Kapitel 210: pravṛttinivṛttilakṣaṇaṃ catuṣṭayajñānaṃ ca
Die Vierheit, Hinwendung und Abkehr, Askese und der Weg zur Erlösung
Der Lehrer erläutert die Vierheit von Manifestem, Unmanifestem, Puruṣa und Kṣetrajña sowie die Wege der Hinwendung (pravṛtti) und Abkehr (nivṛtti). Askese, Speiseregelung und Wissen führen zum höchsten Ziel; der Durst (tṛṣṇā) bindet das Rad des Saṃsāra.
gurur uvāca; na sa veda paraṃ dharmaṃ yo na veda catuṣṭayam; vyaktāvyakte ca yat tattvaṃ saṃprāptaṃ paramarṣiṇā
Der Lehrer sprach: „Der kennt das höchste Dharma nicht, der die Vierheit nicht kennt, [nämlich] die Wirklichkeit im Manifesten und im Unmanifesten, die vom höchsten Seher erlangt wurde.“
Wort für Wort
gurur uvāca
der Lehrer sprach (Nom.Sg.; Perf. 3.Sg.)
na sa veda paraṃ dharmam
der kennt das höchste Dharma nicht (3.Sg.Perf.; Akk.)
yo na veda catuṣṭayam
wer die Vierheit nicht kennt (Rel.; 3.Sg.Perf.; Akk.)
vyaktāvyakte ca yat tattvam
und was als Wirklichkeit im Manifesten und Unmanifesten [gilt] (Lok.Du.; Nom./Akk.Sg.n.)
Das Manifeste soll man als den Rachen des Todes kennen, das Unmanifeste als den Ort der Unsterblichkeit; das durch Hinwendung gekennzeichnete Dharma verkündete der Seher Nārāyaṇa.
Wort für Wort
vyaktaṃ mṛtyumukham
das Manifeste [als] Rachen des Todes (Akk.Sg.n.; Kompositum)
vidyāt
soll man kennen (Opt. 3.Sg.)
avyaktam amṛtaṃ padam
das Unmanifeste [als] unsterblichen Ort (Akk.Sg.n.)
pravṛttilakṣaṇaṃ dharmam
das durch Hinwendung gekennzeichnete Dharma (Akk.Sg.; Bahuvrīhi)
Eben hierin ist alles verankert, die drei Welten samt Beweglichem und Unbeweglichem; das durch Abkehr gekennzeichnete Dharma [ist] das unmanifeste, ewige Brahman.
Wort für Wort
atraiva avasthitaṃ sarvam
eben hierin steht alles (Adv.; PPP Nom.Sg.n.)
trailokyaṃ sacarācaram
die drei Welten samt Beweglichem und Unbeweglichem (Nom.Sg.n.; Bahuvrīhi)
nivṛttilakṣaṇaṃ dharmam
das durch Abkehr gekennzeichnete Dharma (Nom./Akk.Sg.m.)
tāṃ gatiṃ paramām eti nivṛttiparamo muniḥ; jñānatattvaparo nityaṃ śubhāśubhanidarśakaḥ
Zu diesem höchsten Ziel gelangt der Schweigeweise, dem die Abkehr das Höchste ist, stets der Wirklichkeit des Wissens ergeben und Gutes und Schlechtes [klar] erkennend.
Wort für Wort
tāṃ gatiṃ paramām eti
zu diesem höchsten Ziel gelangt (Akk.Sg.f.; 3.Sg.Präs.)
nivṛttiparamo muniḥ
der Schweigeweise, dem Abkehr das Höchste ist (Nom.Sg.m.; Bahuvrīhi)
jñānatattvaparo nityam
dem Wesen des Wissens ergeben, stets (Nom.Sg.m.; Adv.)
śubhāśubhanidarśakaḥ
Gutes und Schlechtes [klar] erkennend/aufzeigend (Nom.Sg.m.)
nidarśaka wörtlich „Aufzeigender, Vorweisender“; hier als ‚klar Erkennender‘ gefasst.
tad evam etau vijñeyāv avyaktapuruṣāv ubhau; avyaktapuruṣābhyāṃ tu yat syād anyan mahattaram
So also sind diese beiden zu erkennen: das Unmanifeste und der Puruṣa, beide; was aber außer dem Unmanifesten und dem Puruṣa etwa noch Größeres sein mag,
Wort für Wort
tad evam
so also (Adv.)
etau vijñeyau
diese beiden sind zu erkennen (Gerundiv Nom.Du.)
