Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 171: maṅkigītā Maṅkis Lied vom Überdruss: Wunschlosigkeit als Weg zum Glück, mit den Lehren des Bodhya

Auf Yudhiṣṭhiras Frage nach dem Glück des erfolglos Strebenden antwortet Bhīṣma mit der Erzählung von Maṅki, der nach dem Verlust seiner Rinder der Begierde entsagt, und mit den Lehren Janakas und Bodhyas.

yudhiṣṭhira uvāca; īhamānaḥ samārambhān yadi nāsādayed dhanam; dhanatṛṣṇābhibhūtaś ca kiṃ kurvan sukham āpnuyāt

Yudhiṣṭhira sprach: „Wenn einer, der sich um Unternehmungen bemüht, keinen Reichtum erlangt und dabei vom Durst nach Reichtum überwältigt ist – was tuend würde er Glück erlangen?“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (3.Sg.Perf.)
īhamānaḥ samārambhān
sich bemühend um Unternehmungen (Nom.Sg.Part.Med. / Akk.Pl.)
yadi nāsādayed dhanam
wenn er Reichtum nicht erlangt (3.Sg.Opt.)
dhanatṛṣṇābhibhūtaś ca
und vom Reichtumsdurst überwältigt (Nom.Sg., Kompositum)
kiṃ kurvan
was tuend (Nom.Sg.Part.Präs.)
sukham āpnuyāt
Glück erlangen würde (3.Sg.Opt.)

bhīṣma uvāca; sarvasāmyam anāyāsaḥ satyavākyaṃ ca bhārata; nirvedaś cāvivitsā ca yasya syāt sa sukhī naraḥ

Bhīṣma sprach: „Gleichmut gegenüber allem, Mühelosigkeit, Wahrhaftigkeit der Rede, o Bhārata, Überdruss [an der Welt] und Freisein von Erwerbsgier – wer diese besitzt, der Mensch ist glücklich.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
sarvasāmyam anāyāsaḥ
Gleichmut gegenüber allem, Mühelosigkeit (Nom.Sg.)
satyavākyaṃ ca bhārata
und wahre Rede, o Bhārata (Nom.Sg. / Vok.)
nirvedaś cāvivitsā ca
Überdruss und Nicht-Erwerbenwollen (Nom.Sg.)
yasya syāt
wessen ... sein sollte (Gen., 3.Sg.Opt.)
sa sukhī naraḥ
der glückliche Mensch (Nom.Sg.)

etāny eva padāny āhuḥ pañca vṛddhāḥ praśāntaye; eṣa svargaś ca dharmaś ca sukhaṃ cānuttamaṃ satām

Diese fünf Schritte nennen die Alten zur Beruhigung; dies ist für die Guten Himmel und Dharma und unübertreffliches Glück.

Wort für Wort
etāny eva padāny āhuḥ
eben diese Schritte nennen sie (Akk.Pl.n.; 3.Pl.Perf.)
pañca vṛddhāḥ
fünf, die Alten (Nom.Pl.)
praśāntaye
zur Beruhigung (Dat.Sg.)
eṣa svargaś ca dharmaś ca
dies ist Himmel und Dharma (Nom.Sg.)
sukhaṃ cānuttamaṃ satām
und höchstes Glück für die Guten (Nom.Sg.n. / Gen.Pl.)

atrāpy udāharantīmam itihāsaṃ purātanam; nirvedān maṅkinā gītaṃ tan nibodha yudhiṣṭhira

Auch hierzu führt man diese uralte Erzählung an: was Maṅki aus Überdruss gesungen hat, das vernimm, Yudhiṣṭhira.

Wort für Wort
atrāpy udāharanti
auch hierbei führt man an (3.Pl.Präs.)
imam itihāsaṃ purātanam
diese alte Erzählung (Akk.Sg.)
nirvedān maṅkinā gītam
aus Überdruss von Maṅki gesungen (Abl.Sg. / Instr.Sg. / Part.Pass.)
tan nibodha yudhiṣṭhira
das vernimm, Yudhiṣṭhira (Imp.2.Sg. / Vok.)

īhamāno dhanaṃ maṅkir bhagnehaś ca punaḥ punaḥ; kena cid dhanaśeṣeṇa krītavān damyagoyugam

Maṅki, der nach Reichtum strebte und immer wieder in seinem Streben scheiterte, kaufte mit einem [letzten] Rest von Vermögen ein Paar junger, noch zu zähmender Rinder.

