Kapitel 139: kaśyapotathyayoḥ brāhmaṇamahimā
Vāyu preist Kaśyapa und Utathya als jedem Kṣatriya überlegen
Vāyu erzählt dem König zwei Geschichten zum Vorrang der Brahmanen: wie Kaśyapa zur Erde wird, und wie Utathya seine von Varuṇa geraubte Gattin Bhadrā zurückgewinnt.
„Nachdem dieser vortreffliche König mich erlangt hat, die Trägerin aller Wesen – wie will er mich den Zweimalgeborenen schenken, die Tochter Brahmans?“
Wort für Wort
dhāraṇīṃ sarvabhūtānām
die Trägerin aller Wesen (Akk.Sg.f.; Gen.Pl.)
ayaṃ prāpya varaḥ nṛpaḥ
dieser, erlangt habend, vortreffliche König (Nom.; Gerundium)
katham icchati mām dātum
wie will er mich geben (3.Sg.Präs.; Infinitiv)
dvijebhyaḥ brahmaṇaḥ sutām
den Zweimalgeborenen, Brahmans Tochter (Dat.Pl.; Gen.; Akk.Sg.)
„Ich aber werde ihn verlassen und gehen, mein Erdsein aufgebend, zu Brahmans Stätte; dieser König soll samt seinem Reich nicht [mehr] sein.“ So ging sie davon.
Wort für Wort
sā aham tyaktvā gamiṣyāmi
ich da, verlassend, werde gehen (Nom.; Gerundium; 1.Sg.Fut.)
bhūmitvaṃ brahmaṇaḥ padam
das Erdsein [aufgebend] zu Brahmans Stätte (Akk.; Gen.; Akk.)
ayaṃ sarāṣṭraḥ nṛpatiḥ mā bhūt
dieser König samt Reich soll nicht sein (Nom.; Injunktiv Aor. mit mā)
Für Utathya hatte sie, die Schönglieder, ein höchstes Gelübde auf sich genommen.
Wort für Wort
utathyārthe tu
um Utathyas willen aber (Lok. Komp.; Part.)
cārvaṅgī
die Schöngliedrige (Nom.f.)
param niyamam
ein höchstes Gelübde (Akk.)
āsthitā
auf sich genommen habend (Part.Pass.Nom.f.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften).
jaleśvaras tu hṛtvā tām anayat svapuraṃ prati; paramādbhutasaṃkāśaṃ ṣaṭsahasraśatahradam
Der Herr der Wasser aber führte sie, nachdem er sie geraubt hatte, in seine Stadt, die von höchst wunderbarem Aussehen war und sechshunderttausend Seen hatte.
Wort für Wort
jaleśvaraḥ tu hṛtvā tām
der Herr der Wasser aber, geraubt habend sie (Nom.; Part.; Gerundium; Akk.)
anayat svapuraṃ prati
führte in seine Stadt hin (3.Sg.Impf.; Akk.; Postp.)
paramādbhutasaṃkāśam
von höchst wunderbarem Aussehen (Akk.n.)
ṣaṭsahasraśatahradam
mit sechs mal tausend mal hundert Seen (Akk.n. Komp.)
na hi ramyataraṃ kiṃ cit tasmād anyat purottamam; prāsādair apsarobhiś ca divyaiḥ kāmaiś ca śobhitam; tatra devas tayā sārdhaṃ reme rājañ jaleśvaraḥ
Denn nichts Reizenderes gibt es als jene vorzüglichste Stadt, geschmückt mit Palästen, mit Apsaras und mit göttlichen Genüssen; dort ergötzte sich der Gott, der Herr der Wasser, mit ihr, o König.
Wort für Wort
na hi ramyataram kiṃ cit
denn nichts Reizenderes (Part.; Part.; Komparativ Nom.n.; Pron.)
tasmāt anyat purottamam
als jene andere vorzüglichste Stadt (Abl.; Nom.n.; Nom.n.)
prāsādaiḥ apsarobhiḥ ca
mit Palästen und Apsaras (Instr.Pl.; Instr.Pl.)
divyaiḥ kāmaiḥ ca śobhitam
und mit göttlichen Genüssen geschmückt (Instr.Pl.; Part.Pass.Nom.n.)
tatra devaḥ tayā sārdham
dort der Gott mit ihr zusammen (Adv.; Nom.; Instr.; Adv.)
reme rājan jaleśvaraḥ
ergötzte sich, o König, der Herr der Wasser (3.Sg.Perf.; Vok.; Nom.)
Als Utathya dies alles von Nārada gehört hatte, sprach er da zu Nārada: „Geh, sage dem Varuṇa ein hartes Wort: Auf mein Wort hin lass meine Frau frei – oder warum hast du sie geraubt?“
Wort für Wort
tat śrutvā nāradāt sarvam
dies gehört habend von Nārada, alles (Akk.; Gerundium; Abl.; Akk.)
utathyaḥ nāradaṃ tadā provāca
Utathya sprach damals zu Nārada (Nom.; Akk.; Adv.; 3.Sg.Perf.)
gaccha brūhi tvaṃ varuṇam
geh, sage du dem Varuṇa (2.Sg.Imp.; 2.Sg.Imp.; Nom.; Akk.)
paruṣaṃ vacaḥ
ein hartes Wort (Akk.n.)
madvākyāt muñca me bhāryām
auf mein Wort lass frei meine Frau (Abl.; 2.Sg.Imp.; Gen.; Akk.)
kasmāt vā hṛtavān asi
oder warum hast du geraubt (Abl.-Interrogativ; Part.; Part.Perf.+2.Sg.)
„Warum hast du getötet [?]“ – als er diese seine Worte gehört hatte,
Wort für Wort
kasmāt tvam
warum du (Abl.-Interrogativ; Nom.)
hatavān asi
hast getötet [?] (Part.Perf.Akt. + 2.Sg.Präs.)
iti śrutvā
so gehört habend (Adv.; Gerundium)
vacaḥ tasya
das Wort jenes (Akk.; Gen.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Text bruchstückhaft, der Satz setzt sich in der folgenden Einheit fort. „hatavān“ (getötet/geschlagen) nicht sicher passend.
„[Dieses Wasser/dieser Ort] wird rasch unberührbar und untrinkbar werden.“
Wort für Wort
aspṛśyaḥ apānayogyaḥ ca
unberührbar und zum Trinken ungeeignet (Nom.m.; Nom.m.; Part.)
kṣipram eva
ganz rasch (Adv.; Part.)
bhaviṣyati
wird sein (3.Sg.Fut.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; das Subjekt ist im Vers nicht ausgedrückt, „[Wasser/Ort]“ ist ergänzt und unsicher.
„Du bist befreit durch den Rest deiner Lebenszeit; fürchte dich nicht, geh, Herr der Wasser; missachte [mich] nicht wieder aus Verblendung, [damit] sie dich nicht zu Yamas Wohnstatt führen.“
Wort für Wort
muktaḥ tvam āyuḥśeṣeṇa
befreit du durch den Lebensrest (Part.Pass.; Nom.; Instr.)
mā bhaiḥ gaccha jaleśvara
fürchte dich nicht, geh, Herr der Wasser (Prohibitiv 2.Sg.; 2.Sg.Imp.; Vok.)
mā avamaṃsthāḥ punaḥ mohāt
missachte nicht wieder aus Verblendung (Prohibitiv 2.Sg.Aor.; Adv.; Abl.)
mā tvām ninyuḥ yamakṣayam
nicht sollen sie dich führen zu Yamas Wohnstatt (Prohibitiv 3.Pl.Perf.; Akk.; Akk.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe.