Kapitel 6: daivapuruṣakāravicāraḥ
Schicksal und Mannestat: Der Vorrang des eigenen Tuns vor dem Geschick
Yudhiṣṭhira fragt, ob Schicksal (daiva) oder Mannestat (puruṣakāra) höher stehe. Bhīṣma antwortet mit einem alten Gespräch zwischen Vasiṣṭha und Brahmā, das mit Gleichnissen und Beispielen aus Sage und Geschichte den Vorrang des eigenen Tuns erweist.
Yudhiṣṭhira sprach: „Großvater, du hochweiser, in allen Lehrschriften Bewanderter: Was von beiden dürfte wohl höher stehen, das Schicksal oder die Mannestat?“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
pitāmaha mahāprājña
Großvater, hochweiser (Vok.)
sarvaśāstraviśārada
in allen Lehrschriften Bewanderter (Vok., Kompositum)
Brahmā [sprach]: „Aus dem Samen entsteht der Keim, aus dem Keim geht das Blatt hervor; aus den Blättern werden Halme geboren, aus dem Halm wird der Stamm geboren; aus dem Stamm kommt die Blüte hervor, aus der Blüte kommt die Frucht hervor; aus der Frucht kommt der Same hervor, aus dem Samen mag wiederum Entstehung sein.“
Wort für Wort
brahmā
Brahmā [sprach] (Nom.)
bījato hy aṅkurotpattir
denn aus dem Samen die Entstehung des Keims (Abl., Nom.)
aṅkurāt parṇasaṃbhavaḥ
aus dem Keim das Entstehen des Blattes (Abl., Nom.)
parṇān nālāḥ prasūyante nālāt skandhaḥ prasūyate
aus Blättern werden Halme geboren, aus dem Halm der Stamm (3.Pl./3.Sg.Pass.)
skandhān nivartate puṣpaṃ puṣpān nivartate phalam
aus dem Stamm kommt die Blüte, aus der Blüte die Frucht hervor (3.Sg.Präs.Med.)
phalān nivartate bījaṃ
aus der Frucht kommt der Same hervor (Abl., Nom.)
bījāt syāt saṃbhavaḥ punaḥ
aus dem Samen möge wieder Entstehung sein (Abl., 3.Sg.Opt.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (Sternvers) der kritischen Ausgabe; nicht in allen Handschriften.
Der Tatkräftige erlangt überall Ansehen, auch wenn ihn das Geschick verletzt hat; der Untätige aber, der zu Fall gekommen ist, erhält auf die Wunde Ätzlauge gegossen.
Wort für Wort
kṛtī sarvatra labhate pratiṣṭhām
der Tatkräftige erlangt überall Halt/Ansehen (Nom., 3.Sg.Präs.Med., Akk.)
bhāgyavikṣataḥ
vom Geschick verletzt (Nom., Kompositum)
akṛtī labhate bhraṣṭaḥ
der Untätige erhält, gefallen (Nom., Part.Pass.)
kṣate kṣārāvasecanam
auf die Wunde das Übergießen mit Lauge (Lok., Akk.)
bhāgyavikṣataḥ ist als „vom Geschick verletzt“ gefasst; die zweite Vershälfte ist knapp und sprichwortartig.
Durch Askese [erlangt man] Schönheit und Glück und mancherlei Juwelen; alles wird durch Tun erlangt, nicht durch das Schicksal bei einem, dessen Selbst ungebildet [ungeübt] ist.
Wort für Wort
tapasā rūpasaubhāgyam
durch Askese Schönheit und Glück (Instr., Akk.)
ratnāni vividhāni ca
und mancherlei Juwelen (Nom.n.Pl.)
prāpyate karmaṇā sarvam
wird erlangt durch Tun alles (3.Sg.Pass., Instr.)
na daivād akṛtātmanā
nicht durch das Schicksal bei einem mit ungeübtem Selbst (Abl., Instr.)
Besitz oder Freundeskreis oder Herrschaft, die einer Familie zukommt, und auch Glanz (Śrī): schwer zu genießen sind sie ebenso für die, die kein Werk getan haben.
Wort für Wort
artho vā mitravargo vā
Besitz oder Freundeskreis (Nom.)
aiśvaryaṃ vā kulānvitam
oder Herrschaft, geschlechtsgebunden (Nom.n.)
