Kapitel 86: kārttikeyotpatti-tārakavadha
Die Geburt Kārttikeyas, die Tötung Tārakas und der Ursprung des Goldes
Bhīṣma erzählt auf Yudhiṣṭhiras Frage die Entstehung Skandas aus Agnis Glanz, seine Aufzucht durch die Kṛttikās, die Geschenke der Götter und den Tod des Dānava Tāraka; daran knüpft sich das Lob des Goldschenkens.
Yudhiṣṭhira sprach: „Vom Großvater sind hier die Vorzüge des Goldes und ausführlich die durch die Überlieferung kenntlich gemachten Vorzüge des Schenkens [von Gold] dargelegt worden.“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (3.Sg.Perf.)
uktāḥ pitāmahena iha
dargelegt wurden vom Großvater hier (Nom.Pl.m. Part.Pass./Instr.Sg./Adv.)
suvarṇasya vidhānataḥ
hinsichtlich der Anordnung/Regelung des Goldes (Gen.Sg./Abl.-Adv.)
vistareṇa pradānasya
ausführlich, des Schenkens (Instr.Sg./Gen.Sg.)
ye guṇāḥ śrutilakṣaṇāḥ
welche Vorzüge, durch die Überlieferung gekennzeichnet (Nom.Pl.m./Bahuvrīhi)
Bhīṣma sprach: „Als ihr Vorhaben gescheitert war, o König der Könige, drängten die Götter und ebenso die Ṛṣis die Kṛttikās, die Leibesfrucht auszutragen [wörtl.: zum Unterhalt/Tragen der Nachkommenschaft].“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (3.Sg.Perf.)
vipannakṛtyā rājendra
deren Aufgabe misslungen war (Nom.Pl.f. Bahuvrīhi), o König der Könige
devatā ṛṣayaḥ tathā
die Götter, die Ṛṣis, ebenso (Nom.Pl.)
kṛttikāḥ codayām āsuḥ
die Kṛttikās (Akk.Pl.) drängten (Perf.Periphr.3.Pl.)
apatyabharaṇāya vai
zum Tragen/Unterhalt der Nachkommenschaft (Dat.Sg.) fürwahr
apatyabharaṇāya: hier im Sinne von Austragen/Nähren der Leibesfrucht; sinngemäß wiedergegeben.
na devatānāṃ kā cid dhi samarthā jātavedasaḥ; ekāpi śaktā taṃ garbhaṃ saṃdhārayitum ojasā
Denn keine von den Göttinnen war [dazu] fähig, den Agni [zu tragen]; auch nicht eine einzige vermochte jene Leibesfrucht mit [eigener] Kraft zu halten.
Wort für Wort
na devatānām kā cit hi
nicht, von den Göttern/Göttinnen, irgendeine, denn
samarthā jātavedasaḥ
fähig (Nom.Sg.f.), des Jātavedas (Gen.Sg.)
ekā api śaktā
eine einzige auch, imstande (Nom.Sg.f.)
tam garbham saṃdhārayitum
jene Leibesfrucht zu halten/tragen (Akk.Sg.m./Inf.)
ojasā
mit Kraft (Instr.Sg.n.)
Der Text ist stark verkürzt; „des Jātavedas“ ist von samarthā abhängig gedacht [?].
Darauf war Pāvaka (Agni) erfreut über jene sechs, weil sie die Leibesfrucht trugen, durch die Ausströmung seines eigenen Glanzes und durch höchste Manneskraft.
tās tu ṣaṭ kṛttikā garbhaṃ pupuṣur jātavedasaḥ; ṣaṭsu vartmasu tejo 'gneḥ sakalaṃ nihitaṃ prabho
Jene sechs Kṛttikās aber nährten die Leibesfrucht des Jātavedas; in den sechs Bahnen [Gebärmutterwegen] war der gesamte Glanz Agnis niedergelegt, o Herr.
Wort für Wort
tāḥ tu ṣaṭ kṛttikāḥ
diese aber, sechs, Kṛttikās (Nom.Pl.f.)
garbham pupuṣuḥ jātavedasaḥ
die Leibesfrucht nährten (3.Pl.Perf.) des Jātavedas (Gen.Sg.)
