Kapitel 78: godānaphalavarṇanā
Der Lohn der Kuhgeschenke nach Farben der Kühe und Himmelswelten
Vasiṣṭha erzählt, wie die Kühe durch Askese Brahmās Gunst erlangten, und zählt dann die Welten auf, die Geber von Kühen und Stieren verschiedener Farben gewinnen.
Vasiṣṭha sprach: Hunderttausend Jahre lang wurde überaus schwer zu vollbringende Askese geübt [mit dem Wunsch]: „Durch die zuvor entlassenen Kühe [?] mögen wir zur Vortrefflichkeit gelangen.“
Wort für Wort
vasiṣṭha uvāca
Vasiṣṭha sprach (Nom.Sg./3.Sg.Perf.)
śataṃ varṣasahasrāṇāṃ
hundert Tausende von Jahren (Akk.Sg./Gen.Pl.)
tapas taptaṃ suduścaram
Askese wurde geübt, überaus schwer zu vollbringen (Nom.Sg.n./Part.Pass./Adj.)
gobhiḥ pūrvavisṛṣṭābhir
durch die zuvor entlassenen Kühe (Instr.Pl.f.)
gacchema śreṣṭhatām iti
mögen wir zur Vortrefflichkeit gelangen (1.Pl.Opt.; Akk.Sg.f.; iti)
Der Sinnzusammenhang der Instrumentalphrase gobhiḥ pūrvavisṛṣṭābhiḥ ist unklar; vermutlich reden die Kühe selbst.
sa eva cetasā tena hato lipyeta sarvadā; śakṛtā ca pavitrārthaṃ kurvīran devamānuṣāḥ
„Nur wer [sie] in jener Absicht erschlagen hat [?], würde allzeit befleckt werden; und mit [ihrem] Mist mögen Götter und Menschen zur Reinigung [ihre Riten] vollziehen.“
Wort für Wort
sa eva cetasā tena
eben jener, durch jenen Sinn/jene Absicht (Nom.Sg.m./Instr.Sg.n.)
hato lipyeta sarvadā
erschlagen/getötet habend [?], würde befleckt werden allezeit (Part.Pass.; 3.Sg.Opt.Pass.)
śakṛtā ca pavitrārthaṃ
und mit Mist zum Zweck der Reinigung (Instr.Sg.; Adv.)
kurvīran devamānuṣāḥ
sollen vollziehen Götter und Menschen (3.Pl.Opt.Med.)
Die erste Vershälfte ist syntaktisch unklar (hataḥ ohne erkennbares Objekt); Wiedergabe unsicher.
Ihnen gewährte Brahmā, der Herr, am Ende der Askese selbst eine Gabe: „So soll es sein“, [sprach] der Allmächtige, „und ihr sollt die Welten hinüberführen.“
Wort für Wort
tābhyo varaṃ dadau
ihnen eine Gabe gab (Dat.Pl.f.; Akk.Sg.; 3.Sg.Perf.)
brahmā tapaso 'nte
Brahmā, am Ende der Askese (Nom.Sg.; Gen./Lok.Sg.)
svayaṃ prabhuḥ
selbst der Herr (Adv.; Nom.Sg.)
evaṃ bhavatv iti vibhur
so soll es sein (3.Sg.Imp.); der Allmächtige (Nom.Sg.)
lokāṃs tārayata iti ca
die Welten führt hinüber (Akk.Pl.; 2.Pl.Imp.Kaus.)
apāṃ phenasavarṇāṃ tu savatsāṃ kāṃsyadohanām; pradāya vastrasaṃvītāṃ vāruṇaṃ lokam aśnute
Wer eine [Kuh] von der Farbe des Wasserschaums mit Kalb, die sich in einem Bronzegefäß melken lässt, schenkt und sie in ein Tuch gehüllt gibt, erlangt die Welt Varuṇas.
Wort für Wort
apāṃ phenasavarṇāṃ tu
die von der Farbe des Wasserschaums aber (Gen.Pl.f.; Akk.Sg.f.)
savatsāṃ kāṃsyadohanām
mit Kalb, mit Bronzemelkgefäß (Akk.Sg.f.)
pradāya vastrasaṃvītāṃ
geschenkt habend, in ein Tuch gehüllt (Abs.; Akk.Sg.f.)
vāruṇaṃ lokam aśnute
die Welt Varuṇas erlangt er (Akk.Sg.m.; 3.Sg.Präs.)
vātareṇusavarṇāṃ tu savatsāṃ kāṃsyadohanām; pradāya vastrasaṃvītāṃ vāyuloke mahīyate
Wer eine [Kuh] von der Farbe des Windstaubs mit Kalb, die sich in einem Bronzegefäß melken lässt, schenkt und sie in ein Tuch gehüllt gibt, wird in der Welt des Windes verherrlicht.
