Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Anuśāsanaparva

Kapitel 88: śrāddhahavirphalanirṇayaḥ Die Opfergaben des Totenopfers und ihre Früchte für die Väter

Bhīṣma zählt auf, wie lange verschiedene Speisen im Śrāddha die Väter sättigen, und nennt, was unvergänglich wirkt; das Kapitel enthält auch Väterverse (pitṛgāthā).

yudhiṣṭhira uvāca; kiṃ svid dattaṃ pitṛbhyo vai bhavaty akṣayam īśvara; kiṃ haviś cirarātrāya kim ānantyāya kalpate

Yudhiṣṭhira sprach: „Was, o Herr, den Vätern gegeben, wird unvergänglich? Welche Opfergabe reicht für lange Zeit, welche für die Endlosigkeit?“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
kiṃ svid dattaṃ pitṛbhyo vai
was wohl, den Vätern gegeben (Nom.Sg.n. Part.Perf.Pass.; Dat.Pl.)
bhavaty akṣayam īśvara
wird unvergänglich, o Herr (3.Sg.Präs.; Vok.)
kiṃ haviś cirarātrāya
welche Opfergabe für lange Nächte [Zeit] (Nom.Sg.n.; Dat.)
kim ānantyāya kalpate
welche für die Endlosigkeit taugt (Dat.; 3.Sg.Med.)

bhīṣma uvāca; havīṃṣi śrāddhakalpe tu yāni śrāddhavido viduḥ; tāni me śṛṇu kāmyāni phalaṃ caiṣāṃ yudhiṣṭhira

Bhīṣma sprach: „Die Opfergaben, welche die Kenner des Śrāddha im Ritual des Totenopfers kennen, die wunschgemäßen, diese höre von mir, und ihre Frucht, Yudhiṣṭhira.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
havīṃṣi śrāddhakalpe tu
die Opfergaben aber im Śrāddha-Ritual (Nom.Pl.n.; Lok.Sg.)
yāni śrāddhavido viduḥ
welche die Śrāddha-Kenner kennen (Akk.Pl.n.; Nom.Pl.; 3.Pl.Perf.)
tāni me śṛṇu kāmyāni
diese höre von mir, die wünschenswerten (Akk.Pl.n.; Dat./Gen.; Imp.; Akk.Pl.n.)
phalaṃ caiṣāṃ yudhiṣṭhira
und ihre Frucht, Yudhiṣṭhira (Akk.Sg.; Gen.Pl.; Vok.)

tilair vrīhiyavair māṣair adbhir mūlaphalais tathā; dattena māsaṃ prīyante śrāddhena pitaro nṛpa

Mit Sesam, Reis und Gerste, mit Bohnen, mit Wasser sowie mit Wurzeln und Früchten werden die Väter durch das so dargebrachte Śrāddha einen Monat lang erfreut, o König.

Wort für Wort
tilair vrīhiyavair māṣair
mit Sesam, Reis und Gerste, mit Bohnen (Instr.Pl.)
adbhir mūlaphalais tathā
mit Wasser, mit Wurzeln und Früchten ebenso (Instr.Pl.)
dattena māsaṃ
durch das Gegebene, einen Monat lang (Instr.Sg.n. Part.; Akk.Sg. der Dauer)
prīyante śrāddhena
werden erfreut durch das Śrāddha (3.Pl.Pass.; Instr.Sg.)
pitaro nṛpa
die Väter, o König (Nom.Pl.; Vok.Sg.)

vardhamānatilaṃ śrāddham akṣayaṃ manur abravīt; sarveṣv eva tu bhojyeṣu tilāḥ prādhānyataḥ smṛtāḥ

Ein Śrāddha mit reichlich zunehmendem Sesam nannte Manu unvergänglich; unter allen Speisen nämlich gelten Sesamkörner als das Vorrangige.

