Kapitel 23: pātraparīkṣā
Wer ist ein würdiger Empfänger von Gaben? Kennzeichen des Dharma und gute Brahmanen
Yudhiṣṭhira fragt nach dem würdigen Empfänger von Gaben; Bhīṣma verweist auf Glauben, Sitte und Wahrhaftigkeit und beschreibt die Merkmale guter Brahmanen. Einige Verse (u. a. 18-19, 24) sind textlich schwierig.
Yudhiṣṭhira sprach: „Was nennen die Brahmanen, Bester der Bharata, einen ewigen [würdigen] Empfänger: den Brahmanen mit [Standes-]Kennzeichen oder den Brahmanen ohne Kennzeichen?“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
kim āhur bharataśreṣṭha
was nennen sie, Bester der Bharata (3.Pl.Perf./Vok.)
pātraṃ viprāḥ sanātanam
einen Empfänger, die Brahmanen, ewig (Akk.Sg./Nom.Pl./Akk.Sg.)
Bhīṣma sprach: „Einem, der seiner eigenen Lebensweise nachgeht, sei er Kennzeichenträger oder anders, soll man geben, sagt man, großer König; beide sind Asketen.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
svavṛttim abhipannāya
dem, der seiner eigenen Lebensweise nachgeht (Dat.Sg.Part.Perf.Pass.)
liṅgine vetarāya vā
dem Kennzeichenträger oder dem anderen (Dat.Sg.)
deyam āhur mahārāja
zu geben, sagen sie, großer König (Gerundiv/3.Pl.Perf./Vok.)
Yudhiṣṭhira sprach: „Wer, durch höchsten Glauben geläutert, einem Zweimalgeborenen Götteropferspeise, Ahnenopferspeise und [sonstige] Gabe darbringt: welcher Fehler könnte da sein, Großvater?“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
śraddhayā parayā pūto
durch höchsten Glauben geläutert (Instr.Sg./Nom.Sg.Part.)
yaḥ prayacched dvijātaye
wer darbringen möge dem Zweimalgeborenen (Opt.3.Sg./Dat.Sg.)
havyaṃ kavyaṃ tathā dānam
Götteropfergabe, Ahnenopfergabe und Gabe (Akk.Sg.)
bhīṣmaḥ; brāhmaṇāḥ pātrabhūtāś ca śuddhā naivaṃ pitṛṣv iha
Bhīṣma [sprach]: „Brahmanen, die Empfänger sind, sind rein; nicht so hier bei den Ahnen.“
Wort für Wort
bhīṣmaḥ
Bhīṣma [sprach] (Nom.Sg.)
brāhmaṇāḥ pātrabhūtāś ca
und Brahmanen, die Empfänger geworden sind (Nom.Pl.)
śuddhā
rein (Nom.Pl.)
naivaṃ pitṛṣv iha
nicht so bei den Ahnen hier (Lok.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile, Sinn unsicher; der Zusammenhang mit dem Ahnenopfer (kavya) ist unklar.
Bhīṣma sprach: „Ein Mensch, durch Glauben geläutert, mein Lieber, ist ohne Zweifel überall rein, auch wenn er schwer zu bändigen ist; wie viel mehr erst du, Herr der Erde.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
śraddhāpūto naras tāta
der durch Glauben geläuterte Mensch, mein Lieber (Nom.Sg./Vok.)
durdānto 'pi na saṃśayaḥ
auch wenn schwer bezähmbar, kein Zweifel (Nom.Sg.)
yudhiṣṭhira uvāca; na brāhmaṇaṃ parīkṣeta daiveṣu satataṃ naraḥ; kavyapradāne tu budhāḥ parīkṣyaṃ brāhmaṇaṃ viduḥ
Yudhiṣṭhira sprach: „Bei den Götteropfern soll der Mensch einen Brahmanen nicht [ständig] prüfen; bei der Darbringung des Ahnenopfers aber, so wissen die Weisen, ist der Brahmane zu prüfen.“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
na brāhmaṇaṃ parīkṣeta
man soll den Brahmanen nicht prüfen (Opt.Med.3.Sg.)
