Kapitel 48: varṇasaṃkarajātinirūpaṇam
Die aus Ständemischung entstehenden Gruppen und die Erkennung unreiner Herkunft
Auf Yudhiṣṭhiras Frage nach den Folgen der Ständemischung zählt Bhīṣma Mischgruppen und ihre Berufe auf; im Kapitelverlauf folgt die Frage, wie sich unreine Herkunft am Verhalten zeigt. Die Namen der Mischgruppen sind vielfach nur mit Vorbehalt zu deuten.
Yudhiṣṭhira sprach: „Aus Begehren nach Besitz oder aus Lust, aus Unsicherheit über die Stände oder auch aus Unwissenheit über die Stände entsteht Ständemischung.“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
arthāśrayād vā kāmād vā
aus Streben nach Besitz oder aus Begehren (Abl.)
varṇānāṃ vāpy aniścayāt
oder auch aus Unsicherheit über die Stände (Gen.Pl./Abl.)
ajñānād vāpi varṇānāṃ
oder auch aus Unwissenheit über die Stände (Abl./Gen.Pl.)
„Vier Ehefrauen hat ein Brahmane; bei zweien [von ihnen] wird [ein Sohn] als sein eigenes Selbst geboren. Bei den zwei [übrigen] geringeren werden der Reihe nach [Söhne] geboren, die zur Kaste der Mutter gehören.“
Wort für Wort
bhāryāś catasro viprasya
vier Ehefrauen des Brahmanen (Nom.Pl.f./Gen.Sg.)
dvayor ātmāsya jāyate
bei zweien wird sein eigenes Selbst geboren (Lok.Du./3.Sg.Med.)
ānupūrvyād dvayor hīnau
der Reihe nach bei den zwei Geringeren (Abl./Lok.Du.)
mātṛjātyau prasūyataḥ
zur Kaste der Mutter gehörig werden [beide] geboren (Nom.Du./3.Du.Pass.)
Wörtlich ist im zweiten Halbvers nur von den beiden Geringeren die Rede; die Söhne sind aus dem Zusammenhang ergänzt.
paraṃ śavād brāhmaṇasyaiṣa putraḥ; śūdrāputraṃ pāraśavaṃ tam āhuḥ; śuśrūṣakaḥ svasya kulasya sa syāt; svaṃ cāritraṃ nityam atho na jahyāt
„Besser als ein Leichnam ist dieser Sohn eines Brahmanen; den Sohn einer Śūdra-Frau nennen sie Pāraśava. Dienstbeflissen soll er seiner eigenen Familie sein und sein [ihm gemäßes] Verhalten stets nicht aufgeben.“
Wort für Wort
paraṃ śavād brāhmaṇasyaiṣa putraḥ
besser als ein Leichnam: dieser Sohn des Brahmanen (Abl./Gen./Nom.)
śūdrāputraṃ pāraśavaṃ tam āhuḥ
den Śūdra-Frau-Sohn, Pāraśava, den nennen sie (Akk./Perf.3.Pl.)
śuśrūṣakaḥ svasya kulasya sa syāt
dienstbereit gegenüber seiner Familie soll er sein (Nom./Gen./Opt.)
svaṃ cāritraṃ nityam
sein eigenes Verhalten stets (Akk./Adv.)
atho na jahyāt
und nicht aufgeben soll er (Opt.3.Sg.)
Wortspiel: pāraśava ~ paraṃ śavāt („besser als ein Leichnam“).
sarvān upāyān api saṃpradhārya; samuddharet svasya kulasya tantum; jyeṣṭho yavīyān api yo dvijasya; śuśrūṣavān dānaparāyaṇaḥ syāt
„Nachdem er alle Mittel erwogen hat, soll er den Faden seiner Familie [wieder] hochziehen; ob er der ältere oder auch der jüngere Sohn des Zweimalgeborenen ist, dienstbereit und der Freigebigkeit ergeben soll er sein.“
Wort für Wort
sarvān upāyān api saṃpradhārya
alle Mittel erwägend (Akk.Pl./Abs.)
samuddharet svasya kulasya tantum
er soll herausziehen den Faden seiner Familie (Opt./Gen./Akk.)
jyeṣṭho yavīyān api yo dvijasya
der ältere oder auch jüngere des Zweimalgeborenen (Nom./Nom./Gen.)
