Kapitel 111: tīrthaśaucopadeśaḥ
Belehrung über die Pilgerorte des Geistes und der Erde und die zweifache Reinheit
Bhīṣma erklärt auf Yudhiṣṭhiras Frage, dass der höchste Pilgerort der geistige ist (Wahrhaftigkeit, Selbstzügelung, Erkenntnis), und stellt ihm die heiligen Orte der Erde zur Seite; erst beides zusammen führt zur Vollendung. Die Zusatzpassagen am Ende (Fasten am zwölften Mondtag, Mondhäuser und Körperteile) fehlen in einem Teil der Handschriften.
yudhiṣṭhira uvāca; yad varaṃ sarvatīrthānāṃ tad bravīhi pitāmaha; yatra vai paramaṃ śaucaṃ tan me vyākhyātum arhasi
Yudhiṣṭhira sprach: „Was der vorzüglichste unter allen Pilgerorten (tīrtha) ist, das sage mir, Großvater; und wo die höchste Reinheit liegt, das darfst du mir darlegen.“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
yad varaṃ sarvatīrthānām
was das Vorzüglichste unter allen Pilgerorten (Nom.Sg.n. / Gen.Pl.)
tad bravīhi pitāmaha
das sage (Imp.2.Sg.), Großvater (Vok.)
yatra vai paramaṃ śaucam
wo wahrlich die höchste Reinheit [ist] (Lok./Nom.)
tan me vyākhyātum arhasi
das mir darzulegen vermagst du / darfst du (Inf., 2.Sg.Präs.)
bhīṣma uvāca; sarvāṇi khalu tīrthāni guṇavanti manīṣiṇām; yat tu tīrthaṃ ca śaucaṃ ca tan me śṛṇu samāhitaḥ
Bhīṣma sprach: „Alle Pilgerorte sind gewiss vorzüglich für die Weisen; welcher aber [zugleich] Pilgerort und Reinheit ist, das höre von mir mit gesammeltem Geist.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
sarvāṇi khalu tīrthāni
alle fürwahr Pilgerorte (Nom.Pl.n.)
guṇavanti manīṣiṇām
sind vorzüglich/tugendreich für die Weisen (Nom.Pl.n. / Gen.Pl.)
yat tu tīrthaṃ ca śaucaṃ ca
was aber Pilgerort und Reinheit [zugleich ist] (Nom.Sg.n.)
tan me śṛṇu samāhitaḥ
das höre (Imp.2.Sg.) von mir, gesammelt (Nom.Sg.m.)
In dem Unergründlichen, Klaren, Reinen, dessen Wasser die Wahrheit ist und dessen See die Standhaftigkeit ist, soll man baden: im Pilgerort des Geistes, das ewige Sein (sattva) zur Stütze nehmend.
Wort für Wort
agādhe vimale śuddhe
in dem Unergründlichen, Klaren, Reinen (Lok.Sg.m./n.)
satyatoye dhṛtihrade
dessen Wasser Wahrheit, dessen See Standhaftigkeit ist (Bahuvrīhi, Lok.Sg.)
snātavyaṃ mānase tīrthe
zu baden ist (Gerundiv) im geistigen Pilgerort (Lok.Sg.)
sattvam ālambya śāśvatam
das ewige Sein/Wesen (sattva) ergreifend/als Stütze nehmend (Abs., Akk.Sg.n.)
sattva: hier wohl ‚Wesen, Reinheit, Seiendes‘; auch ‚Guṇa Sattva‘ möglich.
Die Reinheit des Pilgerortes [besteht in]: Anspruchslosigkeit, Milde, Wahrheit, Geradheit, Gewaltlosigkeit gegen alle Wesen, Nicht-Grausamkeit, Selbstbezähmung, Ruhe.
rajas tamaḥ sattvam atho yeṣāṃ nirdhautam ātmanaḥ; śaucāśauce na te saktāḥ svakāryaparimārgiṇaḥ
Diejenigen, bei denen Rajas, Tamas und Sattva vom Selbst abgewaschen sind, haften nicht an Reinheit und Unreinheit; sie erforschen [nur] ihr eigenes Ziel.