Wort für Wort
vardhamānatilaṃ śrāddham
ein Śrāddha mit wachsendem [reichlichem] Sesam (Bahuvrīhi; Akk.Sg.n.)
akṣayaṃ manur abravīt
unvergänglich sagte Manu (Akk.Sg.n.; Nom.Sg.; Impf.)
sarveṣv eva tu bhojyeṣu
unter allen Speisen aber (Lok.Pl.n.)
tilāḥ prādhānyataḥ smṛtāḥ
Sesamkörner gelten als vorrangig (Nom.Pl.; Adv.; Part.Perf.Pass.)

dvau māsau tu bhavet tṛptir matsyaiḥ pitṛgaṇasya ha; trīn māsān āvikenāhuś cāturmāsyaṃ śaśena tu

Zwei Monate aber währt die Sättigung der Vätergruppe durch Fische; drei Monate, sagt man, durch Schaf[fleisch], vier Monate aber durch Hase.

Wort für Wort
dvau māsau tu bhavet tṛptir
zwei Monate aber möge die Sättigung sein (Akk.Du.; Opt.3.Sg.; Nom.Sg.)
matsyaiḥ pitṛgaṇasya ha
durch Fische, der Vätergruppe fürwahr (Instr.Pl.; Gen.Sg.)
trīn māsān āvikenāhuḥ
drei Monate durch Schaf[fleisch] sagen sie (Akk.Pl.; Instr.Sg.; 3.Pl.Perf.)
cāturmāsyaṃ śaśena tu
viermonatig durch Hase aber (Akk.Sg.n. Adv.; Instr.Sg.)

ājena māsān prīyante pañcaiva pitaro nṛpa; vārāheṇa tu ṣaṇmāsān sapta vai śākunena tu

Mit Ziegen[fleisch] werden die Väter fünf Monate lang erfreut, o König; mit Wildschwein sechs Monate, sieben aber mit Vogel[fleisch].

Wort für Wort
ājena māsān prīyante
mit Ziegen[fleisch] Monate werden erfreut (Instr.Sg.; Akk.Pl.; 3.Pl.Pass.)
pañcaiva pitaro nṛpa
eben fünf die Väter, o König (Zahl; Nom.Pl.; Vok.)
vārāheṇa tu ṣaṇmāsān
mit Wildschwein aber sechs Monate (Instr.Sg.; Akk.Pl.)
sapta vai śākunena tu
sieben fürwahr mit Vogel[fleisch] aber (Zahl; Instr.Sg.)

māsān aṣṭau pārṣatena rauraveṇa navaiva tu; gavayasya tu māṃsena tṛptiḥ syād daśamāsikī

Acht Monate mit [dem Fleisch des] gefleckten Hirsches, neun eben mit Ruru-Antilope; mit dem Fleisch des Gayal aber wird eine zehnmonatige Sättigung sein.

Wort für Wort
māsān aṣṭau pārṣatena
acht Monate mit gefleckter Hirsch[fleisch] (Akk.Pl.; Zahl; Instr.Sg.)
rauraveṇa navaiva tu
mit Ruru-Hirsch[fleisch], neun eben (Instr.Sg.; Zahl)
gavayasya tu māṃsena
mit dem Fleisch des Gayal aber (Gen.Sg.; Instr.Sg.)
tṛptiḥ syād daśamāsikī
Sättigung möge sein zehnmonatige (Nom.Sg.f.; Opt.3.Sg.; Adj.f.)

pārṣata und rauravena: Tierbezeichnungen (gefleckter Hirsch; Ruru-Hirsch), Deutung nicht ganz sicher.

māsān ekādaśa prītiḥ pitṝṇāṃ māhiṣeṇa tu; gavyena datte śrāddhe tu saṃvatsaram ihocyate

Elf Monate währt die Freude der Väter durch [Fleisch vom] Büffel; ist das Śrāddha aber mit Rind[fleisch] gegeben, so heißt es hier: ein ganzes Jahr.

