Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 239: adhyātmavistaraḥ (mahābhūta-indriya-guṇa-nirūpaṇam) Die Lehre vom Selbst: Elemente, Sinne, Verstand und die drei Guṇas

Śuka bittet Vyāsa um eine ausführliche Darlegung des Adhyātma. Vyāsa ordnet den fünf Grundelementen Sinne und Eigenschaften zu, bestimmt die Rolle von Manas, Buddhi und Kṣetrajña und beschreibt die drei Guṇas (sattva, rajas, tamas) an ihren Merkmalen.

śuka uvāca; adhyātmaṃ vistareṇeha punar eva vadasva me; yad adhyātmaṃ yathā cedaṃ bhagavann ṛṣisattama

Śuka sprach: Erkläre mir hier noch einmal ausführlich das Adhyātma [die Lehre vom Selbst] – was das Adhyātma ist und wie es sich verhält, o Erhabener, bester der Seher.

Wort für Wort
śuka uvāca
Śuka sprach (Perf.)
adhyātmaṃ vistareṇa iha punar eva vadasva me
das Adhyātma ausführlich hier nochmals erkläre mir (Akk./Instr./Imp. Med.)
yad adhyātmaṃ yathā ca idam
was das Adhyātma [ist] und wie dieses [sich verhält] (Nom.)
bhagavan ṛṣisattama
o Erhabener, bester der Seher (Vok.)

vyāsa uvāca; adhyātmaṃ yad idaṃ tāta puruṣasyeha vidyate; tat te 'haṃ saṃpravakṣyāmi tasya vyākhyām imāṃ śṛṇu

Vyāsa sprach: Was dieses Adhyātma ist, mein Sohn, das im Menschen hier gefunden wird, das werde ich dir erklären; höre diese Darlegung davon.

Wort für Wort
vyāsa uvāca
Vyāsa sprach (Perf.)
adhyātmaṃ yad idaṃ tāta
dieses Adhyātma, das, mein Lieber (Nom./Vok.)
puruṣasya iha vidyate
beim Menschen hier vorhanden ist (Gen., 3.Sg.Pass.)
tat te 'haṃ saṃpravakṣyāmi
das dir ich werde ich darlegen (1.Sg.Fut.)
tasya vyākhyām imāṃ śṛṇu
dessen diese Erläuterung höre (Akk., Imp.)

bhūmir āpas tathā jyotir vāyur ākāśam eva ca; mahābhūtāni bhūtānāṃ sāgarasyormayo yathā

Erde, Wasser, ebenso Licht [Feuer], Wind und der Raum: [das sind] die großen Elemente der Wesen, wie die Wellen des Meeres.

Wort für Wort
bhūmir āpas tathā jyotir
Erde, Wasser, ebenso Licht (Nom.)
vāyur ākāśam eva ca
Wind und Raum (Nom.)
mahābhūtāni bhūtānām
die großen Elemente der Wesen (Nom.Pl./Gen.Pl.)
sāgarasya ūrmayo yathā
wie die Wellen des Meeres (Gen./Nom.Pl.)

prasāryeha yathāṅgāni kūrmaḥ saṃharate punaḥ; tadvan mahānti bhūtāni yavīyaḥsu vikurvate

Wie die Schildkröte, hat sie ihre Glieder hier ausgestreckt, sie wieder einzieht, so entfalten sich die großen Elemente in den jüngeren [den aus ihnen Entstehenden] in Wandlungen.

