Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Anuśāsanaparva

Kapitel 16: upamanyūktaśivastavaḥ Kṛṣṇas Gaben von Śiva und Umā; Taṇḍis Lobpreis des allumfassenden Mahādeva

Kṛṣṇa schließt seinen Bericht über die Gaben von Śiva und Umā ab; danach folgt Upamanyus Erzählung vom Seher Taṇḍi und dessen langem Lobpreis Śivas als höchstes Brahman, Ziel aller Wege und Herr der Zeit.

kṛṣṇa uvāca; mūrdhnā nipatya niyatas tejaḥsaṃnicaye tataḥ

Kṛṣṇa sprach: Nachdem ich mich gesammelt mit dem Haupt niedergeworfen hatte, [stand ich] dann in der Ansammlung des Glanzes –

Wort für Wort
kṛṣṇa uvāca
Kṛṣṇa sprach (Perf. 3.Sg.)
mūrdhnā nipatya
mit dem Haupt niedergefallen (Instr. / Abs.)
niyataḥ
gesammelt, beherrscht (Nom.Sg.m.)
tejaḥsaṃnicaye tataḥ
in der Glanzfülle, dann (Lok.Sg. / Adv.)

Konstruktion locker: tejaḥsaṃnicaye wörtlich „in/vor der Glanzmasse“; der Satz setzt sich in Einheit 2 und 3 fort.

mūrdhnā praṇamya tu bhavaṃ devam īśānam avyayam

Nachdem ich mich mit dem Haupt vor Bhava, dem Gott, dem Herrscher (Īśāna), dem Unvergänglichen, verneigt hatte,

Wort für Wort
mūrdhnā praṇamya tu
mit dem Haupt verneigt habend aber (Instr. / Abs.)
bhavaṃ devam
Bhava, den Gott (Akk.Sg.)
īśānam avyayam
den Herrscher, den Unvergänglichen (Akk.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

paramaṃ harṣam āgamya bhagavantam athābruvam

sprach ich, nachdem ich höchste Freude empfunden hatte, dann zum Erhabenen:

Wort für Wort
paramaṃ harṣam āgamya
höchste Freude erlangt habend (Akk. / Abs.)
bhagavantam
den Erhabenen (Akk.Sg.)
athābruvam
dann sprach ich (Impf. 1.Sg.)

dharme dṛḍhatvaṃ yudhi śatrughātaṃ; yaśas tathāgryaṃ paramaṃ balaṃ ca; yogapriyatvaṃ tava saṃnikarṣaṃ; vṛṇe sutānāṃ ca śataṃ śatāni

„Festigkeit im Dharma, Erschlagen der Feinde in der Schlacht, höchsten Ruhm und höchste Kraft, Liebe zum Yoga, deine Nähe und hundert mal hundert Söhne erwähle ich [mir].“

Wort für Wort
dharme dṛḍhatvaṃ
Festigkeit im Dharma (Lok.Sg. / Akk.Sg.n.)
yudhi śatrughātaṃ
Feindesvernichtung im Kampf (Lok.Sg. / Akk.Sg.)
yaśas tathāgryaṃ paramaṃ balaṃ ca
Ruhm ebenso den ersten, höchste Kraft und (Akk.Sg.n.)
yogapriyatvaṃ tava saṃnikarṣaṃ
Yoga-Liebe, deine Nähe (Akk.Sg.)
vṛṇe sutānāṃ ca śataṃ śatāni
ich erwähle, und der Söhne hundert Hunderte (1.Sg.Med. / Gen.Pl. / Akk.Pl.)

śataṃ śatāni wörtlich „hundert Hunderte“, also hunderttausend im Sinne einer Fülle; Deutung nicht gesichert.

evam astv iti tad vākyaṃ mayoktaḥ prāha śaṃkaraḥ

„So sei es!“ – dieses Wort sprach Śaṃkara zu mir, dem so Angesprochenen.

Wort für Wort
evam astv iti
„so sei es“, so (Imp. 3.Sg.)
tad vākyaṃ
dieses Wort (Akk.Sg.)
mayoktaḥ
von mir angesprochen (Instr. / Part.Pass. Nom.Sg.m.)
prāha śaṃkaraḥ
sprach Śaṃkara (Perf. 3.Sg. / Nom.)

tato māṃ jagato mātā dharaṇī sarvapāvanī; uvācomā praṇihitā śarvāṇī tapasāṃ nidhiḥ

Darauf sprach zu mir Umā, die Mutter der Welt, die Trägerin, die Allreinigende, Śarvāṇī, der Schatz der Askesen, [mir] zugewandt:

Wort für Wort
tato māṃ
darauf zu mir (Adv. / Akk.Sg.)
jagato mātā
der Welt Mutter (Gen.Sg. / Nom.Sg.)
dharaṇī sarvapāvanī
Trägerin, Allreinigerin (Nom.Sg.f.)
uvācomā praṇihitā
sprach Umā, zugewandt (Perf. 3.Sg. / Nom.Sg.f.)
śarvāṇī tapasāṃ nidhiḥ
Śarvāṇī, der Askesen Schatz (Nom.Sg.f. / Gen.Pl. / Nom.Sg.m.)

datto bhagavatā putraḥ sāmbo nāma tavānagha; matto 'py aṣṭau varān iṣṭān gṛhāṇa tvaṃ dadāmi te; praṇamya śirasā sā ca mayoktā pāṇḍunandana

„Vom Erhabenen ist dir ein Sohn gegeben, Sāmba mit Namen, Makelloser; nimm auch von mir acht erwünschte Gaben, ich gebe [sie] dir.“ Und ihr, die sich mit dem Haupt verneigt hatte, wurde von mir geantwortet, Sohn des Pāṇḍu.

Wort für Wort
datto bhagavatā putraḥ
gegeben vom Erhabenen ein Sohn (Part.Pass. Nom.Sg.m. / Instr. / Nom.)
sāmbo nāma tavānagha
Sāmba mit Namen, dir, Makelloser (Nom. / Adv. / Gen. / Vok.)
matto 'py aṣṭau varān iṣṭān
auch von mir acht Gaben, erwünschte (Abl. / Akk.Pl.m.)
gṛhāṇa tvaṃ dadāmi te
nimm du, ich gebe dir (Imp. 2.Sg. / Präs. 1.Sg.)
praṇamya śirasā sā ca
sich verneigt habend mit dem Haupt, und sie (Abs. / Instr. / Nom.Sg.f.)
mayoktā pāṇḍunandana
von mir angesprochen, Freude des Pāṇḍu (Instr. / Part.Pass.f. / Vok.)

Der letzte Pāda ist grammatisch etwas unklar: „praṇamya śirasā sā ca mayoktā“; gemeint ist wohl, dass Kṛṣṇa ihr, sich verneigend, antwortete bzw. sie ansprach.

dvijeṣv akopaṃ pitṛtaḥ prasādaṃ; śataṃ sutānām upabhogaṃ paraṃ ca; kule prītiṃ mātṛtaś ca prasādaṃ; śamaprāptiṃ pravṛṇe cāpi dākṣyam

„Nichtzorn gegenüber den Brahmanen, Gunst vom Vater, hundert Söhne und höchsten Genuss, Zuneigung in der Familie, Gunst von der Mutter, Erlangung der Ruhe und auch Geschicklichkeit wähle ich.“

Wort für Wort
dvijeṣv akopaṃ pitṛtaḥ prasādaṃ
Zornlosigkeit gegen Zweimalgeborene, Gunst vom Vater (Lok.Pl. / Akk.Sg.)
śataṃ sutānām upabhogaṃ paraṃ ca
hundert Söhne, höchsten Genuss (Akk.Sg. / Gen.Pl. / Akk.Sg.)
kule prītiṃ mātṛtaś ca prasādaṃ
in der Familie Zuneigung, und von der Mutter Gunst (Lok.Sg. / Akk.Sg.)
śamaprāptiṃ pravṛṇe cāpi dākṣyam
Erlangung der Ruhe wähle ich, und auch Geschick (Akk.Sg. / 1.Sg.Med. / Akk.Sg.n.)

devy uvāca; evaṃ bhaviṣyaty amaraprabhāva; nāhaṃ mṛṣā jātu vade kadā cit; bhāryāsahasrāṇi ca ṣoḍaśaiva; tāsu priyatvaṃ ca tathākṣayatvam

Die Göttin sprach: „So wird es sein, du von unsterblicher Macht; niemals rede ich je Unwahres. Sechzehntausend Frauen [sollst du haben] und bei ihnen Beliebtheit und Unversiegbarkeit.“

Wort für Wort
devy uvāca
die Göttin sprach (Nom.Sg.f. / Perf.)
evaṃ bhaviṣyaty amaraprabhāva
so wird es sein, du von göttlicher Macht (Fut. 3.Sg. / Vok.)
nāhaṃ mṛṣā jātu vade kadā cit
nicht ich Falsches je rede irgendwann (Präs. 1.Sg.)
bhāryāsahasrāṇi ca ṣoḍaśaiva
Frauentausende und sechzehn eben (Nom.Pl.n.)
tāsu priyatvaṃ ca tathākṣayatvam
bei ihnen Beliebtheit und ebenso Unversiegbarkeit (Lok.Pl.f. / Akk.Sg.n.)

Der Wunsch nach hundert Söhnen (Einheit 8) wird hier nicht wiederholt; die Aufzählung der Gaben ist verkürzt.

prītiṃ cāgryāṃ bāndhavānāṃ sakāśād; dadāmi te vapuṣaḥ kāmyatāṃ ca; bhokṣyante vai saptatir vai śatāni; gṛhe tubhyam atithīnāṃ ca nityam

„Und höchste Zuneigung aus dem Kreis der Verwandten, körperliche Anmut gebe ich dir; siebzig Hunderte von Gästen werden in deinem Haus stets speisen.“

Wort für Wort
prītiṃ cāgryāṃ bāndhavānāṃ sakāśād
Zuneigung und höchste, von Verwandten her (Akk.Sg.f. / Gen.Pl. / Abl.)
dadāmi te vapuṣaḥ kāmyatāṃ ca
ich gebe dir, des Körpers Begehrenswertheit und (Präs. 1.Sg. / Gen. / Akk.)
bhokṣyante vai saptatir vai śatāni
werden essen fürwahr siebzig Hunderte (Fut. 3.Pl.Med. / Nom.)
gṛhe tubhyam atithīnāṃ ca nityam
im Haus, dir, der Gäste, stets (Lok. / Dat. / Gen.Pl. / Adv.)

saptatir vai śatāni wörtlich „siebzig Hunderte“; die Zahl bleibt unklar (7000?).

bhavantu nityam atithīnāṃ bahūni; gṛhe ca tubhyaṃ prītimatāṃ śatāni

„Stets sollen viele Gäste [da] sein, und in deinem Haus Hunderte Zugetaner.“

Wort für Wort
bhavantu nityam
sollen sein stets (Imp. 3.Pl. / Adv.)
atithīnāṃ bahūni
der Gäste viele (Gen.Pl. / Nom.Pl.n.)
gṛhe ca tubhyaṃ
im Haus und dir (Lok. / Dat.)
prītimatāṃ śatāni
Liebevoller Hunderte (Gen.Pl. / Nom.Pl.n.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

vāsudeva uvāca; evaṃ dattvā varān devo mama devī ca bhārata; antarhitaḥ kṣaṇe tasmin sagaṇo bhīmapūrvaja

Vāsudeva sprach: Nachdem so der Gott und meine Göttin die Gaben gegeben hatten, Bhārata, verschwanden sie in diesem Augenblick samt Gefolge, Älterer Bruder Bhīmas.