śuśrūṣavān dānaparāyaṇaḥ syāt
dienstwillig, der Freigebigkeit ergeben soll er sein (Nom./Opt.)
„Drei [Frauen] gibt es aus der Verbindung mit Kṣatriyas; bei zweien wird [ein Sohn] als sein eigenes Selbst geboren. Der von der dritten [Frau] stammende, von niedrigerem Stand, ein Śūdra, wird als Ugra überliefert.“
Wort für Wort
tisraḥ kṣatriyasaṃbandhād
drei [Frauen] aus Kṣatriya-Verbindung (Nom.Pl.f./Abl.)
dvayor ātmāsya jāyate
bei zweien wird sein Selbst geboren (Lok.Du./3.Sg.Med.)
hīnavarṇas tṛtīyāyāṃ
von niedrigem Stand, bei der dritten (Bahuvrīhi Nom./Lok.f.)
śūdra ugra iti smṛtaḥ
der Śūdra [heißt] Ugra, so wird er überliefert (Nom./Part.Pass.)
Die Konstruktion von tisraḥ und tṛtīyāyām ist knapp; Sinn aus dem Zusammenhang.
dve cāpi bhārye vaiśyasya dvayor ātmāsya jāyate; śūdrā śūdrasya cāpy ekā śūdram eva prajāyate
„Auch zwei Ehefrauen hat ein Vaiśya; bei zweien wird [ein Sohn] als sein eigenes Selbst geboren. Die Śūdra-Frau ist die einzige [Frau] eines Śūdra; ein Śūdra wird nur einen Śūdra zeugen.“
Wort für Wort
dve cāpi bhārye vaiśyasya
auch zwei Ehefrauen des Vaiśya (Nom.Du.f./Gen.)
dvayor ātmāsya jāyate
bei zweien wird sein Selbst geboren (Lok.Du./3.Sg.Med.)
śūdrā śūdrasya cāpy ekā
die Śūdra-Frau auch eine einzige des Śūdra (Nom.f./Gen.)
śūdram eva prajāyate
nur einen Śūdra wird er zeugen bzw. wird geboren (Akk./3.Sg.Med.)
ato viśiṣṭas tv adhamo gurudārapradharṣakaḥ; bāhyaṃ varṇaṃ janayati cāturvarṇyavigarhitam
„Hiervon [noch] abweichend: der Niedrigste, der Schänder der Frau des Lehrers, bringt einen Ausgestoßenen-Stand hervor, der von den vier Ständen verachtet wird.“
Wort für Wort
ato viśiṣṭas tv adhamo
von hier an, aber der Ausgezeichnete/Niedrigste (Adv./Nom./Nom.)
gurudārapradharṣakaḥ
Schänder der Frau des Lehrers (Nom.)
bāhyaṃ varṇaṃ janayati
einen äußeren Stand zeugt er (Akk./3.Sg.)
cāturvarṇyavigarhitam
von der Vierständeordnung verachtet (Akk.)
Der erste Halbvers ist syntaktisch schwierig (viśiṣṭas … adhamaḥ); Wiedergabe unsicher [?].
„Ein Kṣatriya [zeugt bei einer Brahmanin] den zum Opfer Unwürdigen, den Vrātya, und den Sūta, der auf die Stoma-Riten aus ist; ein Vaiśya den Vaidehaka und ebenso den Maudgalya, den Ausgeschlossenen.“
Wort für Wort
ayājyaṃ kṣatriyo vrātyaṃ
den zum Opfer Unwürdigen, ein Kṣatriya, den Vrātya (Akk./Nom./Akk.)
sūtaṃ stomakriyāparam
den Sūta, den auf Lobgesangs-Riten Bedachten (Akk./Akk.)
vaiśyo vaidehakaṃ cāpi
der Vaiśya den Vaidehaka und auch (Nom./Akk.)
maudgalyam apavarjitam
den Maudgalya, den Ausgeschlossenen (Akk./Part.Pass.)
