Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Anuśāsanaparva

Kapitel 55: kuśikacyavanasaṃvāda Cyavana erklärt Kuśika die Gründe seiner Prüfungen und verheißt Brahmanentum für dessen Geschlecht

Fortsetzung des Gesprächs zwischen Cyavana und König Kuśika: Cyavana deutet rückblickend sein rätselhaftes Verhalten als Prüfung und Wohlwollen und kündigt an, dass Kuśikas Enkel (Viśvāmitra) durch Bhṛgu-Kraft zum Brahmanen werde.

cyavana uvāca; varaś ca gṛhyatāṃ matto yaś ca te saṃśayo hṛdi; taṃ ca brūhi naraśreṣṭha sarvaṃ saṃpādayāmi te

Cyavana sprach: „Wähle eine Gabe von mir, und [nenne mir] auch den Zweifel, der in deinem Herzen ist; sprich ihn aus, Bester der Männer, ich werde dir alles erfüllen.“

Wort für Wort
cyavana uvāca
Cyavana sprach (Perf.)
varaś ca gṛhyatāṃ matto
und eine Gabe soll gewählt werden von mir (Nom.Sg.m./Imp.Pass./Abl.)
yaś ca te saṃśayo hṛdi
und welcher Zweifel dir im Herzen [ist] (Nom./Lok.)
taṃ ca brūhi naraśreṣṭha
und diesen sage, Bester der Männer (Imp./Vok.)
sarvaṃ saṃpādayāmi te
alles erfülle ich dir (1.Sg.Präs.Kaus./Dat.)

kuśika uvāca; yadi prīto 'si bhagavaṃs tato me vada bhārgava; kāraṇaṃ śrotum icchāmi madgṛhe vāsakāritam

Kuśika sprach: „Wenn du, Erhabener, erfreut bist, dann sage mir, Bhārgava, den Grund; ich möchte hören, [weshalb] du in meinem Haus Wohnung genommen hast [und so gehandelt hast].“

Wort für Wort
kuśika uvāca
Kuśika sprach
yadi prīto 'si bhagavan
wenn du erfreut bist, Erhabener (2.Sg.Präs./Vok.)
tato me vada bhārgava
dann sage mir, Bhārgava (Imp./Dat./Vok.)
kāraṇaṃ śrotum icchāmi
den Grund zu hören wünsche ich (Inf./1.Sg.Präs.)
madgṛhe vāsakāritam
in meinem Haus Verursachtes/Bewirktes des Wohnens (Lok./Part.Kaus.)

vāsakāritam: Deutung als „[im Zusammenhang mit deinem] Wohnen in meinem Haus Getanes“ [?].

śayanaṃ caikapārśvena divasān ekaviṃśatim; akiṃcid uktvā gamanaṃ bahiś ca munipuṃgava

[Ich möchte wissen den Grund] für das Liegen auf einer Seite einundzwanzig Tage lang, für das Fortgehen nach draußen, ohne etwas zu sagen, o Stier unter den Munis,

Wort für Wort
śayanaṃ caikapārśvena
und das Liegen auf einer Seite (Nom./Instr.Sg.)
divasān ekaviṃśatim
einundzwanzig Tage (Akk.Pl.)
akiṃcid uktvā gamanaṃ
ohne etwas zu sagen, das Gehen (Abs./Nom.)
bahiś ca munipuṃgava
und nach draußen, o Stier unter den Munis (Adv./Vok.)

antardhānam akasmāc ca punar eva ca darśanam; punaś ca śayanaṃ vipra divasān ekaviṃśatim

das plötzliche Verschwinden und wiederum das Erscheinen, und abermals das Liegen, Brahmane, einundzwanzig Tage lang,

Wort für Wort
antardhānam akasmāc ca
das Verschwinden und plötzlich (Nom./Adv.)
punar eva ca darśanam
und wieder das Erscheinen/Sehen (Adv./Nom.)
punaś ca śayanaṃ vipra
und wieder das Liegen, Brahmane (Nom./Vok.)
divasān ekaviṃśatim
einundzwanzig Tage (Akk.Pl.)