ṣaṭsu vartmasu
in sechs Bahnen/Wegen (Lok.Pl.n.)
tejaḥ agneḥ sakalam
Glanz, des Agni, gesamter (Nom.Sg.n./Gen.Sg./Nom.Sg.n.)
nihitam prabho
niedergelegt (Part.Pass.), o Herr (Vok.Sg.)
ṣaṭsu vartmasu: wohl die sechs Körper/Schoßräume der Kṛttikās; unsichere Deutung [?].
Darauf, als die Zeit gekommen war, gebaren alle jene Kṛttikās, deren Glieder von Glanz erfüllt waren, gleichzeitig die Leibesfrucht, o Stier unter den Männern.
Wort für Wort
tataḥ tejaḥparītāṅgyaḥ sarvāḥ
darauf, von Glanz erfüllte Glieder habend, alle (Nom.Pl.f.)
kāle upasthite
als die Zeit eingetreten war (Lok. abs.)
samam garbham suṣuvire
gleichzeitig die Leibesfrucht gebaren sie (3.Pl.Perf.Med.)
kṛttikāḥ tāḥ nararṣabha
die Kṛttikās, jene, o Stier unter den Männern (Vok.)
sa garbho divyasaṃsthāno dīptimān pāvakaprabhaḥ; divyaṃ śaravaṇaṃ prāpya vavṛdhe priyadarśanaḥ
Diese Leibesfrucht, von göttlicher Gestalt, leuchtend, dem Feuer gleich an Glanz, gelangte in das göttliche Röhricht [śaravaṇa] und wuchs dort heran, anmutig anzusehen.
Wort für Wort
sa garbhaḥ divyasaṃsthānaḥ
diese Leibesfrucht, von göttlicher Gestalt (Nom.Sg.m.)
dīptimān pāvakaprabhaḥ
leuchtend, feuergleich strahlend (Nom.Sg.m.)
divyam śaravaṇam prāpya
in das göttliche Röhricht gelangt (Akk.Sg.n./Abs.)
dadṛśuḥ kṛttikās taṃ tu bālaṃ vahnisamadyutim; jātasnehāś ca sauhārdāt pupuṣuḥ stanyavisravaiḥ
Die Kṛttikās aber erblickten jenen Knaben, dem Feuer gleich an Glanz; von Zuneigung erfüllt nährten sie ihn aus Freundschaft mit dem Strömen ihrer Muttermilch.
Wort für Wort
dadṛśuḥ kṛttikāḥ tam tu bālam
erblickten (3.Pl.Perf.), die Kṛttikās, jenen aber, Knaben
vahnisamadyutim
dem Feuer an Glanz gleich (Akk.Sg.m.)
jātasnehāḥ ca sauhārdāt
und Zuneigung entstanden, aus Freundschaft (Nom.Pl.f./Abl.Sg.)
pupuṣuḥ stanyavisravaiḥ
nährten (3.Pl.Perf.) mit Strömen der Muttermilch (Instr.Pl.)
Er wurde in den drei Welten samt dem Beweglichen und Unbeweglichen zu Kārttikeya; wegen des Herausgefallenseins [skanna] erhielt er die Bezeichnung Skanda, und wegen des Wohnens in der Höhle [guhā] wurde er Guha.
Wort für Wort
abhavat kārttikeyaḥ sa
wurde (Impf.3.Sg.) Kārttikeya, er
trailokye sacarācare
in den drei Welten samt Beweglichem und Unbeweglichem (Lok.Sg.n.)
skannatvāt skandatām ca āpa
wegen des Herausgefallenseins, Skanda-Stand, und erlangte (Abl.Sg./Akk.Sg./3.Sg.Perf.)
guhāvāsāt guhaḥ abhavat
wegen des Wohnens in der Höhle, Guha, wurde (Abl./Nom./Impf.)
Etymologische Deutungen der Namen; guhāvāsāt könnte auch auf das „Verborgene“ (guhā) zielen.
aṃśo mitraś ca sādhyāś ca vasavo vāsavo 'śvinau; āpo vāyur nabhaś candro nakṣatrāṇi grahā raviḥ
Aṃśa, Mitra, die Sādhyas, die Vasus, Vāsava [Indra], die beiden Aśvins, die Wasser, der Wind, der Himmelsraum, der Mond, die Sternbilder, die Planeten, die Sonne,
Wort für Wort
aṃśaḥ mitraḥ ca sādhyāḥ ca
Aṃśa, Mitra und die Sādhyas (Nom.)
vasavaḥ vāsavaḥ aśvinau
die Vasus, Vāsava, die beiden Aśvins (Nom.)
