Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 104: śatrusādhanopadeśa Bṛhaspatis Rat an Indra: Umgang mit Feinden und Erkennen der Falschen

Auf Yudhiṣṭhiras Frage nach dem Verhalten gegenüber milden, scharfen und mächtigen Feinden berichtet Bhīṣma das Lehrgespräch zwischen Bṛhaspati und Indra über Klugheit, Geduld und Täuschung im Umgang mit Gegnern sowie über die Merkmale eines feindlich Gesinnten.

yudhiṣṭhira uvāca; kathaṃ mṛdau kathaṃ tīkṣṇe mahāpakṣe ca pārthiva; arau varteta nṛpatis tan me brūhi pitāmaha

Yudhiṣṭhira sprach: „Wie soll sich ein König, o Herr der Erde, gegenüber einem Feind verhalten, sei er mild, scharf oder mit großem Anhang? Das sage mir, Großvater.“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
kathaṃ mṛdau kathaṃ tīkṣṇe
wie gegenüber einem Milden, wie gegenüber einem Scharfen (Lok.Sg.)
mahāpakṣe ca pārthiva
und gegenüber einem mit großem Anhang (Lok.), o Herr der Erde (Vok.)
arau varteta nṛpatiḥ
gegenüber dem Feind (Lok.) soll sich verhalten (Opt.Med.) der König (Nom.)
tat me brūhi pitāmaha
das (Akk.) sage (Imp.) mir (Dat.), Großvater (Vok.)

bhīṣma uvāca; atrāpy udāharantīmam itihāsaṃ purātanam; bṛhaspateś ca saṃvādam indrasya ca yudhiṣṭhira

Bhīṣma sprach: „Hierzu führt man auch diese alte Geschichte an, Yudhiṣṭhira: das Gespräch zwischen Bṛhaspati und Indra.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
atra api udāharanti imam
hierzu auch führt man an (3.Pl.Präs.) diese (Akk.)
itihāsaṃ purātanam
Geschichte, alte (Akk.Sg.n.)
bṛhaspateḥ ca saṃvādam
und zwischen Bṛhaspati (Gen.) das Gespräch (Akk.)
indrasya ca yudhiṣṭhira
und Indras (Gen.), Yudhiṣṭhira (Vok.)

bṛhaspatiṃ devapatir abhivādya kṛtāñjaliḥ; upasaṃgamya papraccha vāsavaḥ paravīrahā

Nachdem er Bṛhaspati, den Herrn der Götter [?], mit gefalteten Händen gegrüßt und sich ihm genähert hatte, fragte ihn Vāsava, der Bezwinger feindlicher Helden.

Wort für Wort
bṛhaspatiṃ devapatiḥ
Bṛhaspati (Akk.), der Götterherr (Nom.) [?]
abhivādya kṛtāñjaliḥ
nach dem Grüßen (Gerundium), mit gefalteten Händen (Nom.)
upasaṃgamya
nachdem er herangetreten war (Gerundium)
papraccha vāsavaḥ
fragte (Perf.), Vāsava (Nom.)
paravīrahā
Töter feindlicher Helden (Nom.Sg.)

devapati kann Bṛhaspati (Herr/Lehrer der Götter) oder Indra bezeichnen; grammatisch bezieht sich der Akk. auf Bṛhaspati, der Titel passt eigentlich zu Indra (Vāsava).

ahiteṣu kathaṃ brahman vartayeyam atandritaḥ; asamucchidya caivenān niyaccheyam upāyataḥ

„Wie soll ich, o Brahmane, unermüdlich mit den Feinden umgehen, und wie soll ich sie, ohne sie auszurotten, mit geeigneten Mitteln im Zaum halten?“

Wort für Wort
ahiteṣu kathaṃ brahman
gegenüber Feinden (Lok.Pl.), wie, Brahmane (Vok.)
vartayeyam atandritaḥ
soll ich verfahren (Opt.Kaus.), unermüdlich (Nom.)
asamucchidya ca
und ohne auszurotten (Gerundium)
evān niyaccheyam
diese (Akk.Pl.) soll ich zügeln (Opt.)
upāyataḥ
durch geeignetes Mittel / listig (Abl.-Adv.)

senayor vyatiṣaṅgeṇa jayaḥ sādhāraṇo bhavet; kiṃ kurvāṇaṃ na māṃ jahyāj jvalitā śrīḥ pratāpinī

„Wenn der Sieg beim Aufeinandertreffen der beiden Heere beiden gemeinsam [ungewiss] sein kann: was muss ich tun, damit mich das lodernde, glühende Glück nicht verlässt?“

Wort für Wort
senayoḥ vyatiṣaṅgeṇa
der beiden Heere (Gen.Du.), durch das Aufeinandertreffen (Instr.)
jayaḥ sādhāraṇaḥ bhavet
der Sieg (Nom.), gemeinsam, könnte sein (Opt.)
kiṃ kurvāṇam
was tuend (Part.Präs.Med., Akk.)
na mām jahyāt
nicht mich soll verlassen (Opt.)
jvalitā śrīḥ pratāpinī
das lodernde (Nom.), Glück, glühende (Nom.f.)

tato dharmārthakāmānāṃ kuśalaḥ pratibhānavān; rājadharmavidhānajñaḥ pratyuvāca puraṃdaram

Da antwortete Puraṃdara der in Dharma, Artha und Kāma erfahrene, schlagfertige, in der Ordnung der Königspflicht kundige [Bṛhaspati].

Wort für Wort
tataḥ dharmārthakāmānām
darauf, der Pflicht, des Nutzens und der Lust (Gen.Pl.)
kuśalaḥ pratibhānavān
kundig (Nom.), schlagfertig (Nom.)
rājadharmavidhānajñaḥ
kundig der Ordnung der Königspflicht (Nom.Sg.)
pratyuvāca
antwortete (Perf.)
puraṃdaram
Puraṃdara [Indra] (Akk.)