Wort für Wort
rajas tamaḥ sattvam atho
Rajas, Tamas, Sattva, sodann (Nom.Sg.n.)
yeṣāṃ nirdhautam ātmanaḥ
deren abgewaschen [ist] vom Selbst (Gen.Pl. / Part.Pass. / Gen./Abl.Sg.)
śaucāśauce na te saktāḥ
an Reinheit und Unreinheit haften sie nicht (Lok.Du. / Part.Pass.Nom.Pl.)
svakāryaparimārgiṇaḥ
ihr eigenes Anliegen erforschend (Nom.Pl.m.)
nirdhautam ātmanaḥ: Konstruktion nicht ganz klar; ‚(Rajas, Tamas, Sattva) sind vom Selbst abgewaschen‘ angesetzt.
sarvatyāgeṣv abhiratāḥ sarvajñāḥ sarvadarśinaḥ; śaucena vṛttaśaucārthās te tīrthāḥ śucayaś ca te
Am Verzicht auf alles Freude findend, allwissend, alles sehend, streben sie durch Reinheit nach der Reinheit des Wandels; sie sind [die] Pilgerorte, und sie sind rein.
Wort für Wort
sarvatyāgeṣu abhiratāḥ
an allen Verzichten erfreut (Lok.Pl. / Nom.Pl.m.)
sarvajñāḥ sarvadarśinaḥ
allwissend, alles sehend (Nom.Pl.m.)
śaucena vṛttaśaucārthāḥ
durch Reinheit auf Reinheit des Wandels zielend (Instr.Sg. / Bahuvrīhi Nom.Pl.)
atīteṣv anapekṣā ye prāpteṣv artheṣu nirmamāḥ; śaucam eva paraṃ teṣāṃ yeṣāṃ notpadyate spṛhā
Die, die Vergangenem gegenüber unbekümmert und bei erlangten Dingen ohne Mein sind: deren Reinheit allein ist die höchste, in denen kein Verlangen entsteht.
Wort für Wort
atīteṣu anapekṣāḥ ye
gegenüber Vergangenem unbekümmert, die (Lok.Pl.n. / Nom.Pl.m.)
prāpteṣu artheṣu nirmamāḥ
bei erlangten Dingen ohne Mein (Lok.Pl. / Nom.Pl.m.)
śaucam eva param teṣām
Reinheit allein [ist] die höchste, ihre (Nom.Sg.n. / Gen.Pl.)
yeṣāṃ na utpadyate spṛhā
in denen nicht entsteht Verlangen (Gen.Pl. / Pass.Präs. / Nom.Sg.f.)
Reinheit des Wandels, Reinheit des Geistes, Reinheit des Pilgerortes: [das ist] höchst heilsam; und die aus Erkenntnis entstandene Reinheit, diese Reinheit gilt als die höchste.
Wort für Wort
vṛttaśaucaṃ manaḥśaucam
Reinheit des Wandels, Reinheit des Geistes (Nom.Sg.n.)
tīrthaśaucaṃ paraṃ hitam
Reinheit des Pilgerortes, höchst heilsam (Nom.Sg.n.)
jñānotpannaṃ ca yat śaucam
und die aus Erkenntnis entstandene Reinheit, welche (Part.Pass. / Nom.Sg.n.)
manasātha pradīpena brahmajñānabalena ca; snātā ye mānase tīrthe tajjñāḥ kṣetrajñadarśinaḥ
Die durch den Geist, durch die Leuchte und durch die Kraft der Brahman-Erkenntnis im Pilgerort des Geistes gebadet sind, die Kundigen, die den Feldkenner (kṣetrajña) Schauenden [sind rein].
