Kapitel 104: śatrusādhanopadeśa
Bṛhaspatis Rat an Indra: Umgang mit Feinden und Erkennen der Falschen
Auf Yudhiṣṭhiras Frage nach dem Verhalten gegenüber milden, scharfen und mächtigen Feinden berichtet Bhīṣma das Lehrgespräch zwischen Bṛhaspati und Indra über Klugheit, Geduld und Täuschung im Umgang mit Gegnern sowie über die Merkmale eines feindlich Gesinnten.
yudhiṣṭhira uvāca; kathaṃ mṛdau kathaṃ tīkṣṇe mahāpakṣe ca pārthiva; arau varteta nṛpatis tan me brūhi pitāmaha
Yudhiṣṭhira sprach: „Wie soll sich ein König, o Herr der Erde, gegenüber einem Feind verhalten, sei er mild, scharf oder mit großem Anhang? Das sage mir, Großvater.“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
kathaṃ mṛdau kathaṃ tīkṣṇe
wie gegenüber einem Milden, wie gegenüber einem Scharfen (Lok.Sg.)
mahāpakṣe ca pārthiva
und gegenüber einem mit großem Anhang (Lok.), o Herr der Erde (Vok.)
arau varteta nṛpatiḥ
gegenüber dem Feind (Lok.) soll sich verhalten (Opt.Med.) der König (Nom.)
tat me brūhi pitāmaha
das (Akk.) sage (Imp.) mir (Dat.), Großvater (Vok.)
Nachdem er Bṛhaspati, den Herrn der Götter [?], mit gefalteten Händen gegrüßt und sich ihm genähert hatte, fragte ihn Vāsava, der Bezwinger feindlicher Helden.
Wort für Wort
bṛhaspatiṃ devapatiḥ
Bṛhaspati (Akk.), der Götterherr (Nom.) [?]
abhivādya kṛtāñjaliḥ
nach dem Grüßen (Gerundium), mit gefalteten Händen (Nom.)
upasaṃgamya
nachdem er herangetreten war (Gerundium)
papraccha vāsavaḥ
fragte (Perf.), Vāsava (Nom.)
paravīrahā
Töter feindlicher Helden (Nom.Sg.)
devapati kann Bṛhaspati (Herr/Lehrer der Götter) oder Indra bezeichnen; grammatisch bezieht sich der Akk. auf Bṛhaspati, der Titel passt eigentlich zu Indra (Vāsava).
„Wenn der Sieg beim Aufeinandertreffen der beiden Heere beiden gemeinsam [ungewiss] sein kann: was muss ich tun, damit mich das lodernde, glühende Glück nicht verlässt?“
Wort für Wort
senayoḥ vyatiṣaṅgeṇa
der beiden Heere (Gen.Du.), durch das Aufeinandertreffen (Instr.)
na jātu kalahenecchen niyantum apakāriṇaḥ; bālasaṃsevitaṃ hy etad yad amarṣo yad akṣamā; na śatrur vivṛtaḥ kāryo vadham asyābhikāṅkṣatā
„Nie soll man die Übeltäter durch Streit bezwingen wollen; denn das ist von Kindern geübt: Unmut und Unduldsamkeit. Wer sein Verderben wünscht, darf den Feind nicht offen [gegen sich] auftreten lassen [?].“
Wort für Wort
na jātu kalahena icchet
niemals durch Streit soll man wünschen (Opt.)
niyantum apakāriṇaḥ
zu bezwingen (Inf.), die Schädiger (Akk.Pl.)
bālasaṃsevitaṃ hi etat
von Kindern geübt (Nom.n.), denn dies
yad amarṣaḥ yad akṣamā
nämlich Unmut, nämlich Unduldsamkeit (Nom.)
na śatruḥ vivṛtaḥ kāryaḥ
nicht der Feind, offen (gemacht), ist zu machen (Gerundiv)
vadham asya abhikāṅkṣatā
Tötung (Akk.) von ihm (Gen.), von dem Wünschenden (Instr.)
