Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Anuśāsanaparva

Kapitel 136: brāhmaṇamāhātmya Die Größe der Brahmanen und warum sie zu verehren sind

Auf Yudhiṣṭhiras Frage, wen man verehren solle, preist Bhīṣma die Brahmanen als Träger der Welt, des Dharma und des Opfers; selbst der unwissende Brahmane gilt wie das Feuer als hohe Gottheit.

yudhiṣṭhira uvāca; ke pūjyāḥ ke namaskāryāḥ kathaṃ varteta keṣu ca; kimācāraḥ kīdṛśeṣu pitāmaha na riṣyate

Yudhiṣṭhira sprach: „Wer sind die zu Verehrenden, wer die, vor denen man sich verneigen soll? Wie soll man sich verhalten, und gegenüber wem? Mit welchem Verhalten gegenüber welchen [Menschen] kommt man, Großvater, nicht zu Schaden?“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
ke pūjyāḥ ke namaskāryāḥ
wer sind zu verehren, wer zu grüßen (Nom.Pl., Gerundiv)
kathaṃ varteta keṣu ca
wie soll man sich verhalten und gegenüber wem (Opt.3.Sg., Lok.Pl.)
kimācāraḥ kīdṛśeṣu
mit welchem Verhalten, gegenüber welcherlei [Menschen] (Bahuvrīhi Nom.Sg., Lok.Pl.)
pitāmaha na riṣyate
Großvater, [man] nimmt nicht Schaden (Vok.Sg., Pass./Med.3.Sg.Präs.)

bhīṣma uvāca; brāhmaṇānāṃ paribhavaḥ sādayed api devatāḥ; brāhmaṇānāṃ namaskartā yudhiṣṭhira na riṣyate

Bhīṣma sprach: „Die Missachtung der Brahmanen mag selbst die Götter zu Fall bringen; wer sich vor den Brahmanen verneigt, Yudhiṣṭhira, kommt nicht zu Schaden.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
brāhmaṇānāṃ paribhavaḥ
die Missachtung der Brahmanen (Gen.Pl., Nom.Sg.)
sādayed api devatāḥ
mag zu Fall bringen sogar die Götter (Opt.3.Sg.Kaus., Nom./Akk.Pl.)
brāhmaṇānāṃ namaskartā
wer sich vor den Brahmanen verneigt (Gen.Pl., Nom.Sg. Nomen agentis)
yudhiṣṭhira na riṣyate
Yudhiṣṭhira, kommt nicht zu Schaden (Vok., Präs.3.Sg.)

te pūjyās te namaskāryā vartethās teṣu putravat; te hi lokān imān sarvān dhārayanti manīṣiṇaḥ

Sie sind zu verehren, vor ihnen ist man zu grüßen; verhalte dich ihnen gegenüber wie gegenüber Söhnen. Denn sie, die Weisen, tragen all diese Welten.

Wort für Wort
te pūjyās te namaskāryā
sie sind zu verehren, sie zu grüßen (Nom.Pl., Gerundiv)
vartethās teṣu putravat
verhalte dich gegenüber ihnen wie gegenüber Söhnen (Opt.2.Sg.Med., Lok.Pl., Adv.)
te hi lokān imān sarvān
denn sie [tragen] diese Welten alle (Nom.Pl., Akk.Pl.)
dhārayanti manīṣiṇaḥ
tragen, die Weisen (3.Pl.Präs., Nom.Pl.)

brāhmaṇāḥ sarvalokānāṃ mahānto dharmasetavaḥ; dhanatyāgābhirāmāś ca vāksaṃyamaratāś ca ye

Die Brahmanen sind für alle Welten die großen Dämme des Dharma, und [zwar jene,] die am Verzicht auf Besitz Freude finden und der Zügelung der Rede ergeben sind.

Wort für Wort
brāhmaṇāḥ sarvalokānāṃ
die Brahmanen, aller Welten (Nom.Pl., Gen.Pl.)
mahānto dharmasetavaḥ
große Dämme des Dharma (Nom.Pl., Tatpuruṣa)
dhanatyāgābhirāmāś ca
und Freude am Aufgeben von Besitz habend (Nom.Pl., Tatpuruṣa/Bahuvrīhi)
vāksaṃyamaratāś ca ye
und die an der Zügelung der Rede Gefallen finden, welche (Nom.Pl., Relativpron.)

ramaṇīyāś ca bhūtānāṃ nidhānaṃ ca dhṛtavratāḥ; praṇetāraś ca lokānāṃ śāstrāṇāṃ ca yaśasvinaḥ

Sie sind für die Wesen erfreulich und ein Hort, fest in ihren Gelübden; Lenker der Welten und der Lehrschriften, ruhmreich.