Wort für Wort
manasā atha pradīpena
durch den Geist und sodann durch die Leuchte (Instr.Sg.)
brahmajñānabalena ca
und durch die Kraft der Brahman-Erkenntnis (Instr.Sg.)
snātāḥ ye mānase tīrthe
gebadet, die im geistigen Pilgerort (Part.Pass. Nom.Pl.m. / Lok.Sg.)
tajjñāḥ kṣetrajñadarśinaḥ
dessen Kundige, den Feldkenner Schauende (Nom.Pl.m.)
Durch das Erbitten am Pilgerort, durch das Baden und durch das Manenopfer schütteln sie in den Pilgerorten die Sünde ab; gereinigt gehen sie glücklich zum Himmel.
Wort für Wort
prārthanāt ca eva tīrthasya
durch Erbitten und eben des Pilgerortes (Abl.Sg. / Gen.Sg.)
snānāt ca pitṛtarpaṇāt
durch Baden und durch Manenlabung (Abl.Sg.)
dhunanti pāpaṃ tīrtheṣu
schütteln ab (3.Pl.Präs.) Sünde in den Pilgerorten (Akk. / Lok.Pl.)
yudhiṣṭhiraḥ; sarveṣām upavāsānāṃ yac chreyaḥ sumahat phalam; bhīṣmaḥ; yac cāpy asaṃśayaṃ loke tan me tvaṃ vaktum arhasi; śṛṇu rājan yathā gītaṃ svayam eva svayaṃbhuvā; yat kṛtvā nirvṛto bhūyāt puruṣo nātra saṃśayaḥ; dvādaśyāṃ mārgaśīrṣe tu ahorātreṇa keśavam; arcyāśvamedham āpnoti duṣkṛtaṃ cāsya naśyati; tathaiva pauṣamāse tu pūjya nārāyaṇeti ca; vājapeyam avāpnoti siddhiṃ ca paramāṃ vrajet; ahorātreṇa dvādaśyāṃ māghamāse tu mādhavam; rājasūyam avāpnoti kulaṃ caiva samuddharet; tathaiva phālgune māsi govindeti ca pūjayet; atirātram avāpnoti somalokaṃ ca gacchati; ahorātreṇa dvādaśyāṃ caitre viṣṇur iti smaran; pauṇḍarīkam avāpnoti devalokaṃ ca gacchati; vaiśākhamāse dvādaśyāṃ pūjayan madhusūdanam; agniṣṭomam avāpnoti somalokaṃ ca gacchati; ahorātreṇa dvādaśyāṃ jyeṣṭhe māsi trivikramam; gavāmayam avāpnoti apsarobhiś ca modate; āṣāḍhe māsi dvādaśyāṃ vāmaneti ca pūjayet; naramedham avāpnoti puṇyaṃ ca labhate mahat; ahorātreṇa dvādaśyāṃ śrāvaṇe māsi śrīdharam; pañcayajñān avāpnoti vimānasthaḥ sa modate; tathā bhādrapade māsi hṛṣīkeśeti pūjayan; sautrāmaṇim avāpnoti pūtātmā bhavate ca hi; dvādaśyām āśvine māsi padmanābheti cārcayan; gosahasraphalaṃ puṇyaṃ prāpnuyān nātra saṃśayaḥ; dvādaśyāṃ kārttike māsi pūjya dāmodareti ca; gavāṃ yajñam avāpnoti pumān strī vā na saṃśayaḥ; abhyarcya puṇḍarīkākṣam evaṃ saṃvatsaraṃ tu yaḥ; jātismaratvaṃ prāpnoti vindyād bahu suvarṇakam; ahany ahani tadbhāvam upendraṃ yo 'dhigacchati; samāpte bhojayed viprān atha vā dāpayed dhṛtam; ataḥparaṃ nopavāso bhavatīti viniścayaḥ; uvāca bhagavān viṣṇuḥ svayam eva purātanam