Wort für Wort
īhamāno dhanaṃ maṅkiḥ
Maṅki, Reichtum erstrebend (Nom.Sg.Part.)
bhagnehaś ca punaḥ punaḥ
und wieder und wieder in seinem Streben gebrochen (Nom.Sg.)
kena cid dhanaśeṣeṇa
mit irgendeinem Rest von Vermögen (Instr.Sg.)
krītavān
kaufte (Part.Perf.Akt., Nom.Sg.)
damyagoyugam
ein Paar zu zähmender Rinder (Akk.Sg., Kompositum)

susaṃbaddhau tu tau damyau damanāyābhiniḥsṛtau; āsīnam uṣṭraṃ madhyena sahasaivābhyadhāvatām

Die beiden gut aneinandergebundenen jungen Tiere aber, zum Zähmen hinausgeführt, rannten plötzlich auf ein in der Mitte liegendes Kamel zu.

Wort für Wort
susaṃbaddhau tu tau damyau
die beiden gut verbundenen jungen Rinder (Nom.Du.)
damanāyābhiniḥsṛtau
zum Zähmen herausgekommen (Dat.Sg. / Nom.Du.Part.)
āsīnam uṣṭraṃ madhyena
auf ein sitzendes Kamel, mitten [hindurch] (Akk.Sg. / Instr.Sg.)
sahasaivābhyadhāvatām
liefen plötzlich darauf zu (3.Du.Impf.)

madhyena: Lesart unsicher (‚mitten hindurch‘ oder ‚in der Mitte [liegend]‘).

tayoḥ saṃprāptayor uṣṭraḥ skandhadeśam amarṣaṇaḥ; utthāyotkṣipya tau damyau prasasāra mahājavaḥ

Als die beiden herangekommen waren, erhob sich das Kamel, das den Zusammenstoß nicht ertrug, warf die beiden jungen Rinder [auf den Nacken] hoch und rannte mit gewaltiger Schnelligkeit davon.

Wort für Wort
tayoḥ saṃprāptayoḥ
als die beiden angelangt waren (Gen.Du., Gen.abs.)
uṣṭraḥ skandhadeśam amarṣaṇaḥ
das Kamel, unduldsam, [erfasste sie] an der Schulterpartie (Nom.Sg. / Akk.Sg.)
utthāyotkṣipya
sich erhebend, hochwerfend (Gerundien)
tau damyau
die beiden jungen Rinder (Akk.Du.)
prasasāra mahājavaḥ
lief davon, von großer Schnelligkeit (3.Sg.Perf. / Nom.Sg.)

skandhadeśam: Konstruktion knapp; ergänzt [auf den Nacken].

hriyamāṇau tu tau damyau tenoṣṭreṇa pramāthinā; mriyamāṇau ca saṃprekṣya maṅkis tatrābravīd idam

Als Maṅki die beiden jungen Rinder von jenem ungestümen Kamel fortgeschleppt sah und sterbend erblickte, sprach er dort dies:

Wort für Wort
hriyamāṇau tu tau damyau
die beiden jungen Rinder, fortgetragen werdend (Nom.Du.Part.Pass.)
tenoṣṭreṇa pramāthinā
von jenem ungestümen Kamel (Instr.Sg.)
mriyamāṇau ca saṃprekṣya
und sterbend erblickend (Nom.Du.Part. / Gerundium)
maṅkis tatrābravīd idam
Maṅki sprach dort dies (3.Sg.Impf.)

na caivāvihitaṃ śakyaṃ dakṣeṇāpīhituṃ dhanam; yuktena śraddhayā samyag īhāṃ samanutiṣṭhatā

„Auch dem Geschickten ist es nicht möglich, Reichtum zu erstreben, wenn es nicht [vom Schicksal] gefügt ist, selbst wenn er mit Ausdauer und Vertrauen das Streben recht betreibt.

Wort für Wort
na caivāvihitaṃ śakyam
und nicht ist Ungefügtes möglich (Nom.Sg.n. / Part.Pass.)
dakṣeṇāpīhituṃ dhanam
selbst vom Geschickten, Reichtum zu erstreben (Instr.Sg. / Inf.)
yuktena śraddhayā
mit Eifer, mit Vertrauen (Instr.Sg.)
samyag īhāṃ samanutiṣṭhatā
der das Streben recht betreibt (Instr.Sg.Part.)

avihitam: ‚nicht gefügt/bestimmt‘ – sinngemäß ergänzt [vom Schicksal].

kṛtasya pūrvaṃ cānarthair yuktasyāpy anutiṣṭhataḥ; imaṃ paśyata saṃgatyā mama daivam upaplavam

Seht durch dieses Zusammentreffen mein Geschick als Überflutung [des Unheils]: ich, der ich früher von Missgeschicken heimgesucht war und dennoch weiter strebe.“

Wort für Wort
kṛtasya pūrvaṃ cānarthaiḥ
[bei mir], der früher ... mit Unheil [heimgesucht] (Gen.Sg.Part. / Instr.Pl.)
yuktasyāpy anutiṣṭhataḥ
und der verbunden ist, [doch] fortfährt (Gen.Sg.Part.)
imaṃ paśyata
seht dieses (Imp.2.Pl.)
saṃgatyā mama
durch das Zusammentreffen, mein (Instr.Sg. / Gen.)
daivam upaplavam
Schicksal, Bedrängnis (Akk.Sg.)