Wort für Wort
prasārya iha yathā aṅgāni
wie [sie] hier die Glieder ausgestreckt hat (Abs., Akk.Pl.)
kūrmaḥ saṃharate punaḥ
die Schildkröte zieht wieder ein (Nom., 3.Sg.Präs.Med.)
tadvat mahānti bhūtāni
ebenso die großen Elemente (Nom.Pl.)
yavīyaḥsu vikurvate
in den jüngeren gestalten sie sich um (Lok.Pl. Komp., 3.Pl.Med.)

yavīyaḥsu vikurvate: „in den jüngeren“ nach üblichem Verständnis die aus den Elementen hervorgehenden Gebilde; Deutung nicht ganz sicher.

iti tanmayam evedaṃ sarvaṃ sthāvarajaṅgamam; sarge ca pralaye caiva tasmān nirdiśyate tathā

So besteht dieses ganze Bewegliche und Unbewegliche aus ihnen; bei Schöpfung wie bei Auflösung wird es deshalb so bezeichnet.

Wort für Wort
iti tanmayam eva idam
so aus eben diesen bestehend dies (Nom.)
sarvaṃ sthāvarajaṅgamam
alles Unbewegliche und Bewegliche (Nom.)
sarge ca pralaye ca eva
bei Schöpfung und bei Auflösung (Lok.)
tasmān nirdiśyate tathā
deshalb wird es so bezeichnet (3.Sg.Pass.)

mahābhūtāni pañcaiva sarvabhūteṣu bhūtakṛt; akarot tāta vaiṣamyaṃ yasmin yad anupaśyati

Die fünf großen Elemente, mein Lieber, die in allen Wesen als Wesensbildner wirken, brachten Verschiedenheit hervor, je nachdem, worin er [sie] wahrnimmt.

Wort für Wort
mahābhūtāni pañca eva
die großen Elemente, nur fünf (Nom.)
sarvabhūteṣu bhūtakṛt
in allen Wesen als Wesenschaffende(s) (Lok.Pl./Nom.)
akarot tāta vaiṣamyam
machte, mein Lieber, Ungleichheit (Impf., Vok., Akk.)
yasmin yad anupaśyati
in welchem [Wesen] er was wahrnimmt (Lok./Akk./3.Sg.Präs.)

Subjekt und Bezug von anupaśyati unklar; wörtlich wiedergegeben.

śuka uvāca; akarod yac charīreṣu kathaṃ tad upalakṣayet; indriyāṇi guṇāḥ ke cit kathaṃ tān upalakṣayet

Śuka sprach: Wie soll man erkennen, was es in den Körpern bewirkt hat? Und die Sinne sowie einige Eigenschaften – wie soll man diese erkennen?

Wort für Wort
śuka uvāca
Śuka sprach (Perf.)
akarod yac charīreṣu
was es in den Körpern bewirkte (Impf., Lok.Pl.)
kathaṃ tad upalakṣayet
wie man das erkennen soll (Opt.)
indriyāṇi guṇāḥ ke cit
die Sinne, gewisse Eigenschaften (Nom.Pl.)
kathaṃ tān upalakṣayet
wie man diese erkennen soll (Akk.Pl., Opt.)

vyāsa uvāca; etat te vartayiṣyāmi yathāvad iha darśanam; śṛṇu tattvam ihaikāgro yathātattvaṃ yathā ca tat

Vyāsa sprach: Dies werde ich dir erklären, die Lehre hier, wie sie recht ist; höre die Wahrheit hier mit gesammeltem Geist, so wie sie in Wahrheit ist und wie sie [sich verhält].

Wort für Wort
vyāsa uvāca
Vyāsa sprach (Perf.)
etat te vartayiṣyāmi
dies werde ich dir darlegen (Kaus.Fut.)
yathāvat iha darśanam
der Sachlage gemäß hier die Lehre (Adv./Akk.)
śṛṇu tattvam iha ekāgraḥ
höre die Wahrheit hier gesammelt (Imp., Akk., Nom.)
yathātattvaṃ yathā ca tat
wie in Wahrheit und wie jenes [ist] (Adv.)

śabdaḥ śrotraṃ tathā khāni trayam ākāśasaṃbhavam; prāṇaś ceṣṭā tathā sparśa ete vāyuguṇās trayaḥ

Ton, Gehör und die Öffnungen [Hohlräume]: diese Dreiheit ist aus dem Raum entstanden; Lebenshauch, Bewegung und Berührung: diese drei sind die Eigenschaften des Windes.