na śatrur vivṛtaḥ kāryaḥ: Sinn unsicher (offen gemacht / offen gezeigt).
krodhaṃ balam amarṣaṃ ca niyamyātmajam ātmani; amitram upaseveta viśvastavad aviśvasan
Zorn, Kraft und Unmut, die in ihm selbst entstanden sind, in sich zügelnd, soll er dem Feind aufwarten, als vertraue er ihm, ohne ihm doch zu vertrauen.
priyam eva vaden nityaṃ nāpriyaṃ kiṃ cid ācaret; viramec chuṣkavairebhyaḥ kaṇṭhāyāsaṃ ca varjayet
Immer soll er nur Liebes sagen, niemals etwas Unliebes tun; er lasse ab von trockener [grundloser] Feindschaft und meide das Anstrengen der Kehle [Geschrei].
Wort für Wort
priyam eva vadet nityam
nur Liebes soll er sagen (Opt.), stets
na apriyaṃ kiṃ cit ācaret
nichts Unliebes soll er tun (Opt.)
viramet
soll ablassen (Opt.)
śuṣkavairebhyaḥ
von trockenen (grundlosen) Feindschaften (Abl.Pl.)
Wie ein zur rechten Zeit bereiter Vogelfänger, der den Vögeln ähnlich ruft, jene Vögel in seine Gewalt bringt, so [soll] der König, gerüstet, auch die Feinde in seine Gewalt bringen und, Puraṃdara, erschlagen.
„Ein Zusammenstoß ist nicht zu wagen, wenn der Sieg gemeinsam [ungewiss] ist; erst Vertrauen erweckend, ist der Feind, nachdem man ihn in seine Gewalt gebracht hat, beiseitezuschaffen [?], o Herr.“
Wort für Wort
na saṃnipātaḥ kartavyaḥ
nicht ein Zusammenstoß ist zu machen (Gerundiv)
sāmānye vijaye sati
wenn der Sieg gemeinsam ist (Lok.abs.)
viśvāsya eva
erst Vertrauen erweckend (Gerundium)
upasaṃnyāsyaḥ
beiseitezuschaffen [?] (Gerundiv)
vaśe kṛtvā ripuḥ prabho
in die Gewalt gebracht, der Feind, o Herr (Vok.)
viśvāsyaivopasaṃnyāsyaḥ: Bedeutung von upasaṃnyāsya unsicher.
vaśe kuryān na śamayet tīkṣṇān karkaśapīḍanaiḥ; sa yathā neṣyate rājñas tīkṣṇopakaraṇakṣayaḥ; hetāv īrṣuḥ phalenerṣuḥ syāc chakra vyavasāyavit; doṣeṇa guṇarūpeṇa dviṣato yo jayet sadā
In seine Gewalt bringen soll er, nicht beschwichtigen die Scharfen durch harte Peinigungen [?]; wie vom König der Verlust der scharfen Werkzeuge nicht gewünscht wird [?]. Auf die Ursache eifersüchtig, auf die Frucht eifersüchtig sei, o Śakra, wer das Vorgehen kennt [?]; wer die Hassenden stets durch einen Fehler in Gestalt einer Tugend besiegt [?].
Wort für Wort
vaśe kuryāt na śamayet
in Gewalt bringen soll er, nicht beschwichtigen (Opt.)
tīkṣṇān karkaśapīḍanaiḥ
die Scharfen (Akk.), durch harte Peinigungen (Instr.)
sa yathā na iṣyate rājñaḥ
wie [?] nicht gewünscht wird vom König
tīkṣṇopakaraṇakṣayaḥ
Verlust scharfer Werkzeuge (Nom.)
hetau īrṣuḥ phalena īrṣuḥ syāt
auf die Ursache eifersüchtig, auf die Frucht eifersüchtig sei er (Opt.)
