Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Anuśāsanaparva

Kapitel 86: kārttikeyotpatti-tārakavadha Die Geburt Kārttikeyas, die Tötung Tārakas und der Ursprung des Goldes

Bhīṣma erzählt auf Yudhiṣṭhiras Frage die Entstehung Skandas aus Agnis Glanz, seine Aufzucht durch die Kṛttikās, die Geschenke der Götter und den Tod des Dānava Tāraka; daran knüpft sich das Lob des Goldschenkens.

yudhiṣṭhira uvāca; uktāḥ pitāmaheneha suvarṇasya vidhānataḥ; vistareṇa pradānasya ye guṇāḥ śrutilakṣaṇāḥ

Yudhiṣṭhira sprach: „Vom Großvater sind hier die Vorzüge des Goldes und ausführlich die durch die Überlieferung kenntlich gemachten Vorzüge des Schenkens [von Gold] dargelegt worden.“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (3.Sg.Perf.)
uktāḥ pitāmahena iha
dargelegt wurden vom Großvater hier (Nom.Pl.m. Part.Pass./Instr.Sg./Adv.)
suvarṇasya vidhānataḥ
hinsichtlich der Anordnung/Regelung des Goldes (Gen.Sg./Abl.-Adv.)
vistareṇa pradānasya
ausführlich, des Schenkens (Instr.Sg./Gen.Sg.)
ye guṇāḥ śrutilakṣaṇāḥ
welche Vorzüge, durch die Überlieferung gekennzeichnet (Nom.Pl.m./Bahuvrīhi)

yat tu kāraṇam utpatteḥ suvarṇasyeha kīrtitam; sa kathaṃ tārakaḥ prāpto nidhanaṃ tad bravīhi me

„Was aber als Ursache der Entstehung des Goldes hier genannt wurde – wie ist Tāraka [dann] zu seinem Ende gelangt? Das sage mir.“

Wort für Wort
yat tu kāraṇam utpatteḥ
was aber [als] Ursache der Entstehung (Nom.Sg.n./Gen.Sg.)
suvarṇasya iha kīrtitam
des Goldes, hier genannt (Gen.Sg./Adv./Part.Pass. n.)
sa katham tārakaḥ
er, wie, Tāraka (Nom.Sg.m.)
prāptaḥ nidhanam
gelangt (ist) zum Tod/Ende (Part.Pass. Nom.Sg.m./Akk.Sg.n.)
tad bravīhi me
das sage mir (Imper.2.Sg./Dat.-Gen.Sg.)

uktaḥ sa devatānāṃ hi avadhya iti pārthiva; na ca tasyeha te mṛtyur vistareṇa prakīrtitaḥ

„Von den Göttern nämlich wurde von ihm gesagt, er sei unverwundbar, o Fürst; und sein Tod wurde dir hier nicht ausführlich dargelegt.“

Wort für Wort
uktaḥ sa devatānām hi
gesagt wurde er, von den Göttern (Part.Pass./Gen.Pl.) ja
avadhyaḥ iti pārthiva
unerschlagbar, so, o Fürst (Nom.Sg.m./Vok.Sg.)
na ca tasya iha te
und nicht, sein, hier, dir (Gen.Sg./Adv./Dat.-Gen.Sg.)
mṛtyuḥ vistareṇa prakīrtitaḥ
Tod, ausführlich, dargelegt (Nom.Sg.m./Instr.Sg./Part.Pass.)

Der Text ist in der Konstruktion knapp; „von den Göttern“ könnte auch als Gen. der Zugehörigkeit gefasst werden.

etad icchāmy ahaṃ śrotuṃ tvattaḥ kurukulodvaha; kārtsnyena tārakavadhaṃ paraṃ kautūhalaṃ hi me

„Dies möchte ich von dir hören, o Spross des Kuru-Geschlechts: die Tötung Tārakas vollständig; denn meine Neugier ist sehr groß.“

Wort für Wort
etad icchāmi aham śrotum
dies wünsche ich, ich, zu hören (1.Sg.Präs./Inf.)
tvattaḥ kurukulodvaha
von dir, o Träger/Spross des Kuru-Geschlechts (Abl./Vok.Sg.)
kārtsnyena tārakavadham
vollständig, die Tötung Tārakas (Instr.Sg./Akk.Sg.)
param kautūhalam hi me
höchste Neugier ja mir (Nom.Sg.n./Gen.-Dat.Sg.)