Wort für Wort
vāsudeva uvāca
Vāsudeva sprach (Nom. / Perf.)
evaṃ dattvā varān
so gegeben habend die Gaben (Abs. / Akk.Pl.)
devo mama devī ca bhārata
der Gott, meine Göttin und, Bhārata (Nom. / Gen. / Nom.f. / Vok.)
antarhitaḥ kṣaṇe tasmin
verschwunden in diesem Augenblick (Part.Pass. / Lok.)
sagaṇo bhīmapūrvaja
mit dem Gefolge, älterer Bruder des Bhīma (Nom.Sg.m. / Vok.)

etad atyadbhutaṃ sarvaṃ brāhmaṇāyātitejase; upamanyave mayā kṛtsnam ākhyātaṃ kauravottama

All dieses äußerst Wunderbare habe ich dem Brahmanen Upamanyu, dem überaus Glanzvollen, vollständig erzählt, bester der Kauravas.

Wort für Wort
etad atyadbhutaṃ sarvaṃ
dies äußerst Wunderbare, alles (Akk.Sg.n.)
brāhmaṇāyātitejase
dem Brahmanen, überaus Glänzenden (Dat.Sg.)
upamanyave mayā
dem Upamanyu von mir (Dat. / Instr.)
kṛtsnam ākhyātaṃ
vollständig erzählt (Adv. / Part.Pass. n.)
kauravottama
bester der Kauravas (Vok.)

Sprecher- und Adressatenverhältnis in diesem Abschnitt ist verschachtelt (Kṛṣṇa – Upamanyu – Yudhiṣṭhira); hier wörtlich wiedergegeben.

namaskṛtvā tu sa prāha devadevāya suvrata; nāsti śarvasamo dāne nāsti śarvasamo raṇe; nāsti śarvasamo devo nāsti śarvasamā gatiḥ

Nachdem er sich vor dem Gott der Götter verneigt hatte, sprach er, du fest Gelobender: „Keiner ist Śarva gleich im Geben, keiner ist Śarva gleich im Kampf, kein Gott ist Śarva gleich, kein Ziel ist Śarva gleich.“

Wort für Wort
namaskṛtvā tu sa prāha
verneigt habend aber er sprach (Abs. / Perf. 3.Sg.)
devadevāya suvrata
dem Gott der Götter, Frommer (Dat. / Vok.)
nāsti śarvasamo dāne
nicht ist Śarva-gleich im Geben (Präs. 3.Sg. / Lok.)
nāsti śarvasamo raṇe
nicht ist Śarva-gleich im Kampf (Lok.)
nāsti śarvasamo devo
nicht ist Śarva-gleich ein Gott (Nom.)
nāsti śarvasamā gatiḥ
nicht ist Śarva-gleich ein Ziel (Nom.Sg.f.)

Alternativ: devadevāya könnte auch zu prāha gezogen werden („sprach zum Gott der Götter“).

ṛṣir āsīt kṛte tāta taṇḍir ity eva viśrutaḥ; daśa varṣasahasrāṇi tena devaḥ samādhinā; ārādhito 'bhūd bhaktena tasyodarkaṃ niśāmaya

Im Kṛta-Zeitalter, Lieber, war ein Seher, der einfach als Taṇḍi berühmt war. Zehntausend Jahre lang wurde von ihm, dem Ergebenen, der Gott in Versenkung verehrt; höre dessen Ergebnis.

Wort für Wort
ṛṣir āsīt kṛte tāta
ein Seher war im Kṛta[-Zeitalter], Lieber (Nom. / Impf. / Lok. / Vok.)
taṇḍir ity eva viśrutaḥ
Taṇḍi so eben berühmt (Nom. / Part.Pass.)
daśa varṣasahasrāṇi
zehn Jahrtausende (Akk. der Dauer)
tena devaḥ samādhinā
von ihm der Gott durch Versenkung (Instr. / Nom. / Instr.)
ārādhito 'bhūd bhaktena
verehrt wurde, von dem Ergebenen (Part.Pass. / Aor. 3.Sg. / Instr.)
tasyodarkaṃ niśāmaya
dessen Ergebnis höre (Gen. / Akk. / Imp. 2.Sg.)

sa dṛṣṭavān mahādevam astauṣīc ca stavair vibhum

Er sah Mahādeva und pries den Herrn mit Lobliedern.

Wort für Wort
sa dṛṣṭavān
er sah (Part.Perf.Akt. Nom.Sg.m.)
mahādevam
Mahādeva (Akk.Sg.)
astauṣīc ca
und pries (Aor. 3.Sg.)
stavair vibhum
mit Lobliedern den Herrn (Instr.Pl. / Akk.Sg.)

iti taṇḍis tapoyogāt paramātmānam avyayam; cintayitvā mahātmānam idam āha suvismitaḥ; yaṃ paṭhanti sadā sāṃkhyāś cintayanti ca yoginaḥ; paraṃ pradhānaṃ puruṣam adhiṣṭhātāram īśvaram; utpattau ca vināśe ca kāraṇaṃ yaṃ vidur budhāḥ; devāsuramunīnāṃ ca paraṃ yasmān na vidyate; ajaṃ tam aham īśānam anādinidhanaṃ prabhum; atyantasukhinaṃ devam anaghaṃ śaraṇaṃ vraje; evaṃ bruvann eva tadā dadarśa tapasāṃ nidhim; tam avyayam anaupamyam acintyaṃ śāśvataṃ dhruvam; niṣkalaṃ sakalaṃ brahma nirguṇaṃ guṇagocaram; yogināṃ paramānandam akṣaraṃ mokṣasaṃjñitam; manorindrāgnimarutāṃ viśvasya brahmaṇo gatim; agrāhyam acalaṃ śuddhaṃ buddhigrāhyaṃ manomayam; durvijñeyam asaṃkhyeyaṃ duṣprāpam akṛtātmabhiḥ; yoniṃ viśvasya jagatas tamasaḥ parataḥ param; paraṃ purāṇaṃ puruṣaṃ parebhyaḥ parataḥ param; yaḥ prāṇavantam ātmānaṃ jyotir jīvasthitaṃ manaḥ; taṃ devaṃ darśanākāṅkṣī bahūn varṣagaṇān ṛṣiḥ; tapasy ugre sthito bhūtvā dṛṣṭvā tuṣṭāva ceśvaram

So, durch die Verbindung mit Askese, bedachte Taṇḍi den Höchsten Selbst, den Unvergänglichen, den Hochgesinnten, und sprach diese Worte, sehr erstaunt: „Den die Sāṃkhyas stets rezitieren und die Yogins betrachten, den höchsten Urstoff, den Puruṣa, den Lenker, den Herrn; den die Weisen als Ursache von Entstehen und Vergehen kennen, über den hinaus es für Götter, Asuras und Weise nichts Höheres gibt; den Ungeborenen, ihn, den Herrscher, ohne Anfang und Ende, den Gebieter, den unendlich glücklichen Gott, den Makellosen, bei ihm suche ich Zuflucht.“ So sprechend erblickte er da den Schatz der Askesen: ihn, den Unvergänglichen, Unvergleichlichen, Undenkbaren, Ewigen, Festen; das teillose und teilhafte Brahman, eigenschaftslos und im Bereich der Eigenschaften; die höchste Wonne der Yogins, das Unvergängliche, „Erlösung“ genannt; das Ziel des Manu, Indras, Agnis und der Maruts und des ganzen Brahman; den Unfassbaren, Unbeweglichen, Reinen, durch den Verstand Fassbaren, aus Geist Bestehenden; schwer zu erkennen, unzählbar, schwer zu erreichen für Ungeläuterte; den Ursprung des Alls, der Welt, jenseits der Finsternis das Jenseitige; den höchsten, uralten Puruṣa, höher als die Höheren; er, der [zugleich] der belebte Ātman, das Licht, der im Lebendigen weilende Geist ist – zu diesem Gott mit dem Verlangen nach Schau, viele Jahresscharen lang, in strenger Askese verharrend, sah der Seher ihn und pries den Herrn.