Der Nominativ (Bṛhaspati) ist nur aus dem Zusammenhang zu ergänzen; Puraṃdara (Indra) steht im Akkusativ.

na jātu kalahenecchen niyantum apakāriṇaḥ; bālasaṃsevitaṃ hy etad yad amarṣo yad akṣamā; na śatrur vivṛtaḥ kāryo vadham asyābhikāṅkṣatā

„Nie soll man die Übeltäter durch Streit bezwingen wollen; denn das ist von Kindern geübt: Unmut und Unduldsamkeit. Wer sein Verderben wünscht, darf den Feind nicht offen [gegen sich] auftreten lassen [?].“

Wort für Wort
na jātu kalahena icchet
niemals durch Streit soll man wünschen (Opt.)
niyantum apakāriṇaḥ
zu bezwingen (Inf.), die Schädiger (Akk.Pl.)
bālasaṃsevitaṃ hi etat
von Kindern geübt (Nom.n.), denn dies
yad amarṣaḥ yad akṣamā
nämlich Unmut, nämlich Unduldsamkeit (Nom.)
na śatruḥ vivṛtaḥ kāryaḥ
nicht der Feind, offen (gemacht), ist zu machen (Gerundiv)
vadham asya abhikāṅkṣatā
Tötung (Akk.) von ihm (Gen.), von dem Wünschenden (Instr.)

na śatrur vivṛtaḥ kāryaḥ: Sinn unsicher (offen gemacht / offen gezeigt).

krodhaṃ balam amarṣaṃ ca niyamyātmajam ātmani; amitram upaseveta viśvastavad aviśvasan

Zorn, Kraft und Unmut, die in ihm selbst entstanden sind, in sich zügelnd, soll er dem Feind aufwarten, als vertraue er ihm, ohne ihm doch zu vertrauen.

Wort für Wort
krodhaṃ balam amarṣaṃ ca
Zorn, Kraft und Unmut (Akk.)
niyamya
zügelnd (Gerundium)
ātmajam ātmani
selbstgeboren (Akk.), in sich (Lok.)
amitram upaseveta
den Feind (Akk.) soll aufwarten (Opt.Med.)
viśvastavat aviśvasan
wie ein Vertrauender, nicht vertrauend (Part.)

priyam eva vaden nityaṃ nāpriyaṃ kiṃ cid ācaret; viramec chuṣkavairebhyaḥ kaṇṭhāyāsaṃ ca varjayet

Immer soll er nur Liebes sagen, niemals etwas Unliebes tun; er lasse ab von trockener [grundloser] Feindschaft und meide das Anstrengen der Kehle [Geschrei].

Wort für Wort
priyam eva vadet nityam
nur Liebes soll er sagen (Opt.), stets
na apriyaṃ kiṃ cit ācaret
nichts Unliebes soll er tun (Opt.)
viramet
soll ablassen (Opt.)
śuṣkavairebhyaḥ
von trockenen (grundlosen) Feindschaften (Abl.Pl.)
kaṇṭhāyāsaṃ ca varjayet
und Halsanstrengung soll er meiden (Opt.)

yathā vaitaṃsiko yukto dvijānāṃ sadṛśasvanaḥ; tān dvijān kurute vaśyāṃs tathā yukto mahīpatiḥ; vaśaṃ copanayec chatrūn nihanyāc ca puraṃdara

Wie ein zur rechten Zeit bereiter Vogelfänger, der den Vögeln ähnlich ruft, jene Vögel in seine Gewalt bringt, so [soll] der König, gerüstet, auch die Feinde in seine Gewalt bringen und, Puraṃdara, erschlagen.

Wort für Wort
yathā vaitaṃsikaḥ yuktaḥ
wie ein Vogelfänger (Nom.), gerüstet
dvijānāṃ sadṛśasvanaḥ
der den Vögeln (Gen.) ähnlich Klingende (Nom.)
tān dvijān kurute vaśyān
jene Vögel macht er gefügig (3.Sg.Med.)
tathā yuktaḥ mahīpatiḥ
so ein gerüsteter Erdenherr (Nom.)
vaśaṃ ca upanayet śatrūn
und in Gewalt bringen soll er die Feinde (Opt.)
nihanyāt ca puraṃdara
und erschlagen soll er, Puraṃdara (Vok.)

na nityaṃ paribhūyārīn sukhaṃ svapiti vāsava; jāgarty eva ca duṣṭātmā saṃkare 'gnir ivotthitaḥ

„Wer die Feinde stets geringschätzt, schläft nicht ruhig, Vāsava; der Böse wacht vielmehr, wie ein im Kehricht aufgeflammtes Feuer [?].“

Wort für Wort
na nityaṃ paribhūya arīn
nicht stets die Feinde verachtend (Gerundium)
sukhaṃ svapiti vāsava
schläft ruhig (3.Sg.), Vāsava (Vok.)
jāgarti eva ca
und wacht ja (3.Sg.)
duṣṭātmā
der Böse (Nom.)
saṃkare agniḥ iva utthitaḥ
im Kehricht [?] wie ein Feuer, aufgeflammt (Part.)

saṃkare 'gnir ivotthitaḥ: Bild nicht ganz sicher (saṃkara = Kehricht, Gemenge).

na saṃnipātaḥ kartavyaḥ sāmānye vijaye sati; viśvāsyaivopasaṃnyāsyo vaśe kṛtvā ripuḥ prabho

„Ein Zusammenstoß ist nicht zu wagen, wenn der Sieg gemeinsam [ungewiss] ist; erst Vertrauen erweckend, ist der Feind, nachdem man ihn in seine Gewalt gebracht hat, beiseitezuschaffen [?], o Herr.“

Wort für Wort
na saṃnipātaḥ kartavyaḥ
nicht ein Zusammenstoß ist zu machen (Gerundiv)
sāmānye vijaye sati
wenn der Sieg gemeinsam ist (Lok.abs.)
viśvāsya eva
erst Vertrauen erweckend (Gerundium)
upasaṃnyāsyaḥ
beiseitezuschaffen [?] (Gerundiv)
vaśe kṛtvā ripuḥ prabho
in die Gewalt gebracht, der Feind, o Herr (Vok.)

viśvāsyaivopasaṃnyāsyaḥ: Bedeutung von upasaṃnyāsya unsicher.

vaśe kuryān na śamayet tīkṣṇān karkaśapīḍanaiḥ; sa yathā neṣyate rājñas tīkṣṇopakaraṇakṣayaḥ; hetāv īrṣuḥ phalenerṣuḥ syāc chakra vyavasāyavit; doṣeṇa guṇarūpeṇa dviṣato yo jayet sadā

In seine Gewalt bringen soll er, nicht beschwichtigen die Scharfen durch harte Peinigungen [?]; wie vom König der Verlust der scharfen Werkzeuge nicht gewünscht wird [?]. Auf die Ursache eifersüchtig, auf die Frucht eifersüchtig sei, o Śakra, wer das Vorgehen kennt [?]; wer die Hassenden stets durch einen Fehler in Gestalt einer Tugend besiegt [?].