Wort für Wort
śabdaḥ śrotraṃ tathā khāni
Ton, Gehör und die Hohlräume (Nom.)
trayam ākāśasaṃbhavam
eine Dreiheit, aus dem Raum entstanden (Nom. Komp.)
prāṇaś ceṣṭā tathā sparśa
Lebenshauch, Regung und Berührung (Nom.)
ete vāyuguṇās trayaḥ
dies sind die drei Eigenschaften des Windes (Nom.Pl. Komp.)

rūpaṃ cakṣur vipākaś ca tridhā jyotir vidhīyate; raso 'tha rasanaṃ sneho guṇās tv ete trayo 'mbhasām

Gestalt, Auge und Reifung [Verdauung/Wärme]: in dreifacher Weise wird das Licht bestimmt; Geschmack, sodann Zunge und Feuchtigkeit: diese sind die drei Eigenschaften der Wasser.

Wort für Wort
rūpaṃ cakṣur vipākaś ca
Gestalt, Auge und Reifung (Nom.)
tridhā jyotir vidhīyate
dreifach wird das Licht bestimmt (Adv., Nom., 3.Sg.Pass.)
raso 'tha rasanaṃ sneho
Geschmack, ferner Zunge, Feuchtigkeit (Nom.)
guṇās tv ete trayo 'mbhasām
Eigenschaften aber diese drei der Wasser (Nom.Pl./Gen.Pl.)

vipāka: Reifung/Verdauung (Wärme-Funktion); Deutung im Rahmen der Dreiheit.

ghreyaṃ ghrāṇaṃ śarīraṃ ca bhūmer ete guṇās trayaḥ

Das Riechbare, die Nase und der Körper: diese sind die drei Eigenschaften der Erde.

Wort für Wort
ghreyaṃ ghrāṇaṃ śarīraṃ ca
Riechbares, Nase und Körper (Nom.)
bhūmer ete guṇās trayaḥ
der Erde diese drei Eigenschaften (Gen., Nom.Pl.)

śrotraṃ tvakcakṣuṣī jihvā nāsikā caiva pañcamī

Gehör, Haut und Augen, Zunge und Nase als fünfte.

Wort für Wort
śrotraṃ tvakcakṣuṣī
Gehör, Haut und die beiden Augen (Nom.)
jihvā nāsikā ca eva pañcamī
Zunge und Nase als fünfte (Nom., Ordinale f.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile der kritischen Ausgabe, nur in einem Teil der Handschriften.

etāvān indriyagrāmo vyākhyātaḥ pāñcabhautikaḥ

So weit reicht die Sinnesschar, die aus den fünf Elementen besteht, [wie sie] erklärt ist.

Wort für Wort
etāvān indriyagrāmaḥ
so groß die Sinnesschar (Nom.)
vyākhyātaḥ pāñcabhautikaḥ
erklärt, aus den fünf Elementen bestehend (PPP, Nom.)

vāyoḥ sparśo raso 'dbhyaś ca jyotiṣo rūpam ucyate; ākāśaprabhavaḥ śabdo gandho bhūmiguṇaḥ smṛtaḥ

Vom Wind, heißt es, [kommt] die Berührung, vom Wasser der Geschmack, vom Licht die Gestalt; der Ton hat seinen Ursprung im Raum, der Geruch gilt als Eigenschaft der Erde.

Wort für Wort
vāyoḥ sparśo
vom Wind die Berührung (Abl./Gen., Nom.)
raso 'dbhyaś ca
und der Geschmack von den Wassern (Nom., Abl.Pl.)
jyotiṣo rūpam ucyate
vom Licht die Gestalt, wird gesagt (Abl./Gen., 3.Sg.Pass.)
ākāśaprabhavaḥ śabdo
der Ton, im Raum entspringend (Nom. Komp.)
gandho bhūmiguṇaḥ smṛtaḥ
der Geruch, als Eigenschaft der Erde überliefert (Nom., PPP)

mano buddhiś ca bhāvaś ca traya ete ''tmayonijāḥ; na guṇān ativartante guṇebhyaḥ paramā matāḥ

Manas [Denksinn], Buddhi [Urteilskraft] und Gemütszustand: diese drei sind aus dem Selbst geboren; sie überschreiten die Guṇas nicht, gelten aber als höher als die Guṇas.