Wort für Wort
iti taṇḍis tapoyogāt
so Taṇḍi durch Askese-Yoga (Nom. / Abl.)
paramātmānam avyayam cintayitvā
den Höchsten Selbst, den Unvergänglichen, bedacht habend (Akk. / Abs.)
mahātmānam idam āha suvismitaḥ
den Hochgesinnten; dies sprach er, sehr erstaunt (Akk. / Perf. 3.Sg. / Nom.)
yaṃ paṭhanti sadā sāṃkhyāś cintayanti ca yoginaḥ
den rezitieren stets Sāṃkhyas und betrachten Yogins (Präs. 3.Pl. / Nom.Pl.)
paraṃ pradhānaṃ puruṣam adhiṣṭhātāram īśvaram
höchsten Urstoff, Puruṣa, Lenker, Herrn (Akk.Sg.)
utpattau ca vināśe ca kāraṇaṃ yaṃ vidur budhāḥ
bei Entstehen und Vergehen als Ursache den kennen die Weisen (Lok. / Akk. / Perf. 3.Pl.)
devāsuramunīnāṃ ca paraṃ yasmān na vidyate
der Götter, Asuras, Weisen Höheres als den nicht existiert (Gen.Pl. / Abl. / Präs.Pass.)
ajaṃ tam aham īśānam anādinidhanaṃ prabhum
Ungeborenen, ihn, ich, den Herrscher, Anfangs- und Endlosen, Gebieter (Akk.Sg.)
atyantasukhinaṃ devam anaghaṃ śaraṇaṃ vraje
unendlich glücklichen Gott, makellosen; als Zuflucht gehe ich (Akk. / Präs. 1.Sg.)
evaṃ bruvann eva tadā dadarśa tapasāṃ nidhim
so sprechend eben da erblickte er der Askesen Schatz (Part.Präs. / Perf. 3.Sg. / Akk.)
tam avyayam anaupamyam acintyaṃ śāśvataṃ dhruvam
ihn, Unvergänglichen, Unvergleichlichen, Undenkbaren, Ewigen, Festen (Akk.Sg.)
niṣkalaṃ sakalaṃ brahma nirguṇaṃ guṇagocaram
teillos, teilhaft Brahman, eigenschaftslos, im Bereich der Eigenschaften (Akk.Sg.n.)
yogināṃ paramānandam akṣaraṃ mokṣasaṃjñitam
der Yogins höchste Wonne, Unvergängliches, „Erlösung“ genannt (Gen.Pl. / Akk.)
manorindrāgnimarutāṃ viśvasya brahmaṇo gatim
des Manu, Indras, Agnis, der Maruts, des ganzen Brahman Ziel (Gen. / Akk.Sg.)
agrāhyam acalaṃ śuddhaṃ buddhigrāhyaṃ manomayam
unfassbar, unbeweglich, rein, durch den Verstand fassbar, geistgestaltig (Akk.Sg.n.)
durvijñeyam asaṃkhyeyaṃ duṣprāpam akṛtātmabhiḥ
schwer erkennbar, unzählbar, schwer erreichbar für Ungeläuterte (Akk. / Instr.Pl.)
yoniṃ viśvasya jagatas tamasaḥ parataḥ param
Schoß des Alls, der Welt, jenseits der Finsternis das Höhere (Akk. / Gen. / Abl. / Akk.)
paraṃ purāṇaṃ puruṣaṃ parebhyaḥ parataḥ param
höchsten uralten Puruṣa, höher als die Höheren (Akk. / Abl.Pl.)
yaḥ prāṇavantam ātmānaṃ jyotir jīvasthitaṃ manaḥ
der [ist] belebten Ātman, Licht, im Lebenden weilenden Geist (Nom. / Akk. / Nom.n.)
taṃ devaṃ darśanākāṅkṣī bahūn varṣagaṇān ṛṣiḥ
diesen Gott, nach Schau verlangend, viele Jahresscharen der Seher (Akk. / Nom. / Akk.Pl.)
tapasy ugre sthito bhūtvā dṛṣṭvā tuṣṭāva ceśvaram
in strenger Askese verharrend geworden, gesehen habend, pries er und den Herrn (Lok. / Abs. / Perf. 3.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften). „manorindrāgnimarutām“: manoḥ (Manu) + indra …, alternativ manaḥ = Geist; Lesart unsicher. Der Schluss (yaḥ prāṇavantam … tuṣṭāva) ist syntaktisch locker und zum Teil wohl verderbt.

pavitrāṇāṃ pavitras tvaṃ gatir gatimatāṃ vara; atyugraṃ tejasāṃ tejas tapasāṃ paramaṃ tapaḥ

„Du bist das Reinste der Reinigenden, das Ziel, bester der Zielhabenden; überaus schrecklich, Glanz der Glänze, höchste Askese der Askesen.“

Wort für Wort
pavitrāṇāṃ pavitras tvaṃ
der Reinigenden Reinigender du (Gen.Pl. / Nom.Sg.)
gatir gatimatāṃ vara
Ziel der Zielhabenden, Bester (Nom. / Gen.Pl. / Vok.)
atyugraṃ tejasāṃ tejas
überaus schrecklich, der Glänze Glanz (Nom.n. / Gen.Pl.)
tapasāṃ paramaṃ tapaḥ
der Askesen höchste Askese (Gen.Pl. / Nom.n.)

viśvāvasuhiraṇyākṣapuruhūtanamaskṛta; bhūrikalyāṇada vibho purusatya namo 'stu te

„Von Viśvāvasu, Hiraṇyākṣa und Puruhūta Verehrter, Spender vielen Heils, Herr, Purusatya [?], Verehrung sei dir!“

Wort für Wort
viśvāvasuhiraṇyākṣapuruhūtanamaskṛta
von Viśvāvasu, Hiraṇyākṣa, Puruhūta verehrt (Vok.Sg.)
bhūrikalyāṇada vibho
vielen Segen Spendender, Herr (Vok.)
purusatya
Vielwahrer [?] (Vok.)
namo 'stu te
Verehrung sei dir (Nom. / Imp. 3.Sg. / Dat.)

„purusatya“ vermutlich puru-satya „sehr wahrhaftig“, Lesart unsicher; die Namen Viśvāvasu und Hiraṇyākṣa könnten auch als Vokative gelesen werden.

jātīmaraṇabhīrūṇāṃ yatīnāṃ yatatāṃ vibho; nirvāṇada sahasrāṃśo namas te 'stu sukhāśraya

„Für die vor Geburt und Tod Furchtsamen, für die Asketen, die sich bemühen, Herr, Spender des Nirvāṇa, Tausendstrahliger, Zuflucht der Wonne: Verehrung sei dir!“

Wort für Wort
jātīmaraṇabhīrūṇāṃ
für die vor Geburt und Tod Furchtsamen (Gen.Pl.)
yatīnāṃ yatatāṃ vibho
der Asketen, der sich Mühenden, Herr (Gen.Pl. / Part.Präs. / Vok.)
nirvāṇada sahasrāṃśo
Nirvāṇa-Spender, Tausendstrahliger (Vok.)
namas te 'stu sukhāśraya
Verehrung dir sei, Zuflucht des Glücks (Nom. / Dat. / Imp. / Vok.)

brahmā śatakratur viṣṇur viśvedevā maharṣayaḥ; na vidus tvāṃ tu tattvena kuto vetsyāmahe vayam

„Brahmā, Śatakratu, Viṣṇu, die Viśvedevas und die großen Seher kennen dich nicht der Wahrheit nach; wie sollten wir [dich] erkennen?“

Wort für Wort
brahmā śatakratur viṣṇur
Brahmā, Śatakratu, Viṣṇu (Nom.)
viśvedevā maharṣayaḥ
die Viśvedevas, die großen Seher (Nom.Pl.)
na vidus tvāṃ tu tattvena
nicht kennen dich aber in Wahrheit (Perf. 3.Pl. / Akk. / Instr.)
kuto vetsyāmahe vayam
woher werden erkennen wir (Adv. / Fut. 1.Pl.Med. / Nom.)

tvattaḥ pravartate kālas tvayi kālaś ca līyate; kālākhyaḥ puruṣākhyaś ca brahmākhyaś ca tvam eva hi

„Von dir geht die Zeit aus, in dir löst sich die Zeit auf; „Zeit“ genannt, „Puruṣa“ genannt und „Brahman“ genannt bist du allein.“

Wort für Wort
tvattaḥ pravartate kālaḥ
von dir geht aus die Zeit (Abl. / Präs. 3.Sg.Med. / Nom.)
tvayi kālaś ca līyate
in dir und die Zeit löst sich auf (Lok. / Präs.Pass.)
kālākhyaḥ puruṣākhyaś ca
„Zeit“ genannt und „Puruṣa“ genannt (Nom.Sg.m.)
brahmākhyaś ca tvam eva hi
und „Brahman“ genannt, du eben fürwahr (Nom.)

tanavas te smṛtās tisraḥ purāṇajñaiḥ surarṣibhiḥ; adhipauruṣam adhyātmam adhibhūtādhidaivatam; adhilokyādhivijñānam adhiyajñas tvam eva hi

„Drei Leiber von dir sind überliefert, von den Purāṇa-Kundigen, den Göttern und Sehern: das auf den Puruṣa Bezogene, das auf das Selbst Bezogene, das auf die Wesen und Götter Bezogene, das auf die Welten Bezogene, das auf das Wissen Bezogene, das auf das Opfer Bezogene – das bist du allein.“

Wort für Wort
tanavas te smṛtās tisraḥ
Leiber von dir sind überliefert, drei (Nom.Pl.f. / Part.Pass. / Num.)
purāṇajñaiḥ surarṣibhiḥ
von Purāṇa-Kundigen, Götter-Sehern (Instr.Pl.)
adhipauruṣam adhyātmam
das Puruṣa-Bezogene, das Selbst-Bezogene (Akk./Nom.n.)
adhibhūtādhidaivatam
das Wesen-Bezogene, das Götter-Bezogene (n.)
adhilokyādhivijñānam
das Welt-Bezogene, das Wissen-Bezogene (n.)
adhiyajñas tvam eva hi
das Opfer-Bezogene [bist] du eben fürwahr (Nom.)

Die adhi-Reihe (adhipauruṣa, adhyātma, adhibhūta, adhidaivata, adhiloka, adhivijñāna, adhiyajña) ist wörtlich wiedergegeben; die Zuordnung zu den „drei Leibern“ bleibt unausgeführt.

tvāṃ viditvātmadehasthaṃ durvidaṃ daivatair api; vidvāṃso yānti nirmuktāḥ paraṃ bhāvam anāmayam

„Dich, im eigenen Körper weilend, selbst für die Götter schwer zu erkennen, erkannt habend, gehen die Wissenden, befreit, zum höchsten, leidlosen Zustand.“

Wort für Wort
tvāṃ viditvātmadehasthaṃ
dich erkannt habend, im eigenen Leib weilend (Akk. / Abs. / Akk.)
durvidaṃ daivatair api
schwer zu erkennen selbst für Götter (Akk. / Instr.Pl.)
vidvāṃso yānti nirmuktāḥ
die Wissenden gehen, befreit (Nom.Pl. / Präs. 3.Pl. / Part.Pass.)
paraṃ bhāvam anāmayam
zum höchsten Zustand, leidlosen (Akk.Sg.)

anicchatas tava vibho janmamṛtyur anekataḥ; dvāraṃ tvaṃ svargamokṣāṇām ākṣeptā tvaṃ dadāsi ca

„Du, Herr, wünschst nicht [selbst]; [doch] Geburt und Tod entstehen auf vielfache Weise. Du bist das Tor zu Himmel und Erlösung, du bist der Entreißende [?] und du gibst.“

