Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Anuśāsanaparva

Kapitel 23: pātraparīkṣā Wer ist ein würdiger Empfänger von Gaben? Kennzeichen des Dharma und gute Brahmanen

Yudhiṣṭhira fragt nach dem würdigen Empfänger von Gaben; Bhīṣma verweist auf Glauben, Sitte und Wahrhaftigkeit und beschreibt die Merkmale guter Brahmanen. Einige Verse (u. a. 18-19, 24) sind textlich schwierig.

yudhiṣṭhira uvāca; kim āhur bharataśreṣṭha pātraṃ viprāḥ sanātanam; brāhmaṇaṃ liṅginaṃ caiva brāhmaṇaṃ vāpy aliṅginam

Yudhiṣṭhira sprach: „Was nennen die Brahmanen, Bester der Bharata, einen ewigen [würdigen] Empfänger: den Brahmanen mit [Standes-]Kennzeichen oder den Brahmanen ohne Kennzeichen?“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
kim āhur bharataśreṣṭha
was nennen sie, Bester der Bharata (3.Pl.Perf./Vok.)
pātraṃ viprāḥ sanātanam
einen Empfänger, die Brahmanen, ewig (Akk.Sg./Nom.Pl./Akk.Sg.)
brāhmaṇaṃ liṅginaṃ caiva
den Brahmanen mit Kennzeichen (Akk.Sg.)
brāhmaṇaṃ vāpy aliṅginam
oder den Brahmanen ohne Kennzeichen (Akk.Sg.)

bhīṣma uvāca; svavṛttim abhipannāya liṅgine vetarāya vā; deyam āhur mahārāja ubhāv etau tapasvinau

Bhīṣma sprach: „Einem, der seiner eigenen Lebensweise nachgeht, sei er Kennzeichenträger oder anders, soll man geben, sagt man, großer König; beide sind Asketen.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
svavṛttim abhipannāya
dem, der seiner eigenen Lebensweise nachgeht (Dat.Sg.Part.Perf.Pass.)
liṅgine vetarāya vā
dem Kennzeichenträger oder dem anderen (Dat.Sg.)
deyam āhur mahārāja
zu geben, sagen sie, großer König (Gerundiv/3.Pl.Perf./Vok.)
ubhāv etau tapasvinau
diese beiden Asketen (Nom.Du.)

yudhiṣṭhira uvāca; śraddhayā parayā pūto yaḥ prayacched dvijātaye; havyaṃ kavyaṃ tathā dānaṃ ko doṣaḥ syāt pitāmaha

Yudhiṣṭhira sprach: „Wer, durch höchsten Glauben geläutert, einem Zweimalgeborenen Götteropferspeise, Ahnenopferspeise und [sonstige] Gabe darbringt: welcher Fehler könnte da sein, Großvater?“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
śraddhayā parayā pūto
durch höchsten Glauben geläutert (Instr.Sg./Nom.Sg.Part.)
yaḥ prayacched dvijātaye
wer darbringen möge dem Zweimalgeborenen (Opt.3.Sg./Dat.Sg.)
havyaṃ kavyaṃ tathā dānam
Götteropfergabe, Ahnenopfergabe und Gabe (Akk.Sg.)
ko doṣaḥ syāt pitāmaha
welcher Fehler wäre, Großvater (Opt.3.Sg./Vok.)

bhīṣmaḥ; brāhmaṇāḥ pātrabhūtāś ca śuddhā naivaṃ pitṛṣv iha

Bhīṣma [sprach]: „Brahmanen, die Empfänger sind, sind rein; nicht so hier bei den Ahnen.“

Wort für Wort
bhīṣmaḥ
Bhīṣma [sprach] (Nom.Sg.)
brāhmaṇāḥ pātrabhūtāś ca
und Brahmanen, die Empfänger geworden sind (Nom.Pl.)
śuddhā
rein (Nom.Pl.)
naivaṃ pitṛṣv iha
nicht so bei den Ahnen hier (Lok.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile, Sinn unsicher; der Zusammenhang mit dem Ahnenopfer (kavya) ist unklar.

bhīṣma uvāca; śraddhāpūto naras tāta durdānto 'pi na saṃśayaḥ; pūto bhavati sarvatra kiṃ punas tvaṃ mahīpate

Bhīṣma sprach: „Ein Mensch, durch Glauben geläutert, mein Lieber, ist ohne Zweifel überall rein, auch wenn er schwer zu bändigen ist; wie viel mehr erst du, Herr der Erde.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
śraddhāpūto naras tāta
der durch Glauben geläuterte Mensch, mein Lieber (Nom.Sg./Vok.)
durdānto 'pi na saṃśayaḥ
auch wenn schwer bezähmbar, kein Zweifel (Nom.Sg.)
pūto bhavati sarvatra
wird geläutert überall (3.Sg.Präs.)
kiṃ punas tvaṃ mahīpate
wie viel mehr du, Herr der Erde (Nom./Vok.)

yudhiṣṭhira uvāca; na brāhmaṇaṃ parīkṣeta daiveṣu satataṃ naraḥ; kavyapradāne tu budhāḥ parīkṣyaṃ brāhmaṇaṃ viduḥ