bhīṣma uvāca; vipannakṛtyā rājendra devatā ṛṣayas tathā; kṛttikāś codayām āsur apatyabharaṇāya vai

Bhīṣma sprach: „Als ihr Vorhaben gescheitert war, o König der Könige, drängten die Götter und ebenso die Ṛṣis die Kṛttikās, die Leibesfrucht auszutragen [wörtl.: zum Unterhalt/Tragen der Nachkommenschaft].“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (3.Sg.Perf.)
vipannakṛtyā rājendra
deren Aufgabe misslungen war (Nom.Pl.f. Bahuvrīhi), o König der Könige
devatā ṛṣayaḥ tathā
die Götter, die Ṛṣis, ebenso (Nom.Pl.)
kṛttikāḥ codayām āsuḥ
die Kṛttikās (Akk.Pl.) drängten (Perf.Periphr.3.Pl.)
apatyabharaṇāya vai
zum Tragen/Unterhalt der Nachkommenschaft (Dat.Sg.) fürwahr

apatyabharaṇāya: hier im Sinne von Austragen/Nähren der Leibesfrucht; sinngemäß wiedergegeben.

na devatānāṃ kā cid dhi samarthā jātavedasaḥ; ekāpi śaktā taṃ garbhaṃ saṃdhārayitum ojasā

Denn keine von den Göttinnen war [dazu] fähig, den Agni [zu tragen]; auch nicht eine einzige vermochte jene Leibesfrucht mit [eigener] Kraft zu halten.

Wort für Wort
na devatānām kā cit hi
nicht, von den Göttern/Göttinnen, irgendeine, denn
samarthā jātavedasaḥ
fähig (Nom.Sg.f.), des Jātavedas (Gen.Sg.)
ekā api śaktā
eine einzige auch, imstande (Nom.Sg.f.)
tam garbham saṃdhārayitum
jene Leibesfrucht zu halten/tragen (Akk.Sg.m./Inf.)
ojasā
mit Kraft (Instr.Sg.n.)

Der Text ist stark verkürzt; „des Jātavedas“ ist von samarthā abhängig gedacht [?].

ṣaṇṇāṃ tāsāṃ tataḥ prītaḥ pāvako garbhadhāraṇāt; svena tejovisargeṇa vīryeṇa parameṇa ca

Darauf war Pāvaka (Agni) erfreut über jene sechs, weil sie die Leibesfrucht trugen, durch die Ausströmung seines eigenen Glanzes und durch höchste Manneskraft.

Wort für Wort
ṣaṇṇām tāsām tataḥ
von sechs, von diesen, darauf (Gen.Pl.f./Adv.)
prītaḥ pāvakaḥ
erfreut (Part.Pass. Nom.Sg.m.), Pāvaka (Nom.Sg.m.)
garbhadhāraṇāt
wegen des Tragens der Leibesfrucht (Abl.Sg.n.)
svena tejovisargeṇa
durch die eigene Ausströmung von Glanz (Instr.Sg.m.)
vīryeṇa parameṇa ca
und durch höchste Manneskraft (Instr.Sg.n.)

tās tu ṣaṭ kṛttikā garbhaṃ pupuṣur jātavedasaḥ; ṣaṭsu vartmasu tejo 'gneḥ sakalaṃ nihitaṃ prabho

Jene sechs Kṛttikās aber nährten die Leibesfrucht des Jātavedas; in den sechs Bahnen [Gebärmutterwegen] war der gesamte Glanz Agnis niedergelegt, o Herr.

Wort für Wort
tāḥ tu ṣaṭ kṛttikāḥ
diese aber, sechs, Kṛttikās (Nom.Pl.f.)
garbham pupuṣuḥ jātavedasaḥ
die Leibesfrucht nährten (3.Pl.Perf.) des Jātavedas (Gen.Sg.)
ṣaṭsu vartmasu
in sechs Bahnen/Wegen (Lok.Pl.n.)
tejaḥ agneḥ sakalam
Glanz, des Agni, gesamter (Nom.Sg.n./Gen.Sg./Nom.Sg.n.)
nihitam prabho
niedergelegt (Part.Pass.), o Herr (Vok.Sg.)

