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Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 353: kathāparamparā Die Überlieferungskette der Erzählung und Cyavanas Weihe des Brahmanen

Bhīṣma erklärt Yudhiṣṭhira die Herkunft der folgenden Erzählung: Ein Brahmane teilte sie Cyavana mit, dieser Nārada, Nārada dem Indra, Indra den Vasus, und die Vasus schließlich Bhīṣma selbst, der sie nun an Yudhiṣṭhira weitergibt. Das Kapitel endet damit, dass der Brahmane, von Cyavana geweiht, mit festem Entschluss in den Wald zieht, um dort nach den Regeln der Askese von abgezähltem Ährenlesen (uñcchavṛtti) zu leben.

bhīṣma uvāca; sa cāmantryoragaśreṣṭhaṃ brāhmaṇaḥ kṛtaniścayaḥ; dīkṣākāṅkṣī tadā rājaṃś cyavanaṃ bhārgavaṃ śritaḥ

Bhīṣma sprach: Und er, der Brahmane, der einen festen Entschluss gefasst hatte, wandte sich, nachdem er den besten der Schlangen verabschiedet hatte, da, o König, voll Verlangen nach der Weihe an Cyavana Bhārgava und suchte bei ihm Zuflucht.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (3.Sg.Perf.)
sa ca āmantrya
und er, nachdem er angesprochen/verabschiedet hatte (Nom.Sg.m. + Absolutiv)
uragaśreṣṭham
den besten der Schlangen (Akk.Sg.m.)
brāhmaṇaḥ kṛtaniścayaḥ
der Brahmane, der einen Entschluss gefasst hatte (Nom.Sg.m.)
dīkṣākāṅkṣī
nach der Weihe verlangend (Nom.Sg.m.)
tadā rājan
da, o König (Adv. + Vok.Sg.)
cyavanaṃ bhārgavaṃ
zu Cyavana Bhārgava (Akk.Sg.m.)
śritaḥ
sich wendend, Zuflucht nehmend (Nom.Sg.m., Perf.Part.)

Der Bezug auf den Brahmanen und den besten der Schlangen (den Nāgafürsten) setzt eine vorangehende, hier nicht enthaltene Erzählung voraus.

sa tena kṛtasaṃskāro dharmam evopatasthivān; tathaiva ca kathām etāṃ rājan kathitavāṃs tadā

Er, dem von jenem die Weiheriten vollzogen worden waren, ergab sich einzig dem Dharma; und ebenso, o König, erzählte er da diese Geschichte.

Wort für Wort
sa tena
er, durch ihn [Cyavana] (Nom.Sg.m. + Instr.Sg.m.)
kṛtasaṃskāraḥ
dem die Weiheriten vollzogen worden waren (Nom.Sg.m., Bahuvrīhi)
dharmam eva
einzig dem Dharma (Akk.Sg.m. + Partikel)
upatasthivān
ergab sich, diente (Nom.Sg.m., Perf.Akt.Part.)
tathaiva ca
und ebenso (Adv.)
kathām etāṃ
diese Geschichte (Akk.Sg.f.)
rājan
o König (Vok.Sg.)
kathitavāṃs tadā
erzählte er dann (Nom.Sg.m., Perf.Akt.Part. + Adv.)

bhārgaveṇāpi rājendra janakasya niveśane; kathaiṣā kathitā puṇyā nāradāya mahātmane

Auch von Bhārgava, o Herrscher der Könige, wurde im Palast des Janaka diese heilige Geschichte dem großherzigen Nārada erzählt.

Wort für Wort
bhārgaveṇa api
auch von Bhārgava [Cyavana] (Instr.Sg.m. + Partikel)
rājendra
o Herrscher der Könige (Vok.Sg.)
janakasya niveśane
im Palast des Janaka (Gen.Sg. + Lok.Sg.)
kathā eṣā
diese Geschichte (Nom.Sg.f.)
kathitā puṇyā
wurde erzählt, die heilige (Nom.Sg.f., Perf.Part.Pass. + Adj.)
nāradāya mahātmane
dem großherzigen Nārada (Dat.Sg.m.)

nāradenāpi rājendra devendrasya niveśane; kathitā bharataśreṣṭha pṛṣṭenākliṣṭakarmaṇā

Auch von Nārada, dem unermüdlich Wirkenden, wurde sie, nachdem er gefragt worden war, im Palast des Götterfürsten erzählt, o Bester der Bharatas.

Wort für Wort
nāradena api
auch von Nārada (Instr.Sg.m. + Partikel)
rājendra
o Herrscher der Könige (Vok.Sg.)
devendrasya niveśane
im Palast des Götterfürsten (Gen.Sg. + Lok.Sg.)
kathitā
wurde erzählt (Nom.Sg.f., Perf.Part.Pass.)
bharataśreṣṭha
o Bester der Bharatas (Vok.Sg.)
pṛṣṭena
der gefragt worden war (Instr.Sg.m., Perf.Part.Pass.)
akliṣṭakarmaṇā
dessen Wirken unermüdlich ist (Instr.Sg.m., Bahuvrīhi)

devarājena ca purā kathaiṣā kathitā śubhā; samastebhyaḥ praśastebhyo vasubhyo vasudhādhipa

Und vom Götterkönig, o Herr der Erde, wurde einst diese verheißungsvolle Geschichte allen den gepriesenen Vasus erzählt.

