtstunden“ (vor Morgengrauen) angenommen

prasādāt satyasaṃdhasya bhavato 'mitatejasaḥ; yad ahaṃ kīṭatāṃ prāpya saṃprāpto rājaputratām

Durch die Gnade deiner, der du der Wahrheit verpflichtet und von unermesslichem Glanz bist, habe ich, nachdem ich zum Käfer geworden war, [nun] die Königssohnschaft erlangt.

Wort für Wort
prasādāt satyasaṃdhasya
durch die Gnade des Wahrhaftigen (Abl./Gen.)
bhavataḥ amitatejasaḥ
deiner, des Glanzreichen (Gen.)
yad aham kīṭatām prāpya
dass ich, Käferheit erlangt habend (Abs.)
saṃprāptaḥ rājaputratām
angelangt bei Königssohnschaft (Part.Nom./Akk.)

namas te 'stu mahāprājña kiṃ karomi praśādhi mām; tvattapobalanirdiṣṭam idaṃ hy adhigataṃ mayā

Verehrung sei dir, du hoch Weiser! Was soll ich tun? Gebiete mir. Durch die Kraft deiner Askese, die mir [dies] vorgab, habe ich dies hier erlangt.

Wort für Wort
namaḥ te astu mahāprājña
Verehrung sei dir, o Hochweiser (Nom./Dat./3.Sg.Imp./Vok.)
kiṃ karomi
was soll ich tun (1.Sg.Präs.)
praśādhi mām
gebiete mir (2.Sg.Imp./Akk.)
tvattapobalanirdiṣṭam
durch deine Askesekraft angewiesen (Part.Nom.n.)
idam hi adhigatam mayā
dies ja erlangt von mir (Nom./Part./Instr.)

vyāsa uvāca; arcito 'haṃ tvayā rājan vāgbhir adya yadṛcchayā; adya te kīṭatāṃ prāpya smṛtir jātājugupsitā

Vyāsa sprach: „Von dir, König, bin ich heute mit Worten geehrt worden, ganz aus freien Stücken; heute ist dir, da du zum Käfer geworden warst, eine untadelige Erinnerung entstanden.

Wort für Wort
vyāsa uvāca
Vyāsa sprach (Perf.)
arcitaḥ aham tvayā rājan
geehrt bin ich von dir, König (Part.Nom./Instr./Vok.)
vāgbhiḥ adya yadṛcchayā
mit Worten heute, aus freiem Antrieb (Instr.Pl./Adv./Instr.)
adya te kīṭatām prāpya
heute dir, Käferheit erlangt habend (Adv./Dat./Abs.)
smṛtiḥ jātā ajugupsitā
Erinnerung entstanden, untadelig (Nom.Sg.f.)

adya te kīṭatāṃ prāpya smṛtir jātā: Subjekt/Zeitbezug unsicher; wörtlich „heute ist dir, [der du] Käferheit erlangt hattest, Erinnerung entstanden“ [?]

na tu nāśo 'sti pāpasya yat tvayopacitaṃ purā; śūdreṇārthapradhānena nṛśaṃsenātatāyinā

Doch das Übel, das du früher aufgehäuft hast, ist nicht vernichtet – als ein Śūdra, dem der Besitz alles war, ein Grausamer, ein Mörder mit erhobener Waffe.

Wort für Wort
na tu nāśaḥ asti pāpasya
doch keine Vernichtung gibt es des Übels (Nom./3.Sg./Gen.)
yat tvayā upacitam purā
das von dir früher aufgehäuft wurde (Nom./Instr./Part./Adv.)
śūdreṇa arthapradhānena
von einem Śūdra, der auf Besitz aus war (Instr.)
nṛśaṃsena ātatāyinā
einem Grausamen, einem Mordwilligen (Instr.)

ātatāyin: eig. „einer, der die Waffe erhoben hat“ (Angreifer/Brandstifter u. Ä.)

mama te darśanaṃ prāptaṃ tac caiva sukṛtaṃ purā; tiryagyonau sma jātena mama cāpy arcanāt tathā

Du hast meinen Anblick erlangt, und ebenso das frühere gute Werk; weil du in einem Tierschoß geboren wurdest und mich [dennoch] verehrt hast.

