Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 210: pravṛttinivṛttilakṣaṇaṃ catuṣṭayajñānaṃ ca Die Vierheit, Hinwendung und Abkehr, Askese und der Weg zur Erlösung

Der Lehrer erläutert die Vierheit von Manifestem, Unmanifestem, Puruṣa und Kṣetrajña sowie die Wege der Hinwendung (pravṛtti) und Abkehr (nivṛtti). Askese, Speiseregelung und Wissen führen zum höchsten Ziel; der Durst (tṛṣṇā) bindet das Rad des Saṃsāra.

gurur uvāca; na sa veda paraṃ dharmaṃ yo na veda catuṣṭayam; vyaktāvyakte ca yat tattvaṃ saṃprāptaṃ paramarṣiṇā

Der Lehrer sprach: „Der kennt das höchste Dharma nicht, der die Vierheit nicht kennt, [nämlich] die Wirklichkeit im Manifesten und im Unmanifesten, die vom höchsten Seher erlangt wurde.“

Wort für Wort
gurur uvāca
der Lehrer sprach (Nom.Sg.; Perf. 3.Sg.)
na sa veda paraṃ dharmam
der kennt das höchste Dharma nicht (3.Sg.Perf.; Akk.)
yo na veda catuṣṭayam
wer die Vierheit nicht kennt (Rel.; 3.Sg.Perf.; Akk.)
vyaktāvyakte ca yat tattvam
und was als Wirklichkeit im Manifesten und Unmanifesten [gilt] (Lok.Du.; Nom./Akk.Sg.n.)
saṃprāptaṃ paramarṣiṇā
erlangt vom höchsten Seher (PPP; Instr.Sg.)

vyaktaṃ mṛtyumukhaṃ vidyād avyaktam amṛtaṃ padam; pravṛttilakṣaṇaṃ dharmam ṛṣir nārāyaṇo 'bravīt

Das Manifeste soll man als den Rachen des Todes kennen, das Unmanifeste als den Ort der Unsterblichkeit; das durch Hinwendung gekennzeichnete Dharma verkündete der Seher Nārāyaṇa.

Wort für Wort
vyaktaṃ mṛtyumukham
das Manifeste [als] Rachen des Todes (Akk.Sg.n.; Kompositum)
vidyāt
soll man kennen (Opt. 3.Sg.)
avyaktam amṛtaṃ padam
das Unmanifeste [als] unsterblichen Ort (Akk.Sg.n.)
pravṛttilakṣaṇaṃ dharmam
das durch Hinwendung gekennzeichnete Dharma (Akk.Sg.; Bahuvrīhi)
ṛṣir nārāyaṇo 'bravīt
der Seher Nārāyaṇa sprach (Nom.Sg.; Impf. 3.Sg.)

atraivāvasthitaṃ sarvaṃ trailokyaṃ sacarācaram; nivṛttilakṣaṇaṃ dharmam avyaktaṃ brahma śāśvatam

Eben hierin ist alles verankert, die drei Welten samt Beweglichem und Unbeweglichem; das durch Abkehr gekennzeichnete Dharma [ist] das unmanifeste, ewige Brahman.

Wort für Wort
atraiva avasthitaṃ sarvam
eben hierin steht alles (Adv.; PPP Nom.Sg.n.)
trailokyaṃ sacarācaram
die drei Welten samt Beweglichem und Unbeweglichem (Nom.Sg.n.; Bahuvrīhi)
nivṛttilakṣaṇaṃ dharmam
das durch Abkehr gekennzeichnete Dharma (Nom./Akk.Sg.m.)
avyaktaṃ brahma śāśvatam
[ist] das unmanifeste, ewige Brahman (Nom.Sg.n.)

pravṛttilakṣaṇaṃ dharmaṃ prajāpatir athābravīt; pravṛttiḥ punarāvṛttir nivṛttiḥ paramā gatiḥ

Das durch Hinwendung gekennzeichnete Dharma verkündete dann der Prajāpati; Hinwendung [bedeutet] Wiederkehr, Abkehr [ist] das höchste Ziel.

Wort für Wort
pravṛttilakṣaṇaṃ dharmam
das durch Hinwendung gekennzeichnete Dharma (Akk.Sg.m.)
prajāpatir atha abravīt
der Prajāpati sprach dann (Nom.Sg.; Impf. 3.Sg.)
pravṛttiḥ punarāvṛttiḥ
Hinwendung [ist] Wiederkehr (Nom.Sg.f.)
nivṛttiḥ paramā gatiḥ
Abkehr [ist] das höchste Ziel (Nom.Sg.f.)

tāṃ gatiṃ paramām eti nivṛttiparamo muniḥ; jñānatattvaparo nityaṃ śubhāśubhanidarśakaḥ

Zu diesem höchsten Ziel gelangt der Schweigeweise, dem die Abkehr das Höchste ist, stets der Wirklichkeit des Wissens ergeben und Gutes und Schlechtes [klar] erkennend.