śrīś cāpi durlabhā bhoktum
und auch Śrī, schwer zu genießen (Nom.f., Inf.)
tathaivākṛtakarmabhiḥ
ebenso für Nichttuende (Instr.Pl., Kompositum)
kulānvitam: „mit der Familie verbunden“, d. h. Herrschaft, die zum Geschlecht gehört; bhoktum ist von durlabhā abhängig.
Die Güter suchen nicht den Nichtgebenden auf, nicht den Unmännlichen und auch nicht den Untätigen, nicht den, der nicht gern handelt, nicht den Unheldenhaften, ebenso wenig den, der keine Askese übt.
Wort für Wort
nādātāraṃ bhajanty arthāḥ
nicht den Nichtgebenden suchen auf die Güter (Akk., 3.Pl.Präs., Nom.Pl.)
na klībaṃ nāpi niṣkriyam
nicht den Unmännlichen, auch nicht den Untätigen (Akk.)
nākarmaśīlaṃ nāśūram
nicht den Tatenscheuen, nicht den Unheldenhaften (Akk.)
svaṃ cet karmaphalaṃ na syāt sarvam evāphalaṃ bhavet; loko daivaṃ samālambya udāsīno bhaven na tu
Wenn es die eigene Frucht des Tuns nicht gäbe, wäre alles fruchtlos; die Welt würde sich auf das Schicksal stützen und gleichgültig werden – so aber ist es nicht.
Wort für Wort
svaṃ cet karmaphalaṃ na syāt
wenn die eigene Frucht des Tuns nicht wäre (Nom.n., 3.Sg.Opt.)
sarvam evāphalaṃ bhavet
alles wäre fruchtlos (Nom.n., 3.Sg.Opt.)
loko daivaṃ samālambya
die Welt, sich auf das Schicksal stützend (Nom., Abs.)
udāsīno bhaven na tu
würde gleichgültig sein, doch nicht [so] (Nom., 3.Sg.Opt.)
na tathā mānuṣe loke bhayam asti śubhāśubhe; yathā tridaśaloke hi bhayam alpena jāyate
In der Menschenwelt besteht nicht in dem Maße Furcht vor Gutem und Schlechtem, wie in der Welt der Dreißig [Götter] schon aus Geringem Furcht entsteht.
Wort für Wort
na tathā mānuṣe loke
nicht so in der Menschenwelt (Lok.)
bhayam asti śubhāśubhe
gibt es Furcht bei Gutem und Schlechtem (Nom., 3.Sg.Präs., Lok.)
yathā tridaśaloke hi
wie in der Götterwelt (Lok.)
bhayam alpena jāyate
Furcht entsteht aus Geringem (Nom., Instr., 3.Sg.Präs.Med.)
Und wie [kommt] seine Entstehung [zustande], da das Schicksal [doch so] wirkt? So werden auch in der Welt der Dreißig [Götter] viele Täuschungen [Ränke] angetroffen.
Wort für Wort
katham ca asya samutpattiḥ
und wie [ist] seine Entstehung (Adv.; Nom.Sg.f.; Gen.Sg.)
yathā daivam pravartate
wie das Schicksal wirkt (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Präs.Med.)
evam tridaśaloke 'pi
so auch in der Götterwelt (Lok.Sg.)
prāpyante bahavaḥ chalāḥ
werden angetroffen viele Täuschungen (3.Pl.Pass.; Nom.Pl.m.)
Erste Vershälfte syntaktisch dunkel; Wiedergabe unsicher.
ātmaiva hy ātmano bandhur ātmaiva ripur ātmanaḥ; ātmaiva cātmanaḥ sākṣī kṛtasyāpy akṛtasya ca
Denn der Mensch selbst ist sein eigener Freund, selbst sein eigener Feind; und er selbst ist der Zeuge seiner selbst für das Getane wie das Nichtgetane.
Wort für Wort
ātmā eva hi ātmanaḥ bandhuḥ
Selbst ja ist des Selbst Verwandter/Freund (Nom.Sg.; Gen.Sg.)
ātmā eva ripuḥ ātmanaḥ
selbst ist der Feind des Selbst (Nom.Sg.m.; Gen.Sg.)
kṛtaṃ ca vikṛtaṃ kiṃ cit kṛte karmaṇi sidhyati; sukṛte duṣkṛtaṃ karma na yathārthaṃ prapadyate
Etwas Getanes und [etwas] Verkehrtes [Missgetanes] gelingt [nur], wenn das Werk getan ist; bei gut Getanem kommt eine böse Tat nicht wirklich [zustande] [?].
