Kapitel 7: karmaphalopadeśaḥ
Bhīṣmas Lehre von den Früchten guter Werke, Askese und Gastgabe
Auf Yudhiṣṭhiras Frage nach den Früchten guter Werke zählt Bhīṣma Übungen und Gaben mit ihrem Lohn auf, betont das Nachfolgen der Taten und die unstillbare Gier. Der Abschnitt schließt mit Verehrung von Vater, Mutter und Lehrer.
cakṣur dadyān mano dadyād vācaṃ dadyāc ca sūnṛtām; anuvrajed upāsīta sa yajñaḥ pañcadakṣiṇaḥ
Man gebe den Blick, man gebe den Geist und gebe das wahre, freundliche Wort; man geleite [den Gast] und warte ihm auf – das ist ein Opfer mit fünf Opfergaben.
Wort für Wort
cakṣur dadyān
den Blick gebe man (Opt.3.Sg.)
mano dadyād
den Geist gebe man (Opt.3.Sg.)
vācaṃ dadyāc ca sūnṛtām
und das Wort gebe man, das freundlich-wahre (Akk.Sg.f.)
anuvrajed upāsīta
man geleite, man warte auf (Opt.3.Sg.; Opt.Med.3.Sg.)
sa yajñaḥ pañcadakṣiṇaḥ
das [ist] ein Opfer mit fünf Opfergaben (Nom.Sg.; Bahuvrīhi)
„den Gast“ ergänzt; der Kontext (Gastrecht) legt es nahe.
Schönheit, Herrschaft und Gesundheit erlangt man als Frucht der Gewaltlosigkeit; Königtum [erlangen] die von Früchten und Wurzeln Lebenden, den Himmel ebenso die von Blättern Lebenden.
Wort für Wort
rūpam aiśvaryam ārogyam
Schönheit, Herrschaft, Gesundheit (Akk.Sg.)
ahiṃsāphalam aśnute
als Frucht der Gewaltlosigkeit erlangt man (Akk.; Präs.Med.3.Sg.)
phalamūlāśināṃ rājyaṃ
den Frucht-und-Wurzel-Essern Königtum (Gen.Pl.; Nom.Sg.)
svargaḥ parṇāśināṃ tathā
der Himmel den Blätteressern ebenso (Nom.Sg.; Gen.Pl.)
Durch das Fasten bis zum Tod [wird] Königtum [erlangt], und überall wird Glück verheißen; den Himmel erlangt man durch Wahrheit, durch Weihe ein hervorragendes Geschlecht.
Wort für Wort
prāyopaveśanād rājyaṃ
durch Todesfasten Königtum (Abl.Sg.; Nom.Sg.)
sarvatra sukham ucyate
überall Glück wird gesagt (Adv.; Nom.Sg.; Pass.3.Sg.)
svargaṃ satyena labhate
den Himmel durch Wahrheit erlangt man (Akk.; Instr.; Präs.Med.3.Sg.)
dīkṣayā kulam uttamam
durch Weihe ein bestes Geschlecht (Instr.; Akk.Sg.n.)
Reich an Kühen [wird], wer die Weihe mit Gemüsekost [hält]; in den Himmel geht, wer Gras isst; Frauen, die dreimal täglich baden und Luft trinken, mögen ein Opfer erlangen.
Wort für Wort
gavāḍhyaḥ śākadīkṣāyāṃ
reich an Kühen bei der Gemüse-Weihe (Nom.Sg.; Lok.Sg.)
Wer nur Wasser trinkt, wer als zweimal Geborener geweiht ist und stets das Feuer hält; wer in der Wüste [Askese] übt: Königtum; bei völligem Fasten: den Rücken des Himmels.
Wort für Wort
salilāśī bhaved yaś ca
wer Wasser-Esser sei (Nom.Sg.; Opt.3.Sg.)
sadāgniḥ saṃskṛto dvijaḥ
stets das Feuer haltend, geweiht, ein Zweimalgeborener (Nom.Sg.)
maruṃ sādhayato rājyaṃ
dem die Wüste Bezwingenden/Bewältigenden Königtum (Akk.; Gen.Sg.Part.; Nom.)
nākapṛṣṭham anāśake
den Himmelsrücken beim Nichtessen/Fasten (Akk.; Lok.Sg.)
maruṃ sādhayataḥ ist unsicher (Wüste bzw. Todesfasten durch Sturz?) [?].
Durch das Bewahren ihres Wortlauts [den] Himmel, durch das Wissen um den Sinn das höchste Ziel; für die Begierdelosen gilt durch das Murmeln des Veda die Frucht von Himmel und Erlösung als überliefert.
Wort für Wort
tatpāṭhadhāraṇāt svargam
durch Rezitation und Bewahren dessen [den] Himmel (Abl.; Akk.)
arthajñānāt parāṃ gatim
durch Sinnerkenntnis das höchste Ziel (Abl.; Akk.)
vitṛṣṇānāṃ vedajapāt
der Begierdelosen durch Veda-Murmeln (Gen.Pl.; Abl.)
svargamokṣaphalaṃ smṛtam
Himmel-und-Erlösung-Frucht ist überliefert (Nom.Sg.n.; Part.Pass.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage.
