Kapitel 61: bhūmidānapraśaṃsā
Lob der Landgabe: die Erde als höchste Gabe und ihr Lohn, mit dem Gespräch von Bṛhaspati und Indra
Bhīṣma beantwortet Yudhiṣṭhiras Frage nach der besten Gabe mit dem Preis der Landschenkung, die von Sünden reinigt und unvergänglichen Lohn bringt. Es folgen Erdenstrophen und im weiteren Verlauf das Gespräch zwischen Bṛhaspati und Indra.
Yudhiṣṭhira sprach: „‚Dies ist zu geben, dies ist zu geben‘ – so lautet diese Weisung der Śruti; und die Könige haben viel zu geben. Was aber ist die unübertroffene Gabe?“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (3.Sg.Perf.)
idaṃ deyam idaṃ deyam
dies ist zu geben, dies ist zu geben (Gerundiv, Nom.Sg.n.)
iti iyaṃ śruticodanā
so [lautet] diese Vedaweisung (Nom.Sg.f.)
bahudeyāḥ ca rājānaḥ
und die Könige haben viel zu geben (Bahuvrīhi, Nom.Pl.m.)
bhīṣma uvāca; ati dānāni sarvāṇi pṛthivīdānam ucyate; acalā hy akṣayā bhūmir dogdhrī kāmān anuttamān
Bhīṣma sprach: „Über alle Gaben hinaus wird die Gabe von Land gerühmt; denn die Erde ist unbeweglich und unvergänglich, sie ist die Melkende unübertroffener Wünsche.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (3.Sg.Perf.)
ati dānāni sarvāṇi
über alle Gaben hinaus (Adv./Präp. + Akk.Pl.n.)
pṛthivīdānam ucyate
die Landgabe wird genannt (Pass.Präs.3.Sg.)
acalā hy akṣayā bhūmiḥ
denn die Erde ist unbeweglich, unvergänglich (Nom.Sg.f.)
ya etāṃ viduṣe dadyāt pṛthivīṃ pṛthivīpatiḥ; pṛthivyām etad iṣṭaṃ sa rājyād rājyam iti vrajet; punaś ca jananaṃ prāpya rājaiva syān na saṃśayaḥ
Wer, ein Erdenherr, dieser Erde einem Kundigen gibt, dieses Erwünschte auf der Erde [erlangend], der geht von Königtum zu Königtum; und wieder geboren, wird er gewiss nur König sein, ohne Zweifel.
Wort für Wort
yaḥ etāṃ viduṣe dadyāt
wer diese einem Kundigen gäbe (Dat.Sg.m.; Opt.3.Sg.)
pṛthivīṃ pṛthivīpatiḥ
die Erde, [als] Herr der Erde (Akk.Sg.f./Nom.Sg.m.)
pṛthivyām etad iṣṭaṃ sa
auf der Erde dies Erwünschte, er (Lok.Sg.f./PPP Nom.Sg.n.)
rājyād rājyam iti vrajet
von Königtum zu Königtum gehe er (Abl./Akk.Sg.n.; Opt.3.Sg.)
punaḥ ca jananaṃ prāpya
und wieder Geburt erlangt habend (Abs.)
rājā eva syāt na saṃśayaḥ
König nur wird er sein, kein Zweifel (Opt.3.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; der Text ist im Bau uneben (pṛthivīm ... pṛthivyām ...) [?].
nābhūmipatinā bhūmir adhiṣṭheyā kathaṃ cana; na vā pātreṇa vā gūhed antardhānena vā caret; ye cānye bhūmim iccheyuḥ kuryur evam asaṃśayam
Land darf von keinem, der nicht Herr des Landes ist, auf irgendeine Weise in Besitz genommen werden; auch soll man sie nicht in einem Gefäß verbergen, oder mit Verheimlichung verfahren; und die anderen, die Land begehren, mögen es zweifellos ebenso machen.
Wort für Wort
na abhūmipatinā bhūmiḥ
nicht von einem Nicht-Landesherrn [darf] Land (Instr.Sg.m./Nom.Sg.f.)
adhiṣṭheyā kathaṃ cana
in Besitz zu nehmen sein auf irgendeine Weise (Gerundiv Nom.Sg.f.)
na vā pātreṇa vā gūhet
weder mit einem Gefäß, noch verberge man (Instr.Sg.n.; Opt.3.Sg.)
antardhānena vā caret
oder mit Verborgenheit verfahre man (Instr.Sg.n.; Opt.3.Sg.)
ye ca anye bhūmim iccheyuḥ
und die anderen, die Land wünschen (Opt.3.Pl.)
kuryuḥ evam asaṃśayam
sie mögen so tun, zweifellos (Opt.3.Pl./Adv.)
Zeile 15b–c ist syntaktisch und inhaltlich dunkel; Wiedergabe unsicher [?].
yaḥ sādhor bhūmim ādatte na bhūmiṃ vindate tu saḥ; bhūmiṃ tu dattvā sādhubhyo vindate bhūmim eva hi; pretyeha ca sa dharmātmā saṃprāpnoti mahad yaśaḥ
Wer einem Guten Land wegnimmt, findet [selbst] kein Land; wer aber den Guten Land gegeben hat, findet gewiss Land. Und im Jenseits wie hier erlangt dieser Rechtschaffene großen Ruhm.
Wort für Wort
yaḥ sādhoḥ bhūmim ādatte
wer von einem Guten Land nimmt (Gen./Abl.Sg.m.; 3.Sg.Präs.Med.)
na bhūmiṃ vindate tu saḥ
der findet kein Land (3.Sg.Präs.Med.)
bhūmiṃ tu dattvā sādhubhyaḥ
Land aber gegeben habend den Guten (Abs./Dat.Pl.m.)
vindate bhūmim eva hi
findet Land wahrlich (3.Sg.Präs.Med.)
pretya iha ca sa dharmātmā
im Jenseits und hier dieser Rechtschaffene (Abs./Nom.Sg.m.)
Wer einen Landstrich, der [Nahrung für] eine Mahlzeit einbringt, gegeben hat, steigt sechzigtausend [Jahre] empor; ebenso lange, wenn er ihn beim Wegnehmen raubt, [fährt er] zur Hölle, doppelt so weit oder mehr.
Wort für Wort
ekāhārakarīṃ dattvā
eine Mahlzeit erbringend [Land], gegeben habend (Akk.Sg.f.; Abs.)
bei ebenso vielem Wegnehmen geraubt habend (Lok.Sg.n.; Abs.)
narakaṃ dviguṇottaram
in die Hölle, doppelt [und] darüber (Akk.Sg.m.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; ekāhārakarī und der Sinn von tāvaty āharaṇe unsicher [?].
Was immer ein Mensch, von Not um den Lebensunterhalt ausgezehrt, an Sünde tut, wird durch eine Landgabe, und sei es nur von der Größe einer Rindshaut, gereinigt.
Wort für Wort
yat kiṃ cit puruṣaḥ pāpam
was immer ein Mensch an Sünde (Nom.Sg.m./Akk.Sg.n.)
kurute vṛttikarśitaḥ
tut, durch Lebensunterhalt ausgezehrt (3.Sg.Präs.Med./Nom.Sg.m.)
api gocarmamātreṇa
auch nur von der Größe einer Rindshaut (Instr.Sg.n.)
bhūmidānena pūyate
durch Landgabe wird er gereinigt (Instr.Sg.n.; Pass.3.Sg.)
Mit einer Stange von zehn Handlängen [messe man] ringsum zehn solche Stangen; man gebe dazu noch fünf Handlängen: dies heißt „Rindshaut“.
Wort für Wort
daśahastena vaṃśena
mit einer Stange von zehn Handlängen (Instr.Sg.m.)
daśavaṃśān samantataḥ
zehn Stangen ringsum (Akk.Pl.m./Adv.)
pañcahastādhikaṃ dadyāt
um fünf Handlängen mehr gebe man (Opt.3.Sg.)
etad gocarma ucyate
dies wird Rindshaut genannt (Pass.3.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; die Maßangabe ist knapp und nicht eindeutig [?].
Die, die dem Wohl ihres Herrn ergeben waren und sich selbst preisgebend im Kampf gefallen sind, [sind] in die Brahmanenwelt gegangen [als] Vollendete; auch sie übertreffen den Landgeber nicht.
Wort für Wort
bhartuḥ niḥśreyase yuktāḥ
dem Wohl des Herrn ergeben (Gen.Sg.m./Dat.Sg.n./Nom.Pl.m.)
tyaktātmānaḥ raṇe hatāḥ
sich selbst preisgebend, im Kampf erschlagen (Nom.Pl.m./PPP)
Wer einem Abgemagerten, Sterbenden, in seinem Lebensunterhalt Geschwächten, Verzagenden Land gibt, das ihm den Unterhalt sichert, wird ein Mensch, der ein Spendenopfer [ein Almosenhaus] besitzt.