tailābhyaktasya gamanaṃ bhojanaṃ ca gṛhe mama; samupānīya vividhaṃ yad dagdhaṃ jātavedasā; niryāṇaṃ ca rathenāśu sahasā yat kṛtaṃ tvayā

das Fortgehen, als du mit Öl gesalbt warst, und das Mahl in meinem Haus – nachdem du vielerlei [Speisen] herbeigebracht hattest, [das,] was vom Feuer verbrannt wurde – und das rasche Fortfahren im Wagen, plötzlich, was du getan hast,

Wort für Wort
tailābhyaktasya gamanaṃ
das Gehen des mit Öl Gesalbten (Gen.Sg./Nom.)
bhojanaṃ ca gṛhe mama
und das Mahl in meinem Haus (Nom./Lok.)
samupānīya vividhaṃ
nachdem [du] vielerlei herbeigebracht hattest (Abs./Akk.)
yad dagdhaṃ jātavedasā
was verbrannt wurde vom Feuer (Part.Pass./Instr.)
niryāṇaṃ ca rathenāśu
und das Ausfahren mit dem Wagen rasch (Nom./Instr./Adv.)
sahasā yat kṛtaṃ tvayā
plötzlich, was von dir getan wurde (Adv./Part.Pass./Instr.)

dhanānāṃ ca visargasya vanasyāpi ca darśanam; prāsādānāṃ bahūnāṃ ca kāñcanānāṃ mahāmune

das Verschenken der Reichtümer und auch das Erscheinen des Waldes, und [das Sehen] der vielen goldenen Paläste, o großer Muni,

Wort für Wort
dhanānāṃ ca visargasya
und der Reichtümer, des Verschenkens (Gen.Pl./Gen.Sg.)
vanasyāpi ca darśanam
und auch des Waldes Erscheinen/Anblick (Gen.Sg./Nom.)
prāsādānāṃ bahūnāṃ ca
und der vielen Paläste (Gen.Pl.)
kāñcanānāṃ mahāmune
der goldenen, o großer Muni (Gen.Pl./Vok.)

maṇividrumapādānāṃ paryaṅkānāṃ ca darśanam; punaś cādarśanaṃ tasya śrotum icchāmi kāraṇam

und den Anblick der Lagerstätten mit Füßen aus Juwelen und Korallen, und dass dies wieder verschwand: [dafür] möchte ich den Grund hören.

Wort für Wort
maṇividrumapādānāṃ
mit Füßen aus Juwelen und Korallen (Kompositum, Gen.Pl.)
paryaṅkānāṃ ca darśanam
und der Ruhebetten Anblick (Gen.Pl./Nom.)
punaś cādarśanaṃ tasya
und wieder das Nichtsehen/Verschwinden davon (Adv./Nom./Gen.)
śrotum icchāmi kāraṇam
zu hören wünsche ich den Grund (Inf./1.Sg.Präs./Akk.)

atīva hy atra muhyāmi cintayāno divāniśam; na caivātrādhigacchāmi sarvasyāsya viniścayam; etad icchāmi kārtsnyena satyaṃ śrotuṃ tapodhana

Denn ich bin hierüber sehr verwirrt, wenn ich Tag und Nacht nachdenke, und ich finde keine Entscheidung [Klärung] über all dies; dies wünsche ich vollständig und der Wahrheit gemäß zu hören, du Reicher an Askese.

Wort für Wort
atīva hy atra muhyāmi
denn sehr bin ich hierin verwirrt (Adv./1.Sg.Präs.)
cintayāno divāniśam
nachdenkend Tag und Nacht (Part.Med./Adv.)
na caivātrādhigacchāmi
und nicht finde ich hierin (1.Sg.Präs.)
sarvasyāsya viniścayam
für dies alles eine Entscheidung (Gen./Akk.)
etad icchāmi kārtsnyena
dies wünsche ich vollständig (1.Sg.Präs./Instr.)
satyaṃ śrotuṃ tapodhana
wahrheitsgemäß zu hören, Reicher an Askese (Inf./Vok.)

cyavana uvāca; śṛṇu sarvam aśeṣeṇa yad idaṃ yena hetunā; na hi śakyam anākhyātum evaṃ pṛṣṭena pārthiva