Wort für Wort
ramaṇīyāś ca bhūtānāṃ
und erfreulich für die Wesen (Nom.Pl., Gen.Pl.)
nidhānaṃ ca
und ein Hort/Schatz (Nom.Sg.n.)
dhṛtavratāḥ
die ihre Gelübde festhalten (Nom.Pl., Bahuvrīhi)
praṇetāraś ca lokānāṃ
und Lenker der Welten (Nom.Pl., Gen.Pl.)
śāstrāṇāṃ ca yaśasvinaḥ
und der Lehrschriften, ruhmreich (Gen.Pl., Nom.Pl.)

tapo yeṣāṃ dhanaṃ nityaṃ vāk caiva vipulaṃ balam

Askese ist ihr steter Reichtum, und die Rede ist ihre gewaltige Kraft.

Wort für Wort
tapo yeṣāṃ dhanaṃ nityaṃ
Askese, deren Reichtum stets (Nom.Sg., Gen.Pl. Rel., Nom.Sg., Adv.)
vāk caiva vipulaṃ balam
und eben die Rede [ist] gewaltige Kraft (Nom.Sg.f., Nom.Sg.n.)

mahātmanāṃ jñānavidāṃ tapa eva dhanaṃ param

Für die Hochgesinnten, die Wissenskundigen, ist Askese allein der höchste Reichtum.

Wort für Wort
mahātmanāṃ jñānavidāṃ
der Hochgesinnten, Wissenskundigen (Gen.Pl.)
tapa eva
Askese allein (Nom.Sg., Partikel)
dhanaṃ param
[ist] Reichtum, der höchste (Nom.Sg.n.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile der kritischen Ausgabe, nur in einem Teil der Handschriften.

prabhavaś cāpi dharmāṇāṃ dharmajñāḥ sūkṣmadarśinaḥ

Und sie sind der Ursprung der Dharmas, Kenner des Dharma, feinsichtig.

Wort für Wort
prabhavaś cāpi
und auch Ursprung (Nom.Sg.)
dharmāṇāṃ
der Dharmas (Gen.Pl.)
dharmajñāḥ
Dharma-Kenner (Nom.Pl.)
sūkṣmadarśinaḥ
feinsichtig (Nom.Pl.)

dharmakāmāḥ sthitā dharme sukṛtair dharmasetavaḥ; yān upāśritya jīvanti prajāḥ sarvāś caturvidhāḥ

Sie streben nach Dharma und stehen im Dharma; durch ihre guten Taten sind sie Dämme des Dharma. Auf sie gestützt leben alle Geschöpfe der vier Arten.

Wort für Wort
dharmakāmāḥ sthitā dharme
dharma-liebend, im Dharma stehend (Nom.Pl., Part.Perf.Pass., Lok.Sg.)
sukṛtair dharmasetavaḥ
durch gute Taten Dämme des Dharma (Instr.Pl., Nom.Pl.)
yān upāśritya jīvanti
auf die gestützt [sie] leben (Rel.Akk.Pl., Abs., 3.Pl.Präs.)
prajāḥ sarvāś caturvidhāḥ
alle Geschöpfe, vierfach (Nom.Pl.f.)

panthānaḥ sarvanetāro yajñavāhāḥ sanātanāḥ; pitṛpaitāmahīṃ gurvīm udvahanti dhuraṃ sadā

Sie sind Wege, aller Führer, ewige Träger des Opfers; die schwere, von Vätern und Ahnen ererbte Last tragen sie stets.

Wort für Wort
panthānaḥ sarvanetāro
Wege, Führer aller (Nom.Pl.)
yajñavāhāḥ sanātanāḥ
Opferträger, ewige (Nom.Pl.)
pitṛpaitāmahīṃ gurvīm
die von Vätern und Ahnen [ererbte], schwere (Akk.Sg.f.)
udvahanti dhuraṃ sadā
tragen die Last stets (3.Pl.Präs., Akk.Sg.f., Adv.)

dhuri ye nāvasīdanti viṣame sadgavā iva; pitṛdevātithimukhā havyakavyāgrabhojinaḥ

Sie, die in der Last nicht einsinken wie gute Stiere auf unebenem [Gelände]; für Väter, Götter und Gäste der Mund, die zuerst von Havya und Kavya Speisenden.

