Kapitel 20: aṣṭāvakrasya uttaradigyātrā kuberātithyaṃ ca
Aṣṭāvakras Reise nach Norden, Kuberas Gastfreundschaft und die Prüfung durch die Frau im Hain
Aṣṭāvakra bricht auf, um die Bedingung zu erfüllen, unter der er Vadānyas Tochter zur Frau erhalten soll; er wird bei Kubera bewirtet und gelangt in eine wunderbare Einsiedelei im Norden, wo er auf die Probe gestellt wird.
Aṣṭāvakra sprach: „So sei es. Ich werde es vollbringen und ohne Zweifel dorthin gehen, wohin du, Guter, [mich] weist. Du aber sollst ein Wahrhaftiger im Wort sein.“
Wort für Wort
aṣṭāvakra uvāca
Aṣṭāvakra sprach (Perf.)
tathāstu sādhayiṣyāmi
so sei es, ich werde es vollbringen (Imp. 3.Sg. / 1.Sg.Fut.)
tatra yāsyāmy asaṃśayam
dorthin werde ich gehen, ohne Zweifel (1.Sg.Fut./Adv.)
yatra tvaṃ vadase sādho
wohin du sprichst, o Guter (2.Sg.Präs./Vok.)
bhavān bhavatu satyavāk
du sollst sein einer, dessen Wort wahr ist (Nom./Imp. 3.Sg./Bahuvrīhi)
bhīṣma uvāca; tato 'gacchat sa bhagavān uttarām uttamāṃ diśam; himavantaṃ giriśreṣṭhaṃ siddhacāraṇasevitam
Bhīṣma sprach: Darauf zog der Erhabene in die nördliche, vortreffliche Himmelsrichtung, zum Himavat, dem besten der Berge, der von Siddhas und Cāraṇas besucht wird.
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
tato 'gacchat sa bhagavān
darauf ging jener Erhabene (Impf. 3.Sg./Nom.)
uttarām uttamāṃ diśam
in die nördliche, beste Himmelsrichtung (Akk.Sg.f.)
himavantaṃ giriśreṣṭham
zum Himavat, dem besten der Berge (Akk.Sg./Tatpuruṣa)
siddhacāraṇasevitam
von Siddhas und Cāraṇas besucht (Part.Pass., Akk.Sg.)
aśoke vimale tīrthe snātvā tarpya ca devatāḥ; tatra vāsāya śayane kauśye sukham uvāsa ha
An einer makellosen Badestelle namens Aśoka badete er, brachte den Göttern das Wasseropfer dar und wohnte dort, um zu verweilen, angenehm auf einem Lager aus Kuśa-Gras.
Wort für Wort
aśoke vimale tīrthe
an der kummerlosen [Aśoka], makellosen Badestelle (Lok.Sg.)
snātvā tarpya ca devatāḥ
gebadet und die Götter gelabt habend (Abs./Abs./Akk.Pl.)
tatra vāsāya śayane
dort, zum Verweilen, auf einem Lager (Adv./Dat./Lok.)
kauśye sukham uvāsa ha
aus Kuśa-Gras, angenehm weilte er wahrlich (Lok.Sg./Adv./Perf. 3.Sg.)
Das Wort „aśoke“ ist hier als Name der Badestelle gefasst (‚ohne Kummer‘).
vidito bhagavān asya kāryam āgamane ca yat; paśyainaṃ tvaṃ mahābhāgaṃ jvalantam iva tejasā
Dem Erhabenen ist bekannt, was der Zweck seines Kommens ist. Sieh diesen Hochbeglückten, gleichsam flammend vor Glanz.“
Wort für Wort
vidito bhagavān asya
bekannt ist der Erhabene ihm / dem Erhabenen ist bekannt (Part.Pass./Gen.) [?]
kāryam āgamane ca yat
und der Zweck beim Kommen, welcher (Nom.n./Lok./Rel.)
paśyainaṃ tvaṃ mahābhāgam
sieh du diesen, den Hochbeglückten (Imp. 2.Sg./Akk.)
jvalantam iva tejasā
gleichsam flammend vor Glanz (Part.Präs./Instr.)