Yudhiṣṭhira [sprach]: „Was das größte, überaus große Verdienst aller Fastenübungen ist und was in der Welt zweifellos [gilt], das darfst du mir sagen.“ Bhīṣma [sprach]: „Höre, König, wie es vom Selbstentstandenen (Brahmā) selbst gesungen wurde, wodurch ein Mensch zufrieden/erlöst würde, daran ist hier kein Zweifel. Wer am zwölften [Mondtag] im [Monat] Mārgaśīrṣa einen Tag und eine Nacht Keśava verehrt, erlangt das Aśvamedha[-Opfer], und sein Übeltun vergeht. Ebenso im Monat Pauṣa, wenn er ‚Nārāyaṇa‘ verehrt: er erlangt das Vājapeya und geht zur höchsten Vollendung. Wer am zwölften Tag im Monat Māgha einen Tag und eine Nacht Mādhava [verehrt], erlangt das Rājasūya und würde sein Geschlecht emporheben. Ebenso soll er im Monat Phālguna ‚Govinda‘ verehren: er erlangt den Atirātra und geht zur Somawelt. Wer am zwölften Tag im Caitra einen Tag und eine Nacht ‚Viṣṇu‘ gedenkt, erlangt das Pauṇḍarīka und geht zur Götterwelt. Wer im Vaiśākha am zwölften Tag Madhusūdana verehrt, erlangt den Agniṣṭoma und geht zur Somawelt. Wer am zwölften Tag im Monat Jyeṣṭha einen Tag und eine Nacht Trivikrama [verehrt], erlangt das Gavāmaya und freut sich mit den Apsaras. Im Monat Āṣāḍha soll er am zwölften Tag ‚Vāmana‘ verehren: er erlangt das Naramedha und gewinnt großes Verdienst. Wer am zwölften Tag im Monat Śrāvaṇa einen Tag und eine Nacht Śrīdhara [verehrt], erlangt die fünf Opfer, im Himmelswagen weilend freut er sich. Ebenso wer im Monat Bhādrapada ‚Hṛṣīkeśa‘ verehrt, erlangt das Sautrāmaṇī und wird reinen Selbstes. Wer am zwölften Tag im Monat Āśvina ‚Padmanābha‘ verehrt, würde das Verdienst von tausend Kühen erlangen, daran ist kein Zweifel. Wer am zwölften Tag im Monat Kārttika ‚Dāmodara‘ verehrt: er erlangt das Kuhopfer, Mann oder Frau, ohne Zweifel. Wer so ein Jahr lang den Lotosäugigen (Puṇḍarīkākṣa) verehrt, erlangt die Erinnerung an frühere Geburten und würde viel Gold gewinnen. Wer Tag für Tag jene Hingabe zu Upendra erlangt, [der soll,] wenn [das Jahr] vollendet ist, Brahmanen speisen lassen oder Ghee geben lassen; darüber hinaus gibt es keinen [weiteren] Fasten-Brauch, so ist die Entscheidung.“ So sprach der Erhabene Viṣṇu selbst zu dem Uralten.
Wort für Wort
yudhiṣṭhiraḥ sarveṣām upavāsānām
Yudhiṣṭhira [sprach] (Nom.Sg.m.) ; aller Fastenübungen (Gen.Pl.m.)
yat śreyaḥ sumahat phalam bhīṣmaḥ yat ca api asaṃśayam loke
was das Beste, überaus große Frucht (Nom.Sg.n.) ; Bhīṣma; und was auch zweifelsfrei in der Welt (Nom./Adv.)
tat me tvaṃ vaktum arhasi śṛṇu rājan yathā gītam
das mir du zu sagen vermagst/darfst (Inf., 2.Sg.) ; höre, König, wie gesungen (Imp. / Vok. / Part.Pass.)
svayam eva svayaṃbhuvā yat kṛtvā nirvṛtaḥ bhūyāt
selbst eben vom Selbstentstandenen (Instr.Sg.) ; was getan habend zufrieden werden möge (Abs. / Opt.)
