Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Anuśāsanaparva

Kapitel 81: śrīgosaṃvādaḥ (gośakṛnmūtre śrīnivāsaḥ) Gespräch der Śrī mit den Kühen: Śrī nimmt Wohnsitz in Kuhdung und Kuhurin

Yudhiṣṭhira fragt nach dem Glück (Śrī) im Kuhdung; Bhīṣma erzählt die alte Erzählung, wie die Göttin Śrī unter die Kühe tritt, zunächst abgewiesen wird und dann in Dung und Urin der Kühe ihren Platz erhält.

yudhiṣṭhira uvāca; mayā gavāṃ purīṣaṃ vai śriyā juṣṭam iti śrutam; etad icchāmy ahaṃ śrotuṃ saṃśayo 'tra hi me mahān

Yudhiṣṭhira sprach: „Ich habe gehört, dass der Kuhdung von Śrī [der Glücksgöttin] bewohnt ist. Das möchte ich hören [genauer erfahren]; denn darüber habe ich einen großen Zweifel.“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
mayā gavāṃ purīṣaṃ vai
von mir [wurde] der Kühe Dung [gehört] (Instr./Gen.Pl./Nom.)
śriyā juṣṭam iti śrutam
von Śrī bewohnt/geliebt, so [ist] gehört (Instr./PPP/PPP)
etad icchāmy ahaṃ śrotum
dies wünsche ich zu hören (Akk./1.Sg.Präs./Inf.)
saṃśayo 'tra hi me mahān
Zweifel [besteht] hierin nämlich bei mir, groß (Nom./Lok./Gen./Nom.)

bhīṣma uvāca; atrāpy udāharantīmam itihāsaṃ purātanam; gobhir nṛpeha saṃvādaṃ śriyā bharatasattama

Bhīṣma sprach: „Auch hierzu führt man diese alte Erzählung an: das Gespräch der Śrī mit den Kühen, o König, hier [auf Erden], du Bester der Bharata.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
atrāpy udāharanti imam
auch hierbei führt man an diese (3.Pl.Präs./Akk.)
itihāsaṃ purātanam
Erzählung, alte (Akk.Sg.)
gobhir nṛpeha saṃvādam
mit den Kühen, o König, hier, das Gespräch (Instr.Pl./Vok./Adv./Akk.)
śriyā bharatasattama
mit Śrī, o Bester der Bharata (Instr./Vok.)

śrīḥ kṛtveha vapuḥ kāntaṃ gomadhyaṃ praviveśa ha; gāvo 'tha vismitās tasyā dṛṣṭvā rūpasya saṃpadam

Śrī nahm hier eine liebliche Gestalt an und trat mitten unter die Kühe. Da staunten die Kühe, als sie die Fülle ihrer Schönheit sahen.

Wort für Wort
śrīḥ kṛtveha vapuḥ kāntam
Śrī, gemacht habend hier eine Gestalt, liebliche (Nom./Abs./Akk./Akk.)
gomadhyaṃ praviveśa ha
in die Mitte der Kühe trat sie ein fürwahr (Akk./Perf.3.Sg./Part.)
gāvo 'tha vismitās tasyāḥ
die Kühe da erstaunt über ihre (Nom.Pl./Adv./PPP Nom.Pl./Gen.)
dṛṣṭvā rūpasya saṃpadam
gesehen habend die Fülle der Schönheit (Abs./Gen./Akk.)

gāva ūcuḥ; kāsi devi kuto vā tvaṃ rūpeṇāpratimā bhuvi; vismitāḥ sma mahābhāge tava rūpasya saṃpadā

Die Kühe sprachen: „Wer bist du, Göttin, oder woher [kommst du], die du an Schönheit auf Erden ohnegleichen bist? Wir sind erstaunt, du Hochgesegnete, über die Fülle deiner Schönheit.“