śakra vyavasāyavit
Śakra (Vok.), Entschlusskundiger (Nom.)
doṣeṇa guṇarūpeṇa
durch Fehler, tugendgestaltig (Instr.)
dviṣataḥ yaḥ jayet sadā
die Hassenden (Akk.), wer besiegt (Opt.), stets
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage, Text vermutlich verderbt; Sinn insgesamt unsicher.
bhedenopapradānena saṃsṛjann auṣadhais tathā; na tv eva celasaṃsargaṃ racayed aribhiḥ saha
Durch Entzweiung, durch Geschenke und ebenso durch Heilmittel [oder Gifte] sich verbindend, soll er niemals Berührung von Gewand zu Gewand mit den Feinden pflegen [?].
Wort für Wort
bhedena upapradānena
durch Entzweiung, durch Geschenk (Instr.)
saṃsṛjan
sich verbindend (Part.)
auṣadhaiḥ tathā
durch Kräuter/Heilmittel (Instr.Pl.), ebenso
na tu eva celasaṃsargam
doch nie Gewandberührung [?] (Akk.)
racayet aribhiḥ saha
soll er herstellen (Opt.), mit Feinden
celasaṃsarga: wörtlich Gewandberührung, Sinn (enger persönlicher Umgang / Übervertrautheit) unsicher.
**** **** upāsīta śacīpate; tathā priyaṃ ca vaktavyaṃ
[Lücke im Text] …… soll man aufwarten, Gemahl der Śacī; und ebenso ist Liebes zu sagen [Anm.: Satz bricht ab].
Wort für Wort
[Lücke]
[Lücke im Text]
upāsīta
soll aufwarten (Opt.Med.)
śacīpate
Gemahl der Śacī (Vok.)
tathā priyaṃ ca
ebenso und Liebes (Akk.)
vaktavyam
ist zu sagen (Gerundiv)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage mit Lücke (….); der Vers ist unvollständig überliefert.
na sadyo 'rīn vinirhanyād dṛṣṭasya vijayo 'jvaraḥ; na yaḥ śalyaṃ ghaṭṭayati navaṃ ca kurute vraṇam
„Nicht sofort soll er die Feinde erschlagen; der Sieg über den Erkannten ist ohne Fieber [Kummer]. [Der handelt richtig], der den Splitter nicht berührt und keine neue Wunde schafft.“
Wort für Wort
na sadyaḥ arīn vinirhanyāt
nicht sofort die Feinde erschlage er (Opt.)
dṛṣṭasya vijayaḥ ajvaraḥ
beim Erkannten (Gen.) der Sieg, fieberlos (Nom.)
na yaḥ śalyaṃ ghaṭṭayati
wer nicht den Splitter berührt (3.Sg.Kaus.)
navaṃ ca kurute vraṇam
und keine neue Wunde macht (3.Sg.Med.)
na yaḥ śalyaṃ ghaṭṭayati …: Satzbau elliptisch; Ergänzung in [ ] unsicher.
prāpte ca praharet kāle na sa saṃvartate punaḥ; hantukāmasya devendra puruṣasya ripuṃ prati
Und wenn die Zeit gekommen ist, soll er zuschlagen; jener [Feind] erhebt sich nicht wieder, o Herr der Götter, [bei einem] Mann, der den Feind töten will.
Wort für Wort
prāpte ca praharet kāle
und wenn die Zeit gekommen ist (Lok.abs.), soll er zuschlagen
na sa saṃvartate punaḥ
nicht jener kehrt wieder / erhebt sich (3.Sg.), wieder
yaḥ kālo hi vyatikrāmet puruṣaṃ kālakāṅkṣiṇam; durlabhaḥ sa punaḥ kālaḥ kāladharmacikīrṣuṇā
Denn die Zeit, die an einem vorübergeht, der auf die Zeit wartet, ist schwer wiederzubekommen, [nämlich] für den, der das Gebot der Zeit erfüllen will.