Wort für Wort
anicchatas tava vibho
bei dir nicht Wünschendem, Herr (Gen.Sg.Part. / Gen. / Vok.)
janmamṛtyur anekataḥ
Geburt und Tod, auf vielfache Weise (Nom. / Adv.)
dvāraṃ tvaṃ svargamokṣāṇām
Tor du, von Himmel und Erlösung (Nom.n. / Gen.Pl.)
ākṣeptā tvaṃ dadāsi ca
Entreißender [?] du, du gibst und (Nom. / Präs. 2.Sg.)

anicchatas tava … janmamṛtyur anekataḥ ist schwierig; wörtlich etwa „bei deinem Nichtwünschen [gibt es] Geburt und Tod von vielen Seiten“. ākṣeptā (Entreißer/Verwehrer) unsicher.

tvam eva mokṣaḥ svargaś ca kāmaḥ krodhas tvam eva hi; sattvaṃ rajas tamaś caiva adhaś cordhvaṃ tvam eva hi

„Du bist Erlösung und Himmel, Begierde und Zorn bist du fürwahr; Sattva, Rajas und Tamas, Unten und Oben bist du fürwahr.“

Wort für Wort
tvam eva mokṣaḥ svargaś ca
du eben Erlösung und Himmel (Nom.)
kāmaḥ krodhas tvam eva hi
Begierde, Zorn, du eben fürwahr (Nom.)
sattvaṃ rajas tamaś caiva
Sattva, Rajas, Tamas und ebenso (Nom.n.)
adhaś cordhvaṃ tvam eva hi
unten und oben du eben fürwahr (Adv.)

brahmā viṣṇuś ca rudraś ca skandendrau savitā yamaḥ; varuṇendū manur dhātā vidhātā tvaṃ dhaneśvaraḥ

„Brahmā, Viṣṇu und Rudra, Skanda und Indra, Savitṛ, Yama, Varuṇa und der Mond, Manu, Dhātṛ, Vidhātṛ, du [bist] der Herr der Schätze.“

Wort für Wort
brahmā viṣṇuś ca rudraś ca
Brahmā, Viṣṇu und Rudra (Nom.)
skandendrau savitā yamaḥ
Skanda und Indra, Savitṛ, Yama (Nom.Du. / Nom.)
varuṇendū manur
Varuṇa und der Mond, Manu (Nom.Du. / Nom.)
dhātā vidhātā tvaṃ dhaneśvaraḥ
Dhātṛ, Vidhātṛ, du, Herr des Reichtums (Nom.)

bhūr vāyur jyotir āpaś ca vāg buddhis tvaṃ matir manaḥ; karma satyānṛte cobhe tvam evāsti ca nāsti ca

„Erde, Wind, Licht und Wasser, Rede, Verstand bist du, Einsicht und Geist; Tat, Wahrheit und Unwahrheit beide; du bist Seiendes und Nichtseiendes.“

Wort für Wort
bhūr vāyur jyotir āpaś ca
Erde, Wind, Licht und Wasser (Nom.)
vāg buddhis tvaṃ matir manaḥ
Rede, Verstand du, Einsicht, Geist (Nom.)
karma satyānṛte cobhe
Tat, Wahrheit und Unwahrheit, beide (Nom.n. / Nom.Du.n.)
tvam evāsti ca nāsti ca
du eben Sein und Nichtsein (Präs. 3.Sg. substantiviert)

indriyāṇīndriyārthāś ca tatparaṃ prakṛter dhruvam; viśvāviśvaparo bhāvaś cintyācintyas tvam eva hi

„Die Sinne und die Sinnesobjekte, und das darüber Hinausliegende, jenseits der Urnatur, das Feste; das über Welt und Nicht-Welt hinausgehende Sein, Denkbares und Undenkbares bist du fürwahr.“

Wort für Wort
indriyāṇīndriyārthāś ca
Sinne und Sinnesobjekte (Nom.Pl.)
tatparaṃ prakṛter dhruvam
das darüber Hinausliegende, jenseits der Prakṛti, das Feste (Nom.n. / Abl. / Nom.n.)
viśvāviśvaparo bhāvaḥ
das über Welt und Nicht-Welt hinausgehende Sein (Nom.Sg.m.)
cintyācintyas tvam eva hi
Denkbares und Undenkbares du eben fürwahr (Nom.)

„tatparaṃ prakṛter dhruvam“ kann auch anders gegliedert werden (z. B. „das Höchste der Prakṛti, das Feste“).

yac caitat paramaṃ brahma yac ca tat paramaṃ padam; yā gatiḥ sāṃkhyayogānāṃ sa bhavān nātra saṃśayaḥ

„Und was dieses höchste Brahman ist und was jener höchste Ort, das Ziel der Sāṃkhyas und Yogins, das bist du, Erhabener; darin ist kein Zweifel.“

Wort für Wort
yac caitat paramaṃ brahma
und was dieses höchste Brahman (Nom.n.)
yac ca tat paramaṃ padam
und was jener höchste Ort (Nom.n.)
yā gatiḥ sāṃkhyayogānāṃ
welches Ziel der Sāṃkhya- und Yoga-[Anhänger] (Nom.f. / Gen.Pl.)
sa bhavān nātra saṃśayaḥ
das bist du, hierin kein Zweifel (Nom. / Nom.)

nūnam adya kṛtārthāḥ sma nūnaṃ prāptāḥ satāṃ gatim; yāṃ gatiṃ prāpnuvantīha jñānanirmalabuddhayaḥ

„Gewiss sind wir heute am Ziel, gewiss haben wir das Ziel der Guten erlangt, das Ziel, das hier diejenigen erlangen, deren Verstand durch Erkenntnis rein ist.“

Wort für Wort
nūnam adya kṛtārthāḥ sma
gewiss heute zielerreicht sind wir (Adv. / Nom.Pl. / Präs. 1.Pl.)
nūnaṃ prāptāḥ satāṃ gatim
gewiss erlangt der Guten Ziel (Part.Pass. / Gen.Pl. / Akk.)
yāṃ gatiṃ prāpnuvantīha
welches Ziel erlangen hier (Akk. / Präs. 3.Pl.)
jñānanirmalabuddhayaḥ
durch Erkenntnis rein im Verstand (Nom.Pl.m.)

aho mūḍhāḥ sma suciram imaṃ kālam acetasaḥ; yan na vidmaḥ paraṃ devaṃ śāśvataṃ yaṃ vidur budhāḥ

„Ach, wir waren sehr lange Zeit betört und verstandlos, dass wir den höchsten Gott nicht kannten, den ewigen, den die Weisen kennen.“

Wort für Wort
aho mūḍhāḥ sma suciram
ach, betört waren wir sehr lange (Interj. / Nom.Pl. / Adv.)
imaṃ kālam acetasaḥ
diese Zeit lang, verstandlos (Akk. / Nom.Pl.)
yan na vidmaḥ paraṃ devaṃ
dass nicht wir kannten den höchsten Gott (Präs. 1.Pl. / Akk.)
śāśvataṃ yaṃ vidur budhāḥ
den Ewigen, den kennen die Weisen (Akk. / Perf. 3.Pl. / Nom.)

so 'yam āsāditaḥ sākṣād bahubhir janmabhir mayā; bhaktānugrahakṛd devo yaṃ jñātvāmṛtam aśnute

„Dieser da ist nun von mir nach vielen Geburten leibhaftig erlangt, der Gott, der den Ergebenen Gnade erweist, den man erkannt habend Unsterblichkeit genießt.“

Wort für Wort
so 'yam āsāditaḥ sākṣād
dieser hier erreicht, sichtbar (Nom. / Part.Pass. / Adv.)
bahubhir janmabhir mayā
nach vielen Geburten von mir (Instr.Pl. / Instr.)
bhaktānugrahakṛd devo
den Ergebenen Gnade erweisender Gott (Nom.)
yaṃ jñātvāmṛtam aśnute
den erkannt habend Unsterblichkeit man genießt (Abs. / Akk. / Präs. 3.Sg.Med.)

devāsuramanuṣyāṇāṃ yac ca guhyaṃ sanātanam; guhāyāṃ nihitaṃ brahma durvijñeyaṃ surair api

„Was das Geheimnis von Göttern, Asuras und Menschen ist, das Ewige; das in der Höhle niedergelegte Brahman, selbst für die Götter schwer zu erkennen.“

Wort für Wort
devāsuramanuṣyāṇāṃ
von Göttern, Asuras und Menschen (Gen.Pl.)
yac ca guhyaṃ sanātanam
und was Geheimnis, ewig (Nom.n.)
guhāyāṃ nihitaṃ brahma
in der Höhle niedergelegt, Brahman (Lok.Sg.f. / Part.Pass. / Nom.n.)
durvijñeyaṃ surair api
schwer erkennbar auch für Götter (Nom.n. / Instr.Pl.)

sa eṣa bhagavān devaḥ sarvakṛt sarvatomukhaḥ; sarvātmā sarvadarśī ca sarvagaḥ sarvaveditā

„Er, dieser erhabene Gott, ist Allschöpfer, allseitig Gewandter, Allselbst, Allschauer, Allgehender, Allwisser.“

Wort für Wort
sa eṣa bhagavān devaḥ
er, dieser erhabene Gott (Nom.)
sarvakṛt sarvatomukhaḥ
Allschöpfer, allseitig gerichtet (Nom.)
sarvātmā sarvadarśī ca
Allselbst und Allschauer (Nom.)
sarvagaḥ sarvaveditā
Allgehender, Allwisser (Nom.)

prāṇakṛt prāṇabhṛt prāṇī prāṇadaḥ prāṇināṃ gatiḥ; dehakṛd dehabhṛd dehī dehabhug dehināṃ gatiḥ

„Lebensschöpfer, Lebensträger, Lebewesen, Lebensgeber, Ziel der Lebewesen; Leibschöpfer, Leibträger, Verkörperter, Leibgenießer, Ziel der Verkörperten.“

Wort für Wort
prāṇakṛt prāṇabhṛt prāṇī
Lebensschöpfer, Lebensträger, Lebewesen (Nom.)
prāṇadaḥ prāṇināṃ gatiḥ
Lebensgeber, der Lebewesen Ziel (Nom. / Gen.Pl.)
dehakṛd dehabhṛd dehī
Leibschöpfer, Leibträger, Verkörperter (Nom.)
dehabhug dehināṃ gatiḥ
Leibgenießer, der Verkörperten Ziel (Nom. / Gen.Pl.)