Wort für Wort
gāva ūcuḥ
die Kühe sprachen (Perf.)
kāsi devi
wer bist du, Göttin (Nom./2.Sg./Vok.)
kuto vā tvaṃ
oder woher [kommst] du (Adv./Part./Nom.)
rūpeṇāpratimā bhuvi
an Schönheit ohnegleichen auf Erden (Instr./Nom.f./Lok.)
vismitāḥ sma mahābhāge
erstaunt sind wir, Hochgesegnete (PPP Nom.Pl./Part./Vok.)
tava rūpasya saṃpadā
durch deiner Schönheit Fülle (Gen./Gen./Instr.)

icchāmas tvāṃ vayaṃ jñātuṃ kā tvaṃ kva ca gamiṣyasi; tattvena ca suvarṇābhe sarvam etad bravīhi naḥ

„Wir möchten dich kennenlernen: Wer bist du, und wohin wirst du gehen? Sage uns dies alles der Wahrheit gemäß, du Goldglänzende.“

Wort für Wort
icchāmas tvāṃ vayaṃ jñātum
wir wünschen dich wir zu erkennen (1.Pl.Präs./Akk./Nom./Inf.)
kā tvaṃ kva ca gamiṣyasi
wer du, und wohin wirst du gehen (Nom./Nom./Adv./2.Sg.Fut.)
tattvena ca suvarṇābhe
der Wahrheit gemäß und, Goldglänzende (Instr./Part./Vok.)
sarvam etad bravīhi naḥ
alles dies sprich zu uns (Akk./Akk./Imp.2.Sg./Dat.Pl.)

śrīr uvāca; lokakāntāsmi bhadraṃ vaḥ śrīr nāmneha pariśrutā; mayā daityāḥ parityaktā vinaṣṭāḥ śāśvatīḥ samāḥ

Śrī sprach: „Ich bin die von der Welt Geliebte; Heil euch! Als Śrī bin ich hier dem Namen nach bekannt. Von mir verlassen, sind die Daityas für ewige Jahre zugrunde gegangen.“

Wort für Wort
śrīr uvāca
Śrī sprach (Perf.)
lokakāntāsmi
Weltgeliebte bin ich (Nom.f./1.Sg.)
bhadraṃ vaḥ
Heil euch (Nom.n./Dat.Pl.)
śrīr nāmneha pariśrutā
Śrī dem Namen nach hier bekannt (Nom./Instr./Adv./PPP)
mayā daityāḥ parityaktāḥ
von mir die Daityas verlassen (Instr./Nom.Pl./PPP)
vinaṣṭāḥ śāśvatīḥ samāḥ
zugrunde gegangen für ewige Jahre (PPP Nom.Pl./Akk.Pl.f./Akk.Pl.f.)

mayābhipannā devāś ca modante śāśvatīḥ samāḥ

„Von mir aufgesucht [begünstigt], freuen sich die Götter für ewige Jahre.“

Wort für Wort
mayābhipannā
von mir aufgesucht/erfasst (Instr./PPP Nom.Pl.)
devāś ca
die Götter und (Nom.Pl./Part.)
modante
freuen sich (3.Pl.Med.Präs.)
śāśvatīḥ samāḥ
für ewige Jahre (Akk.Pl.f./Akk.Pl.f.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (Sternzeile) der kritischen Ausgabe.

indro vivasvān somaś ca viṣṇur āpo 'gnir eva ca; mayābhipannā ṛdhyante ṛṣayo devatās tathā

„Indra, Vivasvat, Soma, Viṣṇu, die Wasser und Agni, ebenso die Ṛṣis und die Gottheiten gedeihen, wenn sie von mir aufgesucht [begünstigt] sind.“

Wort für Wort
indro vivasvān somaś ca
Indra, Vivasvat und Soma (Nom./Nom./Nom./Part.)
viṣṇur āpo 'gnir eva ca
Viṣṇu, die Wasser, Agni ebenso (Nom./Nom.Pl./Nom./Part./Part.)
mayābhipannā
von mir aufgesucht (Instr./PPP Nom.Pl.)
ṛdhyante
gedeihen (3.Pl.Med.Präs.)
ṛṣayo devatās tathā
die Ṛṣis, die Gottheiten ebenso (Nom.Pl./Nom.Pl./Adv.)