So soll er die Kraftfülle [des Feindes?] überwinden, indem er die von den Guten Geschätzten für sich gewinnt; mit der Zeit soll er stets sein Ziel erreichen, ohne zu bedrängen, wenn die Zeit noch nicht gekommen ist.
Wort für Wort
aurjasthyam vijayet evam
Kraftfülle [?] (Akk.) überwinde er (Opt.), so
saṃgṛhṇan
gewinnend (Part.)
sādhusaṃmatān
die von Guten Geschätzten (Akk.Pl.)
kālena sādhayet nityam
mit der Zeit vollbringe er, stets (Opt.)
na aprāpte abhinipīḍayet
nicht bei Nichteingetretenem (Lok.) bedränge er (Opt.)
aurjasthya: Bedeutung und Bezug (Kraftfülle/Überlegenheit, des Feindes oder eigene) unsicher.
Nur dann soll er so verfahren, wenn das Geheimnis von einem allein gewahrt werden kann; die Minister wahren das Geheimnis, doch sie lassen es auch gegenseitig auseinanderlaufen [?].
Wort für Wort
yadā eva ekena śakyeta
nur wenn von einem allein möglich wäre (Opt.Pass.)
guhyaṃ kartum tadā ācaret
das Geheimnis zu bewahren [?] (Inf.), dann soll er verfahren
Oder in der Erwägung: „Es ist [allein] nicht möglich“, soll er mit anderen eine Absprache treffen; gegen die Unsichtbaren [Verborgenen] den Brahma-Stab [?], gegen die Sichtbaren das vierteilige [Heer].
Wort für Wort
aśakyam iti kṛtvā vā
in der Erwägung „es ist nicht möglich“, oder (Ind.Abs.)
tato 'nyaiḥ saṃvidaṃ caret
dann mit anderen Absprache pflegen (Instr.Pl./Akk.Sg.; 3.Sg.Opt.)
brahmadaṇḍam
den Brahma-Stab (Akk.Sg.)
adṛṣṭeṣu
gegen Unsichtbare/Verborgene (Lok.Pl.)
dṛṣṭeṣu
gegen Sichtbare (Lok.Pl.)
caturaṅgiṇīm
das vierteilige Heer (Akk.Sg.f.)
brahmadaṇḍa hier unsicher (Priesterstrafe/Zauber oder Zwang durch Brahmanen); adṛṣṭa/dṛṣṭa als „verborgen/offen erkennbar“ gedeutet.
Zuerst soll er Entzweiung anwenden und ebenso den stillen Zwang [tūṣṇīṃdaṇḍa]; zur rechten Zeit soll der König jeweils dann [das Passende] anwenden, bei diesem und jenem.
Wort für Wort
bhedaṃ ca prathamaṃ yuñjyāt
und Entzweiung zuerst anwenden (Akk.Sg.; 3.Sg.Opt.)
tūṣṇīṃdaṇḍaṃ tathaiva ca
und ebenso den stillen Zwang (Akk.Sg.)
kāle prayojayed rājā
zur rechten Zeit soll der König anwenden (Lok.; 3.Sg.Opt.Kaus.)
sthānāni śaṅkitānāṃ ca nityam eva vivarjayet; na ca teṣv āśvased drugdhvā jāgratīha nirākṛtāḥ
Die Orte der Argwöhnischen soll er stets meiden; und er soll auf ihnen nicht ruhig werden, nachdem er [ihnen] Schaden zugefügt hat, denn hier wachen die Zurückgewiesenen.
Wort für Wort
sthānāni śaṅkitānāṃ ca
und die Orte der Argwöhnischen (Akk.Pl.n.; Gen.Pl.)
nityam eva vivarjayet
stets meiden (Adv.; 3.Sg.Opt.)
na ca teṣv āśvased
und auf ihnen nicht ruhig/vertrauensvoll werden (Lok.Pl.; 3.Sg.Opt.)
drugdhvā
nachdem er Schaden zugefügt hat (Ind.Abs.)
jāgrati iha nirākṛtāḥ
hier wachen die Zurückgewiesenen (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.)
tathā vividhaśīlānām api saṃbhava ucyate; yateta yogam āsthāya mitrāmitrān avārayan
Ebenso wird auch bei Menschen von mannigfachem Wesen [nur] ein [schwieriges] Zustandekommen genannt; er soll sich bemühen, indem er Yoga [das rechte Mittel/die Sammlung] anwendet, Freunde und Feinde nicht abwehrend [?].