adhyātmagatiniṣṭhānāṃ dhyāninām ātmavedinām; apunarmārakāmānāṃ yā gatiḥ so 'yam īśvaraḥ

„Für die, die im Ziel des Selbst-Bezogenen gründen, die Meditierenden, Selbstkenner, die keine Wiederkehr zum Tod wünschen: das Ziel, welches es ist, das ist dieser Īśvara.“

Wort für Wort
adhyātmagatiniṣṭhānāṃ
die im Ziel des Selbst-Bezogenen Gegründeten (Gen.Pl.)
dhyāninām ātmavedinām
Meditierender, Selbstkundiger (Gen.Pl.)
apunarmārakāmānāṃ
die kein Wiedersterben wünschen (Gen.Pl.)
yā gatiḥ so 'yam īśvaraḥ
welches Ziel, das [ist] dieser Herr (Nom.f. / Nom.)

apunarmārakāmānām: wörtlich „die kein erneutes Sterben wünschen“.

ayaṃ ca sarvabhūtānāṃ śubhāśubhagatipradaḥ; ayaṃ ca janmamaraṇe vidadhyāt sarvajantuṣu

„Und dieser ist der Geber guten und schlechten Zieles für alle Wesen; und dieser mag Geburt und Tod bei allen Geschöpfen bestimmen.“

Wort für Wort
ayaṃ ca sarvabhūtānāṃ
und dieser aller Wesen (Nom. / Gen.Pl.)
śubhāśubhagatipradaḥ
Geber guten und schlechten Ziels (Nom.)
ayaṃ ca janmamaraṇe
und dieser Geburt und Tod (Nom. / Akk.Du.n.)
vidadhyāt sarvajantuṣu
möge bestimmen bei allen Geschöpfen (Opt. 3.Sg. / Lok.Pl.)

ayaṃ ca siddhikāmānām ṛṣīṇāṃ siddhidaḥ prabhuḥ; ayaṃ ca mokṣakāmānāṃ dvijānāṃ mokṣadaḥ prabhuḥ

„Und dieser ist der Herr, der den Sehern, die Vollendung wünschen, Vollendung gibt; und dieser ist der Herr, der den Zweimalgeborenen, die Erlösung wünschen, Erlösung gibt.“

Wort für Wort
ayaṃ ca siddhikāmānām
und dieser der Vollendung Wünschenden (Gen.Pl.)
ṛṣīṇāṃ siddhidaḥ prabhuḥ
der Seher Vollendungsgeber, Herr (Gen.Pl. / Nom.)
ayaṃ ca mokṣakāmānāṃ
und dieser der Erlösung Wünschenden (Gen.Pl.)
dvijānāṃ mokṣadaḥ prabhuḥ
der Zweimalgeborenen Erlösungsgeber, Herr (Gen.Pl. / Nom.)

bhūr ādyān sarvabhuvanān utpādya sadivaukasaḥ; vibharti devas tanubhir aṣṭābhiś ca dadāti ca

„Nachdem der Gott alle Welten, von Bhūḥ beginnend, samt den Himmelsbewohnern hervorgebracht hat, trägt er [sie] mit acht Leibern und gibt [ihnen].“

Wort für Wort
bhūr ādyān sarvabhuvanān
die mit Bhūḥ beginnenden, alle Welten (Akk.Pl.)
utpādya sadivaukasaḥ
hervorgebracht habend, samt den Himmelsbewohnern (Abs. / Akk.Pl.)
vibharti devas tanubhir
trägt der Gott mit Leibern (Präs. 3.Sg. / Nom. / Instr.Pl.)
aṣṭābhiś ca dadāti ca
mit acht und gibt und (Instr.Pl. / Präs. 3.Sg.)

„bhūr ādyān“ kann auch „die mit der Erde beginnenden“ heißen; Sinn gleich.

ataḥ pravartate sarvam asmin sarvaṃ pratiṣṭhitam; asmiṃś ca pralayaṃ yāti ayam ekaḥ sanātanaḥ

„Von ihm geht alles aus, in ihm ist alles gegründet; in ihm geht es auch in die Auflösung ein; dieser [ist] der Eine, der Ewige.“

Wort für Wort
ataḥ pravartate sarvam
von ihm geht aus alles (Adv. / Präs. 3.Sg. / Nom.n.)
asmin sarvaṃ pratiṣṭhitam
in diesem alles gegründet (Lok. / Part.Pass.)
asmiṃś ca pralayaṃ yāti
in diesem auch in Auflösung geht es (Lok. / Akk. / Präs. 3.Sg.)
ayam ekaḥ sanātanaḥ
dieser einer, ewig (Nom.)

ayaṃ sa satyakāmānāṃ satyalokaḥ paraḥ satām; apavargaś ca muktānāṃ kaivalyaṃ cātmavādinām

„Dieser ist die Wahrheitswelt der nach Wahrheit Verlangenden, die höchste der Guten; Erlösung der Befreiten und Kaivalya der Selbstlehrer.“

Wort für Wort
ayaṃ sa satyakāmānāṃ
dieser ist er der Wahrheitsverlangenden (Nom. / Gen.Pl.)
satyalokaḥ paraḥ satām
Wahrheitswelt, höchste der Guten (Nom. / Gen.Pl.)
apavargaś ca muktānāṃ
und Erlösung der Befreiten (Nom. / Gen.Pl.)
kaivalyaṃ cātmavādinām
Kaivalya und der Selbst-Lehrer (Nom.n. / Gen.Pl.)

ayaṃ brahmādibhiḥ siddhair guhāyāṃ gopitaḥ prabhuḥ; devāsuramanuṣyāṇāṃ na prakāśo bhaved iti

Dieser Herr wurde von Brahmā und anderen, den Vollendeten, in der Höhle [des Herzens] verborgen, damit er den Göttern, Asuras und Menschen nicht offenbar werde.

Wort für Wort
ayaṃ brahmādibhiḥ siddhaiḥ
dieser (Herr), von Brahmā und anderen Vollendeten (Nom./Instr.Pl.)
guhāyāṃ gopitaḥ prabhuḥ
in der Höhle verborgen, der Herr (Lok.Sg./Part.Pass./Nom.)
devāsuramanuṣyāṇām
der Götter, Asuras und Menschen (Gen.Pl., Dvandva)
na prakāśo bhaved iti
nicht offenbar werden möge, [so dass] (Opt.3.Sg./iti)

taṃ tvāṃ devāsuranarās tattvena na vidur bhavam; mohitāḥ khalv anenaiva hṛcchayena praveśitāḥ

Dich, Bhava, erkennen Götter, Asuras und Menschen in Wahrheit nicht; verwirrt sind sie eben durch diesen, und in den Herzensliegenden [Wunsch/Herrn] sind sie hineingeführt.

Wort für Wort
taṃ tvāṃ devāsuranarāḥ
dich, jenen, Götter, Asuras und Menschen (Akk.Sg./Nom.Pl.)
tattvena na vidur bhavam
in Wahrheit nicht kennen, Bhava (Adv./Perf.3.Pl./Akk.Sg.)
mohitāḥ khalv anenaiva
verwirrt fürwahr eben durch diesen (Part.Pass.Nom.Pl./Instr.Sg.)
hṛcchayena praveśitāḥ
durch den im Herzen Liegenden hineingeführt (Instr.Sg./Part.Kaus.Nom.Pl.)

hṛcchaya bedeutet wörtlich „im Herzen liegend“ (Liebesverlangen bzw. Epitheton des im Herzen wohnenden Gottes); die Konstruktion von praveśitāḥ ist mehrdeutig.

ye cainaṃ saṃprapadyante bhaktiyogena bhārata; teṣām evātmanātmānaṃ darśayaty eṣa hṛcchayaḥ

Und die sich ihm mit hingebungsvoller Verbindung [Bhaktiyoga] zuwenden, Bhārata, denen allein zeigt dieser im Herzen Liegende sich selbst durch sich selbst.

Wort für Wort
ye cainaṃ saṃprapadyante
und die, die sich ihm zuwenden (Nom.Pl./Akk.Sg./Präs.Med.3.Pl.)
bhaktiyogena bhārata
durch die Verbindung der Hingabe, Bhārata (Instr.Sg./Vok.)
teṣām evātmanātmānam
eben ihnen durch sich sich selbst (Dat./Gen.Pl./Instr.Sg./Akk.Sg.)
darśayaty eṣa hṛcchayaḥ
zeigt dieser Herzensruhende (Präs.Kaus.3.Sg./Nom.Sg.)

yaṃ jñātvā na punarjanma maraṇaṃ cāpi vidyate; yaṃ viditvā paraṃ vedyaṃ veditavyaṃ na vidyate

Wenn man ihn erkannt hat, gibt es weder Wiedergeburt noch Tod; wenn man ihn erkannt hat, gibt es nichts Höheres mehr zu Wissendes, was zu wissen wäre.

Wort für Wort
yaṃ jñātvā
den, nachdem man erkannt hat (Akk.Sg./Abs.)
na punarjanma maraṇaṃ cāpi vidyate
nicht [gibt es] erneute Geburt und auch Tod (Nom.Sg./Präs.Pass.3.Sg.)
yaṃ viditvā
den, nachdem man erkannt hat (Abs.)
paraṃ vedyaṃ veditavyaṃ na vidyate
Höheres Wissbares, zu Wissendes gibt es nicht (Nom.Sg.n./Gerundiv)

yaṃ labdhvā paramaṃ lābhaṃ manyate nādhikaṃ punaḥ; prāṇasūkṣmāṃ parāṃ prāptim āgacchaty akṣayāvahām

Wenn man ihn erlangt hat, hält man keinen Gewinn mehr für höher als den höchsten Gewinn; man gelangt zum höchsten, feinsten Erreichen des Lebenshauchs [?], das Unvergänglichkeit bringt.

Wort für Wort
yaṃ labdhvā paramaṃ lābham
den erlangt habend, [als] höchsten Gewinn (Abs./Akk.Sg.)
manyate nādhikaṃ punaḥ
hält man nicht mehr für höher (Präs.Med.3.Sg./Akk.Sg.n.)
prāṇasūkṣmāṃ parāṃ prāptim
das feine [?] höchste Erreichen des Lebenshauchs (Akk.Sg.f.)
āgacchaty akṣayāvahām
gelangt er zu dem, was Unvergänglichkeit bringt (Präs.3.Sg./Akk.Sg.f.)

prāṇasūkṣmāṃ ist unsicher: wörtlich „fein/subtil durch Prāṇa“ oder „fein wie ein Lebenshauch“.

yaṃ sāṃkhyā guṇatattvajñāḥ sāṃkhyaśāstraviśāradāḥ; sūkṣmajñānaratāḥ pūrvaṃ jñātvā mucyanti bandhanaiḥ

Ihn, den die Sāṃkhya-Anhänger, die die Wesenheiten der Guṇas kennen, in der Lehre des Sāṃkhya bewandert und an feinem Wissen erfreut, zuvor erkannt haben, [durch den] werden sie aus den Fesseln befreit.