Wort für Wort
kṛśāya mriyamāṇāya
einem Abgemagerten, Sterbenden (Dat.Sg.m.)
vṛttimlānāya sīdate
einem im Unterhalt Erschöpften, Verzagenden (Dat.Sg.m.)
bhūmiṃ vṛttikarīṃ dattvā
Land, das Unterhalt schafft, gegeben habend (Akk.Sg.f.; Abs.)
satrī bhavati mānavaḥ
Veranstalter eines Satra wird der Mensch (Nom.Sg.m.)
satrī: Besitzer bzw. Veranstalter eines Satra (Dauer-/Speisungsopfer); tentative Wiedergabe [?].
brāhmaṇaṃ vṛttasaṃpannam āhitāgniṃ śucivratam; naraḥ pratigrāhya mahīṃ na yāti yamasādanam
Wenn ein Mann Land als Geschenk von einem sittenreichen Brahmanen, der das Feuer unterhält und gelobte Reinheit übt, annimmt, kommt er nicht zu Yamas Wohnsitz.
Wort für Wort
brāhmaṇaṃ vṛttasaṃpannam
einen Brahmanen, sittenreich (Akk.Sg.m.)
āhitāgniṃ śucivratam
der das Feuer angelegt hat, reinen Gelübdes (Akk.Sg.m.)
naraḥ pratigrāhya mahīm
der Mann, für den Empfang von Land [ihn bestimmend] (Nom.Sg.m./Abs.)
na yāti yamasādanam
geht nicht zu Yamas Wohnsitz (3.Sg.Präs./Akk.Sg.n.)
Der Vers ist syntaktisch schwierig (pratigrāhya als Kausativ-Absolutiv „durch Annehmenlassen“ gedeutet: wer einem solchen Brahmanen Land zur Annahme gibt); Wiedergabe deshalb: [?].
„Nehmt nur mich an, gebt mich; wenn ihr mich gegeben habt, werdet ihr mich erlangen: in dieser Welt und in der anderen, und dann auch in der [nächsten] Geburt wieder.“
Wort für Wort
mām eva ādatta
mich allein nehmt an (Imp.2.Pl.Med.)
mām datta
mich gebt (Imp.2.Pl.)
mām dattvā mām avāpsyatha
mich gegeben habend, mich werdet ihr erlangen (Abs./2.Pl.Fut.)
asmin loke pare ca eva
in dieser Welt und in der anderen (Lok.Sg.m.)
tataḥ ca ajanane punaḥ
und dann in der Geburt wieder (Lok.Sg.n./Adv.)
Die Erde selbst spricht (Gāthā); ajanane punaḥ „in der nächsten Geburt“ ist gedeutet [?].
ya imāṃ vyāhṛtiṃ veda brāhmaṇo brahmasaṃśritaḥ; śrāddhasya hūyamānasya brahmabhūyaṃ sa gacchati
Welcher Brahmane, im Brahman gegründet, diesen Ausspruch kennt, der erlangt beim Opfern des Ahnenopfers die Brahman-Natur [d. h. die Einswerdung mit Brahman].
Wort für Wort
yaḥ imāṃ vyāhṛtiṃ veda
wer diesen Ausspruch kennt (Nom.Sg. / Akk.Sg. / 3.Sg.Perf.)
brāhmaṇaḥ brahmasaṃśritaḥ
der Brahmane, im Brahman Zuflucht genommen habend (Nom.Sg.; Kompositum)
śrāddhasya hūyamānasya
beim Totenopfer, das dargebracht wird (Gen.Sg., Part.Pass. Präs., Gen. abs.)
brahmabhūyaṃ sa gacchati
die Brahman-Natur, er erreicht (Akk.Sg. / 3.Sg.Präs.)
Für [durch] Zauberwerk [und] Verfluchte [entstandenes] schlecht Geopfertes ist [dieser Ausspruch] ein großes Beschwichtigungsmittel; ich, [damit] die Sühne vollziehend, reinige [Ahnen] zehn auf beiden Seiten [?].