Wort für Wort
tathā vividhaśīlānām
ebenso bei Mannigfach-Gearteten (Gen.Pl.)
api saṃbhava ucyate
auch das Zustandekommen wird genannt (Nom.Sg.; 3.Sg.Pass.)
yateta yogam āsthāya
er soll sich bemühen, das Mittel/den Yoga ergreifend (3.Sg.Opt.Med.; Ind.Abs.)
mitrāmitrān avārayan
Freunde und Feinde nicht abwehrend (Akk.Pl.; Part.Präs. mit a-Privativ-Sinn)
saṃbhava und yoga hier sinnoffen; Deutung unsicher.
ekaikam eṣāṃ niṣpiṃṣañ śiṣṭeṣu nipuṇaṃ caret; na ca śakto 'pi medhāvī sarvān evārabhen nṛpaḥ
Einen nach dem anderen von diesen zermalmend, soll er unter den Übrigen geschickt verfahren; und nicht soll der kluge König, auch wenn er mächtig ist, alle [zugleich] angehen.
Wort für Wort
ekaikam eṣāṃ niṣpiṃṣañ
einen nach dem anderen von diesen zermalmend (Akk.Sg.; Gen.Pl.; Part.Präs.)
śiṣṭeṣu nipuṇaṃ caret
unter den Übrigen geschickt verfahren (Lok.Pl.; 3.Sg.Opt.)
na ca śakto 'pi medhāvī
und nicht, auch wenn mächtig, der Kluge (Nom.Sg.)
sarvān evārabhen nṛpaḥ
alle angreifen, der König (Akk.Pl.; 3.Sg.Opt.; Nom.Sg.)
Wenn er mannigfaltiges Wachstum [seiner selbst] im Verhältnis zum Gegner erkennt [?], dann soll er offen hervortretend die Räuber ohne Zögern schlagen.
Wort für Wort
yadā bahuvidhāṃ vṛddhiṃ
wenn vielfältiges Wachstum (Akk.Sg.f.)
manyate pratilomataḥ
er meint/erkennt, gegenüber dem Gegner [?] (3.Sg.Med.; Adv.)
tadā vivṛtya prahared
dann offen hervortretend soll er schlagen (Ind.Abs.; 3.Sg.Opt.)
dasyūnām avicārayan
der Räuber, ohne Zögern (Gen.Pl.; Part.Präs.)
pratilomataḥ („im Gegensatz/gegenüber dem Gegner“) unsicher gedeutet.
na sāma daṇḍopaniṣat praśasyate; na mārdavaṃ śatruṣu yātrikaṃ sadā; na sasyaghāto na ca saṃkarakriyā; na cāpi bhūyaḥ prakṛter vicāraṇā
Nicht wird Begütigung [allein] als Geheimlehre der Strafe gepriesen [?]; nicht ist Milde gegenüber Feinden beim Feldzug stets [angebracht]; nicht Verwüstung der Saaten und nicht eine Handlung der Vermengung [?]; und nicht auch wieder das Beunruhigen der Untertanen [?].
Wort für Wort
na sāma daṇḍopaniṣat praśasyate
nicht wird Begütigung als Geheimlehre der Strafe gepriesen [?] (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Pass.)
na mārdavaṃ śatruṣu yātrikaṃ sadā
nicht Milde gegenüber Feinden, beim Feldzug stets (Nom.; Lok.Pl.; Adj.)
na sasyaghāto
nicht Vernichtung der Saaten (Nom.Sg.m.)
na ca saṃkarakriyā
und nicht Handlung der Vermengung [?] (Nom.Sg.f.)
na cāpi bhūyaḥ prakṛter vicāraṇā
und auch nicht wieder Beunruhigung der Untertanen [?] (Adv.; Gen.Sg.; Nom.Sg.f.)