Das Verb (saṃprajāyante) steht erst in Vers 11; die Ergänzung „bei einer Brahmanin“ folgt aus 11ab.
„Ein Śūdra [zeugt] den Caṇḍāla, den überaus Wilden, den Henker, den außerhalb Wohnenden. Bei einer Brahmanin werden diese geboren; so sind diese die Verunreiniger der Familie. Diese sind, Bester unter den Verständigen, Herr, aus Ständemischung geboren.“
Wort für Wort
śūdraś caṇḍālam atyugraṃ
ein Śūdra den Caṇḍāla, den sehr Wilden (Nom./Akk.)
vadhyaghnaṃ bāhyavāsinam
den Henker, den außen Wohnenden (Akk./Akk.)
brāhmaṇyāṃ saṃprajāyanta
bei einer Brahmanin werden sie geboren (Lok.f./3.Pl.Med.)
ity ete kulapāṃsanāḥ
so sind diese Familienschänder (Nom.Pl.)
ete matimatāṃ śreṣṭha
diese, Bester der Verständigen (Nom.Pl./Vok./Gen.Pl.)
„Der Bandin wird von einem Vaiśya geboren, der Māgadha, der von [Lob-]Rede lebt; von einem Śūdra der Niṣāda, der Fischtöter – [jeweils] bei einer Kṣatriya-Frau infolge der Übertretung.“
Wort für Wort
bandī tu jāyate vaiśyān
der Bandin wird geboren von einem Vaiśya (Nom./3.Sg.Med./Abl.)
māgadho vākyajīvanaḥ
der Māgadha, von Rede lebend (Nom./Nom.)
śūdrān niṣādo matsyaghnaḥ
von einem Śūdra der Niṣāda, der Fischtöter (Abl./Nom./Nom.)
kṣatriyāyāṃ vyatikramāt
bei einer Kṣatriya-Frau, aus Übertretung (Lok.f./Abl.)
śūdrād āyogavaś cāpi vaiśyāyāṃ grāmadharmiṇaḥ; brāhmaṇair apratigrāhyas takṣā sa vanajīvanaḥ
„Von einem Śūdra [wird] auch der Āyogava bei einer Vaiśya-Frau [geboren], der dem Gesetz der Dörfler folgt; von Brahmanen nicht annehmbar [Gaben], der Zimmermann, der im Wald lebt.“
Wort für Wort
śūdrād āyogavaś cāpi
von einem Śūdra auch der Āyogava (Abl./Nom.)
vaiśyāyāṃ grāmadharmiṇaḥ
bei einer Vaiśya-Frau, dem Dorfgesetz folgend (Lok.f./Nom.)
brāhmaṇair apratigrāhyas
von Brahmanen nicht als Geschenknehmer/Gabenempfänger anzuerkennen (Instr.Pl./Nom.)
takṣā sa vanajīvanaḥ
er [ist] Zimmermann, vom Wald lebend (Nom./Nom.)
apratigrāhya: entweder „von dem man keine Gaben annehmen darf“ oder „der keine Gaben annehmen darf“; hier nach dem Zusammenhang wiedergegeben [?].
„Auch diese zeugen bei Frauen ihrer eigenen Herkunft einen gleichen Stand; bei [Frauen] von niedrigerer Herkunft werden [Söhne] von der Kaste der Mutter geboren, [und zwar] die Besseren [bei den Geringeren].“
Wort für Wort
ete 'pi sadṛśaṃ varṇaṃ
auch diese einen gleichen Stand (Nom.Pl./Akk.)
janayanti svayoniṣu
zeugen sie bei eigenen Schößen (3.Pl./Lok.Pl.)
mātṛjātyāṃ prasūyante
werden in der Kaste der Mutter geboren (Lok./3.Pl.Pass.)
pravarā hīnayoniṣu
die Vorzüglichen bei Frauen niedriger Herkunft (Nom.Pl./Lok.Pl.)