Cyavana sprach: „Höre alles ohne Rest, was dies ist und aus welchem Grund; denn es ist nicht möglich, [es] unerklärt zu lassen, wenn du so gefragt hast, o Fürst.“

Wort für Wort
cyavana uvāca
Cyavana sprach
śṛṇu sarvam aśeṣeṇa
höre alles ohne Rest (Imp./Akk./Instr.)
yad idaṃ yena hetunā
was dies [ist], aus welchem Grund (Nom./Instr.)
na hi śakyam anākhyātum
denn nicht ist es möglich, unerklärt [zu lassen] (Adj./Inf.)
evaṃ pṛṣṭena pārthiva
von dem so Gefragten, o Fürst (Part.Pass./Instr./Vok.)

pitāmahasya vadataḥ purā devasamāgame; śrutavān asmi yad rājaṃs tan me nigadataḥ śṛṇu

„Was ich, o König, einst in der Götterversammlung aus dem Munde des sprechenden Urgroßvaters [Brahmā] gehört habe, das höre von mir, der es dir erzählt.“

Wort für Wort
pitāmahasya vadataḥ
des Urgroßvaters, der sprach (Gen./Part.Gen.)
purā devasamāgame
einst in der Götterversammlung (Adv./Lok.)
śrutavān asmi yad rājan
gehört habe ich, was, o König (Part.Perf.Akt./1.Sg./Vok.)
tan me nigadataḥ śṛṇu
das höre von mir, der ich [es] sage (Imp./Gen.Part.)

brahmakṣatravirodhena bhavitā kulasaṃkaraḥ; pautras te bhavitā rājaṃs tejovīryasamanvitaḥ

„Durch den Widerstreit von Brahmanen und Kṣatriyas wird eine Vermischung der Geschlechter entstehen; dein Enkel, o König, wird an Glanz und Kraft reich sein.“

Wort für Wort
brahmakṣatravirodhena
durch den Widerstreit von Brahmanen und Kṣatriyas (Instr.Sg.)
bhavitā kulasaṃkaraḥ
wird entstehen eine Vermischung der Geschlechter (3.Sg.Fut./Nom.)
pautras te bhavitā rājan
dein Enkel wird sein, o König (Nom./Gen./Fut./Vok.)
tejovīryasamanvitaḥ
mit Glanz und Kraft begabt (Nom.Sg.m.)

tataḥ svakularakṣārtham ahaṃ tvā samupāgamam; cikīrṣan kuśikocchedaṃ saṃdidhakṣuḥ kulaṃ tava

„Darauf bin ich, um mein eigenes Geschlecht zu schützen, zu dir gekommen, in der Absicht, den Untergang der Kuśikas herbeizuführen, dein Geschlecht zu verbrennen [wünschend].“

Wort für Wort
tataḥ svakularakṣārtham
darauf zum Schutz des eigenen Geschlechts (Adv./Akk.)
ahaṃ tvā samupāgamam
ich bin zu dir gekommen (Nom./Akk./1.Sg.Aor.)
cikīrṣan kuśikocchedaṃ
den Untergang der Kuśikas zu bewirken wünschend (Part.Des.)
saṃdidhakṣuḥ kulaṃ tava
zu verbrennen wünschend dein Geschlecht (Adj.Des./Akk./Gen.)

tato 'ham āgamya purā tvām avocaṃ mahīpate; niyamaṃ kaṃ cid ārapsye śuśrūṣā kriyatām iti

„Danach kam ich, o Herr der Erde, zu dir und sagte damals: ‚Ich werde eine bestimmte Observanz beginnen; Dienst soll geleistet werden.‘“

Wort für Wort
tato 'ham āgamya purā
darauf ich, nachdem ich gekommen war, einst (Abs.)
tvām avocaṃ mahīpate
zu dir sagte ich, o Herr der Erde (Aor./Vok.)
niyamaṃ kaṃ cid ārapsye
eine gewisse Observanz werde ich beginnen (Akk./1.Sg.Fut.)
śuśrūṣā kriyatām iti
Dienst soll getan werden, so (Nom./Imp.Pass.)

na ca te duṣkṛtaṃ kiṃ cid aham āsādayaṃ gṛhe; tena jīvasi rājarṣe na bhavethās tato 'nyathā