Erster Pāda unsicher; saṃkarakriyā und vicāraṇā nur vermutungsweise wiedergegeben.
Täuschungen, Entzweiungen und [Beigaben/Bestechungen?] sowie ebenso Böses durch den Einsatz von Spähern: das soll er durch vertrauenswürdige Männer ins Werk setzen lassen, [selbst] in Städten und Reichen betraut [?].
Und ihre Städte aufsuchend, gewannen Erdherrscher hier alle Genüsse in den Städten, indem sie in den Städten die vorgeschriebene Politik regelrecht anwandten, Bala- und Vṛtra-Töter.
Wort für Wort
purāṇi caiṣām anusṛtya
und ihre Städte verfolgend/aufsuchend (Akk.Pl.n.; Gen.Pl.; Ind.Abs.)
bhūmipāḥ
Erdherrscher (Nom.Pl.)
pureṣu bhogān nikhilān ihājayan
in den Städten alle Genüsse hier gewannen sie (Lok.Pl.; Akk.Pl.; 3.Pl.Impf.)
pureṣu nītiṃ vihitāṃ yathāvidhi
in den Städten die vorgeschriebene Politik nach Regel (Akk.Sg.f.)
prayojayanto balavṛtrasūdana
anwendend, Töter von Bala und Vṛtra (Nom.Pl.Part.; Vok.)
pradāya gūḍhāni vasūni nāma; pracchidya bhogān avadhāya ca svān; duṣṭāḥ svadoṣair iti kīrtayitvā; pureṣu rāṣṭreṣu ca yojayanti
Nachdem sie heimlich Schätze gegeben [haben], ihnen die Genüsse abgeschnitten und die eigenen [Leute?] beiseitegestellt [?], erklären sie: „Verdorben durch ihre eigenen Fehler“, und setzen sie in Städten und Reichen ein.
Und ebenso [setze] durch andere, die die Liebeskunde kennen, schön geschmückt sind, die Regeln der Lehrbücher im Blick haben, gut geschult und geübt in Rede und Erzählung sind, [lass] bei den Feinden die Aufgaben ins Werk setzen [?].
Wort für Wort
tathaiva cānyai ratiśāstravedibhiḥ
und ebenso durch andere, Kenner der Liebeskunde (Instr.Pl.)
svalaṃkṛtaiḥ
schön geschmückt (Instr.Pl.)
śāstravidhānadṛṣṭibhiḥ
die Lehrvorschriften im Blick habend (Instr.Pl.)
suśikṣitair bhāṣyakathāviśāradaiḥ
gut geschult, geübt in Rede und Erzählung (Instr.Pl.)
pareṣu kṛtyān upadhārayasva
bei den Feinden die Aufgaben bedenke/bestimme [?] (Lok.Pl.; Akk.Pl.; 2.Sg.Imp.Med.)
Konstruktion des letzten Pādas unsicher (kṛtyān upadhārayasva).
Bṛhaspati sprach: „Hinter dem Rücken nennt er [nur] Mängel, gegen wahre Vorzüge ist er missgünstig; wenn andere [jemanden] loben, bleibt er stumm und abgewandt.“
Wort für Wort
bṛhaspatir uvāca
Bṛhaspati sprach (Nom.; 3.Sg.Perf.)
parokṣam aguṇān āha
hinter dem Rücken spricht er von Mängeln (Adv.; Akk.Pl.; 3.Sg.Perf.)
sadguṇān abhyasūyati
gegen wahre Vorzüge ist er missgünstig (Akk.Pl.; 3.Sg.Präs.)
parair vā kīrtyamāneṣu
oder wenn von anderen gelobt wird (Instr.Pl.; Lok.Pl.Part.Pass.)
