Kapitel 171: maṅkigītā
Maṅkis Lied vom Überdruss: Wunschlosigkeit als Weg zum Glück, mit den Lehren des Bodhya
Auf Yudhiṣṭhiras Frage nach dem Glück des erfolglos Strebenden antwortet Bhīṣma mit der Erzählung von Maṅki, der nach dem Verlust seiner Rinder der Begierde entsagt, und mit den Lehren Janakas und Bodhyas.
Yudhiṣṭhira sprach: „Wenn einer, der sich um Unternehmungen bemüht, keinen Reichtum erlangt und dabei vom Durst nach Reichtum überwältigt ist – was tuend würde er Glück erlangen?“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (3.Sg.Perf.)
īhamānaḥ samārambhān
sich bemühend um Unternehmungen (Nom.Sg.Part.Med. / Akk.Pl.)
yadi nāsādayed dhanam
wenn er Reichtum nicht erlangt (3.Sg.Opt.)
dhanatṛṣṇābhibhūtaś ca
und vom Reichtumsdurst überwältigt (Nom.Sg., Kompositum)
bhīṣma uvāca; sarvasāmyam anāyāsaḥ satyavākyaṃ ca bhārata; nirvedaś cāvivitsā ca yasya syāt sa sukhī naraḥ
Bhīṣma sprach: „Gleichmut gegenüber allem, Mühelosigkeit, Wahrhaftigkeit der Rede, o Bhārata, Überdruss [an der Welt] und Freisein von Erwerbsgier – wer diese besitzt, der Mensch ist glücklich.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
sarvasāmyam anāyāsaḥ
Gleichmut gegenüber allem, Mühelosigkeit (Nom.Sg.)
Maṅki, der nach Reichtum strebte und immer wieder in seinem Streben scheiterte, kaufte mit einem [letzten] Rest von Vermögen ein Paar junger, noch zu zähmender Rinder.
Wort für Wort
īhamāno dhanaṃ maṅkiḥ
Maṅki, Reichtum erstrebend (Nom.Sg.Part.)
bhagnehaś ca punaḥ punaḥ
und wieder und wieder in seinem Streben gebrochen (Nom.Sg.)
kena cid dhanaśeṣeṇa
mit irgendeinem Rest von Vermögen (Instr.Sg.)
krītavān
kaufte (Part.Perf.Akt., Nom.Sg.)
damyagoyugam
ein Paar zu zähmender Rinder (Akk.Sg., Kompositum)
tayoḥ saṃprāptayor uṣṭraḥ skandhadeśam amarṣaṇaḥ; utthāyotkṣipya tau damyau prasasāra mahājavaḥ
Als die beiden herangekommen waren, erhob sich das Kamel, das den Zusammenstoß nicht ertrug, warf die beiden jungen Rinder [auf den Nacken] hoch und rannte mit gewaltiger Schnelligkeit davon.
Wort für Wort
tayoḥ saṃprāptayoḥ
als die beiden angelangt waren (Gen.Du., Gen.abs.)
uṣṭraḥ skandhadeśam amarṣaṇaḥ
das Kamel, unduldsam, [erfasste sie] an der Schulterpartie (Nom.Sg. / Akk.Sg.)
utthāyotkṣipya
sich erhebend, hochwerfend (Gerundien)
tau damyau
die beiden jungen Rinder (Akk.Du.)
prasasāra mahājavaḥ
lief davon, von großer Schnelligkeit (3.Sg.Perf. / Nom.Sg.)
skandhadeśam: Konstruktion knapp; ergänzt [auf den Nacken].
na caivāvihitaṃ śakyaṃ dakṣeṇāpīhituṃ dhanam; yuktena śraddhayā samyag īhāṃ samanutiṣṭhatā
„Auch dem Geschickten ist es nicht möglich, Reichtum zu erstreben, wenn es nicht [vom Schicksal] gefügt ist, selbst wenn er mit Ausdauer und Vertrauen das Streben recht betreibt.
Wort für Wort
na caivāvihitaṃ śakyam
und nicht ist Ungefügtes möglich (Nom.Sg.n. / Part.Pass.)
dakṣeṇāpīhituṃ dhanam
selbst vom Geschickten, Reichtum zu erstreben (Instr.Sg. / Inf.)
Seht durch dieses Zusammentreffen mein Geschick als Überflutung [des Unheils]: ich, der ich früher von Missgeschicken heimgesucht war und dennoch weiter strebe.“
Wort für Wort
kṛtasya pūrvaṃ cānarthaiḥ
[bei mir], der früher ... mit Unheil [heimgesucht] (Gen.Sg.Part. / Instr.Pl.)
yuktasyāpy anutiṣṭhataḥ
und der verbunden ist, [doch] fortfährt (Gen.Sg.Part.)
imaṃ paśyata
seht dieses (Imp.2.Pl.)
saṃgatyā mama
durch das Zusammentreffen, mein (Instr.Sg. / Gen.)
daivam upaplavam
Schicksal, Bedrängnis (Akk.Sg.)
Syntax der ersten Vershälfte knapp; upaplavam als ‚Bedrängnis/Überflutung‘ [?].
udyamyodyamya me damyau viṣameṇeva gacchati; utkṣipya kākatālīyam unmātheneva jambukaḥ
„Immer wieder hochhebend trägt es meine beiden jungen Rinder wie über unebenes [Gelände] davon, sie hochschleudernd, [zufällig, wie] die Krähe und die Palmfrucht, wie ein Schakal mit einer Falle [?].
Wort für Wort
udyamyodyamya me damyau
wieder und wieder hebend meine beiden jungen Rinder (Gerundium; Akk.Du.)
viṣameṇeva gacchati
geht wie über Unebenes (Instr.Sg.; 3.Sg.Präs.)
utkṣipya kākatālīyam
hochwerfend, zufällig (Gerundium; Adv.)
unmātheneva jambukaḥ
wie ein Schakal durch eine Fangvorrichtung (Instr.Sg. / Nom.Sg.)
kākatālīya = ‚wie Krähe und Palmfrucht‘, d.h. zufälliges Zusammentreffen; unmātha und der Vergleich unsicher.
[Auf falschem Weg] den Rennenden, [wie] den auf falschem Weg Rennenden … [?]
Wort für Wort
utpathenaiva dhāvantam
auf falschem Weg, den Rennenden (Instr.Sg. / Akk.Sg.Part.)
utpathenaiva dhāvataḥ
auf falschem Weg, des Rennenden (Instr.Sg. / Gen.Sg.Part.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile, stark verkürzt; Bezug und Konstruktion unklar, nur wörtlich wiedergegeben.
nivartasva vivitsābhyaḥ śāmya nirvidya māmaka; asakṛc cāsi nikṛto na ca nirvidyase tano
„Kehre um von deinen Erwerbsgelüsten, werde ruhig, werde überdrüssig, mein [Herz]! Oft schon wurdest du betrogen und wirst doch nicht überdrüssig, du … [?].“
Wort für Wort
nivartasva vivitsābhyaḥ
kehre um von den Erwerbsgelüsten (Imp.2.Sg.Med.; Abl.Pl.)
Angehäuft und wieder angehäuft ist dein Besitz immer wieder verloren gegangen. Wann wirst du frei werden, Tor, von deinem Streben nach Reichtum, du Reichtumsgieriger?
Wort für Wort
saṃcitaṃ saṃcitaṃ dravyam
immer wieder angehäuft, der Besitz (Part.Pass.; Nom.Sg.)
naṣṭaṃ tava punaḥ punaḥ
verloren dir, wieder und wieder (Part.Pass.)
kadā vimokṣyase mūḍha
wann wirst du befreit werden, Tor (2.Sg.Fut.Pass.; Vok.)
dhanehāṃ dhanakāmuka
vom Reichtumsstreben, du Reichtumsgieriger (Akk./Abl.; Vok.)
kāma jānāmi te mūlaṃ saṃkalpāt kila jāyase; na tvāṃ saṃkalpayiṣyāmi samūlo na bhaviṣyasi
Begierde, ich kenne deine Wurzel: aus dem Willensentschluss entstehst du, wie es heißt. Ich werde dich nicht mehr erwägen, so wirst du samt der Wurzel nicht mehr sein.
Wort für Wort
kāma jānāmi te mūlam
Begierde, ich kenne deine Wurzel (1.Sg.Präs.)
saṃkalpāt kila jāyase
aus dem Vorsatz entstehst du, wie es heißt (Abl.; 2.Sg.Präs.Med.)
na tvāṃ saṃkalpayiṣyāmi
ich werde dich nicht mehr erwägen (1.Sg.Fut.)
samūlo na bhaviṣyasi
samt Wurzel wirst du nicht sein (Nom.Sg.; 2.Sg.Fut.)
īhā dhanasya na sukhā labdhvā cintā ca bhūyasī; labdhanāśo yathā mṛtyur labdhaṃ bhavati vā na vā
Das Streben nach Reichtum ist nicht glücklich; hat man ihn erlangt, wird die Sorge größer; der Verlust des Erlangten gleicht dem Tod; und das Erlangte bleibt einem doch oft nicht.
Wort für Wort
īhā dhanasya na sukhā
das Streben nach Reichtum ist nicht glücklich (Nom.Sg.f.)
labdhvā cintā ca bhūyasī
und nach dem Erlangen ist die Sorge größer (Gerundium; Nom.Sg.f. Komp.)
labdhanāśo yathā mṛtyuḥ
der Verlust des Erlangten wie der Tod (Nom.Sg.)
labdhaṃ bhavati vā na vā
das Erlangte wird es oder wird es nicht [bleiben] (3.Sg.Präs.)
Letzter Pāda knapp: ‚das Erlangte ist oder ist nicht‘, sinngemäß ergänzt [?].
paretya yo na labhate tato duḥkhataraṃ nu kim; na ca tuṣyati labdhena bhūya eva ca mārgati
Was ist schmerzlicher als dies: wer [das Erstrebte] nicht bekommt, wenn er dahingegangen ist? Und er wird mit dem Erlangten nicht zufrieden und sucht immer nur mehr.
Wort für Wort
paretya yo na labhate
wer nach dem Hinscheiden nicht erlangt (Gerundium; 3.Sg.Präs.Med.)
tato duḥkhataraṃ nu kim
was ist schmerzlicher als das (Abl.; Komp.)
na ca tuṣyati labdhena
und er ist mit Erlangtem nicht zufrieden (3.Sg.Präs.; Instr.)
Alle Wesen schauend in meinem Körper und im Geist des Selbst, den Verstand im Yoga, das Wesen [Sattva] im Überlieferten [Veda] festhaltend, den Geist auf Brahman richtend,
Wort für Wort
sarvabhūtāny ahaṃ dehe paśyan
alle Wesen ich im Körper schauend (Akk.Pl.n., Nom.Sg., Lok.Sg., Part.Präs.)
manasi cātmanaḥ
und im Geist des Selbst (Lok.Sg., Gen.Sg.)
yoge buddhiṃ
im Yoga den Verstand (Lok.Sg., Akk.Sg.)
śrute sattvaṃ
im Überlieferten das Wesen/Sattva (Lok.Sg., Akk.Sg.)
mano brahmaṇi dhārayan
den Geist auf Brahman richtend (Akk.Sg., Lok.Sg., Part.Präs. Kaus.)
dhananāśo 'dhikaṃ duḥkhaṃ manye sarvamahattaram; jñātayo hy avamanyante mitrāṇi ca dhanacyutam
Den Verlust des Reichtums halte ich für das größere Leid, für das größte von allem; denn Verwandte verachten und Freunde [verachten] den, der den Reichtum verloren hat.
Wort für Wort
dhananāśo 'dhikaṃ duḥkhaṃ
Reichtumsverlust, größeres Leid (Nom.Sg., Nom.Sg.n.)
manye sarvamahattaram
halte [ich], größer als alles (1.Sg.Präs.Med., Kompar.)
jñātayo hy avamanyante
denn Verwandte verachten (Nom.Pl., 3.Pl.Präs.Med.)
avajñānasahasrais tu doṣāḥ kaṣṭatarādhane; dhane sukhakalā yā ca sāpi duḥkhair vidhīyate
Und in der Besitzlosigkeit sind die Mängel durch tausendfache Geringschätzung noch qualvoller; und was es im Reichtum an einem Bruchteil von Glück gibt, auch das wird durch Leiden hervorgebracht.