Wort für Wort
tāṃ gatiṃ paramām eti
zu diesem höchsten Ziel gelangt (Akk.Sg.f.; 3.Sg.Präs.)
nivṛttiparamo muniḥ
der Schweigeweise, dem Abkehr das Höchste ist (Nom.Sg.m.; Bahuvrīhi)
jñānatattvaparo nityam
dem Wesen des Wissens ergeben, stets (Nom.Sg.m.; Adv.)
śubhāśubhanidarśakaḥ
Gutes und Schlechtes [klar] erkennend/aufzeigend (Nom.Sg.m.)

nidarśaka wörtlich „Aufzeigender, Vorweisender“; hier als ‚klar Erkennender‘ gefasst.

tad evam etau vijñeyāv avyaktapuruṣāv ubhau; avyaktapuruṣābhyāṃ tu yat syād anyan mahattaram

So also sind diese beiden zu erkennen: das Unmanifeste und der Puruṣa, beide; was aber außer dem Unmanifesten und dem Puruṣa etwa noch Größeres sein mag,

Wort für Wort
tad evam
so also (Adv.)
etau vijñeyau
diese beiden sind zu erkennen (Gerundiv Nom.Du.)
avyaktapuruṣau ubhau
das Unmanifeste und der Puruṣa, beide (Dvandva Nom.Du.)
avyaktapuruṣābhyāṃ tu
von Unmanifestem und Puruṣa aber (Abl.Du.)
yat syād anyan mahattaram
was etwa anderes, Größeres sein mag (Opt. 3.Sg.; Nom.Sg.n.)

Satz setzt sich in Vers 7 fort.

taṃ viśeṣam avekṣeta viśeṣeṇa vicakṣaṇaḥ; anādyantāv ubhāv etāv aliṅgau cāpy ubhāv api

dieses Besondere soll der Kluge mit Unterscheidungsvermögen ins Auge fassen. Diese beiden sind ohne Anfang und Ende, und beide auch ohne Merkmal.

Wort für Wort
taṃ viśeṣam avekṣeta
dieses Besondere soll er ins Auge fassen (Akk.Sg.; Opt.Med. 3.Sg.)
viśeṣeṇa vicakṣaṇaḥ
mit Unterscheidung, der Kundige (Instr.Sg.; Nom.Sg.m.)
anādyantau ubhau etau
diese beiden ohne Anfang und Ende (Nom.Du.m.)
aliṅgau ca api ubhau api
und auch beide merkmallos (Nom.Du.m.)

ubhau nityau sūkṣmatarau mahadbhyaś ca mahattarau; sāmānyam etad ubhayor evaṃ hy anyad viśeṣaṇam

Beide sind ewig, feiner als das Feinere und größer als die Großen; dies ist beiden gemeinsam; das Unterscheidende ist aber ein anderes.

Wort für Wort
ubhau nityau
beide ewig (Nom.Du.m.)
sūkṣmatarau
feiner (Komp. Nom.Du.)
mahadbhyaḥ ca mahattarau
und größer als die Großen (Abl.Pl.; Komp. Nom.Du.)
sāmānyam etad ubhayoḥ
dies [ist] beiden gemeinsam (Nom.Sg.n.; Gen.Du.)
evaṃ hi anyad viśeṣaṇam
aber so [ist] das Unterscheidende ein anderes (Adv.; Nom.Sg.n.)

„feiner … größer“: sūkṣmatarau/mahattarau als Komparative; ‚mahadbhyaḥ‘ Abl.Pl. als Vergleichsgröße.

prakṛtyā sargadharmiṇyā tathā trividhasattvayā; viparītam ato vidyāt kṣetrajñasya ca lakṣaṇam

Vom Kṣetrajña soll man das Kennzeichen als das Gegenteil der Natur erkennen, die der Schöpfung als Wesenseigenschaft unterliegt und ebenso dreifachen Sattva-Wesens ist.

Wort für Wort
prakṛtyā sargadharmiṇyā
von der Natur, die dem Schöpfen zugehört (Instr.Sg.f.)
tathā trividhasattvayā
ebenso von dreifachem Wesen/Sein (Instr.Sg.f.)
viparītam ataḥ vidyāt
das Gegenteil davon soll man erkennen (Akk.Sg.n.; Opt. 3.Sg.)
kṣetrajñasya ca lakṣaṇam
und das Kennzeichen des Kṣetrajña (Gen.Sg.; Akk.Sg.n.)

Satzbau elliptisch; Fortsetzung in Vers 10.

prakṛteś ca vikārāṇāṃ draṣṭāram aguṇānvitam

[Er ist] der Zuschauer der Natur und ihrer Wandlungen, ohne Guṇas.

Wort für Wort
prakṛteḥ ca vikārāṇām
der Natur und der Wandlungen (Gen.Sg./Gen.Pl.)
draṣṭāram
den Schauenden/Zuschauer (Akk.Sg.m.)
aguṇānvitam
der nicht mit Guṇas verbunden ist (Akk.Sg.m.)

kṣetrajñam āhur jīvaṃ tu kartāraṃ guṇasaṃvṛtam

Den Kṣetrajña nennen sie [auch] das Lebewesen (jīva), den Handelnden, von den Guṇas umhüllt.

Wort für Wort
kṣetrajñam āhuḥ
den Kṣetrajña nennen sie (Akk.; Perf. 3.Pl.)
jīvaṃ tu kartāram
den Jīva aber, den Handelnden (Akk.Sg.m.)
guṇasaṃvṛtam
von den Guṇas umhüllt (PPP Akk.Sg.m.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

agrāhyaṃ yena jānanti taj jñanaṃ daṃśitaś ca tat; tenaiva daṃśito nityaṃ na guṇaḥ paribhūyate

Das Unfassbare, wodurch man [es] erkennt, das [ist] Wissen, und das [ist] gepanzert [?]; durch eben dieses stets Gepanzerte wird die Eigenschaft nicht überwältigt.

