Kapitel 65: upānaddānatiladānabhūmidānagodānānnadānaphalam
Der Lohn der Gaben von Sandalen, Sesam, Land, Kühen und Speise
Bhīṣma belehrt Yudhiṣṭhira über den Lohn verschiedener Gaben an Brahmanen: Sandalen und Wagen, Sesam, Land (mit einer Ursprungserzählung vom Opfer der Götter im Himalaya), Kühe und Speise.
bhīṣma uvāca; upānahau prayacched yo brāhmaṇebhyaḥ samāhitaḥ; mardate kaṇṭakān sarvān viṣamān nistaraty api; sa śatrūṇām upari ca saṃtiṣṭhati yudhiṣṭhira
Bhīṣma sprach: „Wer Brahmanen mit gesammeltem Sinn ein Paar Sandalen gibt, der zertritt alle Dornen und überwindet auch Unebenes, und er steht, Yudhiṣṭhira, über seinen Feinden.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
upānahau prayacched yo brāhmaṇebhyaḥ samāhitaḥ
wer Sandalen den Brahmanen gibt, gesammelt (Opt.3.Sg.; Akk.Du.; Dat.Pl.; Part.Pass.Nom.)
mardate kaṇṭakān sarvān
zertritt alle Dornen (3.Sg.Präs.; Akk.Pl.)
viṣamān nistaraty api
auch Unebenes überwindet er (Akk.Pl.; 3.Sg.Präs.)
sa śatrūṇām upari ca saṃtiṣṭhati
und er steht über den Feinden (Nom.Sg.; Gen.Pl.; 3.Sg.Präs.)
Und ein mit Maultieren bespannter, prächtiger Wagen, Herr der Menschen, mit Silber und Gold geschmückt, steht ihm zu Diensten, Kaunteya; und auch ein mit zähmbaren [Zugtieren] bespannter Karren ist ihm sicherlich gegeben.
Wort für Wort
yānaṃ cāśvatarīyuktaṃ
und ein Wagen, mit Maultieren bespannt (Nom.Sg.n.; Kompositum)
tasya śubhraṃ viśāṃ pate
ihm, prächtig, Herr der Untertanen (Gen.Sg.; Nom.Sg.n.; Vok.Sg.)
upatiṣṭhati kaunteya
steht zu Diensten, Sohn der Kuntī (3.Sg.Präs.; Vok.Sg.)
rūpyakāñcanabhūṣaṇam
mit Silber und Gold geschmückt (Nom.Sg.n., Bahuvrīhi)
śakaṭaṃ damyasaṃyuktaṃ
ein Karren, mit zähmbaren Tieren bespannt (Nom.Sg.n.)
dattaṃ bhavati caiva hi
gegeben ist er ihm gewiss (Part.Pass.; 3.Sg.Präs.; Partikeln)
damyasaṃyuktam: „mit jungen, zu zähmenden Tieren bespannt“; Lesart unsicher.
yudhiṣṭhira uvāca; yat phalaṃ tiladāne ca bhūmidāne ca kīrtitam; gopradāne 'nnadāne ca bhūyas tad brūhi kaurava
Yudhiṣṭhira sprach: „Die Frucht, die für die Gabe von Sesam, für die Gabe von Land, für die Gabe von Kühen und von Speise verkündet wurde, [und noch mehr darüber hinaus,] das sage [mir] weiter, Kaurava.“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
yat phalaṃ tiladāne ca
die Frucht bei der Sesamgabe (Nom.Sg.; Lok.Sg.)
bhūmidāne ca kīrtitam
und bei der Landgabe, verkündet (Lok.Sg.; Part.Pass.)
gopradāne 'nnadāne ca
bei der Kuhgabe und der Speisegabe (Lok.Sg.)
bhūyas tad brūhi kaurava
mehr davon sage, Kaurava (Adv.; Akk.; Imp.; Vok.Sg.)