daiveṣu satataṃ naraḥ
bei den Götteropfern stets der Mensch (Lok.Pl./Nom.Sg.)
kavyapradāne tu
bei der Darbringung des Ahnenopfers aber (Lok.Sg.)
budhāḥ parīkṣyaṃ brāhmaṇaṃ viduḥ
die Weisen kennen den Brahmanen als zu prüfen (Nom.Pl./Gerundiv/3.Pl.Perf.)
Die Rede ist in der Ausgabe Yudhiṣṭhira zugeschrieben; inhaltlich klingt sie wie eine Bhīṣma-Aussage.
bhīṣma uvāca; na brāhmaṇaḥ sādhayate havyaṃ daivāt prasidhyati; devaprasādād ijyante yajamānā na saṃśayaḥ
Bhīṣma sprach: „Nicht der Brahmane bewirkt die Opfergabe; sie gelingt durch das Göttliche. Durch die Gnade der Götter werden von den Opferherren die Opfer dargebracht, ohne Zweifel.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
na brāhmaṇaḥ sādhayate havyam
nicht der Brahmane bewirkt die Opfergabe (3.Sg.Präs.Med.)
daivāt prasidhyati
durch das Göttliche gelingt sie (Abl./3.Sg.Präs.)
devaprasādād ijyante
durch die Gnade der Götter werden Opfer dargebracht (Abl./3.Pl.Pass.)
Die Brahmanen, Bester der Bharata, sind stets Vertreter der Brahman-Lehre; Mārkaṇḍeya, der Verständige, hat einst hier in den Welten darüber gesprochen.
Wort für Wort
brāhmaṇā bharataśreṣṭha
die Brahmanen, Bester der Bharata (Nom.Pl./Vok.)
satataṃ brahmavādinaḥ
stets Vertreter der Brahman-Rede (Adv./Nom.Pl.)
mārkaṇḍeyaḥ purā prāha
Mārkaṇḍeya sprach einst (Nom.Sg./Adv./3.Sg.Perf.)
iha lokeṣu buddhimān
hier in den Welten, der Verständige (Lok.Pl./Nom.Sg.)
yudhiṣṭhira uvāca; apūrvo 'py atha vā vidvān saṃbandhī vātha yo bhavet; tapasvī yajñaśīlo vā kathaṃ pātraṃ bhavet tu saḥ
Yudhiṣṭhira sprach: „Sei er ein bislang Unbekannter oder ein Gelehrter, ein Verwandter, ein Asket oder einer, der dem Opfer ergeben ist: wie wird er ein [würdiger] Empfänger?“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
apūrvo 'py atha vā vidvān
auch ein Unbekannter oder ein Gelehrter (Nom.Sg.)
saṃbandhī vātha yo bhavet
oder ein Verwandter, wer immer es sei (Nom.Sg./Opt.3.Sg.)
tapasvī yajñaśīlo vā
ein Asket oder dem Opfer Ergebener (Nom.Sg.)
kathaṃ pātraṃ bhavet tu saḥ
wie wird er Empfänger (Opt.3.Sg.)
apūrva hier als „vorher nicht [bekannt]“ gedeutet [?].
bhīṣma uvāca; kulīnaḥ karmakṛd vaidyas tathā cāpy ānṛśaṃsyavān; hrīmān ṛjuḥ satyavādī pātraṃ pūrve ca te trayaḥ
Bhīṣma sprach: „Ein Edelgeborener, ein Werktätiger, ein Kundiger, ferner einer voll Schonung, bescheiden, aufrichtig, wahrhaftig: ein [würdiger] Empfänger; und jene früheren drei [?].“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
kulīnaḥ karmakṛd vaidyas
ein Edelgeborener, ein Werktätiger, ein Kundiger (Nom.Sg.)
tathā cāpy ānṛśaṃsyavān
und ferner einer voll Schonung (Nom.Sg.)
hrīmān ṛjuḥ satyavādī
bescheiden, aufrichtig, wahrhaftig (Nom.Sg.)
pātraṃ pūrve ca te trayaḥ
Empfänger; und jene früheren drei (Nom./Nom.Pl.)