Wort für Wort
dhuri ye nāvasīdanti
in der Last, die nicht einsinken (Lok.Sg., Rel.Nom.Pl., 3.Pl.Präs.)
viṣame sadgavā iva
auf unebenem [Boden] wie gute Stiere (Lok.Sg.n., Nom.Pl.)
pitṛdevātithimukhā
Mund der Väter, Götter, Gäste (Nom.Pl., Tatpuruṣa)
havyakavyāgrabhojinaḥ
zuerst von Götter- und Ahnenopfer Essende (Nom.Pl.)

bhojanād eva ye lokāṃs trāyante mahato bhayāt; dīpāḥ sarvasya lokasya cakṣuś cakṣuṣmatām api

Schon durch ihr Essen [Speisung] retten sie die Welten vor großer Gefahr; Lampen für die ganze Welt, das Auge selbst der Sehenden.

Wort für Wort
bhojanād eva ye
schon durch das Speisen, die (Abl.Sg., Rel.Nom.Pl.)
lokāṃs trāyante
die Welten retten sie (Akk.Pl., 3.Pl.Med.)
mahato bhayāt
vor großer Furcht (Abl.Sg.)
dīpāḥ sarvasya lokasya
Lampen der ganzen Welt (Nom.Pl., Gen.Sg.)
cakṣuś cakṣuṣmatām api
Auge sogar der Augenbegabten (Nom.Sg., Gen.Pl.)

sarvaśilpādinidhayo nipuṇāḥ sūkṣmadarśinaḥ; gatijñāḥ sarvabhūtānām adhyātmagaticintakāḥ

Schatzhäuser aller Künste und dergleichen, geschickt, feinsichtig; kundig des Weges aller Wesen, Erwägende der Bahn des Selbst.

Wort für Wort
sarvaśilpādinidhayo
Schatzkammern aller Künste usw. (Nom.Pl.)
nipuṇāḥ sūkṣmadarśinaḥ
geschickt, feinsichtig (Nom.Pl.)
gatijñāḥ sarvabhūtānām
Kenner des Weges/Schicksals aller Wesen (Nom.Pl., Gen.Pl.)
adhyātmagaticintakāḥ
die über die Bahn des Selbst nachsinnen (Nom.Pl.)

ādimadhyāvasānānāṃ jñātāraś chinnasaṃśayāḥ; parāvaraviśeṣajñā gantāraḥ paramāṃ gatim

Kenner von Anfang, Mitte und Ende, mit zerschnittenen Zweifeln; kundig der Unterschiede von Höherem und Niederem, Gehende zum höchsten Ziel.

Wort für Wort
ādimadhyāvasānānāṃ
von Anfang, Mitte und Ende (Gen.Pl., Dvandva)
jñātāraś chinnasaṃśayāḥ
Kenner, mit zerschnittenem Zweifel (Nom.Pl.)
parāvaraviśeṣajñā
Kenner des Unterschieds von Höherem und Niederem (Nom.Pl.)
gantāraḥ paramāṃ gatim
Gehende zum höchsten Ziel (Nom.Pl., Akk.Sg.f.)

vimuktā dhutapāpmāno nirdvaṃdvā niṣparigrahāḥ; mānārhā mānitā nityaṃ jñānavidbhir mahātmabhiḥ

Befreit, die Sünde abgeschüttelt, frei von den Gegensatzpaaren, ohne Besitz; der Ehre würdig und stets geehrt von den wissenskundigen Hochgesinnten.

Wort für Wort
vimuktā dhutapāpmāno
befreit, mit abgeschüttelter Sünde (Nom.Pl.)
nirdvaṃdvā niṣparigrahāḥ
frei von Gegensätzen, besitzlos (Nom.Pl.)
mānārhā mānitā nityaṃ
ehrenwert, geehrt, stets (Nom.Pl., Part.Perf.Pass., Adv.)
jñānavidbhir mahātmabhiḥ
von den Wissenskundigen, Hochgesinnten (Instr.Pl.)

candane malapaṅke ca bhojane 'bhojane samāḥ; samaṃ yeṣāṃ dukūlaṃ ca śāṇakṣaumājināni ca

Sandel und Schmutzschlamm, Essen und Nichtessen gelten ihnen gleich; gleich ist ihnen das Seidengewand und ebenso Hanf, Leinen und Antilopenfell.