puruṣaḥ na atra saṃśayaḥ dvādaśyāṃ mārgaśīrṣe tu
der Mensch; nicht hier Zweifel (Nom.Sg.m.) ; am zwölften [Tag], im Mārgaśīrṣa aber (Lok.Sg.)
ahorātreṇa keśavam arcya aśvamedham āpnoti
einen Tag und eine Nacht Keśava (Instr.Sg. / Akk.) ; verehrend/verehrt habend das Aśvamedha erlangt er (Abs. / Akk. / 3.Sg.)
duṣkṛtam ca asya naśyati tathā eva pauṣamāse tu
und Übeltat von ihm schwindet (Nom.Sg.n. / Gen. / 3.Sg.) ; ebenso im Monat Pauṣa aber (Lok.Sg.)
pūjya nārāyaṇa iti ca vājapeyam avāpnoti
verehrend ‚Nārāyaṇa‘, so, und (Abs.) ; das Vājapeya erlangt er (Akk. / 3.Sg.)
siddhiṃ ca paramāṃ vrajet ahorātreṇa dvādaśyāṃ
und zur höchsten Vollendung gehe er (Akk. / Opt.3.Sg.) ; einen Tag und eine Nacht am zwölften [Tag] (Instr. / Lok.)
māghamāse tu mādhavam rājasūyam avāpnoti
im Monat Māgha aber Mādhava (Lok. / Akk.) ; das Rājasūya erlangt er (Akk. / 3.Sg.)
kulam ca eva samuddharet tathā eva phālgune māsi
und sein Geschlecht emporheben würde er (Akk. / Opt.3.Sg.) ; ebenso im Monat Phālguna (Lok.Sg.)
govinda iti ca pūjayet atirātram avāpnoti
‚Govinda‘, so, und er verehre (Opt.3.Sg.) ; den Atirātra erlangt er (Akk. / 3.Sg.)
somalokam ca gacchati ahorātreṇa dvādaśyām caitre
und zur Somawelt geht er (Akk. / 3.Sg.) ; einen Tag und eine Nacht, am zwölften, im Caitra (Instr. / Lok.)
viṣṇuḥ iti smaran pauṇḍarīkam avāpnoti
‚Viṣṇu‘, so gedenkend (Nom. / Part.Präs.) ; das Pauṇḍarīka erlangt er (Akk. / 3.Sg.)
devalokam ca gacchati vaiśākhamāse dvādaśyām
und zur Götterwelt geht er (Akk. / 3.Sg.) ; im Monat Vaiśākha, am zwölften (Lok.Sg.)
pūjayan madhusūdanam agniṣṭomam avāpnoti
verehrend Madhusūdana (Part.Präs. / Akk.) ; den Agniṣṭoma erlangt er (Akk. / 3.Sg.)
somalokam ca gacchati ahorātreṇa dvādaśyām jyeṣṭhe māsi
und zur Somawelt geht er (Akk. / 3.Sg.) ; einen Tag und eine Nacht, am zwölften, im Monat Jyeṣṭha (Instr. / Lok.)
trivikramam gavāmayam avāpnoti
Trivikrama (Akk.Sg.m.) ; das Gavāmaya erlangt er (Akk. / 3.Sg.)
apsarobhiḥ ca modate āṣāḍhe māsi dvādaśyām
und mit Apsaras freut er sich (Instr.Pl. / 3.Sg.Med.) ; im Monat Āṣāḍha, am zwölften (Lok.Sg.)
vāmana iti ca pūjayet naramedham avāpnoti
‚Vāmana‘, so, und er verehre (Opt.3.Sg.) ; das Naramedha erlangt er (Akk. / 3.Sg.)
puṇyam ca labhate mahat ahorātreṇa dvādaśyām śrāvaṇe māsi śrīdharam
und Verdienst gewinnt er, großes (Akk. / 3.Sg.Med.) ; einen Tag und eine Nacht, am zwölften, im Monat Śrāvaṇa Śrīdhara (Instr. / Lok. / Akk.)