„Und ich fand in deinem Haus keinerlei Verfehlung von dir; deshalb lebst du, Königsseher, [sonst] wäre es dir nicht anders ergangen.“

Wort für Wort
na ca te duṣkṛtaṃ kiṃ cid
und keine Übeltat von dir irgendwie (Akk.)
aham āsādayaṃ gṛhe
ich fand im Haus (1.Sg.Impf.Kaus./Lok.)
tena jīvasi rājarṣe
deshalb lebst du, o Königsweiser (Instr./2.Sg.Präs./Vok.)
na bhavethās tato 'nyathā
nicht wärest du sonst anders (2.Sg.Opt.Med./Abl./Adv.)

na bhavethās tato 'nyathā: sinngemäß „sonst hättest du nicht [so] weitergelebt“ [?].

etāṃ buddhiṃ samāsthāya divasān ekaviṃśatim; supto 'smi yadi māṃ kaś cid bodhayed iti pārthiva

„Mit diesem Entschluss habe ich einundzwanzig Tage lang geschlafen, [denke,] ob mich wohl jemand weckt, o Fürst.“

Wort für Wort
etāṃ buddhiṃ samāsthāya
diesen Entschluss gefasst habend (Akk./Abs.)
divasān ekaviṃśatim
einundzwanzig Tage lang (Akk.)
supto 'smi
ich habe geschlafen (Part.Pass./1.Sg.)
yadi māṃ kaś cid bodhayed
ob mich jemand wecke (Opt.Kaus.)
iti pārthiva
so, o Fürst (Vok.)

yadā tvayā sabhāryeṇa saṃsupto na prabodhitaḥ; ahaṃ tadaiva te prīto manasā rājasattama

„Als du, der du mit deiner Gattin [dabei warst], mich Schlafenden nicht geweckt hast, da schon, bester der Könige, war ich in meinem Sinn mit dir zufrieden.“

Wort für Wort
yadā tvayā sabhāryeṇa
als von dir, samt Gattin (Instr.)
saṃsupto na prabodhitaḥ
ich, der Schlafende, nicht geweckt wurde (Part.Pass.)
ahaṃ tadaiva te prīto
ich war da schon dir zugetan (Nom./Adv./Dat.-Gen./Part.)
manasā rājasattama
im Sinn, o Bester der Könige (Instr./Vok.)

utthāya cāsmi niṣkrānto yadi māṃ tvaṃ mahīpate; pṛccheḥ kva yāsyasīty evaṃ śapeyaṃ tvām iti prabho

„‚Wenn du mich, der ich aufgestanden und hinausgegangen bin, fragst: Wohin gehst du?, so würde ich dich verfluchen‘ – so [dachte ich], Herr.“

Wort für Wort
utthāya cāsmi niṣkrānto
und aufgestanden bin ich hinausgegangen (Abs./Part.)
yadi māṃ tvaṃ mahīpate
wenn du mich, o Herr der Erde (Nom./Akk./Vok.)
pṛccheḥ kva yāsyasīty evaṃ
fragtest: Wohin wirst du gehen? so (Opt./2.Sg.Fut./Adv.)
śapeyaṃ tvām iti prabho
würde ich dich verfluchen, so, Herr (1.Sg.Opt./Akk./Vok.)

antarhitaś cāsmi punaḥ punar eva ca te gṛhe; yogam āsthāya saṃviṣṭo divasān ekaviṃśatim

„Und ich verschwand in deinem Haus immer wieder und lag, in Yoga versenkt, einundzwanzig Tage.“

Wort für Wort
antarhitaś cāsmi
und ich verschwand (Part.Pass./1.Sg.)
punaḥ punar eva ca te gṛhe
wieder und wieder in deinem Haus (Adv./Gen./Lok.)
yogam āsthāya saṃviṣṭo
im Yoga verharrend, gelagert (Abs./Part.Pass.)
divasān ekaviṃśatim
einundzwanzig Tage (Akk.)

kṣudhito mām asūyethāḥ śramād veti narādhipa; etāṃ buddhiṃ samāsthāya karśitau vāṃ mayā kṣudhā

„‚Hungrig könntest du mir aus Erschöpfung oder [aus Hunger] zürnen, o Herrscher der Menschen‘ – mit diesem Gedanken habe ich euch beide durch Hunger abgemagert.“