Yudhiṣṭhira sprach: „Bei den Götteropfern soll der Mensch einen Brahmanen nicht [ständig] prüfen; bei der Darbringung des Ahnenopfers aber, so wissen die Weisen, ist der Brahmane zu prüfen.“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
na brāhmaṇaṃ parīkṣeta
man soll den Brahmanen nicht prüfen (Opt.Med.3.Sg.)
daiveṣu satataṃ naraḥ
bei den Götteropfern stets der Mensch (Lok.Pl./Nom.Sg.)
kavyapradāne tu
bei der Darbringung des Ahnenopfers aber (Lok.Sg.)
budhāḥ parīkṣyaṃ brāhmaṇaṃ viduḥ
die Weisen kennen den Brahmanen als zu prüfen (Nom.Pl./Gerundiv/3.Pl.Perf.)

Die Rede ist in der Ausgabe Yudhiṣṭhira zugeschrieben; inhaltlich klingt sie wie eine Bhīṣma-Aussage.

bhīṣma uvāca; na brāhmaṇaḥ sādhayate havyaṃ daivāt prasidhyati; devaprasādād ijyante yajamānā na saṃśayaḥ

Bhīṣma sprach: „Nicht der Brahmane bewirkt die Opfergabe; sie gelingt durch das Göttliche. Durch die Gnade der Götter werden von den Opferherren die Opfer dargebracht, ohne Zweifel.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
na brāhmaṇaḥ sādhayate havyam
nicht der Brahmane bewirkt die Opfergabe (3.Sg.Präs.Med.)
daivāt prasidhyati
durch das Göttliche gelingt sie (Abl./3.Sg.Präs.)
devaprasādād ijyante
durch die Gnade der Götter werden Opfer dargebracht (Abl./3.Pl.Pass.)
yajamānā na saṃśayaḥ
die Opferherren, kein Zweifel (Nom.Pl.)

brāhmaṇā bharataśreṣṭha satataṃ brahmavādinaḥ; mārkaṇḍeyaḥ purā prāha iha lokeṣu buddhimān

Die Brahmanen, Bester der Bharata, sind stets Vertreter der Brahman-Lehre; Mārkaṇḍeya, der Verständige, hat einst hier in den Welten darüber gesprochen.

Wort für Wort
brāhmaṇā bharataśreṣṭha
die Brahmanen, Bester der Bharata (Nom.Pl./Vok.)
satataṃ brahmavādinaḥ
stets Vertreter der Brahman-Rede (Adv./Nom.Pl.)
mārkaṇḍeyaḥ purā prāha
Mārkaṇḍeya sprach einst (Nom.Sg./Adv./3.Sg.Perf.)
iha lokeṣu buddhimān
hier in den Welten, der Verständige (Lok.Pl./Nom.Sg.)

yudhiṣṭhira uvāca; apūrvo 'py atha vā vidvān saṃbandhī vātha yo bhavet; tapasvī yajñaśīlo vā kathaṃ pātraṃ bhavet tu saḥ

Yudhiṣṭhira sprach: „Sei er ein bislang Unbekannter oder ein Gelehrter, ein Verwandter, ein Asket oder einer, der dem Opfer ergeben ist: wie wird er ein [würdiger] Empfänger?“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
apūrvo 'py atha vā vidvān
auch ein Unbekannter oder ein Gelehrter (Nom.Sg.)
saṃbandhī vātha yo bhavet
oder ein Verwandter, wer immer es sei (Nom.Sg./Opt.3.Sg.)
tapasvī yajñaśīlo vā
ein Asket oder dem Opfer Ergebener (Nom.Sg.)
kathaṃ pātraṃ bhavet tu saḥ
wie wird er Empfänger (Opt.3.Sg.)

apūrva hier als „vorher nicht [bekannt]“ gedeutet [?].

bhīṣma uvāca; kulīnaḥ karmakṛd vaidyas tathā cāpy ānṛśaṃsyavān; hrīmān ṛjuḥ satyavādī pātraṃ pūrve ca te trayaḥ

Bhīṣma sprach: „Ein Edelgeborener, ein Werktätiger, ein Kundiger, ferner einer voll Schonung, bescheiden, aufrichtig, wahrhaftig: ein [würdiger] Empfänger; und jene früheren drei [?].“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
kulīnaḥ karmakṛd vaidyas
ein Edelgeborener, ein Werktätiger, ein Kundiger (Nom.Sg.)
tathā cāpy ānṛśaṃsyavān
und ferner einer voll Schonung (Nom.Sg.)
hrīmān ṛjuḥ satyavādī
bescheiden, aufrichtig, wahrhaftig (Nom.Sg.)
pātraṃ pūrve ca te trayaḥ
Empfänger; und jene früheren drei (Nom./Nom.Pl.)

Die Schlusswendung „pūrve ca te trayaḥ“ ist unsicher.

tatredaṃ śṛṇu me pārtha caturṇāṃ tejasāṃ matam; pṛthivyāḥ kāśyapasyāgner mārkaṇḍeyasya caiva hi

Hierzu höre von mir, Pārtha, die Ansicht der vier Glanzwesen: der Erde, des Kāśyapa, des Agni und des Mārkaṇḍeya.

