Kapitel 109: upavāsavidhi-phalakathanam
Vorschriften für das Fasten, seine Zeiten und sein Lohn nach Aṅgiras
Yudhiṣṭhira fragt nach Sinn, Regeln und Frucht des Fastens; Bhīṣma gibt die Belehrung des Aṅgiras wieder: Fasten nach Ständen, Monaten und Mondtagen, langes Fasten und Fasten bis zum Tod mit den jeweiligen Himmelslohnen, dazu Beispiele alter Weiser.
yudhiṣṭhira uvāca; sarveṣām eva varṇānāṃ mlecchānāṃ ca pitāmaha; upavāse matir iyaṃ kāraṇaṃ ca na vidmahe
Yudhiṣṭhira sprach: „Bei allen Ständen und auch bei den Fremdvölkern (mleccha), Großvater, besteht diese Gesinnung zum Fasten; den Grund dafür kennen wir jedoch nicht.
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.3.Sg.)
sarveṣām eva varṇānāṃ
für alle Stände ohne Ausnahme (Gen.Pl.)
mlecchānāṃ ca pitāmaha
und für die Fremdvölker, Großvater (Gen.Pl./Vok.)
upavāse matir iyaṃ
beim Fasten diese Gesinnung/Neigung (Lok./Nom.Sg.f.)
kāraṇaṃ ca na vidmahe
und den Grund kennen wir nicht (Akk./1.Pl.Präs.Med.)
Vaiśaṃpāyana sprach: Zu dem so redenden Sohn der Kuntī, dem Rechtskundigen, dem Sohn des Dharma, sprach Bhīṣma, der Śāntanava, der das Wesen des Rechts kennt, diese Rede.
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach
evaṃ bruvāṇaṃ kaunteyaṃ
zu dem so Sprechenden, dem Kuntī-Sohn (Akk.Sg.)
dharmajñaṃ dharmatattvavit
den Rechtskundigen, der das Wesen des Rechts Kennende (Akk./Nom.Sg.)
dharmaputram idaṃ vākyaṃ
zum Sohn des Dharma diese Rede (Akk.Sg./Akk.Sg.n.)
bhīṣmaḥ śāṃtanavo 'bravīt
Bhīṣma, der Śāntanava, sprach (Nom.Sg./Impf.3.Sg.)
Syntax: Akk. bruvāṇam/dharmaputram gehören zusammen (Objekt von abravīt), Bhīṣma als Subjekt.
Ich habe den Aṅgiras, den Sohn des Prajāpati, gefragt, Bhārata; so wie du mich [fragst], so habe ich jenen [Weisen], den Reichtum an Askese Besitzenden, gefragt.
Aṅgiras sprach: Für Brahmanen und Kṣatriyas ist ein Fasten von drei Nächten vorgeschrieben, Freude der Kurus; auch zwei-drei Nächte sind hierbei bestimmt, Stier unter den Männern.
Wort für Wort
aṅgirā uvāca
Aṅgiras sprach
brahmakṣatre trirātraṃ tu
für Brahmanen und Kṣatriyas drei Nächte (Lok./Dvandva, Akk.Sg.n.)
vihitaṃ kurunandana
vorgeschrieben, Freude der Kurus (PPP/Vok.)
dvistrirātram athaivātra
zwei-drei Nächte ebenso hierbei (Akk./Adv.)
nirdiṣṭaṃ puruṣarṣabha
bestimmt, Stier unter den Männern (PPP/Vok.)
dvistrirātra: unklar, ob „zweimal drei Nächte“ (sechs) oder „zwei bis drei Nächte“; wörtlich „zwei-drei-Nacht“.
vaiśyaśūdrau tu yau mohād upavāsaṃ prakurvate; trirātraṃ dvistrirātraṃ vā tayoḥ puṣṭir na vidyate
Die beiden aber, Vaiśya und Śūdra, die aus Verblendung ein Fasten unternehmen, sei es von drei Nächten oder von zwei-drei Nächten: für sie gibt es kein Gedeihen.