Wort für Wort
agrāhyaṃ yena jānanti
das Unfassbare, wodurch sie erkennen (Akk.Sg.n.; Instr.; 3.Pl.Präs.)
taj jñānaṃ
das [ist] Wissen (Nom.Sg.n.)
daṃśitaḥ ca tat
und das [ist] gepanzert (PPP Nom.Sg.m./n.)
tena eva daṃśitaḥ nityam
durch eben dieses Gepanzerte, stets (Instr.; Adv.)
na guṇaḥ paribhūyate
die Eigenschaft wird nicht überwältigt (Nom.Sg.m.; Pass. 3.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zeile verderbt („jñanaṃ“ statt jñānaṃ); Sinn unsicher.

agrāhyau puruṣāv etāv aliṅgatvād asaṃhitau

Diese beiden Puruṣas sind nicht fassbar, weil sie ohne Merkmal sind, [und] unverbunden.

Wort für Wort
agrāhyau puruṣau etau
nicht fassbar, diese beiden Puruṣas (Nom.Du.m.)
aliṅgatvāt
wegen der Merkmallosigkeit (Abl.Sg.n.)
asaṃhitau
unverbunden (Nom.Du.m.)

saṃyogalakṣaṇotpattiḥ karmajā gṛhyate yayā; karaṇaiḥ karmanirvṛttaiḥ kartā yad yad viceṣṭate; kīrtyate śabdasaṃjñābhiḥ ko 'ham eṣo 'py asāv iti

Wodurch die aus Karma geborene, durch Verbindung gekennzeichnete Entstehung erfasst wird: Mit den durch Handlung vollbrachten Werkzeugen, was immer der Handelnde tut, [das] wird mit Wortbezeichnungen ausgesprochen: „Wer [bin] ich? Dieser auch, jener [da]!“

Wort für Wort
saṃyogalakṣaṇotpattiḥ
die durch Verbindung gekennzeichnete Entstehung (Nom.Sg.f.)
karmajā gṛhyate yayā
die karmageborene wird erfasst, wodurch (Nom.Sg.f.; Pass. 3.Sg.; Instr.Sg.f.)
karaṇaiḥ karmanirvṛttaiḥ
mit den durch Handlung vollbrachten Werkzeugen (Instr.Pl.)
kartā yad yad viceṣṭate
der Handelnde, was immer er tut (Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.Med.)
kīrtyate śabdasaṃjñābhiḥ
wird ausgesprochen mit Wortbezeichnungen (Pass. 3.Sg.; Instr.Pl.)
ko 'ham eṣo 'pi asau iti
„wer [bin] ich, auch dieser, jener“ (Interr.; Pron.)

Konstruktion des ersten Pādas unsicher [?].

mamāpi kāyam iti ca tad ajño nityasaṃvṛtaḥ

„Auch [ist] dies mein Körper“ [sagt er]; so [ist] jener Unwissende stets umhüllt.

Wort für Wort
mama api kāyam iti ca
und ‚auch mein Körper‘, so [sagt er] (Gen.Sg.; Akk.Sg.m.)
tad ajñaḥ nityasaṃvṛtaḥ
darum der Unwissende, stets umhüllt (Nom.Sg.m.; PPP)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sinn unsicher; wohl ergänzt: er sagt so.

uṣṇīṣavān yathā vastrais tribhir bhavati saṃvṛtaḥ; saṃvṛto 'yaṃ tathā dehī sattvarājasatāmasaiḥ

Wie ein Turbanträger von drei Tüchern umhüllt ist, so ist dieser Verkörperte umhüllt von Sattva, Rajas und Tamas.

Wort für Wort
uṣṇīṣavān yathā
wie ein Turbanträger (Nom.Sg.m.)
vastraiḥ tribhiḥ bhavati saṃvṛtaḥ
ist von drei Tüchern umhüllt (Instr.Pl.; 3.Sg.Präs.; PPP)
saṃvṛtaḥ ayaṃ tathā dehī
so ist dieser Verkörperte umhüllt (Nom.Sg.m.)
sattvarājasatāmasaiḥ
von Sattva, Rajas und Tamas (Instr.Pl.)

bhedavastu tv abhedena jānāti sa yadā pumān; tadā paraṃ parātmāsau bhavaty eva nirañjanaḥ; kriyāyoge ca bhedākhye bahu saṃkṣipyate kva cit; vasurudragaṇādyeṣu svānubhogena bhogataḥ; evam eṣa paraḥ sattvo nānārūpeṇa saṃsthitaḥ; saṃkṣipto dṛśyate paścād ekarūpeṇa viṣṭhitaḥ

Wenn dieser Mensch das Unterschiedene als Nicht-Unterschiedenes erkennt, dann wird er das Höchste, das höchste Selbst, ohne Makel. Und in der Verbindung mit Handlung, ‚Unterscheidung‘ genannt, wird das Viele bisweilen zusammengezogen; in den Scharen der Vasus, Rudras und so weiter, durch Genuss vermöge eigenen Erlebens [?]. So besteht dieses höchste Wesen in mannigfacher Gestalt; zusammengezogen wird es danach gesehen, in einer einzigen Gestalt feststehend.