Wort für Wort
tatredaṃ śṛṇu me pārtha
hierzu höre dies von mir, Pārtha (Imp./Vok.)
caturṇāṃ tejasāṃ matam
die Ansicht der vier Glanzwesen (Gen.Pl./Akk.Sg.)
pṛthivyāḥ kāśyapasya
der Erde, des Kāśyapa (Gen.Sg.)
agner mārkaṇḍeyasya caiva hi
des Agni und ja des Mārkaṇḍeya (Gen.Sg.)

pṛthivy uvāca; yathā mahārṇave kṣiptaḥ kṣipraṃ loṣṭo vinaśyati; tathā duścaritaṃ sarvaṃ trayy āvṛttyā vinaśyati

Die Erde sprach: „Wie ein in den großen Ozean geworfener Erdklumpen rasch vergeht, so vergeht alles Fehlverhalten durch die Wiederholung des Dreifachen [Veda].“

Wort für Wort
pṛthivy uvāca
die Erde sprach (Perf.)
yathā mahārṇave kṣiptaḥ
wie in den großen Ozean geworfen (Lok.Sg./Part.)
kṣipraṃ loṣṭo vinaśyati
rasch vergeht der Erdklumpen (Nom.Sg./3.Sg.Präs.)
tathā duścaritaṃ sarvam
so alles Fehlverhalten (Nom.Sg.)
trayy āvṛttyā vinaśyati
durch die Wiederholung des Dreifachen vergeht es (Instr.Sg./3.Sg.Präs.)

kāśyapa uvāca; sarve ca vedāḥ saha ṣaḍbhir aṅgaiḥ; sāṃkhyaṃ purāṇaṃ ca kule ca janma; naitāni sarvāṇi gatir bhavanti; śīlavyapetasya narasya rājan

Kāśyapa sprach: „Alle Veden samt den sechs Hilfswissenschaften, Sāṃkhya und Purāṇa und Geburt in [edler] Familie: dies alles wird nicht zur Zuflucht für einen Menschen, König, dem die gute Sitte fehlt.“

Wort für Wort
kāśyapa uvāca
Kāśyapa sprach (Perf.)
sarve ca vedāḥ saha ṣaḍbhir aṅgaiḥ
und alle Veden samt den sechs Gliedern (Nom.Pl./Instr.Pl.)
sāṃkhyaṃ purāṇaṃ ca kule ca janma
Sāṃkhya und Purāṇa und Geburt in der Familie (Nom.Sg./Lok.Sg.)
naitāni sarvāṇi gatir bhavanti
dies alles wird nicht Zuflucht (Nom.Pl.n./3.Pl.Präs.)
śīlavyapetasya narasya rājan
für einen der guten Sitte entbehrenden Menschen, König (Gen.Sg./Vok.)

agnir uvāca; adhīyānaḥ paṇḍitaṃ manyamāno; yo vidyayā hanti yaśaḥ pareṣām; brahman sa tenācarate brahmahatyāṃ; lokās tasya hy antavanto bhavanti

Agni sprach: „Wer, [nur] studierend und sich für gelehrt haltend, durch sein Wissen den Ruhm anderer zerstört, Brahmane, der begeht dadurch Brahmanenmord; seine Welten werden vergänglich.“

Wort für Wort
agnir uvāca
Agni sprach (Perf.)
adhīyānaḥ paṇḍitaṃ manyamāno
studierend, sich für gelehrt haltend (Nom.Sg.Part.Med.)
yo vidyayā hanti yaśaḥ pareṣām
wer durch Wissen den Ruhm anderer zerstört (Instr.Sg./3.Sg.Präs./Gen.Pl.)
brahman sa tenācarate brahmahatyām
Brahmane, der begeht dadurch Brahmanenmord (Vok./3.Sg.Präs.Med.)
lokās tasya hy antavanto bhavanti
denn seine Welten werden vergänglich (Nom.Pl./3.Pl.Präs.)

mārkaṇḍeya uvāca; aśvamedhasahasraṃ ca satyaṃ ca tulayā dhṛtam; nābhijānāmi yady asya satyasyārdham avāpnuyāt

Mārkaṇḍeya sprach: „Tausend Pferdeopfer und die Wahrheit wurden auf die Waage gelegt; ich weiß nicht, ob jene auch nur die Hälfte dieser Wahrheit erreichen würden.“

Wort für Wort
mārkaṇḍeya uvāca
Mārkaṇḍeya sprach (Perf.)
aśvamedhasahasraṃ ca satyaṃ ca
tausend Pferdeopfer und die Wahrheit (Nom.Sg.)
tulayā dhṛtam
auf die Waage gelegt (Instr.Sg./Part.Pass.)
nābhijānāmi yady asya
ich weiß nicht, ob von dieser (1.Sg.Präs./Gen.Sg.)
satyasyārdham avāpnuyāt
die Hälfte der Wahrheit erreichen würde (Gen.Sg./Opt.3.Sg.)

aśvamedhasahasrād dhi satyam eva viśiṣyate

Denn die Wahrheit allein übertrifft tausend Pferdeopfer.