Wort für Wort
yaṃ sāṃkhyā guṇatattvajñāḥ
den die Sāṃkhyas, Kenner der Wahrheit der Guṇas (Akk./Nom.Pl.)
sāṃkhyaśāstraviśāradāḥ
in der Sāṃkhya-Lehre Bewanderte (Nom.Pl., Kompositum)
sūkṣmajñānaratāḥ pūrvam
am feinen Wissen Erfreute, zuvor (Nom.Pl./Adv.)
jñātvā mucyanti bandhanaiḥ
erkannt habend, werden sie befreit von den Fesseln (Abs./Präs.Pass.3.Pl./Instr.Pl.)

Der Satz ist syntaktisch verkürzt; mucyanti bandhanaiḥ „werden von den Fesseln befreit“.

yaṃ ca vedavido vedyaṃ vedānteṣu pratiṣṭhitam; prāṇāyāmaparā nityaṃ yaṃ viśanti japanti ca

Und ihn, der von den Veda-Kundigen als das zu Wissende gilt und in den Vedāntas gegründet ist, [ihn,] in den sie, dem Prāṇāyāma stets ergeben, eingehen und den sie murmelnd rezitieren.

Wort für Wort
yaṃ ca vedavido vedyam
und den die Veda-Kenner als das Wissbare (Akk./Nom.Pl./Akk.Sg.)
vedānteṣu pratiṣṭhitam
in den Vedāntas gegründet (Lok.Pl./Part.)
prāṇāyāmaparā nityam
dem Atemzügeln ergeben, stets (Nom.Pl./Adv.)
yaṃ viśanti japanti ca
in den sie eingehen und den sie murmeln (Präs.3.Pl.)

oṃkāraratham āruhya te viśanti maheśvaram

Auf den Wagen der Silbe Oṃ gestiegen, gehen sie in den Großen Herrn ein.

Wort für Wort
oṃkāraratham āruhya
den Wagen der Silbe Oṃ bestiegen habend (Akk.Sg./Abs.)
te viśanti
sie gehen ein (Präs.3.Pl.)
maheśvaram
in den Großen Herrn (Akk.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften).

ayaṃ sa devayānānām ādityo dvāram ucyate; ayaṃ ca pitṛyānānāṃ candramā dvāram ucyate

Dieser [die Sonne] heißt das Tor der Götterpfade, der Āditya; und dieser [der Mond] heißt das Tor der Väterpfade, der Mond.

Wort für Wort
ayaṃ sa devayānānām
dieser, jener, der Götterpfade (Nom.Sg./Gen.Pl.)
ādityo dvāram ucyate
der Āditya, Tor, wird genannt (Nom.Sg./Präs.Pass.3.Sg.)
ayaṃ ca pitṛyānānām
und dieser, der Väterpfade (Gen.Pl.)
candramā dvāram ucyate
der Mond, Tor, wird genannt

eṣa kālagatiś citrā saṃvatsarayugādiṣu; bhāvābhāvau tadātve ca ayane dakṣiṇottare

Dies ist der vielfältige Lauf der Zeit in den Jahren, Zeitaltern und den übrigen [Abschnitten], Entstehen und Vergehen in der jeweiligen Gegenwart sowie in den beiden Sonnenwenden, der südlichen und der nördlichen.

Wort für Wort
eṣa kālagatiś citrā
dies ist der Lauf der Zeit, bunt/vielfältig (Nom.Sg.f.)
saṃvatsarayugādiṣu
in Jahren, Zeitaltern und anderem (Lok.Pl.)
bhāvābhāvau tadātve ca
Sein und Nichtsein und in der Gegenwart (Nom.Du./Lok.Sg.)
ayane dakṣiṇottare
in den beiden Sonnenwegen, südlich und nördlich (Nom./Lok.Du.)

evaṃ prajāpatiḥ pūrvam ārādhya bahubhiḥ stavaiḥ; varayām āsa putratve nīlalohitasaṃjñitam

So hat einst Prajāpati ihn mit vielen Preisliedern verehrt und den „Blaurot“ Genannten sich zum Sohn erbeten.

Wort für Wort
evaṃ prajāpatiḥ pūrvam
so Prajāpati einst (Nom.Sg./Adv.)
ārādhya bahubhiḥ stavaiḥ
verehrt habend mit vielen Preisliedern (Abs./Instr.Pl.)
varayām āsa putratve
erbat sich [ihn] zum Sohnsein (Perf.Kaus.3.Sg./Lok.Sg.)
nīlalohitasaṃjñitam
den Nīlalohita Genannten (Akk.Sg.)

Nīlalohita ist ein Beiname Rudras/Śivas.

ṛgbhir yam anuśaṃsanti tantre karmaṇi bahvṛcaḥ; yajurbhir yaṃ tridhā vedyaṃ juhvaty adhvaryavo 'dhvare

Den die Bahvṛcas im rituellen Ablauf mit Ṛg-Versen preisen, den die Adhvaryus im Opfer mit Yajus-Sprüchen als dreifach zu Wissenden darbringen [?].

Wort für Wort
ṛgbhir yam anuśaṃsanti
mit Ṛg-Versen, den sie preisen (Instr.Pl./Präs.3.Pl.)
tantre karmaṇi bahvṛcaḥ
im Ritualgefüge, im Werk, die Bahvṛcas (Lok.Sg./Nom.Pl.)
yajurbhir yaṃ tridhā vedyam
mit Yajus-Sprüchen, den dreifach zu Wissenden [?] (Instr.Pl./Adv./Gerundiv)
juhvaty adhvaryavo 'dhvare
darbringen die Adhvaryus im Opfer (Präs.3.Pl./Nom.Pl./Lok.Sg.)

tridhā vedyam ist unsicher; Bezug wohl auf die dreifache Erkenntnis bzw. Opferdreiheit.

sāmabhir yaṃ ca gāyanti sāmagāḥ śuddhabuddhayaḥ

Und den die Sāma-Sänger mit reinem Sinn mit Sāman-Gesängen besingen,

Wort für Wort
sāmabhir yaṃ ca gāyanti
und den mit Sāmans sie singen (Instr.Pl./Präs.3.Pl.)
sāmagāḥ śuddhabuddhayaḥ
die Sāma-Sänger, reinen Sinnes (Nom.Pl.)

Der Satz wird in Einheit 57 fortgesetzt.

ṛtaṃ satyaṃ paraṃ brahma stuvanty ātharvaṇā dvijāḥ

[ihn,] das Ṛta, die Wahrheit, das höchste Brahman, preisen die Atharvan-Zweigeborenen.

Wort für Wort
ṛtaṃ satyaṃ paraṃ brahma
das Ṛta, die Wahrheit, das höchste Brahman (Akk.Sg.n.)
stuvanty ātharvaṇā dvijāḥ
preisen die Atharvan-Kundigen, Zweigeborenen (Präs.3.Pl./Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften).

yajñasya paramā yoniḥ patiś cāyaṃ paraḥ smṛtaḥ

[ihn,] der der höchste Ursprung des Opfers ist und dieser als höchster Herr überliefert wird.

Wort für Wort
yajñasya paramā yoniḥ
des Opfers höchster Ursprung/Schoß (Gen.Sg./Nom.Sg.)
patiś cāyaṃ paraḥ smṛtaḥ
und Herr, dieser, als höchster überliefert (Nom.Sg./Part.Pass.)

rātryahaḥśrotranayanaḥ pakṣamāsaśirobhujaḥ; ṛtuvīryas tapodhairyo hy abdaguhyorupādavān

Nacht und Tag sind sein Ohr und Auge, Halbmonate und Monate sein Haupt und seine Arme; die Jahreszeiten sind seine Kraft, Askese und Standhaftigkeit [sind ihm eigen], und das Jahr hat er als Scham, Schenkel und Füße.

Wort für Wort
rātryahaḥśrotranayanaḥ
dessen Ohren und Augen Nacht und Tag sind (Bahuvrīhi Nom.Sg.)
pakṣamāsaśirobhujaḥ
dessen Kopf und Arme Halbmonate und Monate sind (Bahuvrīhi)
ṛtuvīryas tapodhairyaḥ
dessen Kraft die Jahreszeiten, dessen Standhaftigkeit die Askese ist (Bahuvrīhi)
hy abdaguhyorupādavān
denn er hat das Jahr als Scham, Schenkel und Füße (Nom.Sg.)

mṛtyur yamo hutāśaś ca kālaḥ saṃhāravegavān; kālasya paramā yoniḥ kālaś cāyaṃ sanātanaḥ

Er ist Tod, Yama, der Opferverzehrer [Agni] und die Zeit, von zerstörerischem Ungestüm; der höchste Ursprung der Zeit und auch dieser ist die ewige Zeit.

Wort für Wort
mṛtyur yamo hutāśaś ca
Tod, Yama und der Opferverzehrer (Nom.Sg.)
kālaḥ saṃhāravegavān
die Zeit, mit dem Ungestüm der Vernichtung (Nom.Sg.)
kālasya paramā yoniḥ
der Zeit höchster Ursprung (Gen.Sg./Nom.Sg.f.)
kālaś cāyaṃ sanātanaḥ
und die Zeit, dieser, der Ewige (Nom.Sg.)

candrādityau sanakṣatrau sagrahau saha vāyunā; dhruvaḥ saptarṣayaś caiva bhuvanāḥ sapta eva ca

Mond und Sonne samt den Mondhäusern, samt den Planeten und dem Wind, der Polarstern und die sieben Ṛṣis und die sieben Welten.

Wort für Wort
candrādityau sanakṣatrau
Mond und Sonne mit Sternbildern (Nom.Du.)
sagrahau saha vāyunā
mit Planeten, zusammen mit dem Wind (Instr.Sg.)
dhruvaḥ saptarṣayaś caiva
der Dhruva und die sieben Ṛṣis (Nom.)
bhuvanāḥ sapta eva ca
und die sieben Welten (Nom.Pl.)

pradhānaṃ mahad avyaktaṃ viśeṣāntaṃ savaikṛtam; brahmādi stambaparyantaṃ bhūtādi sad asac ca yat

Das Pradhāna, das Große, das Unmanifeste, die Entfaltungen bis zu den Sonderformen, samt den Umwandlungen, von Brahmā an bis zum Grashalm, der Ursprung der Wesen, was seiend und nichtseiend ist.