bhīṣma uvāca; śṛṇuṣva mama kaunteya tiladānasya yat phalam; niśamya ca yathānyāyaṃ prayaccha kurusattama
Bhīṣma sprach: „Höre von mir, Kaunteya, welche Frucht die Gabe von Sesam hat, und nachdem du es vernommen hast, gib [Sesam] gemäß der Regel, bester der Kuru.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
śṛṇuṣva mama kaunteya
höre von mir, Kaunteya (Imp.Med.; Gen.Sg.; Vok.Sg.)
tiladānasya yat phalam
welche Frucht der Sesamgabe zukommt (Gen.Sg.; Nom.Sg.)
niśamya ca yathānyāyam
und nachdem du gehört hast, der Regel gemäß (Absolutiv; Adv.)
Den Ahnen ist es die erste Speise: Sesam wurde vom Selbstentstandenen erschaffen; darum freut sich durch die Gabe von Sesam wahrlich die Seite der Ahnen.
Wort für Wort
pitṝṇāṃ prathamaṃ bhojyaṃ
der Ahnen erste Speise (Gen.Pl.; Nom.Sg.n.)
tilāḥ sṛṣṭāḥ svayaṃbhuvā
Sesam wurde erschaffen vom Selbstentstandenen (Nom.Pl.; Part.Pass.; Instr.Sg.)
tiladānena vai tasmāt
durch Sesamgabe fürwahr, deshalb (Instr.Sg.; Adv.)
pitṛpakṣaḥ pramodate
die Ahnenseite freut sich (Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.Med.)
sarvakāmaiḥ sa yajate yas tilair yajate pitṝn; na cākāmena dātavyaṃ tilaśrāddhaṃ kathaṃ cana
Der opfert mit allen Wünschen [erfüllenden Gaben], der den Ahnen mit Sesam opfert; doch ein Sesam-Śrāddha darf man keinesfalls ohne Verlangen [nach Frucht] geben.
Wort für Wort
sarvakāmaiḥ sa yajate
mit allen Wünschen opfert er (Instr.Pl.; Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.Med.)
yas tilair yajate pitṝn
wer mit Sesam den Ahnen opfert (Nom.Sg.; Instr.Pl.; Akk.Pl.)
na cākāmena dātavyaṃ
und nicht von einem Wunschlosen ist zu geben (Instr.Sg.; Gerundiv)
tilaśrāddhaṃ kathaṃ cana
das Sesam-Śrāddha auf keine Weise (Nom.Sg.n.; Adv.)
na cākāmena dātavyam: Sinn unsicher („nicht ohne Wunsch“ bzw. „nicht von einem Wunschlosen“).[?]
Diese Sesamkörner sind aus den Gliedern des großen Sehers Kaśyapa hervorgegangen; daher haben die Sesamkörner, Herr, bei den Gaben einen göttlichen Rang erlangt.
Wort für Wort
maharṣeḥ kaśyapasya
des großen Sehers Kaśyapa (Gen.Sg.)
ete gātrebhyaḥ prasṛtās tilāḥ
diese sind aus den Gliedern hervorgegangen, die Sesamkörner (Nom.Pl.; Abl.Pl.; Part.Pass.)
tato divyaṃ gatā bhāvaṃ
daher sind zu göttlichem Wesen gelangt (Adv.; Akk.Sg.; Part.Pass.Nom.Pl.)
pradāneṣu tilāḥ prabho
bei den Gaben, die Sesamkörner, Herr (Lok.Pl.; Nom.Pl.; Vok.Sg.)
tilahomaparā viprāḥ sarve saṃyatamaithunāḥ; samā gavyena haviṣā pravṛttiṣu ca saṃsthitāḥ
Alle Brahmanen, die dem Sesamopfer ergeben sind, ihre Enthaltsamkeit im Geschlechtlichen bewahren, sind [den Opfernden] mit der Opferspende aus Kuhmilchprodukten gleich und stehen fest in ihren Handlungen.