Wort für Wort
bhedavastu tu abhedena jānāti
das Unterschiedene aber erkennt er als Nicht-Unterschiedenes (Instr.Sg.; 3.Sg.Präs.)
sa yadā pumān
wenn dieser Mensch (Nom.Sg.m.)
tadā param parātmā asau bhavati
dann wird dieser das Höchste, das höchste Selbst (Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.)
eva nirañjanaḥ
eben makellos (Nom.Sg.m.)
kriyāyoge ca bhedākhye
und in der Handlungsverbindung, ‚Unterscheidung‘ genannt (Lok.Sg.)
bahu saṃkṣipyate kva cit
das Viele wird bisweilen zusammengezogen (Pass. 3.Sg.)
vasurudragaṇādyeṣu svānubhogena bhogataḥ
in den Scharen der Vasus, Rudras usw., durch eigenes Erleben, aus Genuss (Lok.Pl.; Instr.; Abl.) [?]
evam eṣa paraḥ sattvo nānārūpeṇa saṃsthitaḥ
so besteht dieses höchste Wesen in vielfacher Gestalt (Nom.Sg.; Instr.Sg.; PPP)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Verderbte Zusatzpassage; Zeilen 3 und 4 sind sehr unsicher.

tasmāc catuṣṭayaṃ vedyam etair hetubhir ācitam; yathāsaṃjño hy ayaṃ samyag antakāle na muhyati

Daher ist die Vierheit zu erkennen, durch diese Gründe angehäuft; denn wer [sie] gemäß den Bezeichnungen recht kennt, wird zur Todeszeit nicht verwirrt.

Wort für Wort
tasmāt catuṣṭayaṃ vedyam
daher [ist] die Vierheit zu erkennen (Abl.; Gerundiv Nom.Sg.n.)
etaiḥ hetubhiḥ ācitam
durch diese Gründe angehäuft/erfüllt (Instr.Pl.; PPP)
yathāsaṃjñaḥ hi ayam samyak
denn dieser, der gemäß den Bezeichnungen recht [kennt] (Nom.Sg.m.; Adv.)
antakāle na muhyati
wird zur Todeszeit nicht verwirrt (Lok.Sg.; 3.Sg.Präs.)

vāyur vidho yathā bhānur viprakāśaṃ gamiṣyati

Der Wind, von [?] Art, wie die Sonne, wird zu Glanz gelangen.

Wort für Wort
vāyur vidho yathā
der Wind, [?] wie (Nom.Sg.m.)
bhānuḥ viprakāśaṃ gamiṣyati
die Sonne wird zu Glanz gehen (Nom.Sg.; Fut. 3.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Verderbte Zeile („vidho“); Sinn unsicher.

śriyaṃ divyām abhiprepsur brahma vāṅmanasā śuciḥ; śārīrair niyamair ugraiś caren niṣkalmaṣaṃ tapaḥ

Wer nach göttlicher Herrlichkeit verlangt, [nach] Brahman, rein in Rede und Geist, der soll mit strengen körperlichen Observanzen makellose Askese üben.

Wort für Wort
śriyaṃ divyām abhiprepsuḥ
nach göttlicher Herrlichkeit verlangend (Akk.Sg.f.; Nom.Sg.m.)
brahma vāṅmanasā śuciḥ
[nach] Brahman; rein in Rede und Geist (Akk.Sg.n.; Instr.Sg.; Nom.Sg.m.)
śārīraiḥ niyamaiḥ ugraiḥ
mit körperlichen, strengen Observanzen (Instr.Pl.)
caret niṣkalmaṣaṃ tapaḥ
soll üben makellose Askese (Opt. 3.Sg.; Akk.Sg.n.)

trailokyaṃ tapasā vyāptam antarbhūtena bhāsvatā; sūryaś ca candramāś caiva bhāsatas tapasā divi

Die drei Welten sind von Askese durchdrungen, [und zwar] durch das innen befindliche Leuchtende; auch Sonne und Mond leuchten am Himmel durch Askese.

Wort für Wort
trailokyaṃ tapasā vyāptam
die drei Welten von Askese durchdrungen (Instr.Sg.; PPP)
antarbhūtena bhāsvatā
durch das innen Befindliche, Leuchtende (Instr.Sg.n.)
sūryaḥ ca candramāḥ ca eva
Sonne und Mond eben (Nom.Sg.)
bhāsataḥ tapasā divi
leuchten durch Askese am Himmel (3.Du.Präs.; Instr.; Lok.)

anyac ca dharmasāmyaṃ yat tapas tat kīrtyate punaḥ

Und noch eine andere Entsprechung des Dharma, die als Askese gilt, wird wiederum genannt.

Wort für Wort
anyat ca dharmasāmyam
und eine andere Dharma-Gleichheit/-Entsprechung (Nom.Sg.n.)
yat tapaḥ tat kīrtyate punaḥ
was Askese [ist], das wird wieder genannt (Pass. 3.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sinn unsicher [?].

pratāpas tapaso jñānaṃ loke saṃśabditaṃ tapaḥ; rajastamoghnaṃ yat karma tapasas tat svalakṣaṇam

Die Glut der Askese ist Wissen; in der Welt wird [das] als „Askese“ bezeichnet; das Werk, das Rajas und Tamas vernichtet, ist das eigene Kennzeichen der Askese.