Der Text ist nicht ganz eindeutig: „vidito bhagavān asya“ kann auch „der Erhabene ist ihm [Kubera] bekannt“ bedeuten; hier ist die Lesart mit „kāryam āgamane“ als Objekt des Wissens gewählt.
tato vaiśravaṇo 'bhyetya aṣṭāvakram aninditam; vidhivat kuśalaṃ pṛṣṭvā tato brahmarṣim abravīt
Darauf trat Vaiśravaṇa zu dem untadeligen Aṣṭāvakra heran, erkundigte sich nach Vorschrift nach seinem Wohlergehen und sprach dann zu dem Brahmanenseher:
Wort für Wort
tato vaiśravaṇo 'bhyetya
darauf Vaiśravaṇa, herangetreten (Nom./Abs.)
aṣṭāvakram aninditam
zu Aṣṭāvakra, dem Untadeligen (Akk.)
vidhivat kuśalaṃ pṛṣṭvā
vorschriftsgemäß nach dem Wohl gefragt habend (Adv./Akk./Abs.)
tato brahmarṣim abravīt
dann sprach er zum Brahmanenseher (Impf. 3.Sg./Akk.)
Als sie sich gesetzt hatten, sprach der Reichtumsspender zu ihnen: „Nachdem ihr deinen Wunsch erkannt habt, sollen die Scharen der Apsarasen tanzen.
Wort für Wort
tatas teṣāṃ niṣaṇṇānām
darauf, als sie sich gesetzt hatten (Gen. absolutus)
dhanado vākyam abravīt
der Reichtumsspender sprach ein Wort (Nom./Akk./Impf.)
bhavacchandaṃ samājñāya
deinen Wunsch erkannt habend (Abs.) [?]
nṛtyerann apsarogaṇāḥ
mögen tanzen die Apsaras-Scharen (Opt. 3.Pl./Nom.Pl.)
Der Vers ist syntaktisch verschränkt; „bhavacchandaṃ samājñāya“ ist auf Kubera als Sprecher bezogen gedeutet: Er ersucht den Gast um seinen Wunsch. [?]
Dieser Bereich, o Brahmane, heißt dem Namen nach der der Gandharvas und ist [ein Ort] der Anziehung. Nach Belieben mögest du hier verweilen, o Brahmane, oder wie du es sagst.
Wort für Wort
hāryo 'yaṃ viṣayaḥ brahman
verlockend ist dieser Bereich, o Brahmane (Nom./Vok.) [?]
gāndharvo nāma nāmataḥ
gandharvisch, dem Namen nach (Adj./Adv.)
chandato vartatāṃ vipra
nach Wunsch verweile, o Brahmane (Adv./Imp. Med.)
yathā vadati vā bhavān
oder wie du sagst (Adv./3.Sg.Präs.)
„hāryo ‚yaṃ viṣayaḥ“ ist unsicher; wörtlich ‚dieser Bereich ist verlockend‘. [?]
Ich bin erfreut, und alles Deine ist [meiner] würdig, o Herr des Reichtums. Durch deine Huld, o Erhabener, und auf Geheiß des hochgesinnten großen Sehers werde ich heute gehen. Werde reich und mächtig!“
Wort für Wort
prīto 'smi sadṛśaṃ caiva
erfreut bin ich, und angemessen fürwahr (Part.Pass./1.Sg./Adj.n.)
tava sarvaṃ dhanādhipa
alles von dir, o Herr des Reichtums (Gen./Nom./Vok.)
tava prasādād bhagavan
durch deine Gnade, o Erhabener (Abl./Vok.)
maharṣeś ca mahātmanaḥ niyogāt
und auf Geheiß des großen, hochgesinnten Sehers (Gen./Abl.) [?]
adya yāsyāmi
heute werde ich gehen (Adv./1.Sg.Fut.)
vṛddhimān ṛddhimān bhava
sei gedeihend, sei wohlhabend (Nom./Imp. 2.Sg.)
„maharṣeś ca mahātmanaḥ niyogād“ bleibt in der Beziehung unsicher (welcher Seher gemeint ist). [?]
Auf dem Kailāsa erblickte er Śaṃkaras Wohnsitz und verneigte sich: vor dem Herrn der Gaurī, Śaṃkara, dem Bezwungenen, der den Schutzsuchenden zugetan ist, dem Gaṅgā-Träger, der auf dem Herrn der Rinder [Stier] reitet, von Gaṇas umgeben, dem Makellosen.
Wort für Wort
kailāse śaṃkarāvāsam
auf dem Kailāsa Śaṃkaras Wohnstatt (Lok./Akk.)
abhivīkṣya praṇamya ca
erblickt und sich verneigt habend (Abs./Abs.)
gaurīśaṃ śaṃkaraṃ dāntam
den Herrn der Gaurī, Śaṃkara, den Bezwungenen [Selbstbeherrschten] (Akk.)
śaraṇāgatavatsalam
den den Schutzsuchenden Zugetanen (Akk.)
gaṅgādharaṃ gopatigam
den Gaṅgā-Träger, den Stierreiter (Akk.) [?]
gaṇāvṛtam akalmaṣam
von Gaṇas umgeben, den Makellosen (Akk.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sternpassage (nur in einem Teil der Handschriften). „gopatigam“ als ‚auf dem Stier reitend‘ gefasst. [?]