Wort für Wort
aśvamedhasahasrād dhi
denn als tausend Pferdeopfer (Abl.Sg.)
satyam eva
die Wahrheit allein (Nom.Sg.)
viśiṣyate
wird überlegen / übertrifft (3.Sg.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

bhīṣma uvāca; ity uktvā te jagmur āśu catvāro 'mitatejasaḥ; pṛthivī kāśyapo 'gniś ca prakṛṣṭāyuś ca bhārgavaḥ

Bhīṣma sprach: „So gesprochen, gingen jene vier von unermesslichem Glanz rasch fort: die Erde, Kāśyapa, Agni und der Bhārgava von hohem Lebensalter.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
ity uktvā te jagmur āśu
so gesprochen, gingen sie rasch (Abs./3.Pl.Perf./Adv.)
catvāro 'mitatejasaḥ
die vier von unermesslichem Glanz (Nom.Pl.)
pṛthivī kāśyapo 'gniś ca
die Erde, Kāśyapa und Agni (Nom.Sg.)
prakṛṣṭāyuś ca bhārgavaḥ
und der Bhārgava von hohem Lebensalter (Nom.Sg.)

yudhiṣṭhira uvāca; yad idaṃ brāhmaṇā loke vratino bhuñjate haviḥ; bhuktaṃ brāhmaṇakāmāya kathaṃ tat sukṛtaṃ bhavet

Yudhiṣṭhira sprach: „Dass die Brahmanen in der Welt, an Gelübde gebunden, die Opferspeise essen: wie kann dies, das um eines Brahmanen willen gegessen wird, ein gutes Werk sein?“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
yad idaṃ brāhmaṇā loke
dass diese Brahmanen in der Welt (Nom.Pl./Lok.Sg.)
vratino bhuñjate haviḥ
an Gelübde Gebundene die Opferspeise essen (Nom.Pl./3.Pl.Präs.Med.)
bhuktaṃ brāhmaṇakāmāya
das Gegessene für den Wunsch nach einem Brahmanen [?] (Part.Pass./Dat.Sg.)
kathaṃ tat sukṛtaṃ bhavet
wie kann dies ein gutes Werk sein (Opt.3.Sg.)

„brāhmaṇakāmāya“ ist unsicher (Wunsch eines Brahmanen / Wunsch, Brahmanen zu speisen).

bhīṣma uvāca; ādiṣṭino ye rājendra brāhmaṇā vedapāragāḥ; bhuñjate brahmakāmāya vrataluptā bhavanti te

Bhīṣma sprach: „Brahmanen, König der Könige, die Veda-Kundigen, die auf Anweisung [?] aus Verlangen nach Brahman [?] essen, die werden gelübdebrüchig.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
ādiṣṭino ye rājendra
die auf Anweisung Handelnden [?], König der Könige (Nom.Pl./Vok.)
brāhmaṇā vedapāragāḥ
Brahmanen, Veda-Kundige (Nom.Pl.)
bhuñjate brahmakāmāya
essen aus Verlangen nach Brahman [?] (3.Pl.Präs.Med./Dat.Sg.)
vrataluptā bhavanti te
gelübdebrüchig werden sie (Nom.Pl./3.Pl.Präs.)

Verse 18 und 19 sind schwierig; „ādiṣṭin“ und „brahmakāma“ unsicher.

yudhiṣṭhira uvāca; anekāntaṃ bahudvāraṃ dharmam āhur manīṣiṇaḥ; kiṃ niścitaṃ bhavet tatra tan me brūhi pitāmaha

Yudhiṣṭhira sprach: „Das Dharma nennen die Weisen nicht eindeutig und vieltürig. Was wäre dabei das Feststehende? Das sage mir, Großvater.“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
anekāntaṃ bahudvāram
nicht eindeutig, vieltürig (Akk.Sg.)
dharmam āhur manīṣiṇaḥ
das Dharma nennen die Weisen (Akk.Sg./3.Pl.Perf./Nom.Pl.)
kiṃ niścitaṃ bhavet tatra
was wäre da das Feststehende (Nom.Sg./Opt.3.Sg.)
tan me brūhi pitāmaha
das sage mir, Großvater (Imp./Vok.)

bhīṣma uvāca; ahiṃsā satyam akrodha ānṛśaṃsyaṃ damas tathā; ārjavaṃ caiva rājendra niścitaṃ dharmalakṣaṇam

Bhīṣma sprach: „Nichtverletzen, Wahrheit, Zornlosigkeit, Schonung, ebenso Selbstbeherrschung und Aufrichtigkeit, König der Könige: das ist das feststehende Kennzeichen des Dharma.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
ahiṃsā satyam akrodha
Nichtverletzen, Wahrheit, Zornlosigkeit (Nom.Sg.)
ānṛśaṃsyaṃ damas tathā
Schonung, Selbstbeherrschung ebenso (Nom.Sg.)
ārjavaṃ caiva rājendra
und Aufrichtigkeit, König der Könige (Nom.Sg./Vok.)
niścitaṃ dharmalakṣaṇam
das feststehende Kennzeichen des Dharma (Nom.Sg.)