Wort für Wort
mano buddhiś ca bhāvaś ca
Manas, Buddhi und Gemütszustand (Nom.)
traya ete ātmayonijāḥ
diese drei, aus dem Selbst geboren (Nom.Pl.)
na guṇān ativartante
überschreiten die Guṇas nicht (Akk.Pl., 3.Pl.Med.)
guṇebhyaḥ paramā matāḥ
höher als die Guṇas gelten sie (Abl.Pl., PPP)

ātmayonijāḥ: „aus dem Selbst geboren“ (ātman als Ursprung).

indriyāṇi nare pañca ṣaṣṭhaṃ tu mana ucyate; saptamīṃ buddhim evāhuḥ kṣetrajñaṃ punar aṣṭamam

Fünf Sinne hat der Mensch; als sechstes aber wird das Manas genannt; als siebtes nennen sie die Buddhi, als achtes wiederum den Kṣetrajña [Kenner des Feldes].

Wort für Wort
indriyāṇi nare pañca
Sinne im Menschen fünf (Nom., Lok.)
ṣaṣṭhaṃ tu mana ucyate
als sechstes aber das Manas wird genannt (3.Sg.Pass.)
saptamīṃ buddhim evāhuḥ
als siebente nur die Buddhi sagen sie (Akk., 3.Pl.Perf.)
kṣetrajñaṃ punar aṣṭamam
den Kṣetrajña wiederum als achten (Akk.)

cakṣur ālocanāyaiva saṃśayaṃ kurute manaḥ; buddhir adhyavasānāya sākṣī kṣetrajña ucyate

Das Auge dient allein dem Wahrnehmen; das Manas bewirkt Zweifel; die Buddhi dient der Entscheidung; der Kṣetrajña wird der Zeuge genannt.

Wort für Wort
cakṣur ālocanāya eva
das Auge nur zum Erblicken (Nom., Dat.)
saṃśayaṃ kurute manaḥ
Zweifel bewirkt das Manas (Akk., 3.Sg.Med.)
buddhir adhyavasānāya
die Buddhi zur Entscheidung (Dat.)
sākṣī kṣetrajña ucyate
als Zeuge wird der Kṣetrajña bezeichnet (Nom., 3.Sg.Pass.)

rajas tamaś ca sattvaṃ ca traya ete svayonijāḥ; samāḥ sarveṣu bhūteṣu tadguṇeṣūpalakṣayet

Rajas, Tamas und Sattva: diese drei sind aus ihrem eigenen Ursprung geboren; sie sind in allen Wesen gleich; man soll sie an ihren Eigenschaften erkennen.

Wort für Wort
rajas tamaś ca sattvaṃ ca
Rajas, Tamas und Sattva (Nom.)
traya ete svayonijāḥ
diese drei, aus eigenem Ursprung (Nom.Pl.)
samāḥ sarveṣu bhūteṣu
gleich in allen Wesen (Nom.Pl., Lok.Pl.)
tadguṇeṣu upalakṣayet
an deren Eigenschaften soll man erkennen (Lok.Pl., Opt.)

svayonijāḥ: aus dem eigenen Ursprung; Bezug von tadguṇeṣu (an deren Eigenschaften) wörtlich.

yathā kūrma ihāṅgāni prasārya viniyacchati; evam evendriyagrāmaṃ buddhiḥ sṛṣṭvā niyacchati

Wie die Schildkröte hier die Glieder ausstreckt und [wieder] zurückhält, ebenso bringt die Buddhi die Sinnesschar hervor und hält sie zurück.