pañcayajñān avāpnoti vimānasthaḥ sa modate
die fünf Opfer erlangt er (Akk.Pl. / 3.Sg.) ; im Himmelswagen weilend, er freut sich (Nom.Sg.m. / 3.Sg.Med.)
ebenso im Monat Bhādrapada ‚Hṛṣīkeśa‘, so verehrend (Lok. / Part.Präs.) ; das Sautrāmaṇī erlangt er (Akk. / 3.Sg.)
pūtātmā bhavate ca hi dvādaśyām āśvine māse padmanābha iti ca arcayan
reinen Selbstes wird er, und fürwahr (Nom.Sg.m. / 3.Sg.Med.) ; am zwölften, im Monat Āśvina ‚Padmanābha‘, so, und verehrend (Lok. / Part.Präs.)
gosahasraphalam puṇyam prāpnuyāt na atra saṃśayaḥ dvādaśyām kārttike māse pūjya dāmodara iti ca
Frucht von tausend Kühen, Verdienst würde er erlangen, kein Zweifel hier (Akk. / Opt.3.Sg.) ; am zwölften, im Monat Kārttika, verehrend ‚Dāmodara‘, so, und (Lok. / Abs.)
gavām yajñam avāpnoti pumān strī vā na saṃśayaḥ abhyarcya puṇḍarīkākṣam evam saṃvatsaram tu yaḥ
das Kuhopfer erlangt er, Mann oder Frau, kein Zweifel (Akk. / 3.Sg. / Nom.) ; den Lotosäugigen verehrt habend, so, ein Jahr lang aber wer (Abs. / Akk.)
Erinnerung an frühere Geburten erlangt er, gewänne viel Gold (Akk. / 3.Sg. / Opt.) ; Tag für Tag jene Hingabe [an] Upendra, wer erlangt (Lok. / Akk. / 3.Sg.)
ist es vollendet, speisen lasse er Brahmanen oder Ghee geben lassen (Lok.abs. / Kaus.Opt.) ; darüber hinaus gibt es keinen [weiteren] Fastenbrauch, so [ist] die Entscheidung (Nom.Sg.)
uvāca bhagavān viṣṇuḥ svayam eva purātanam
sprach der Erhabene Viṣṇu selbst eben zum Uralten (Perf. / Nom. / Akk.Sg.m.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (21@012), nur in einem Teil der Handschriften; der Text ist als eine Einheit mit wechselnden Sprechern (Yudhiṣṭhira/Bhīṣma) überliefert. Die Wort-für-Wort-Paare sind zusammengezogen. Einzelne Lesarten (arcya/arcyā, jātismaratvam) unsicher.
vaiśaṃpāyanaḥ; śaratalpagataṃ bhīṣmaṃ vṛddhaṃ kurupitāmaham; upagamya mahāprājñaḥ paryapṛcchad yudhiṣṭhiraḥ; yudhiṣṭhiraḥ; jñānaṃ rūpaṃ ca saubhāgyaṃ priyatvaṃ ca kathaṃ bhavet; bhīṣmaḥ; dharmārthakāmasaṃyuktaḥ sukhabhāgī kathaṃ bhavet; mārgaśīrṣasya māsasya candre mūlena saṃyute; pādau mūlena rājendra jaṅghāyām atha rohiṇīm; aśvinyāṃ sakthinī caiva ūrū cāṣāḍhayos tathā; guhyaṃ tu phālgunī vidyāt kṛttikā kaṭikās tathā; nābhiṃ bhādrapade vidyād revatyām akṣimaṇḍalam; pṛṣṭham eva dhaniṣṭhāsu anurādhottarās tathā; bāhubhyāṃ tu viśākhāsu hastau hasteṣu nirdiśet; punarvasv aṅgulī rājann āśleṣāsu nakhās tathā; grīvā jyeṣṭhā ca rājendra śravaṇena tu karṇayoḥ; mukhaṃ puṣyeṇa rājendra dantoṣṭhau svātir ucyate; hastaṃ śatabhiṣāṃ caiva maghāṃ caivātha nāsikām; netre mṛgaśiro vidyāl lalāṭaṃ mitram eva tu; bharaṇyāṃ tu śiro vidyāt keśān ārdrāṃ narādhipa; samāpte tu ghṛtaṃ dadyād brāhmaṇe vedapārage; subhago darśanīyaś ca jñānī bhogī ca jāyate; jāyate paripūrṇāṅgaḥ paurṇamāsyām ivoḍurāṭ