Wort für Wort
vaśe kuryāt na śamayet
in Gewalt bringen soll er, nicht beschwichtigen (Opt.)
tīkṣṇān karkaśapīḍanaiḥ
die Scharfen (Akk.), durch harte Peinigungen (Instr.)
sa yathā na iṣyate rājñaḥ
wie [?] nicht gewünscht wird vom König
tīkṣṇopakaraṇakṣayaḥ
Verlust scharfer Werkzeuge (Nom.)
hetau īrṣuḥ phalena īrṣuḥ syāt
auf die Ursache eifersüchtig, auf die Frucht eifersüchtig sei er (Opt.)
śakra vyavasāyavit
Śakra (Vok.), Entschlusskundiger (Nom.)
doṣeṇa guṇarūpeṇa
durch Fehler, tugendgestaltig (Instr.)
dviṣataḥ yaḥ jayet sadā
die Hassenden (Akk.), wer besiegt (Opt.), stets

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage, Text vermutlich verderbt; Sinn insgesamt unsicher.

saṃpradhārya sahāmātyair mantravidbhir mahātmabhiḥ; upekṣamāṇo 'vajñāte hṛdayenāparājitaḥ

Nachdem er sich mit den Ministern, den ratkundigen Hochgesinnten, beraten hat, soll er [den Feind] als Verachteten übersehen, im Herzen unbesiegt.

Wort für Wort
saṃpradhārya
nach Beratung (Gerundium)
saha amātyaiḥ
mit den Ministern (Instr.Pl.)
mantravidbhiḥ mahātmabhiḥ
den Ratkundigen, Hochgesinnten (Instr.Pl.)
upekṣamāṇaḥ avajñāte
übersehend (Part.), bei dem Verachteten (Lok.)
hṛdayena aparājitaḥ
im Herzen (Instr.), unbesiegt (Nom.)

athāsya praharet kāle kiṃ cid vicalite pade; daṇḍaṃ ca dūṣayed asya puruṣair āptakāribhiḥ

Dann soll er ihn zur rechten Zeit angreifen, wenn sein Fuß ein wenig strauchelt, und sein Heer durch zuverlässig handelnde Männer verderben.

Wort für Wort
atha asya praharet kāle
dann soll er ihn angreifen (Opt.), zur rechten Zeit (Lok.)
kiṃ cit vicalite pade
wenn ein wenig gewankt hat der Fuß (Lok.abs.)
daṇḍaṃ ca dūṣayet asya
und das Heer (Akk.) soll er verderben (Opt.Kaus.), sein
puruṣaiḥ āptakāribhiḥ
durch Männer (Instr.), zuverlässig Handelnde

ādimadhyāvasānajñaḥ pracchannaṃ ca vicārayet; balāni dūṣayed asya jānaṃś caiva pramāṇataḥ

Anfang, Mitte und Ende kennend, soll er verdeckt planen; seine Truppen soll er verderben, wissend und nach Maß.

Wort für Wort
ādimadhyāvasānajñaḥ
Anfang, Mitte, Ende kennend (Nom.)
pracchannaṃ ca vicārayet
und verdeckt soll er überlegen (Opt.Kaus.)
balāni dūṣayet asya
die Truppen soll er verderben (Opt.), seine
jānan ca eva pramāṇataḥ
und wissend, nach Maß (Abl.-Adv.)

bhedenopapradānena saṃsṛjann auṣadhais tathā; na tv eva celasaṃsargaṃ racayed aribhiḥ saha

Durch Entzweiung, durch Geschenke und ebenso durch Heilmittel [oder Gifte] sich verbindend, soll er niemals Berührung von Gewand zu Gewand mit den Feinden pflegen [?].

Wort für Wort
bhedena upapradānena
durch Entzweiung, durch Geschenk (Instr.)
saṃsṛjan
sich verbindend (Part.)
auṣadhaiḥ tathā
durch Kräuter/Heilmittel (Instr.Pl.), ebenso
na tu eva celasaṃsargam
doch nie Gewandberührung [?] (Akk.)
racayet aribhiḥ saha
soll er herstellen (Opt.), mit Feinden

celasaṃsarga: wörtlich Gewandberührung, Sinn (enger persönlicher Umgang / Übervertrautheit) unsicher.

dīrghakālam api kṣāntvā vihanyād eva śātravān; kālākāṅkṣī yāmayec ca yathā visrambham āpnuyuḥ

Auch wenn er lange Zeit nachsichtig war, soll er die Feinde doch erschlagen; auf die Zeit wartend soll er sie hinhalten, damit sie Vertrauen fassen.

Wort für Wort
dīrghakālam api kṣāntvā
auch lange Zeit, nach Nachsicht (Gerundium)
vihanyāt eva śātravān
erschlagen soll er doch (Opt.), die Feinde (Akk.)
kālākāṅkṣī
auf die Zeit wartend (Nom.)
yāmayet ca
und soll hinhalten (Opt.Kaus.)
yathā visrambham āpnuyuḥ
damit sie Vertrauen erlangen (Opt.)

**** **** upāsīta śacīpate; tathā priyaṃ ca vaktavyaṃ

[Lücke im Text] …… soll man aufwarten, Gemahl der Śacī; und ebenso ist Liebes zu sagen [Anm.: Satz bricht ab].

Wort für Wort
[Lücke]
[Lücke im Text]
upāsīta
soll aufwarten (Opt.Med.)
śacīpate
Gemahl der Śacī (Vok.)
tathā priyaṃ ca
ebenso und Liebes (Akk.)
vaktavyam
ist zu sagen (Gerundiv)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage mit Lücke (….); der Vers ist unvollständig überliefert.

na sadyo 'rīn vinirhanyād dṛṣṭasya vijayo 'jvaraḥ; na yaḥ śalyaṃ ghaṭṭayati navaṃ ca kurute vraṇam

„Nicht sofort soll er die Feinde erschlagen; der Sieg über den Erkannten ist ohne Fieber [Kummer]. [Der handelt richtig], der den Splitter nicht berührt und keine neue Wunde schafft.“

Wort für Wort
na sadyaḥ arīn vinirhanyāt
nicht sofort die Feinde erschlage er (Opt.)
dṛṣṭasya vijayaḥ ajvaraḥ
beim Erkannten (Gen.) der Sieg, fieberlos (Nom.)
na yaḥ śalyaṃ ghaṭṭayati
wer nicht den Splitter berührt (3.Sg.Kaus.)
navaṃ ca kurute vraṇam
und keine neue Wunde macht (3.Sg.Med.)

na yaḥ śalyaṃ ghaṭṭayati …: Satzbau elliptisch; Ergänzung in [ ] unsicher.

prāpte ca praharet kāle na sa saṃvartate punaḥ; hantukāmasya devendra puruṣasya ripuṃ prati

Und wenn die Zeit gekommen ist, soll er zuschlagen; jener [Feind] erhebt sich nicht wieder, o Herr der Götter, [bei einem] Mann, der den Feind töten will.