ṣaṭsu vartmasu: wohl die sechs Körper/Schoßräume der Kṛttikās; unsichere Deutung [?].

tatas tā vardhamānasya kumārasya mahātmanaḥ; tejasābhiparītāṅgyo na kva cic charma lebhire

Da fanden sie, deren Glieder vom Glanz des heranwachsenden, hochgesinnten Knaben ringsum erfüllt waren, nirgends Ruhe [Behagen].

Wort für Wort
tataḥ tāḥ vardhamānasya
darauf sie, des wachsenden (Gen.Sg.m.)
kumārasya mahātmanaḥ
des Knaben, des Hochgesinnten (Gen.Sg.)
tejasā abhiparītāṅgyaḥ
durch Glanz ringsum erfüllte Glieder habend (Instr.Sg./Nom.Pl.f.)
na kva cit śarma lebhire
nirgends Ruhe/Schutz fanden sie (3.Pl.Perf.Med.)

śarma: Wohlbehagen, Ruhe; auch „Schutz“ möglich.

tatas tejaḥparītāṅgyaḥ sarvāḥ kāla upasthite; samaṃ garbhaṃ suṣuvire kṛttikās tā nararṣabha

Darauf, als die Zeit gekommen war, gebaren alle jene Kṛttikās, deren Glieder von Glanz erfüllt waren, gleichzeitig die Leibesfrucht, o Stier unter den Männern.

Wort für Wort
tataḥ tejaḥparītāṅgyaḥ sarvāḥ
darauf, von Glanz erfüllte Glieder habend, alle (Nom.Pl.f.)
kāle upasthite
als die Zeit eingetreten war (Lok. abs.)
samam garbham suṣuvire
gleichzeitig die Leibesfrucht gebaren sie (3.Pl.Perf.Med.)
kṛttikāḥ tāḥ nararṣabha
die Kṛttikās, jene, o Stier unter den Männern (Vok.)

tatas taṃ ṣaḍadhiṣṭhānaṃ garbham ekatvam āgatam; pṛthivī pratijagrāha kāntīpurasamīpataḥ

Darauf nahm die Erde jene Leibesfrucht, die sechs Sitze hatte [und] zur Einheit geworden war, in der Nähe von Kāntīpura auf.

Wort für Wort
tataḥ tam ṣaḍadhiṣṭhānam
darauf jene, sechs Sitze habende (Akk.Sg.m.)
garbham ekatvam āgatam
Leibesfrucht, zur Einheit gelangte (Akk.Sg.)
pṛthivī pratijagrāha
die Erde nahm auf (3.Sg.Perf.)
kāntīpurasamīpataḥ
in der Nähe von Kāntīpura (Abl.-Adv.)

sa garbho divyasaṃsthāno dīptimān pāvakaprabhaḥ; divyaṃ śaravaṇaṃ prāpya vavṛdhe priyadarśanaḥ

Diese Leibesfrucht, von göttlicher Gestalt, leuchtend, dem Feuer gleich an Glanz, gelangte in das göttliche Röhricht [śaravaṇa] und wuchs dort heran, anmutig anzusehen.

Wort für Wort
sa garbhaḥ divyasaṃsthānaḥ
diese Leibesfrucht, von göttlicher Gestalt (Nom.Sg.m.)
dīptimān pāvakaprabhaḥ
leuchtend, feuergleich strahlend (Nom.Sg.m.)
divyam śaravaṇam prāpya
in das göttliche Röhricht gelangt (Akk.Sg.n./Abs.)
vavṛdhe priyadarśanaḥ
wuchs (3.Sg.Perf.Med.), lieblich anzusehen (Nom.Sg.m.)

dadṛśuḥ kṛttikās taṃ tu bālaṃ vahnisamadyutim; jātasnehāś ca sauhārdāt pupuṣuḥ stanyavisravaiḥ

Die Kṛttikās aber erblickten jenen Knaben, dem Feuer gleich an Glanz; von Zuneigung erfüllt nährten sie ihn aus Freundschaft mit dem Strömen ihrer Muttermilch.

