Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Anuśāsanaparva

Kapitel 127: umāmaheśvarasaṃvādaḥ Das Gespräch zwischen Umā und Maheśvara über das dritte Auge und Śivas Gestalten

Bhīṣma erzählt Kṛṣṇa ein von Nārada berichtetes Gespräch: Umā verhüllt scherzhaft Śivas Augen, worauf die Welt in Finsternis fällt und Śiva sein drittes Auge hervorbringt; danach fragt sie ihn nach dem Grund seiner Gestalt und seiner Kennzeichen.

bhīṣma uvāca; tato nārāyaṇasuhṛn nārado bhagavān ṛṣiḥ; śaṃkarasyomayā sārdhaṃ saṃvādaṃ pratyabhāṣata

Bhīṣma sprach: Darauf trug Nārada, der Freund Nārāyaṇas, der ehrwürdige Seher, ein Gespräch zwischen Śaṃkara und Umā vor.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
tato nārāyaṇasuhṛt nāradaḥ
darauf Nārada, Freund Nārāyaṇas (Nom.Sg.m.; Kompositum)
bhagavān ṛṣiḥ
der ehrwürdige Seher (Nom.Sg.m.)
śaṃkarasya umayā sārdham saṃvādam
von Śaṃkara mit Umā, Gespräch (Gen./Instr./Akk.Sg.)
pratyabhāṣata
sprach aus, trug vor (3.Sg.Impf.Med.)

tapaś cacāra dharmātmā vṛṣabhāṅkaḥ sureśvaraḥ; puṇye girau himavati siddhacāraṇasevite

Der tugendhafte Herr der Götter, der Stierzeichenträger, übte Askese auf dem heiligen Berg Himavat, der von Siddhas und Cāraṇas besucht wird.

Wort für Wort
tapaḥ cacāra
Askese übte er (3.Sg.Perf.)
dharmātmā
der dessen Wesen Dharma ist, der Tugendhafte (Nom.Sg.m.)
vṛṣabhāṅkaḥ sureśvaraḥ
Stierzeichenträger, Herr der Götter (Nom.Sg.m.)
puṇye girau himavati
auf dem heiligen Berg Himavat (Lok.Sg.m.)
siddhacāraṇasevite
von Siddhas und Cāraṇas besucht (Lok.Sg.m.; Part.Pass.)

nānauṣadhiyute ramye nānāpuṣpasamākule; apsarogaṇasaṃkīrṇe bhūtasaṃghaniṣevite

Er war reich an vielerlei Heilkräutern, lieblich, voll von mannigfachen Blumen, dicht besetzt mit Scharen von Apsaras und von Scharen von Wesen (Bhūtas) besucht.

Wort für Wort
nānauṣadhiyute ramye
mit vielerlei Kräutern versehen, lieblich (Lok.Sg.m.)
nānāpuṣpasamākule
von mannigfachen Blumen erfüllt (Lok.Sg.m.)
apsarogaṇasaṃkīrṇe
von Apsaras-Scharen durchsetzt (Lok.Sg.m.)
bhūtasaṃghaniṣevite
von Bhūta-Scharen besucht (Lok.Sg.m.)

tatra devo mudā yukto bhūtasaṃghaśatair vṛtaḥ; nānārūpair virūpaiś ca divyair adbhutadarśanaiḥ

Dort war der Gott voll Freude, umgeben von Hunderten von Scharen von Bhūtas, von vielgestaltigen und missgestalteten, göttlichen, von wunderbarem Anblick.

Wort für Wort
tatra devaḥ mudā yuktaḥ
dort der Gott, mit Freude verbunden (Nom.Sg.m.; Instr.)
bhūtasaṃghaśataiḥ vṛtaḥ
von hundert Bhūta-Scharen umgeben (Instr.Pl.; Part.Pass.)
nānārūpaiḥ virūpaiḥ ca
von vielgestaltigen und missgestalteten (Instr.Pl.)
divyaiḥ adbhutadarśanaiḥ
göttlichen, von wunderbarem Aussehen (Instr.Pl.)

siṃhavyāghragajaprakhyaiḥ sarvajātisamanvitaiḥ; kroṣṭukadvīpivadanair ṛkṣarṣabhamukhais tathā

Sie glichen Löwen, Tigern und Elefanten, gehörten allen Arten an; sie hatten Gesichter von Schakalen und Panthern, ebenso Gesichter von Bären und Stieren.

Wort für Wort
siṃhavyāghragajaprakhyaiḥ
Löwen, Tigern, Elefanten ähnlich (Instr.Pl.)
sarvajātisamanvitaiḥ
mit allen Arten ausgestattet (Instr.Pl.)
kroṣṭukadvīpivadanaiḥ
mit Schakal- und Pantherantlitz (Instr.Pl.)
ṛkṣarṣabhamukhaiḥ tathā
mit Bären- und Stiergesicht, ebenso (Instr.Pl.)

ulūkavadanair bhīmaiḥ śyenabhāsamukhais tathā; nānāvarṇamṛgaprakhyaiḥ sarvajātisamanvayaiḥ; kiṃnarair devagandharvair yakṣabhūtagaṇais tathā

Mit Eulengesichtern, furchtbar, ebenso mit Gesichtern von Falken und Bhāsa-Vögeln; Tieren von mancherlei Farben gleichend, aus allen Arten zusammengesetzt; ferner umgeben von Kiṃnaras, Göttern und Gandharvas sowie von Scharen der Yakṣas und Bhūtas.