Wort für Wort
kṛtyānām abhiśastānām
der Zauberwerke, der Verfluchten (Gen.Pl.)
duriṣṭaśamanaṃ mahat
Beschwichtigung des schlecht Geopferten, groß (Nom.Sg.n.)
prāyaścittam ahaṃ kṛtvā
als Sühne, ich, [sie] vollziehend (Akk.Sg. / Nom.Sg. / Abs.)
punāti ubhayataḥ daśa
reinigt, auf beiden Seiten, zehn (3.Sg.Präs. / Adv. / Zahl)
Der Sinn von ubhayato daśa (zehn Generationen auf beiden Seiten) und der Bezug von kṛtyānām abhiśastānām sind unsicher; die Erde spricht hier in der 1. Person.
abhiṣicyaiva nṛpatiṃ śrāvayed imam āgamam; yathā śrutvā mahīṃ dadyān nādadyāt sādhutaś ca tām
Erst nachdem man den König gesalbt hat, soll man ihn diese Überlieferung hören lassen, [so] dass er, sie gehört habend, Land gebe und es nicht von Guten nehme.
Wort für Wort
abhiṣicya eva nṛpatim
nachdem man den König gesalbt hat (Abs. / Akk.Sg.)
śrāvayet imam āgamam
man soll hören lassen diese Überlieferung (3.Sg.Opt.Kaus.)
yathā śrutvā mahīṃ dadyāt
damit er, gehört habend, Land gebe (Abs. / Akk.Sg. / 3.Sg.Opt.)
na ādadyāt sādhutaḥ ca tām
und nicht nehme von Guten sie (3.Sg.Opt. / Abl.-Adv. / Akk.Sg.f.)
so 'yaṃ kṛtsno brāhmaṇārtho rājārthaś cāpy asaṃśayam; rājā hi dharmakuśalaḥ prathamaṃ bhūtilakṣaṇam
Dieser [Text] ist ganz für die Brahmanen bestimmt und zweifellos auch für den König; denn ein im Dharma kundiger König ist das erste Kennzeichen des Gedeihens.
Wort für Wort
saḥ ayaṃ kṛtsnaḥ
dieser ganze [Text] (Nom.Sg.m.)
brāhmaṇārthaḥ rājārthaḥ ca api asaṃśayam
für Brahmanen bestimmt, für den König bestimmt, auch, ohne Zweifel (Nom.Sg. / Adv.)
atha yeṣām adharmajño rājā bhavati nāstikaḥ; na te sukhaṃ prabudhyante na sukhaṃ prasvapanti ca
Wenn aber Menschen einen König haben, der das Dharma nicht kennt [und] ein Ungläubiger ist, so erwachen sie nicht in Wohlbefinden und schlafen nicht in Wohlbefinden ein.
Wort für Wort
atha yeṣām adharmajñaḥ
wenn aber bei denen, der das Unrecht/Nichtdharma kennt bzw. das Dharma nicht kennt (Gen.Pl. / Nom.Sg.)
sadā bhavanti codvignās tasya duścaritair narāḥ; yogakṣemā hi bahavo rāṣṭraṃ nāsyāviśanti tat
Und stets sind die Menschen durch dessen üble Taten beunruhigt; und viele [Formen von] Erwerb und Sicherung [des Besitzes] betreten dieses sein Reich nicht.
Wort für Wort
sadā bhavanti ca udvignāḥ
und stets sind sie beunruhigt (3.Pl.Präs. / Nom.Pl.m.)
tasya duścaritaiḥ narāḥ
durch dessen üble Taten, die Menschen (Instr.Pl. / Nom.Pl.)
yogakṣemāḥ hi bahavaḥ
denn viele Erwerb-und-Sicherung(en) (Nom.Pl.)
rāṣṭraṃ na asya āviśanti tat
dieses sein Reich betreten sie nicht (Akk.Sg. / Gen.Sg. / 3.Pl.Präs.)
Durch die glücklichen, edlen Taten jenes Königs zufriedengestellt, gedeihen die Untertanen durch Erwerb und Sicherung, durch Regen und durch ihre eigenen Werke.