avyaktapuruṣau ubhau
das Unmanifeste und der Puruṣa, beide (Dvandva Nom.Du.)
avyaktapuruṣābhyāṃ tu
von Unmanifestem und Puruṣa aber (Abl.Du.)
yat syād anyan mahattaram
was etwa anderes, Größeres sein mag (Opt. 3.Sg.; Nom.Sg.n.)
prakṛtyā sargadharmiṇyā tathā trividhasattvayā; viparītam ato vidyāt kṣetrajñasya ca lakṣaṇam
Vom Kṣetrajña soll man das Kennzeichen als das Gegenteil der Natur erkennen, die der Schöpfung als Wesenseigenschaft unterliegt und ebenso dreifachen Sattva-Wesens ist.
Wort für Wort
prakṛtyā sargadharmiṇyā
von der Natur, die dem Schöpfen zugehört (Instr.Sg.f.)
tathā trividhasattvayā
ebenso von dreifachem Wesen/Sein (Instr.Sg.f.)
viparītam ataḥ vidyāt
das Gegenteil davon soll man erkennen (Akk.Sg.n.; Opt. 3.Sg.)
kṣetrajñasya ca lakṣaṇam
und das Kennzeichen des Kṣetrajña (Gen.Sg.; Akk.Sg.n.)
agrāhyaṃ yena jānanti taj jñanaṃ daṃśitaś ca tat; tenaiva daṃśito nityaṃ na guṇaḥ paribhūyate
Das Unfassbare, wodurch man [es] erkennt, das [ist] Wissen, und das [ist] gepanzert [?]; durch eben dieses stets Gepanzerte wird die Eigenschaft nicht überwältigt.
Wort für Wort
agrāhyaṃ yena jānanti
das Unfassbare, wodurch sie erkennen (Akk.Sg.n.; Instr.; 3.Pl.Präs.)
taj jñānaṃ
das [ist] Wissen (Nom.Sg.n.)
daṃśitaḥ ca tat
und das [ist] gepanzert (PPP Nom.Sg.m./n.)
tena eva daṃśitaḥ nityam
durch eben dieses Gepanzerte, stets (Instr.; Adv.)
na guṇaḥ paribhūyate
die Eigenschaft wird nicht überwältigt (Nom.Sg.m.; Pass. 3.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zeile verderbt („jñanaṃ“ statt jñānaṃ); Sinn unsicher.
saṃyogalakṣaṇotpattiḥ karmajā gṛhyate yayā; karaṇaiḥ karmanirvṛttaiḥ kartā yad yad viceṣṭate; kīrtyate śabdasaṃjñābhiḥ ko 'ham eṣo 'py asāv iti
Wodurch die aus Karma geborene, durch Verbindung gekennzeichnete Entstehung erfasst wird: Mit den durch Handlung vollbrachten Werkzeugen, was immer der Handelnde tut, [das] wird mit Wortbezeichnungen ausgesprochen: „Wer [bin] ich? Dieser auch, jener [da]!“
Wort für Wort
saṃyogalakṣaṇotpattiḥ
die durch Verbindung gekennzeichnete Entstehung (Nom.Sg.f.)
karmajā gṛhyate yayā
die karmageborene wird erfasst, wodurch (Nom.Sg.f.; Pass. 3.Sg.; Instr.Sg.f.)
karaṇaiḥ karmanirvṛttaiḥ
mit den durch Handlung vollbrachten Werkzeugen (Instr.Pl.)
kartā yad yad viceṣṭate
der Handelnde, was immer er tut (Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.Med.)
kīrtyate śabdasaṃjñābhiḥ
wird ausgesprochen mit Wortbezeichnungen (Pass. 3.Sg.; Instr.Pl.)
ko 'ham eṣo 'pi asau iti
„wer [bin] ich, auch dieser, jener“ (Interr.; Pron.)
bhedavastu tv abhedena jānāti sa yadā pumān; tadā paraṃ parātmāsau bhavaty eva nirañjanaḥ; kriyāyoge ca bhedākhye bahu saṃkṣipyate kva cit; vasurudragaṇādyeṣu svānubhogena bhogataḥ; evam eṣa paraḥ sattvo nānārūpeṇa saṃsthitaḥ; saṃkṣipto dṛśyate paścād ekarūpeṇa viṣṭhitaḥ
Wenn dieser Mensch das Unterschiedene als Nicht-Unterschiedenes erkennt, dann wird er das Höchste, das höchste Selbst, ohne Makel. Und in der Verbindung mit Handlung, ‚Unterscheidung‘ genannt, wird das Viele bisweilen zusammengezogen; in den Scharen der Vasus, Rudras und so weiter, durch Genuss vermöge eigenen Erlebens [?]. So besteht dieses höchste Wesen in mannigfacher Gestalt; zusammengezogen wird es danach gesehen, in einer einzigen Gestalt feststehend.