Wort für Wort
kṣudhito mām asūyethāḥ
hungrig könntest du mir zürnen (Part./Akk./Opt.Med.)
śramād veti narādhipa
aus Erschöpfung oder, so, Herrscher der Menschen (Abl./Vok.)
etāṃ buddhiṃ samāsthāya
diesen Gedanken gefasst habend (Abs.)
karśitau vāṃ mayā kṣudhā
ihr beide seid abgemagert von mir durch Hunger (Part.Pass.Du./Instr.)

asūyethāḥ mit Akk. der Person; „śramād vā“ ist knapp – „oder aus Erschöpfung“ [?].

na ca te 'bhūt susūkṣmo 'pi manyur manasi pārthiva; sabhāryasya naraśreṣṭha tena te prītimān aham

„Und dir ist nicht einmal ein winziger Zorn im Geist entstanden, o Bester der Männer, dir und deiner Gattin; darum bin ich dir wohlgesinnt.“

Wort für Wort
na ca te 'bhūt susūkṣmo 'pi
und dir entstand nicht einmal ein sehr feiner (Aor./Nom.)
manyur manasi pārthiva
Zorn im Geist, o Fürst (Nom./Lok./Vok.)
sabhāryasya naraśreṣṭha
dem mit Gattin, o Bester der Männer (Gen./Vok.)
tena te prītimān aham
deshalb dir wohlgesinnt ich (Instr./Gen./Nom.)

bhojanaṃ ca samānāyya yat tad ādīpitaṃ mayā; krudhyethā yadi mātsaryād iti tan marṣitaṃ ca te

„Und das Mahl, das du herbeigebracht hattest und das ich anzündete: ‚Er würde zürnen, wenn aus Missgunst‘ – auch dies wurde von dir geduldet.“

Wort für Wort
bhojanaṃ ca samānāyya
und das Mahl, nachdem [du es] herbeigebracht hattest (Abs.)
yat tad ādīpitaṃ mayā
was jenes von mir angezündet wurde (Part.Pass./Instr.)
krudhyethā yadi mātsaryād
du würdest zürnen, wenn aus Neid (Opt.Med./Abl.)
iti tan marṣitaṃ ca te
so; und dies wurde von dir ertragen (Part.Pass./Gen.-Instr.)

rathena vāhitaś cāpi śramāt krodhodbhavāya te

Und [du wurdest] mit dem Wagen [von mir] gefahren, damit aus Erschöpfung Zorn in dir entstünde.

Wort für Wort
rathena vāhitaś cāpi
und mit dem Wagen fahren gemacht (Instr./Part.Kaus.)
śramāt krodhodbhavāya te
aus Erschöpfung, damit Zorn entstehe, dir (Abl./Dat./Gen.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers (*0327); Konstruktion elliptisch, Subjekt/Objekt von vāhitaḥ unklar [?].

tato 'haṃ ratham āruhya tvām avocaṃ narādhipa; sabhāryo māṃ vahasveti tac ca tvaṃ kṛtavāṃs tathā

„Dann stieg ich auf den Wagen und sagte zu dir, Herrscher der Menschen: ‚Fahre mich samt deiner Gattin!‘ Und das hast du auch so getan.“

Wort für Wort
tato 'haṃ ratham āruhya
darauf ich, den Wagen bestiegen habend (Abs.)
tvām avocaṃ narādhipa
zu dir sagte ich, Herrscher der Menschen (Aor./Vok.)
sabhāryo māṃ vahasveti
mit Gattin fahre mich, so (Imp.Med.)
tac ca tvaṃ kṛtavāṃs tathā
und das hast du so getan (Part.Perf.)

aviśaṅko narapate prīto 'haṃ cāpi tena te; dhanotsarge 'pi ca kṛte na tvāṃ krodhaḥ pradharṣayat

„Ohne Furcht, o Herr der Menschen, warst du, und auch darüber war ich erfreut; auch als der Reichtum verschenkt wurde, hat der Zorn dich nicht überwältigt.“