Wort für Wort
yathā kūrma iha aṅgāni
wie die Schildkröte hier die Glieder (Nom., Akk.Pl.)
prasārya viniyacchati
ausgestreckt, zurückhält (Abs., 3.Sg.Präs.)
evam eva indriyagrāmam
ebenso die Sinnesschar (Akk.)
buddhiḥ sṛṣṭvā niyacchati
die Buddhi, nachdem sie [sie] entlassen hat, hält [sie] zurück (Nom., Abs., 3.Sg.)

yad ūrdhvaṃ pādatalayor avāṅmūrdhnaś ca paśyati; etasminn eva kṛtye vai vartate buddhir uttamā

Was man oberhalb der Fußsohlen und unterhalb des Kopfes sieht: in eben diesem Wirken bewegt sich die höchste Buddhi.

Wort für Wort
yad ūrdhvaṃ pādatalayor
was oberhalb der Fußsohlen (Nom./Akk., Gen.Du.)
avāṅmūrdhnaś ca paśyati
und unterhalb des Kopfes sieht (Gen., 3.Sg.)
etasmin eva kṛtye vai
in eben diesem Wirken fürwahr (Lok.)
vartate buddhir uttamā
bewegt sich die höchste Buddhi (3.Sg.Med., Nom.)

Der Vers ist knapp; avāṅmūrdhan wörtlich als „unterhalb des Kopfes“ gefasst [?].

guṇān nenīyate buddhir buddhir evendriyāṇy api; manaḥṣaṣṭhāni sarvāṇi buddhyabhāve kuto guṇāḥ

Die Buddhi wird von den Guṇas geleitet, und die Sinne wiederum von der Buddhi; alle, deren sechstes das Manas ist – wo die Buddhi fehlt, woher [sollen] da die Guṇas [sein]?

Wort für Wort
guṇān nenīyate buddhiḥ
von den Guṇas wird die Buddhi geführt (Abl.Pl., Intens.Pass., Nom.)
buddhir eva indriyāṇi api
durch die Buddhi ebenso die Sinne (Nom./Instr., Nom.Pl.)
manaḥṣaṣṭhāni sarvāṇi
alle, deren sechstes das Manas ist (Nom.Pl. Komp.)
buddhyabhāve kutaḥ guṇāḥ
bei Fehlen der Buddhi woher Guṇas (Lok., Nom.Pl.)

nenīyate: Intensiv/Pass. von nī, „wird geführt“.

tatra yat prītisaṃyuktaṃ kiṃ cid ātmani lakṣayet; praśāntam iva saṃśuddhaṃ sattvaṃ tad upadhārayet

Was man davon an sich als mit Freude verbunden, gleichsam beruhigt und ganz rein wahrnimmt, das soll man als Sattva auffassen.

Wort für Wort
tatra yat prītisaṃyuktam
darunter was mit Freude verbunden (Nom.)
kiṃ cid ātmani lakṣayet
irgendetwas an sich wahrnimmt (Lok., Opt.)
praśāntam iva saṃśuddham
wie beruhigt, ganz rein (PPP)
sattvaṃ tad upadhārayet
Sattva das soll man auffassen (Akk., Opt.Kaus.)

yat tu saṃtāpasaṃyuktaṃ kāye manasi vā bhavet; rajaḥ pravartakaṃ tat syāt satataṃ hāri dehinām

Was aber mit Qual verbunden im Körper oder im Manas ist, das ist das Antreibende, Rajas, das die Verkörperten beständig fortreißt.

Wort für Wort
yat tu saṃtāpasaṃyuktam
was aber mit Qual verbunden (Nom.)
kāye manasi vā bhavet
im Körper oder im Manas sein mag (Lok., Opt.)
rajaḥ pravartakaṃ tat syāt
Rajas, antreibend, das mag sein (Nom., Opt.)
satataṃ hāri dehinām
beständig fortreißend die Verkörperten (Adv., Adj., Gen.Pl.)

pravṛttaṃ raja ity evaṃ tatra cāpy upalakṣayet

„Rajas ist in Gang gekommen“: so soll man es auch dabei erkennen.