ye tu dharmaṃ praśaṃsantaś caranti pṛthivīm imām; anācarantas tad dharmaṃ saṃkare niratāḥ prabho

Die aber, die das Dharma preisend auf dieser Erde umherziehen, es selbst nicht befolgend, sondern der Vermischung [der Ordnung] ergeben, Herr –

Wort für Wort
ye tu dharmaṃ praśaṃsantaś
die aber, das Dharma preisend (Nom.Pl.Part.)
caranti pṛthivīm imām
umherziehen auf dieser Erde (3.Pl.Präs./Akk.Sg.)
anācarantas tad dharmam
dieses Dharma nicht befolgend (Nom.Pl.Part./Akk.Sg.)
saṃkare niratāḥ prabho
der Vermischung ergeben, Herr (Lok.Sg./Nom.Pl./Vok.)

Der Satz läuft über die Verse 22 bis 24.

tebhyo ratnaṃ hiraṇyaṃ vā gām aśvān vā dadāti yaḥ; daśa varṣāṇi viṣṭhāṃ sa bhuṅkte nirayam āśritaḥ

Wer solchen [Leuten] Edelstein, Gold, eine Kuh oder Pferde gibt, der isst zehn Jahre lang Kot, in die Hölle gelangt.

Wort für Wort
tebhyo ratnaṃ hiraṇyaṃ vā
ihnen Edelstein oder Gold (Dat.Pl./Akk.Sg.)
gām aśvān vā dadāti yaḥ
eine Kuh oder Pferde, wer gibt (Akk./3.Sg.Präs.)
daśa varṣāṇi viṣṭhāṃ sa bhuṅkte
zehn Jahre Kot isst er (Akk.Pl./Akk.Sg./3.Sg.Präs.Med.)
nirayam āśritaḥ
in die Hölle gelangt (Akk.Sg./Part.Perf.Pass.)

medānāṃ pulkasānāṃ ca tathaivāntāvasāyinām; kṛtaṃ karmākṛtaṃ cāpi rāgamohena jalpatām

[Ebenso bei] Meda, Pulkasa und Antāvasāyin, die aus Leidenschaft und Verblendung über Getanes und Nichtgetanes schwatzen.

Wort für Wort
medānāṃ pulkasānāṃ ca
der Meda und Pulkasa (Gen.Pl.)
tathaivāntāvasāyinām
und ebenso der Antāvasāyin (Gen.Pl.)
kṛtaṃ karmākṛtaṃ cāpi
Getanes und auch Nichtgetanes (Akk.Sg.)
rāgamohena jalpatām
aus Leidenschaft und Verblendung Schwatzender (Instr.Sg./Gen.Pl.Part.)

Syntaktischer Anschluss an Vers 23 unsicher; die Genitive sind hier sinngemäß ergänzt.

vaiśvadevaṃ ca ye mūḍhā viprāya brahmacāriṇe; dadatīha na rājendra te lokān bhuñjate 'śubhān

Und die Toren, die das Vaiśvadeva[-Opfer] hier einem Brahmanen, der Brahmacārin ist, nicht geben, König der Könige, die genießen unheilvolle Welten.

Wort für Wort
vaiśvadevaṃ ca ye mūḍhā
und die Toren, das Vaiśvadeva (Akk.Sg./Nom.Pl.)
viprāya brahmacāriṇe
dem Brahmanen, der Brahmacārin ist (Dat.Sg.)
dadatīha na rājendra
geben hier nicht, König der Könige (3.Pl.Präs./Vok.)
te lokān bhuñjate 'śubhān
die genießen unheilvolle Welten (Akk.Pl./3.Pl.Präs.Med.)

yudhiṣṭhira uvāca; kiṃ paraṃ brahmacaryasya kiṃ paraṃ dharmalakṣaṇam; kiṃ ca śreṣṭhatamaṃ śaucaṃ tan me brūhi pitāmaha

Yudhiṣṭhira sprach: „Was ist das Höchste der Keuschheit, was das Höchste als Kennzeichen des Dharma, und was die vorzüglichste Reinheit? Das sage mir, Großvater.“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
kiṃ paraṃ brahmacaryasya
was ist das Höchste der Keuschheit (Nom.Sg./Gen.Sg.)
kiṃ paraṃ dharmalakṣaṇam
was das Höchste als Kennzeichen des Dharma (Nom.Sg.)
kiṃ ca śreṣṭhatamaṃ śaucam
und was die vorzüglichste Reinheit (Nom.Sg.)
tan me brūhi pitāmaha
das sage mir, Großvater (Imp./Vok.)

bhīṣma uvāca; brahmacaryaṃ paraṃ tāta madhumāṃsasya varjanam; maryādāyāṃ sthito dharmaḥ śamaḥ śaucasya lakṣaṇam