yāṃś ca dviṣāmy ahaṃ gāvas te vinaśyanti sarvaśaḥ; dharmārthakāmahīnāś ca te bhavanty asukhānvitāḥ

„Und wen ich hasse, o Kühe, die gehen allseits zugrunde; sie werden frei von Dharma, Artha und Kāma und sind von Unglück erfüllt.“

Wort für Wort
yāṃś ca dviṣāmy ahaṃ gāvaḥ
und die ich hasse, ich, o Kühe (Akk.Pl./Part./1.Sg.Präs./Nom./Vok.)
te vinaśyanti sarvaśaḥ
sie gehen zugrunde gänzlich (Nom.Pl./3.Pl.Präs./Adv.)
dharmārthakāmahīnāś ca
und ohne Dharma, Artha, Kāma (Kompositum Nom.Pl./Part.)
te bhavanty asukhānvitāḥ
sie werden unglücklich [wörtl. mit Unglück verbunden] (Nom.Pl./3.Pl.Präs./Nom.Pl.)

evaṃprabhāvāṃ māṃ gāvo vijānīta sukhapradām; icchāmi cāpi yuṣmāsu vastuṃ sarvāsu nityadā; āgatā prārthayānāhaṃ śrījuṣṭā bhavatānaghāḥ

„Ihr Kühe, erkennt mich als eine, die solche Macht besitzt und Glück gewährt. Und auch ich wünsche, in euch allen beständig zu wohnen. Ich bin gekommen und bitte darum; werdet ihr Makellosen von Śrī bewohnt.“

Wort für Wort
evaṃprabhāvāṃ māṃ gāvo vijānīta
so mächtig mich, o Kühe, erkennt (Akk.f./Akk./Vok./Imp.2.Pl.)
sukhapradām
Glück Gebende (Akk.f.)
icchāmi cāpi yuṣmāsu
ich wünsche auch in euch (1.Sg.Präs./Part./Lok.Pl.)
vastuṃ sarvāsu nityadā
zu wohnen in allen stets (Inf./Lok.Pl./Adv.)
āgatā prārthayānāhaṃ
gekommen bittend ich (PPP Nom.f./Part.Präs.Med. Nom.f./Nom.)
śrījuṣṭā bhavatānaghāḥ
von Śrī bewohnt werdet, ihr Makellosen (Nom.Pl./Imp.2.Pl./Vok.Pl.)

gāva ūcuḥ; adhruvāṃ cañcalāṃ ca tvāṃ sāmānyāṃ bahubhiḥ saha; na tvām icchāmi bhadraṃ te gamyatāṃ yatra rocate

Die Kühe sprachen: „Du bist unbeständig und flatterhaft und gehörst vielen gemeinsam. Wir wollen dich nicht; Heil dir! Geh, wohin es dir gefällt.“

Wort für Wort
gāva ūcuḥ
die Kühe sprachen (Perf.)
adhruvāṃ cañcalāṃ ca tvām
unbeständig, flatterhaft und dich (Akk.f./Akk.f./Part./Akk.)
sāmānyāṃ bahubhiḥ saha
gemeinsam mit vielen (Akk.f./Instr.Pl./Präp.)
na tvām icchāmi
nicht dich wünschen wir (Part./Akk./1.Pl.Präs. [Sg. als Text])
bhadraṃ te gamyatāṃ yatra rocate
Heil dir, geh, wo es gefällt (Nom.n./Dat./Imp.Pass./Adv./3.Sg.Präs.)

vapuṣmantyo vayaṃ sarvāḥ kim asmākaṃ tvayādya vai; yatreṣṭaṃ gamyatāṃ tatra kṛtakāryā vayaṃ tvayā

„Wir alle sind schön; was [bedeutet] uns heute schon deine [Gunst]? Geh, wohin du willst; unser Ziel ist durch dich [nicht nötig, wir sind] fertig.“

Wort für Wort
vapuṣmantyo vayaṃ sarvāḥ
schön wir alle (Nom.Pl.f./Nom./Nom.Pl.f.)
kim asmākaṃ tvayādya vai
was [nützt] uns durch dich heute fürwahr (Nom./Gen.Pl./Instr./Adv./Part.)
yatreṣṭaṃ gamyatāṃ tatra
wohin gewünscht, geh dorthin (Adv./PPP/Imp.Pass./Adv.)
kṛtakāryā vayaṃ tvayā
die wir das Werk getan haben, wir, durch dich (Nom.Pl.f./Nom./Instr.)