Wort für Wort
ulūkavadanaiḥ bhīmaiḥ
mit Eulengesichtern, furchtbaren (Instr.Pl.)
śyenabhāsamukhaiḥ tathā
mit Falken- und Bhāsa-Gesichtern, ebenso (Instr.Pl.)
nānāvarṇamṛgaprakhyaiḥ
Tieren verschiedener Farben ähnlich (Instr.Pl.)
sarvajātisamanvayaiḥ
aus allen Arten bestehend (Instr.Pl.)
kiṃnarair devagandharvaiḥ
von Kiṃnaras, Göttern und Gandharvas (Instr.Pl.)
yakṣabhūtagaṇaiḥ tathā
von Yakṣa- und Bhūta-Scharen, ebenso (Instr.Pl.)

Der Vers ist in der Konstruktion locker; die Instrumentale hängen von vṛtaḥ (V. 4) ab.

divyapuṣpasamākīrṇaṃ divyamālāvibhūṣitam; divyacandanasaṃyuktaṃ divyadhūpena dhūpitam; tat sado vṛṣabhāṅkasya divyavāditranāditam

Jene Versammlungshalle des Stierzeichenträgers war mit göttlichen Blumen bestreut, mit göttlichen Girlanden geschmückt, mit göttlichem Sandelholz versehen, mit göttlichem Weihrauch durchräuchert und von göttlichen Instrumentenklängen erfüllt.

Wort für Wort
divyapuṣpasamākīrṇam
mit göttlichen Blumen bestreut (Nom.Sg.n.)
divyamālāvibhūṣitam
mit göttlichen Girlanden geschmückt (Nom.Sg.n.)
divyacandanasaṃyuktam
mit göttlichem Sandel versehen (Nom.Sg.n.)
divyadhūpena dhūpitam
mit göttlichem Weihrauch durchräuchert (Instr.Sg.; Part.Pass.)
tat sadaḥ vṛṣabhāṅkasya
jene Halle des Stierzeichenträgers (Nom.Sg.n.; Gen.)
divyavāditranāditam
von göttlicher Musik erschallend (Nom.Sg.n.)

mṛdaṅgapaṇavodghuṣṭaṃ śaṅkhabherīnināditam; nṛtyadbhir bhūtasaṃghaiś ca barhiṇaiś ca samantataḥ

Sie hallte wider von Mṛdaṅga- und Paṇava-Trommeln, erklang von Muschelhörnern und Bheri-Pauken, und ringsum tanzten Scharen von Bhūtas und Pfauen.

Wort für Wort
mṛdaṅgapaṇavodghuṣṭam
von Mṛdaṅga- und Paṇava-Trommeln erschallend (Nom.Sg.n.)
śaṅkhabherīnināditam
von Muscheln und Bheri-Pauken erklungen (Nom.Sg.n.)
nṛtyadbhiḥ bhūtasaṃghaiḥ ca
und von tanzenden Bhūta-Scharen (Instr.Pl.; Part.Präs.)
barhiṇaiḥ ca samantataḥ
und von Pfauen ringsum (Instr.Pl.; Adv.)

pranṛttāpsarasaṃ divyaṃ divyastrīgaṇasevitam; dṛṣṭikāntam anirdeśyaṃ divyam adbhutadarśanam

Göttliche Apsaras tanzten dort; Scharen göttlicher Frauen bedienten sie; sie war ein Augenschmaus, unbeschreiblich, göttlich, von wunderbarem Anblick.

Wort für Wort
pranṛttāpsarasam divyam
in der Apsaras tanzen, göttlich (Nom.Sg.n.)
divyastrīgaṇasevitam
von Scharen göttlicher Frauen bedient (Nom.Sg.n.)
dṛṣṭikāntam anirdeśyam
dem Blick lieb, nicht zu beschreiben (Nom.Sg.n.)
divyam adbhutadarśanam
göttlich, von wunderbarem Anblick (Nom.Sg.n.)

sa giris tapasā tasya bhūteśasya vyarocata

Jener Berg erstrahlte durch die Askese jenes Herrn der Wesen.

Wort für Wort
sa giriḥ
jener Berg (Nom.Sg.m.)
tapasā tasya
durch dessen Askese (Instr.Sg.; Gen.)
bhūteśasya
des Herrn der Wesen (Gen.Sg.m.)
vyarocata
erstrahlte (3.Sg.Impf.Med.)

svādhyāyaparamair viprair brahmaghoṣair vināditaḥ; ṣaṭpadair upagītaiś ca mādhavāpratimo giriḥ

Er hallte wider von Brahmanen, die dem Selbststudium ganz ergeben sind, vom Vedarezitieren, und von Bienen wurde er besungen; der Berg glich Mādhava [Viṣṇu bzw. dem Frühling] ohne Gleichen.

Wort für Wort
svādhyāyaparamaiḥ viprair
von dem Selbststudium höchst ergebenen Brahmanen (Instr.Pl.)
brahmaghoṣair vināditaḥ
von Vedarufen erfüllt (Instr.Pl.; Nom.Sg.m. Part.Pass.)
ṣaṭpadair upagītaiḥ ca
und von Bienen besungen (Instr.Pl.; Part.Pass.)
mādhavāpratimaḥ giriḥ
der Berg, Mādhava unvergleichlich [?] (Nom.Sg.m.)

mādhavāpratimaḥ ist mehrdeutig (Mādhava = Viṣṇu oder Frühlingsmonat; auch „dem Frühling gleich“ denkbar).

taṃ mahotsavasaṃkāśaṃ bhīmarūpadharaṃ punaḥ; dṛṣṭvā munigaṇasyāsīt parā prītir janārdana

Als die Schar der Weisen ihn, der einem großen Fest glich und wiederum eine furchtbare Gestalt trug, erblickte, o Janārdana, entstand höchste Freude.