Wort für Wort
pradhānaṃ mahad avyaktam
das Pradhāna, das Große, das Unmanifeste (Nom.Sg.n.)
viśeṣāntaṃ savaikṛtam
bis zu den Sonderformen reichend, samt Umwandlungen (Nom.Sg.n.)
brahmādi stambaparyantam
von Brahmā beginnend bis zum Grashalm reichend (Nom.Sg.n.)
bhūtādi sad asac ca yat
Ursprung der Wesen, Seiendes und Nichtseiendes, was [immer] (Nom.Sg.n.)

Anspielung auf Sāṃkhya-Kategorien; viśeṣānta „bis zu den Sonderformen [den Elementen] reichend“.

aṣṭau prakṛtayaś caiva prakṛtibhyaś ca yat param; asya devasya yad bhāgaṃ kṛtsnaṃ saṃparivartate

Und die acht Prakṛtis und was jenseits der Prakṛtis liegt; alles, was als Teil dieses Gottes sich vollständig umwälzt.

Wort für Wort
aṣṭau prakṛtayaś caiva
und die acht Urstoffe (Nom.Pl.)
prakṛtibhyaś ca yat param
und was jenseits der Urstoffe ist (Abl.Pl./Nom.Sg.n.)
asya devasya yad bhāgam
dieses Gottes, was [als] Teil (Gen.Sg./Nom.Sg.)
kṛtsnaṃ saṃparivartate
vollständig sich umwälzt (Präs.Med.3.Sg.)

etat paramam ānandaṃ yat tac chāśvatam eva ca; eṣā gatir viraktānām eṣa bhāvaḥ paraḥ satām

Dies ist das höchste Glück, das, was ewig ist; dies ist der Weg der Leidenschaftslosen, dies das höchste Sein der Guten.

Wort für Wort
etat paramam ānandam
dies ist die höchste Wonne (Nom.Sg.n.)
yat tac chāśvatam eva ca
was jenes Ewige eben auch (Nom.Sg.n.)
eṣā gatir viraktānām
dies ist der Weg der Leidenschaftslosen (Nom.Sg.f./Gen.Pl.)
eṣa bhāvaḥ paraḥ satām
dies ist das höchste Sein der Guten (Nom.Sg./Gen.Pl.)

etat padam anudvignam etad brahma sanātanam; śāstravedāṅgaviduṣām etad dhyānaṃ paraṃ padam

Dies ist der unerschütterte Zustand, dies das ewige Brahman; für die Kenner von Lehrbüchern, Veda und Vedāṅgas ist dies die höchste Meditation, der höchste Stand.

Wort für Wort
etat padam anudvignam
dies ist der unerschütterte Stand (Nom.Sg.n.)
etad brahma sanātanam
dies das ewige Brahman
śāstravedāṅgaviduṣām
der Kenner der Lehrbücher, Veden und Vedāṅgas (Gen.Pl.)
etad dhyānaṃ paraṃ padam
dies die Meditation, der höchste Stand

iyaṃ sā paramā kāṣṭhā iyaṃ sā paramā kalā; iyaṃ sā paramā siddhir iyaṃ sā paramā gatiḥ

Dies ist jener höchste Gipfel, dies jene höchste Kalā, dies jene höchste Vollendung, dies jener höchste Weg.

Wort für Wort
iyaṃ sā paramā kāṣṭhā
dies ist jene höchste Grenze/Gipfel (Nom.Sg.f.)
iyaṃ sā paramā kalā
dies jene höchste Kalā
iyaṃ sā paramā siddhiḥ
dies jene höchste Vollendung
iyaṃ sā paramā gatiḥ
dies jener höchste Weg/Zustand

kāṣṭhā „Ziel, Gipfel, Grenze“; kalā „Teil, Zeitteilchen“.

iyaṃ sā paramā śāntir iyaṃ sā nirvṛtiḥ parā; yaṃ prāpya kṛtakṛtyāḥ sma ity amanyanta vedhasaḥ

Dies ist jener höchste Friede, dies jene höchste Erlöschung; nach deren Erreichen die Schöpfer dachten: „Wir haben unser Ziel erreicht.“

Wort für Wort
iyaṃ sā paramā śāntiḥ
dies ist jener höchste Friede (Nom.Sg.f.)
iyaṃ sā nirvṛtiḥ parā
dies jene höchste Erlöschung/Ruhe
yaṃ prāpya kṛtakṛtyāḥ sma
nach dessen Erlangen: „wir haben Erfülltes vollbracht“ (Abs./Nom.Pl.)
ity amanyanta vedhasaḥ
so dachten die Schöpfer (Impf.Med.3.Pl./Nom.Pl.)

vedhasaḥ „Schöpfer, Weise“; hier wohl die Weisen oder Schöpfergötter.

iyaṃ tuṣṭir iyaṃ siddhir iyaṃ śrutir iyaṃ smṛtiḥ; adhyātmagatiniṣṭhānāṃ viduṣāṃ prāptir avyayā

Dies ist Zufriedenheit, dies Vollendung, dies Śruti, dies Smṛti; für die Wissenden, die im Weg zum Selbst [Adhyātma] gefestigt sind, ist es das unvergängliche Erlangen.

Wort für Wort
iyaṃ tuṣṭir iyaṃ siddhiḥ
dies Zufriedenheit, dies Vollendung (Nom.Sg.f.)
iyaṃ śrutir iyaṃ smṛtiḥ
dies Śruti, dies Smṛti
adhyātmagatiniṣṭhānām
für die im Weg des Selbst Gefestigten (Gen.Pl.)
viduṣāṃ prāptir avyayā
der Wissenden Erlangen, unvergänglich (Gen.Pl./Nom.Sg.f.)

yajatāṃ yajñakāmānāṃ yajñair vipuladakṣiṇaiḥ; yā gatir daivatair divyā sā gatis tvaṃ sanātana

Der Weg, den die Opfernden, die Opferbegierigen, durch Opfer mit reichen Geschenken bei den Göttern erlangen, der göttliche Weg, dieser Weg bist du, Ewiger.

Wort für Wort
yajatāṃ yajñakāmānām
der Opfernden, der Opferwilligen (Gen.Pl.)
yajñair vipuladakṣiṇaiḥ
durch Opfer mit reichen Opfergaben (Instr.Pl.)
yā gatir daivatair divyā
welcher Weg [bei/mit] den Göttern, göttlich (Nom.Sg.f./Instr.Pl.)
sā gatis tvaṃ sanātana
dieser Weg bist du, Ewiger (Nom.Sg./Vok.)

japyahomavrataiḥ kṛcchrair niyamair dehapātanaiḥ; tapyatāṃ yā gatir deva vairāje sā gatir bhavān

Der Weg, den die durch Murmeln, Opfergüsse, Gelübde, harte Bußen, Regeln und Leibesaufgabe Kasteienden im Reich des Virāj erlangen, Gott, dieser Weg bist du.

Wort für Wort
japyahomavrataiḥ kṛcchraiḥ
durch Murmeln, Opfer, Gelübde, harte [Bußen] (Instr.Pl.)
niyamair dehapātanaiḥ
durch Regeln, Hinwerfen des Leibes (Instr.Pl.)
tapyatāṃ yā gatir deva
der Sich-Kasteienden Weg, Gott (Gen.Pl./Nom.Sg./Vok.)
vairāje sā gatir bhavān
im Bereich des Virāj, dieser Weg bist du (Lok.Sg./Nom.Sg.)

karmanyāsakṛtānāṃ ca viraktānāṃ tatas tataḥ; yā gatir brahmabhavane sā gatis tvaṃ sanātana

Der Weg derer, die ihre Werke aufgegeben haben und von diesem und jenem losgelöst sind, der Weg in der Wohnstatt Brahmās, dieser Weg bist du, Ewiger.

Wort für Wort
karmanyāsakṛtānāṃ ca
und derer, die das Aufgeben der Werke vollzogen haben (Gen.Pl.)
viraktānāṃ tatas tataḥ
der Losgelösten von diesem und jenem (Gen.Pl./Adv.)
yā gatir brahmabhavane
der Weg in der Wohnstatt Brahmās (Nom.Sg.f./Lok.Sg.)
sā gatis tvaṃ sanātana
dieser Weg bist du, Ewiger

apunarmārakāmānāṃ vairāgye vartatāṃ pare; vikṛtīnāṃ layānāṃ ca sā gatis tvaṃ sanātana

Der Weg derer, die keine Wiedertod-Begierde haben [d. h. kein erneutes Sterben wollen], die sich in höchster Leidenschaftslosigkeit halten, derer, die in Umwandlungen und Auflösungen [eingehen], dieser Weg bist du, Ewiger.

Wort für Wort
apunarmārakāmānām
derer, die kein erneutes Sterben wünschen [?] (Gen.Pl.)
vairāgye vartatāṃ pare
die im höchsten Losgelöstsein verweilen (Lok.Sg./Part.Gen.Pl./Lok.Sg.)
vikṛtīnāṃ layānāṃ ca
der Umwandlungen und Auflösungen [Eingehenden] (Gen.Pl.)
sā gatis tvaṃ sanātana
dieser Weg bist du, Ewiger

Der Vers ist knapp und schwierig; apunarmārakāmānām wörtlich „die kein Wiedersterben wünschen“.

jñānavijñānaniṣṭhānāṃ nirupākhyā nirañjanā; kaivalyā yā gatir deva paramā sā gatir bhavān

Der Weg derer, die in Erkenntnis und Erfahrungswissen gefestigt sind, der unbeschreibliche, makellose, der Weg der Alleinheit, Gott, der höchste, dieser Weg bist du.

Wort für Wort
jñānavijñānaniṣṭhānām
derer, die in Wissen und Erkenntnis gefestigt sind (Gen.Pl.)
nirupākhyā nirañjanā
unbeschreibbar, makellos (Nom.Sg.f.)
kaivalyā yā gatir deva
der zur Alleinheit gehörige Weg, Gott (Nom.Sg.f./Vok.)
paramā sā gatir bhavān
der höchste, dieser Weg bist du (Nom.Sg.f.)

vedaśāstrapurāṇoktāḥ pañcaitā gatayaḥ smṛtāḥ; tvatprasādād dhi labhyante na labhyante 'nyathā vibho

Diese fünf Wege werden als in Veda, Lehrbüchern und Purāṇen gelehrt überliefert; durch deine Gnade werden sie erlangt, sonst nicht erlangt, Allmächtiger.