Zweiter Halbvers etwas elliptisch: „kṛtakāryā vayaṃ tvayā“ wörtlich „wir haben durch dich unser Werk getan“, d. h. wir brauchen dich nicht.

śrīr uvāca; kim etad vaḥ kṣamaṃ gāvo yan māṃ nehābhyanandatha; na māṃ saṃprati gṛhṇītha kasmād vai durlabhāṃ satīm

Śrī sprach: „Ist dies für euch angemessen, o Kühe, dass ihr mich hier nicht willkommen heißt? Warum nehmt ihr mich jetzt nicht an, die ich schwer zu erlangen und tugendhaft bin?“

Wort für Wort
śrīr uvāca
Śrī sprach (Perf.)
kim etad vaḥ kṣamaṃ gāvaḥ
ist dies euch angemessen, o Kühe (Nom./Nom./Gen.Pl./Nom.n./Vok.)
yan māṃ nehābhyanandatha
dass mich nicht hier ihr begrüßt (Part./Akk./Part.+Adv./2.Pl.Impf.)
na māṃ saṃprati gṛhṇītha
nicht mich jetzt nehmt ihr an (Part./Akk./Adv./2.Pl.Präs.)
kasmād vai durlabhāṃ satīm
warum denn, schwer Erlangbare, Gute/Tugendhafte (Abl./Part./Akk.f./Akk.f.)

satyaś ca lokavādo 'yaṃ loke carati suvratāḥ; svayaṃ prāpte paribhavo bhavatīti viniścayaḥ

„Und wahr ist dieses Sprichwort, das in der Welt umgeht, ihr Wohlgeübten: Wenn [etwas] von selbst kommt, wird es missachtet – so ist die feste Regel.“

Wort für Wort
satyaś ca lokavādo 'yam
wahr und Volksspruch dieser (Nom./Part./Nom./Nom.)
loke carati suvratāḥ
in der Welt geht um, ihr Wohlgeübten (Lok./3.Sg.Präs./Vok.Pl.f.)
svayaṃ prāpte paribhavaḥ
wenn von selbst gekommen, Missachtung (Adv./PPP Lok./Nom.)
bhavatīti viniścayaḥ
entsteht, so [lautet] die Regel (3.Sg.Präs./Part./Nom.)

mahad ugraṃ tapaḥ kṛtvā māṃ niṣevanti mānavāḥ; devadānavagandharvāḥ piśācoragarākṣasāḥ

„Nach großer, furchtbarer Askese suchen mich die Menschen auf, ebenso Götter, Dānavas, Gandharvas, Piśācas, Schlangen und Rākṣasas.“

Wort für Wort
mahad ugraṃ tapaḥ kṛtvā
große, furchtbare Askese vollzogen habend (Akk.n./Akk.n./Akk./Abs.)
māṃ niṣevanti mānavāḥ
mich verehren/suchen auf die Menschen (Akk./3.Pl.Präs./Nom.Pl.)
devadānavagandharvāḥ
Götter, Dānavas, Gandharvas (Dvandva Nom.Pl.)
piśācoragarākṣasāḥ
Piśācas, Schlangen, Rākṣasas (Dvandva Nom.Pl.)

kṣamam etad dhi vo gāvaḥ pratigṛhṇīta mām iha; nāvamanyā hy ahaṃ saumyās trailokye sacarācare

„Dies ist für euch angemessen, o Kühe: Nehmt mich hier auf. Ich bin nicht zu missachten, ihr Sanftmütigen, in den drei Welten mit allem Beweglichen und Unbeweglichen.“