Wort für Wort
pratāpaḥ tapasaḥ jñānam
die Glut der Askese [ist] Wissen (Nom.Sg.m.; Gen.; Nom.Sg.n.)
loke saṃśabditaṃ tapaḥ
in der Welt als Askese bezeichnet (Lok.Sg.; PPP)
rajastamoghnaṃ yat karma
das Werk, das Rajas und Tamas vernichtet (Nom.Sg.n.)
tapasaḥ tat svalakṣaṇam
das [ist] der Askese eigenes Kennzeichen (Gen.Sg.; Nom.Sg.n.)

tritayaṃ hy etad ākhyātaṃ yady asmād bhāsituṃ punaḥ; svabhāsā bhāsayaṃś cāpi candramā hy atra vartate; sūryayoge tu yaḥ saṃdhis tapaḥ sarvaṃ pradīpyate

Diese Dreiheit ist verkündet, wenn aus diesem wieder zu leuchten [?]; mit eigenem Glanz erleuchtend weilt hier auch der Mond; in der Verbindung mit der Sonne aber, was die Vereinigung ist, wird alle Askese entflammt.

Wort für Wort
tritayaṃ hi etad ākhyātam
diese Dreiheit ist verkündet (Nom.Sg.n.; PPP)
yadi asmāt bhāsituṃ punaḥ
wenn aus diesem wieder zu leuchten (Inf.) [?]
svabhāsā bhāsayan ca api
und auch mit eigenem Glanz erleuchtend (Instr.; Part.)
candramā hi atra vartate
der Mond weilt hier (Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.)
sūryayoge tu yaḥ saṃdhiḥ
in der Sonnenverbindung aber, was die Vereinigung [ist] (Lok.Sg.; Nom.Sg.m.)
tapaḥ sarvaṃ pradīpyate
alle Askese wird entflammt (Pass. 3.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage, syntaktisch unklar.

brahmacaryam ahiṃsā ca śārīraṃ tapa ucyate; vāṅmanoniyamaḥ sāmyaṃ mānasaṃ tapa ucyate

Keuschheit und Gewaltlosigkeit heißen körperliche Askese; Zügelung von Rede und Geist [und] Gleichmut heißt geistige Askese.

Wort für Wort
brahmacaryam ahiṃsā ca
Keuschheit und Gewaltlosigkeit (Nom.Sg.)
śārīraṃ tapaḥ ucyate
heißt körperliche Askese (Pass. 3.Sg.)
vāṅmanoniyamaḥ sāmyam
Zügelung von Rede und Geist, Gleichmut (Nom.Sg.)
mānasaṃ tapaḥ ucyate
heißt geistige Askese (Pass. 3.Sg.)

vidhijñebhyo dvijātibhyo grāhyam annaṃ viśiṣyate; āhāraniyamenāsya pāpmā naśyati rājasaḥ

Von den Zweimalgeborenen, die die Vorschriften kennen, ist Speise anzunehmen; [das] zeichnet sich aus. Durch Regelung der Nahrung schwindet diesem das rajasische Übel.

Wort für Wort
vidhijñebhyaḥ dvijātibhyaḥ
von den Vorschriftskundigen, den Zweimalgeborenen (Abl.Pl.)
grāhyam annaṃ viśiṣyate
Speise ist anzunehmen, zeichnet sich aus (Gerundiv; Pass. 3.Sg.)
āhāraniyamena asya
durch Regelung der Nahrung, dessen (Instr.Sg.; Gen.Sg.)
pāpmā naśyati rājasaḥ
das rajasische Übel schwindet (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Präs.)

vaimanasyaṃ ca viṣaye yānty asya karaṇāni ca; tasmāt tanmātram ādadyād yāvad atra prayojanam

Und Missmut [entsteht] am Objekt, und seine Organe gehen [dorthin]; darum soll man davon nur das Maß nehmen, soweit hier ein Zweck ist.

Wort für Wort
vaimanasyaṃ ca viṣaye
und Missmut am Objekt (Nom.Sg.n.; Lok.Sg.)
yānti asya karaṇāni ca
und seine Werkzeuge/Organe gehen (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.n.)
tasmāt tanmātram ādadyāt
darum soll man nur das Maß davon nehmen (Abl.; Akk.Sg.n.; Opt. 3.Sg.)
yāvat atra prayojanam
soweit hier ein Zweck [ist] (Nom.Sg.n.)

Erster Pāda unsicher [?].

antakāle vayotkarṣāc chanaiḥ kuryād anāturaḥ; evaṃ yuktena manasā jñānaṃ tad upapadyate

Zur Todeszeit soll er wegen des vorgerückten Alters langsam [es] tun, unbeschwert; mit so gesammeltem Geist stellt sich jenes Wissen ein.

Wort für Wort
antakāle vayotkarṣāt
zur Todeszeit, wegen des Fortschreitens des Alters (Lok.; Abl.)
śanaiḥ kuryāt anāturaḥ
langsam soll er tun, nicht leidend (Adv.; Opt.; Nom.Sg.m.)
evaṃ yuktena manasā
mit so gesammeltem Geist (Instr.Sg.n.)
jñānaṃ tad upapadyate
jenes Wissen stellt sich ein (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Präs.Med.)

Objekt zu kuryāt fehlt; ergänzt gedacht: Sammlung/Übung [?].

rajasā cāpy ayaṃ dehī dehavāñ śabdavac caret; kāryair avyāhatamatir vairāgyāt prakṛtau sthitaḥ; ā dehād apramādāc ca dehāntād vipramucyate

Und durch Rajas wandelt dieser Verkörperte, körperbehaftet, wie es dem Wort [der Bezeichnung] entspricht; mit durch die Werke unbehindertem Geist, aus Leidenschaftslosigkeit in der Natur stehend, wird er durch Unachtsamkeitslosigkeit bis zum Körper hin vom Körperende [Tod] völlig befreit.