Wort für Wort
tilahomaparā viprāḥ sarve
dem Sesamopfer ergebene Brahmanen, alle (Nom.Pl.)
saṃyatamaithunāḥ
mit gezügeltem Geschlechtsverkehr (Nom.Pl., Bahuvrīhi)
samā gavyena haviṣā
gleich mit der Opferspende aus Kuhprodukten (Nom.Pl.; Instr.Sg.)
pravṛttiṣu ca saṃsthitāḥ
und in den Handlungen fest stehend (Lok.Pl.; Part.Pass.Nom.Pl.) [?]
Und als einst die Opfergabe entstanden war, hat der Seher Kuśika, Bezwinger der Feinde, indem er mit Sesam die drei Feuer beopferte, das höchste Ziel erlangt.
Wort für Wort
utpanne ca purā havye
und als einst die Opfergabe entstanden war (Lok.Abs.; Adv.)
kuśikarṣiḥ paraṃtapa
der Seher Kuśika, Feindebezwinger (Nom.Sg.; Vok.Sg.)
tilair agnitrayaṃ hutvā
mit Sesam die drei Feuer beopfert habend (Instr.Pl.; Akk.Sg.; Absolutiv)
prāptavān gatim uttamām
erlangte das höchste Ziel (Part.Perf.Akt.; Akk.Sg.)
Die Götter, die ein Stück Erde zum Opfern wünschten, kamen zu Brahmā zusammen und erbaten, König, einen glücklichen Ort [mit den Worten]: „Wir wollen opfern.“
Wort für Wort
devāḥ sametya brahmāṇaṃ
die Götter, zusammengekommen zu Brahmā (Nom.Pl.; Absolutiv; Akk.Sg.)
bhūmibhāgaṃ yiyakṣavaḥ
einen Teil der Erde, opfern wollend (Akk.Sg.; Nom.Pl.)
śubhaṃ deśam ayācanta
einen glücklichen Ort erbaten sie (Akk.Sg.; Impf.Med.)
Die Götter sprachen: „Erhabener, du bist Herr der ganzen Erde und des dreifachen Himmels. Wir wollen mit deiner Erlaubnis das Opfer vollziehen, Hochbeglückter; denn wer keine Erlaubnis für den Boden hat, erlangt nicht die Frucht des Opfers.“
Wort für Wort
devā ūcuḥ
die Götter sprachen (Perf.)
bhagavaṃs tvaṃ prabhur bhūmeḥ
Erhabener, du Herr der Erde (Vok.Sg.; Nom.Sg.; Gen.Sg.)
sarvasya tridivasya ca
der gesamten und des Himmels (Gen.Sg.)
yajemahi mahābhāga yajñaṃ bhavadanujñayā
wir wollen das Opfer vollziehen, Hochbeglückter, mit deiner Erlaubnis (Opt.1.Pl.Med.; Vok.; Akk.; Instr.Sg.)
nānanujñātabhūmir hi
denn nicht ein Boden ohne Erlaubnis (Bahuvrīhi Nom.Sg.)
yajñasya phalam aśnute
erlangt die Frucht des Opfers (Gen.Sg.; Akk.; 3.Sg.Präs.Med.)
Brahmā sprach: „Ich gebe euch, ihr Stiere unter den Göttern, einen Teil der Erde; in welchem Ort ihr das Opfer vollziehen werdet, ihr Söhne des Kaśyapa.“
Wort für Wort
brahmovāca
Brahmā sprach (Perf.)
dadāmi medinībhāgaṃ
ich gebe einen Teil der Erde (1.Sg.Präs.; Akk.Sg.)
bhavadbhyo 'haṃ surarṣabhāḥ
euch, ich, ihr Stiere der Götter (Dat.Pl.; Nom.Sg.; Vok.Pl.)
yasmin deśe kariṣyadhvaṃ
an welchem Ort ihr tun werdet (Lok.Sg.; 2.Pl.Fut.Med.)
devā ūcuḥ; bhagavan kṛtakāmāḥ smo yakṣyāmas tv āptadakṣiṇaiḥ; imaṃ tu deśaṃ munayaḥ paryupāsanta nityadā
Die Götter sprachen: „Erhabener, wir haben unseren Wunsch erreicht; wir wollen opfern mit erlangten Opferlöhnen. Diesen Ort aber umsitzen die Weisen jederzeit.“
Wort für Wort
devā ūcuḥ
die Götter sprachen (Perf.)