Wort für Wort
kṣamam etad dhi vo gāvaḥ
angemessen dies fürwahr euch, o Kühe (Nom.n./Nom.n./Part./Gen./Vok.)
pratigṛhṇīta mām iha
nehmt auf mich hier (Imp.2.Pl.Med./Akk./Adv.)
nāvamanyā hy ahaṃ saumyāḥ
nicht zu missachten fürwahr ich, ihr Sanften (Nom.f./Part./Nom./Vok.Pl.f.)
trailokye sacarācare
in den drei Welten samt Beweglichem und Unbeweglichem (Lok./Lok.)

gāva ūcuḥ; nāvamanyāmahe devi na tvāṃ paribhavāmahe; adhruvā calacittāsi tatas tvāṃ varjayāmahe

Die Kühe sprachen: „Wir missachten dich nicht, Göttin, wir behandeln dich nicht geringschätzig. Du bist unbeständig und wankelmütig; deshalb meiden wir dich.“

Wort für Wort
gāva ūcuḥ
die Kühe sprachen (Perf.)
nāvamanyāmahe devi
wir missachten nicht, Göttin (Part.+1.Pl.Präs.Med./Vok.)
na tvāṃ paribhavāmahe
nicht dich setzen wir zurück (Part./Akk./1.Pl.Präs.Med.)
adhruvā calacittāsi
unbeständig, wankelmütig bist du (Nom.f./Nom.f.+2.Sg.)
tatas tvāṃ varjayāmahe
daher dich meiden wir (Adv./Akk./1.Pl.Präs.Med.)

bahunātra kim uktena gamyatāṃ yatra vāñchasi; vapuṣmatyo vayaṃ sarvāḥ kim asmākaṃ tvayānaghe

„Was soll hier viel geredet werden? Geh, wohin du willst. Wir alle sind schön; was [sollen wir] mit dir, du Makellose?“

Wort für Wort
bahunātra kim uktena
mit vielem hier, was durch Gesagtes (Instr.n./Adv./Nom./PPP Instr.)
gamyatāṃ yatra vāñchasi
geh, wohin du wünschst (Imp.Pass./Adv./2.Sg.Präs.)
vapuṣmatyo vayaṃ sarvāḥ
schön wir alle (Nom.Pl.f./Nom./Nom.Pl.f.)
kim asmākaṃ tvayānaghe
was [nützt] uns durch dich, Makellose (Nom./Gen.Pl./Instr./Vok.)

śrīr uvāca; avajñātā bhaviṣyāmi sarvalokeṣu mānadāḥ; pratyākhyānena yuṣmābhiḥ prasādaḥ kriyatām iti

Śrī sprach: „Ihr Ehrengebenden, ich werde in allen Welten missachtet sein. Erweist mir Gnade, indem ihr [mich] nicht abweist – so [bitte ich].“

Wort für Wort
śrīr uvāca
Śrī sprach (Perf.)
avajñātā bhaviṣyāmi
missachtet werde ich sein (PPP Nom.f./1.Sg.Fut.)
sarvalokeṣu mānadāḥ
in allen Welten, ihr Ehre Gebenden (Lok.Pl./Vok.Pl.f.)
pratyākhyānena yuṣmābhiḥ
durch Abweisung von euch (Instr./Instr.Pl.)
prasādaḥ kriyatām iti
Gnade werde getan, so (Nom./Imp.Pass./Part.)