Er stellt ständig [enge Verbindung] her und redet [doch] wie ein Unverbundener [?]; ungesehen benimmt er sich [feindlich] anders, sieht er [einen], so spricht er ihn nicht an.
Wort für Wort
karoty abhīkṣṇaṃ saṃsṛṣṭam
er tut ständig [Verbundenes] (3.Sg.Präs.; Adv.; Akk.Sg.n.)
asaṃsṛṣṭaś ca bhāṣate
und redet als Unverbundener [?] (Nom.Sg.; 3.Sg.Med.)
adṛṣṭito vikurute
ungesehen benimmt er sich anders/feindlich (Abl.-Adv.; 3.Sg.Med.)
dṛṣṭvā vā nābhibhāṣate
oder nach dem Sehen spricht er nicht an (Ind.Abs.; 3.Sg.Med.)
Abgesondert kommt er heran und isst [mit], [doch] nicht wie heute üblich, regelrecht [?]; beim Sitzen, Liegen und Fahren sind die Gemütsregungen besonders zu beachten.
Wort für Wort
pṛthag etya samaśnāti
abgesondert herangekommen isst er mit (Adv.; Ind.Abs.; 3.Sg.Präs.)
nedam adya yathāvidhi
nicht dies heute regelrecht [?] (Adv.)
āsane śayane yāne
beim Sitzen, Liegen, Fahren (Lok.Sg.n.)
bhāvā lakṣyā viśeṣataḥ
die Regungen sind zu beachten, besonders (Nom.Pl.m.; Gerundiv; Adv.)
ārtir ārte priye prītir etāvan mitralakṣaṇam; viparītaṃ tu boddhavyam arilakṣaṇam eva tat
Kummer beim Betrübten, Freude beim Geliebten: das ist so viel das Kennzeichen des Freundes; das Gegenteil aber ist zu erkennen: eben das ist das Kennzeichen des Feindes.
Wort für Wort
ārtir ārte
Kummer beim Betrübten (Nom.Sg.f.; Lok.Sg.)
priye prītir
Freude beim Geliebten (Lok.Sg.; Nom.Sg.f.)
etāvan mitralakṣaṇam
nur dies ist das Kennzeichen des Freundes (Nom.Sg.n.)
viparītaṃ tu boddhavyam
das Gegenteil aber ist zu erkennen (Nom.Sg.n.; Gerundiv)
arilakṣaṇam eva tat
eben das ist das Kennzeichen des Feindes (Nom.Sg.n.)
bhīṣma uvāca; sa tad vacaḥ śatrunibarhaṇe ratas; tathā cakārāvitathaṃ bṛhaspateḥ; cacāra kāle vijayāya cārihā; vaśaṃ ca śatrūn anayat puraṃdaraḥ
Bhīṣma sprach: Er, der an der Vernichtung der Feinde Freude hatte, tat so das unfehlbare Wort des Bṛhaspati; der Feindetöter wandelte zur rechten Zeit dem Sieg entgegen, und Puraṃdara brachte die Feinde in seine Gewalt.
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Nom.; 3.Sg.Perf.)
sa tad vacaḥ śatrunibarhaṇe ratas
er, dieses Wort, in der Vernichtung der Feinde ergeben (Nom.; Akk.Sg.n.; Lok.; Nom.)
tathā cakārāvitathaṃ bṛhaspateḥ
so tat er, unfehlbar, des Bṛhaspati (Adv.; 3.Sg.Perf.; Adv./Adj.; Gen.)
cacāra kāle vijayāya cārihā
wandelte zur rechten Zeit für den Sieg, der Feindetöter (3.Sg.Perf.; Lok.; Dat.; Nom.)
vaśaṃ ca śatrūn anayat puraṃdaraḥ
und brachte die Feinde in seine Gewalt, Puraṃdara (Akk.; Akk.Pl.; 3.Sg.Impf.; Nom.)