Wort für Wort
avajñānasahasrais tu
durch Tausende von Missachtungen aber (Instr.Pl.)
doṣāḥ kaṣṭatarādhane
die Übel, noch qualvoller in der Besitzlosigkeit (Nom.Pl., Lok.Sg.)
dhane sukhakalā yā ca
und die Glücksfraktion im Reichtum, welche (Lok.Sg., Nom.Sg.f.)
sāpi duḥkhair vidhīyate
auch sie wird durch Leiden bewirkt (Nom.Sg.f., Instr.Pl., 3.Sg.Pass.)
Du bist der Wahrheit unkundig und kindisch, schwer zufriedenzustellen, unfüllbar, [wie] ein Feuer; weder weißt du, was leicht zu erlangen ist, noch weißt du, was schwer zu erlangen ist.
Wort für Wort
atattvajño 'si bālaś ca
du bist der Wirklichkeit unkundig und kindisch (Nom.Sg., 2.Sg.Präs., Nom.Sg.)
Allzu große Leiden ertrage ich hier, ich Unverständiger, ohne es zu merken; vom Verlust des Reichtums getroffen, liege ich [nun] an allen Gliedern fieberfrei [?].
Wort für Wort
atikleśān sahāmīha
allzu große Leiden ertrage ich hier (Akk.Pl., 1.Sg.Präs.)
nāhaṃ budhyāmy abuddhimān
nicht merke ich, unverständig (1.Sg.Präs., Nom.Sg.)
nikṛto dhananāśena
getroffen/gedemütigt durch Reichtumsverlust (Nom.Sg.Part.Pass., Instr.Sg.)
śaye sarvāṅgavijvaraḥ
ich liege, an allen Gliedern fieberfrei (1.Sg.Präs.Med., Nom.Sg., Bahuvrīhi)
Die Verse 45cd sind schwierig; vijvara = fieberfrei, nikṛta = getroffen/betrogen; Sinn unsicher.
Ich verlasse dich, Kāma, indem ich alle Regungen des Geistes aufgebe; nicht wieder, Kāma, wirst du dich an mir ergötzen wie an einem [Tier] mit Nasenseil.
Wort für Wort
parityajāmi kāma tvāṃ
ich verlasse, Kāma, dich (1.Sg.Präs., Vok.Sg., Akk.Sg.)
hitvā sarvamanogatīḥ
aufgegeben habend alle Geistesregungen (Abs., Akk.Pl.f.)
na tvaṃ mayā punaḥ kāma
nicht du an mir wieder, Kāma (Nom.Sg., Instr.Sg., Vok.Sg.)
nasyoteneva raṃsyase
wie an einem am Nasenseil Geführten wirst du dich vergnügen (Instr.Sg., 2.Sg.Fut.Med.)
kṣamiṣye 'kṣamamāṇānāṃ na hiṃsiṣye ca hiṃsitaḥ; dveṣyamuktaḥ priyaṃ vakṣyāmy anādṛtya tad apriyam
Ich werde denen nachsichtig sein, die nicht nachsichtig sind, und, wenn verletzt, nicht [zurück]verletzen; frei von Hass werde ich Liebes sprechen und das Unliebe nicht beachten.
Wort für Wort
kṣamiṣye 'kṣamamāṇānāṃ
ich werde nachsichtig sein gegenüber Nichtnachsichtigen (1.Sg.Fut., Gen.Pl.Part.)
na hiṃsiṣye ca hiṃsitaḥ
und nicht werde ich verletzen, verletzt (1.Sg.Fut., Nom.Sg.Part.Pass.)
dveṣyamuktaḥ priyaṃ vakṣyāmi
vom Hass befreit werde ich Liebes sprechen (Nom.Sg., Akk.Sg.n., 1.Sg.Fut.)
Überdruss, Beruhigung, Zufriedenheit, Frieden, Wahrheit, Selbstbezähmung, Nachsicht und Mitgefühl mit allen Wesen: wisse, dass ich bei diesen Zuflucht genommen habe.
prahāya kāmaṃ lobhaṃ ca krodhaṃ pāruṣyam eva ca; nādya lobhavaśaṃ prāpto duḥkhaṃ prāpsyāmy anātmavān
Nachdem ich Begierde, Gier, Zorn und Schroffheit aufgegeben habe, werde ich heute, nicht mehr in die Gewalt der Gier geraten, kein Leid erlangen, [ich,] nicht [mehr] Unbeherrschter.