Wort für Wort
bhedavastu tu abhedena jānāti
das Unterschiedene aber erkennt er als Nicht-Unterschiedenes (Instr.Sg.; 3.Sg.Präs.)
sa yadā pumān
wenn dieser Mensch (Nom.Sg.m.)
tadā param parātmā asau bhavati
dann wird dieser das Höchste, das höchste Selbst (Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.)
eva nirañjanaḥ
eben makellos (Nom.Sg.m.)
kriyāyoge ca bhedākhye
und in der Handlungsverbindung, ‚Unterscheidung‘ genannt (Lok.Sg.)
bahu saṃkṣipyate kva cit
das Viele wird bisweilen zusammengezogen (Pass. 3.Sg.)
vasurudragaṇādyeṣu svānubhogena bhogataḥ
in den Scharen der Vasus, Rudras usw., durch eigenes Erleben, aus Genuss (Lok.Pl.; Instr.; Abl.) [?]
evam eṣa paraḥ sattvo nānārūpeṇa saṃsthitaḥ
so besteht dieses höchste Wesen in vielfacher Gestalt (Nom.Sg.; Instr.Sg.; PPP)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Verderbte Zusatzpassage; Zeilen 3 und 4 sind sehr unsicher.
tasmāc catuṣṭayaṃ vedyam etair hetubhir ācitam; yathāsaṃjño hy ayaṃ samyag antakāle na muhyati
Daher ist die Vierheit zu erkennen, durch diese Gründe angehäuft; denn wer [sie] gemäß den Bezeichnungen recht kennt, wird zur Todeszeit nicht verwirrt.
Wort für Wort
tasmāt catuṣṭayaṃ vedyam
daher [ist] die Vierheit zu erkennen (Abl.; Gerundiv Nom.Sg.n.)
etaiḥ hetubhiḥ ācitam
durch diese Gründe angehäuft/erfüllt (Instr.Pl.; PPP)
yathāsaṃjñaḥ hi ayam samyak
denn dieser, der gemäß den Bezeichnungen recht [kennt] (Nom.Sg.m.; Adv.)
antakāle na muhyati
wird zur Todeszeit nicht verwirrt (Lok.Sg.; 3.Sg.Präs.)
Wer nach göttlicher Herrlichkeit verlangt, [nach] Brahman, rein in Rede und Geist, der soll mit strengen körperlichen Observanzen makellose Askese üben.
Wort für Wort
śriyaṃ divyām abhiprepsuḥ
nach göttlicher Herrlichkeit verlangend (Akk.Sg.f.; Nom.Sg.m.)
brahma vāṅmanasā śuciḥ
[nach] Brahman; rein in Rede und Geist (Akk.Sg.n.; Instr.Sg.; Nom.Sg.m.)
śārīraiḥ niyamaiḥ ugraiḥ
mit körperlichen, strengen Observanzen (Instr.Pl.)
caret niṣkalmaṣaṃ tapaḥ
soll üben makellose Askese (Opt. 3.Sg.; Akk.Sg.n.)
Die Glut der Askese ist Wissen; in der Welt wird [das] als „Askese“ bezeichnet; das Werk, das Rajas und Tamas vernichtet, ist das eigene Kennzeichen der Askese.
Wort für Wort
pratāpaḥ tapasaḥ jñānam
die Glut der Askese [ist] Wissen (Nom.Sg.m.; Gen.; Nom.Sg.n.)
loke saṃśabditaṃ tapaḥ
in der Welt als Askese bezeichnet (Lok.Sg.; PPP)
rajastamoghnaṃ yat karma
das Werk, das Rajas und Tamas vernichtet (Nom.Sg.n.)
tapasaḥ tat svalakṣaṇam
das [ist] der Askese eigenes Kennzeichen (Gen.Sg.; Nom.Sg.n.)
tritayaṃ hy etad ākhyātaṃ yady asmād bhāsituṃ punaḥ; svabhāsā bhāsayaṃś cāpi candramā hy atra vartate; sūryayoge tu yaḥ saṃdhis tapaḥ sarvaṃ pradīpyate
Diese Dreiheit ist verkündet, wenn aus diesem wieder zu leuchten [?]; mit eigenem Glanz erleuchtend weilt hier auch der Mond; in der Verbindung mit der Sonne aber, was die Vereinigung ist, wird alle Askese entflammt.