Vaiśaṃpāyana [sprach]: Zu Bhīṣma, dem greisen Ahnherrn der Kurus, der auf dem Pfeilbett lag, trat der hochweise Yudhiṣṭhira heran und fragte ihn. Yudhiṣṭhira: „Wie kommen Wissen, Schönheit, Glück und Beliebtheit zustande?“ Bhīṣma: „Wie wird man, mit Dharma, Artha und Kāma verbunden, glücklich? Wenn im Monat Mārgaśīrṣa der Mond mit [dem Mondhaus] Mūla verbunden ist, [ordne man] die Füße Mūla zu, König der Könige, die Unterschenkel Rohiṇī, in Aśvinī die beiden Schenkel, und die Oberschenkel in den [beiden] Āṣāḍhā; das Geschlecht wisse man als Phālgunī [Pūrva und Uttara], Kṛttikā als die Hüften. Den Nabel wisse man in Bhādrapada[-Mondhäusern], in Revatī die Augenrundung; den Rücken in Dhaniṣṭhā und in Anurādhā und den Uttarā[-Mondhäusern]; die Arme in Viśākhā, die Hände in Hasta weise man zu; Punarvasu [die] Finger, König, Āśleṣā die Nägel; den Hals Jyeṣṭhā, König der Könige, durch Śravaṇa aber die Ohren; den Mund durch Puṣya, König der Könige, Zähne und Lippen heißt Svāti; die Hand auch Śatabhiṣā, und Maghā die Nase; die Augen wisse man als Mṛgaśiras, die Stirn als Mitra [Anurādhā]; in Bharaṇī wisse man den Kopf, die Haare Ārdrā, Herr der Menschen. Wenn [das Jahr] vollendet ist, gebe er Ghee einem Brahmanen, der die Veden vollkommen beherrscht; er wird schön, ansehnlich, wissend und genussreich geboren; er wird mit vollständigen Gliedern geboren, wie der Mond am Vollmondstag.“
Wort für Wort
vaiśaṃpāyanaḥ śaratalpagataṃ bhīṣmam
Vaiśaṃpāyana [sprach] (Nom.Sg.m.) ; zu Bhīṣma, der auf dem Pfeilbett lag (Akk.Sg.m.)
vṛddhaṃ kurupitāmaham upagamya mahāprājñaḥ
den Greisen, den Ahnherrn der Kurus (Akk.Sg.m.) ; herangetreten, der hochweise (Abs. / Nom.Sg.m.)
paryapṛcchat yudhiṣṭhiraḥ jñānam rūpam ca saubhāgyam
fragte Yudhiṣṭhira (Impf.3.Sg.) ; Wissen, Schönheit und Glück (Nom.Sg.n.)
priyatvam ca katham bhavet dharmārthakāmasaṃyuktaḥ
und Beliebtheit, wie möge es sein (Opt.3.Sg.) ; mit Dharma, Artha, Kāma verbunden (Nom.Sg.m.)
glücksteilhaft, wie möge er werden (Opt.3.Sg.) ; im Monat Mārgaśīrṣa, wenn der Mond mit Mūla verbunden ist (Gen. / Lok.abs.)
pādau mūlena rājendra jaṅghāyām atha rohiṇīm
die Füße durch Mūla, König der Könige (Nom.Du. / Instr. / Vok.) ; am Unterschenkel sodann Rohiṇī (Lok. / Akk.)