bhagavan kṛtakāmāḥ smaḥ
Erhabener, wir haben unseren Wunsch erfüllt (Vok.; Nom.Pl.; 1.Pl.Präs.)
yakṣyāmas tv āptadakṣiṇaiḥ
wir werden opfern mit erlangten Opferlöhnen (1.Pl.Fut.; Instr.Pl.)
imaṃ tu deśaṃ munayaḥ
diesen Ort aber die Weisen (Akk.Sg.; Nom.Pl.)
paryupāsanta nityadā
umsitzen jederzeit (3.Pl.Impf.Med.; Adv.)
Der Sinn von imaṃ tu deśaṃ … ist etwas knapp; vermutlich: die Seher halten sich stets an diesem (dem gewünschten) Ort auf.[?]
śītavātātapasahāṃ gṛhabhūmiṃ susaṃskṛtām; pradāya suralokasthaḥ puṇyānte 'pi na cālyate
Wer ein Haus samt Grund, das Kälte, Wind und Hitze standhält und gut hergerichtet ist, gibt, der weilt in der Götterwelt und wird auch am Ende seiner Verdienste nicht [von dort] verdrängt.
Wort für Wort
śītavātātapasahāṃ
Kälte, Wind und Hitze ertragend (Akk.Sg.f.)
gṛhabhūmiṃ susaṃskṛtām
Hausgrund, gut hergerichtet (Akk.Sg.f.)
pradāya suralokasthaḥ
nachdem er gegeben hat, in der Götterwelt weilend (Absolutiv; Nom.Sg.)
puṇyānte 'pi na cālyate
auch am Ende der Verdienste wird er nicht bewegt (Lok.Sg.; 3.Sg.Pass.)
Ein in eine Lehrerfamilie Geborener, ein Vedakundiger, der die Sinne bezähmt hat: in wessen Haus er zufrieden wohnt, der erlangt die vorzüglichste Welt.
Wort für Wort
adhyāpakakule jātaḥ
in der Familie eines Lehrers geboren (Lok.Sg.; Part.Pass.)
śrotriyo niyatendriyaḥ
vedakundig, mit gezügelten Sinnen (Nom.Sg.)
gṛhe yasya vaset tuṣṭaḥ
in wessen Haus er wohnt, zufrieden (Lok.Sg.; Gen.Sg.; Opt.; Part.)
pradhānaṃ lokam aśnute
die vorzüglichste Welt erlangt er (Akk.Sg.; 3.Sg.Präs.Med.)
Ebenso [gilt]: [Wer] eine große Unterkunft für die Kühe [gibt], die Kälte und Regen aushält, der rettet die Familie bis ins siebte [Glied], bester der Bharata.
Wort für Wort
tathā gavārthe śaraṇaṃ
ebenso für die Kühe eine Unterkunft (Adv.; Lok.; Akk.Sg.)
śītavarṣasahaṃ mahat
Kälte und Regen ertragend, groß (Akk.Sg.n.)
āsaptamaṃ tārayati
bis zum siebten rettet er (Adv.; 3.Sg.Präs.)
kulaṃ bharatasattama
die Familie, bester der Bharata (Akk.Sg.; Vok.Sg.)
na coṣarāṃ na nirdagdhāṃ mahīṃ dadyāt kathaṃ cana; na śmaśānaparītāṃ ca na ca pāpaniṣevitām
Man darf keinesfalls salzhaltiges oder verbranntes Land geben, nicht solches, das an einen Leichenverbrennungsplatz grenzt, und nicht solches, das von Bösen aufgesucht wird.
Wort für Wort
na coṣarāṃ na nirdagdhāṃ
nicht salzigen, nicht verbrannten (Akk.Sg.f.)
mahīṃ dadyāt kathaṃ cana
Land soll man geben auf keine Weise (Akk.Sg.; Opt.3.Sg.; Adv.)