Wort für Wort
kṛtam ca vikṛtam kim cit
Getanes und Verkehrtes, irgendetwas (Nom.Sg.n.)
kṛte karmaṇi sidhyati
bei getanem Werk gelingt es (Lok.abs.; 3.Sg.Präs.)
sukṛte duṣkṛtam karma
bei gut Getanem eine böse Tat (Lok.Sg.n.; Nom.Sg.n.)
na yathārtham prapadyate
kommt nicht der Wahrheit gemäß zustande (Adv.; 3.Sg.Präs.Med.)
Der Götter Zuflucht ist das Verdienst; alles wird durch Verdienste erlangt. Was wird das Schicksal einem Menschen tun, der ein von Tugend geprägtes [Wesen] erreicht hat [oder: den ein tugendhafter Mensch erreicht hat] [?]
Wort für Wort
devānām śaraṇam puṇyam
der Götter Zuflucht [ist] das Verdienst (Gen.Pl.; Nom.Sg.n.)
sarvam puṇyaiḥ avāpyate
alles wird durch Verdienste erlangt (Instr.Pl.; 3.Sg.Pass.)
puṇyaśīlam naram prāpya
einen Menschen von verdienstvollem Wesen erreichend (Akk.Sg.m.; Abs.)
kim daivam prakariṣyati
was wird das Schicksal tun (3.Sg.Fut.)
puṇyaśīlaṃ naraṃ prāpya: Subjekt des Absolutivs unklar (Schicksal oder Mensch).
Einst wurde Yayāti, [aus dem Himmel] herabgestürzt, vertrieben und auf die Erde gefallen, durch seine Tochtersöhne mit [deren] verdienstvollen Taten wieder in den Himmel emporgehoben.
Durch Rossopfer und andere Opfer geehrt, [war] der Herr der Kosala, Saudāsa, [dennoch] durch den Fluch eines großen Sehers zum Menschenfresser geworden.
Wort für Wort
aśvamedhādibhiḥ yajñaiḥ
durch Rossopfer und andere Opfer (Instr.Pl.m.)
satkṛtaḥ kosalādhipaḥ
geehrt, der Herr der Kosala (Part.Pass.; Nom.Sg.m.)
maharṣiśāpāt saudāsaḥ
durch den Fluch eines großen Sehers, Saudāsa (Abl.Sg.m.; Nom.Sg.m.)
puruṣādatvam āgataḥ
zur Menschenfresserschaft gelangt (Akk.Sg.n.; Part.Perf.Pass.)
Vasu, der mit hundert Opfern geopfert hatte und wie ein zweiter Vāsava [Indra] war, ging wegen einer einzigen falschen Aussage in die Tiefe von Rasātala.
Wort für Wort
vasuḥ yajñaśataiḥ iṣṭvā
Vasu, mit hundert Opfern geopfert habend (Nom.Sg.m.; Instr.Pl.; Abs.)
dvitīyaḥ iva vāsavaḥ
wie ein zweiter Vāsava (Nom.Sg.m.)
mithyābhidhānena ekena
durch eine einzige falsche Rede (Instr.Sg.n.)
rasātalatalam gataḥ
in den Grund von Rasātala gegangen (Akk.Sg.n.; Part.Perf.Pass.)
Janamejaya, der zu Śakras [...] Fuß aufgebrochen war [?], wurde, nachdem er den Mord an Brahmanenfrauen begangen hatte, warum nicht vom Schicksal zurückgehalten?
Der Brahmanen-Seher Vaiśaṃpāyana, der aus Unwissenheit einen Brahmanen getötet hatte und vom Kindermord befleckt war: wurde er [etwa] durch das Schicksal bewahrt?
Wort für Wort
ajñānāt brāhmaṇam hatvā
aus Unwissenheit einen Brahmanen getötet habend (Abl.Sg.n.; Akk.Sg.m.; Abs.)
spṛṣṭaḥ bālavadhena ca
und berührt/befleckt vom Kindermord (Part.Pass.; Instr.Sg.m.)
vaiśaṃpāyanaviprarṣiḥ
der brahmanische Seher Vaiśaṃpāyana (Nom.Sg.m.)
kim daivena nivāritaḥ
wurde er durch das Schicksal abgewehrt/bewahrt (Instr.Sg.n.; Part.Kaus.)