Wort für Wort
pravṛttaṃ raja ity evam
in Gang gekommen [ist] Rajas: so (PPP, Nom., Adv.)
tatra ca api upalakṣayet
dabei auch soll man erkennen (Opt.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile der kritischen Ausgabe.

yat tu saṃmohasaṃyuktam avyaktaviṣayaṃ bhavet; apratarkyam avijñeyaṃ tamas tad upadhāryatām

Was aber mit Verwirrung verbunden ist, dessen Gegenstand undeutlich ist, was nicht zu erschließen und nicht zu erkennen ist, das soll man als Tamas auffassen.

Wort für Wort
yat tu saṃmohasaṃyuktam
was aber mit Verwirrung verbunden (Nom.)
avyaktaviṣayaṃ bhavet
von unklarem Gegenstand sein mag (Nom., Opt.)
apratarkyam avijñeyam
nicht erschließbar, nicht erkennbar (Gerundiv)
tamas tad upadhāryatām
Tamas: das soll aufgefasst werden (Nom., Imp.Pass.)

praharṣaḥ prītir ānandaḥ sāmyaṃ svasthātmacittatā; akasmād yadi vā kasmād vartate sāttviko guṇaḥ

Hochgestimmtheit, Freude, Wonne, Gleichmut, ein in sich ruhendes Selbst und Gemüt: wenn es ohne Anlass oder aus einem Anlass auftritt, ist es die Sattva-Eigenschaft.

Wort für Wort
praharṣaḥ prītir ānandaḥ
Frohlocken, Freude, Wonne (Nom.)
sāmyaṃ svasthātmacittatā
Gleichmut, Ruhe von Selbst und Gemüt (Nom. Komp.)
akasmād yadi vā kasmāt
ohne Grund oder aus einem Grund (Abl.)
vartate sāttviko guṇaḥ
tritt auf die Sattva-Eigenschaft (3.Sg.Med., Nom.)

abhimāno mṛṣāvādo lobho mohas tathākṣamā; liṅgāni rajasas tāni vartante hetvahetutaḥ

Dünkel, Lüge, Gier, Verblendung und Ungeduld: diese sind die Kennzeichen des Rajas; sie treten mit oder ohne Grund auf.

Wort für Wort
abhimāno mṛṣāvādo
Dünkel, Lüge (Nom.)
lobho mohas tathā akṣamā
Gier, Verblendung und Ungeduld (Nom.)
liṅgāni rajasas tāni
Kennzeichen des Rajas sind diese (Nom.Pl., Gen.)
vartante hetvahetutaḥ
sie treten auf mit oder ohne Grund (3.Pl.Med., Adv.)

tathā mohaḥ pramādaś ca tandrī nidrāprabodhitā; kathaṃ cid abhivartante vijñeyās tāmasā guṇāḥ

Ebenso Verblendung, Nachlässigkeit, Trägheit, Schlaf und Unaufmerksamkeit: wenn sie auf irgendeine Weise auftreten, sind sie als Tamas-Eigenschaften zu erkennen.

Wort für Wort
tathā mohaḥ pramādaś ca
ebenso Verblendung und Nachlässigkeit (Nom.)
tandrī nidrāprabodhitā
Trägheit, Schlaf/Erwachen (Nom. Komp.) [?]
kathaṃ cid abhivartante
auf irgendeine Weise treten auf (3.Pl.Med.)
vijñeyās tāmasā guṇāḥ
zu erkennen sind Tamas-Eigenschaften (Gerundiv, Nom.Pl.)

nidrāprabodhitā: „Schlaf[-Erwachtsein]“ unsicher, hier als „Schlaf und Unaufmerksamkeit“ gefasst [?].

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