Wort für Wort
prahāya kāmaṃ lobhaṃ ca
aufgegeben habend Begierde und Gier (Abs., Akk.Sg.)
krodhaṃ pāruṣyam eva ca
Zorn und eben Schroffheit (Akk.Sg., Akk.Sg.n.)
nādya lobhavaśaṃ prāpto
nicht heute in die Gewalt der Gier geraten (Adv., Akk.Sg., Part.Pass.)
duḥkhaṃ prāpsyāmy anātmavān
Leid werde ich erlangen, unbeherrscht (Akk.Sg., 1.Sg.Fut., Nom.Sg.)
anātmavān: „ohne Selbst/unbeherrscht“; der Satz ist verneint zu verstehen („nicht mehr“), Konstruktion knapp.
yac ca kāmasukhaṃ loke yac ca divyaṃ mahat sukham; tṛṣṇākṣayasukhasyaite nārhataḥ ṣoḍaśīṃ kalām
Und was es in der Welt an Sinnenglück gibt und was an großem himmlischem Glück: diese sind nicht den sechzehnten Teil des Glücks der Versiegung des Durstes wert.
Wort für Wort
yac ca kāmasukhaṃ loke
und was Sinnenglück in der Welt (Nom.Sg.n., Lok.Sg.)
yac ca divyaṃ mahat sukham
und was himmlisches großes Glück (Nom.Sg.n.)
tṛṣṇākṣayasukhasya
des Glücks der Durstversiegung (Gen.Sg.)
ete nārhataḥ ṣoḍaśīṃ kalām
diese beiden sind nicht wert den sechzehnten Teil (Nom.Du.n., 3.Du.Präs., Akk.Sg.f.)
Nachdem ich durch mich selbst die Begierde, als siebte [?], wie einen höchsten Feind erschlagen habe und in die unverletzliche Brahman-Stadt gelangt bin, möge ich wie ein König glücklich sein.
Wort für Wort
ātmanā saptamaṃ kāmaṃ
durch das Selbst als siebte [?] die Begierde (Instr.Sg., Akk.Sg.m., Akk.Sg.)
hatvā śatrum ivottamam
erschlagen habend wie einen höchsten Feind (Abs., Akk.Sg.)
prāpyāvadhyaṃ brahmapuraṃ
erreicht habend die unverletzliche Brahman-Stadt (Abs., Akk.Sg.n.)
rājeva syām ahaṃ sukhī
wie ein König möge ich sein, glücklich (Opt.1.Sg., Nom.Sg.)
ātmanā saptamam: unklar (Kāma als „siebter“ neben Geist und fünf Sinnen? oder „mit mir selbst als Siebtem“); Wiedergabe unsicher.
damyanāśakṛte maṅkir amaratvaṃ kilāgamat; acchinat kāmamūlaṃ sa tena prāpa mahat sukham
Wegen des Verlusts der [Jung]stiere gelangte Maṅki, so heißt es, zur Unsterblichkeit; er durchhieb die Wurzel der Begierde, dadurch erlangte er großes Glück.
Wort für Wort
damyanāśakṛte maṅkir
um des Verlusts der Jungstiere willen Maṅki (Adv./Lok., Nom.Sg.)
amaratvaṃ kilāgamat
Unsterblichkeit, so heißt es, erreichte er (Akk.Sg.n., Partikel, Aor.3.Sg.)
acchinat kāmamūlaṃ sa
er durchhieb die Wurzel der Begierde (Impf.3.Sg., Akk.Sg.n., Nom.Sg.)
tena prāpa mahat sukham
dadurch erlangte er großes Glück (Instr.Sg., Perf.3.Sg., Akk.Sg.)
„In dieser Angelegenheit wurde einst [ein Lied] gesungen; höre, König, von dem Hochsinnigen:
Wort für Wort
asminn arthe purā gītaṃ
in dieser Sache einst gesungen (Lok.Sg., Adv., Part.Pass.n.)
śṛṇu rājan
höre, König (Imp.2.Sg., Vok.Sg.)
mahātmanā
von dem Hochsinnigen (Instr.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (Sternzeile); die Satzstruktur setzt sich in der folgenden Einheit fort.