Wort für Wort
tam mahotsavasaṃkāśam
ihn, einem großen Fest gleich (Akk.Sg.m.)
bhīmarūpadharam punaḥ
eine furchtbare Gestalt tragend, wiederum (Akk.Sg.m.)
dṛṣṭvā munigaṇasya
gesehen habend; der Weisenschar (Abs.; Gen.Sg.)
āsīt parā prītiḥ
es war höchste Freude (3.Sg.Impf.; Nom.Sg.f.)
janārdana
o Janārdana (Vok.Sg.)

munayaś ca mahābhāgāḥ siddhāś caivordhvaretasaḥ; maruto vasavaḥ sādhyā viśvedevāḥ sanātanāḥ

Auch die hochheiligen Weisen und die Siddhas, die ihren Samen nach oben lenken [Enthaltsamen], die Maruts, Vasus, Sādhyas und die ewigen Viśvedevas,

Wort für Wort
munayaḥ ca mahābhāgāḥ
und die Weisen, hochbegnadet (Nom.Pl.m.)
siddhāḥ ca ūrdhvaretasaḥ
und die Siddhas, aufwärts den Samen lenkend (Nom.Pl.m.)
marutaḥ vasavaḥ sādhyāḥ
Maruts, Vasus, Sādhyas (Nom.Pl.m.)
viśvedevāḥ sanātanāḥ
die Viśvedevas, die ewigen (Nom.Pl.m.)

yakṣā nāgāḥ piśācāś ca lokapālā hutāśanāḥ; bhāvāś ca sarve nyagbhūtās tatraivāsan samāgatāḥ

Yakṣas, Nāgas, Piśācas, die Weltenhüter, die Feuergötter, und alle Wesenheiten (Bhāvas) waren demütig gebeugt dort versammelt.

Wort für Wort
yakṣāḥ nāgāḥ piśācāḥ ca
Yakṣas, Nāgas und Piśācas (Nom.Pl.m.)
lokapālāḥ hutāśanāḥ
Weltenhüter, Feuer (Nom.Pl.m.)
bhāvāḥ ca sarve
und alle Wesenheiten (Nom.Pl.m.)
nyagbhūtāḥ
demütig geworden, gebeugt (Nom.Pl.m.)
tatra eva āsan samāgatāḥ
eben dort waren sie versammelt (3.Pl.Impf.; Part.Perf.Pass.)

ṛtavaḥ sarvapuṣpaiś ca vyakiranta mahādbhutaiḥ; oṣadhyo jvalamānāś ca dyotayanti sma tad vanam

Die Jahreszeiten bestreuten [den Ort] mit allen wunderbar großen Blumen, und die leuchtenden Kräuter erhellten jenen Wald.

Wort für Wort
ṛtavaḥ sarvapuṣpaiḥ
die Jahreszeiten mit allen Blumen (Nom.Pl.; Instr.Pl.)
vyakiranta mahādbhutaiḥ
bestreuten, mit sehr wunderbaren (3.Pl.Impf.Med.; Instr.Pl.)
oṣadhyaḥ jvalamānāḥ ca
und die Kräuter, leuchtend (Nom.Pl.f.; Part.Präs.)
dyotayanti sma tad vanam
erhellten jenen Wald (3.Pl.Präs. + sma = Vergangenheit)

vihagāś ca mudā yuktāḥ prānṛtyan vyanadaṃś ca ha; giripṛṣṭheṣu ramyeṣu vyāharanto janapriyāḥ

Auch die Vögel, voll Freude, tanzten und riefen laut, auf den lieblichen Bergrücken singend, beliebt bei den Menschen.

Wort für Wort
vihagāḥ ca mudā yuktāḥ
und die Vögel, mit Freude erfüllt (Nom.Pl.m.)
prānṛtyan vyanadan ca ha
tanzten und riefen, fürwahr (3.Pl.Impf.)
giripṛṣṭheṣu ramyeṣu
auf lieblichen Bergrücken (Lok.Pl.)
vyāharantaḥ janapriyāḥ
singend, den Leuten lieb (Nom.Pl.m.; Part.Präs.)

tatra devo giritaṭe divyadhātuvibhūṣite; paryaṅka iva vibhrājann upaviṣṭo mahāmanāḥ

Dort saß der Gott am Bergabhang, der mit göttlichen Mineralien geschmückt war, wie auf einem Ruhelager strahlend, hochgesinnt.

Wort für Wort
tatra devaḥ giritaṭe
dort der Gott am Berghang (Nom.Sg.m.; Lok.Sg.)
divyadhātuvibhūṣite
mit göttlichen Mineralien geschmückt (Lok.Sg.m.)
paryaṅke iva vibhrājan
wie auf einem Lager strahlend (Lok.Sg.; Part.Präs.)
upaviṣṭaḥ mahāmanāḥ
saß, hochgesinnt (Part.Pass. Nom.Sg.m.)

vyāghracarmāmbaradharaḥ siṃhacarmottaracchadaḥ; vyālayajñopavītī ca lohitāṅgadabhūṣaṇaḥ

Er trug ein Tigerfell als Gewand, hatte ein Löwenfell als oberes Tuch, eine Schlange als heilige Schnur und war mit roten Armreifen geschmückt.

Wort für Wort
vyāghracarmāmbaradharaḥ
Tigerfell als Gewand tragend (Nom.Sg.m.)
siṃhacarmottaracchadaḥ
Löwenfell als Oberdecke habend (Nom.Sg.m.)
vyālayajñopavītī ca
und die Schlange als heilige Schnur tragend (Nom.Sg.m.)
lohitāṅgadabhūṣaṇaḥ
mit roten Armbändern geschmückt (Nom.Sg.m.)

hariśmaśrur jaṭī bhīmo bhayakartā suradviṣām; abhayaḥ sarvabhūtānāṃ bhaktānāṃ vṛṣabhadhvajaḥ

Mit grünlichem Bart, Flechtenhaar, furchtbar, den Feinden der Götter Furcht bringend, den Wesen alle und den Ergebenen furchtlos [machend], der Stierbannerträger.