Nachdem er jene großen Berge überschritten hatte, [gelangte er] zum vortrefflichen Ort der Kirātas; er umschritt ihn rechtsherum, gesammelt, mit gesenktem Haupt sich verneigend; dann stieg er auf die Erde hinab und wurde da reinen Selbstes.
Wort für Wort
tān atītya mahāśailān
jene großen Berge überschritten habend (Abs./Akk.Pl.)
kairātaṃ sthānam uttamam
den Kirāta-Ort, den vortrefflichen (Akk.)
pradakṣiṇaṃ tataś cakre
rechtsherum umschritt er dann (Adv./Perf. 3.Sg.)
prayataḥ śirasā naman
gesammelt, mit dem Haupt sich verneigend (Part./Instr./Part.Präs.)
dharaṇīm avatīryātha
zur Erde hinabgestiegen dann (Akk./Abs.)
pūtātmāsau tadābhavat
reinen Selbstes wurde er da (Bahuvrīhi/Impf.)
Der Vers ist wohl verstümmelt; die Konstruktion („kairātaṃ sthānam“) ist ergänzt. [?]
tato 'paraṃ vanoddeśaṃ ramaṇīyam apaśyata; sarvartubhir mūlaphalaiḥ pakṣibhiś ca samanvitam; ramaṇīyair vanoddeśais tatra tatra vibhūṣitam
Dann erblickte er einen weiteren, reizenden Waldbezirk, mit Wurzeln und Früchten aller Jahreszeiten und mit Vögeln versehen, hier und dort mit reizenden Waldstücken geschmückt.
Wort für Wort
tato 'paraṃ vanoddeśam
darauf einen anderen Waldbezirk (Adv./Akk.)
ramaṇīyam apaśyata
einen reizenden erblickte er (Akk./Impf. Med.)
sarvartubhir mūlaphalaiḥ
mit allen Jahreszeiten [angehörigen] Wurzeln und Früchten (Instr.Pl.)
tatrāśramapadaṃ divyaṃ dadarśa bhagavān atha; śailāṃś ca vividhākārān kāñcanān ratnabhūṣitān; maṇibhūmau niviṣṭāś ca puṣkariṇyas tathaiva ca
Dort erblickte der Erhabene nun eine himmlische Einsiedelei, mannigfach gestaltete goldene, mit Juwelen geschmückte Berge und auf Edelsteinboden gelegene Teiche.
Ringsum war es von mannigfachen Gebäuden umgeben, mit Toren aus bunten Edelsteinen, von Perlennetzen überspannt, mit Juwelen und Edelsteinen geschmückt, herzens- und augenbetörend, reizend und schön.
Wort für Wort
nānāvidhaiś ca bhavanaiḥ
und mit vielartigen Gebäuden (Instr.Pl.)
vicitramaṇitoraṇaiḥ
mit Toren aus bunten Edelsteinen (Bahuvrīhi, Instr.Pl.)
muktājālaparikṣiptaiḥ
von Perlennetzen umhüllt (Instr.Pl.)
maṇiratnavibhūṣitaiḥ
mit Edelsteinen und Juwelen geschmückt (Instr.Pl.)
manodṛṣṭiharai ramyaiḥ
Sinn und Blick raubend, reizend (Instr.Pl.)
sarvataḥ saṃvṛtaṃ śubhaiḥ
ringsum bedeckt, mit schönen (Adv./Part.Pass./Instr.Pl.)
atha dvāraṃ samabhito gatvā sthitvā tato 'bravīt; atithiṃ mām anuprāptam anujānantu ye 'tra vai
Dann ging er ringsum zum Tor, blieb stehen und sprach: „Die hier [wohnen], sollen mich als eben angekommenen Gast erkennen [und mir Einlass gewähren].“
Wort für Wort
atha dvāraṃ samabhito
dann zum Tor ringsum/heran (Akk./Adv.)
gatvā sthitvā tato 'bravīt
gegangen, stehen geblieben, dann sprach er (Abs./Abs./Impf.)
atithiṃ mām anuprāptam
als Gast mich, angekommen (Akk./Akk./Part.Pass.)
anujānantu ye 'tra vai
sie sollen zulassen [erkennen], die hier sind (Imp. 3.Pl./Rel.)