Wort für Wort
tritayaṃ hi etad ākhyātam
diese Dreiheit ist verkündet (Nom.Sg.n.; PPP)
yadi asmāt bhāsituṃ punaḥ
wenn aus diesem wieder zu leuchten (Inf.) [?]
svabhāsā bhāsayan ca api
und auch mit eigenem Glanz erleuchtend (Instr.; Part.)
candramā hi atra vartate
der Mond weilt hier (Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.)
sūryayoge tu yaḥ saṃdhiḥ
in der Sonnenverbindung aber, was die Vereinigung [ist] (Lok.Sg.; Nom.Sg.m.)
tapaḥ sarvaṃ pradīpyate
alle Askese wird entflammt (Pass. 3.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage, syntaktisch unklar.
Von den Zweimalgeborenen, die die Vorschriften kennen, ist Speise anzunehmen; [das] zeichnet sich aus. Durch Regelung der Nahrung schwindet diesem das rajasische Übel.
Wort für Wort
vidhijñebhyaḥ dvijātibhyaḥ
von den Vorschriftskundigen, den Zweimalgeborenen (Abl.Pl.)
grāhyam annaṃ viśiṣyate
Speise ist anzunehmen, zeichnet sich aus (Gerundiv; Pass. 3.Sg.)
āhāraniyamena asya
durch Regelung der Nahrung, dessen (Instr.Sg.; Gen.Sg.)
pāpmā naśyati rājasaḥ
das rajasische Übel schwindet (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Präs.)
Und durch Rajas wandelt dieser Verkörperte, körperbehaftet, wie es dem Wort [der Bezeichnung] entspricht; mit durch die Werke unbehindertem Geist, aus Leidenschaftslosigkeit in der Natur stehend, wird er durch Unachtsamkeitslosigkeit bis zum Körper hin vom Körperende [Tod] völlig befreit.
Wort für Wort
rajasā ca api ayaṃ dehī
und auch durch Rajas dieser Verkörperte (Instr.Sg.; Nom.Sg.m.)
dehavān śabdavat caret
körperbehaftet wandle er wortgemäß (Nom.Sg.m.; Adv.; Opt. 3.Sg.)
kāryaiḥ avyāhatamatiḥ
mit durch Werke unbehindertem Geist (Instr.Pl.; Nom.Sg.m.)
vairāgyāt prakṛtau sthitaḥ
aus Leidenschaftslosigkeit in der Natur stehend (Abl.; Lok.; PPP)
ā dehāt apramādāt ca
bis zum Körper hin und durch Unachtsamkeitslosigkeit (Abl.)
hetuyuktaḥ sadotsargo bhūtānāṃ pralayas tathā; parapratyayasarge tu niyataṃ nātivartate
Der Ausstoß [Entlassung] ist stets ursachebedingt, ebenso das Vergehen der Wesen; in der auf fremder Überzeugung beruhenden Schöpfung aber überschreitet er das Festgesetzte nicht.
Wort für Wort
hetuyuktaḥ sadā utsargaḥ
stets ursachebedingt der Ausstoß (Nom.Sg.m.)
bhūtānāṃ pralayaḥ tathā
der Wesen Vergehen ebenso (Gen.Pl.; Nom.Sg.m.)
parapratyayasarge tu
in der auf fremder Überzeugung [beruhenden] Schöpfung aber (Lok.Sg.)
niyataṃ na ativartate
das Festgesetzte überschreitet er nicht (Akk.Sg.n.; 3.Sg.Präs.)
bhavāntaprabhavaprajñā āsate ye viparyayam; dhṛtyā dehān dhārayanto buddhisaṃkṣiptamānasāḥ; sthānebhyo dhvaṃsamānāś ca sūkṣmatvāt tān upāsate
Die, deren Einsicht auf Ende und Ursprung des Werdens gerichtet ist, verharren in der Verkehrung; mit Festigkeit die Körper tragend, den Geist durch Erkenntnis zusammengezogen, und aus ihren Stätten fallend, verehren sie wegen der Feinheit jene [?].
Wort für Wort
bhavāntaprabhavaprajñāḥ
mit Einsicht in Ende und Ursprung des Werdens (Nom.Pl.m.)