Wort für Wort
mama te darśanam prāptam
meinen Anblick hast du erlangt (Gen./Dat.-Gen./Nom.)
tat ca eva sukṛtam purā
und eben jenes gute Werk von früher (Nom./Adv.)
tiryagyonau sma jātena
als du im Tierschoß geboren warst (Lok./Part.Instr.)
mama ca api arcanāt tathā
und auch durch die Verehrung meiner, ebenso (Abl.)

Bezug von tiryagyonau sma jātena ist unsicher; sma ohne finites Verb [?]

itas tvaṃ rājaputratvād brāhmaṇyaṃ samavāpsyasi; gobrāhmaṇakṛte prāṇān hutvātmīyān raṇājire

Von hier [aus] wirst du, weil du ein Königssohn bist, die Brahmanenschaft erlangen, indem du im Kampfplatz für Kuh und Brahmanen dein Leben opferst.

Wort für Wort
itaḥ tvam rājaputratvāt
von hier, du, aufgrund des Königssohnseins (Adv./Nom./Abl.)
brāhmaṇyam samavāpsyasi
wirst die Brahmanenschaft erlangen (Akk./2.Sg.Fut.)
gobrāhmaṇakṛte
um Kuh und Brahmanen willen (Lok./Adv.)
prāṇān hutvā ātmīyān
die eigenen Lebenshauche opfernd (Akk.Pl./Abs./Akk.Pl.)
raṇājire
auf dem Kampfplatz (Lok.)

rājaputrasukhaṃ prāpya ṛtūṃś caivāptadakṣiṇān; atha modiṣyase svarge brahmabhūto 'vyayaḥ sukhī

Nachdem du das Glück eines Königssohnes erlangt und Opfer mit vollen Opfergaben dargebracht hast, wirst du dich im Himmel freuen, zum Brahman geworden, unvergänglich und glücklich.

Wort für Wort
rājaputrasukham prāpya
das Glück des Königssohnes erlangt habend (Akk./Abs.)
ṛtūn ca āptadakṣiṇān
und Opferzeiten mit erreichten Opfergaben (Akk.Pl.)
atha modiṣyase svarge
dann wirst du dich freuen im Himmel (2.Sg.Fut./Lok.)
brahmabhūtaḥ avyayaḥ sukhī
zum Brahman geworden, unvergänglich, glücklich (Nom.Sg.)

ṛtūn āptadakṣiṇān: „Opfer mit vollständiger Priesterlohn-Gabe“ angenommen [?]

tiryagyonyāḥ śūdratām abhyupaiti; śūdro vaiśyatvaṃ kṣatriyatvaṃ ca vaiśyaḥ; vṛttaślāghī kṣatriyo brāhmaṇatvaṃ; svargaṃ puṇyaṃ brāhmaṇaḥ sādhuvṛttaḥ

Aus dem Tierschoß gelangt man zur Śūdra-Stellung; der Śūdra erlangt das Vaiśya-Sein und der Vaiśya das Kṣatriya-Sein; der Kṣatriya, der sich seines Wandels rühmt, erlangt die Brahmanenschaft; der Brahmane von gutem Wandel [erlangt] den verdienstvollen Himmel.

Wort für Wort
tiryagyonyāḥ śūdratām abhyupaiti
aus dem Tierschoß gelangt zur Śūdra-Stellung (Abl./Akk./3.Sg.Präs.)
śūdraḥ vaiśyatvam
der Śūdra zum Vaiśya-Sein (Nom./Akk.)
kṣatriyatvam ca vaiśyaḥ
und zum Kṣatriya-Sein der Vaiśya (Akk./Nom.)
vṛttaślāghī kṣatriyaḥ brāhmaṇatvam
der auf seinen Wandel Stolze, der Kṣatriya, zur Brahmanenschaft (Nom./Akk.)
svargam puṇyam brāhmaṇaḥ sādhuvṛttaḥ
den verdienstvollen Himmel [erlangt] der Brahmane von gutem Wandel (Akk./Nom.)

Ergänzung von „erlangt“ im letzten Glied; vṛttaślāghī: „wer seinen Wandel preist“ [?]

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