Wort für Wort
hariśmaśruḥ jaṭī bhīmaḥ
grünlichbärtig, mit Flechtenhaar, furchtbar (Nom.Sg.m.)
bhayakartā suradviṣām
Furcht bereitend den Götterfeinden (Nom.Sg.m.; Gen.Pl.)
abhayaḥ sarvabhūtānām
furchtlos [machend] allen Wesen (Nom.Sg.m.; Gen.Pl.)
bhaktānām vṛṣabhadhvajaḥ
den Ergebenen; der Stierbannerträger (Gen.Pl.; Nom.Sg.m.)

abhayaḥ ist hier als „Furchtlosigkeit gewährend“ gefasst.

dṛṣṭvā tam ṛṣayaḥ sarve śirobhir avanīṃ gatāḥ; vimuktāḥ sarvapāpebhyaḥ kṣāntā vigatakalmaṣāḥ

Als alle Seher ihn sahen, warfen sie sich mit dem Haupt zur Erde nieder; von allen Sünden befreit, verziehen und ohne Makel.

Wort für Wort
dṛṣṭvā tam ṛṣayaḥ sarve
ihn gesehen habend, alle Seher (Abs.; Nom.Pl.m.)
śirobhiḥ avanīm gatāḥ
mit den Häuptern zur Erde gegangen (Instr.Pl.; Part.Perf.Pass.)
vimuktāḥ sarvapāpebhyaḥ
befreit von allen Sünden (Nom.Pl.m.; Abl.Pl.)
kṣāntāḥ [?] vigatakalmaṣāḥ
verziehen [?], makellos geworden (Nom.Pl.m.)

kṣāntāḥ ist unsicher: „verziehen“ oder „geduldig“; gewählt ist die Lesart mit wenigsten Zusatzannahmen.

tasya bhūtapateḥ sthānaṃ bhīmarūpadharaṃ babhau; apradhṛṣyataraṃ caiva mahoragasamākulam

Der Wohnsitz jenes Herrn der Wesen, der eine furchtbare Gestalt annahm, erstrahlte und war noch unangreifbarer, von großen Schlangen erfüllt.

Wort für Wort
tasya bhūtapateḥ sthānam
des Herrn der Wesen Wohnsitz (Gen.Sg.; Nom.Sg.n.)
bhīmarūpadharam babhau
eine furchtbare Gestalt tragend, erstrahlte (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Perf.)
apradhṛṣyataram ca eva
und noch unangreifbarer (Kompar. Nom.Sg.n.)
mahoragasamākulam
von großen Schlangen erfüllt (Nom.Sg.n.)

kṣaṇenaivābhavat sarvam adbhutaṃ madhusūdana; tat sado vṛṣabhāṅkasya bhīmarūpadharaṃ babhau

Im Nu wurde alles wunderbar, o Madhusūdana; jene Halle des Stierzeichenträgers erstrahlte, eine furchtbare Gestalt tragend.

Wort für Wort
kṣaṇena eva abhavat sarvam
in einem Augenblick wurde alles (Instr.Sg.; 3.Sg.Impf.)
adbhutam madhusūdana
wunderbar, o Madhusūdana (Nom.Sg.n.; Vok.)
tat sadaḥ vṛṣabhāṅkasya
jene Halle des Stierzeichenträgers (Nom.Sg.n.; Gen.)
bhīmarūpadharam babhau
eine furchtbare Gestalt tragend, erstrahlte (3.Sg.Perf.)

tam abhyayāc chailasutā bhūtastrīgaṇasaṃvṛtā; haratulyāmbaradharā samānavratacāriṇī

Zu ihm kam die Tochter des Berges, umgeben von Scharen von Bhūta-Frauen, in ein Gewand gleich dem Haras gekleidet, dieselben Gelübde befolgend [wie er].

Wort für Wort
tam abhyayāt
ihm kam sie entgegen (3.Sg.Impf.)
śailasutā
die Bergtochter (Nom.Sg.f.)
bhūtastrīgaṇasaṃvṛtā
von Bhūta-Frauenscharen umgeben (Nom.Sg.f.)
haratulyāmbaradharā
ein Gewand gleich dem Haras tragend (Nom.Sg.f.)
samānavratacāriṇī
dasselbe Gelübde befolgend (Nom.Sg.f.)

bibhratī kalaśaṃ raukmaṃ sarvatīrthajalodbhavam

Sie trug einen goldenen Krug, entstanden aus dem Wasser aller heiligen Furten.

Wort für Wort
bibhratī
tragend (Nom.Sg.f.; Part.Präs.)
kalaśam raukmam
einen Krug, goldenen (Akk.Sg.m.)
sarvatīrthajalodbhavam
aus dem Wasser aller heiligen Furten entstanden (Akk.Sg.m.)

bibhratī paramaṃ rūpaṃ sarvabhūtamanoharam

Sie trug höchste Schönheit, die das Herz aller Wesen entzückt.

Wort für Wort
bibhratī
tragend (Nom.Sg.f.; Part.Präs.)
paramam rūpam
höchste Gestalt, Schönheit (Akk.Sg.n.)
sarvabhūtamanoharam
das Herz aller Wesen entzückend (Akk.Sg.n.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften).

girisravābhiḥ puṇyābhiḥ sarvato 'nugatā śubhā

Von allen Seiten begleitet von heiligen Bergströmen, die Glückliche.

Wort für Wort
girisravābhiḥ puṇyābhiḥ
von Bergströmen, heiligen (Instr.Pl.f.)
sarvataḥ anugatā
von allen Seiten gefolgt (Adv.; Part.Perf.Pass. Nom.Sg.f.)
śubhā
die Glückverheißende (Nom.Sg.f.)

puṣpavṛṣṭyābhivarṣantī gandhair bahuvidhais tathā; sevantī himavatpārśvaṃ harapārśvam upāgamat

Sie ließ einen Blumenregen herabregnen, ebenso mit Düften vielerlei Art; das Seitengebiet des Himavat bedienend, gelangte sie an die Seite Haras.