Wort für Wort
vaiśyaśūdrau tu yau
Vaiśya und Śūdra aber, welche beiden (Nom.Du./Nom.Du.)
mohād upavāsaṃ
aus Verblendung das Fasten (Abl./Akk.)
prakurvate
unternehmen sie (3.Du.Präs.Med.)
trirātraṃ dvistrirātraṃ vā
drei Nächte oder zwei-drei Nächte (Akk./Akk.)
tayoḥ puṣṭir na vidyate
bei diesen beiden gibt es kein Gedeihen (Gen.Du./Nom.Sg./Pass.3.Sg.)
caturthabhaktakṣapaṇaṃ vaiśyaśūdre vidhīyate; trirātraṃ na tu dharmajñair vihitaṃ brahmavādibhiḥ
Für Vaiśya und Śūdra wird das Aufzehren [der Zeit] bis zur vierten Mahlzeit vorgeschrieben; ein Fasten von drei Nächten aber ist von den Rechtskundigen, den Vertretern des Brahman, nicht vorgeschrieben.
Wort für Wort
caturthabhaktakṣapaṇaṃ
das Verbringen/Auslassen bis zur vierten Mahlzeit (Nom.Sg.n., Kompositum)
vaiśyaśūdre vidhīyate
für Vaiśya und Śūdra wird vorgeschrieben (Lok.Du./Pass.3.Sg.)
trirātraṃ na tu
drei Nächte aber nicht (Akk./Negation/Partikel)
dharmajñair vihitaṃ
von den Rechtskundigen vorgeschrieben (Instr.Pl./PPP)
brahmavādibhiḥ
von den Brahman-Lehrern (Instr.Pl.)
caturthabhaktakṣapaṇa: wohl ein Fasten, bei dem nur jede vierte Mahlzeit gegessen wird (also Auslassen von drei Mahlzeiten) [?].
Er wird nicht kinderlos sein, [wird] verständig [sein] und niemals arm: der Opferwillige, der den fünften und sechsten [Mondtag] fastet und Zweimalgeborene speist.
Wort für Wort
nānapatyo bhavet
nicht kinderlos sei er (Nom.Sg./Opt.3.Sg.)
prājño daridro vā kadā cana
weise oder arm je (Nom./Nom./Adv.)
yajiṣṇuḥ
der Opferfreudige (Nom.Sg.)
pañcamīṃ ṣaṣṭhīṃ kṣaped yo
den fünften, sechsten [Tag] verbringe, wer (Akk.Sg.f./Opt.3.Sg./Rel.)
bhojayed dvijān
speisen lasse er Zweimalgeborene (Kaus.Opt.3.Sg./Akk.Pl.)
kṣapet in der Bedeutung „(fastend) verbringen“; „nicht arm“ kann auch „nie kinderlos und nie arm“ gelesen werden.
mārgaśīrṣaṃ tu yo māsam ekabhaktena saṃkṣipet; bhojayec ca dvijān bhaktyā sa mucyed vyādhikilbiṣaiḥ
Wer aber den [ganzen] Monat Mārgaśīrṣa hindurch sich auf eine Mahlzeit beschränkt und Zweimalgeborene voll Hingabe speist, der wird von Krankheiten und Verfehlungen befreit,
Wort für Wort
mārgaśīrṣaṃ tu yo māsam
den Mārgaśīrṣa aber, wer den Monat (Akk./Rel./Akk.)
ekabhaktena saṃkṣipet
mit einer Mahlzeit einschränke (Instr./Opt.3.Sg.)
bhojayec ca dvijān bhaktyā
und speisen lasse Zweimalgeborene mit Hingabe (Kaus.Opt./Akk.Pl./Instr.)
Wer als Herr seiner Sinne den Monat Vaiśākha mit einer Mahlzeit durchsteht, sei es Mann oder Frau, der gelangt zur Vorrangstellung unter den Verwandten.