Wort für Wort
prāpte ca praharet kāle
und wenn die Zeit gekommen ist (Lok.abs.), soll er zuschlagen
na sa saṃvartate punaḥ
nicht jener kehrt wieder / erhebt sich (3.Sg.), wieder
hantukāmasya
bei dem, der töten will (Gen.)
devendra
Herr der Götter (Vok.)
puruṣasya ripuṃ prati
des Mannes (Gen.), gegen den Feind

yaḥ kālo hi vyatikrāmet puruṣaṃ kālakāṅkṣiṇam; durlabhaḥ sa punaḥ kālaḥ kāladharmacikīrṣuṇā

Denn die Zeit, die an einem vorübergeht, der auf die Zeit wartet, ist schwer wiederzubekommen, [nämlich] für den, der das Gebot der Zeit erfüllen will.

Wort für Wort
yaḥ kālaḥ hi vyatikrāmet
denn welche Zeit vorübergeht (Opt.)
puruṣaṃ kālakāṅkṣiṇam
einen Mann (Akk.), auf die Zeit Wartenden
durlabhaḥ sa punaḥ kālaḥ
schwer erlangbar (Nom.), jene, wieder, Zeit
kāladharmacikīrṣuṇā
von dem, der das Zeitgebot tun will (Instr.)

aurjasthyaṃ vijayed evaṃ saṃgṛhṇan sādhusaṃmatān; kālena sādhayen nityaṃ nāprāpte 'bhinipīḍayet

So soll er die Kraftfülle [des Feindes?] überwinden, indem er die von den Guten Geschätzten für sich gewinnt; mit der Zeit soll er stets sein Ziel erreichen, ohne zu bedrängen, wenn die Zeit noch nicht gekommen ist.

Wort für Wort
aurjasthyam vijayet evam
Kraftfülle [?] (Akk.) überwinde er (Opt.), so
saṃgṛhṇan
gewinnend (Part.)
sādhusaṃmatān
die von Guten Geschätzten (Akk.Pl.)
kālena sādhayet nityam
mit der Zeit vollbringe er, stets (Opt.)
na aprāpte abhinipīḍayet
nicht bei Nichteingetretenem (Lok.) bedränge er (Opt.)

aurjasthya: Bedeutung und Bezug (Kraftfülle/Überlegenheit, des Feindes oder eigene) unsicher.

vihāya kāmaṃ krodhaṃ ca tathāhaṃkāram eva ca; yukto vivaram anvicched ahitānāṃ puraṃdara

Begierde und Zorn und ebenso Selbstüberhebung aufgebend, soll er, gesammelt, nach einer Schwachstelle der Feinde suchen, Puraṃdara.

Wort für Wort
vihāya kāmaṃ krodhaṃ ca
aufgebend Begierde und Zorn (Gerundium)
tathā ahaṃkāram eva ca
und ebenso Selbstüberhebung (Akk.)
yuktaḥ
gesammelt (Nom.)
vivaram anvicchet
eine Lücke soll er suchen (Opt.)
ahitānāṃ puraṃdara
der Feinde (Gen.), Puraṃdara (Vok.)

mārdavaṃ daṇḍa ālasyaṃ pramādaś ca surottama; māyāś ca vividhāḥ śakra sādhayanty avicakṣaṇam

Milde, Strafe, Trägheit und Nachlässigkeit, o Bester der Götter, und mannigfache Täuschungen, Śakra, überwältigen den Unklugen.

Wort für Wort
mārdavaṃ daṇḍaḥ ālasyam
Milde, Strafe, Trägheit (Nom.)
pramādaḥ ca surottama
und Nachlässigkeit, Bester der Götter (Vok.)
māyāḥ ca vividhāḥ
und Täuschungen, mannigfache (Nom.Pl.)
śakra
Śakra (Vok.)
sādhayanti avicakṣaṇam
überwältigen [?] (3.Pl.), den Unklugen (Akk.)

Die Aufzählung ist syntaktisch knapp; sādhayanti hier als „überwältigen, zu Fall bringen“ gedeutet [?].

nihatyaitāni catvāri māyāṃ pratividhāya ca; tataḥ śaknoti śatrūṇāṃ prahartum avicārayan

Wenn er diese vier niedergeschlagen und gegen die Täuschung Gegenmittel getroffen hat, vermag er dann, ohne zu zögern, die Feinde anzugreifen.

Wort für Wort
nihatya etāni catvāri
nach Niederschlagen dieser vier (Gerundium)
māyāṃ pratividhāya ca
und nach Gegenmaßnahme gegen die Täuschung (Gerundium)
tataḥ śaknoti
dann vermag er (3.Sg.)
śatrūṇāṃ prahartum
die Feinde (Gen.) anzugreifen (Inf.)
avicārayan
ohne zu zögern (Part.)

yadaivaikena śakyeta guhyaṃ kartuṃ tadācaret; yacchanti sacivā guhyaṃ mitho vidrāvayanty api

Nur dann soll er so verfahren, wenn das Geheimnis von einem allein gewahrt werden kann; die Minister wahren das Geheimnis, doch sie lassen es auch gegenseitig auseinanderlaufen [?].

Wort für Wort
yadā eva ekena śakyeta
nur wenn von einem allein möglich wäre (Opt.Pass.)
guhyaṃ kartum tadā ācaret
das Geheimnis zu bewahren [?] (Inf.), dann soll er verfahren
yacchanti sacivāḥ guhyam
bewahren (3.Pl.), die Minister, das Geheimnis
mithaḥ vidrāvayanti api
gegenseitig zerstreuen [?] (3.Pl.Kaus.), auch

Zweiter Halbvers unsicher (vidrāvayanti: verjagen, zerstreuen, verraten?).

aśakyam iti kṛtvā vā tato 'nyaiḥ saṃvidaṃ caret; brahmadaṇḍam adṛṣṭeṣu dṛṣṭeṣu caturaṅgiṇīm

Oder in der Erwägung: „Es ist [allein] nicht möglich“, soll er mit anderen eine Absprache treffen; gegen die Unsichtbaren [Verborgenen] den Brahma-Stab [?], gegen die Sichtbaren das vierteilige [Heer].

Wort für Wort
aśakyam iti kṛtvā vā
in der Erwägung „es ist nicht möglich“, oder (Ind.Abs.)
tato 'nyaiḥ saṃvidaṃ caret
dann mit anderen Absprache pflegen (Instr.Pl./Akk.Sg.; 3.Sg.Opt.)
brahmadaṇḍam
den Brahma-Stab (Akk.Sg.)
adṛṣṭeṣu
gegen Unsichtbare/Verborgene (Lok.Pl.)
dṛṣṭeṣu
gegen Sichtbare (Lok.Pl.)
caturaṅgiṇīm
das vierteilige Heer (Akk.Sg.f.)

brahmadaṇḍa hier unsicher (Priesterstrafe/Zauber oder Zwang durch Brahmanen); adṛṣṭa/dṛṣṭa als „verborgen/offen erkennbar“ gedeutet.

bhedaṃ ca prathamaṃ yuñjyāt tūṣṇīṃdaṇḍaṃ tathaiva ca; kāle prayojayed rājā tasmiṃs tasmiṃs tadā tadā

Zuerst soll er Entzweiung anwenden und ebenso den stillen Zwang [tūṣṇīṃdaṇḍa]; zur rechten Zeit soll der König jeweils dann [das Passende] anwenden, bei diesem und jenem.