Wort für Wort
rajasā ca api ayaṃ dehī
und auch durch Rajas dieser Verkörperte (Instr.Sg.; Nom.Sg.m.)
dehavān śabdavat caret
körperbehaftet wandle er wortgemäß (Nom.Sg.m.; Adv.; Opt. 3.Sg.)
kāryaiḥ avyāhatamatiḥ
mit durch Werke unbehindertem Geist (Instr.Pl.; Nom.Sg.m.)
vairāgyāt prakṛtau sthitaḥ
aus Leidenschaftslosigkeit in der Natur stehend (Abl.; Lok.; PPP)
ā dehāt apramādāt ca
bis zum Körper hin und durch Unachtsamkeitslosigkeit (Abl.)
dehāntāt vipramucyate
wird vom Körperende befreit (Abl.; Pass. 3.Sg.)

Letzter Pāda unsicher [?].

hetuyuktaḥ sadotsargo bhūtānāṃ pralayas tathā; parapratyayasarge tu niyataṃ nātivartate

Der Ausstoß [Entlassung] ist stets ursachebedingt, ebenso das Vergehen der Wesen; in der auf fremder Überzeugung beruhenden Schöpfung aber überschreitet er das Festgesetzte nicht.

Wort für Wort
hetuyuktaḥ sadā utsargaḥ
stets ursachebedingt der Ausstoß (Nom.Sg.m.)
bhūtānāṃ pralayaḥ tathā
der Wesen Vergehen ebenso (Gen.Pl.; Nom.Sg.m.)
parapratyayasarge tu
in der auf fremder Überzeugung [beruhenden] Schöpfung aber (Lok.Sg.)
niyataṃ na ativartate
das Festgesetzte überschreitet er nicht (Akk.Sg.n.; 3.Sg.Präs.)

Vers sehr dunkel; Deutung unsicher [?].

bhavāntaprabhavaprajñā āsate ye viparyayam; dhṛtyā dehān dhārayanto buddhisaṃkṣiptamānasāḥ; sthānebhyo dhvaṃsamānāś ca sūkṣmatvāt tān upāsate

Die, deren Einsicht auf Ende und Ursprung des Werdens gerichtet ist, verharren in der Verkehrung; mit Festigkeit die Körper tragend, den Geist durch Erkenntnis zusammengezogen, und aus ihren Stätten fallend, verehren sie wegen der Feinheit jene [?].

Wort für Wort
bhavāntaprabhavaprajñāḥ
mit Einsicht in Ende und Ursprung des Werdens (Nom.Pl.m.)
āsate ye viparyayam
die in der Verkehrung verharren (3.Pl.Präs.Med.; Akk.Sg.m.)
dhṛtyā dehān dhārayantaḥ
mit Festigkeit die Körper tragend (Instr.; Akk.Pl.; Part.)
buddhisaṃkṣiptamānasāḥ
deren Geist durch Erkenntnis zusammengezogen ist (Nom.Pl.m.)
sthānebhyaḥ dhvaṃsamānāḥ ca
und aus den Stätten fallend (Abl.Pl.; Part.Med.)
sūkṣmatvāt tān upāsate
wegen der Feinheit jene verehren sie (Abl.; Akk.Pl.; 3.Pl.Präs.Med.)

Verderbt/unsicher; ‚tān‘ ohne klaren Bezug.

yathāgamaṃ ca tat sarvaṃ buddhyā tan naiva budhyate; dehāntaṃ kaś cid anvāste bhāvitātmā nirāśrayaḥ; yukto dhāraṇayā kaś cit sattāṃ ke cid upāsate

Gemäß der Überlieferung erkennt er all das dennoch mit der Buddhi nicht; einer weilt beim Körperende, geläutert im Selbst, ohne Stütze; einer, durch Sammlung verbunden; manche verehren das Sein.

Wort für Wort
yathāgamaṃ ca tat sarvam
gemäß der Überlieferung all das (Adv.; Akk.Sg.n.)
buddhyā tat na eva budhyate
mit der Buddhi erkennt er jenes nicht (Instr.; 3.Sg.Präs.Med.)
dehāntaṃ kaḥ cit anvāste
einer weilt beim Körperende (Akk.; 3.Sg.Präs.Med.)
bhāvitātmā nirāśrayaḥ
im Selbst geläutert, ohne Stütze (Nom.Sg.m.)
yuktaḥ dhāraṇayā kaḥ cit
einer, durch Sammlung verbunden (PPP; Instr.Sg.f.)
sattāṃ ke cit upāsate
manche verehren das Sein (Akk.Sg.f.; 3.Pl.Präs.Med.)

Erster Pāda unsicher [?].

abhyasyanti paraṃ devaṃ vidyutsaṃśabditākṣaram; antakāle hy upāsannās tapasā dagdhakilbiṣāḥ

Sie üben [Hingabe an] den höchsten Gott, das mit „Blitz“ bezeichnete Unvergängliche; zur Todeszeit sind sie herangetreten, durch Askese ihre Verfehlungen verbrannt.

Wort für Wort
abhyasyanti param devam
sie üben, den höchsten Gott (3.Pl.Präs.; Akk.Sg.m.)
vidyutsaṃśabditākṣaram
das mit ‚Blitz‘ benannte Unvergängliche (Akk.Sg.n.)
antakāle hi upāsannāḥ
denn zur Todeszeit herangetreten (Lok.; PPP Nom.Pl.m.)
tapasā dagdhakilbiṣāḥ
durch Askese, mit verbrannten Verfehlungen (Instr.; Nom.Pl.m.)

sarva ete mahātmāno gacchanti paramāṃ gatim; sūkṣmaṃ viśeṣaṇaṃ teṣām avekṣec chāstracakṣuṣā

Alle diese Hochgesinnten gehen zum höchsten Ziel; die feine Unterscheidung bei ihnen soll man mit dem Auge der Lehre erfassen.