Wort für Wort
nistared ekabhaktena
durchstehe mit einer Mahlzeit (Opt.3.Sg./Instr.)
vaiśākhaṃ yo jitendriyaḥ
den Vaiśākha, wer sinnenbezwungen (Akk./Rel./Nom.)
pakṣe pakṣe gate yas tu bhaktam aśnāti bhārata; gavāḍhyo bahuputraś ca dīrghāyuś ca sa jāyate
Wer aber, Bhārata, jeweils wenn eine Mondhälfte verstrichen ist, [nur] eine Mahlzeit isst, wird reich an Rindern, mit vielen Söhnen und langlebig geboren.
Wort für Wort
pakṣe pakṣe gate
in jeder Mondhälfte, wenn sie verstrichen ist (Lok.Abs.)
yas tu bhaktam aśnāti bhārata
wer aber eine Mahlzeit isst, Bhārata (Rel./Akk.Sg.n./3.Sg.Präs./Vok.)
gavāḍhyo bahuputraś ca
reich an Rindern und mit vielen Söhnen (Nom.Sg.)
dīrghāyuś ca sa jāyate
und langlebig wird er geboren (Nom.Sg./Dem./3.Sg.Präs.Pass.)
Gemeint ist wohl: nur alle vierzehn Tage eine Mahlzeit; vgl. 109.046 [?].
ete tu niyamāḥ sarve kartavyāḥ śarado daśa; dve cānye bharataśreṣṭha pravṛttim anuvartatā
Diese Regeln alle sind zehn Herbste [Jahre] lang zu befolgen, und zwei weitere, Bester der Bharatas, von dem, der dem [tätigen] Lebenswandel (pravṛtti) folgt.
Wort für Wort
ete tu niyamāḥ sarve
diese aber Regeln alle (Nom.Pl.)
kartavyāḥ śarado daśa
zu befolgen [sind] zehn Herbste lang (Gerundiv/Akk.Pl.f./Zahl)
dve cānye
und zwei andere [Jahre] (Nom./Akk.Du.f.)
bharataśreṣṭha
Bester der Bharatas (Vok.)
pravṛttim anuvartatā
von dem, der der Tätigkeit/dem Weltleben folgt (Akk.Sg.f./Part.Instr.Sg.)
pravṛttim anuvartatā: Sinn unsicher; wörtlich „von dem, der der pravṛtti (Weltzugewandtheit/Lebensweise) folgt“ [?]. dve cānye: „zwei andere“ ergänzt mit „Jahre“.
Wer aber ein ganzes Jahr lang nur die vierte Mahlzeit isst, stets der Gewaltlosigkeit ergeben, wahrhaftig in der Rede, mit gezügelten Sinnen, ...
Wort für Wort
yas tu saṃvatsaraṃ pūrṇaṃ
wer aber ein volles Jahr (Nom.Sg. / Akk.Sg.)
caturthaṃ bhaktam aśnute
die vierte Mahlzeit isst (Akk.Sg. / 3.Sg.Präs.Med.)
ahiṃsānirato nityaṃ
der Gewaltlosigkeit stets ergeben (Nom.Sg., Kompositum / Adv.)
satyavāṅ niyatendriyaḥ
wahrhaftig in der Rede, mit gezügelten Sinnen (Nom.Sg.)
Satz setzt sich in Vers 48 fort. „caturthaṃ bhaktam“: Speise der vierten Mahlzeit, d. h. nur jede vierte Mahlzeit (Fasten über je drei Mahlzeiten hinweg).
Wer aber, Sohn der Kuntī, ein Jahr lang zur sechsten Zeit [erst wieder isst und so die Zeit] hinbringt, der Mensch erlangt die Frucht des Aśvamedha-Opfers.