Wort für Wort
tasya rājñaḥ śubhaiḥ āryaiḥ karmabhiḥ
durch dieses Königs glückbringende, edle Taten (Gen.Sg. / Instr.Pl.)
nirvṛtāḥ prajāḥ
zufrieden, die Untertanen (Nom.Pl.f.)
yogakṣemeṇa vṛṣṭyā ca
durch Erwerb und Sicherung und durch Regen (Instr.Sg.)
vivardhante svakarmabhiḥ
sie gedeihen, durch eigene Werke (3.Pl.Präs.Med. / Instr.Pl.)
sa kulīnaḥ sa puruṣaḥ sa bandhuḥ sa ca puṇyakṛt; sa dātā sa ca vikrānto yo dadāti vasuṃdharām
Der ist vornehm, der ist ein [rechter] Mann, der ist ein Verwandter, und der ist ein Täter des Verdienstvollen, der ist ein Geber und der ein Tapferer, der die Erde gibt.
Wort für Wort
saḥ kulīnaḥ saḥ puruṣaḥ
der ist edelgeboren, der ist ein Mann (Nom.Sg.)
saḥ bandhuḥ saḥ ca puṇyakṛt
der ist Verwandter, und der Verdienst Wirkende (Nom.Sg.)
bhūmau jāyanti puruṣā bhūmau niṣṭhāṃ vrajanti ca; caturvidho hi loko 'yaṃ yo 'yaṃ bhūmiguṇātmakaḥ
Auf der Erde werden die Menschen geboren, und auf der Erde gelangen sie zum Ende; vierfach ist diese Welt, die [ganz] aus der Eigenschaft der Erde besteht.
Wort für Wort
bhūmau jāyante puruṣāḥ
auf der Erde werden geboren die Menschen (Lok.Sg. / 3.Pl.Präs.Med. / Nom.Pl.)
bhūmau niṣṭhāṃ vrajanti ca
und auf der Erde gehen sie zum Ende ein (Lok. / Akk.Sg. / 3.Pl.Präs.)
caturvidhaḥ hi lokaḥ ayam
vierfach ist diese Welt (Nom.Sg.)
yaḥ ayaṃ bhūmiguṇātmakaḥ
die diese, die das Wesen der Erdeigenschaft hat (Nom.Sg.; Kompositum)
Die „vierfache“ Welt (caturvidha) ist nicht näher bestimmt (vermutlich die vier Arten der Lebewesen).
sauvarṇā yatra prāsādā vasor dhārāś ca kāmadāḥ; gandharvāpsaraso yatra tatra gacchanti bhūmidāḥ
Wo goldene Paläste sind und wunscherfüllende Ströme des Vasu, wo Gandharvas und Apsaras [weilen], dorthin gehen die Landspender.
Wort für Wort
sauvarṇāḥ yatra prāsādāḥ
wo goldene Paläste (Nom.Pl.)
vasoḥ dhārāḥ ca kāmadāḥ
und Ströme des Reichtums/des Vasu, wunschgewährend (Gen.Sg. / Nom.Pl.f.)
gandharvāpsarasaḥ yatra
wo Gandharvas und Apsaras (Nom.Pl.)
tatra gacchanti bhūmidāḥ
dorthin gehen die Landspender (3.Pl.Präs. / Nom.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). vasor dhārāḥ: entweder Ströme des Reichtums (Vasu) oder des Vasu [Kubera?]; unsicher.
brāhmaṇārthe gavārthe vā rāṣṭraghāte 'tha svāminaḥ; kulastrīṇāṃ paribhave mṛtās te bhūmidaiḥ saha
Für Brahmanen oder Kühe, bei Verwüstung des Reiches oder [für] den Herrn, bei der Schmähung edler Frauen: die so Gestorbenen sind zusammen mit den Landspendern [im Himmel] [?].
Wort für Wort
brāhmaṇārthe gavārthe vā
für Brahmanen oder für Kühe (Lok.Sg.)
rāṣṭraghāte atha svāminaḥ
bei Vernichtung des Reiches, oder des Herrn (Lok.Sg. / Gen.Sg.)
kulastrīṇāṃ paribhave
bei der Kränkung edler Frauen (Gen.Pl. / Lok.Sg.)
mṛtāḥ te bhūmidaiḥ saha
gestorben, sie, zusammen mit den Landspendern (Part.Pass.Nom.Pl. / Instr.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; die Konstruktion (Gen. svāminaḥ) ist unklar, und die Ergänzung „im Himmel“ ist erschlossen.
ye śūrā nihatā yuddhe svaryātā dānagṛddhinaḥ; sarve te vibudhaśreṣṭha nātikrāmanti bhūmidam
Die Helden, die im Kampf erschlagen wurden, in den Himmel gegangen, nach Gaben begierig, alle diese, o Bester der Götter, übertreffen den Landspender nicht.