Der zweite Halbvers ist knapp und syntaktisch nicht ganz eindeutig [?].
„Wie ein Śūdra bei einer Brahmanin ein äußeres Wesen zeugt, so wird ein Äußerer von einem noch Äußereren [wieder] ein von der Vierständeordnung [Ausgeschlossener] geboren.“
Wort für Wort
yathā ca śūdro brāhmaṇyāṃ
und wie ein Śūdra bei einer Brahmanin (Nom./Lok.f.)
jantuṃ bāhyaṃ prasūyate
ein äußeres Wesen wird geboren bzw. erzeugt (Akk./3.Sg.Pass.)
evaṃ bāhyatarād bāhyaḥ
so von einem noch Äußereren ein Äußerer (Abl./Nom.)
cāturvarṇyāt prasūyate
außerhalb der Vierständeordnung wird er geboren (Abl./3.Sg.Pass.)
prasūyate (Passiv/Med.) steht hier auch für das Zeugen; cāturvarṇyāt ist grammatisch knapp (etwa „im Verhältnis zu den vier Ständen“) [?].
pratilomaṃ tu vartanto bāhyād bāhyataraṃ punaḥ; hīnā hīnāt prasūyante varṇāḥ pañcadaśaiva te
„Im Gegenlauf [zur Rangordnung] aber verkehrend, [entstehen] aus Äußeren wieder noch Äußerere; Geringere werden von Geringeren geboren – es sind eben fünfzehn Stände.“
Wort für Wort
pratilomaṃ tu vartanto
gegen die Ordnung aber verkehrend (Adv./Part.Nom.Pl.)
bāhyād bāhyataraṃ punaḥ
von einem Äußeren einen noch Äußeren wieder (Abl./Akk./Adv.)
hīnā hīnāt prasūyante
Geringere von Geringeren werden geboren (Nom.Pl./Abl./3.Pl.Pass.)
varṇāḥ pañcadaśaiva te
Stände, fünfzehn nur, diese (Nom.Pl./Zahl/Nom.Pl.)
„Auch durch Verkehr mit Unerlaubten besteht Ständemischung fort. Bei den Vrātyas und bei den Māgadhas werden hier Sairandhrās geboren: kundig in Schmückung und Bedienung, nicht Sklave, [doch] von Sklavendienst lebend.“
Wort für Wort
agamyāgamanāc caiva
und durch Umgang mit Unerlaubten (Abl.)
vartate varṇasaṃkaraḥ
besteht die Ständemischung (3.Sg.Med./Nom.)
vrātyānām atra jāyante
bei den Vrātyas werden hier geboren (Gen.Pl./Adv./3.Pl.Med.)
sairandhrā māgadheṣu ca
Sairandhrās, und bei Māgadhas (Nom.Pl./Lok.Pl.)
prasādhanopacārajñam
kundig in Schmuck und Dienstleistung (Akk.Sg.m.)
adāsaṃ dāsajīvanam
einen Nicht-Sklaven, vom Sklavendienst lebend (Akk./Akk.)
Der Halbvers 19cd ist Attribut zu dem Sairandhra-Typ; der Wechsel Plural/Singular ist im Text so.
ataś cāyogavaṃ sūte vāgurāvanajīvanam; maireyakaṃ ca vaidehaḥ saṃprasūte 'tha mādhukam
„Von hier an zeugt die Sūta-Frau einen Āyogava, der von Fischfang oder Waldarbeit lebt [?]; und die Vaidehā-Frau gebiert den Maireyaka und dann den Mādhuka.“
Wort für Wort
ataś cāyogavaṃ sūte
und danach einen Āyogava gebiert sie (Adv./Akk./3.Sg.)
vāgurāvanajīvanam
von Netz [und] Wald lebend (Akk.)
maireyakaṃ ca vaidehaḥ
und den Maireyaka, der Vaideha (Akk./Nom.)
saṃprasūte 'tha mādhukam
zeugt/gebiert, und dann den Mādhuka (3.Sg.Med./Adv./Akk.)