Wort für Wort
aviśaṅko narapate
furchtlos, o Menschenherr (Nom./Vok.)
prīto 'haṃ cāpi tena te
und ich war darüber erfreut (Nom./Instr./Gen.)
dhanotsarge 'pi ca kṛte
auch als das Verschenken des Reichtums getan war (Lok.abs.)
na tvāṃ krodhaḥ pradharṣayat
nicht überwältigte dich der Zorn (Akk./Nom./Impf.Kaus.)

tataḥ prītena te rājan punar etat kṛtaṃ tava; sabhāryasya vanaṃ bhūyas tad viddhi manujādhipa

„Dann habe ich dir aus Wohlwollen, o König, dies noch einmal getan: [dies], dass du mit deiner Gattin wieder in den Wald [kamst] – das wisse, Herrscher der Menschen.“

Wort für Wort
tataḥ prītena te rājan
darauf mit Wohlwollen dir, o König (Adv./Instr./Gen.)
punar etat kṛtaṃ tava
wiederum wurde dies getan von dir/an dir (Part.Pass./Gen.)
sabhāryasya vanaṃ bhūyas
des mit Gattin, den Wald weiter/wieder (Gen./Akk./Adv.)
tad viddhi manujādhipa
das wisse, Herrscher der Menschen (Imp./Vok.)

Vers grammatisch verkürzt; wörtliche Bezüge unklar [?].

prītyarthaṃ tava caitan me svargasaṃdarśanaṃ kṛtam; yat te vane 'smin nṛpate dṛṣṭaṃ divyaṃ nidarśanam

„Und zu deiner Freude wurde dir von mir der Blick in den Himmel gewährt; was du in diesem Wald, o Herr der Erde, als göttliches Zeichen gesehen hast.“

Wort für Wort
prītyarthaṃ tava caitan me
zu deiner Freude, und dies von mir (Adv./Gen./Nom.)
svargasaṃdarśanaṃ kṛtam
das Schauen des Himmels wurde bewirkt (Nom./Part.Pass.)
yat te vane 'smin nṛpate
was von dir in diesem Wald, o König (Nom./Lok./Vok.)
dṛṣṭaṃ divyaṃ nidarśanam
gesehen wurde, das göttliche Zeichen (Part.Pass./Nom.)

svargoddeśas tvayā rājan saśarīreṇa pārthiva; muhūrtam anubhūto 'sau sabhāryeṇa nṛpottama

„Der Himmelsbezirk wurde von dir, o König, mit dem Körper, samt deiner Gattin, o bester König, einen Augenblick lang erlebt.“

Wort für Wort
svargoddeśas tvayā rājan
der Himmelsbereich von dir, o König (Nom./Instr./Vok.)
saśarīreṇa pārthiva
mit dem Körper, o Fürst (Instr./Vok.)
muhūrtam anubhūto 'sau
einen Augenblick erlebt, jener (Akk./Part.Pass.)
sabhāryeṇa nṛpottama
mit Gattin, o bester König (Instr./Vok.)

nidarśanārthaṃ tapaso dharmasya ca narādhipa; tatra yāsīt spṛhā rājaṃs tac cāpi viditaṃ mama

„Zum Beweis der Askese und des Dharma, Herrscher der Menschen; und das Verlangen, das du dort hattest, o König, auch das ist mir bekannt.“

Wort für Wort
nidarśanārthaṃ tapaso
zum Beweis der Askese (Akk./Gen.)
dharmasya ca narādhipa
und des Dharma, Herrscher der Menschen (Gen./Vok.)
tatra yāsīt spṛhā rājan
was dort [an] Verlangen war, o König (Rel./Impf./Nom.)
tac cāpi viditaṃ mama
auch das ist mir bekannt (Part.Pass./Gen.)

brāhmaṇyaṃ kāṅkṣase hi tvaṃ tapaś ca pṛthivīpate; avamanya narendratvaṃ devendratvaṃ ca pārthiva

„Denn du begehrst die Brahmanenwürde und die Askese, o Herr der Erde, indem du das Königtum und [sogar] die Herrschaft des Indra gering achtest.“