Wort für Wort
sarve ete mahātmānaḥ
alle diese Hochgesinnten (Nom.Pl.m.)
gacchanti paramāṃ gatim
gehen zum höchsten Ziel (3.Pl.Präs.; Akk.Sg.f.)
sūkṣmaṃ viśeṣaṇaṃ teṣām
die feine Unterscheidung bei ihnen (Akk.Sg.n.; Gen.Pl.)
avekṣet śāstracakṣuṣā
soll man erfassen mit dem Auge der Lehre (Opt. 3.Sg.; Instr.Sg.)

dehaṃ tu paramaṃ vidyād vimuktam aparigraham; antarikṣād anyataraṃ dhāraṇāsaktamānasam

Den Körper aber soll man als höchsten erkennen: befreit, ohne Besitz, verschieden vom Luftraum, mit an Sammlung haftendem Geist.

Wort für Wort
dehaṃ tu paramaṃ vidyāt
den Körper aber soll man als höchsten erkennen (Akk.Sg.; Opt.)
vimuktam aparigraham
befreit, besitzlos (PPP; Akk.Sg.m.)
antarikṣāt anyataram
anders als der Luftraum (Abl.; Komp. Akk.)
dhāraṇāsaktamānasam
mit an Sammlung haftendem Geist (Akk.Sg.m.)

Vers sehr dunkel; Deutung unsicher [?].

martyalokād vimucyante vidyāsaṃyuktamānasāḥ; brahmabhūtā virajasas tato yānti parāṃ gatim

Sie werden aus der Welt der Sterblichen befreit, mit an Wissen gebundenem Geist; zu Brahman geworden, frei von Rajas, gehen sie dann zum höchsten Ziel.

Wort für Wort
martyalokāt vimucyante
aus der Welt der Sterblichen werden sie befreit (Abl.; Pass. 3.Pl.)
vidyāsaṃyuktamānasāḥ
mit an Wissen gebundenem Geist (Nom.Pl.m.)
brahmabhūtāḥ virajasaḥ
brahmagewordene, staubfreie (Nom.Pl.m.)
tataḥ yānti parāṃ gatim
dann gehen sie zum höchsten Ziel (3.Pl.Präs.; Akk.Sg.f.)

evam ekāyanaṃ dharmam āhur vedavido janāḥ; yathājñānam upāsantaḥ sarve yānti parāṃ gatim

So nennen die Veda-Kundigen das Dharma, das nur einen Weg hat; [Gott] nach Maßgabe ihres Wissens verehrend, gehen alle zum höchsten Ziel.

Wort für Wort
evam ekāyanaṃ dharmam
so das einwegige Dharma (Akk.Sg.m.)
āhuḥ vedavidaḥ janāḥ
nennen die Veda-Kundigen, die Leute (3.Pl.Perf.; Nom.Pl.)
yathājñānam upāsantaḥ
nach Maßgabe des Wissens verehrend (Adv.; Part.Med.)
sarve yānti parāṃ gatim
alle gehen zum höchsten Ziel (3.Pl.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

kaṣāyavarjitaṃ jñānaṃ yeṣām utpadyate 'calam; te yānti paramāṃl lokān viśudhyanto yathābalam

Diejenigen, in denen ein von Trübung freies, unerschütterliches Wissen entsteht, gehen zu höchsten Welten, sich läuternd, ihrer Kraft gemäß.

Wort für Wort
kaṣāyavarjitaṃ jñānam
von Trübung freies Wissen (Nom.Sg.n.)
yeṣām utpadyate 'calam
bei denen entsteht unerschütterlich (Gen.Pl.; 3.Sg.Präs.Med.; Nom.Sg.n.)
te yānti paramān lokān
sie gehen zu höchsten Welten (3.Pl.; Akk.Pl.)
viśudhyantaḥ yathābalam
sich läuternd, nach Kraft (Part.; Adv.)

bhagavantam ajaṃ divyaṃ viṣṇum avyaktasaṃjñitam; bhāvena yānti śuddhā ye jñānatṛptā nirāśiṣaḥ

Die Reinen, die durch Hingabe zum erhabenen, ungeborenen, göttlichen Viṣṇu gehen, der „unmanifest“ genannt wird, durch Wissen gesättigt, ohne Wunsch.

Wort für Wort
bhagavantam ajaṃ divyam
den Erhabenen, Ungeborenen, Göttlichen (Akk.Sg.m.)
viṣṇum avyaktasaṃjñitam
Viṣṇu, ‚unmanifest‘ genannt (Akk.Sg.m.)
bhāvena yānti
durch Hingabe gehen sie (Instr.; 3.Pl.Präs.)
śuddhāḥ ye
die Reinen, welche (Nom.Pl.m.)
jñānatṛptāḥ nirāśiṣaḥ
durch Wissen gesättigt, wunschlos (Nom.Pl.m.)

Konstruktion: ye … yānti; Objekt Viṣṇu.

jñātvātmasthaṃ hariṃ caiva nivartante na te 'vyayāḥ; prāpya tat paramaṃ sthānaṃ modante 'kṣaram avyayam

Haben sie Hari erkannt, der im Selbst weilt, kehren sie nicht zurück, [sie sind] unvergänglich; haben sie jenen höchsten Ort erlangt, freuen sie sich, unvergänglich, unzerstörbar.

