Kapitel 81: śrīgosaṃvādaḥ (gośakṛnmūtre śrīnivāsaḥ)
Gespräch der Śrī mit den Kühen: Śrī nimmt Wohnsitz in Kuhdung und Kuhurin
Yudhiṣṭhira fragt nach dem Glück (Śrī) im Kuhdung; Bhīṣma erzählt die alte Erzählung, wie die Göttin Śrī unter die Kühe tritt, zunächst abgewiesen wird und dann in Dung und Urin der Kühe ihren Platz erhält.
yudhiṣṭhira uvāca; mayā gavāṃ purīṣaṃ vai śriyā juṣṭam iti śrutam; etad icchāmy ahaṃ śrotuṃ saṃśayo 'tra hi me mahān
Yudhiṣṭhira sprach: „Ich habe gehört, dass der Kuhdung von Śrī [der Glücksgöttin] bewohnt ist. Das möchte ich hören [genauer erfahren]; denn darüber habe ich einen großen Zweifel.“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
mayā gavāṃ purīṣaṃ vai
von mir [wurde] der Kühe Dung [gehört] (Instr./Gen.Pl./Nom.)
śriyā juṣṭam iti śrutam
von Śrī bewohnt/geliebt, so [ist] gehört (Instr./PPP/PPP)
etad icchāmy ahaṃ śrotum
dies wünsche ich zu hören (Akk./1.Sg.Präs./Inf.)
saṃśayo 'tra hi me mahān
Zweifel [besteht] hierin nämlich bei mir, groß (Nom./Lok./Gen./Nom.)
Die Kühe sprachen: „Wer bist du, Göttin, oder woher [kommst du], die du an Schönheit auf Erden ohnegleichen bist? Wir sind erstaunt, du Hochgesegnete, über die Fülle deiner Schönheit.“
Wort für Wort
gāva ūcuḥ
die Kühe sprachen (Perf.)
kāsi devi
wer bist du, Göttin (Nom./2.Sg./Vok.)
kuto vā tvaṃ
oder woher [kommst] du (Adv./Part./Nom.)
rūpeṇāpratimā bhuvi
an Schönheit ohnegleichen auf Erden (Instr./Nom.f./Lok.)
vismitāḥ sma mahābhāge
erstaunt sind wir, Hochgesegnete (PPP Nom.Pl./Part./Vok.)
Śrī sprach: „Ich bin die von der Welt Geliebte; Heil euch! Als Śrī bin ich hier dem Namen nach bekannt. Von mir verlassen, sind die Daityas für ewige Jahre zugrunde gegangen.“
Wort für Wort
śrīr uvāca
Śrī sprach (Perf.)
lokakāntāsmi
Weltgeliebte bin ich (Nom.f./1.Sg.)
bhadraṃ vaḥ
Heil euch (Nom.n./Dat.Pl.)
śrīr nāmneha pariśrutā
Śrī dem Namen nach hier bekannt (Nom./Instr./Adv./PPP)
mayā daityāḥ parityaktāḥ
von mir die Daityas verlassen (Instr./Nom.Pl./PPP)
vinaṣṭāḥ śāśvatīḥ samāḥ
zugrunde gegangen für ewige Jahre (PPP Nom.Pl./Akk.Pl.f./Akk.Pl.f.)
„Ihr Kühe, erkennt mich als eine, die solche Macht besitzt und Glück gewährt. Und auch ich wünsche, in euch allen beständig zu wohnen. Ich bin gekommen und bitte darum; werdet ihr Makellosen von Śrī bewohnt.“
Wort für Wort
evaṃprabhāvāṃ māṃ gāvo vijānīta
so mächtig mich, o Kühe, erkennt (Akk.f./Akk./Vok./Imp.2.Pl.)
sukhapradām
Glück Gebende (Akk.f.)
icchāmi cāpi yuṣmāsu
ich wünsche auch in euch (1.Sg.Präs./Part./Lok.Pl.)
vastuṃ sarvāsu nityadā
zu wohnen in allen stets (Inf./Lok.Pl./Adv.)
āgatā prārthayānāhaṃ
gekommen bittend ich (PPP Nom.f./Part.Präs.Med. Nom.f./Nom.)
śrījuṣṭā bhavatānaghāḥ
von Śrī bewohnt werdet, ihr Makellosen (Nom.Pl./Imp.2.Pl./Vok.Pl.)
śrīr uvāca; kim etad vaḥ kṣamaṃ gāvo yan māṃ nehābhyanandatha; na māṃ saṃprati gṛhṇītha kasmād vai durlabhāṃ satīm
Śrī sprach: „Ist dies für euch angemessen, o Kühe, dass ihr mich hier nicht willkommen heißt? Warum nehmt ihr mich jetzt nicht an, die ich schwer zu erlangen und tugendhaft bin?“
Wort für Wort
śrīr uvāca
Śrī sprach (Perf.)
kim etad vaḥ kṣamaṃ gāvaḥ
ist dies euch angemessen, o Kühe (Nom./Nom./Gen.Pl./Nom.n./Vok.)
yan māṃ nehābhyanandatha
dass mich nicht hier ihr begrüßt (Part./Akk./Part.+Adv./2.Pl.Impf.)
na māṃ saṃprati gṛhṇītha
nicht mich jetzt nehmt ihr an (Part./Akk./Adv./2.Pl.Präs.)
kṣamam etad dhi vo gāvaḥ pratigṛhṇīta mām iha; nāvamanyā hy ahaṃ saumyās trailokye sacarācare
„Dies ist für euch angemessen, o Kühe: Nehmt mich hier auf. Ich bin nicht zu missachten, ihr Sanftmütigen, in den drei Welten mit allem Beweglichen und Unbeweglichen.“
Wort für Wort
kṣamam etad dhi vo gāvaḥ
angemessen dies fürwahr euch, o Kühe (Nom.n./Nom.n./Part./Gen./Vok.)
pratigṛhṇīta mām iha
nehmt auf mich hier (Imp.2.Pl.Med./Akk./Adv.)
nāvamanyā hy ahaṃ saumyāḥ
nicht zu missachten fürwahr ich, ihr Sanften (Nom.f./Part./Nom./Vok.Pl.f.)
trailokye sacarācare
in den drei Welten samt Beweglichem und Unbeweglichem (Lok./Lok.)