Wort für Wort
brāhmaṇyaṃ kāṅkṣase hi tvaṃ
denn Brahmanentum begehrst du (Akk./2.Sg.Präs.)
tapaś ca pṛthivīpate
und Askese, o Herr der Erde (Akk./Vok.)
avamanya narendratvaṃ
geringschätzend das Königtum (Abs./Akk.)
devendratvaṃ ca pārthiva
und die Indra-Würde, o Fürst (Akk./Vok.)

evam etad yathāttha tvaṃ brāhmaṇyaṃ tāta durlabham; brāhmaṇye sati carṣitvam ṛṣitve ca tapasvitā

„So ist es, wie du gesagt hast, mein Lieber: Brahmanenstand ist schwer zu erlangen; wenn Brahmanenstand [da ist, ist] auch Ṛṣi-Stand [möglich], und im Ṛṣi-Sein [liegt] Askesekraft.“

Wort für Wort
evam etad yathāttha tvaṃ
so ist dies, wie du sagtest (2.Sg.Perf.)
brāhmaṇyaṃ tāta durlabham
Brahmanentum, mein Lieber, schwer zu erlangen (Nom./Vok./Adj.)
brāhmaṇye sati carṣitvam
wenn Brahmanentum ist, auch Ṛṣi-Stand (Lok.abs./Nom.)
ṛṣitve ca tapasvitā
und im Ṛṣi-Sein Askese-Reichtum (Lok./Nom.)

bhaviṣyaty eṣa te kāmaḥ kuśikāt kauśiko dvijaḥ; tṛtīyaṃ puruṣaṃ prāpya brāhmaṇatvaṃ gamiṣyati

„Dieser dein Wunsch wird sich erfüllen: Aus Kuśika [wird] ein Kauśika, ein Zweimalgeborener [hervorgehen]; nachdem er die dritte Generation erreicht hat, wird [das Geschlecht] zum Brahmanentum gelangen.“

Wort für Wort
bhaviṣyaty eṣa te kāmaḥ
es wird sein dieser dein Wunsch (3.Sg.Fut./Nom.)
kuśikāt kauśiko dvijaḥ
von Kuśika ein Kauśika, Zweimalgeborener (Abl./Nom.)
tṛtīyaṃ puruṣaṃ prāpya
die dritte Generation erreicht habend (Akk./Abs.)
brāhmaṇatvaṃ gamiṣyati
zum Brahmanentum wird gelangen (Akk./3.Sg.Fut.)

vaṃśas te pārthivaśreṣṭha bhṛgūṇām eva tejasā; pautras te bhavitā vipra tapasvī pāvakadyutiḥ

„Dein Geschlecht, bester der Fürsten, [wird] allein durch den Glanz der Bhṛgus [zum Brahmanentum kommen]; dein Enkel, Brahmane, wird ein Asket sein, feuergleich strahlend.“

Wort für Wort
vaṃśas te pārthivaśreṣṭha
dein Geschlecht, Bester der Fürsten (Nom./Gen./Vok.)
bhṛgūṇām eva tejasā
allein durch der Bhṛgus Glanz (Gen.Pl./Instr.)
pautras te bhavitā vipra
dein Enkel wird sein, Brahmane (Nom./Fut./Vok.)
tapasvī pāvakadyutiḥ
asketisch, feuerglänzend (Nom.)

yaḥ sa devamanuṣyāṇāṃ bhayam utpādayiṣyati

„Der wird Götter und Menschen in Furcht versetzen –

Wort für Wort
yaḥ sa devamanuṣyāṇāṃ
der, er, der Götter und Menschen (Rel./Dem./Gen.Pl.)
bhayam utpādayiṣyati
Furcht wird erzeugen (Akk./3.Sg.Fut.Kaus.)

jamadagnau mahābhāga tapasā bhāvitātmani; sa cāpi bhṛguśārdūlas taṃ vedaṃ dhārayiṣyati

[er,] in Jamadagni, o Hochbeglückter, dessen Wesen durch Askese geläutert ist; und dieser Tiger unter den Bhṛgus wird jenen Veda [die Waffenkunde?] bewahren –