Wort für Wort
māsān ekādaśa prītiḥ
elf Monate die Freude (Akk.Pl.; Zahl; Nom.Sg.f.)
pitṝṇāṃ māhiṣeṇa tu
der Väter durch Büffel[fleisch] aber (Gen.Pl.; Instr.Sg.)
gavyena datte śrāddhe tu
mit Rindlichem, wenn das Śrāddha gegeben ist (Instr.Sg.n.; Lok.abs.)
saṃvatsaram ihocyate
ein Jahr, hier wird gesagt (Akk.Sg.; Adv.; 3.Sg.Pass.)

yathā gavyaṃ tathā yuktaṃ pāyasaṃ sarpiṣā saha; vādhrīṇasasya māṃsena tṛptir dvādaśavārṣikī

Wie das Rindliche, so ist auch Milchreis mit Ghee geeignet; durch das Fleisch des Vādhrīṇasa aber währt die Sättigung zwölf Jahre.

Wort für Wort
yathā gavyaṃ tathā yuktaṃ
wie das Rindliche, so geeignet (Adv.; Nom.Sg.n.; Part.)
pāyasaṃ sarpiṣā saha
Milchreis mit Ghee (Nom.Sg.n.; Instr.Sg.; Postp.)
vādhrīṇasasya māṃsena
mit dem Fleisch des Vādhrīṇasa [?] (Gen.Sg.; Instr.Sg.)
tṛptir dvādaśavārṣikī
Sättigung zwölfjährige (Nom.Sg.f.; Adj.f.)

vādhrīṇasa: Tierbezeichnung (ein Bock bzw. Nashorn o. ä.), Bedeutung unsicher.

ānantyāya bhaved dattaṃ khaḍgamāṃsaṃ pitṛkṣaye; kālaśākaṃ ca lauhaṃ cāpy ānantyaṃ chāga ucyate

Zur Endlosigkeit gereicht Nashornfleisch, im Väteropfer dargebracht; Kālaśāka [Kraut], Lauha [?] und der Ziegenbock, so heißt es, [bewirken] Endlosigkeit.

Wort für Wort
ānantyāya bhaved dattaṃ
zur Endlosigkeit möge es sein, gegeben (Dat.; Opt.3.Sg.; Part.n.)
khaḍgamāṃsaṃ pitṛkṣaye
Nashornfleisch im Väteropfer (Nom.Sg.n.; Lok.Sg.)
kālaśākaṃ ca lauhaṃ cāpi
Kālaśāka und Lauha [?] auch (Nom.Sg.n.)
ānantyaṃ chāga ucyate
Endlosigkeit, der Ziegenbock, wird gesagt (Akk./Nom.Sg.n.; Nom.Sg.; 3.Sg.Pass.)

lauha (wörtlich „eisern/rötlich“) ist als Tier oder Speise unsicher; kālaśāka gewöhnlich ein Kraut.

gāthāś cāpy atra gāyanti pitṛgītā yudhiṣṭhira; sanatkumāro bhagavān purā mayy abhyabhāṣata

Auch Strophen singt man hierzu, von den Vätern gesungene, Yudhiṣṭhira; der erhabene Sanatkumāra sprach sie einst zu mir.

Wort für Wort
gāthāś cāpy atra gāyanti
auch Strophen hierzu singen sie (Akk.Pl.f.; 3.Pl.Präs.)
pitṛgītā yudhiṣṭhira
von den Vätern gesungen, Yudhiṣṭhira (Part.Pass.; Vok.)
sanatkumāro bhagavān
Sanatkumāra, der Erhabene (Nom.Sg.)
purā mayy abhyabhāṣata
einst zu mir sprach [sie] (Adv.; Lok.Sg.; Impf.Med.)

api naḥ sa kule jāyād yo no dadyāt trayodaśīm; maghāsu sarpiṣā yuktaṃ pāyasaṃ dakṣiṇāyane

„Möge in unserer Familie einer geboren werden, der uns am dreizehnten [Mondtag] Milchreis mit Ghee darbringt, unter [dem Mondhaus] Maghā, wenn die Sonne südwärts geht.“

Wort für Wort
api naḥ sa kule jāyād
möge uns in der Familie er geboren werden (Part.; Gen.Pl.; Nom.; Lok.Sg.; Opt.3.Sg.)
yo no dadyāt trayodaśīm
der uns darbringt am dreizehnten [Tag] (Rel.; Dat.Pl.; Opt.3.Sg.; Akk.Sg.f.)
maghāsu sarpiṣā yuktaṃ
unter den Maghā, mit Ghee verbunden (Lok.Pl.; Instr.Sg.; Part.)
pāyasaṃ dakṣiṇāyane
Milchreis, beim Südlauf [der Sonne] (Akk.Sg.n.; Lok.Sg.)