āpaḥ vāyuḥ nabhaḥ
die Wasser, der Wind, der Himmelsraum (Nom.)
candraḥ nakṣatrāṇi grahāḥ raviḥ
der Mond, die Sternbilder, die Planeten, die Sonne (Nom.)
pṛthag bhūtāni cānyāni yāni devārpaṇāni vai; ājagmus tatra taṃ draṣṭuṃ kumāraṃ jvalanātmajam; ṛṣayas tuṣṭuvuś caiva gandharvāś ca jagus tathā
und auch die übrigen Wesen, die den Göttern zugeordnet sind, einzeln aufgezählt – sie kamen dorthin, um jenen Knaben, den Sohn des Feuers, zu sehen. Die Ṛṣis priesen [ihn], und ebenso sangen die Gandharvas.
Wort für Wort
pṛthak bhūtāni ca anyāni
einzeln, Wesen, und andere (Nom.Pl.n.)
yāni devārpaṇāni vai
die den Göttern zugehörig/geweiht sind (Nom.Pl.n.)
ājagmuḥ tatra tam draṣṭum
kamen (3.Pl.Perf.) dorthin, ihn zu sehen (Inf.)
kumāram jvalanātmajam
den Knaben, den Sohn des Feuers (Akk.Sg.m.)
ṛṣayaḥ tuṣṭuvuḥ ca eva
die Ṛṣis priesen (3.Pl.Perf.) und auch
gandharvāḥ ca jaguḥ tathā
und die Gandharvas sangen (3.Pl.Perf.) ebenso
devārpaṇāni: wörtlich „den Göttern dargebracht/anvertraut“; Bedeutung unsicher [?].
sudhanvā śakaṭaṃ caiva rathaṃ cāmitakūbaram; varuṇo vāruṇān divyān bhujaṃgān pradadau śubhān; siṃhān surendro vyāghrāṃś ca dvīpino 'nyāṃś ca daṃṣṭriṇaḥ
Sudhanvan gab einen Karren und einen Wagen mit unermesslichen Schätzen; Varuṇa göttliche, herrliche Schlangen aus seinem Bereich; der Herr der Götter (Indra) Löwen, Tiger, Panther und andere Tiere mit Fangzähnen.
Wort für Wort
sudhanvā śakaṭam ca eva
Sudhanvan, einen Karren, und auch
ratham ca amitakūbaram
und einen Wagen mit unermesslicher Deichsel [?] (Akk.Sg.m.)
varuṇaḥ vāruṇān divyān
Varuṇa (Nom.), zu Varuṇa gehörige, göttliche (Akk.Pl.m.)
Als der Asura von jenem spielenden Knaben erschlagen war, wurde der Herr der Götter (Indra) wieder als Herrscher in die Herrschaft der Götter eingesetzt.
Wort für Wort
tena tasmin kumāreṇa krīḍatā
von jenem, dort, vom Knaben, spielend (Instr.Sg.)
nihate asure
als der Asura erschlagen war (Lok. abs.)
surendraḥ sthāpitaḥ rājye
der Götterherr wurde eingesetzt in die Herrschaft (Nom./Part.Pass./Lok.Sg.)
devānām punaḥ īśvaraḥ
der Götter, wieder, als Herr (Gen.Pl./Adv./Nom.Sg.)
Rāma, der Gold geschenkt hatte, wurde von allen Sünden befreit und erlangte im Himmel [triviṣṭapa] eine große Stätte, die für Menschen schwer erreichbar ist.
Wort für Wort
rāmaḥ suvarṇam dattvā hi
Rāma, Gold, geschenkt habend, ja (Abs.)
vimuktaḥ sarvakilbiṣaiḥ
befreit von allen Verfehlungen (Part.Pass./Instr.Pl.)
triviṣṭape mahat sthānam
im Himmel, große Stätte (Lok.Sg./Akk.Sg.n.)
avāpa asulabham naraiḥ
erlangte (3.Sg.Perf.), schwer erreichbar, von Menschen (Nom./Instr.Pl.)