aśvinyām sakthinī ca eva ūrū ca āṣāḍhayoḥ tathā
in Aśvinī die beiden Schenkel eben (Lok. / Nom.Du.) ; und die Oberschenkel in den beiden Āṣāḍhā ebenso (Nom.Du. / Lok.Du.)
guhyam tu phālgunī vidyāt kṛttikā kaṭikāḥ tathā
das Verborgene aber [wisse] als Phālgunī (Akk. / Opt.) ; Kṛttikā [als] die Hüften ebenso (Nom.Sg.f. / Nom.Pl.f.)
nābhim bhādrapade vidyāt revatyām akṣimaṇḍalam
den Nabel in Bhādrapada wisse (Akk. / Lok. / Opt.) ; in Revatī die Augenrundung (Lok. / Akk.)
pṛṣṭham eva dhaniṣṭhāsu anurādhā uttarāḥ tathā
den Rücken eben in Dhaniṣṭhā (Akk. / Lok.Pl.) ; Anurādhā und die Uttarā ebenso (Nom.Sg. / Nom.Pl.)
bāhubhyām tu viśākhāsu hastau hasteṣu nirdiśet
die Arme aber in Viśākhā (Instr.Du. / Lok.Pl.) ; die Hände in Hasta weise man zu (Akk.Du. / Lok.Pl. / Opt.)
punarvasu aṅgulī rājan āśleṣāsu nakhāḥ tathā
Punarvasu [die] Finger, König (Nom. / Akk.Du. / Vok.) ; in Āśleṣā die Nägel ebenso (Lok.Pl. / Nom.Pl.)
grīvā jyeṣṭhā ca rājendra śravaṇena tu karṇayoḥ
der Hals Jyeṣṭhā und, König der Könige (Nom.Sg.f. / Vok.) ; durch Śravaṇa aber an den Ohren (Instr. / Lok.Du.)
mukham puṣyeṇa rājendra dantoṣṭhau svātiḥ ucyate
den Mund durch Puṣya, König der Könige (Akk. / Instr. / Vok.) ; Zähne und Lippen Svāti wird gesagt (Akk.Du. / Nom. / Pass.)
hastam śatabhiṣām ca eva maghām ca eva atha nāsikām
die Hand auch Śatabhiṣā eben (Akk.Sg.m. / Akk.Sg.f.) ; Maghā und sodann die Nase (Akk.)
netre mṛgaśiraḥ vidyāt lalāṭam mitram eva tu
die Augen [als] Mṛgaśiras wisse (Akk.Du. / Opt.) ; die Stirn [als] Mitra eben aber (Akk.)
bharaṇyām tu śiraḥ vidyāt keśān ārdrām narādhipa
in Bharaṇī aber den Kopf wisse (Lok. / Akk. / Opt.) ; die Haare [als] Ārdrā, Herr der Menschen (Akk.Pl. / Akk. / Vok.)
samāpte tu ghṛtam dadyāt brāhmaṇe vedapārage
ist es vollendet aber, gebe er Ghee (Lok.abs. / Akk. / Opt.) ; einem Brahmanen, der die Veden durchmessen hat (Lok.Sg.)
subhagaḥ darśanīyaḥ ca jñānī bhogī ca jāyate
glücklich und ansehnlich (Nom.Sg.m.) ; wissend und genussreich wird er geboren (Nom. / 3.Sg.Pass.)
jāyate paripūrṇāṅgaḥ paurṇamāsyām iva uḍurāṭ
er wird geboren mit vollständigen Gliedern (3.Sg. / Nom.Sg.m.) ; wie am Vollmondstag der Mond (Lok.Sg. / Nom.Sg.m.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (21@012A), nur in einem Teil der Handschriften. Die Zuordnung der Mondhäuser (nakṣatra) zu Körperteilen ist teils unklar bzw. textlich unsicher (z. B. Dopplungen wie hasta/hastam, Ārdrā/Bharaṇī); Sprecherwechsel innerhalb der Einheit.