āsate ye viparyayam
die in der Verkehrung verharren (3.Pl.Präs.Med.; Akk.Sg.m.)
dhṛtyā dehān dhārayantaḥ
mit Festigkeit die Körper tragend (Instr.; Akk.Pl.; Part.)
buddhisaṃkṣiptamānasāḥ
deren Geist durch Erkenntnis zusammengezogen ist (Nom.Pl.m.)
sthānebhyaḥ dhvaṃsamānāḥ ca
und aus den Stätten fallend (Abl.Pl.; Part.Med.)
sūkṣmatvāt tān upāsate
wegen der Feinheit jene verehren sie (Abl.; Akk.Pl.; 3.Pl.Präs.Med.)
yathāgamaṃ ca tat sarvaṃ buddhyā tan naiva budhyate; dehāntaṃ kaś cid anvāste bhāvitātmā nirāśrayaḥ; yukto dhāraṇayā kaś cit sattāṃ ke cid upāsate
Gemäß der Überlieferung erkennt er all das dennoch mit der Buddhi nicht; einer weilt beim Körperende, geläutert im Selbst, ohne Stütze; einer, durch Sammlung verbunden; manche verehren das Sein.
Wort für Wort
yathāgamaṃ ca tat sarvam
gemäß der Überlieferung all das (Adv.; Akk.Sg.n.)
buddhyā tat na eva budhyate
mit der Buddhi erkennt er jenes nicht (Instr.; 3.Sg.Präs.Med.)
dehāntaṃ kaḥ cit anvāste
einer weilt beim Körperende (Akk.; 3.Sg.Präs.Med.)
bhāvitātmā nirāśrayaḥ
im Selbst geläutert, ohne Stütze (Nom.Sg.m.)
yuktaḥ dhāraṇayā kaḥ cit
einer, durch Sammlung verbunden (PPP; Instr.Sg.f.)
sattāṃ ke cit upāsate
manche verehren das Sein (Akk.Sg.f.; 3.Pl.Präs.Med.)
abhyasyanti paraṃ devaṃ vidyutsaṃśabditākṣaram; antakāle hy upāsannās tapasā dagdhakilbiṣāḥ
Sie üben [Hingabe an] den höchsten Gott, das mit „Blitz“ bezeichnete Unvergängliche; zur Todeszeit sind sie herangetreten, durch Askese ihre Verfehlungen verbrannt.
Wort für Wort
abhyasyanti param devam
sie üben, den höchsten Gott (3.Pl.Präs.; Akk.Sg.m.)
vidyutsaṃśabditākṣaram
das mit ‚Blitz‘ benannte Unvergängliche (Akk.Sg.n.)
antakāle hi upāsannāḥ
denn zur Todeszeit herangetreten (Lok.; PPP Nom.Pl.m.)
tapasā dagdhakilbiṣāḥ
durch Askese, mit verbrannten Verfehlungen (Instr.; Nom.Pl.m.)
martyalokād vimucyante vidyāsaṃyuktamānasāḥ; brahmabhūtā virajasas tato yānti parāṃ gatim
Sie werden aus der Welt der Sterblichen befreit, mit an Wissen gebundenem Geist; zu Brahman geworden, frei von Rajas, gehen sie dann zum höchsten Ziel.
Wort für Wort
martyalokāt vimucyante
aus der Welt der Sterblichen werden sie befreit (Abl.; Pass. 3.Pl.)
vidyāsaṃyuktamānasāḥ
mit an Wissen gebundenem Geist (Nom.Pl.m.)
brahmabhūtāḥ virajasaḥ
brahmagewordene, staubfreie (Nom.Pl.m.)
tataḥ yānti parāṃ gatim
dann gehen sie zum höchsten Ziel (3.Pl.Präs.; Akk.Sg.f.)
jñātvātmasthaṃ hariṃ caiva nivartante na te 'vyayāḥ; prāpya tat paramaṃ sthānaṃ modante 'kṣaram avyayam
Haben sie Hari erkannt, der im Selbst weilt, kehren sie nicht zurück, [sie sind] unvergänglich; haben sie jenen höchsten Ort erlangt, freuen sie sich, unvergänglich, unzerstörbar.
Wort für Wort
jñātvā ātmasthaṃ harim ca eva
und eben Hari erkannt habend, im Selbst weilend (Abs.; Akk.Sg.m.)
nivartante na te 'vyayāḥ
kehren nicht zurück, sie [sind] unvergänglich (3.Pl.Präs.Med.; Nom.Pl.m.)
prāpya tat paramaṃ sthānam
jenen höchsten Ort erlangt habend (Abs.; Akk.Sg.n.)