Wort für Wort
puṣpavṛṣṭyā abhivarṣantī
mit Blumenregen beregnend (Instr.Sg.f.; Part.Präs.)
gandhaiḥ bahuvidhaiḥ tathā
ebenso mit Düften vielerlei Art (Instr.Pl.m.)
sevantī himavatpārśvam
die Seite des Himavat bedienend (Part.Präs.; Akk.Sg.n.)
harapārśvam upāgamat
zur Seite Haras gelangte sie (Akk.Sg.n.; 3.Sg.Aor./Impf.)

tataḥ smayantī pāṇibhyāṃ narmārthaṃ cārudarśanā; haranetre śubhe devī sahasā sā samāvṛṇot

Darauf bedeckte die schönanzuschauende Göttin, lächelnd, zum Scherz plötzlich mit ihren beiden Händen die schönen Augen Haras.

Wort für Wort
tataḥ smayantī pāṇibhyām
darauf, lächelnd, mit beiden Händen (Instr. Du.)
narmārthaṃ cārudarśanā
zum Scherz, die Schönanzusehende (Nom. Sg. f.)
haranetre śubhe devī
Haras beide schöne Augen (Akk. Du. n.), die Göttin
sahasā sā samāvṛṇot
plötzlich, sie, bedeckte (3.Sg.Impf.)

saṃvṛtābhyāṃ tu netrābhyāṃ tamobhūtam acetanam; nirhomaṃ nirvaṣaṭkāraṃ tat sadaḥ sahasābhavat

Als die Augen [so] bedeckt waren, wurde jene Versammlung plötzlich finster und besinnungslos, ohne Opfergaben und ohne den Ruf „vaṣaṭ“.

Wort für Wort
saṃvṛtābhyāṃ tu netrābhyām
als beide Augen bedeckt waren (Lok. abs. Du.)
tamobhūtam acetanam
in Finsternis verwandelt, besinnungslos (Nom. Sg. n.)
nirhomaṃ nirvaṣaṭkāram
ohne Feueropfer, ohne vaṣaṭ-Ruf (Nom. Sg. n.)
tat sadaḥ sahasābhavat
jene Versammlung, plötzlich, wurde (3.Sg.Impf.)

janaś ca vimanāḥ sarvo bhayatrāsasamanvitaḥ; nimīlite bhūtapatau naṣṭasūrya ivābhavat

Und alle Menschen, verstört und von Furcht und Schrecken erfüllt, [fühlten sich], als der Herr der Wesen die Augen schloss, wie in einer Welt, in der die Sonne untergegangen ist.

Wort für Wort
janaś ca vimanāḥ sarvaḥ
und die Leute, alle, niedergeschlagen (Nom. Sg.)
bhayatrāsasamanvitaḥ
von Furcht und Schrecken erfüllt (Nom. Sg. m.)
nimīlite bhūtapatau
als der Herr der Wesen die Augen schloss (Lok. abs.)
naṣṭasūrya iva abhavat
wie mit verschwundener Sonne, wurde es (3.Sg.Impf.)

tato vitimiro lokaḥ kṣaṇena samapadyata; jvālā ca mahatī dīptā lalāṭāt tasya niḥsṛtā

Dann wurde die Welt im Nu von der Finsternis befreit, und eine große, lodernde Flamme ging von seiner Stirn aus.

Wort für Wort
tato vitimiro lokaḥ
dann frei von Finsternis, die Welt (Nom. Sg.)
kṣaṇena samapadyata
im Augenblick wurde sie (3.Sg.Impf. Med.)
jvālā ca mahatī dīptā
und eine Flamme, große, lodernde (Nom. Sg. f.)
lalāṭāt tasya niḥsṛtā
von der Stirn, seiner, ausgegangen (Abl., Gen., Part.)

tṛtīyaṃ cāsya saṃbhūtaṃ netram ādityasaṃnibham; yugāntasadṛśaṃ dīptaṃ yenāsau mathito giriḥ

Und ihm entstand ein drittes Auge, der Sonne gleich, dem Weltende ähnlich, lodernd, durch das jener Berg verbrannt [wörtl.: zerquält] wurde.

Wort für Wort
tṛtīyaṃ ca asya saṃbhūtam
und ein drittes, ihm, entstanden (Nom. Sg. n., Gen.)
netram ādityasaṃnibham
Auge, sonnengleich (Nom. Sg. n.)
yugāntasadṛśaṃ dīptam
dem Weltuntergang gleich, lodernd (Nom. Sg. n.)
yena asau mathito giriḥ
durch das jener Berg zerstört wurde (Instr.; Nom.)

mathito giriḥ: mathita von math ‚quirlen, quälen, zerstören‘; hier im Sinne von ‚versengt, zerstört‘ gedeutet; vgl. V. 36 und 47.

tato girisutā dṛṣṭvā dīptāgnisadṛśekṣaṇam; haraṃ praṇamya śirasā dadarśāyatalocanā

Da sah die Tochter des Berges, die Weitäugige, das Auge, das einem lodernden Feuer glich, verneigte sich mit dem Haupt vor Hara und blickte [ihn an].

Wort für Wort
tato girisutā dṛṣṭvā
da die Bergtochter, nachdem sie gesehen (Nom. f., Ger.)
dīptāgnisadṛśekṣaṇam
[das Auge] mit dem Aussehen lodernden Feuers (Akk. Sg. n.)
haraṃ praṇamya śirasā
Hara, sich verneigend, mit dem Haupt (Akk.; Ger.; Instr.)
dadarśa āyatalocanā
sah sie, die Weitäugige (3.Sg.Perf.; Nom. f.)

dahyamāne vane tasmin saśālasaraladrume; sacandanavane ramye divyauṣadhividīpite

Während jener Wald brannte, mit Sāla-, Saralabäumen und Bäumen [aller Art], der Sandelwald, lieblich, von göttlichen Heilkräutern erleuchtet,

Wort für Wort
dahyamāne vane tasmin
als brannte, der Wald, jener (Lok. abs.)
saśālasaraladrume
mit Sāla- und Saralabäumen (Lok. m.)
sacandanavane ramye
mit Sandelwäldern, lieblich (Lok. n.)
divyauṣadhividīpite
von göttlichen Kräutern erleuchtet (Lok. n.)