Wort für Wort
dadṛśuḥ kṛttikāḥ tam tu bālam
erblickten (3.Pl.Perf.), die Kṛttikās, jenen aber, Knaben
vahnisamadyutim
dem Feuer an Glanz gleich (Akk.Sg.m.)
jātasnehāḥ ca sauhārdāt
und Zuneigung entstanden, aus Freundschaft (Nom.Pl.f./Abl.Sg.)
pupuṣuḥ stanyavisravaiḥ
nährten (3.Pl.Perf.) mit Strömen der Muttermilch (Instr.Pl.)

abhavat kārttikeyaḥ sa trailokye sacarācare; skannatvāt skandatāṃ cāpa guhāvāsād guho 'bhavat

Er wurde in den drei Welten samt dem Beweglichen und Unbeweglichen zu Kārttikeya; wegen des Herausgefallenseins [skanna] erhielt er die Bezeichnung Skanda, und wegen des Wohnens in der Höhle [guhā] wurde er Guha.

Wort für Wort
abhavat kārttikeyaḥ sa
wurde (Impf.3.Sg.) Kārttikeya, er
trailokye sacarācare
in den drei Welten samt Beweglichem und Unbeweglichem (Lok.Sg.n.)
skannatvāt skandatām ca āpa
wegen des Herausgefallenseins, Skanda-Stand, und erlangte (Abl.Sg./Akk.Sg./3.Sg.Perf.)
guhāvāsāt guhaḥ abhavat
wegen des Wohnens in der Höhle, Guha, wurde (Abl./Nom./Impf.)

Etymologische Deutungen der Namen; guhāvāsāt könnte auch auf das „Verborgene“ (guhā) zielen.

tato devās trayastriṃśad diśaś ca sadigīśvarāḥ; rudro dhātā ca viṣṇuś ca yajñaḥ pūṣāryamā bhagaḥ

Darauf kamen die dreiunddreißig Götter und die Himmelsrichtungen samt ihren Herren: Rudra, Dhātṛ, Viṣṇu, Yajña, Pūṣan, Aryaman, Bhaga,

Wort für Wort
tataḥ devāḥ trayastriṃśat
darauf die Götter, dreiunddreißig (Nom.Pl.)
diśaḥ ca sadigīśvarāḥ
und die Himmelsrichtungen samt Herren der Richtungen (Nom.Pl.)
rudraḥ dhātā ca viṣṇuḥ ca
Rudra, Dhātṛ und Viṣṇu (Nom.Sg.)
yajñaḥ pūṣā aryamā bhagaḥ
Yajña, Pūṣan, Aryaman, Bhaga (Nom.Sg.)

Das Verb ājagmuḥ steht erst in Vers 17.

aṃśo mitraś ca sādhyāś ca vasavo vāsavo 'śvinau; āpo vāyur nabhaś candro nakṣatrāṇi grahā raviḥ

Aṃśa, Mitra, die Sādhyas, die Vasus, Vāsava [Indra], die beiden Aśvins, die Wasser, der Wind, der Himmelsraum, der Mond, die Sternbilder, die Planeten, die Sonne,

Wort für Wort
aṃśaḥ mitraḥ ca sādhyāḥ ca
Aṃśa, Mitra und die Sādhyas (Nom.)
vasavaḥ vāsavaḥ aśvinau
die Vasus, Vāsava, die beiden Aśvins (Nom.)
āpaḥ vāyuḥ nabhaḥ
die Wasser, der Wind, der Himmelsraum (Nom.)
candraḥ nakṣatrāṇi grahāḥ raviḥ
der Mond, die Sternbilder, die Planeten, die Sonne (Nom.)

pṛthag bhūtāni cānyāni yāni devārpaṇāni vai; ājagmus tatra taṃ draṣṭuṃ kumāraṃ jvalanātmajam; ṛṣayas tuṣṭuvuś caiva gandharvāś ca jagus tathā

und auch die übrigen Wesen, die den Göttern zugeordnet sind, einzeln aufgezählt – sie kamen dorthin, um jenen Knaben, den Sohn des Feuers, zu sehen. Die Ṛṣis priesen [ihn], und ebenso sangen die Gandharvas.