Wort für Wort
vātareṇusavarṇāṃ tu
die von der Farbe des Windstaubs aber (Akk.Sg.f.)
savatsāṃ kāṃsyadohanām
mit Kalb, mit Bronzemelkgefäß (Akk.Sg.f.)
pradāya vastrasaṃvītāṃ
geschenkt habend, in ein Tuch gehüllt (Abs.; Akk.Sg.f.)
vāyuloke mahīyate
in der Windwelt wird er verherrlicht (Lok.Sg.; 3.Sg.Pass.)
Wer eine goldfarbene, braunäugige [Kuh] mit Kalb, die sich in einem Bronzegefäß melken lässt, schenkt und sie in ein Tuch gehüllt gibt, erlangt die Welt Kuberas.
Wort für Wort
hiraṇyavarṇāṃ piṅgākṣīṃ
die goldfarbene, braunäugige (Akk.Sg.f.)
savatsāṃ kāṃsyadohanām
mit Kalb, mit Bronzemelkgefäß (Akk.Sg.f.)
pradāya vastrasaṃvītāṃ
geschenkt habend, in ein Tuch gehüllt (Abs.; Akk.Sg.f.)
kauberaṃ lokam aśnute
die Welt Kuberas erlangt er (Akk.Sg.m.; 3.Sg.Präs.)
palāladhūmravarṇāṃ tu savatsāṃ kāṃsyadohanām; pradāya vastrasaṃvītāṃ pitṛloke mahīyate
Wer eine [Kuh] von der Farbe rauchgrauen Strohs mit Kalb, die sich in einem Bronzegefäß melken lässt, schenkt und sie in ein Tuch gehüllt gibt, wird in der Welt der Väter verherrlicht.
Wort für Wort
palāladhūmravarṇāṃ tu
die von der Farbe rauchgrauen Strohs aber (Akk.Sg.f.)
savatsāṃ kāṃsyadohanām
mit Kalb, mit Bronzemelkgefäß (Akk.Sg.f.)
pradāya vastrasaṃvītāṃ
geschenkt habend, in ein Tuch gehüllt (Abs.; Akk.Sg.f.)
pitṛloke mahīyate
in der Welt der Väter wird er verherrlicht (Lok.Sg.; 3.Sg.Pass.)
pāṇḍukambalavarṇāṃ tu savatsāṃ kāṃsyadohanām; pradāya vastrasaṃvītāṃ sādhyānāṃ lokam aśnute
Wer eine [Kuh] von der Farbe einer fahlen Decke mit Kalb, die sich in einem Bronzegefäß melken lässt, schenkt und sie in ein Tuch gehüllt gibt, erlangt die Welt der Sādhyas.
Wort für Wort
pāṇḍukambalavarṇāṃ tu
die von der Farbe einer fahlen Decke aber (Akk.Sg.f.)
savatsāṃ kāṃsyadohanām
mit Kalb, mit Bronzemelkgefäß (Akk.Sg.f.)
pradāya vastrasaṃvītāṃ
geschenkt habend, in ein Tuch gehüllt (Abs.; Akk.Sg.f.)
sādhyānāṃ lokam aśnute
die Welt der Sādhyas erlangt er (Gen.Pl.; Akk.Sg.; 3.Sg.Präs.)
So viele Haare, wie eine Kuh hat, so viele Jahre wird er verherrlicht; und ist er dann aus dem Himmel gefallen, wird er in der Menschenwelt in der Familie von Kuhbesitzern geboren.
Wort für Wort
yāvanti lomāni bhavanti dhenvās
so viele Haare es gibt einer Kuh (Nom.Pl.n.; 3.Pl.Präs.; Gen.Sg.f.)
tāvanti varṣāṇi mahīyate saḥ
so viele Jahre wird er verherrlicht (Nom.Pl.n.; 3.Sg.Pass.; Nom.Sg.m.)
svargāc cyutaś cāpi tato
und aus dem Himmel gefallen, danach (Abl.Sg.; Part.Pass.; Adv.)
nṛloke kule samutpatsyati
in der Menschenwelt, in der Familie wird er geboren werden (Lok.Sg.; Lok.Sg.; 3.Sg.Fut.)