Wort für Wort
ye śūrāḥ nihatāḥ yuddhe
die Helden, die erschlagen im Kampf (Nom.Pl. / Part.Pass. / Lok.Sg.)
svaryātāḥ dānagṛddhinaḥ
in den Himmel gegangen, gabenbegierig (Nom.Pl.)
sarve te vibudhaśreṣṭha
alle diese, o Bester der Götter (Nom.Pl. / Vok.)
na atikrāmanti bhūmidam
sie übertreffen nicht den Landspender (3.Pl.Präs. / Akk.Sg.)
dānagṛddhin: wörtlich „nach dem Geben gierig“ bzw. „gabenbegierig“; Sinn leicht unklar.
Die zum Heil des Herrn Bereiten, die sich selbst aufgaben und im Kampf erschlagen wurden, die Helden, in die Brahmawelt gegangen, übertreffen den Landspender nicht.
Wort für Wort
bhartuḥ niḥśreyase yuktāḥ
dem Heil des Herrn zugewandt (Gen.Sg. / Dat.Sg. / Nom.Pl.)
tyaktātmānaḥ raṇe hatāḥ
das Selbst aufgegeben habend, im Kampf erschlagen (Nom.Pl. / Lok.Sg.)
brahmalokagatāḥ śūrāḥ
in die Brahmawelt gegangen, die Helden (Nom.Pl.)
na atikrāmanti bhūmidam
sie übertreffen nicht den Landspender (3.Pl.Präs. / Akk.Sg.)
Auf jede Weise, Śakra, ist hier vom Herrscher, der beständig Gedeihen wünscht, Land vorschriftsgemäß einem würdigen Empfänger zu geben – von dem, der Glück erstrebt.
Wort für Wort
sarvathā pārthivena iha
auf jede Weise, vom Fürsten, hier (Instr.Sg.)
satatam bhūtim icchatā
beständig Gedeihen wünschend (Instr.Sg.Part.)
bhūr deyā vidhivat
Land ist zu geben, vorschriftsgemäß (Nom.Sg.f. Gerundiv)
Selbst Erobertes, selbst Erkauftes oder Unterhaltenes [?] möge man übergeben, o König.
Wort für Wort
svanirjitām
selbst erobert (Akk.Sg.f.)
svayaṃkrītām
selbst gekauft (Akk.Sg.f.)
bhṛtāṃ ca vā
[durch Sold] erhalten [?] oder (Akk.Sg.f.)
arpayen nṛpa
möge übergeben, o König (Opt.3.Sg./Vok.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers, elliptisch; bhṛtā (‚unterhalten/erworben durch Sold') unsicher.
[Land], das gut angelegt, gut verkauft oder gut unterhalten ist, [das] der König [gibt] [?].
Wort für Wort
sunirmitām
gut angelegt (Akk.Sg.f.)
suvikrītām
gut verkauft (Akk.Sg.f.)
subhṛtām vā api
gut unterhalten, oder auch (Akk.Sg.f.)
yat nṛpaḥ
was/das der König (Rel./Nom.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers, syntaktisch unvollständig (Verb fehlt); Anschluss an 74.
agniṣṭomaprabhṛtibhir iṣṭvā ca svāptadakṣiṇaiḥ; na tat phalam avāpnoti bhūmidānād yad aśnute
Auch wenn man mit Agniṣṭoma und anderen [Opfern] geopfert hat, bei denen die Opfergaben reichlich gegeben wurden, erlangt man nicht jene Frucht, die man aus der Landgabe genießt.
Wort für Wort
agniṣṭomaprabhṛtibhiḥ
mit Agniṣṭoma und dergleichen (Instr.Pl.)
iṣṭvā ca svāptadakṣiṇaiḥ
und geopfert habend, mit reich gegebenen Opferlohn (Abs./Instr.Pl.)
na tat phalam avāpnoti
nicht jene Frucht erlangt er (3.Sg.Präs.)
bhūmidānāt yad aśnute
aus der Landgabe, was er genießt (Abl./3.Sg.Präs.Med.)
na dadāti pratiśrutya dattvā vā harate tu yaḥ; sa baddho vāruṇaiḥ pāśais tapyate mṛtyuśāsanāt
Wer nicht gibt, nachdem er es versprochen hat, oder wer, nachdem er gegeben hat, wieder wegnimmt, der wird, mit Varuṇas Schlingen gefesselt, auf Befehl des Todes gepeinigt.