Sinn von kiṃ (rhetorische Frage) und nivāritaḥ („bewahrt“ vs. „zurückgehalten“) leicht unsicher.
Der Pāṇḍavas Königtum wurde von den überaus mächtigen Dhārtarāṣṭras geraubt und dann wieder zurückgeholt, nicht durch das Schicksal, sondern durch den Rückhalt der [eigenen] Arme.
Wort für Wort
pāṇḍavānām hṛtam rājyam
der Pāṇḍavas Königtum wurde geraubt (Gen.Pl.; Part.Pass.; Nom.Sg.n.)
dhārtarāṣṭraiḥ mahābalaiḥ
von den Dhārtarāṣṭras, den sehr Mächtigen (Instr.Pl.m.)
punaḥ pratyāhṛtam ca eva
und wieder zurückgeholt (Adv.; Part.Pass.)
na daivāt bhujasaṃśrayāt
nicht durch Schicksal, [sondern] durch den Halt der Arme (Abl.Sg.n.; Abl.Sg.m.)
taponiyamasaṃyuktā munayaḥ saṃśitavratāḥ; kiṃ te daivabalāc chāpam utsṛjante na karmaṇā
Warum lassen Munis, die mit Askese und Zucht verbunden sind und ihre Gelübde streng halten, den Fluch kraft des Schicksals los und nicht durch [ihr] Tun?
Wort für Wort
taponiyamasaṃyuktāḥ munayaḥ
mit Askese und Zucht verbundene Munis (Nom.Pl.m.)
saṃśitavratāḥ
mit scharfen/strengen Gelübden (Nom.Pl.m.)
kim te daivabalāt
warum sie kraft des Schicksals (Abl.Sg.n.)
śāpam utsṛjante na karmaṇā
lassen den Fluch los, nicht durch Tun (3.Pl.Präs.Med.; Akk.Sg.m.; Instr.Sg.n.)
Böses lässt [man] in der Welt fahren, wenn man alles schwer Erreichbare erlangt hat; den von Gier und Verblendung Erfassten Menschen schützt das Schicksal nicht [?].
Wort für Wort
pāpam utsṛjate loke
das Böse lässt man fahren in der Welt (Akk.Sg.n.; 3.Sg.Präs.Med.; Lok.Sg.)
sarvam prāpya sudurlabham
alles Schwererreichbare erlangt habend (Akk.Sg.n.; Abs.)
lobhamohasamāpannam
von Gier und Verblendung ergriffen (Akk.Sg.m.)
na daivam trāyate naram
nicht schützt das Schicksal den Mann (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Präs.Med.; Akk.Sg.m.)
Erste Vershälfte syntaktisch unklar (Subjekt von utsṛjate); Wiedergabe unsicher.
vipulam api dhanaughaṃ prāpya bhogān striyo vā; puruṣa iha na śaktaḥ karmahīno 'pi bhoktum; sunihitam api cārthaṃ daivatai rakṣyamāṇaṃ; vyayaguṇam api sādhuṃ karmaṇā saṃśrayante
Auch wenn ein Mann hier eine gewaltige Fülle von Reichtum, Genüssen oder Frauen erlangt hat, vermag er sie nicht zu genießen, wenn er ohne Tat ist. Auch gut verwahrten, von Göttern bewachten Besitz und [Gut], das durch Ausgeben Vorzüge hat [?], suchen sie durch Tat auf.
Wort für Wort
vipulam api dhanaugham prāpya
auch eine gewaltige Fülle von Reichtum erlangt habend (Akk.Sg.m.; Abs.)
bhogān striyaḥ vā
Genüsse oder Frauen (Akk.Pl.m.; Akk.Pl.f.)
puruṣaḥ iha na śaktaḥ karmahīnaḥ api bhoktum
ein Mann hier vermag nicht, tatenlos, zu genießen (Nom.Sg.m.; Inf.)
sunihitam api ca artham daivataiḥ rakṣyamāṇam
auch gut verwahrten Besitz, von Göttern bewacht (Akk.Sg.m.; Instr.Pl.n.; Part.Pass.)
vyayaguṇam api sādhum karmaṇā saṃśrayante
auch den guten, durch Ausgeben Vorzüge [bringenden] [?], suchen sie durch Tat auf (Akk.Sg.m.; Instr.Sg.n.; 3.Pl.Präs.Med.)