ājena vāpi lauhena maghāsv eva yatavrataḥ; hasticchāyāsu vidhivat karṇavyajanavījitam

Oder auch mit Ziegen[fleisch] oder Eisernem [?], eben unter Maghā, mit festem Gelübde, regelgerecht im Schatten von Elefanten, wobei mit Elefantenohr-Fächern gefächelt wird.

Wort für Wort
ājena vāpi lauhena
oder auch mit Ziegen[fleisch], mit Lauha [?] (Instr.Sg.)
maghāsv eva yatavrataḥ
eben unter Maghā, mit gezügeltem Gelübde (Lok.Pl.; Nom.Sg.)
hasticchāyāsu vidhivat
im Elefantenschatten [?], regelgerecht (Lok.Pl.f.; Adv.)
karṇavyajanavījitam
mit Ohr-Fächern befächelt (Akk.Sg.n. Part.Pass.)

lauhena: „mit Eisernem“ bzw. rötlichem Tier/Fisch; Bedeutung unsicher. hasticchāyāsu bezeichnet wohl eine Zeit- oder Ortsangabe (Elefantenschatten), Deutung unsicher.

eṣṭavyā bahavaḥ putrā yady eko 'pi gayāṃ vrajet

Viele Söhne sollte man wünschen, wenn nur einer nach Gayā ginge,

Wort für Wort
eṣṭavyā bahavaḥ putrā
zu wünschen sind viele Söhne (Gerundiv Nom.Pl.; Nom.Pl.)
yady eko 'pi gayāṃ vrajet
wenn auch nur einer nach Gayā ginge (Konj.; Nom.Sg.; Akk.Sg.; Opt.3.Sg.)

yajed vā aśvamedhena nīlaṃ vā vṛṣam utsṛjet

oder mit einem Rossopfer opferte oder einen dunklen Stier freiließe,

Wort für Wort
yajed vā aśvamedhena
oder opferte mit dem Rossopfer (Opt.3.Sg.; Instr.Sg.)
nīlaṃ vā vṛṣam utsṛjet
oder einen dunklen Stier freiließe (Akk.Sg.; Akk.Sg.; Opt.3.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften).

yatrāsau prathito lokeṣv akṣayyakaraṇo vaṭaḥ

dort, wo jener in den Welten berühmte Feigenbaum steht, der [das Opfer] unvergänglich macht.

Wort für Wort
yatrāsau prathito lokeṣu
wo jener berühmt in den Welten (Adv.; Nom.Sg.; Part.; Lok.Pl.)
akṣayyakaraṇo vaṭaḥ
Unvergänglichkeit bewirkend, der Banyanbaum (Nom.Sg.; Nom.Sg.)

āpo mūlaṃ phalaṃ māṃsam annaṃ vāpi pitṛkṣaye; yat kiṃ cin madhusaṃmiśraṃ tad ānantyāya kalpate

Wasser, Wurzel, Frucht, Fleisch oder auch Speise im Väteropfer: was immer mit Honig vermischt ist, das gereicht zur Endlosigkeit.

Wort für Wort
āpo mūlaṃ phalaṃ māṃsam
Wasser, Wurzel, Frucht, Fleisch (Nom.Pl.f.; Nom.Sg.n.)
annaṃ vāpi pitṛkṣaye
Speise oder auch im Väteropfer (Nom.Sg.n.; Lok.Sg.)
yat kiṃ cin madhusaṃmiśraṃ
was immer mit Honig vermischt (Rel.; Nom.Sg.n.)
tad ānantyāya kalpate
das gereicht zur Endlosigkeit (Nom.Sg.n.; Dat.; 3.Sg.Med.)

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