Wort für Wort
jñātvā ātmasthaṃ harim ca eva
und eben Hari erkannt habend, im Selbst weilend (Abs.; Akk.Sg.m.)
nivartante na te 'vyayāḥ
kehren nicht zurück, sie [sind] unvergänglich (3.Pl.Präs.Med.; Nom.Pl.m.)
prāpya tat paramaṃ sthānam
jenen höchsten Ort erlangt habend (Abs.; Akk.Sg.n.)
modante 'kṣaram avyayam
freuen sich, unvergänglich, unzerstörbar (3.Pl.Präs.Med.; Akk./Adv.)

etāvad etad vijñānam etad asti ca nāsti ca; tṛṣṇābaddhaṃ jagat sarvaṃ cakravat parivartate

So viel ist diese Erkenntnis; dies ist, und es ist nicht; die ganze Welt, an den Durst gebunden, dreht sich wie ein Rad.

Wort für Wort
etāvat etat vijñānam
so viel [ist] diese Erkenntnis (Nom.Sg.n.)
etat asti ca na asti ca
dies ist und ist nicht (3.Sg.Präs.)
tṛṣṇābaddhaṃ jagat sarvam
die ganze Welt, an den Durst gebunden (PPP Nom.Sg.n.)
cakravat parivartate
dreht sich wie ein Rad (Adv.; 3.Sg.Präs.Med.)

bisatantur yathaivāyam antaḥsthaḥ sarvato bise; tṛṣṇātantur anādyantas tathā dehagataḥ sadā

Wie dieser Lotosfaden innen überall in der Lotoswurzel steckt, so ist der Faden des Durstes, ohne Anfang und Ende, stets im Körper.

Wort für Wort
bisatantuḥ yathā eva ayam
wie dieser Lotosfaden (Nom.Sg.m.)
antaḥsthaḥ sarvataḥ bise
innen befindlich, überall in der Lotoswurzel (Nom.Sg.m.; Lok.Sg.)
tṛṣṇātantuḥ anādyantaḥ
der Faden des Durstes, ohne Anfang und Ende (Nom.Sg.m.)
tathā dehagataḥ sadā
so im Körper befindlich, stets (PPP Nom.Sg.m.)

sūcyā sūtraṃ yathā vastre saṃsārayati vāyakaḥ; tadvat saṃsārasūtraṃ hi tṛṣṇāsūcyā nibadhyate

Wie der Weber mit der Nadel den Faden im Gewebe hindurchführt, so wird der Faden des Saṃsāra mit der Nadel des Durstes festgeknüpft.

Wort für Wort
sūcyā sūtraṃ yathā vastre
wie mit der Nadel den Faden im Gewebe (Instr.Sg.f.; Akk.; Lok.)
saṃsārayati vāyakaḥ
führt hindurch der Weber (Kaus. 3.Sg.; Nom.Sg.m.)
tadvat saṃsārasūtraṃ hi
so aber der Saṃsāra-Faden (Adv.; Nom.Sg.n.)
tṛṣṇāsūcyā nibadhyate
mit der Durst-Nadel wird festgebunden (Instr.; Pass. 3.Sg.)

itas tataḥ samāhṛtya rūpaṃ nirvartayiṣyati

Von hier und dort zusammenholend wird er eine Gestalt hervorbringen.

Wort für Wort
itaḥ tataḥ samāhṛtya
von hier und dort zusammengeholt habend (Adv.; Abs.)
rūpaṃ nirvartayiṣyati
wird eine Gestalt hervorbringen (Akk.Sg.n.; Kaus.Fut. 3.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

vikāraṃ prakṛtiṃ caiva puruṣaṃ ca sanātanam; yo yathāvad vijānāti sa vitṛṣṇo vimucyate

Wer Wandlung, Natur und den ewigen Puruṣa der Wirklichkeit gemäß erkennt, wird wunschlos befreit.

Wort für Wort
vikāraṃ prakṛtiṃ ca eva
Wandlung und eben Natur (Akk.Sg.)
puruṣaṃ ca sanātanam
und den ewigen Puruṣa (Akk.Sg.m.)
yaḥ yathāvat vijānāti
wer der Wirklichkeit gemäß erkennt (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Präs.)
sa vitṛṣṇaḥ vimucyate
der wird wunschlos befreit (Nom.Sg.m.; Pass. 3.Sg.)

prakāśaṃ bhagavān etad ṛṣir nārāyaṇo 'mṛtam; bhūtānām anukampārthaṃ jagāda jagato hitam

Diese Erhellung, die Unsterblichkeit, hat der Seher, der erhabene Nārāyaṇa, aus Mitgefühl mit den Wesen verkündet, zum Wohl der Welt.

Wort für Wort
prakāśaṃ bhagavān etat
diese Erhellung, der Erhabene (Akk.Sg.m.; Nom.Sg.m.)
ṛṣiḥ nārāyaṇaḥ amṛtam
der Seher Nārāyaṇa, [sie ist] Unsterblichkeit (Nom.Sg.; Nom./Akk.Sg.n.)
bhūtānām anukampārtham
um der Wesen Mitgefühls willen (Gen.Pl.; Adv.)
jagāda jagataḥ hitam
verkündete zum Wohl der Welt (Perf. 3.Sg.; Gen.Sg.; Akk.Sg.n.)

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