Die Kühe sprachen: „Wir missachten dich nicht, Göttin, wir behandeln dich nicht geringschätzig. Du bist unbeständig und wankelmütig; deshalb meiden wir dich.“
Wort für Wort
gāva ūcuḥ
die Kühe sprachen (Perf.)
nāvamanyāmahe devi
wir missachten nicht, Göttin (Part.+1.Pl.Präs.Med./Vok.)
na tvāṃ paribhavāmahe
nicht dich setzen wir zurück (Part./Akk./1.Pl.Präs.Med.)
adhruvā calacittāsi
unbeständig, wankelmütig bist du (Nom.f./Nom.f.+2.Sg.)
mahābhāgā bhavatyo vai śaraṇyāḥ śaraṇāgatām; paritrāyantu māṃ nityaṃ bhajamānām aninditām; mānanāṃ tv aham icchāmi bhavatyaḥ satataṃ śubhāḥ
„Ihr Hochgesegneten seid ja Zuflucht [für Schutzsuchende]; beschützt mich, die Zuflucht Suchende, die euch stets Verehrende, die Untadelige. Ich wünsche Ehrung, ihr allzeit Glückverheißenden.“
Wort für Wort
mahābhāgā bhavatyo vai
Hochgesegnete ihr fürwahr (Nom.Pl.f./Nom.Pl.f./Part.)
śaraṇyāḥ śaraṇāgatām
Zuflucht Gebende, die Zuflucht Gekommene (Nom.Pl.f./Akk.f.)
paritrāyantu māṃ nityaṃ
sie sollen beschützen mich stets (Imp.3.Pl./Akk./Adv.)
bhajamānām aninditām
die Verehrende, die Untadelige (Part.Präs.Akk.f./Akk.f.)
mānanāṃ tv aham icchāmi
Ehrung aber ich wünsche (Akk./Part./Nom./1.Sg.Präs.)
bhavatyaḥ satataṃ śubhāḥ
ihr [Damen], stets Glückverheißende (Vok.Pl.f./Adv./Vok.Pl.f.)
apy ekāṅge tu vo vastum icchāmi ca sukutsite; na vo 'sti kutsitaṃ kiṃ cid aṅgeṣv ālakṣyate 'naghāḥ
„Selbst an einem Körperteil von euch, mag er auch sehr verachtet sein, möchte ich wohnen. Doch an euren Gliedern ist nichts Verachtenswertes zu erkennen, ihr Makellosen.“
Wort für Wort
apy ekāṅge tu vaḥ
auch in einem Körperteil aber von euch (Part./Lok./Part./Gen.)
vastum icchāmi
zu wohnen wünsche ich (Inf./1.Sg.Präs.)
ca sukutsite
und [selbst] sehr verachtet (Part./Lok.n.)
na vo 'sti kutsitaṃ kiṃ cid
nicht bei euch ist Verachtenswertes irgendetwas (Part./Gen./3.Sg./Nom.n./Pron.)
aṅgeṣv ālakṣyate 'naghāḥ
an den Gliedern wird gesehen, ihr Makellosen (Lok.Pl./3.Sg.Pass./Vok.Pl.f.)
bhīṣma uvāca; evam uktās tu tā gāvaḥ śubhāḥ karuṇavatsalāḥ; saṃmantrya sahitāḥ sarvāḥ śriyam ūcur narādhipa
Bhīṣma sprach: „So angesprochen, berieten sich jene Kühe, die glückverheißenden, mitleidigen, kalberliebenden, alle miteinander und sprachen zu Śrī, o Herrscher der Menschen:“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
evam uktās tu tā gāvaḥ
so angesprochen aber jene Kühe (Adv./PPP Nom.Pl./Part./Nom.Pl.f./Nom.Pl.)
śubhāḥ karuṇavatsalāḥ
glückverheißend, mitleidig und zärtlich (Nom.Pl.f./Nom.Pl.f.)
saṃmantrya sahitāḥ sarvāḥ
beraten habend, vereint, alle (Abs./PPP Nom.Pl.f./Nom.Pl.f.)
śriyam ūcur narādhipa
zu Śrī sprachen sie, o Menschenherrscher (Akk./Perf.3.Pl./Vok.)
Śrī sprach: „Glücklicherweise ist von euch eine Gnade erwiesen worden, die mir Wohltat ist. So sei es; Heil euch! Ich bin geehrt, ihr Glückspendenden.“
Wort für Wort
śrīr uvāca
Śrī sprach (Perf.)
diṣṭyā prasādo yuṣmābhiḥ
zum Glück Gnade von euch (Instr./Nom./Instr.Pl.)
kṛto me 'nugrahātmakaḥ
erwiesen mir als Wohltat (PPP Nom./Gen./Nom.)
evaṃ bhavatu bhadraṃ vaḥ
so sei es, Heil euch (Adv./Imp.3.Sg./Nom.n./Dat.Pl.)
pūjitāsmi sukhapradāḥ
geehrt bin ich, ihr Glückspendenden (PPP Nom.f./1.Sg./Vok.Pl.f.)