Diesen [Weg] erlangen sie, wenn sie eine Kuh gegeben haben, befreit von allen Sünden.
Wort für Wort
tām prāpnuvanti
diesen [Weg] (Akk.Sg.f.), erlangen (3.Pl.Präs.)
gām dattvā
eine Kuh (Akk.), gegeben habend (Abs.)
vimuktāḥ sarva-kilbiṣaiḥ
befreit (Nom.Pl.), von allen Verfehlungen (Instr.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften).
Mit den Brahmanen zusammen gehen sie zu einem Ort, der höher ist als jener. Deshalb bezeichnen die Weisen Kuh und Brahmane als ein einziges [Paar/Wesen].
Wort für Wort
brāhmaṇaiḥ sahitāḥ yānti
mit Brahmanen (Instr.Pl.), verbunden (Nom.Pl.), gehen (3.Pl.Präs.)
tasmāt parataram padam
als jener (Abl.), höheren (Akk.), Standort/Ort (Akk.Sg.)
ekam go-brāhmaṇam
als eines (Akk.Sg.n.), Kuh-und-Brahmane (Dvandva, Akk.Sg.)
tasmāt pravadanti manīṣiṇaḥ
deshalb, erklären (3.Pl.Präs.), die Weisen (Nom.Pl.)
„gobrāhmaṇam“ als Dvandva im Singular: Kuh und Brahmane als Einheit gefasst.
paśutvāc ca vinirmuktāḥ pradānāyopakalpitāḥ; tā imā vipramukhyebhyo yo dadāti mahīpate; nistared āpadaṃ kṛcchrāṃ viṣamastho 'pi pārthiva
Vom Opfertiersein wurden sie befreit und zum Verschenken bestimmt. Wer diese, Herr der Erde, den vorzüglichen Brahmanen schenkt, der kommt aus schwerer Not heraus, auch wenn er in einer schlimmen Lage steckt, Fürst.
Wort für Wort
paśutvāt ca vinirmuktāḥ
vom Opfertiersein (Abl.), und, befreit (Nom.Pl.f.)
pradānāya upakalpitāḥ
zum Schenken (Dat.), bestimmt (Nom.Pl.f.)
tāḥ imāḥ vipra-mukhyebhyaḥ
diese hier (Akk.Pl.f.), an die vorzüglichsten Brahmanen (Dat.Pl.)
amṛtaṃ vai gavāṃ kṣīram ity āha tridaśādhipaḥ; tasmād dadāti yo dhenum amṛtaṃ sa prayacchati
„Die Milch der Kühe ist wahrlich Unsterblichkeitstrank“, sagte der Herr der Dreißig [Götter]. Wer daher eine Milchkuh gibt, der gibt Unsterblichkeitstrank.
Wort für Wort
amṛtam vai gavām kṣīram
Unsterblichkeitstrank, wahrlich, der Kühe Milch (Nom.Sg.)
iti āha tridaśa-adhipaḥ
so sagte (3.Sg.Perf.), der Herr der Dreißig (Nom.Sg.)
tasmāt dadāti yaḥ dhenum
deshalb, gibt, wer, Milchkuh (Akk.Sg.)
amṛtam sa prayacchati
Unsterblichkeitstrank (Akk.), der, reicht dar (3.Sg.Präs.)
svargo vai mūrtimān eṣa vṛṣabhaṃ yo gavāṃ patim; vipre guṇayute dadyāt sa vai svarge mahīyate
Wahrlich, der Himmel selbst in Gestalt ist dieser: Wer einen Stier, den Herrn der Kühe, einem tugendhaften Brahmanen gibt, der wird im Himmel verherrlicht.