Der Satz wird in V. 35 fortgeführt.

mṛgayūthair drutair bhītair harapārśvam upāgataiḥ; śaraṇaṃ cāpy avindadbhis tat sadaḥ saṃkulaṃ babhau

und Herden von Wild, gehetzt und verängstigt, zu Haras Seite gelaufen waren und keine Zuflucht fanden, war jene Versammlung [von ihnen] überfüllt.

Wort für Wort
mṛgayūthair drutair bhītaiḥ
von Wildherden, flüchtenden, verängstigten (Instr. Pl.)
harapārśvam upāgataiḥ
zu Haras Seite gekommenen (Instr. Pl.)
śaraṇaṃ ca api avindadbhiḥ
und Zuflucht auch nicht findenden (Instr. Pl.)
tat sadaḥ saṃkulaṃ babhau
jene Versammlung, gedrängt voll, erschien (3.Sg.Perf.)

tato nabhaḥspṛśajvālo vidyullolārcir ujjvalaḥ; dvādaśādityasadṛśo yugāntāgnir ivāparaḥ

Da [erschien] ein Feuer, dessen Flammen den Himmel berührten, dessen Glut wie zuckende Blitze leuchtete, strahlend, den zwölf Ādityas gleich, wie ein zweites Feuer des Weltuntergangs.

Wort für Wort
tato nabhaḥspṛśajvālaḥ
da mit den Himmel berührenden Flammen (Nom. m.)
vidyullolārcir ujjvalaḥ
mit blitzartig zuckender Glut, strahlend (Nom. m.)
dvādaśādityasadṛśaḥ
den zwölf Ādityas gleich (Nom. m.)
yugāntāgnir iva aparaḥ
wie ein Weltende-Feuer, ein zweites (Nom. m.)

Der Satz ist ohne finites Verb überliefert; ‚erschien‘ ergänzt.

kṣaṇena tena dagdhaḥ sa himavān abhavan nagaḥ; sadhātuśikharābhogo dīnadagdhavanauṣadhiḥ

In jenem Augenblick wurde der Himavat-Berg verbrannt, dessen Gipfel und Ausdehnung von Mineralien schimmerten und dessen Wälder und Kräuter jämmerlich verbrannt waren.

Wort für Wort
kṣaṇena tena dagdhaḥ
in jenem Augenblick verbrannt (Instr.; Part. Nom.)
sa himavān abhavan nagaḥ
jener Himavat, wurde er, der Berg (Nom.; 3.Sg.Impf.)
sadhātuśikharābhogaḥ
dessen Gipfel und Umfang mit Mineralien [versehen] (Nom. m.)
dīnadagdhavanauṣadhiḥ
dessen Wälder und Kräuter jammervoll verbrannt (Nom. m.)

taṃ dṛṣṭvā mathitaṃ śailaṃ śailarājasutā tataḥ; bhagavantaṃ prapannā sā sāñjalipragrahā sthitā

Als die Tochter des Bergkönigs jenen Berg zerstört sah, nahm sie darauf Zuflucht zu dem Erhabenen und stand mit zum Gruß gefalteten Händen [vor ihm].

Wort für Wort
taṃ dṛṣṭvā mathitaṃ śailam
ihn, nachdem sie gesehen, zerstört, den Berg (Ger.; Akk.)
śailarājasutā tataḥ
die Tochter des Bergkönigs, darauf (Nom. f.)
bhagavantaṃ prapannā sā
zum Erhabenen Zuflucht genommen habend, sie (Akk.; Part.)
sāñjalipragrahā sthitā
mit gefalteten, ausgestreckten Händen, stand (Nom. f.)

sāñjalipragrahā: wörtlich ‚mit ausgestreckten, gefalteten Händen‘.

umāṃ śarvas tadā dṛṣṭvā strībhāvāgatamārdavām; pitur dainyam anicchantīṃ prītyāpaśyat tato girim

Als Śarva da Umā sah, die durch ihr Frausein weichherzig geworden war und den Kummer ihres Vaters nicht wollte, blickte er voll Zuneigung auf den Berg.

Wort für Wort
umāṃ śarvaḥ tadā dṛṣṭvā
Umā, Śarva, dann, nachdem er sah (Akk.; Nom.; Ger.)
strībhāvāgatamārdavām
die durch Frausein zu Weichheit gelangte (Akk. f.)
pituḥ dainyam anicchantīm
des Vaters Elend nicht wünschende (Gen.; Akk. Part. f.)
prītyā apaśyat tato girim
mit Zuneigung sah er, dann, den Berg (Instr.; 3.Sg.Impf.)

tato 'bhavat punaḥ sarvaḥ prakṛtisthaḥ sudarśanaḥ; prahṛṣṭavihagaś caiva prapuṣpitavanadrumaḥ

Da wurde alles wieder in seinen natürlichen Zustand versetzt, schön anzusehen, mit frohen Vögeln und mit Bäumen des Waldes in voller Blüte.