Wort für Wort
pṛthak bhūtāni ca anyāni
einzeln, Wesen, und andere (Nom.Pl.n.)
yāni devārpaṇāni vai
die den Göttern zugehörig/geweiht sind (Nom.Pl.n.)
ājagmuḥ tatra tam draṣṭum
kamen (3.Pl.Perf.) dorthin, ihn zu sehen (Inf.)
kumāram jvalanātmajam
den Knaben, den Sohn des Feuers (Akk.Sg.m.)
ṛṣayaḥ tuṣṭuvuḥ ca eva
die Ṛṣis priesen (3.Pl.Perf.) und auch
gandharvāḥ ca jaguḥ tathā
und die Gandharvas sangen (3.Pl.Perf.) ebenso

devārpaṇāni: wörtlich „den Göttern dargebracht/anvertraut“; Bedeutung unsicher [?].

ṣaḍānanaṃ kumāraṃ taṃ dviṣaḍakṣaṃ dvijapriyam; pīnāṃsaṃ dvādaśabhujaṃ pāvakādityavarcasam

Jenen sechsgesichtigen Knaben, zwölfäugig, den Brahmanen lieb, mit kräftigen Schultern, zwölfarmig, an Glanz Feuer und Sonne gleich,

Wort für Wort
ṣaḍānanam kumāram tam
sechsgesichtigen Knaben, ihn (Akk.Sg.m.)
dviṣaḍakṣam dvijapriyam
zwölfäugig, den Zweimalgeborenen lieb (Akk.Sg.m.)
pīnāṃsam dvādaśabhujam
mit kräftigen Schultern, zwölfarmig (Akk.Sg.m.)
pāvakādityavarcasam
an Glanz Feuer und Sonne gleich (Akk.Sg.m.)

śayānaṃ śaragulmasthaṃ dṛṣṭvā devāḥ saharṣibhiḥ; lebhire paramaṃ harṣaṃ menire cāsuraṃ hatam

[ihn], im Schilfdickicht liegend, sahen die Götter samt den Ṛṣis; sie empfanden höchste Freude und hielten den Asura für erschlagen.

Wort für Wort
śayānam śaragulmasthaṃ
liegend, im Schilfgebüsch weilend (Akk.Sg.m.)
dṛṣṭvā devāḥ saharṣibhiḥ
gesehen habend, die Götter, samt den Ṛṣis (Abs./Nom.Pl./Instr.Pl.)
lebhire paramam harṣam
erlangten (3.Pl.Perf.Med.) höchste Freude (Akk.Sg.m.)
menire ca asuram hatam
und hielten (3.Pl.Perf.Med.) den Asura für erschlagen (Akk.Sg./Part.Pass.)

tato devāḥ priyāṇy asya sarva eva samācaran; krīḍataḥ krīḍanīyāni daduḥ pakṣigaṇāṃś ca ha

Darauf taten alle Götter ihm Liebes; dem Spielenden gaben sie Spielsachen und auch Scharen von Vögeln.

Wort für Wort
tataḥ devāḥ priyāṇi asya
darauf die Götter, Liebes, ihm (Nom.Pl./Akk.Pl.n./Gen.Sg.)
sarve eva samācaran
alle, gerade, taten (Impf.3.Pl.)
krīḍataḥ krīḍanīyāni
dem Spielenden (Dat.-Gen.Sg./Part.Präs.), Spielzeug (Akk.Pl.n.)
daduḥ pakṣigaṇān ca ha
gaben (3.Pl.Perf.), Vogelscharen (Akk.Pl.), und fürwahr

krīḍataḥ: als Dativ-Ersatz (Gen.) „für den Spielenden“ gefasst.

suparṇo 'sya dadau patraṃ mayūraṃ citrabarhiṇam; rākṣasāś ca dadus tasmai varāhamahiṣāv ubhau

Suparṇa (Garuḍa) gab ihm eine Feder [bzw. einen Vogel], den Pfau mit buntem Schweif; und die Rākṣasas gaben ihm beide, Eber und Büffel.