Wort für Wort
svargaḥ vai mūrtimān eṣaḥ
Himmel (Nom.), wahrlich, verkörpert (Nom.Sg.), dieser
vṛṣabham yaḥ gavām patim
Stier (Akk.), wer, der Kühe Herrn (Akk.)
vipre guṇa-yute dadyāt
einem Brahmanen (Lok.), tugendbegabt (Lok.), möge geben (3.Sg.Opt.)
sa vai svarge mahīyate
der, wahrlich, im Himmel (Lok.), wird verehrt (3.Sg.Pass.)
na vadhārthaṃ pradātavyā na kīnāśe na nāstike; gojīvine na dātavyā tathā gauḥ puruṣarṣabha
Nicht zum Töten soll man sie geben, nicht einem Bösewicht, nicht einem Ungläubigen; und einem, der von Kühen lebt, soll man eine Kuh nicht geben, Stier unter den Männern.
Wort für Wort
na vadha-artham pradātavyā
nicht zum Zweck des Tötens (Akk.), zu geben (Gerundiv Nom.Sg.f.)
na kīnāśe na nāstike
nicht einem Geizhals/Bösewicht (Lok.), nicht einem Ungläubigen (Lok.)
go-jīvine na dātavyā
einem von Kühen Lebenden (Dat.), nicht zu geben (Gerundiv)
tathā gauḥ puruṣa-ṛṣabha
ebenso Kuh (Nom.Sg.), Stier unter den Männern (Vok.)
Auch nicht einem Händler mit Kuhprodukten und nicht einem, der die fünf Opfer nicht vollzieht.
Wort für Wort
go-rasānām na vikretuḥ
von Kuhprodukten (Gen.Pl.), nicht einem Verkäufer (Dat./Gen.Sg.)
apañca-yajanasya ca
und einem, der die fünf [Haus-]Opfer nicht vollzieht (Gen./Dat.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe. „kīnāśa“ in 50 als „Bösewicht/Geizhals“ gedeutet [?].
na kṛśāṃ pāpavatsāṃ vā vandhyāṃ rogānvitāṃ tathā; na vyaṅgāṃ na pariśrāntāṃ dadyād gāṃ brāhmaṇāya vai
Nicht eine magere, nicht eine, die ein schlechtes Kalb hat, nicht eine unfruchtbare und ebenso nicht eine kranke, nicht eine verstümmelte und nicht eine erschöpfte Kuh soll man einem Brahmanen geben.
Wort für Wort
na kṛśām pāpa-vatsām vā
nicht eine magere (Akk.), mit schlechtem Kalb (Akk.), oder
vandhyām roga-anvitām tathā
unfruchtbare (Akk.), mit Krankheit behaftete (Akk.), ebenso
na vyaṅgām na pariśrāntām
nicht eine verstümmelte, nicht eine erschöpfte (Akk.)
dadyāt gām brāhmaṇāya vai
man soll geben (3.Sg.Opt.), Kuh (Akk.), Brahmanen (Dat.), wahrlich
„pāpavatsā“ als „mit schlechtem/krankem Kalb“ gefasst [?].
Nachdem man [sie] gebührend verehrt hat, soll man den Göttern Speise darbringen; denn von welcher Speise ein Mensch lebt, König, von eben dieser Speise leben seine Götter.
Wort für Wort
arcayitvā yathā-nyāyam
nachdem man verehrt hat (Abs.), gebührend
devebhyaḥ annam nivedayet
den Göttern (Dat.Pl.), Speise (Akk.), soll darbringen (3.Sg.Opt.)
yat-annaḥ hi naraḥ rājan
wessen Speise habend (Nom.), denn, Mensch, König (Vok.)
tat-annāḥ tasya devatāḥ
dessen Speise habend (Nom.Pl.), seine (Gen.), Gottheiten (Nom.Pl.)
Auch wenn ein Speisespender in eine sehr schwere Notlage geraten ist, kommt er hindurch; er überwindet hier die Sünde und zieht das Übel aus sich heraus.
Wort für Wort
su-kṛcchrām āpadam prāptaḥ
in sehr schwere (Akk.), Notlage (Akk.), geraten (Part.Pass.)
ca anna-daḥ puruṣaḥ taret
und Speisespender (Nom.), Mensch (Nom.), kommt hindurch (3.Sg.Opt.)