Wort für Wort
tato abhavat punaḥ sarvaḥ
da wurde wieder alles (3.Sg.Impf.; Nom.)
prakṛtisthaḥ sudarśanaḥ
im Naturzustand, schön anzusehen (Nom. m.)
prahṛṣṭavihagaḥ ca eva
mit frohen Vögeln, und zwar (Nom. m.)
prapuṣpitavanadrumaḥ
mit blühenden Waldbäumen (Nom. m.)

prakṛtisthaṃ giriṃ dṛṣṭvā prītā devī maheśvaram; uvāca sarvabhūtānāṃ patiṃ patim aninditā

Als die Göttin den Berg in seinem natürlichen Zustand sah, sprach die Untadelige erfreut zu Maheśvara, dem Herrn aller Wesen, [ihrem] Gatten.

Wort für Wort
prakṛtisthaṃ giriṃ dṛṣṭvā
den im Naturzustand befindlichen Berg gesehen habend (Akk.; Ger.)
prītā devī maheśvaram
erfreut, die Göttin, zu Maheśvara (Nom. f.; Akk.)
uvāca sarvabhūtānāṃ patim
sprach, den Herrn aller Wesen (3.Sg.Perf.; Akk.; Gen. Pl.)
patim aninditā
den Gatten, die Untadelige (Akk.; Nom. f.)

bhagavan sarvabhūteśa śūlapāṇe mahāvrata; saṃśayo me mahāñ jātas taṃ me vyākhyātum arhasi

„Erhabener, Herr aller Wesen, Speerträger, du mit großem Gelübde! Ein großer Zweifel ist mir entstanden; den solltest du mir erklären.

Wort für Wort
bhagavan sarvabhūteśa
Erhabener, Herr aller Wesen (Vok.)
śūlapāṇe mahāvrata
Speerträger, Großgelobender (Vok.)
saṃśayo me mahān jātaḥ
Zweifel, mir, großer, entstanden (Nom.; Gen./Dat.)
taṃ me vyākhyātum arhasi
den mir zu erklären, du vermagst/sollst (Inf.; 2.Sg.Präs.)

kimarthaṃ te lalāṭe vai tṛtīyaṃ netram utthitam; kimarthaṃ ca girir dagdhaḥ sapakṣigaṇakānanaḥ

Weshalb ist dir auf der Stirn ein drittes Auge aufgestiegen? Weshalb wurde der Berg mit seinen Vogelscharen und Wäldern verbrannt?

Wort für Wort
kimarthaṃ te lalāṭe vai
wozu, dir, auf der Stirn, fürwahr (Gen./Lok.)
tṛtīyaṃ netram utthitam
ein drittes Auge, aufgestiegen (Nom. n.; Part.)
kimarthaṃ ca giriḥ dagdhaḥ
und weshalb der Berg verbrannt (Nom.; Part.)
sapakṣigaṇakānanaḥ
samt Vogelscharen und Wäldern (Nom. m.)

kimarthaṃ ca punar deva prakṛtisthaḥ kṣaṇāt kṛtaḥ; tathaiva drumasaṃchannaḥ kṛto 'yaṃ te maheśvara

Und weshalb, o Gott, wurde er wiederum im Nu in seinen natürlichen Zustand versetzt? Und so wurde dieser [Berg], Maheśvara, wieder von dir mit Bäumen bedeckt.

Wort für Wort
kimarthaṃ ca punaḥ deva
und weshalb wieder, Gott (Vok.)
prakṛtisthaḥ kṣaṇāt kṛtaḥ
in den Naturzustand versetzt, im Nu gemacht (Nom.; Abl.; Part.)
tathā eva drumasaṃchannaḥ
ebenso mit Bäumen bedeckt (Nom.)
kṛtaḥ ayaṃ te maheśvara
gemacht, dieser, von dir, Maheśvara (Part.; Instr./Gen.; Vok.)

maheśvara uvāca; netre me saṃvṛte devi tvayā bālyād anindite; naṣṭālokas tato lokaḥ kṣaṇena samapadyata

Maheśvara sprach: „Meine Augen wurden von dir, Göttin, Untadelige, aus Kinderei bedeckt; darauf wurde die Welt im Nu ohne Licht.

Wort für Wort
maheśvara uvāca
Maheśvara sprach (3.Sg.Perf.)
netre me saṃvṛte devi
meine Augen, bedeckt, Göttin (Nom. Du.; Vok.)
tvayā bālyāt anindite
von dir, aus Kindlichkeit, Untadelige (Instr.; Abl.; Vok.)
naṣṭālokaḥ tato lokaḥ
lichtlos, darauf die Welt (Nom. m.)
kṣaṇena samapadyata
im Augenblick wurde sie (3.Sg.Impf.)

naṣṭāditye tathā loke tamobhūte nagātmaje; tṛtīyaṃ locanaṃ dīptaṃ sṛṣṭaṃ te rakṣatā prajāḥ

Als so die Sonne verschwunden und die Welt in Finsternis gehüllt war, Bergtochter, wurde das dritte, lodernde Auge von mir geschaffen, um die Geschöpfe zu schützen.

Wort für Wort
naṣṭāditye tathā loke
als die Sonne verschwunden, so, die Welt (Lok. abs.)
tamobhūte nagātmaje
in Finsternis geraten, Bergtochter (Lok.; Vok.)
tṛtīyaṃ locanaṃ dīptam
das dritte Auge, lodernd (Nom. n.)
sṛṣṭaṃ te rakṣatā prajāḥ
geschaffen, von dem, der die Geschöpfe schützt (Part.; Instr. Part.; Akk. Pl.)

te rakṣatā: überliefert ‚von dir … schützend‘; sinngemäß auf den sprechenden Gott bezogen (‚von mir‘). [?]

tasya cākṣṇo mahat tejo yenāyaṃ mathito giriḥ; tvatpriyārthaṃ ca me devi prakṛtisthaḥ kṣaṇāt kṛtaḥ

Und die große Glut dieses Auges ist es, durch die dieser Berg zerstört wurde; und dir zuliebe, Göttin, wurde er von mir im Nu in seinen natürlichen Zustand zurückversetzt.