Wort für Wort
devarājena ca
und vom Götterkönig [Indra] (Instr.Sg.m.)
purā
einst (Adv.)
kathā eṣā śubhā
diese verheißungsvolle Geschichte (Nom.Sg.f.)
kathitā
wurde erzählt (Nom.Sg.f., Perf.Part.Pass.)
samastebhyaḥ praśastebhyo
allen den gepriesenen (Dat.Pl.m.)
vasubhyaḥ
den Vasus (Dat.Pl.m.)
vasudhādhipa
o Herr der Erde (Vok.Sg.)

yadā ca mama rāmeṇa yuddham āsīt sudāruṇam; vasubhiś ca tadā rājan katheyaṃ kathitā mama

Und als ich mit Rāma einen sehr schrecklichen Kampf hatte, da, o König, wurde mir von den Vasus diese Geschichte erzählt.

Wort für Wort
yadā ca
und als (Konj.)
mama rāmeṇa
mein [Kampf] mit Rāma (Gen.Sg. + Instr.Sg.m.)
yuddham āsīt sudāruṇam
der Kampf war sehr schrecklich (Nom.Sg.n. + 3.Sg.Impf. + Adj.)
vasubhiś ca
und von den Vasus (Instr.Pl.m.)
tadā rājan
da, o König (Adv. + Vok.Sg.)
katheyaṃ kathitā mama
wurde mir diese Geschichte erzählt (Nom.Sg.f. + Perf.Part.Pass. + Dat.)

pṛcchamānāya tattvena mayā tubhyaṃ viśāṃ pate; katheyaṃ kathitā puṇyā dharmyā dharmabhṛtāṃ vara

Dir, der du wahrheitsgemäß fragtest, o Herr der Völker, wurde von mir diese heilige, dem Dharma gemäße Geschichte erzählt, o Bester der Rechtschaffenen.

Wort für Wort
pṛcchamānāya
dem Fragenden (Dat.Sg.m., Präs.Part.)
tattvena
wahrheitsgemäß (Instr.Sg.n. als Adv.)
mayā tubhyaṃ
von mir, dir (Instr.Sg. + Dat.Sg.)
viśāṃ pate
o Herr der Völker (Gen.Pl. + Vok.Sg.)
katheyaṃ kathitā
wurde diese Geschichte erzählt (Nom.Sg.f. + Perf.Part.Pass.)
puṇyā dharmyā
die heilige, dem Dharma gemäße (Nom.Sg.f.)
dharmabhṛtāṃ vara
o Bester der Rechtschaffenen (Gen.Pl. + Vok.Sg.)

tad eṣa paramo dharmo yan māṃ pṛcchasi bhārata; asannadhīr anākāṅkṣī dharmārthakaraṇe nṛpa

Das, o Bhārata, dass du mich fragst, ist der höchste Dharma – [du,] dessen Geist nicht erschlafft, der ohne [eigennütziges] Verlangen beim Vollbringen von Dharma und Artha ist, o König.

Wort für Wort
tad
das (Nom.Sg.n.)
eṣa paramo dharmo
ist dieser höchste Dharma (Nom.Sg.m.)
yan māṃ pṛcchasi
dass du mich fragst (Relativpartikel + Akk. + 2.Sg.Präs.)
bhārata
o Bhārata (Vok.Sg.)
asannadhīr
dessen Geist nicht erschlafft ist (Nom.Sg.m., Bahuvrīhi)
anākāṅkṣī
der ohne Verlangen ist (Nom.Sg.m.)
dharmārthakaraṇe
beim Vollbringen von Dharma und Artha (Lok.Sg.)
nṛpa
o König (Vok.Sg.)

sa ca kila kṛtaniścayo dvijāgryo; bhujagapatipratideśitārthakṛtyaḥ; yamaniyamasamāhito vanāntaṃ; parigaṇitoñchaśilāśanaḥ praviṣṭaḥ

Und er, der beste der Zweifachgeborenen, hatte, so heißt es, einen festen Entschluss gefasst; die ihm vom Herrn der Schlangen zugewiesene Aufgabe [erfüllend], gefestigt in Selbstbeherrschung und [ritueller] Regel, mit abgezähltem Ährenlesen als Nahrung, betrat er das Innere des Waldes.

Wort für Wort
sa ca kila
und er, so heißt es (Nom.Sg.m. + Partikel)
kṛtaniścayo dvijāgryaḥ
der Beste der Zweifachgeborenen, der einen festen Entschluss gefasst hatte (Nom.Sg.m.)
bhujagapatipratideśitārthakṛtyaḥ
dessen Aufgabe vom Herrn der Schlangen zugewiesen war (Nom.Sg.m., Bahuvrīhi)
yamaniyamasamāhito
gefestigt in Selbstbeherrschung und Regel (Nom.Sg.m.)
vanāntaṃ
das Innere des Waldes (Akk.Sg.m.)
parigaṇitoñchaśilāśanaḥ
dessen Nahrung abgezähltes Ährenlesen war (Nom.Sg.m., Bahuvrīhi)
praviṣṭaḥ
betrat (Nom.Sg.m., Perf.Part.Pass.)

Uñcchaśilāśana bezeichnet die asketische Lebensweise des Ährenlesens (uñcchavṛtti), bei der nur liegen gebliebene Kornreste gegessen werden.

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