Wort für Wort
bhedaṃ ca prathamaṃ yuñjyāt
und Entzweiung zuerst anwenden (Akk.Sg.; 3.Sg.Opt.)
tūṣṇīṃdaṇḍaṃ tathaiva ca
und ebenso den stillen Zwang (Akk.Sg.)
kāle prayojayed rājā
zur rechten Zeit soll der König anwenden (Lok.; 3.Sg.Opt.Kaus.)
tasmiṃs tasmiṃs tadā tadā
bei diesem und jenem, jeweils dann (Lok.Sg.)

praṇipātaṃ ca gaccheta kāle śatror balīyasaḥ; yukto 'sya vadham anvicched apramattaḥ pramādyataḥ

Auch Unterwerfung soll er zur rechten Zeit vor einem stärkeren Feind üben; gerüstet soll er dessen Tötung suchen, wachsam gegenüber dem Nachlässigen.

Wort für Wort
praṇipātaṃ ca gaccheta
und Unterwerfung eingehen (Akk.Sg.; 3.Sg.Opt.Med.)
kāle śatror balīyasaḥ
zur rechten Zeit vor dem stärkeren Feind (Lok./Gen.Sg.)
yukto 'sya vadham anvicchet
gerüstet soll er dessen Tötung suchen (Nom.; Gen.; Akk.; 3.Sg.Opt.)
apramattaḥ pramādyataḥ
wachsam, gegenüber dem Nachlässigen (Nom.; Gen.Sg.Part.Präs.)

praṇipātena dānena vācā madhurayā bruvan; amitram upaseveta na tu jātu viśaṅkayet

Mit Unterwerfung, Gabe und süßem Wort sprechend soll er dem Feind aufwarten, aber niemals [bei ihm] Argwohn erregen [?].

Wort für Wort
praṇipātena dānena
durch Unterwerfung, durch Gabe (Instr.Sg.)
vācā madhurayā bruvan
mit süßem Wort sprechend (Instr.Sg.f.; Part.Präs.)
amitram upaseveta
dem Feind soll er aufwarten (Akk.Sg.; 3.Sg.Opt.Med.)
na tu jātu viśaṅkayet
aber niemals Argwohn erregen (3.Sg.Opt.Kaus.)

viśaṅkayet (Kaus.) eher „Argwohn erregen“; Sinn „selbst keinen Argwohn hegen“ nicht ausgeschlossen.

sthānāni śaṅkitānāṃ ca nityam eva vivarjayet; na ca teṣv āśvased drugdhvā jāgratīha nirākṛtāḥ

Die Orte der Argwöhnischen soll er stets meiden; und er soll auf ihnen nicht ruhig werden, nachdem er [ihnen] Schaden zugefügt hat, denn hier wachen die Zurückgewiesenen.

Wort für Wort
sthānāni śaṅkitānāṃ ca
und die Orte der Argwöhnischen (Akk.Pl.n.; Gen.Pl.)
nityam eva vivarjayet
stets meiden (Adv.; 3.Sg.Opt.)
na ca teṣv āśvased
und auf ihnen nicht ruhig/vertrauensvoll werden (Lok.Pl.; 3.Sg.Opt.)
drugdhvā
nachdem er Schaden zugefügt hat (Ind.Abs.)
jāgrati iha nirākṛtāḥ
hier wachen die Zurückgewiesenen (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.)

na hy ato duṣkaraṃ karma kiṃ cid asti surottama; yathā vividhavṛttānām aiśvaryam amarādhipa

Denn es gibt keine schwerere Tat als diese, Bester der Götter, wie die Herrschaft über Menschen von mannigfachem Verhalten, Herr der Unsterblichen.

Wort für Wort
na hy ato duṣkaraṃ karma
denn keine schwierigere Tat als diese (Nom.Sg.n.; Abl.)
kiṃ cid asti surottama
gibt es irgendeine, Bester der Götter (3.Sg.Präs.; Vok.)
yathā vividhavṛttānām
wie [die Herrschaft] über Mannigfach-Handelnde (Gen.Pl., Kompositum)
aiśvaryam amarādhipa
Herrschaft, Herr der Unsterblichen (Nom.Sg.n.; Vok.)

tathā vividhaśīlānām api saṃbhava ucyate; yateta yogam āsthāya mitrāmitrān avārayan

Ebenso wird auch bei Menschen von mannigfachem Wesen [nur] ein [schwieriges] Zustandekommen genannt; er soll sich bemühen, indem er Yoga [das rechte Mittel/die Sammlung] anwendet, Freunde und Feinde nicht abwehrend [?].

Wort für Wort
tathā vividhaśīlānām
ebenso bei Mannigfach-Gearteten (Gen.Pl.)
api saṃbhava ucyate
auch das Zustandekommen wird genannt (Nom.Sg.; 3.Sg.Pass.)
yateta yogam āsthāya
er soll sich bemühen, das Mittel/den Yoga ergreifend (3.Sg.Opt.Med.; Ind.Abs.)
mitrāmitrān avārayan
Freunde und Feinde nicht abwehrend (Akk.Pl.; Part.Präs. mit a-Privativ-Sinn)

saṃbhava und yoga hier sinnoffen; Deutung unsicher.

mṛdum apy avamanyante tīkṣṇād udvijate janaḥ; mātīkṣṇo māmṛdur bhūs tvaṃ tīkṣṇo bhava mṛdur bhava

Auch den Milden verachten sie, vor dem Scharfen schrickt das Volk zurück; sei nicht zu scharf, sei nicht zu mild: sei scharf, sei mild.

Wort für Wort
mṛdum apy avamanyante
auch den Milden verachten sie (Akk.Sg.; 3.Pl.Med.)
tīkṣṇād udvijate janaḥ
vor dem Scharfen schrickt das Volk zurück (Abl.Sg.; 3.Sg.Med.; Nom.Sg.)
mā atīkṣṇo mā amṛdur bhūs tvam
sei du nicht zu scharf, nicht zu mild (Prohibitiv, 2.Sg.Aor.)
tīkṣṇo bhava mṛdur bhava
sei scharf, sei mild (2.Sg.Imp.)

yathā vapre vegavati sarvataḥsaṃplutodake; nityaṃ vivaraṇād bādhas tathā rājyaṃ pramādyataḥ

Wie ein Damm bei starker Strömung und ringsum überflutetem Wasser durch ständiges Aufreißen zu Schaden kommt, so das Reich des Nachlässigen.