Zweiter Halbvers wörtlich: „Durch [Nicht-]Abweisung euerseits [soll] Gnade getan werden“; Sinn: Gnade statt Zurückweisung [?].

mahābhāgā bhavatyo vai śaraṇyāḥ śaraṇāgatām; paritrāyantu māṃ nityaṃ bhajamānām aninditām; mānanāṃ tv aham icchāmi bhavatyaḥ satataṃ śubhāḥ

„Ihr Hochgesegneten seid ja Zuflucht [für Schutzsuchende]; beschützt mich, die Zuflucht Suchende, die euch stets Verehrende, die Untadelige. Ich wünsche Ehrung, ihr allzeit Glückverheißenden.“

Wort für Wort
mahābhāgā bhavatyo vai
Hochgesegnete ihr fürwahr (Nom.Pl.f./Nom.Pl.f./Part.)
śaraṇyāḥ śaraṇāgatām
Zuflucht Gebende, die Zuflucht Gekommene (Nom.Pl.f./Akk.f.)
paritrāyantu māṃ nityaṃ
sie sollen beschützen mich stets (Imp.3.Pl./Akk./Adv.)
bhajamānām aninditām
die Verehrende, die Untadelige (Part.Präs.Akk.f./Akk.f.)
mānanāṃ tv aham icchāmi
Ehrung aber ich wünsche (Akk./Part./Nom./1.Sg.Präs.)
bhavatyaḥ satataṃ śubhāḥ
ihr [Damen], stets Glückverheißende (Vok.Pl.f./Adv./Vok.Pl.f.)

apy ekāṅge tu vo vastum icchāmi ca sukutsite; na vo 'sti kutsitaṃ kiṃ cid aṅgeṣv ālakṣyate 'naghāḥ

„Selbst an einem Körperteil von euch, mag er auch sehr verachtet sein, möchte ich wohnen. Doch an euren Gliedern ist nichts Verachtenswertes zu erkennen, ihr Makellosen.“

Wort für Wort
apy ekāṅge tu vaḥ
auch in einem Körperteil aber von euch (Part./Lok./Part./Gen.)
vastum icchāmi
zu wohnen wünsche ich (Inf./1.Sg.Präs.)
ca sukutsite
und [selbst] sehr verachtet (Part./Lok.n.)
na vo 'sti kutsitaṃ kiṃ cid
nicht bei euch ist Verachtenswertes irgendetwas (Part./Gen./3.Sg./Nom.n./Pron.)
aṅgeṣv ālakṣyate 'naghāḥ
an den Gliedern wird gesehen, ihr Makellosen (Lok.Pl./3.Sg.Pass./Vok.Pl.f.)

puṇyāḥ pavitrāḥ subhagā mamādeśaṃ prayacchata; vaseyaṃ yatra cāṅge 'haṃ tan me vyākhyātum arhatha

„Ihr Reinen, Läuternden, Glückbringenden, gebt mir Weisung: An welchem Körperteil ich wohnen soll, das mögt ihr mir sagen.“

Wort für Wort
puṇyāḥ pavitrāḥ subhagāḥ
Reine, Läuternde, Glückliche (Vok.Pl.f.)
mamādeśaṃ prayacchata
mir Weisung gebt (Gen./Akk./Imp.2.Pl.)
vaseyaṃ yatra cāṅge 'haṃ
ich möge wohnen, wo an welchem Glied ich (Opt.1.Sg./Adv./Part./Lok./Nom.)
tan me vyākhyātum arhatha
das mir zu erklären vermögt ihr (Akk./Dat./Inf./2.Pl.Präs.)

bhīṣma uvāca; evam uktās tu tā gāvaḥ śubhāḥ karuṇavatsalāḥ; saṃmantrya sahitāḥ sarvāḥ śriyam ūcur narādhipa

Bhīṣma sprach: „So angesprochen, berieten sich jene Kühe, die glückverheißenden, mitleidigen, kalberliebenden, alle miteinander und sprachen zu Śrī, o Herrscher der Menschen:“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
evam uktās tu tā gāvaḥ
so angesprochen aber jene Kühe (Adv./PPP Nom.Pl./Part./Nom.Pl.f./Nom.Pl.)
śubhāḥ karuṇavatsalāḥ
glückverheißend, mitleidig und zärtlich (Nom.Pl.f./Nom.Pl.f.)
saṃmantrya sahitāḥ sarvāḥ
beraten habend, vereint, alle (Abs./PPP Nom.Pl.f./Nom.Pl.f.)
śriyam ūcur narādhipa
zu Śrī sprachen sie, o Menschenherrscher (Akk./Perf.3.Pl./Vok.)