Wort für Wort
tasya ca akṣṇaḥ mahat tejaḥ
und dieses Auges große Glut (Gen.; Nom. n.)
yena ayaṃ mathito giriḥ
durch die dieser Berg zerstört wurde (Instr.; Nom.)
tvatpriyārthaṃ ca me devi
und dir zuliebe, von mir, Göttin (Akk.; Gen.; Vok.)
prakṛtisthaḥ kṣaṇāt kṛtaḥ
in den Naturzustand versetzt, im Nu gemacht (Nom.; Abl.; Part.)

umovāca; bhagavan kena te vaktraṃ candravat priyadarśanam; pūrvaṃ tathaiva śrīkāntam uttaraṃ paścimaṃ tathā

Umā sprach: „Erhabener, wodurch ist dein Gesicht mondgleich, lieblich anzusehen? Ebenso das östliche, glücklich-schöne, ebenso das nördliche und westliche?

Wort für Wort
umā uvāca
Umā sprach (3.Sg.Perf.)
bhagavan kena te vaktram
Erhabener, wodurch dein Gesicht (Vok.; Instr.; Nom. n.)
candravat priyadarśanam
mondgleich, lieblich anzusehen (Nom. n.)
pūrvaṃ tathā eva śrīkāntam
das östliche, ebenso, glückverheißend-schön (Nom. n.)
uttaraṃ paścimaṃ tathā
das nördliche, das westliche, ebenso (Nom. n.)

Zu pūrvam/uttaram/paścimam ist mukham zu ergänzen (vgl. dakṣiṇaṃ mukham in V. 49).

dakṣiṇaṃ ca mukhaṃ raudraṃ kenordhvaṃ kapilā jaṭāḥ; kena kaṇṭhaś ca te nīlo barhibarhanibhaḥ kṛtaḥ

Und das südliche Gesicht [ist] schrecklich; wodurch [sind] die Haare oben rötlich-braun? Wodurch wurde dein Hals blau gemacht, gleich einer Pfauenfeder?

Wort für Wort
dakṣiṇaṃ ca mukhaṃ raudram
und das südliche Gesicht, schrecklich (Nom. n.)
kena ūrdhvaṃ kapilā jaṭāḥ
wodurch oben, rötlichbraun, die Zöpfe (Instr.; Adv.; Nom. Pl. f.)
kena kaṇṭhaḥ ca te nīlaḥ
und wodurch dein Hals blau (Nom.; Gen.)
barhibarhanibhaḥ kṛtaḥ
einer Pfauenfeder ähnlich, gemacht (Nom.; Part.)

haste caitat pinākaṃ te satataṃ kena tiṣṭhati; jaṭilo brahmacārī ca kimartham asi nityadā

Und warum bleibt dieser Pinaka [-Bogen] stets in deiner Hand? Und warum bist du beständig ein Zopfträger und Brahmacārin?

Wort für Wort
haste ca etat pinākaṃ te
und in der Hand, dieser Pinaka, dein (Lok.; Nom.)
satataṃ kena tiṣṭhati
beständig, weshalb, bleibt er (Adv.; Instr.; 3.Sg.Präs.)
jaṭilaḥ brahmacārī ca
Zopfträger, und Brahmacārin (Nom.)
kimartham asi nityadā
weshalb bist du, allezeit (2.Sg.Präs.)

etaṃ me saṃśayaṃ sarvaṃ vada bhūtapate 'nagha; sadharmacāriṇī cāhaṃ bhaktā ceti vṛṣadhvaja

Erkläre mir diesen ganzen Zweifel, Herr der Wesen, Makelloser; ich bin ja deine Gefährtin im Dharma und [deine] Verehrerin, Stierbannerträger.“

Wort für Wort
etaṃ me saṃśayaṃ sarvam
diesen, meinen, Zweifel, ganzen (Akk.)
vada bhūtapate anagha
sprich, Herr der Wesen, Makelloser (Imp.; Vok.)
sadharmacāriṇī ca aham
und Mitpflichtgefährtin, ich (Nom. f.)
bhaktā ca iti vṛṣadhvaja
und Ergebene, so, Stierbanner (Nom. f.; Vok.)

evam uktaḥ sa bhagavāñ śailaputryā pinākadhṛk; tasyā vṛttyā ca buddhyā ca prītimān abhavat prabhuḥ

So von der Bergtochter angesprochen, wurde der Erhabene, der Träger des Pinaka, der Herr, über ihr Benehmen und ihre Einsicht erfreut.

Wort für Wort
evam uktaḥ sa bhagavān
so angesprochen, jener Erhabene (Part.; Nom.)
śailaputryā pinākadhṛk
von der Bergtochter, der Pinakaträger (Instr.; Nom.)
tasyāḥ vṛttyā ca buddhyā ca
durch ihr Verhalten und durch ihren Verstand (Gen.; Instr.)
prītimān abhavat prabhuḥ
erfreut wurde er, der Herr (Nom.; 3.Sg.Impf.)

tatas tām abravīd devaḥ subhage śrūyatām iti; hetubhir yair mamaitāni rūpāṇi rucirānane

Darauf sprach der Gott zu ihr: „Schöne, höre, aus welchen Gründen diese meine Gestalten [so sind], Lieblichgesichtige.“

Wort für Wort
tatas tām abravīt devaḥ
darauf zu ihr sprach der Gott (Akk.; 3.Sg.Impf.; Nom.)
subhage śrūyatām iti
Schöne, es werde gehört, so (Vok.; Imp. Pass.)
hetubhir yaiḥ mama etāni
durch die Gründe, welche, meine, diese (Instr. Pl.; Gen.; Nom. n.)
rūpāṇi rucirānane
Gestalten, Lieblichgesichtige (Nom. n.; Vok.)

Der Satz bleibt im Text unvollständig und wird im Folgenden fortgesetzt; ‚so sind‘ ergänzt.

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