Wort für Wort
candane malapaṅke ca
bei Sandel und Schmutzschlamm (Lok.Sg.)
bhojane 'bhojane samāḥ
bei Essen und Nichtessen gleich (Lok.Sg., Nom.Pl.)
samaṃ yeṣāṃ dukūlaṃ ca
gleich [ist] ihnen das Seidengewand (Nom.Sg.n., Gen.Pl. Rel.)
śāṇakṣaumājināni ca
und Hanf, Leinen, Fell (Nom.Pl.n., Dvandva)

tiṣṭheyur apy abhuñjānā bahūni divasāny api; śoṣayeyuś ca gātrāṇi svādhyāyaiḥ saṃyatendriyāḥ

Sie könnten viele Tage lang nichts essend verharren und ihre Glieder durch Selbststudium der Veden austrocknen lassen, die Sinne gezügelt.

Wort für Wort
tiṣṭheyur apy abhuñjānā
sie könnten dastehen, nicht essend (Opt.3.Pl., Part.Präs.Med. mit a-)
bahūni divasāny api
viele Tage lang (Akk.Pl.n., Akk. der Dauer)
śoṣayeyuś ca gātrāṇi
und könnten austrocknen lassen die Glieder (Opt.3.Pl.Kaus., Akk.Pl.)
svādhyāyaiḥ saṃyatendriyāḥ
durch Vedastudien, mit gezügelten Sinnen (Instr.Pl., Nom.Pl.)

adaivaṃ daivataṃ kuryur daivataṃ cāpy adaivatam; lokān anyān sṛjeyuś ca lokapālāṃś ca kopitāḥ

Sie könnten aus einem Nichtgott einen Gott machen und aus einem Gott einen Nichtgott; erzürnt könnten sie andere Welten und andere Welthüter erschaffen.

Wort für Wort
adaivaṃ daivataṃ kuryur
Nichtgöttliches zum Gott könnten sie machen (Akk.Sg.n., Opt.3.Pl.)
daivataṃ cāpy adaivatam
und auch Gott zum Nichtgott (Akk.Sg.n.)
lokān anyān sṛjeyuś ca
und könnten andere Welten erschaffen (Akk.Pl., Opt.3.Pl.)
lokapālāṃś ca kopitāḥ
und Welthüter, erzürnt (Akk.Pl., Part.Perf.Pass. Nom.Pl.)

apeyaḥ sāgaro yeṣām abhiśāpān mahātmanām; yeṣāṃ kopāgnir adyāpi daṇḍake nopaśāmyati

Durch die Verfluchungen dieser Hochgesinnten wurde das Meer untrinkbar; ihr Zornfeuer erlischt bis heute im Daṇḍaka nicht.

Wort für Wort
apeyaḥ sāgaro yeṣām
untrinkbar das Meer, deren (Nom.Sg.m., Gen.Pl. Rel.)
abhiśāpān mahātmanām
infolge der Verfluchungen der Hochgesinnten (Abl.Sg./Pl., Gen.Pl.)
yeṣāṃ kopāgnir adyāpi
deren Zornfeuer noch heute (Gen.Pl., Nom.Sg., Adv.)
daṇḍake nopaśāmyati
im Daṇḍaka nicht erlischt (Lok.Sg., 3.Sg.Präs.)

devānām api ye devāḥ kāraṇaṃ kāraṇasya ca; pramāṇasya pramāṇaṃ ca kas tān abhibhaved budhaḥ

Sie, die selbst der Götter Götter sind, Ursache und Ursache der Ursache, Maßstab des Maßstabs: welcher Verständige könnte sie überwältigen?

Wort für Wort
devānām api ye devāḥ
die selbst der Götter Götter [sind] (Gen.Pl., Nom.Pl.)
kāraṇaṃ kāraṇasya ca
Ursache und der Ursache [Ursache] (Nom.Sg.n., Gen.Sg.)
pramāṇasya pramāṇaṃ ca
und Maßstab des Maßstabs (Gen.Sg., Nom.Sg.n.)
kas tān abhibhaved budhaḥ
welcher Weise könnte sie überwältigen (Nom.Sg., Akk.Pl., Opt.3.Sg., Nom.Sg.)

yeṣāṃ vṛddhaś ca bālaś ca sarvaḥ saṃmānam arhati

Bei ihnen verdient jeder Ehrung, der Alte wie das Kind.