Wort für Wort
na dadāti pratiśrutya
gibt nicht, nachdem er versprochen hat (3.Sg.Präs./Abs.)
dattvā vā harate tu yaḥ
oder nachdem er gegeben hat, nimmt weg, wer (Abs./3.Sg.Präs.Med.)
saḥ baddhaḥ vāruṇaiḥ pāśaiḥ
er, gefesselt mit Varuṇas Schlingen (Nom.Sg.Part./Instr.Pl.)
tapyate mṛtyuśāsanāt
wird gepeinigt auf Befehl des Todes (3.Sg.Pass./Abl.Sg.)
āhitāgniṃ sadāyajñaṃ kṛśabhṛtyaṃ priyātithim; ye bharanti dvijaśreṣṭhaṃ nopasarpanti te yamam
Einen Feuerhalter, der stets opfert, dessen Dienerschaft mager ist [?] und der Gäste gern hat, den besten der Zweimalgeborenen – die ihn unterhalten, kommen nicht zu Yama.
Wort für Wort
āhitāgniṃ sadāyajñam
einen Feuerhalter, stets Opfernden (Akk.Sg.)
kṛśabhṛtyaṃ priyātithim
dessen Dienerschaft/Angehörige mager ist, Gäste liebend (Akk.Sg.)
ye bharanti dvijaśreṣṭham
die unterhalten den besten Zweimalgeborenen (Rel./3.Pl.Präs./Akk.Sg.)
brāhmaṇeṣv ṛṇabhūtaṃ syāt pārthivasya puraṃdara; itareṣāṃ tu varṇānāṃ tārayet kṛśadurbalān
Bei den Brahmanen soll es dem Herrscher, Puraṃdara, wie eine Schuld sein; die übrigen Stände aber soll er, wenn sie mager und schwach sind, hinüberführen [aus der Not].
Wort für Wort
brāhmaṇeṣu ṛṇabhūtaṃ syāt
bei den Brahmanen eine Schuld möge sein (Lok.Pl./Opt.3.Sg.)
pārthivasya puraṃdara
für den Herrscher, Puraṃdara (Gen.Sg./Vok.)
itareṣāṃ tu varṇānām
der übrigen Stände aber (Gen.Pl.)
tārayet kṛśadurbalān
möge hinüberführen, die Mageren und Schwachen (Opt.3.Sg./Akk.Pl.)
Der Sinn von ṛṇabhūtam (‚wie eine Schuld / Gläubiger') ist knapp; Wiedergabe sinngemäß.
Nicht soll jemand Land, das [durch Berührung] von einem anderen übergeben wurde, entreißen, Herr der Dreißig [Götter], – einem Brahmanen, bester der Götter, dessen Unterhalt dürftig ist.
Wort für Wort
na ācchindyāt
nicht soll entreißen (Opt.3.Sg.)
sparśitāṃ bhūmim pareṇa
das berührte/übergebene Land, von einem anderen (Akk.Sg.f./Instr.Sg.)
tridaśādhipa
Herr der Dreißig (Vok.)
brāhmaṇāya suraśreṣṭha
dem Brahmanen, bester der Götter (Dat.Sg./Vok.)
kṛśabhṛtyāya kaḥ cana
dessen Unterhalt dürftig ist, irgendjemand (Dat.Sg./Nom.Sg.)
Wenn dann die Träne dieser elenden, verzagenden Brahmanen fällt, weil ihr Feld geraubt ist, so würde sie das Geschlecht bis zur dritten Generation erschlagen.
Wort für Wort
atha aśru patitam
dann die Träne gefallen (Nom.Sg.n.)
teṣāṃ dīnānām avasīdatām
dieser Elenden, Verzagenden (Gen.Pl./Part.)
brāhmaṇānāṃ hṛte kṣetre
der Brahmanen, wenn das Feld geraubt ist (Gen.Pl./Lok.abs.)
hanyāt tripuruṣaṃ kulam
würde erschlagen das Geschlecht dreier Generationen (Opt.3.Sg./Akk.Sg.)
Wenn das Feld der Armen geraubt ist, ist das Tränenvergießen sehr grausam; das Opfer- und Stiftungsverdienst dieses Mannes [und] das Geschlecht bis zur dritten Generation würde es vernichten [?].