avaśyaṃ mānanā kāryā tavāsmābhir yaśasvini; śakṛnmūtre nivasa naḥ puṇyam etad dhi naḥ śubhe

„Ehrung muss dir von uns unbedingt erwiesen werden, du Ruhmreiche. Wohne in unserem Dung und Urin; denn das ist bei uns rein, du Glückliche.“

Wort für Wort
avaśyaṃ mānanā kāryā
unbedingt Ehrung ist zu erweisen (Adv./Nom.f./Gerundiv Nom.f.)
tavāsmābhir yaśasvini
dir von uns, Ruhmreiche (Gen./Instr.Pl./Vok.)
śakṛnmūtre nivasa naḥ
in Dung und Urin wohne unser (Lok.Du./Imp.2.Sg./Gen.Pl.)
puṇyam etad dhi naḥ śubhe
rein dies nämlich bei uns, Glückliche (Nom.n./Nom.n./Part./Gen.Pl./Vok.)

śrīr uvāca; diṣṭyā prasādo yuṣmābhiḥ kṛto me 'nugrahātmakaḥ; evaṃ bhavatu bhadraṃ vaḥ pūjitāsmi sukhapradāḥ

Śrī sprach: „Glücklicherweise ist von euch eine Gnade erwiesen worden, die mir Wohltat ist. So sei es; Heil euch! Ich bin geehrt, ihr Glückspendenden.“

Wort für Wort
śrīr uvāca
Śrī sprach (Perf.)
diṣṭyā prasādo yuṣmābhiḥ
zum Glück Gnade von euch (Instr./Nom./Instr.Pl.)
kṛto me 'nugrahātmakaḥ
erwiesen mir als Wohltat (PPP Nom./Gen./Nom.)
evaṃ bhavatu bhadraṃ vaḥ
so sei es, Heil euch (Adv./Imp.3.Sg./Nom.n./Dat.Pl.)
pūjitāsmi sukhapradāḥ
geehrt bin ich, ihr Glückspendenden (PPP Nom.f./1.Sg./Vok.Pl.f.)

bhīṣma uvāca; evaṃ kṛtvā tu samayaṃ śrīr gobhiḥ saha bhārata; paśyantīnāṃ tatas tāsāṃ tatraivāntaradhīyata

Bhīṣma sprach: „Nachdem Śrī so mit den Kühen eine Übereinkunft getroffen hatte, o Bhārata, verschwand sie dort vor den Augen der Kühe.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
evaṃ kṛtvā tu samayam
so gemacht habend aber eine Übereinkunft (Adv./Abs./Part./Akk.)
śrīr gobhiḥ saha bhārata
Śrī mit den Kühen, o Bhārata (Nom./Instr.Pl./Präp./Vok.)
paśyantīnāṃ tatas tāsām
während sie zusahen, dann von ihnen (Part.Gen.Pl.f./Adv./Gen.Pl.f.)
tatraivāntaradhīyata
eben dort verschwand (Adv.+Part./3.Sg.Impf.Pass.)

etad gośakṛtaḥ putra māhātmyaṃ te 'nuvarṇitam; māhātmyaṃ ca gavāṃ bhūyaḥ śrūyatāṃ gadato mama

„Dies ist dir, mein Sohn, als die Erhabenheit des Kuhdungs dargelegt worden. Nun höre weiter die Erhabenheit der Kühe, während ich spreche.“

Wort für Wort
etad gośakṛtaḥ putra
dies vom Kuhdung, mein Sohn (Nom.n./Gen./Vok.)
māhātmyaṃ te 'nuvarṇitam
die Erhabenheit dir dargelegt (Nom.n./Dat./PPP Nom.n.)
māhātmyaṃ ca gavāṃ bhūyaḥ
die Erhabenheit und der Kühe weiter (Akk./Part./Gen.Pl./Adv.)
śrūyatāṃ gadato mama
möge gehört werden, während ich spreche (Imp.Pass./Part.Präs.Gen./Gen.)

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