Wort für Wort
yathā vapre vegavati
wie bei einem Damm, der Strömung hat (Lok.Sg.)
sarvataḥsaṃplutodake
wenn das Wasser ringsum überflutet (Lok. Bahuvrīhi)
nityaṃ vivaraṇād bādhaḥ
durch ständiges Aufreißen Bedrängnis/Schaden (Abl.Sg.; Nom.Sg.)
tathā rājyaṃ pramādyataḥ
so das Reich des Nachlässigen (Nom.Sg.n.; Gen.Sg.Part.)

na banūn abhiyuñjīta yaugapadyena śātravān; sāmnā dānena bhedena daṇḍena ca puraṃdara

Nicht soll er [viele] Feinde gleichzeitig angreifen, Puraṃdara, weder mit Begütigung, Gabe, Entzweiung noch mit Gewalt.

Wort für Wort
na banūn [bahūn?] abhiyuñjīta
nicht viele angreifen (Akk.Pl.; 3.Sg.Opt.Med.)
yaugapadyena
gleichzeitig (Instr.Sg.)
śātravān
Feinde (Akk.Pl.)
sāmnā dānena bhedena
mit Begütigung, Gabe, Entzweiung (Instr.Sg.)
daṇḍena ca puraṃdara
und mit Gewalt, Puraṃdara (Instr.Sg.; Vok.)

banūn wohl verderbt für bahūn („viele“).

ekaikam eṣāṃ niṣpiṃṣañ śiṣṭeṣu nipuṇaṃ caret; na ca śakto 'pi medhāvī sarvān evārabhen nṛpaḥ

Einen nach dem anderen von diesen zermalmend, soll er unter den Übrigen geschickt verfahren; und nicht soll der kluge König, auch wenn er mächtig ist, alle [zugleich] angehen.

Wort für Wort
ekaikam eṣāṃ niṣpiṃṣañ
einen nach dem anderen von diesen zermalmend (Akk.Sg.; Gen.Pl.; Part.Präs.)
śiṣṭeṣu nipuṇaṃ caret
unter den Übrigen geschickt verfahren (Lok.Pl.; 3.Sg.Opt.)
na ca śakto 'pi medhāvī
und nicht, auch wenn mächtig, der Kluge (Nom.Sg.)
sarvān evārabhen nṛpaḥ
alle angreifen, der König (Akk.Pl.; 3.Sg.Opt.; Nom.Sg.)

yadā syān mahatī senā hayanāgarathākulā; padātiyantrabahulā svanuraktā ṣaḍaṅginī

Wenn sein Heer groß ist, dicht besetzt mit Pferden, Elefanten und Wagen, reich an Fußsoldaten und Maschinen, gut ergeben und sechsgliedrig.

Wort für Wort
yadā syān mahatī senā
wenn das Heer groß ist (3.Sg.Opt.; Nom.Sg.f.)
hayanāgarathākulā
voll von Pferden, Elefanten, Wagen (Nom.Sg.f., Kompositum)
padātiyantrabahulā
reich an Fußsoldaten und Maschinen (Nom.Sg.f.)
svanuraktā ṣaḍaṅginī
wohlergeben, sechsgliedrig (Nom.Sg.f.)

yadā bahuvidhāṃ vṛddhiṃ manyate pratilomataḥ; tadā vivṛtya prahared dasyūnām avicārayan

Wenn er mannigfaltiges Wachstum [seiner selbst] im Verhältnis zum Gegner erkennt [?], dann soll er offen hervortretend die Räuber ohne Zögern schlagen.

Wort für Wort
yadā bahuvidhāṃ vṛddhiṃ
wenn vielfältiges Wachstum (Akk.Sg.f.)
manyate pratilomataḥ
er meint/erkennt, gegenüber dem Gegner [?] (3.Sg.Med.; Adv.)
tadā vivṛtya prahared
dann offen hervortretend soll er schlagen (Ind.Abs.; 3.Sg.Opt.)
dasyūnām avicārayan
der Räuber, ohne Zögern (Gen.Pl.; Part.Präs.)

pratilomataḥ („im Gegensatz/gegenüber dem Gegner“) unsicher gedeutet.

na sāma daṇḍopaniṣat praśasyate; na mārdavaṃ śatruṣu yātrikaṃ sadā; na sasyaghāto na ca saṃkarakriyā; na cāpi bhūyaḥ prakṛter vicāraṇā

Nicht wird Begütigung [allein] als Geheimlehre der Strafe gepriesen [?]; nicht ist Milde gegenüber Feinden beim Feldzug stets [angebracht]; nicht Verwüstung der Saaten und nicht eine Handlung der Vermengung [?]; und nicht auch wieder das Beunruhigen der Untertanen [?].

Wort für Wort
na sāma daṇḍopaniṣat praśasyate
nicht wird Begütigung als Geheimlehre der Strafe gepriesen [?] (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Pass.)
na mārdavaṃ śatruṣu yātrikaṃ sadā
nicht Milde gegenüber Feinden, beim Feldzug stets (Nom.; Lok.Pl.; Adj.)
na sasyaghāto
nicht Vernichtung der Saaten (Nom.Sg.m.)
na ca saṃkarakriyā
und nicht Handlung der Vermengung [?] (Nom.Sg.f.)
na cāpi bhūyaḥ prakṛter vicāraṇā
und auch nicht wieder Beunruhigung der Untertanen [?] (Adv.; Gen.Sg.; Nom.Sg.f.)

Erster Pāda unsicher; saṃkarakriyā und vicāraṇā nur vermutungsweise wiedergegeben.

māyāvibhedānupasarjanāni; pāpaṃ tathaiva spaśasaṃprayogāt; āptair manuṣyair upacārayeta; pureṣu rāṣṭreṣu ca saṃprayuktaḥ

Täuschungen, Entzweiungen und [Beigaben/Bestechungen?] sowie ebenso Böses durch den Einsatz von Spähern: das soll er durch vertrauenswürdige Männer ins Werk setzen lassen, [selbst] in Städten und Reichen betraut [?].

Wort für Wort
māyāvibhedānupasarjanāni
Täuschungen, Entzweiungen, Beigaben [?] (Nom.Pl.n., Kompositum)
pāpaṃ tathaiva
Böses ebenso (Nom.Sg.n.; Adv.)
spaśasaṃprayogāt
durch den Einsatz von Spähern (Abl.Sg.)
āptair manuṣyair upacārayeta
durch vertrauenswürdige Männer soll er ins Werk setzen lassen (Instr.Pl.; 3.Sg.Opt.Kaus.)
pureṣu rāṣṭreṣu ca saṃprayuktaḥ
in Städten und Reichen betraut/eingesetzt [?] (Lok.Pl.; Part.)