Die Schlusswendung „pūrve ca te trayaḥ“ ist unsicher.
Die Erde sprach: „Wie ein in den großen Ozean geworfener Erdklumpen rasch vergeht, so vergeht alles Fehlverhalten durch die Wiederholung des Dreifachen [Veda].“
Wort für Wort
pṛthivy uvāca
die Erde sprach (Perf.)
yathā mahārṇave kṣiptaḥ
wie in den großen Ozean geworfen (Lok.Sg./Part.)
kṣipraṃ loṣṭo vinaśyati
rasch vergeht der Erdklumpen (Nom.Sg./3.Sg.Präs.)
tathā duścaritaṃ sarvam
so alles Fehlverhalten (Nom.Sg.)
trayy āvṛttyā vinaśyati
durch die Wiederholung des Dreifachen vergeht es (Instr.Sg./3.Sg.Präs.)
kāśyapa uvāca; sarve ca vedāḥ saha ṣaḍbhir aṅgaiḥ; sāṃkhyaṃ purāṇaṃ ca kule ca janma; naitāni sarvāṇi gatir bhavanti; śīlavyapetasya narasya rājan
Kāśyapa sprach: „Alle Veden samt den sechs Hilfswissenschaften, Sāṃkhya und Purāṇa und Geburt in [edler] Familie: dies alles wird nicht zur Zuflucht für einen Menschen, König, dem die gute Sitte fehlt.“
Wort für Wort
kāśyapa uvāca
Kāśyapa sprach (Perf.)
sarve ca vedāḥ saha ṣaḍbhir aṅgaiḥ
und alle Veden samt den sechs Gliedern (Nom.Pl./Instr.Pl.)
sāṃkhyaṃ purāṇaṃ ca kule ca janma
Sāṃkhya und Purāṇa und Geburt in der Familie (Nom.Sg./Lok.Sg.)
naitāni sarvāṇi gatir bhavanti
dies alles wird nicht Zuflucht (Nom.Pl.n./3.Pl.Präs.)
śīlavyapetasya narasya rājan
für einen der guten Sitte entbehrenden Menschen, König (Gen.Sg./Vok.)
agnir uvāca; adhīyānaḥ paṇḍitaṃ manyamāno; yo vidyayā hanti yaśaḥ pareṣām; brahman sa tenācarate brahmahatyāṃ; lokās tasya hy antavanto bhavanti
Agni sprach: „Wer, [nur] studierend und sich für gelehrt haltend, durch sein Wissen den Ruhm anderer zerstört, Brahmane, der begeht dadurch Brahmanenmord; seine Welten werden vergänglich.“
Wort für Wort
agnir uvāca
Agni sprach (Perf.)
adhīyānaḥ paṇḍitaṃ manyamāno
studierend, sich für gelehrt haltend (Nom.Sg.Part.Med.)
yo vidyayā hanti yaśaḥ pareṣām
wer durch Wissen den Ruhm anderer zerstört (Instr.Sg./3.Sg.Präs./Gen.Pl.)
brahman sa tenācarate brahmahatyām
Brahmane, der begeht dadurch Brahmanenmord (Vok./3.Sg.Präs.Med.)
lokās tasya hy antavanto bhavanti
denn seine Welten werden vergänglich (Nom.Pl./3.Pl.Präs.)
mārkaṇḍeya uvāca; aśvamedhasahasraṃ ca satyaṃ ca tulayā dhṛtam; nābhijānāmi yady asya satyasyārdham avāpnuyāt
Mārkaṇḍeya sprach: „Tausend Pferdeopfer und die Wahrheit wurden auf die Waage gelegt; ich weiß nicht, ob jene auch nur die Hälfte dieser Wahrheit erreichen würden.“
Wort für Wort
mārkaṇḍeya uvāca
Mārkaṇḍeya sprach (Perf.)