Bhīṣma sprach: „Keuschheit ist das Höchste, mein Lieber: das Meiden von Honig und Fleisch. Das Feststehen in der Grenze ist Dharma; Befriedung ist das Kennzeichen der Reinheit.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
brahmacaryaṃ paraṃ tāta
Keuschheit ist das Höchste, mein Lieber (Nom.Sg./Vok.)
madhumāṃsasya varjanam
das Meiden von Honig und Fleisch (Gen.Sg./Nom.Sg.)
maryādāyāṃ sthito dharmaḥ
das Stehen in der Grenze [der Regel] ist Dharma (Lok.Sg./Part.)
śamaḥ śaucasya lakṣaṇam
Befriedung ist das Kennzeichen der Reinheit (Nom.Sg./Gen.Sg.)

yudhiṣṭhira uvāca; kasmin kāle cared dharmaṃ kasmin kāle 'rtham ācaret; kasmin kāle sukhī ca syāt tan me brūhi pitāmaha

Yudhiṣṭhira sprach: „Zu welcher Zeit soll man das Dharma üben, zu welcher Zeit den Nutzen erwerben, zu welcher Zeit glücklich sein? Das sage mir, Großvater.“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
kasmin kāle cared dharmam
zu welcher Zeit soll man das Dharma üben (Lok.Sg./Opt.3.Sg.)
kasmin kāle 'rtham ācaret
zu welcher Zeit den Nutzen betreiben (Opt.3.Sg.)
kasmin kāle sukhī ca syāt
und zu welcher Zeit glücklich sein (Opt.3.Sg.)
tan me brūhi pitāmaha
das sage mir, Großvater (Imp./Vok.)

bhīṣma uvāca; kālyam arthaṃ niṣeveta tato dharmam anantaram; paścāt kāmaṃ niṣeveta na ca gacchet prasaṅgitām

Bhīṣma sprach: „Am Morgen soll man dem Nutzen nachgehen, danach unmittelbar dem Dharma, zuletzt der Lust; und man soll nicht in Sucht danach verfallen.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
kālyam arthaṃ niṣeveta
am Morgen soll man dem Nutzen nachgehen (Adv./Akk.Sg./Opt.Med.3.Sg.)
tato dharmam anantaram
danach das Dharma unmittelbar (Adv./Akk.Sg.)
paścāt kāmaṃ niṣeveta
zuletzt die Lust pflegen (Adv./Akk.Sg.)
na ca gacchet prasaṅgitām
und nicht verfallen in Anhänglichkeit (Opt.3.Sg./Akk.Sg.)

brāhmaṇāṃś cābhimanyeta gurūṃś cāpy abhipūjayet; sarvabhūtānulomaś ca mṛduśīlaḥ priyaṃvadaḥ

Man soll die Brahmanen achten und die Lehrer verehren, allen Wesen zugeneigt, von sanftem Wesen, freundlich redend.

Wort für Wort
brāhmaṇāṃś cābhimanyeta
und die Brahmanen achten (Akk.Pl./Opt.Med.3.Sg.)
gurūṃś cāpy abhipūjayet
und auch die Lehrer verehren (Akk.Pl./Opt.3.Sg.)
sarvabhūtānulomaś ca
und allen Wesen zugeneigt (Nom.Sg.)
mṛduśīlaḥ priyaṃvadaḥ
sanft im Wesen, freundlich redend (Nom.Sg.)

adhikāre yad anṛtaṃ rājagāmi ca paiśunam; guroś cālīkakaraṇaṃ samaṃ tad brahmahatyayā

Unwahrheit im Amt, Verleumdung, die zum König gelangt, und das Täuschen des Lehrers: das ist dem Brahmanenmord gleich.

Wort für Wort
adhikāre yad anṛtam
was an Unwahrheit im Amt [geschieht] (Lok.Sg./Nom.Sg.)
rājagāmi ca paiśunam
und zum König gelangende Verleumdung (Nom.Sg.)
guroś cālīkakaraṇam
und das Täuschen des Lehrers (Gen.Sg./Nom.Sg.)
samaṃ tad brahmahatyayā
das ist gleich dem Brahmanenmord (Nom.Sg./Instr.Sg.)

praharen na narendreṣu na gāṃ hanyāt tathaiva ca; bhrūṇahatyāsamaṃ caitad ubhayaṃ yo niṣevate

Man soll nicht gegen Könige [die Hand] erheben und ebenso keine Kuh töten; beides ist dem Embryomord gleich, für den, der es ausübt.

Wort für Wort
praharen na narendreṣu
man soll nicht losschlagen gegen Könige (Opt.3.Sg./Lok.Pl.)
na gāṃ hanyāt tathaiva ca
und ebenso keine Kuh töten (Akk.Sg./Opt.3.Sg.)
bhrūṇahatyāsamaṃ caitad
und dies ist dem Embryomord gleich (Nom.Sg.)
ubhayaṃ yo niṣevate
beides, wer es ausübt (Nom.Sg./3.Sg.Präs.Med.)

nāgniṃ parityajej jātu na ca vedān parityajet; na ca brāhmaṇam ākrośet samaṃ tad brahmahatyayā

Man soll das Feuer niemals aufgeben und die Veden nicht aufgeben und keinen Brahmanen schmähen; [das Gegenteil] ist dem Brahmanenmord gleich.