Die Zweimalgeborenen in der Welt, die darauf ausgerichtet sind – ihre Welten sind ewig.
Wort für Wort
tatparā ye dvijā loke
darauf gerichtet, die Zweimalgeborenen in der Welt (Nom.Pl.; Lok.)
tasya lokāḥ sanātanam
seine Welten ewig (Gen.Sg.; Nom.Pl.; Adv./Adj.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Numerus (Plural dvijāḥ, Singular tasya) uneinheitlich, sanātanam als Adverb/Neutrum [?].
yā dustyajā durmatibhir yā na jīryati jīryataḥ; yo 'sau prāṇāntiko rogas tāṃ tṛṣṇāṃ tyajataḥ sukham
Die von Schlechtgesinnten schwer aufzugeben ist, die nicht altert, wenn man altert, die wie eine todbringende Krankheit ist – wer diese Gier aufgibt, [hat] Glück.
Wort für Wort
yā dustyajā durmatibhir
die schwer aufzugebende, von Törichten (Nom.Sg.f.; Instr.Pl.)
yā na jīryati jīryataḥ
die nicht altert beim Alternden (Präs.3.Sg.; Gen./Abl. Part.)
yo 'sau prāṇāntiko rogas
welche jene lebensendende Krankheit [ist] (Nom.Sg.m.)
tāṃ tṛṣṇāṃ tyajataḥ sukham
diese Gier für den Aufgebenden [ist] Glück (Akk.Sg.f.; Gen.Sg.; Nom.)
yo 'sau … rogaḥ mit Genusskongruenz maskulin zu tṛṣṇā (Attraktion an rogaḥ).
yena prīṇāti pitaraṃ tena prītaḥ prajāpatiḥ; prīṇāti mātaraṃ yena pṛthivī tena pūjitā; yena prīṇāty upādhyāyaṃ tena syād brahma pūjitam
Womit man den Vater erfreut, damit ist Prajāpati erfreut; womit man die Mutter erfreut, damit ist die Erde geehrt; womit man den Lehrer erfreut, damit wäre das Brahman geehrt.
Wort für Wort
yena prīṇāti pitaraṃ
womit man erfreut den Vater (Instr.; Präs.3.Sg.; Akk.)
tena prītaḥ prajāpatiḥ
damit erfreut ist Prajāpati (Part.Pass.; Nom.Sg.)
prīṇāti mātaraṃ yena
erfreut man die Mutter womit (Akk.Sg.)
pṛthivī tena pūjitā
die Erde damit geehrt (Nom.Sg.f.; Part.Pass.)
yena prīṇāty upādhyāyaṃ
womit man den Lehrer erfreut (Akk.Sg.)
tena syād brahma pūjitam
damit wäre das Brahman geehrt (Opt.3.Sg.; Nom.Sg.n.)
yan mantre bhavati vṛthā prayujyamāne; yat some bhavati vṛthābhiṣūyamāṇe; yac cāgnau bhavati vṛthābhihūyamāne; tat sarvaṃ bhavati vṛthābhidhīyamāne
Was beim Mantra, wenn er [falsch] angewandt wird, vergeblich ist, was beim Soma, wenn er gepresst wird, vergeblich ist, was im Feuer, wenn geopfert wird, vergeblich ist – all das wird vergeblich, wenn es [nur] hergesagt wird.
Wort für Wort
yan mantre bhavati vṛthā prayujyamāne
was beim Mantra vergeblich ist, wenn angewandt (Lok.; Lok.Part.Pass.)
yat some bhavati vṛthābhiṣūyamāṇe
was beim Soma vergeblich ist, wenn gepresst (Lok.; Lok.Part.Pass.)
yac cāgnau bhavati vṛthābhihūyamāne
und was im Feuer vergeblich ist, wenn geopfert (Lok.; Lok.Part.Pass.)
tat sarvaṃ bhavati vṛthābhidhīyamāne
all das wird vergeblich, wenn ausgesprochen/hergesagt (Präs.3.Sg.; Lok.Part.Pass.)
Sinn der Strophe unsicher (wohl Schlussformel: ohne den Wahrheitsgehalt der Lehre ist alles Rezitieren/Opfern vergeblich) [?]; „falsch“ und „nur“ ergänzt.
ity etad ṛṣiṇā proktam uktavān asmi yad vibho; śubhāśubhaphalaprāptau kim ataḥ śrotum icchasi
Dies ist vom Seher gesagt worden, und ich habe es gesagt, o Herr; was willst du darüber hinaus über das Erlangen der Früchte von Gutem und Schlechtem hören?
Wort für Wort
ity etad ṛṣiṇā proktam
so dies vom Seher gesprochen (Instr.; Part.Pass.)
uktavān asmi yad vibho
gesagt habe ich, was, o Herr (Part.Perf.Akt. + Präs.1.Sg.; Vok.)
śubhāśubhaphalaprāptau
beim Erlangen der Früchte von Gutem und Schlechtem (Lok.Sg.)
kim ataḥ śrotum icchasi
was von hier an zu hören wünschst du (Interr.; Inf.; Präs.2.Sg.)