Wort für Wort
suparṇaḥ asya dadau
Suparṇa, ihm, gab (3.Sg.Perf.)
patram mayūram citrabarhiṇam
ein Gefieder/Flügel [?], den Pfau, den buntgeschweiften (Akk.Sg.)
rākṣasāḥ ca daduḥ tasmai
und die Rākṣasas gaben ihm (3.Pl.Perf./Dat.Sg.)
varāhamahiṣau ubhau
Eber und Büffel, beide (Akk.Du.)

patram: unsicher (Vogel/Feder/Flügel); der Pfau folgt als Apposition [?].

kukkuṭaṃ cāgnisaṃkāśaṃ pradadau varuṇaḥ svayam; candramāḥ pradadau meṣam ādityo rucirāṃ prabhām

Varuṇa selbst schenkte einen feuerfarbenen Hahn; der Mond schenkte einen Widder, die Sonne einen lieblichen Glanz.

Wort für Wort
kukkuṭam ca agnisaṃkāśam
und einen Hahn, feuergleich (Akk.Sg.m.)
pradadau varuṇaḥ svayam
schenkte (3.Sg.Perf.), Varuṇa, selbst
candramāḥ pradadau meṣam
der Mond schenkte einen Widder (Nom.Sg./Akk.Sg.)
ādityaḥ rucirām prabhām
die Sonne (Nom.Sg.) einen lieblichen Glanz (Akk.Sg.f.)

gavāṃ mātā ca gā devī dadau śatasahasraśaḥ; chāgam agnir guṇopetam ilā puṣpaphalaṃ bahu

Die Mutter der Kühe, die Göttin Gau, gab Hunderttausende von Kühen; Agni einen vorzüglichen Ziegenbock; Ilā vielfach Blüten und Früchte.

Wort für Wort
gavām mātā ca gā devī
und die Mutter der Kühe, die Göttin Gau (Nom.Sg.f.)
dadau śatasahasraśaḥ
gab (3.Sg.Perf.) zu Hunderttausenden
chāgam agniḥ guṇopetam
einen Ziegenbock (Akk.Sg.), Agni, mit guten Eigenschaften versehen
ilā puṣpaphalam bahu
Ilā (Nom.Sg.f.), Blüten und Früchte, viele (Akk.Sg.n.)

gā devī: hier als Name „Gau“ aufgefasst; auch „die Kuh-Göttin“ möglich.

sudhanvā śakaṭaṃ caiva rathaṃ cāmitakūbaram; varuṇo vāruṇān divyān bhujaṃgān pradadau śubhān; siṃhān surendro vyāghrāṃś ca dvīpino 'nyāṃś ca daṃṣṭriṇaḥ

Sudhanvan gab einen Karren und einen Wagen mit unermesslichen Schätzen; Varuṇa göttliche, herrliche Schlangen aus seinem Bereich; der Herr der Götter (Indra) Löwen, Tiger, Panther und andere Tiere mit Fangzähnen.

Wort für Wort
sudhanvā śakaṭam ca eva
Sudhanvan, einen Karren, und auch
ratham ca amitakūbaram
und einen Wagen mit unermesslicher Deichsel [?] (Akk.Sg.m.)
varuṇaḥ vāruṇān divyān
Varuṇa (Nom.), zu Varuṇa gehörige, göttliche (Akk.Pl.m.)
bhujaṃgān pradadau śubhān
Schlangen (Akk.Pl.), schenkte, glückverheißende (Akk.Pl.)
siṃhān surendraḥ vyāghrān ca
Löwen, der Götterherr, Tiger und (Akk.Pl./Nom.Sg.)
dvīpinaḥ anyān ca daṃṣṭriṇaḥ
Panther, andere und Zahntiere (Akk.Pl.)

amitakūbaram: kūbara = Deichsel/Wagenteil; „unermessliche Deichsel“ unsicher [?]. Ergänzung von „gab“ bei Indra ist sinngemäß.

śvāpadāṃś ca bahūn ghorāṃś chatrāṇi vividhāni ca; rākṣasāsurasaṃghāś ca ye 'nujagmus tam īśvaram

Auch viele schreckliche Raubtiere und mancherlei Schirme; und die Scharen von Rākṣasas und Asuras, die jenem Herrn folgten [gaben ihm dies].