Wort für Wort
nāgniṃ parityajej jātu
das Feuer soll man niemals aufgeben (Akk.Sg./Opt.3.Sg.)
na ca vedān parityajet
und die Veden nicht aufgeben (Akk.Pl./Opt.3.Sg.)
na ca brāhmaṇam ākrośet
und keinen Brahmanen schmähen (Akk.Sg./Opt.3.Sg.)
samaṃ tad brahmahatyayā
das ist gleich dem Brahmanenmord (Nom.Sg./Instr.Sg.)

yudhiṣṭhira uvāca; kīdṛśāḥ sādhavo viprāḥ kebhyo dattaṃ mahāphalam; kīdṛśānāṃ ca bhoktavyaṃ tan me brūhi pitāmaha

Yudhiṣṭhira sprach: „Wie beschaffen sind die guten Brahmanen, wem Gegebenes bringt großen Lohn, und bei wem darf man essen? Das sage mir, Großvater.“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
kīdṛśāḥ sādhavo viprāḥ
wie beschaffen sind die guten Brahmanen (Nom.Pl.)
kebhyo dattaṃ mahāphalam
wem Gegebenes von großem Lohn (Dat.Pl./Nom.Sg.)
kīdṛśānāṃ ca bhoktavyam
und bei wie beschaffenen ist zu essen (Gen.Pl./Gerundiv)
tan me brūhi pitāmaha
das sage mir, Großvater (Imp./Vok.)

bhīṣma uvāca; akrodhanā dharmaparāḥ satyanityā dame ratāḥ; tādṛśāḥ sādhavo viprās tebhyo dattaṃ mahāphalam

Bhīṣma sprach: „Zornlose, dem Dharma Ergebene, stets der Wahrheit Verpflichtete, an Selbstbeherrschung Erfreute: solche sind gute Brahmanen; ihnen Gegebenes bringt großen Lohn.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
akrodhanā dharmaparāḥ
zornlos, dem Dharma ergeben (Nom.Pl.)
satyanityā dame ratāḥ
stets der Wahrheit verpflichtet, an Selbstbeherrschung erfreut (Nom.Pl./Lok.Sg.)
tādṛśāḥ sādhavo viprās
solche sind die guten Brahmanen (Nom.Pl.)
tebhyo dattaṃ mahāphalam
ihnen Gegebenes bringt großen Lohn (Dat.Pl./Nom.Sg.)

amāninaḥ sarvasahā dṛṣṭārthā vijitendriyāḥ; sarvabhūtahitā maitrās tebhyo dattaṃ mahāphalam

Ohne Dünkel, alles Ertragende, die Zwecke Erkennende, die Sinne Bezwingende, allen Wesen Wohlwollende, freundlich: ihnen Gegebenes bringt großen Lohn.

Wort für Wort
amāninaḥ sarvasahā
ohne Dünkel, alles ertragend (Nom.Pl.)
dṛṣṭārthā vijitendriyāḥ
die Zwecke erkennend, die Sinne bezwungen habend (Nom.Pl.)
sarvabhūtahitā maitrās
allen Wesen zum Wohl, freundlich (Nom.Pl.)
tebhyo dattaṃ mahāphalam
ihnen Gegebenes bringt großen Lohn (Dat.Pl./Nom.Sg.)

alubdhāḥ śucayo vaidyā hrīmantaḥ satyavādinaḥ; svakarmaniratā ye ca tebhyo dattaṃ mahāphalam

Nicht Gierige, Reine, Kundige, Bescheidene, Wahrhaftige und die, die ihrem eigenen Werk ergeben sind: ihnen Gegebenes bringt großen Lohn.

Wort für Wort
alubdhāḥ śucayo vaidyā
nicht gierig, rein, kundig (Nom.Pl.)
hrīmantaḥ satyavādinaḥ
bescheiden, wahrhaftig (Nom.Pl.)
svakarmaniratā ye ca
und die, die ihrem eigenen Werk ergeben sind (Nom.Pl.)
tebhyo dattaṃ mahāphalam
ihnen Gegebenes bringt großen Lohn (Dat.Pl./Nom.Sg.)

sāṅgāṃś ca caturo vedān yo 'dhīyīta dvijarṣabhaḥ; ṣaḍbhyo nivṛttaḥ karmabhyas taṃ pātram ṛṣayo viduḥ

Der Zweimalgeborenen-Stier, der die vier Veden samt den Gliedern studiert und von den sechs Tätigkeiten [?] abgelassen hat, den kennen die Seher als [würdigen] Empfänger.

Wort für Wort
sāṅgāṃś ca caturo vedān
und die vier Veden samt Gliedern (Akk.Pl.)
yo 'dhīyīta dvijarṣabhaḥ
wer studiert, der Stier unter den Zweimalgeborenen (Opt.Med.3.Sg./Nom.Sg.)
ṣaḍbhyo nivṛttaḥ karmabhyas
von den sechs Tätigkeiten abgelassen (Abl.Pl./Part.)
taṃ pātram ṛṣayo viduḥ
ihn als Empfänger kennen die Seher (Akk.Sg./Nom.Pl./3.Pl.Perf.)