Wort für Wort
ṣaṣṭhe kāle tu
zur sechsten Zeit aber (Lok.Sg.)
kaunteya
o Sohn der Kuntī (Vok.Sg.)
naraḥ saṃvatsaraṃ kṣapet
der Mann ein Jahr hinbringen sollte (Nom.Sg. / Akk.Sg. / 3.Sg.Opt.)
aśvamedhasya yajñasya
des Aśvamedha-Opfers (Gen.Sg.)
phalaṃ prāpnoti mānavaḥ
Frucht erlangt der Mensch (Akk.Sg. / 3.Sg.Präs. / Nom.Sg.)
„ṣaṣṭhe kāle“: wohl die sechste Mahlzeit, d. h. Essen nur alle sechs Mahlzeiten [?].
pakṣe pakṣe gate rājan yo 'śnīyād varṣam eva tu; ṣaṇmāsānaśanaṃ tasya bhagavān aṅgirābravīt; ṣaṣṭiṃ varṣasahasrāṇi divam āvasate ca saḥ
Wer, o König, jeweils nach Ablauf eines Halbmonats [erst wieder] isst, ein ganzes Jahr lang – das gilt ihm als sechsmonatiges Fasten, so sprach der ehrwürdige Aṅgiras. Sechzigtausend Jahre wohnt er im Himmel.
Wort für Wort
pakṣe pakṣe gate rājan
wenn Halbmonat für Halbmonat vergangen ist, o König (Lok.Abs. / Vok.Sg.)
yo 'śnīyād varṣam eva tu
wer essen sollte, ein Jahr lang eben (3.Sg.Opt. / Akk.Sg.)
ṣaṇmāsānaśanaṃ tasya
sechsmonatiges Fasten ihm [gilt es] (Nom.Sg.n. / Gen.Sg.)
bhagavān aṅgirābravīt
der Ehrwürdige, Aṅgiras sprach (Nom.Sg. / 3.Sg.Impf.)
Über einen Monat hinaus, Tiger unter den Männern, wird kein Fasten vorgeschrieben; die Regel des [völligen] Nichtessens aber, so sagen die, die das Recht kennen, o Sohn der Pṛthā.
Wort für Wort
māsād ūrdhvaṃ naravyāghra
über den Monat hinaus, Tiger unter den Männern (Abl.Sg. / Adv. / Vok.Sg.)
nopavāso vidhīyate
nicht Fasten wird vorgeschrieben (Nom.Sg. / 3.Sg.Pass.Präs.)
vidhiṃ tv anaśanasyāhuḥ
die Regel aber des Nichtessens sagen sie (Akk.Sg. / Gen.Sg. / 3.Pl.Perf.)
pārtha dharmavido janāḥ
o Sohn der Pṛthā, das Recht kennende Leute (Vok.Sg. / Nom.Pl.)
Der zweite Halbvers ist elliptisch; sinngemäß: die Regel des Nichtessens (bis zum Tod) gilt als eigene Vorschrift.
anārto vyādhirahito gacched anaśanaṃ tu yaḥ; pade pade yajñaphalaṃ sa prāpnoti na saṃśayaḥ
Wer, nicht von Not bedrängt und frei von Krankheit, das [Todes-]Fasten antreten sollte, der erlangt Schritt für Schritt die Frucht eines Opfers – daran ist kein Zweifel.
Wort für Wort
anārto vyādhirahito
nicht bedrängt, frei von Krankheit (Nom.Sg.)
gacched anaśanaṃ tu yaḥ
der das Nichtessen antreten sollte, wer aber (3.Sg.Opt. / Akk.Sg. / Nom.Sg.)
pade pade yajñaphalaṃ
Schritt für Schritt die Opferfrucht (Lok.Sg. / Akk.Sg.)
ārto vā vyādhito vāpi gacched anaśanaṃ tu yaḥ; śataṃ varṣasahasrāṇāṃ modate divi sa prabho; kāñcīnūpuraśabdena suptaś caiva prabodhyate
Wer aber, ob von Not bedrängt oder krank, das [Todes-]Fasten antritt, der freut sich, o Herr, hunderttausend Jahre im Himmel; und im Schlaf wird er vom Klang von Hüftgürteln und Fußringen geweckt.