Wort für Wort
śvāpadān ca bahūn ghorān
und Raubtiere, viele, schreckliche (Akk.Pl.)
chatrāṇi vividhāni ca
Schirme, verschiedene, und (Akk.Pl.n.)
rākṣasāsurasaṃghāḥ ca
und die Scharen von Rākṣasas und Asuras (Nom.Pl.)
ye anujagmuḥ tam īśvaram
die folgten (3.Pl.Perf.) jenem Herrn (Akk.Sg.)

tasmai pradadur agryāṇi vāhanāni dhanāni ca

Sie gaben ihm vorzügliche Reittiere und Reichtümer.

Wort für Wort
tasmai pradaduḥ
ihm gaben sie (Dat.Sg./3.Pl.Perf.)
agryāṇi vāhanāni
vorzügliche Reittiere (Akk.Pl.n.)
dhanāni ca
und Reichtümer (Akk.Pl.n.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers der kritischen Ausgabe (Sternchenpassage).

vardhamānaṃ tu taṃ dṛṣṭvā prārthayām āsa tārakaḥ; upāyair bahubhir hantuṃ nāśakac cāpi taṃ vibhum

Als Tāraka ihn heranwachsen sah, trachtete er, [ihn] mit vielen Mitteln zu töten; doch vermochte er den Mächtigen nicht zu bezwingen.

Wort für Wort
vardhamānam tu tam dṛṣṭvā
wachsend aber, ihn, gesehen habend (Akk.Sg./Abs.)
prārthayām āsa tārakaḥ
trachtete (Perf.Periphr.), Tāraka
upāyaiḥ bahubhiḥ hantum
mit Mitteln, vielen, zu töten (Instr.Pl./Inf.)
na aśakat ca api tam vibhum
und nicht vermochte er (Aor.3.Sg.), auch, den Mächtigen (Akk.Sg.)

senāpatyena taṃ devāḥ pūjayitvā guhālayam; śaśaṃsur viprakāraṃ taṃ tasmai tārakakāritam

Die Götter ehrten ihn, den Höhlenbewohner, mit dem Oberbefehl und berichteten ihm von dem Unrecht, das Tāraka [ihnen] zugefügt hatte.

Wort für Wort
senāpatyena tam devāḥ
mit dem Feldherrnamt, ihn, die Götter (Instr.Sg./Akk.Sg./Nom.Pl.)
pūjayitvā guhālayam
geehrt habend, den Höhlenbewohner (Abs./Akk.Sg.m.)
śaśaṃsuḥ viprakāram tam
berichteten (3.Pl.Perf.) das Unrecht, jenes (Akk.Sg.m.)
tasmai tārakakāritam
ihm (Dat.Sg.), von Tāraka verübt (Akk.Sg.m.)

sa vivṛddho mahāvīryo devasenāpatiḥ prabhuḥ; jaghānāmoghayā śaktyā dānavaṃ tārakaṃ guhaḥ

Der herangewachsene, überaus mächtige Guha, der Herr, Feldherr der Götter, erschlug mit dem unfehlbaren Speer den Dānava Tāraka.

Wort für Wort
sa vivṛddhaḥ mahāvīryaḥ
er, herangewachsen, von großer Manneskraft (Nom.Sg.m.)
devasenāpatiḥ prabhuḥ
Feldherr der Götter, der Herr (Nom.Sg.m.)
jaghāna amoghayā śaktyā
erschlug (3.Sg.Perf.) mit unfehlbarer Lanze (Instr.Sg.f.)
dānavam tārakam guhaḥ
den Dānava Tāraka (Akk.Sg.), Guha (Nom.Sg.)

tena tasmin kumāreṇa krīḍatā nihate 'sure; surendraḥ sthāpito rājye devānāṃ punar īśvaraḥ

Als der Asura von jenem spielenden Knaben erschlagen war, wurde der Herr der Götter (Indra) wieder als Herrscher in die Herrschaft der Götter eingesetzt.

Wort für Wort
tena tasmin kumāreṇa krīḍatā
von jenem, dort, vom Knaben, spielend (Instr.Sg.)
nihate asure
als der Asura erschlagen war (Lok. abs.)
surendraḥ sthāpitaḥ rājye
der Götterherr wurde eingesetzt in die Herrschaft (Nom./Part.Pass./Lok.Sg.)
devānām punaḥ īśvaraḥ
der Götter, wieder, als Herr (Gen.Pl./Adv./Nom.Sg.)

sa senāpatir evātha babhau skandaḥ pratāpavān; īśo goptā ca devānāṃ priyakṛc chaṃkarasya ca

Da glänzte jener Feldherr Skanda, der glanzvolle, als Herr und Beschützer der Götter und als Erfreuer Śaṃkaras.

Wort für Wort
sa senāpatiḥ eva atha
er, Feldherr, eben, nun (Nom.Sg.m.)
babhau skandaḥ pratāpavān
glänzte (3.Sg.Perf.), Skanda, glanzvoll (Nom.Sg.m.)
īśaḥ goptā ca devānām
Herr und Beschützer der Götter (Nom.Sg./Gen.Pl.)
priyakṛt śaṃkarasya ca
und Liebes tuend für Śaṃkara (Nom.Sg.m./Gen.Sg.)

hiraṇyamūrtir bhagavān eṣa eva ca pāvakiḥ; sadā kumāro devānāṃ senāpatyam avāptavān

Der Erhabene mit goldener Gestalt, eben dieser Sohn Pāvakas, hat immer als Knabe den Oberbefehl über die Götter erlangt.

Wort für Wort
hiraṇyamūrtiḥ bhagavān
goldgestaltig, der Erhabene (Nom.Sg.m.)
eṣaḥ eva ca pāvakiḥ
dieser eben und Pāvakas Sohn (Nom.Sg.m.)
sadā kumāraḥ devānām
immer, als Knabe, der Götter (Adv./Nom.Sg./Gen.Pl.)
senāpatyam avāptavān
Feldherrnamt erlangt habend (Akk.Sg.n./Part.Perf.Akt.)

sadā kumāraḥ: „immer Knabe“ (ewiger Jüngling) ist ebenfalls möglich.

tasmāt suvarṇaṃ maṅgalyaṃ ratnam akṣayyam uttamam; sahajaṃ kārttikeyasya vahnes tejaḥ paraṃ matam

Deshalb gilt Gold als glückbringend, als unvergängliches, bestes Kleinod, als angeborener Glanz Kārttikeyas, als höchster Glanz des Feuers.

Wort für Wort
tasmāt suvarṇam maṅgalyam
deshalb, Gold, glückbringend (Nom.Sg.n.)
ratnam akṣayyam uttamam
Kleinod, unvergänglich, das beste (Nom.Sg.n.)
sahajam kārttikeyasya
angeboren, dem Kārttikeya (Nom.Sg.n./Gen.Sg.)
vahneḥ tejaḥ param matam
des Feuers Glanz, höchster, gilt (Gen.Sg./Nom.Sg.n./Part.Pass.)

evaṃ rāmāya kauravya vasiṣṭho 'kathayat purā; tasmāt suvarṇadānāya prayatasva narādhipa

So hat Vasiṣṭha es einst dem Rāma erzählt, o Nachkomme Kurus; darum bemühe dich um das Schenken von Gold, o Herrscher der Menschen.

Wort für Wort
evam rāmāya kauravya
so, dem Rāma, o Kaurava (Dat.Sg./Vok.Sg.)
vasiṣṭhaḥ akathayat purā
Vasiṣṭha erzählte (Impf.3.Sg.) einst
tasmāt suvarṇadānāya
darum, zum Goldschenken (Dat.Sg.n.)
prayatasva narādhipa
bemühe dich (Imper.2.Sg.Med.), o Herrscher der Menschen (Vok.)

rāmaḥ suvarṇaṃ dattvā hi vimuktaḥ sarvakilbiṣaiḥ; triviṣṭape mahat sthānam avāpāsulabhaṃ naraiḥ

Rāma, der Gold geschenkt hatte, wurde von allen Sünden befreit und erlangte im Himmel [triviṣṭapa] eine große Stätte, die für Menschen schwer erreichbar ist.

Wort für Wort
rāmaḥ suvarṇam dattvā hi
Rāma, Gold, geschenkt habend, ja (Abs.)
vimuktaḥ sarvakilbiṣaiḥ
befreit von allen Verfehlungen (Part.Pass./Instr.Pl.)
triviṣṭape mahat sthānam
im Himmel, große Stätte (Lok.Sg./Akk.Sg.n.)
avāpa asulabham naraiḥ
erlangte (3.Sg.Perf.), schwer erreichbar, von Menschen (Nom./Instr.Pl.)

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