Aṣṭāvakra sprach: „Alle sollen zu ihren Wohnungen gehen; eine allein soll mir aufwarten. Die gut Verständige und Ruhige [bleibe]; die übrigen mögen nach Belieben gehen.“
Wort für Wort
aṣṭāvakra uvāca
Aṣṭāvakra sprach (Perf.3.Sg.)
sarvāḥ svān ālayān yāntu
alle sollen zu ihren Wohnstätten gehen (Imp.3.Pl.)
ekā mām upatiṣṭhatu
eine soll mir aufwarten (Nom.Sg.f.; Imp.3.Sg.)
suprajñātā supraśāntā
gut verständig, sehr ruhig (Nom.Sg.f.)
śeṣā gacchantu cchandataḥ
die übrigen sollen nach Belieben gehen (Nom.Pl.f.; Imp.3.Pl.; Abl.-Adv.)
Dann, als er sich [auf dem Lager] niederlegte, sagte er zu ihr auf dem glänzenden Lager: „Auch du sollst schlafen, Gute, denn die Nacht schreitet fort.“
Wort für Wort
atha tāṃ saṃviśan prāha
dann sprach er zu ihr, sich niederlegend (Akk.; Part.Präs.; Perf.3.Sg.)
śayane bhāsvare tadā
auf dem strahlenden Lager damals (Lok.Sg.)
tvayāpi supyatāṃ bhadre
„auch von dir werde geschlafen“, Gute (Instr.; Imp.Pass.3.Sg.; Vok.)
„Brahmane, bei Frauen gibt es kein eigenmächtiges Begehren, auch keine Festigkeit gegenüber dem Mann. Ich bin von Verlangen betört: Da ich dich verehre, so verehre auch du mich.“
Wort für Wort
brahman na kāmakāro 'sti
Brahmane, es gibt kein selbstbestimmtes Handeln (Vok.; Präs.3.Sg.)
strīṇāṃ puruṣato dhṛtiḥ
bei Frauen, Festigkeit gegenüber dem Mann (Gen.Pl.; Abl.-Adv.; Nom.)
kāmena mohitā cāhaṃ
und ich, vom Verlangen betört (Instr.; Nom.Sg.f.)
tvāṃ bhajantīṃ bhajasva mām
mich, die dich Verehrende, verehre (Akk.Sg.f. Part.; Imp.Med.)
puruṣato dhṛtiḥ wörtlich etwa „Festigkeit vom Mann her“; Sinn unsicher [?].
ātmacchandena vartante nāryo manmathacoditāḥ; na ca dahyanti gacchantyaḥ sutaptair api pāṃsubhiḥ
Von Liebe getrieben handeln die Frauen nach eigenem Belieben; und sie verbrennen nicht, wenn sie [zu Männern] gehen, nicht einmal an glühend heißem Staub.
Wort für Wort
ātmacchandena vartante
handeln nach eigenem Willen (Instr.; Präs.3.Pl.Med.)
nāryo manmathacoditāḥ
die Frauen, von Kāma angetrieben (Nom.Pl.; Part.Pass.)
na ca dahyanti gacchantyaḥ
und sie verbrennen nicht, wenn sie gehen (Präs.Pass.3.Pl.; Part.Nom.Pl.f.)
Aṣṭāvakra sprach: „Zu fremden Ehefrauen, Gute, würde ich auf keine Weise gehen; die Berührung fremder Ehefrauen wird in den Lehrbüchern des Dharma getadelt.“
Wort für Wort
aṣṭāvakra uvāca
Aṣṭāvakra sprach (Perf.3.Sg.)
paradārān ahaṃ bhadre
zu fremden Ehefrauen ich, Gute (Akk.Pl.; Vok.)
na gaccheyaṃ kathaṃ cana
würde nicht gehen auf keine Weise (Opt.1.Sg.)
dūṣitaṃ dharmaśāstreṣu
getadelt in den Dharmaśāstras (Part.Pass.n.; Lok.Pl.)
prāyaścittaṃ mahad ato dāragrahaṇapūrvakam; bījaṃ na śudhyate voḍhur asya cākṛtaniṣkṛteḥ; mātṛtaḥ pitṛtaḥ śuddho jñeyaḥ putro yathārthataḥ
Größer ist deshalb die Sühne, die der Eheschließung vorausgeht; der Same dessen, der ohne Sühne ist, wird nicht rein für den Zeugenden; von Mutter und Vater her gilt ein Sohn in Wahrheit als rein.