Wort für Wort
yeṣāṃ vṛddhaś ca bālaś ca
bei denen der Alte und das Kind (Gen.Pl., Nom.Sg.)
sarvaḥ saṃmānam arhati
jeder verdient Ehrung (Nom.Sg., Akk.Sg., 3.Sg.Präs.)

teṣāṃ vṛddhāś ca bālāś ca sarve sanmārgadarśinaḥ

Bei ihnen zeigen alle, Alte wie Kinder, den guten Weg.

Wort für Wort
teṣāṃ vṛddhāś ca bālāś ca
ihre Alten und Kinder (Gen.Pl., Nom.Pl.)
sarve
alle (Nom.Pl.)
sanmārgadarśinaḥ
den guten Weg zeigend/sehend (Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile der kritischen Ausgabe, nur in einem Teil der Handschriften.

tapovidyāviśeṣāt tu mānayanti parasparam

Wegen des Vorrangs an Askese und Wissen ehren sie einander.

Wort für Wort
tapovidyāviśeṣāt tu
aber wegen des Vorrangs an Askese und Wissen (Abl.Sg.)
mānayanti parasparam
ehren sie einander (3.Pl.Präs.Kaus., Adv.)

avidvān brāhmaṇo devaḥ pātraṃ vai pāvanaṃ mahat; vidvān bhūyastaro devaḥ pūrṇasāgarasaṃnibhaḥ

Ein unwissender Brahmane ist ein Gott, ein großes, reinigendes Gefäß; ein wissender ist noch mehr Gott, einem vollen Ozean gleich.

Wort für Wort
avidvān brāhmaṇo devaḥ
ein unwissender Brahmane ist ein Gott (Nom.Sg.)
pātraṃ vai pāvanaṃ mahat
wahrlich ein Gefäß, reinigend, groß (Nom.Sg.n.)
vidvān bhūyastaro devaḥ
der Wissende ist in höherem Maß Gott (Nom.Sg., Komp.)
pūrṇasāgarasaṃnibhaḥ
einem vollen Meer ähnlich (Nom.Sg.)

avidvāṃś caiva vidvāṃś ca brāhmaṇo daivataṃ mahat; praṇītaś cāpraṇītaś ca yathāgnir daivataṃ mahat

Der Brahmane, ob unwissend oder wissend, ist eine große Gottheit; wie das Feuer, ob geweiht oder ungeweiht, eine große Gottheit ist.

Wort für Wort
avidvāṃś caiva vidvāṃś ca
unwissend wie auch wissend (Nom.Sg.)
brāhmaṇo daivataṃ mahat
der Brahmane [ist] eine große Gottheit (Nom.Sg., Nom.Sg.n.)
praṇītaś cāpraṇītaś ca
geweiht und ungeweiht (Part.Perf.Pass. Nom.Sg.)
yathāgnir daivataṃ mahat
wie das Feuer eine große Gottheit (Nom.Sg.)

śmaśāne hy api tejasvī pāvako naiva duṣyati; havir yajñeṣu ca vahan bhūya evābhiśobhate

Selbst auf dem Leichenfeld wird das strahlende Feuer niemals befleckt; und wenn es in den Opfern die Opfergabe trägt, glänzt es noch mehr.

Wort für Wort
śmaśāne hy api tejasvī
denn selbst auf dem Leichenfeld, der strahlende (Lok.Sg., Nom.Sg.)
pāvako naiva duṣyati
das Feuer wird keineswegs befleckt (Nom.Sg., 3.Sg.Präs.)
havir yajñeṣu ca vahan
und in den Opfern die Opfergabe tragend (Akk.Sg., Lok.Pl., Part.Präs.)
bhūya evābhiśobhate
glänzt eben noch mehr (Adv., 3.Sg.Präs.Med.)

evaṃ yady apy aniṣṭeṣu vartate sarvakarmasu; sarvathā brāhmaṇo mānyo daivataṃ viddhi tat param

So ist der Brahmane, auch wenn er sich bei allen Handlungen an Unerwünschtes hält, in jedem Fall zu ehren; wisse, das ist die höchste Gottheit.

Wort für Wort
evaṃ yady apy aniṣṭeṣu
so, auch wenn bei Unerwünschtem (Lok.Pl.)
vartate sarvakarmasu
er sich betätigt, in allen Handlungen (3.Sg.Präs.Med., Lok.Pl.)
sarvathā brāhmaṇo mānyo
in jeder Weise ist der Brahmane zu ehren (Adv., Nom.Sg., Gerundiv)
daivataṃ viddhi tat param
Gottheit, wisse, das [ist] die höchste (Akk./Nom.Sg.n., Imp.2.Sg.)

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