„ṣaḍbhyaḥ karmabhyaḥ“ (sechs Tätigkeiten) unsicher gedeutet.

ye tv evaṃguṇajātīyās tebhyo dattaṃ mahāphalam; sahasraguṇam āpnoti guṇārhāya pradāyakaḥ

Die aber von solcher Eigenschaft und Herkunft sind, ihnen Gegebenes bringt großen Lohn; tausendfachen [Lohn] erlangt der Geber, der einem der Vorzüge Würdigen gibt.

Wort für Wort
ye tv evaṃguṇajātīyās
die aber von solcher Eigenschaft und Art (Nom.Pl.)
tebhyo dattaṃ mahāphalam
ihnen Gegebenes bringt großen Lohn (Dat.Pl./Nom.Sg.)
sahasraguṇam āpnoti
tausendfach erlangt er (Akk.Sg./3.Sg.Präs.)
guṇārhāya pradāyakaḥ
der Geber dem der Vorzüge Würdigen (Dat.Sg./Nom.Sg.)

prajñāśrutābhyāṃ vṛttena śīlena ca samanvitaḥ; tārayeta kulaṃ kṛtsnam eko 'pīha dvijarṣabhaḥ

Wer mit Einsicht und Gelehrsamkeit, Wandel und Sitte ausgestattet ist, kann als ein einziger Zweimalgeborenen-Stier hier die ganze Familie hinüberführen.

Wort für Wort
prajñāśrutābhyāṃ vṛttena
mit Einsicht und Gelehrsamkeit, mit Wandel (Instr.Du./Instr.Sg.)
śīlena ca samanvitaḥ
und mit Sitte ausgestattet (Instr.Sg./Part.)
tārayeta kulaṃ kṛtsnam
er kann hinüberführen die ganze Familie (Opt.3.Sg./Akk.Sg.)
eko 'pīha dvijarṣabhaḥ
schon ein einziger Zweimalgeborenen-Stier hier (Nom.Sg.)

gām aśvaṃ vittam annaṃ vā tadvidhe pratipādayet; dravyāṇi cānyāni tathā pretyabhāve na śocati

Kuh, Pferd, Besitz, Speise oder auch andere Güter soll man einem solchen übergeben; dann trauert man im Jenseits nicht.

Wort für Wort
gām aśvaṃ vittam annaṃ vā
Kuh, Pferd, Besitz oder Speise (Akk.Sg.)
tadvidhe pratipādayet
einem solchen soll man übergeben (Lok./Dat.Sg./Opt.3.Sg.)
dravyāṇi cānyāni tathā
und andere Güter ebenso (Akk.Pl.)
pretyabhāve na śocati
im Dasein nach dem Tod trauert man nicht (Lok.Sg./3.Sg.Präs.)

tārayeta kulaṃ kṛtsnam eko 'pīha dvijottamaḥ; kim aṅga punar ekaṃ vai tasmāt pātraṃ samācaret

Ein einziger Bester der Zweimalgeborenen kann hier die ganze Familie hinüberführen; wie viel mehr erst [mehrere] [?]. Darum soll man einen [würdigen] Empfänger aufsuchen.

Wort für Wort
tārayeta kulaṃ kṛtsnam
er kann hinüberführen die ganze Familie (Opt.3.Sg./Akk.Sg.)
eko 'pīha dvijottamaḥ
schon ein einziger Bester der Zweimalgeborenen hier (Nom.Sg.)
kim aṅga punar ekaṃ vai
wie viel mehr erst [mehrere], einen [?] (Interj./Akk.Sg.)
tasmāt pātraṃ samācaret
darum soll man einen Empfänger aufsuchen (Abl./Akk.Sg./Opt.3.Sg.)

„kim aṅga punar ekaṃ vai“ ist im Text schwierig und vermutlich verderbt.

tṛpte tṛptāḥ sarvadevāḥ pitaro munayo 'pi ca

Ist er gesättigt, sind alle Götter gesättigt, die Ahnen und auch die Weisen.

Wort für Wort
tṛpte
wenn er gesättigt ist (Lok.abs.)
tṛptāḥ sarvadevāḥ
gesättigt sind alle Götter (Nom.Pl.)
pitaro munayo 'pi ca
die Ahnen und auch die Weisen (Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

niśamya ca guṇopetaṃ brāhmaṇaṃ sādhusaṃmatam; dūrād ānāyayet kṛtye sarvataś cābhipūjayet

Hat man einen tugendbegabten, von den Guten anerkannten Brahmanen bemerkt, soll man ihn aus der Ferne zum Ritus herbeiholen lassen und ihn von allen Seiten ehren.

Wort für Wort
niśamya ca guṇopetam
und [ihn] bemerkt habend, tugendbegabt (Abs./Akk.Sg.)
brāhmaṇaṃ sādhusaṃmatam
den Brahmanen, von den Guten anerkannt (Akk.Sg.)
dūrād ānāyayet kṛtye
aus der Ferne soll man herbeiholen lassen zum Ritus (Abl./Opt.3.Sg.Kaus./Lok.Sg.)
sarvataś cābhipūjayet
und von allen Seiten ehren (Adv./Opt.3.Sg.)

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