aśvamedhasahasraṃ ca satyaṃ ca
tausend Pferdeopfer und die Wahrheit (Nom.Sg.)
tulayā dhṛtam
auf die Waage gelegt (Instr.Sg./Part.Pass.)
nābhijānāmi yady asya
ich weiß nicht, ob von dieser (1.Sg.Präs./Gen.Sg.)
satyasyārdham avāpnuyāt
die Hälfte der Wahrheit erreichen würde (Gen.Sg./Opt.3.Sg.)
yudhiṣṭhira uvāca; yad idaṃ brāhmaṇā loke vratino bhuñjate haviḥ; bhuktaṃ brāhmaṇakāmāya kathaṃ tat sukṛtaṃ bhavet
Yudhiṣṭhira sprach: „Dass die Brahmanen in der Welt, an Gelübde gebunden, die Opferspeise essen: wie kann dies, das um eines Brahmanen willen gegessen wird, ein gutes Werk sein?“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
yad idaṃ brāhmaṇā loke
dass diese Brahmanen in der Welt (Nom.Pl./Lok.Sg.)
vratino bhuñjate haviḥ
an Gelübde Gebundene die Opferspeise essen (Nom.Pl./3.Pl.Präs.Med.)
bhuktaṃ brāhmaṇakāmāya
das Gegessene für den Wunsch nach einem Brahmanen [?] (Part.Pass./Dat.Sg.)
kathaṃ tat sukṛtaṃ bhavet
wie kann dies ein gutes Werk sein (Opt.3.Sg.)
„brāhmaṇakāmāya“ ist unsicher (Wunsch eines Brahmanen / Wunsch, Brahmanen zu speisen).
bhīṣma uvāca; ādiṣṭino ye rājendra brāhmaṇā vedapāragāḥ; bhuñjate brahmakāmāya vrataluptā bhavanti te
Bhīṣma sprach: „Brahmanen, König der Könige, die Veda-Kundigen, die auf Anweisung [?] aus Verlangen nach Brahman [?] essen, die werden gelübdebrüchig.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
ādiṣṭino ye rājendra
die auf Anweisung Handelnden [?], König der Könige (Nom.Pl./Vok.)
brāhmaṇā vedapāragāḥ
Brahmanen, Veda-Kundige (Nom.Pl.)
bhuñjate brahmakāmāya
essen aus Verlangen nach Brahman [?] (3.Pl.Präs.Med./Dat.Sg.)
vrataluptā bhavanti te
gelübdebrüchig werden sie (Nom.Pl./3.Pl.Präs.)
Verse 18 und 19 sind schwierig; „ādiṣṭin“ und „brahmakāma“ unsicher.
Bhīṣma sprach: „Nichtverletzen, Wahrheit, Zornlosigkeit, Schonung, ebenso Selbstbeherrschung und Aufrichtigkeit, König der Könige: das ist das feststehende Kennzeichen des Dharma.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
ahiṃsā satyam akrodha
Nichtverletzen, Wahrheit, Zornlosigkeit (Nom.Sg.)
ānṛśaṃsyaṃ damas tathā
Schonung, Selbstbeherrschung ebenso (Nom.Sg.)
ārjavaṃ caiva rājendra
und Aufrichtigkeit, König der Könige (Nom.Sg./Vok.)
yudhiṣṭhira uvāca; kiṃ paraṃ brahmacaryasya kiṃ paraṃ dharmalakṣaṇam; kiṃ ca śreṣṭhatamaṃ śaucaṃ tan me brūhi pitāmaha
Yudhiṣṭhira sprach: „Was ist das Höchste der Keuschheit, was das Höchste als Kennzeichen des Dharma, und was die vorzüglichste Reinheit? Das sage mir, Großvater.“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
kiṃ paraṃ brahmacaryasya
was ist das Höchste der Keuschheit (Nom.Sg./Gen.Sg.)
kiṃ paraṃ dharmalakṣaṇam
was das Höchste als Kennzeichen des Dharma (Nom.Sg.)