Wort für Wort
ārto vā vyādhito vāpi
bedrängt oder krank auch (Nom.Sg.)
gacched anaśanaṃ tu yaḥ
der das Nichtessen antreten sollte, wer aber (3.Sg.Opt. / Akk.Sg. / Nom.Sg.)
śataṃ varṣasahasrāṇāṃ
hundert Tausend Jahre (Akk.Sg. / Gen.Pl.)
modate divi sa prabho
freut sich im Himmel, er, o Herr (3.Sg.Präs.Med. / Lok.Sg. / Vok.Sg.)
kāñcīnūpuraśabdena
durch den Klang von Hüftgürteln und Fußringen (Instr.Sg.)
suptaś caiva prabodhyate
und der Schlafende wird geweckt (Part.Pass. / 3.Sg.Pass.Präs.)
kṣīṇasyāpyāyanaṃ dṛṣṭaṃ kṣatasya kṣatarohaṇam; vyādhitasyauṣadhagrāmaḥ kruddhasya ca prasādanam
Für den Geschwächten gilt das Aufpäppeln, für den Verwundeten das Heilen der Wunde, für den Kranken die Sammlung der Arzneien, für den Zornigen das Besänftigen ...
Wort für Wort
kṣīṇasyāpyāyanaṃ dṛṣṭaṃ
für den Geschwundenen die Stärkung, gesehen [d. h. üblich] (Gen.Sg. / Nom.Sg. / Part.Pass.)
kṣatasya kṣatarohaṇam
für den Verwundeten das Heilen der Wunde (Gen.Sg. / Nom.Sg.)
vyādhitasyauṣadhagrāmaḥ
für den Kranken die Menge an Arzneien (Gen.Sg. / Nom.Sg.)
kruddhasya ca prasādanam
und für den Zornigen das Besänftigen (Gen.Sg. / Nom.Sg.)
ataḥ sa kāmasaṃyukto vimāne hemasaṃnibhe; ramate strīśatākīrṇe puruṣo 'laṃkṛtaḥ śubhe
Daher ergötzt sich jener, mit [erfüllten] Wünschen verbunden, auf einem goldgleichen Luftwagen, von hundert Frauen umgeben, der Mann, geschmückt, in Herrlichkeit.
Wort für Wort
ataḥ sa kāmasaṃyukto
daher er, mit Wünschen verbunden (Adv. / Nom.Sg.)
vimāne hemasaṃnibhe
auf dem Luftwagen, goldgleich (Lok.Sg.)
ramate strīśatākīrṇe
ergötzt sich, von hundert Frauen erfüllt (3.Sg.Präs.Med. / Lok.Sg.)
puruṣo 'laṃkṛtaḥ śubhe
der Mann, geschmückt, in Glanz (Nom.Sg. / Part.Pass. / Lok.Sg.)
Auf einem Luftwagen, der der jungen Sonne gleicht und golden glänzt, mit Lapislazuli und Perlen besetzt, von Klängen der Vīṇā und Trommeln erfüllt, ...
patākādīpikākīrṇe divyaghaṇṭāninādite; strīsahasrānucarite sa naraḥ sukham edhate
... mit Fahnen und Lampen geschmückt, von göttlichen Glocken widerhallend, von tausend Frauen begleitet – auf diesem gedeiht jener Mann in Wohlergehen.
Wort für Wort
patākādīpikākīrṇe
mit Fahnen und Lampen übersät (Lok.Sg.)
divyaghaṇṭāninādite
vom Klang göttlicher Glocken erfüllt (Lok.Sg.)
strīsahasrānucarite
von tausend Frauen begleitet (Lok.Sg.)
sa naraḥ sukham edhate
dieser Mann Wohlergehen gedeiht (Nom.Sg. / Akk.Sg. / 3.Sg.Präs.Med.)
nāsti vedāt paraṃ śāstraṃ nāsti mātṛsamo guruḥ; na dharmāt paramo lābhas tapo nānaśanāt param
Es gibt keine Lehre, die höher wäre als der Veda, keinen Lehrer, der der Mutter gleichkäme; keinen höheren Gewinn als das Recht, und keine Askese, die höher wäre als das Fasten.
Wort für Wort
nāsti vedāt paraṃ śāstraṃ
nicht gibt es höher als den Veda eine Lehre (3.Sg.Präs. / Abl.Sg. / Nom.Sg.)
nāsti mātṛsamo guruḥ
nicht gibt es einen der Mutter gleichen Lehrer (Nom.Sg.)
na dharmāt paramo lābhas
nicht höher als das Recht ein Gewinn (Abl.Sg. / Nom.Sg.)
tapo nānaśanāt param
Askese nicht höher als das Fasten (Nom.Sg. / Abl.Sg. / Nom.Sg.n.)
imaṃ tu kaunteya yathākramaṃ vidhiṃ; pravartitaṃ hy aṅgirasā maharṣiṇā; paṭheta yo vai śṛṇuyāc ca nityadā; na vidyate tasya narasya kilbiṣam
Wer aber, Sohn der Kuntī, diese der Reihe nach [dargelegte] Regel, vom großen Ṛṣi Aṅgiras verkündet, beständig rezitiert oder hört, an dem Mann ist keine Verfehlung mehr.
Wort für Wort
imaṃ tu kaunteya yathākramaṃ vidhiṃ
diese aber, o Sohn der Kuntī, der Reihe nach Regel (Akk.Sg. / Vok.Sg. / Adv. / Akk.Sg.)
pravartitaṃ hy aṅgirasā maharṣiṇā
verkündet fürwahr von Aṅgiras, dem großen Ṛṣi (Part.Pass. / Instr.Sg.)
paṭheta yo vai śṛṇuyāc ca nityadā
rezitieren sollte, wer fürwahr, und hören sollte, stets (3.Sg.Opt. / Nom.Sg. / 3.Sg.Opt. / Adv.)
na vidyate tasya narasya kilbiṣam
nicht gibt es bei diesem Mann Verfehlung (3.Sg.Pass.Präs. / Gen.Sg. / Nom.Sg.)
vimucyate cāpi sa sarvasaṃkarair; na cāsya doṣair abhibhūyate manaḥ; viyonijānāṃ ca vijānate rutaṃ; dhruvāṃ ca kīrtiṃ labhate narottamaḥ
Er wird auch von allen Verstrickungen befreit, und sein Geist wird von Fehlern nicht überwältigt; er versteht die Laute der nicht aus dem Schoß Geborenen [d. h. der Tiere anderer Art?] [?] und erlangt unvergänglichen Ruhm, der Beste der Männer.
Wort für Wort
vimucyate cāpi sa sarvasaṃkarair
und wird befreit auch er von allen Vermischungen [Verstrickungen] (3.Sg.Pass.Präs. / Instr.Pl.)
na cāsya doṣair abhibhūyate manaḥ
und nicht wird seiner von Fehlern überwältigt der Geist (Gen.Sg. / Instr.Pl. / 3.Sg.Pass.Präs. / Nom.Sg.)
viyonijānāṃ ca vijānate rutaṃ
und der aus anderem Schoß Geborenen versteht er den Laut [?] (Gen.Pl. / 3.Sg.Präs.Med. / Akk.Sg.)
dhruvāṃ ca kīrtiṃ labhate narottamaḥ
und beständigen Ruhm erlangt der Beste der Männer (Akk.Sg. / 3.Sg.Präs.Med. / Nom.Sg.)
„viyonijānāṃ rutam“ unsicher: wörtlich „der Laute der aus anderem Schoß Geborenen“, d. h. wohl der Tiere anderer Gattungen, also Verständnis der Tiersprachen [?].