Wort für Wort
prāyaścittaṃ mahad ato
große Sühne daher (Nom.Sg.n.)
dāragrahaṇapūrvakam
der Ehe(schließung) vorausgehend (Nom.Sg.n.)
bījaṃ na śudhyate voḍhur
der Same wird nicht rein für den Zeuger/Träger (Nom.; Präs.3.Sg.Pass.; Gen.)
asya cākṛtaniṣkṛteḥ
und für diesen, der keine Sühne getan hat (Gen.Sg.)
mātṛtaḥ pitṛtaḥ śuddho jñeyaḥ
von Mutter und Vater her rein zu erkennen (Abl.-Adv.; Nom.; Gerundiv)
putro yathārthataḥ
der Sohn in Wahrheit (Nom.Sg.; Adv.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzstrophe, textlich unsicher; voḍhuḥ und die Konstruktion tastend gedeutet [?].
stry uvāca; nānilo 'gnir na varuṇo na cānye tridaśā dvija; priyāḥ strīṇāṃ yathā kāmo ratiśīlā hi yoṣitaḥ
Die Frau sprach: „Weder Wind noch Feuer noch Varuṇa noch die anderen Dreißig [Götter] sind Frauen so lieb, Brahmane, wie die Liebe; Frauen sind ja der Lust ergeben.“
Wort für Wort
stry uvāca
die Frau sprach (Nom.Sg.f.; Perf.3.Sg.)
nānilo 'gnir na varuṇo
weder Wind noch Feuer noch Varuṇa (Nom.Sg.)
na cānye tridaśā dvija
noch die anderen Götter, Zweimalgeborener (Nom.Pl.; Vok.)
priyāḥ strīṇāṃ yathā kāmo
lieb den Frauen wie die Liebe (Nom.Pl.m.; Gen.Pl.; Nom.)
Eine unter tausend Frauen wird hier bisweilen [zurückhaltend] gefunden; unter Hunderttausenden ist es, wenn überhaupt, [nur] eine, die ihrem Gatten ergeben ist.
Wort für Wort
sahasraikā yatā nārī
eine unter tausend, eine gezügelte Frau (Nom.Sg.f.; Part.Pass.)
prāpnotīha kadā cana
wird hier bisweilen gefunden/erlangt (Präs.3.Sg.)
tathā śatasahasreṣu
ebenso unter Hunderttausenden (Lok.Pl.)
yadi kā cit pativratā
wenn überhaupt eine, dem Gatten ergeben (Nom.Sg.f.)
Erster Halbvers verderbt bzw. unklar (yatā, prāpnoti); Wiedergabe tastend [?].
Im Spiel zerstören sie die Familie, wie die mächtigen Ströme ihre Ufer; und die Fehler [liegen], so sprach Prajāpati, sanft [verhüllt] bei den Sanften.
Wort für Wort
līlāyantyaḥ kulaṃ ghnanti
spielend, zerstören sie die Familie (Part.Nom.Pl.f.; Präs.3.Pl.)
kūlānīva saridvarāḥ
wie die vorzüglichen Flüsse die Ufer (Akk.Pl.; Nom.Pl.)
doṣāṃś ca mandān mandāsu
und die Fehler, schwache, bei den Trägen (Akk.Pl.; Lok.Pl.f.)
Jene Frau sprach: „Ehrwürdiger, du wirst es zu passender Zeit und an passendem Ort sehen; bleibe einstweilen, sehr Weiser, und du wirst gehen, wenn du dein Ziel erreicht hast.“
Wort für Wort
sā strī provāca bhagavan
jene Frau sprach: Ehrwürdiger (Perf.3.Sg.; Vok.)
drakṣyase deśakālataḥ
du wirst sehen, nach Ort und Zeit (Fut.2.Sg.Med.; Abl.-Adv.)
vasa tāvan mahāprājña
bleibe einstweilen, sehr Weiser (Imp.; Vok.)
kṛtakṛtyo gamiṣyasi
als einer, der sein Ziel erreicht hat, wirst du gehen (Nom.; Fut.2.Sg.)
yad yad aṅgaṃ hi so 'paśyat tasyā viprarṣabhas tadā; nāramat tatra tatrāsya dṛṣṭī rūpaparājitā
Auf welches Glied von ihr der Brahmanen-Stier damals blickte, dort und dort fanden seine Augen keine Ruhe, [da sie] von der Schönheit überwältigt waren.
Wort für Wort
yad yad aṅgaṃ hi so 'paśyat
auf welches Glied auch immer er blickte (Akk.Sg.n.; Impf.3.Sg.)
tasyā viprarṣabhas tadā
von ihr, der Brahmanen-Stier, damals (Gen.; Nom.)
nāramat tatra tatrāsya
nicht ruhten dort und dort seine (Aor.3.Sg.; Gen.)
dṛṣṭī rūpaparājitā
Augen, von der Schönheit besiegt (Nom.Du.f.; Part.Pass.)