Bodhya sprach: „Ich lebe nach [empfangener] Unterweisung, ich unterweise hier niemanden; das Kennzeichen davon werde ich nennen, das möge man selbst durchdenken.“
Wort für Wort
bodhya uvāca
Bodhya sprach (Nom.Sg., Perf.3.Sg.)
upadeśena vartāmi
durch Unterweisung lebe ich (Instr.Sg., 1.Sg.Präs.Med.)
nānuśāsmīha kaṃ cana
nicht unterweise ich hier irgendwen (1.Sg.Präs., Akk.Sg.)
lakṣaṇaṃ tasya vakṣye 'haṃ
das Kennzeichen davon werde ich sagen (Akk.Sg.n., Gen.Sg., 1.Sg.Fut.)
tat svayaṃ pravimṛśyatām
das möge selbst erwogen werden (Nom.Sg.n., Adv., Imp.3.Sg.Pass.)
upadeśena: „durch Belehrung“ (von Lehrern/Vorbildern empfangen) oder „durch Beispiel/Hinweis“; Sinn nach dem Folgenden.
Bhīṣma sprach: „Hoffnung ist mächtig und quälend, Hoffnungslosigkeit das höchste Glück; die Hoffnung zur Hoffnungslosigkeit gemacht habend, schläft Piṅgalā glücklich. Einen Fischadler mit Fleisch sehend, der von Fleischlosen bedrängt wird: durch das Aufgeben des Fleisches gedeiht der Fischadler glücklich. Hausbau ist stets zum Leid, nie zum Glück; die Schlange, in ein von anderen gebautes Haus eingetreten, gedeiht glücklich. Glücklich leben die Munis, die vom Betteln leben, durch Nichtschädigung der Wesen, wie die Sāraṅga-Vögel. Ein Pfeilmacher, im Geist in den Pfeil versunken, bemerkte den ganz nahe vorbeigehenden König nicht. Bei vielen ist stets Streit, bei zweien gewiss Reibung; allein werde ich umherwandern wie der Muschelreif der Jungfrau [?].“
Hoffnung zur Hoffnungslosigkeit gemacht, schläft glücklich Piṅgalā (Abs., 3.Sg.Präs.)
sāmiṣaṃ kuraraṃ dṛṣṭvā vadhyamānaṃ nirāmiṣaiḥ
Fischadler mit Fleisch gesehen, bedrängt von Fleischlosen (Abs., Part.Pass.Pl.Instr.)
āmiṣasya parityāgāt kuraraḥ sukham edhate
durch Aufgeben des Fleisches gedeiht der Fischadler glücklich (Abl., 3.Sg.Präs.Med.)
gṛhārambho hi duḥkhāya na sukhāya kadā cana
Hausbau ist zum Leid, nie zum Glück (Nom.Sg., Dat.Sg.)
sarpaḥ parakṛtaṃ veśma praviśya sukham edhate
Schlange, in fremdgebautes Haus eingetreten, gedeiht glücklich (Abs.)
sukhaṃ jīvanti munayo bhaikṣyavṛttiṃ samāśritāḥ
glücklich leben Munis, das Betteln als Lebensweise gewählt (3.Pl.Präs., Nom.Pl., Part.Pass.)
adroheṇaiva bhūtānāṃ sāraṅgā iva pakṣiṇaḥ
durch Nichtschädigung der Wesen, wie Sāraṅga-Vögel (Instr.Sg., Gen.Pl., Nom.Pl.)
iṣukāro naraḥ kaś cid iṣāv āhitamānasaḥ
ein Pfeilmacher, im Geist auf den Pfeil gerichtet (Nom.Sg., Lok.Sg., Bahuvrīhi)
samīpenāpi gacchantaṃ rājānaṃ nāvabuddhavān
den ganz nahe gehenden König bemerkte er nicht (Instr.Sg., Part.Präs., Akk.Sg., Part.Perf.)
bahūnāṃ kalaho nityaṃ dvayoḥ saṃgharṣaṇaṃ dhruvam
bei vielen Streit stets, bei zweien Reibung gewiss (Gen.Pl., Gen.Du.)
ekākī vicariṣyāmi kumārīśaṅkhako yathā
allein werde ich umherwandern, wie der Muschelreif der Jungfrau (Nom.Sg., 1.Sg.Fut., Nom.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. Lange Einheit (mehrere Strophen). kumārīśaṅkhaka: Anspielung auf das Mädchen mit dem Muschelarmreif (Lehrer Nr. 6); genaue Konstruktion des Vergleichs unsicher.