Bhīṣma sprach: „Keuschheit ist das Höchste, mein Lieber: das Meiden von Honig und Fleisch. Das Feststehen in der Grenze ist Dharma; Befriedung ist das Kennzeichen der Reinheit.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
brahmacaryaṃ paraṃ tāta
Keuschheit ist das Höchste, mein Lieber (Nom.Sg./Vok.)
madhumāṃsasya varjanam
das Meiden von Honig und Fleisch (Gen.Sg./Nom.Sg.)
maryādāyāṃ sthito dharmaḥ
das Stehen in der Grenze [der Regel] ist Dharma (Lok.Sg./Part.)
śamaḥ śaucasya lakṣaṇam
Befriedung ist das Kennzeichen der Reinheit (Nom.Sg./Gen.Sg.)
yudhiṣṭhira uvāca; kasmin kāle cared dharmaṃ kasmin kāle 'rtham ācaret; kasmin kāle sukhī ca syāt tan me brūhi pitāmaha
Yudhiṣṭhira sprach: „Zu welcher Zeit soll man das Dharma üben, zu welcher Zeit den Nutzen erwerben, zu welcher Zeit glücklich sein? Das sage mir, Großvater.“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
kasmin kāle cared dharmam
zu welcher Zeit soll man das Dharma üben (Lok.Sg./Opt.3.Sg.)
bhīṣma uvāca; kālyam arthaṃ niṣeveta tato dharmam anantaram; paścāt kāmaṃ niṣeveta na ca gacchet prasaṅgitām
Bhīṣma sprach: „Am Morgen soll man dem Nutzen nachgehen, danach unmittelbar dem Dharma, zuletzt der Lust; und man soll nicht in Sucht danach verfallen.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
kālyam arthaṃ niṣeveta
am Morgen soll man dem Nutzen nachgehen (Adv./Akk.Sg./Opt.Med.3.Sg.)
tato dharmam anantaram
danach das Dharma unmittelbar (Adv./Akk.Sg.)
paścāt kāmaṃ niṣeveta
zuletzt die Lust pflegen (Adv./Akk.Sg.)
na ca gacchet prasaṅgitām
und nicht verfallen in Anhänglichkeit (Opt.3.Sg./Akk.Sg.)
Bhīṣma sprach: „Zornlose, dem Dharma Ergebene, stets der Wahrheit Verpflichtete, an Selbstbeherrschung Erfreute: solche sind gute Brahmanen; ihnen Gegebenes bringt großen Lohn.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
akrodhanā dharmaparāḥ
zornlos, dem Dharma ergeben (Nom.Pl.)
satyanityā dame ratāḥ
stets der Wahrheit verpflichtet, an Selbstbeherrschung erfreut (Nom.Pl./Lok.Sg.)
tādṛśāḥ sādhavo viprās
solche sind die guten Brahmanen (Nom.Pl.)
tebhyo dattaṃ mahāphalam
ihnen Gegebenes bringt großen Lohn (Dat.Pl./Nom.Sg.)
sāṅgāṃś ca caturo vedān yo 'dhīyīta dvijarṣabhaḥ; ṣaḍbhyo nivṛttaḥ karmabhyas taṃ pātram ṛṣayo viduḥ
Der Zweimalgeborenen-Stier, der die vier Veden samt den Gliedern studiert und von den sechs Tätigkeiten [?] abgelassen hat, den kennen die Seher als [würdigen] Empfänger.
Wort für Wort
sāṅgāṃś ca caturo vedān
und die vier Veden samt Gliedern (Akk.Pl.)
yo 'dhīyīta dvijarṣabhaḥ
wer studiert, der Stier unter den Zweimalgeborenen (Opt.Med.3.Sg./Nom.Sg.)