Im Text steht vaidehaḥ (Mann); sūte und saṃprasūte werden im Ausgang gleich gebraucht. vāgurāvanajīvanam wohl „von Netz/Jagdnetz und Wald lebend“ [?].
„Die Māgadhī-Frau gebiert vier [Arten], von Grausamen [gezeugt]: [einen] von Zauberei Lebenden, den Koch, der Fleisch schmackhaft macht, genannt Saugandha [usw.].“
Wort für Wort
caturo māgadhī sūte
vier gebiert die Māgadhī (Akk.Pl./Nom.f./3.Sg.)
krūrān māyopajīvinaḥ
von Grausamen, von Zauberei Lebende (Abl./Akk.Pl.)
māṃsasvādukaraṃ sūdaṃ
den Koch, der Fleisch schmackhaft macht (Akk.)
saugandham iti saṃjñitam
Saugandha, so benannt (Akk./Part.)
Die Aufzählung der vier ist in der Vulgata auf andere Weise gegliedert; hier nur zwei Arten ausdrücklich [?].
niṣādī cāpi caṇḍālāt putram antāvasāyinam; śmaśānagocaraṃ sūte bāhyair api bahiṣkṛtam
Und auch eine Niṣādī-Frau gebiert von einem Caṇḍāla einen Sohn, den Antāvasāyin, der sich auf den Leichenfeldern aufhält und selbst von den Außenstehenden [den Ausgestoßenen] ausgestoßen ist.
Wort für Wort
niṣādī ca api caṇḍālāt
und auch eine Niṣādī-Frau von einem Caṇḍāla (Nom.Sg.f./Abl.Sg.)
putram antāvasāyinam
einen Sohn, den Antāvasāyin (Akk.Sg.)
śmaśānagocaraṃ sūte
der auf dem Leichenfeld verkehrt, gebiert sie (Akk.Sg. Kompositum/3.Sg.Präs.)
bāhyair api bahiṣkṛtam
selbst von Außenstehenden ausgestoßen (Instr.Pl./Part.Perf.Pass. Akk.Sg.)
So sind dies die Mischgeburten, durch Übertretung [der Ordnung] von Vater und Mutter entstanden; ob verborgen oder offen, sind sie an ihren Tätigkeiten zu erkennen.
Wort für Wort
ity etāḥ saṃkare jātyaḥ
so diese Geburtsklassen in der Vermischung (Nom.Pl.f./Lok.Sg.)
pitṛmātṛvyatikramāt
durch die Übertretung von Vater und Mutter (Abl.Sg., Kompositum)
pracchannā vā prakāśā vā
verborgen oder offen (Nom.Pl.f.)
veditavyāḥ svakarmabhiḥ
sind zu erkennen an ihren eigenen Taten (Gerundiv Nom.Pl.f./Instr.Pl.)
Nur für die vier Stände gibt es Dharma, für keinen anderen; unter den Ständen gibt es hier für keinen, der des Dharma entbehrt, eine [Stands-]Bezeichnung.
Wort für Wort
caturṇām eva varṇānāṃ dharmaḥ
nur der vier Stände Dharma (Gen.Pl./Nom.Sg.)
na anyasya vidyate
nicht eines anderen ist vorhanden (Gen.Sg./3.Sg.Pass.)
varṇānāṃ dharmahīneṣu
unter den Ständen bei den des Dharma Entbehrenden (Gen.Pl./Lok.Pl.)
saṃjñā na asti iha kasya cit
eine Bezeichnung gibt es nicht hier für irgendwen (Nom.Sg.f./3.Sg.Präs./Gen.Sg.)
yadṛcchayopasaṃpannair yajñasādhubahiṣkṛtaiḥ; bāhyā bāhyais tu jāyante yathāvṛtti yathāśrayam
Von solchen, die zufällig [nach Belieben] zusammengekommen und von Opfer und Guten ausgeschlossen sind, werden Außenstehende geboren, und zwar Außenstehende von Außenstehenden, je nach Lebensunterhalt und je nach Zuflucht.