Zweite Vershälfte (vyayaguṇam api sādhuṃ ...) syntaktisch unsicher; Subjekt von saṃśrayante unklar.
bhavati manujalokād devaloko viśiṣṭo; bahutarasusamṛddhyā mānuṣāṇāṃ gṛhāṇi; pitṛvanabhavanābhaṃ dṛśyate cāmarāṇāṃ; na ca phalati vikarmā jīvalokena daivam
Die Götterwelt ist der Menschenwelt überlegen; durch weit größere Fülle [sind] die Häuser der Menschen [im Vergleich] ... und [dabei] erscheint [die Stätte] der Unsterblichen wie ein Wohnsitz im Väterwald [?]; und das Schicksal trägt bei der Lebenswelt keine Frucht für den, der ohne [rechtes] Tun ist [?].
Wort für Wort
bhavati manujalokāt devalokaḥ viśiṣṭaḥ
die Götterwelt ist der Menschenwelt überlegen (3.Sg.Präs.; Abl.Sg.m.; Nom.Sg.m.)
bahutarasusamṛddhyā mānuṣāṇām gṛhāṇi
durch weit größere Fülle die Häuser der Menschen (Instr.Sg.f.; Gen.Pl.m.; Nom.Pl.n.)
pitṛvanabhavanābham dṛśyate ca amarāṇām
einem Haus im Väterwald gleichend erscheint [es] der Unsterblichen [?] (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Pass.; Gen.Pl.m.)
na ca phalati vikarmā jīvalokena daivam
und nicht fruchtet dem Tatenlosen das Schicksal mit der Lebenswelt [?] (3.Sg.Präs.; Nom.Sg.m.; Instr.Sg.m.; Nom.Sg.n.)
Verderbter/dunkler Vers: Konstruktion und Bezüge (pitṛvanabhavanābhaṃ, jīvalokena) unsicher; Wiedergabe nur tastend.
[Das Tun] entfernt den Irrweg; im Schicksal liegt keine Herrschaft. Wie einem Lehrer folgt dem getanen, vorzüglichen Werk das Schicksal. Die aufgehäufte Manneskraft führt das unversehrte, nicht niedergeschlagene Schicksal nach Belieben, wohin auch immer [?].
Wort für Wort
vyapanayati vimārgam
entfernt den Irrweg (3.Sg.Präs.; Akk.Sg.m.)
na asti daive prabhutvam
nicht ist im Schicksal Herrschaft (3.Sg.Präs.; Lok.Sg.n.; Nom.Sg.n.)
gurum iva kṛtam agryam karma saṃyāti daivam
wie einen Lehrer folgt dem getanen, vorzüglichen Werk das Schicksal (Akk.Sg.m.; Part.Pass.; Nom.Sg.n.)
anupahatam adīnam kāmakāreṇa daivam
das unversehrte, nicht elende Schicksal nach Belieben (Akk.Sg.n.; Instr.Sg.m.)
nayati puruṣakāraḥ saṃcitaḥ tatra tatra
führt die angesammelte Manneskraft überall hin (3.Sg.Präs.; Nom.Sg.m.; Part.Pass.)
Subjekt von vyapanayati fehlt; Syntax der zweiten Hälfte unsicher.
Durch Aufraffen [Tatkraft] im Verhältnis zum Schicksal, durch begonnenes Werk und durch das Werk nach [rechter] Ordnung möge man den Weg zum Himmel erlangen.
Wort für Wort
abhyutthānena daivasya
durch Aufraffen [bezüglich] des Schicksals (Instr.Sg.n.; Gen.Sg.n.)
samārabdhena karmaṇā
durch begonnenes Werk (Instr.Sg.n.; Part.Pass.)
vidhinā karmaṇā ca eva
und durch das Werk nach Vorschrift (Instr.Sg.m.; Instr.Sg.n.)
svargamārgam avāpnuyāt
möge den Weg zum Himmel erlangen (Akk.Sg.m.; 3.Sg.Opt.)
abhyutthānena daivasya: Bezug von daivasya unsicher.