Text vermutlich verderbt; anupasarjanāni und spaśa (Späher) sowie saṃprayuktaḥ unsicher.

purāṇi caiṣām anusṛtya bhūmipāḥ; pureṣu bhogān nikhilān ihājayan; pureṣu nītiṃ vihitāṃ yathāvidhi; prayojayanto balavṛtrasūdana

Und ihre Städte aufsuchend, gewannen Erdherrscher hier alle Genüsse in den Städten, indem sie in den Städten die vorgeschriebene Politik regelrecht anwandten, Bala- und Vṛtra-Töter.

Wort für Wort
purāṇi caiṣām anusṛtya
und ihre Städte verfolgend/aufsuchend (Akk.Pl.n.; Gen.Pl.; Ind.Abs.)
bhūmipāḥ
Erdherrscher (Nom.Pl.)
pureṣu bhogān nikhilān ihājayan
in den Städten alle Genüsse hier gewannen sie (Lok.Pl.; Akk.Pl.; 3.Pl.Impf.)
pureṣu nītiṃ vihitāṃ yathāvidhi
in den Städten die vorgeschriebene Politik nach Regel (Akk.Sg.f.)
prayojayanto balavṛtrasūdana
anwendend, Töter von Bala und Vṛtra (Nom.Pl.Part.; Vok.)

pradāya gūḍhāni vasūni nāma; pracchidya bhogān avadhāya ca svān; duṣṭāḥ svadoṣair iti kīrtayitvā; pureṣu rāṣṭreṣu ca yojayanti

Nachdem sie heimlich Schätze gegeben [haben], ihnen die Genüsse abgeschnitten und die eigenen [Leute?] beiseitegestellt [?], erklären sie: „Verdorben durch ihre eigenen Fehler“, und setzen sie in Städten und Reichen ein.

Wort für Wort
pradāya gūḍhāni vasūni nāma
gegeben habend, heimlich, Schätze, nämlich (Ind.Abs.; Akk.Pl.n.)
pracchidya bhogān
abgeschnitten habend die Genüsse (Ind.Abs.; Akk.Pl.)
avadhāya ca svān
und beiseitegestellt/beachtet habend die eigenen [?] (Ind.Abs.; Akk.Pl.)
duṣṭāḥ svadoṣair iti kīrtayitvā
„Verdorben durch eigene Fehler“ so verkündet habend (Nom.Pl.; Instr.Pl.; Ind.Abs.)
pureṣu rāṣṭreṣu ca yojayanti
in Städten und Reichen setzen sie ein (Lok.Pl.; 3.Pl.Präs.)

Zweiter Pāda unsicher (avadhāya, svān); yojayanti vermutlich „setzen [Leute] ein/verwickeln“.

tathaiva cānyai ratiśāstravedibhiḥ; svalaṃkṛtaiḥ śāstravidhānadṛṣṭibhiḥ; suśikṣitair bhāṣyakathāviśāradaiḥ; pareṣu kṛtyān upadhārayasva

Und ebenso [setze] durch andere, die die Liebeskunde kennen, schön geschmückt sind, die Regeln der Lehrbücher im Blick haben, gut geschult und geübt in Rede und Erzählung sind, [lass] bei den Feinden die Aufgaben ins Werk setzen [?].

Wort für Wort
tathaiva cānyai ratiśāstravedibhiḥ
und ebenso durch andere, Kenner der Liebeskunde (Instr.Pl.)
svalaṃkṛtaiḥ
schön geschmückt (Instr.Pl.)
śāstravidhānadṛṣṭibhiḥ
die Lehrvorschriften im Blick habend (Instr.Pl.)
suśikṣitair bhāṣyakathāviśāradaiḥ
gut geschult, geübt in Rede und Erzählung (Instr.Pl.)
pareṣu kṛtyān upadhārayasva
bei den Feinden die Aufgaben bedenke/bestimme [?] (Lok.Pl.; Akk.Pl.; 2.Sg.Imp.Med.)

Konstruktion des letzten Pādas unsicher (kṛtyān upadhārayasva).

indra uvāca; kāni liṅgāni duṣṭasya bhavanti dvijasattama; kathaṃ duṣṭaṃ vijānīyād etat pṛṣṭo bravīhi me

Indra sprach: „Welche Kennzeichen hat ein Verdorbener, Bester der Zweimalgeborenen? Wie soll man den Verdorbenen erkennen? Gefragt, sage mir dies.“

Wort für Wort
indra uvāca
Indra sprach (Nom.; 3.Sg.Perf.)
kāni liṅgāni duṣṭasya bhavanti
welche Kennzeichen des Verdorbenen gibt es (Nom.Pl.n.; Gen.Sg.; 3.Pl.)
dvijasattama
Bester der Zweimalgeborenen (Vok.)
kathaṃ duṣṭaṃ vijānīyād
wie soll man den Verdorbenen erkennen (Akk.Sg.; 3.Sg.Opt.)
etat pṛṣṭo bravīhi me
dies gefragt, sage mir (Part.Pass.; 2.Sg.Imp.; Dat./Gen.)

bṛhaspatir uvāca; parokṣam aguṇān āha sadguṇān abhyasūyati; parair vā kīrtyamāneṣu tūṣṇīm āste parāṅmukhaḥ

Bṛhaspati sprach: „Hinter dem Rücken nennt er [nur] Mängel, gegen wahre Vorzüge ist er missgünstig; wenn andere [jemanden] loben, bleibt er stumm und abgewandt.“

Wort für Wort
bṛhaspatir uvāca
Bṛhaspati sprach (Nom.; 3.Sg.Perf.)
parokṣam aguṇān āha
hinter dem Rücken spricht er von Mängeln (Adv.; Akk.Pl.; 3.Sg.Perf.)
sadguṇān abhyasūyati
gegen wahre Vorzüge ist er missgünstig (Akk.Pl.; 3.Sg.Präs.)
parair vā kīrtyamāneṣu
oder wenn von anderen gelobt wird (Instr.Pl.; Lok.Pl.Part.Pass.)
tūṣṇīm āste parāṅmukhaḥ
bleibt er stumm, abgewandt (Adv.; 3.Sg.; Nom.Sg.)

tūṣṇīṃbhāve 'pi hi jñānaṃ na ced bhavati kāraṇam; viśvāsam oṣṭhasaṃdaṃśaṃ śirasaś ca prakampanam

Wenn selbst im Schweigen nicht Wissen der Grund ist, [zeigt er] Seufzen [?], Lippenbeißen und Kopfschütteln.