ṣaḍbhyo nivṛttaḥ karmabhyas
von den sechs Tätigkeiten abgelassen (Abl.Pl./Part.)
taṃ pātram ṛṣayo viduḥ
ihn als Empfänger kennen die Seher (Akk.Sg./Nom.Pl./3.Pl.Perf.)
ye tv evaṃguṇajātīyās tebhyo dattaṃ mahāphalam; sahasraguṇam āpnoti guṇārhāya pradāyakaḥ
Die aber von solcher Eigenschaft und Herkunft sind, ihnen Gegebenes bringt großen Lohn; tausendfachen [Lohn] erlangt der Geber, der einem der Vorzüge Würdigen gibt.
Wort für Wort
ye tv evaṃguṇajātīyās
die aber von solcher Eigenschaft und Art (Nom.Pl.)
tebhyo dattaṃ mahāphalam
ihnen Gegebenes bringt großen Lohn (Dat.Pl./Nom.Sg.)
sahasraguṇam āpnoti
tausendfach erlangt er (Akk.Sg./3.Sg.Präs.)
guṇārhāya pradāyakaḥ
der Geber dem der Vorzüge Würdigen (Dat.Sg./Nom.Sg.)
Wer mit Einsicht und Gelehrsamkeit, Wandel und Sitte ausgestattet ist, kann als ein einziger Zweimalgeborenen-Stier hier die ganze Familie hinüberführen.
Wort für Wort
prajñāśrutābhyāṃ vṛttena
mit Einsicht und Gelehrsamkeit, mit Wandel (Instr.Du./Instr.Sg.)
śīlena ca samanvitaḥ
und mit Sitte ausgestattet (Instr.Sg./Part.)
tārayeta kulaṃ kṛtsnam
er kann hinüberführen die ganze Familie (Opt.3.Sg./Akk.Sg.)
eko 'pīha dvijarṣabhaḥ
schon ein einziger Zweimalgeborenen-Stier hier (Nom.Sg.)
tārayeta kulaṃ kṛtsnam eko 'pīha dvijottamaḥ; kim aṅga punar ekaṃ vai tasmāt pātraṃ samācaret
Ein einziger Bester der Zweimalgeborenen kann hier die ganze Familie hinüberführen; wie viel mehr erst [mehrere] [?]. Darum soll man einen [würdigen] Empfänger aufsuchen.
Wort für Wort
tārayeta kulaṃ kṛtsnam
er kann hinüberführen die ganze Familie (Opt.3.Sg./Akk.Sg.)
eko 'pīha dvijottamaḥ
schon ein einziger Bester der Zweimalgeborenen hier (Nom.Sg.)
kim aṅga punar ekaṃ vai
wie viel mehr erst [mehrere], einen [?] (Interj./Akk.Sg.)
tasmāt pātraṃ samācaret
darum soll man einen Empfänger aufsuchen (Abl./Akk.Sg./Opt.3.Sg.)
„kim aṅga punar ekaṃ vai“ ist im Text schwierig und vermutlich verderbt.
niśamya ca guṇopetaṃ brāhmaṇaṃ sādhusaṃmatam; dūrād ānāyayet kṛtye sarvataś cābhipūjayet
Hat man einen tugendbegabten, von den Guten anerkannten Brahmanen bemerkt, soll man ihn aus der Ferne zum Ritus herbeiholen lassen und ihn von allen Seiten ehren.
Wort für Wort
niśamya ca guṇopetam
und [ihn] bemerkt habend, tugendbegabt (Abs./Akk.Sg.)
brāhmaṇaṃ sādhusaṃmatam
den Brahmanen, von den Guten anerkannt (Akk.Sg.)
dūrād ānāyayet kṛtye
aus der Ferne soll man herbeiholen lassen zum Ritus (Abl./Opt.3.Sg.Kaus./Lok.Sg.)