Wort für Wort
jamadagnau mahābhāga
in Jamadagni, o Hochbeglückter (Lok./Vok.)
tapasā bhāvitātmani
in dem durch Askese Geläuterten (Instr./Lok.)
sa cāpi bhṛguśārdūlas
und auch er, der Tiger der Bhṛgus (Nom.)
taṃ vedaṃ dhārayiṣyati
jenen Veda wird er bewahren (Akk./3.Sg.Fut.Kaus.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (*0328); Bezug von „taṃ vedam“ (vermutlich die Kriegskunde/Dhanurveda) und Anschluss unklar [?].

trayāṇāṃ caiva lokānāṃ satyam etad bravīmi te

„und dies sage ich dir als Wahrheit über die drei Welten.“

Wort für Wort
trayāṇāṃ caiva lokānāṃ
und der drei Welten (Gen.Pl.)
satyam etad bravīmi te
Wahrheit ist dies, sage ich dir (Akk./1.Sg.Präs./Dat.)

varaṃ gṛhāṇa rājarṣe yas te manasi vartate; tīrthayātrāṃ gamiṣyāmi purā kālo 'tivartate

„Wähle eine Gabe, Königsweiser, was dir im Sinn liegt; ich werde auf Pilgerfahrt zu heiligen Furten gehen, denn die Zeit vergeht.“

Wort für Wort
varaṃ gṛhāṇa rājarṣe
wähle die Gabe, Königsweiser (Imp./Vok.)
yas te manasi vartate
was dir im Geist ist (Rel./Lok.)
tīrthayātrāṃ gamiṣyāmi
zur Wallfahrt werde ich gehen (Akk./1.Sg.Fut.)
purā kālo 'tivartate
denn die Zeit verstreicht (Adv./Nom./3.Sg.Präs.)

purā hier wohl als „schon/eilends“ gedeutet [?].

kuśika uvāca; eṣa eva varo me 'dya yat tvaṃ prīto mahāmune; bhavatv etad yathāttha tvaṃ tapaḥ pautre mamānagha; brāhmaṇyaṃ me kulasyāstu bhagavann eṣa me varaḥ

Kuśika sprach: „Eben dies ist heute meine Gabe, o großer Muni, dass du erfreut bist; es möge geschehen, wie du sagtest, Makelloser: Askese [soll] meinem Enkel [sein], und Brahmanentum sei meinem Geschlecht, Erhabener – dies ist meine Gabe.“

Wort für Wort
kuśika uvāca
Kuśika sprach
eṣa eva varo me 'dya
eben dies ist meine Gabe heute (Nom./Gen./Adv.)
yat tvaṃ prīto mahāmune
dass du erfreut bist, großer Muni (Konj./Nom./Vok.)
bhavatv etad yathāttha tvaṃ
es geschehe dies, wie du sagtest (Imp./2.Sg.Perf.)
tapaḥ pautre mamānagha
Askese im Enkel von mir, Makelloser (Nom./Lok./Vok.)
brāhmaṇyaṃ me kulasyāstu
Brahmanentum sei meines Geschlechts (Nom./Gen./Imp.)
bhagavann eṣa me varaḥ
Erhabener, dies ist meine Gabe (Vok./Nom.)

punaś cākhyātum icchāmi bhagavan vistareṇa vai; katham eṣyati vipratvaṃ kulaṃ me bhṛgunandana; kaś cāsau bhavitā bandhur mama kaś cāpi saṃmataḥ

„Und ich möchte noch einmal ausführlich erfahren, Erhabener: Wie wird mein Geschlecht zum Brahmanentum kommen, Freude der Bhṛgus? Und wer wird der Verwandte sein, und wer wird [mir] lieb und wert?“

Wort für Wort
punaś cākhyātum icchāmi
und wieder zu erzählen/zu hören wünsche ich (Inf.)
bhagavan vistareṇa vai
Erhabener, ausführlich (Vok./Instr.)
katham eṣyati vipratvaṃ
wie wird kommen zum Brahmanentum (Fut.)
kulaṃ me bhṛgunandana
mein Geschlecht, Freude der Bhṛgus (Nom./Vok.)
kaś cāsau bhavitā bandhur
und wer wird jener Verwandte sein (Fut.)
mama kaś cāpi saṃmataḥ
mir, und wer auch geschätzt (Gen./Part.Pass.)

Die Deutung „wer ist ‚jener Verwandte‘“ und Bezug von saṃmataḥ ist unsicher [?].

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