Wort für Wort
tūṣṇīṃbhāve 'pi hi
denn auch im Schweigen (Lok.Sg.)
jñānaṃ na ced bhavati kāraṇam
wenn nicht Wissen der Grund ist (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Präs.)
viśvāsam [niḥśvāsam?]
Seufzen [?] (Akk.Sg.)
oṣṭhasaṃdaṃśaṃ
Lippenbeißen (Akk.Sg.)
śirasaś ca prakampanam
und Zittern/Schütteln des Kopfes (Gen.Sg.; Akk.Sg.n.)

viśvāsa („Vertrauen“) hier wohl verderbt für niḥśvāsa („Seufzen“); Satzbau elliptisch.

karoty abhīkṣṇaṃ saṃsṛṣṭam asaṃsṛṣṭaś ca bhāṣate; adṛṣṭito vikurute dṛṣṭvā vā nābhibhāṣate

Er stellt ständig [enge Verbindung] her und redet [doch] wie ein Unverbundener [?]; ungesehen benimmt er sich [feindlich] anders, sieht er [einen], so spricht er ihn nicht an.

Wort für Wort
karoty abhīkṣṇaṃ saṃsṛṣṭam
er tut ständig [Verbundenes] (3.Sg.Präs.; Adv.; Akk.Sg.n.)
asaṃsṛṣṭaś ca bhāṣate
und redet als Unverbundener [?] (Nom.Sg.; 3.Sg.Med.)
adṛṣṭito vikurute
ungesehen benimmt er sich anders/feindlich (Abl.-Adv.; 3.Sg.Med.)
dṛṣṭvā vā nābhibhāṣate
oder nach dem Sehen spricht er nicht an (Ind.Abs.; 3.Sg.Med.)

Erster Pāda unsicher (saṃsṛṣṭa/asaṃsṛṣṭa).

pṛthag etya samaśnāti nedam adya yathāvidhi; āsane śayane yāne bhāvā lakṣyā viśeṣataḥ

Abgesondert kommt er heran und isst [mit], [doch] nicht wie heute üblich, regelrecht [?]; beim Sitzen, Liegen und Fahren sind die Gemütsregungen besonders zu beachten.

Wort für Wort
pṛthag etya samaśnāti
abgesondert herangekommen isst er mit (Adv.; Ind.Abs.; 3.Sg.Präs.)
nedam adya yathāvidhi
nicht dies heute regelrecht [?] (Adv.)
āsane śayane yāne
beim Sitzen, Liegen, Fahren (Lok.Sg.n.)
bhāvā lakṣyā viśeṣataḥ
die Regungen sind zu beachten, besonders (Nom.Pl.m.; Gerundiv; Adv.)

Erster Pāda unklar (nedam adya yathāvidhi).

ārtir ārte priye prītir etāvan mitralakṣaṇam; viparītaṃ tu boddhavyam arilakṣaṇam eva tat

Kummer beim Betrübten, Freude beim Geliebten: das ist so viel das Kennzeichen des Freundes; das Gegenteil aber ist zu erkennen: eben das ist das Kennzeichen des Feindes.

Wort für Wort
ārtir ārte
Kummer beim Betrübten (Nom.Sg.f.; Lok.Sg.)
priye prītir
Freude beim Geliebten (Lok.Sg.; Nom.Sg.f.)
etāvan mitralakṣaṇam
nur dies ist das Kennzeichen des Freundes (Nom.Sg.n.)
viparītaṃ tu boddhavyam
das Gegenteil aber ist zu erkennen (Nom.Sg.n.; Gerundiv)
arilakṣaṇam eva tat
eben das ist das Kennzeichen des Feindes (Nom.Sg.n.)

etāny evaṃ yathoktāni budhyethās tridaśādhipa; puruṣāṇāṃ praduṣṭānāṃ svabhāvo balavattaraḥ

Diese so genannten [Zeichen] sollst du erkennen, Herr der Dreißig [Götter]; bei verdorbenen Männern ist die [eigene] Natur übermächtig.

Wort für Wort
etāny evaṃ yathoktāni
diese, so wie gesagt (Akk.Pl.n.)
budhyethās tridaśādhipa
sollst du erkennen, Herr der Dreißig (2.Sg.Opt.Med.; Vok.)
puruṣāṇāṃ praduṣṭānāṃ
bei verdorbenen Männern (Gen.Pl.)
svabhāvo balavattaraḥ
die Natur ist stärker (Nom.Sg.m.; Komp.)

iti duṣṭasya vijñānam uktaṃ te surasattama; niśāmya śāstratattvārthaṃ yathāvad amareśvara

So ist dir das Erkennen des Verdorbenen gesagt, Bester der Götter, [du hast] den wahren Sinn der Lehre gehörig vernommen, Herr der Unsterblichen.

Wort für Wort
iti duṣṭasya vijñānam
so das Erkennen des Verdorbenen (Gen.Sg.; Nom.Sg.n.)
uktaṃ te surasattama
ist dir gesagt, Bester der Götter (Part.Pass.; Dat./Gen.; Vok.)
niśāmya
vernommen habend (Ind.Abs.)
śāstratattvārthaṃ yathāvat
den wahren Sinn der Lehre gehörig (Akk.Sg.; Adv.)
amareśvara
Herr der Unsterblichen (Vok.)

niśāmya elliptisch; Ergänzung „du hast“ vermutet.

bhīṣma uvāca; sa tad vacaḥ śatrunibarhaṇe ratas; tathā cakārāvitathaṃ bṛhaspateḥ; cacāra kāle vijayāya cārihā; vaśaṃ ca śatrūn anayat puraṃdaraḥ

Bhīṣma sprach: Er, der an der Vernichtung der Feinde Freude hatte, tat so das unfehlbare Wort des Bṛhaspati; der Feindetöter wandelte zur rechten Zeit dem Sieg entgegen, und Puraṃdara brachte die Feinde in seine Gewalt.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Nom.; 3.Sg.Perf.)
sa tad vacaḥ śatrunibarhaṇe ratas
er, dieses Wort, in der Vernichtung der Feinde ergeben (Nom.; Akk.Sg.n.; Lok.; Nom.)
tathā cakārāvitathaṃ bṛhaspateḥ
so tat er, unfehlbar, des Bṛhaspati (Adv.; 3.Sg.Perf.; Adv./Adj.; Gen.)
cacāra kāle vijayāya cārihā
wandelte zur rechten Zeit für den Sieg, der Feindetöter (3.Sg.Perf.; Lok.; Dat.; Nom.)
vaśaṃ ca śatrūn anayat puraṃdaraḥ
und brachte die Feinde in seine Gewalt, Puraṃdara (Akk.; Akk.Pl.; 3.Sg.Impf.; Nom.)

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