Wort für Wort
yadṛcchayā upasaṃpannaiḥ
durch Zufall, nach Belieben zusammengekommen (Instr.Sg./Part.Perf.Pass. Instr.Pl.)
yajñasādhubahiṣkṛtaiḥ
von Opfer und Guten ausgeschlossen (Instr.Pl., Kompositum)
bāhyā bāhyais tu jāyante
Außenstehende aber von Außenstehenden werden geboren (Nom.Pl./Instr.Pl./3.Pl.Pass.)
yathāvṛtti yathāśrayam
gemäß Lebensunterhalt, gemäß Zuflucht (Adv.)
yadṛcchayā upasaṃpannaiḥ ist knapp; sinngemäß gemeint ist wohl die ungeregelte Verbindung solcher Ausgestoßener untereinander.
Kreuzwege, Leichenfelder, Berge und andere Bäume [nehmen sie zum Aufenthalt] ...
Wort für Wort
catuṣpathaśmaśānāni
Kreuzwege und Leichenfelder (Akk.Pl.n., Kompositum)
śailāṃś ca anyān
und Berge, andere (Akk.Pl.m./Akk.Pl.m.)
vanaspatīn
Bäume (Akk.Pl.m.)
Der Satz setzt sich über die Zusatzverse fort (33 bis 35) und schließt mit „und sie gebrauchen Schmuck und Geräte“. Das Prädikat zu den Objekten hier fehlt in der Zeile; die Ergänzung ist erschlossen.
Unter den [Geburtsklassen], wie sie nach Vorschrift aufgezählt sind, soll ein einsichtiger Mann nach Überlegung Nachkommen zeugen; denn ein Sohn niedriger Herkunft würde versinken, wie ein Stein, der das Wasser durchqueren will.
Wort für Wort
yathopadeśaṃ parikīrtitāsu
nach Anweisung, in den aufgezählten (Adv./Part.Perf.Pass. Lok.Pl.f.)
naraḥ prajāyeta vicārya buddhimān
ein Mann soll zeugen [?], nach Überlegung, einsichtig (Nom.Sg./3.Sg.Opt.Med./Gerundium/Nom.Sg.)
vihīnayonir hi suto
denn der Sohn niedriger Herkunft (Nom.Sg.)
avasādayet
würde versinken (3.Sg.Opt.)
titīrṣamāṇaṃ salile yathā upalam
wie ein Stein, der im Wasser hinüberkommen will (Part.Desid. Akk.Sg.m./Lok.Sg./Akk.Sg.)
prajāyeta ist mehrdeutig (zeugen bzw. geboren werden); gewählt wurde die Lesart „Nachkommen zeugen“, die zum Sinn des Kapitels (Warnung vor Ehen mit Frauen niederer Herkunft) passt.
Yudhiṣṭhira sprach: „Wie können wir, König, einen Mann erkennen, der von der Ständeordnung abgewichen, unbekannt und von befleckter Herkunft ist, der einem Ārya gleicht, aber ein Nicht-Ārya ist?“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (3.Sg.Perf.)
varṇāpetam avijñātaṃ naram
einen vom Stand abgewichenen, unbekannten Mann (Akk.Sg.)
kaluṣayonijam
aus befleckter Herkunft geboren (Akk.Sg.m.)
āryarūpam iva anāryam
einem Ārya an Gestalt gleichend, einen Nicht-Ārya (Akk.Sg.m.)
kathaṃ vidyāmahe nṛpa
wie können wir erkennen, König (1.Pl.Opt.Med./Vok.Sg.)