Wort für Wort
vedaśāstrapurāṇoktāḥ
in Veda, Lehrbüchern und Purāṇen gesagt (Nom.Pl.f.)
pañcaitā gatayaḥ smṛtāḥ
diese fünf Wege gelten (Nom.Pl./Part.Pass.)
tvatprasādād dhi labhyante
denn durch deine Gnade werden sie erlangt (Abl.Sg./Präs.Pass.3.Pl.)
na labhyante 'nyathā vibho
nicht werden sie erlangt anders, Allmächtiger (Adv./Vok.)

iti taṇḍis tapoyogāt tuṣṭāveśānam avyayam; jagau ca paramaṃ brahma yat purā lokakṛj jagau

So pries Taṇḍi kraft seiner asketischen Versenkung den unvergänglichen Herrscher und sang das höchste Brahman, das einst der Schöpfer der Welt gesungen hatte.

Wort für Wort
iti taṇḍis tapoyogāt
so Taṇḍi durch die Verbindung mit der Askese (Nom.Sg./Abl.Sg.)
tuṣṭāveśānam avyayam
pries den Herrscher, den Unvergänglichen (Perf.3.Sg./Akk.Sg.)
jagau ca paramaṃ brahma
und sang das höchste Brahman (Perf.3.Sg./Akk.Sg.)
yat purā lokakṛj jagau
das einst der Weltenschöpfer sang (Nom.Sg.)

upamanyur uvāca; evaṃ stuto mahādevas taṇḍinā brahmavādinā; uvāca bhagavān deva umayā sahitaḥ prabhuḥ

Upamanyu sprach: So von Taṇḍi, dem Brahman-Redner, gepriesen, sprach der Herr, der göttliche Mahādeva, zusammen mit Umā.

Wort für Wort
upamanyur uvāca
Upamanyu sprach (Nom.Sg./Perf.)
evaṃ stuto mahādevaḥ
so gepriesen, Mahādeva (Part.Pass./Nom.Sg.)
taṇḍinā brahmavādinā
von Taṇḍi, dem Brahman-Redner (Instr.Sg.)
uvāca bhagavān deva
sprach der Erhabene, der Gott (Perf.3.Sg.)
umayā sahitaḥ prabhuḥ
zusammen mit Umā, der Herr (Instr.Sg./Nom.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften).

brahmā śatakratur viṣṇur viśvedevā maharṣayaḥ; na vidus tvām iti tatas tuṣṭaḥ provāca taṃ śivaḥ

„Brahmā, Śatakratu [Indra], Viṣṇu, die Viśvedevas und die großen Ṛṣis kennen dich nicht“ [, sagte er]; darauf sprach Śiva erfreut zu ihm.

Wort für Wort
brahmā śatakratur viṣṇuḥ
Brahmā, Śatakratu, Viṣṇu (Nom.Sg.)
viśvedevā maharṣayaḥ
die Viśvedevas, die großen Ṛṣis (Nom.Pl.)
na vidus tvām iti tataḥ
kennen dich nicht, so; darauf (Perf.3.Pl./Akk./Adv.)
tuṣṭaḥ provāca taṃ śivaḥ
erfreut sprach zu ihm Śiva (Part./Perf.3.Sg.)

Die Wörtliche-Rede-Grenze ist unsicher; wahrscheinlich ist der Gedanke Taṇḍis (iti) gemeint, dass selbst diese Götter ihn nicht kennen. [?]

akṣayaś cāvyayaś caiva bhavitā duḥkhavarjitaḥ; yaśasvī tejasā yukto divyajñānasamanvitaḥ

„Unvergänglich und unerschöpflich wirst du sein, frei von Leid, ruhmvoll, mit Glanz begabt, mit göttlichem Wissen ausgestattet.

Wort für Wort
akṣayaś cāvyayaś caiva
unvergänglich und unerschöpflich (Nom.Sg.)
bhavitā duḥkhavarjitaḥ
wirst sein, frei von Leid (Fut.3.Sg./Nom.Sg.)
yaśasvī tejasā yuktaḥ
ruhmvoll, mit Glanz verbunden (Nom.Sg./Instr.Sg.)
divyajñānasamanvitaḥ
mit göttlichem Wissen ausgestattet (Nom.Sg.)

ṛṣīṇām abhigamyaś ca sūtrakartā sutas tava; matprasādād dvijaśreṣṭha bhaviṣyati na saṃśayaḥ

Und dein Sohn wird durch meine Gnade, bester der Zweimalgeborenen, den Ṛṣis zugänglich und Verfasser von Sūtras sein, ohne Zweifel.“

Wort für Wort
ṛṣīṇām abhigamyaś ca
und für die Ṛṣis zugänglich (Gen.Pl./Nom.Sg.)
sūtrakartā sutas tava
Sūtra-Verfasser, dein Sohn (Nom.Sg.)
matprasādād dvijaśreṣṭha
durch meine Gnade, bester der Zweimalgeborenen (Abl.Sg./Vok.)
bhaviṣyati na saṃśayaḥ
wird sein, kein Zweifel (Fut.3.Sg./Nom.Sg.)

kaṃ vā kāmaṃ dadāmy adya brūhi yad vatsa kāṅkṣase; prāñjaliḥ sa uvācedaṃ tvayi bhaktir dṛḍhāstu me

„Oder welchen Wunsch soll ich dir heute gewähren? Sprich, was du begehrst, mein Kind.“ Mit gefalteten Händen sagte er dies: „Fest sei in dir meine Hingabe.“

Wort für Wort
kaṃ vā kāmaṃ dadāmy adya
oder welchen Wunsch gebe ich heute (Akk.Sg./Präs.1.Sg.)
brūhi yad vatsa kāṅkṣase
sprich, was du, Kind, begehrst (Imp./Vok./Präs.2.Sg.)
prāñjaliḥ sa uvācedam
mit gefalteten Händen sprach er dies (Nom.Sg./Perf.3.Sg.)
tvayi bhaktir dṛḍhāstu me
in dir Hingabe fest sei mir (Lok./Nom.Sg.f./Imp.3.Sg./Dat.)

evaṃ dattvā varaṃ devo vandyamānaḥ surarṣibhiḥ; stūyamānaś ca vibudhais tatraivāntaradhīyata

Nachdem der Gott so die Gabe gewährt hatte, verschwand er dort, von den göttlichen Ṛṣis verehrt und von den Göttern gepriesen.

Wort für Wort
evaṃ dattvā varaṃ devaḥ
so gegeben habend die Gabe, der Gott (Abs./Akk./Nom.)
vandyamānaḥ surarṣibhiḥ
verehrt von den Götter-Ṛṣis (Part.Pass./Instr.Pl.)
stūyamānaś ca vibudhaiḥ
und gepriesen von den Göttern (Part.Pass./Instr.Pl.)
tatraivāntaradhīyata
eben dort verschwand er (Impf.Pass.3.Sg.)

antarhite bhagavati sānuge yādaveśvara; ṛṣir āśramam āgamya mamaitat proktavān iha

Als der Erhabene mitsamt seinem Gefolge verschwunden war, Herr der Yādavas, kam der Ṛṣi in die Einsiedelei und erzählte mir hier dies.

Wort für Wort
antarhite bhagavati
als der Erhabene verschwunden war (Lok.abs.)
sānuge yādaveśvara
samt Gefolge, Herr der Yādavas (Lok./Vok.)
ṛṣir āśramam āgamya
der Ṛṣi, zur Einsiedelei gekommen (Nom.Sg./Akk./Abs.)
mamaitat proktavān iha
mir dies erzählte er hier (Gen./Akk./Part.Akt.)

Sprecher ist Upamanyu; angeredet ist Kṛṣṇa.

yāni ca prathitāny ādau taṇḍir ākhyātavān mama; nāmāni mānavaśreṣṭha tāni tvaṃ śṛṇu siddhaye

Und die Namen, die Taṇḍi mir am Anfang als berühmt genannt hat, die höre, bester der Menschen, zum Gelingen.

Wort für Wort
yāni ca prathitāny ādau
und die berühmt sind, am Anfang (Nom.Pl.n./Part./Lok.Sg.)
taṇḍir ākhyātavān mama
Taṇḍi nannte mir (Nom.Sg./Part.Akt./Gen.)
nāmāni mānavaśreṣṭha
die Namen, bester der Menschen (Akk.Pl./Vok.)
tāni tvaṃ śṛṇu siddhaye
diese höre du zum Erfolg (Imp.2.Sg./Dat.Sg.)

daśa nāmasahasrāṇi vedeṣv āha pitāmahaḥ; śarvasya śāstreṣu tathā daśa nāmaśatāni vai

Zehntausend Namen hat der Ahnherr [Brahmā] in den Veden genannt, und in den Lehrschriften ebenso zehnhundert Namen Śarvas.

Wort für Wort
daśa nāmasahasrāṇi
zehn Tausende Namen (Akk.Pl.)
vedeṣv āha pitāmahaḥ
in den Veden sprach der Ahnherr (Lok.Pl./Perf.3.Sg.)
śarvasya śāstreṣu tathā
Śarvas, in den Lehrschriften ebenso (Gen.Sg./Lok.Pl.)
daśa nāmaśatāni vai
zehn Hunderte Namen fürwahr (Akk.Pl.)

guhyānīmāni nāmāni taṇḍir bhagavato 'cyuta; devaprasādād deveśa purā prāha mahātmane

Diese Namen sind geheim; Taṇḍi hat sie, Unerschütterlicher, durch die Gnade des Gottes, Herr der Götter, einst dem Hochgesinnten genannt.

Wort für Wort
guhyānīmāni nāmāni
geheim sind diese Namen (Nom.Pl.n.)
taṇḍir bhagavato 'cyuta
Taṇḍi, des Erhabenen, Unerschütterlicher (Nom.Sg./Gen.Sg./Vok.)
devaprasādād deveśa
durch die Gnade des Gottes, Herr der Götter (Abl.Sg./Vok.)
purā prāha mahātmane
einst nannte er dem Hochgesinnten (Adv./Perf.3.Sg./Dat.Sg.)

mahātmane „dem Hochgesinnten“ bleibt unbestimmt (vermutlich Upamanyu). [?]

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