Wort für Wort
hṛte kṣetre daridrāṇām
wenn das Feld geraubt ist, der Armen (Lok.abs./Gen.Pl.)
aśrupātaḥ sudāruṇaḥ
Tränenfall sehr grausam (Nom.Sg.)
iṣṭāpūrtaṃ narasya asya
Opfer- und Stiftungsverdienst dieses Mannes (Akk./Gen.Sg.)
hanyāt tripuruṣaṃ kulam
würde vernichten das Geschlecht dreier Generationen (Opt.3.Sg./Akk.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers; Konstruktion von iṣṭāpūrtam neben kulam unsicher.
nidhigarbhāṃ dadad bhūmiṃ sarvaratnaparicchadām; akṣayāṃl labhate lokān bhūmisatraṃ hi tasya tat
Wer Land gibt, das einen Schatz im Schoß trägt und mit allen Juwelen ausgestattet ist, erlangt unvergängliche Welten; denn das ist für ihn eine Landopfersitzung.
Wort für Wort
nidhigarbhāṃ dadat bhūmim
einen Schatz im Schoß tragend, gebend Land (Akk.Sg.f./Part.)
sarvaratnaparicchadām
mit allen Juwelen ausgestattet (Akk.Sg.f.)
akṣayān labhate lokān
unvergängliche Welten erlangt er (Akk.Pl./3.Sg.Präs.Med.)
ye raṇāgre mahīpālāḥ śūrāḥ samitiśobhanāḥ; vadhyante 'bhimukhāḥ śakra brahmalokaṃ vrajanti te
Die Herrscher, die an der Spitze des Kampfes, tapfer und eine Zierde der Versammlung, im Angesicht [des Feindes] erschlagen werden, Śakra, gehen in die Brahmawelt.
Wort für Wort
ye raṇāgre mahīpālāḥ
welche an der Spitze des Kampfes, Herrscher (Rel./Lok./Nom.Pl.)
śūrāḥ samitiśobhanāḥ
Helden, Zierden der Versammlung (Nom.Pl.)
vadhyante abhimukhāḥ śakra
werden erschlagen, dem Feind zugewandt, Śakra (3.Pl.Pass./Nom.Pl./Vok.)
In der Brahmawelt [den], der Erde gibt; es warten [ihm] die Wesen auf.
Wort für Wort
brahmaloke
in der Brahmawelt (Lok.Sg.)
dharāpradam
den Erdgeber (Akk.Sg.)
upatiṣṭhanti bhūtāni
warten auf die Wesen (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzfragment, Halbverse ohne Zusammenhang; Wiedergabe unsicher.
Keine Gabe gibt es, die der Landgabe gleicht; keinen Lehrer, der der Mutter gleicht; keinen Dharma, der der Wahrheit gleicht; keinen Schatz, der der Gabe gleicht.
Wort für Wort
na asti bhūmisamaṃ dānam
es gibt nicht ein der Landgabe gleiches Geschenk (Nom.Sg.n.)
na asti mātṛsamaḥ guruḥ
es gibt nicht einen der Mutter gleichen Lehrer (Nom.Sg.)
na asti satyasamaḥ dharmaḥ
es gibt nicht einen der Wahrheit gleichen Dharma (Nom.Sg.)
na asti dānasamaḥ nidhiḥ
es gibt nicht einen der Gabe gleichen Schatz (Nom.Sg.)
akṣayaṃ ca bhaved dattaṃ pitṛbhyas tan na saṃśayaḥ; tasmāc chrāddheṣv idaṃ vipro bhuñjataḥ śrāvayed dvijān
Und das den Ahnen Gegebene würde unvergänglich – daran ist kein Zweifel. Darum soll der Brahmane bei den Totenmahlen dies den essenden Zweimalgeborenen hören lassen.
Wort für Wort
akṣayaṃ ca bhavet dattam
und unvergänglich würde das Gegebene (Nom.Sg.n./Opt.3.Sg.)
pitṛbhyaḥ tat na saṃśayaḥ
den Ahnen, das; kein Zweifel (Dat.Pl./Nom.Sg.)
tasmāt śrāddheṣu idam
darum bei den Totenmahlen dies (Abl./Lok.Pl.)
vipraḥ bhuñjataḥ śrāvayet dvijān
der Brahmane soll hören lassen die Essenden, die Zweimalgeborenen (Nom./Kaus.Opt./Akk.Pl.)