Bhīṣma sprach: „Bei einem, der in einer durch Vermischung befleckten Herkunft geboren und mit mancherlei Verhalten ausgestattet ist, ist die Reinheit der Herkunft an den Taten zu erkennen, die von den Guten geübt werden.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (3.Sg.Perf.)
yonisaṃkaluṣe jātaṃ
in einer durch Vermischung befleckten Herkunft Geborenen (Lok.Sg./Part.Perf.Pass. Akk.Sg.n.)
nānācārasamāhitam
mit mancherlei Verhalten versehen (Akk.Sg.n.)
karmabhiḥ sajjanācīrṇair
durch von Guten geübte Taten (Instr.Pl.n.)
vijñeyā yoniśuddhatā
ist zu erkennen die Reinheit der Herkunft (Gerundiv Nom.Sg.f./Nom.Sg.f.)
Wie einer den Eltern an Gestalt ähnlich geboren wird, so hält [bewahrt] der Mensch seine Herkunft, wie der Tiger mit seinen Streifen.
Wort für Wort
yathā eva sadṛśo rūpe
wie einer ähnlich an Gestalt (Nom.Sg.m./Lok.Sg.)
mātāpitror hi jāyate
den Eltern, denn wird geboren (Gen.Du./3.Sg.Pass.)
vyāghraś citrais tathā
der Tiger mit bunten Streifen, so (Nom.Sg./Instr.Pl.)
yoniṃ puruṣaḥ svāṃ niyacchati
seine Herkunft der Mensch bewahrt [?] (Akk.Sg.f./Nom.Sg./3.Sg.Präs.)
Der Vergleich (Tiger, citrais) ist knapp; die Wiedergabe von niyacchati als „bewahrt“ [?] ist erschlossen (vgl. Vers 44, wo es „im Zaum halten“ heißt).
kulasrotasi saṃchanne yasya syād yonisaṃkaraḥ; saṃśrayaty eva tacchīlaṃ naro 'lpam api vā bahu
Wenn der Strom der Familie verhüllt ist und bei jemandem Vermischung der Herkunft besteht, so nimmt dieser Mann doch jenes Wesen an, ob wenig oder viel.
Wort für Wort
kulasrotasi saṃchanne
wenn der Familienstrom verdeckt ist (Lok.Sg.n., Lok. absolutus)
yasya syād yonisaṃkaraḥ
bei dem etwa Vermischung der Herkunft ist (Gen.Sg./3.Sg.Opt./Nom.Sg.m.)
Wer mit der Gestalt und dem Verhalten eines Ārya auf einem künstlichen Pfad wandelt, sei er von eigenem oder von anderem Stand, den bestimmt [entlarvt] sein eigener Charakter in der Entscheidung.
Wort für Wort
āryarūpasamācāraṃ carantam
mit ārischer Gestalt und Verhalten, wandelnd (Akk.Sg.m./Part.Präs. Akk.Sg.)
kṛtake pathi
auf künstlichem Pfad (Lok.Sg.m.)
svavarṇam anyavarṇaṃ vā
von eigenem Stand oder von anderem Stand (Akk.Sg.m.)
svaśīlaṃ śāsti niścaye
sein eigener Charakter bestimmt [?] in der Entscheidung (Nom.Sg.n./3.Sg.Präs./Lok.Sg.)
Die zweite Vershälfte ist knapp und syntaktisch schwierig; śāsti niścaye ist hier als „bestimmt/entlarvt in der Entscheidung (dem entscheidenden Augenblick)“ [?] gedeutet.
nānāvṛtteṣu bhūteṣu nānākarmarateṣu ca; janmavṛttasamaṃ loke suśliṣṭaṃ na virajyate
Unter Wesen mit mancherlei Lebensweisen und an mancherlei Tätigkeiten Freude findend: Wer der Geburt und dem Verhalten nach gleich ist, an dem hängt man in der Welt eng und wendet sich nicht von ihm ab [?].
Wort für Wort
nānāvṛtteṣu bhūteṣu
unter Wesen mit vielerlei Lebensweise (Lok.Pl.n.)
nānākarmarateṣu ca
und an vielerlei Tätigkeiten sich Erfreuenden (Lok.Pl.)
janmavṛttasamaṃ loke
der Geburt und dem Verhalten gleich, in der Welt (Akk.Sg.m./Lok.Sg.)
suśliṣṭaṃ na virajyate
eng verbunden, nicht wendet man sich ab [?] (Part.Perf.Pass./3.Sg.Pass.)
Der Vers ist knapp und die Beziehung der Satzteile unsicher.
Der Körper des Menschen wird hier vom Wesen [sattva] hingezogen; es gibt höheres, mittleres und niederes Wesen, und wer gleiches Wesen hat, freut sich [an Gleichem].
Wort für Wort
śarīram iha sattvena
der Körper hier durch das Wesen (Nom.Sg.n./Adv./Instr.Sg.)
jyāyāṃsam api śīlena vihīnaṃ naiva pūjayet; api śūdraṃ tu sadvṛttaṃ dharmajñam abhipūjayet
Einen, der zwar höher [im Rang] ist, aber im Charakter mangelhaft, soll man keinesfalls verehren; einen Śūdra aber, der guten Wandel hat und den Dharma kennt, soll man ehren.
Wort für Wort
jyāyāṃsam api śīlena
auch einen Höheren, an Charakter (Akk.Sg.m. Komp./Instr.Sg.)
vihīnaṃ na eva pūjayet
mangelhaft, keinesfalls soll man verehren (Akk.Sg.m./3.Sg.Opt.)
api śūdraṃ tu sadvṛttaṃ
einen Śūdra aber von gutem Wandel (Akk.Sg.m.)
dharmajñam abhipūjayet
den Dharmakundigen soll man ehren (Akk.Sg.m./3.Sg.Opt.)
Sich selbst macht der Mensch durch seine eigenen Taten kund, durch Taten, die aus seinem eigenen Charakter und Verhalten entstanden sind, glückliche wie unglückliche.
Wort für Wort
ātmānam ātmanā ākhyāti
sich selbst durch sich kündet (Akk.Sg./Instr.Sg./3.Sg.Präs.)
karmasvaiḥ karmabhir naraḥ
durch eigene Taten der Mensch (Instr.Pl./Nom.Sg.)
svaśīlacāritrakṛtaiḥ
durch aus eigenem Charakter und Verhalten Gemachte (Instr.Pl.n.)
karmair vāpi śubhāśubhaiḥ
Taten [?], und auch gute und schlechte (Instr.Pl. korrupt/Instr.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; karmair (sic) im Text metrisch/orthographisch verderbt, vermutlich karmabhir; vāpi (sic) ebenfalls unsicher, hier als „und“ wiedergegeben [?].
Sich selbst macht der Mensch durch Taten kund, durch aus eigenem Charakter und Verhalten entstandene, gute wie schlechte; auch die verlorengegangene eigene Familie bringt der Mensch so durch seine eigenen Taten wieder ans Licht.
Wort für Wort
ātmānam ākhyāti hi karmabhir naraḥ
sich selbst kündet nämlich durch Taten der Mensch (Akk.Sg./3.Sg.Präs./Instr.Pl./Nom.Sg.)
svaśīlacāritrakṛtaiḥ śubhāśubhaiḥ
durch aus eigenem Charakter und Verhalten Entstandene, gute und schlechte (Instr.Pl.)
pranaṣṭam api ātmakulaṃ
auch die verlorene eigene Familie (Akk.Sg.n.)
tathā naraḥ punaḥ prakāśaṃ kurute
so der Mensch wiederum offenbar macht (Nom.Sg./Adv./Akk.Sg.m./3.Sg.Präs.Med.)