Syntax der ersten Vershälfte knapp; upaplavam als ‚Bedrängnis/Überflutung‘ [?].

udyamyodyamya me damyau viṣameṇeva gacchati; utkṣipya kākatālīyam unmātheneva jambukaḥ

„Immer wieder hochhebend trägt es meine beiden jungen Rinder wie über unebenes [Gelände] davon, sie hochschleudernd, [zufällig, wie] die Krähe und die Palmfrucht, wie ein Schakal mit einer Falle [?].

Wort für Wort
udyamyodyamya me damyau
wieder und wieder hebend meine beiden jungen Rinder (Gerundium; Akk.Du.)
viṣameṇeva gacchati
geht wie über Unebenes (Instr.Sg.; 3.Sg.Präs.)
utkṣipya kākatālīyam
hochwerfend, zufällig (Gerundium; Adv.)
unmātheneva jambukaḥ
wie ein Schakal durch eine Fangvorrichtung (Instr.Sg. / Nom.Sg.)

kākatālīya = ‚wie Krähe und Palmfrucht‘, d.h. zufälliges Zusammentreffen; unmātha und der Vergleich unsicher.

utpathenaiva dhāvantam utpathenaiva dhāvataḥ

[Auf falschem Weg] den Rennenden, [wie] den auf falschem Weg Rennenden … [?]

Wort für Wort
utpathenaiva dhāvantam
auf falschem Weg, den Rennenden (Instr.Sg. / Akk.Sg.Part.)
utpathenaiva dhāvataḥ
auf falschem Weg, des Rennenden (Instr.Sg. / Gen.Sg.Part.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile, stark verkürzt; Bezug und Konstruktion unklar, nur wörtlich wiedergegeben.

maṇī voṣṭrasya lambete priyau vatsatarau mama; śuddhaṃ hi daivam evedam ato naivāsti pauruṣam

An den beiden Halsanhängseln des Kamels hängen meine beiden lieben Kälber. Dies ist reines Schicksal, daher gibt es keine Mannestat.

Wort für Wort
maṇī voṣṭrasya lambete
zwei Halsanhängsel des Kamels hängen (Nom.Du. / Gen.Sg.; 3.Du.Präs.)
priyau vatsatarau mama
meine beiden lieben jungen Kälber (Nom.Du. / Gen.)
śuddhaṃ hi daivam evedam
denn dies ist eben reines Schicksal (Nom.Sg.n.)
ato naivāsti pauruṣam
daher gibt es keine Mannestat (3.Sg.Präs.)

maṇī: Halsanhängsel des Kamels; Lesart unsicher [?].

yadi vāpy upapadyeta pauruṣaṃ nāma karhi cit; anviṣyamāṇaṃ tad api daivam evāvatiṣṭhate

Und wenn sich je Mannestat, wie man sie nennt, ergeben sollte – auch sie, wenn man sie untersucht, bleibt doch nur Schicksal.

Wort für Wort
yadi vāpy upapadyeta
und wenn sich ergeben sollte (3.Sg.Opt.Med.)
pauruṣaṃ nāma karhi cit
Mannestat, sogenannt, irgendwann (Nom.Sg.)
anviṣyamāṇaṃ tad api
auch sie, untersucht werdend (Part.Pass.)
daivam evāvatiṣṭhate
bleibt eben Schicksal (3.Sg.Präs.)

tasmān nirveda eveha gantavyaḥ sukham īpsatā; sukhaṃ svapiti nirviṇṇo nirāśaś cārthasādhane

Darum ist hier nur zum Überdruss zu gehen, wer Glück erstrebt; glücklich schläft, wer überdrüssig ist und ohne Hoffnung auf Gelderwerb.

Wort für Wort
tasmān nirveda eveha
darum eben zum Überdruss hier (Abl.)
gantavyaḥ sukham īpsatā
ist zu gehen, vom Glück Erstrebenden (Gerundiv; Instr.Sg.)
sukhaṃ svapiti nirviṇṇaḥ
glücklich schläft der Überdrüssige (3.Sg.Präs.)
nirāśaś cārthasādhane
und hoffnungslos im Erwerb von Gütern (Nom.Sg. / Lok.Sg.)

aho samyak śukenoktaṃ sarvataḥ parimucyatā; pratiṣṭhatā mahāraṇyaṃ janakasya niveśanāt

Ach, richtig sprach Śuka, der sich von allem löste und aus dem Haus des Janaka in den großen Wald hinauszog.

Wort für Wort
aho samyak śukenoktam
ach, richtig gesagt von Śuka (Instr.Sg.; Part.Pass.)
sarvataḥ parimucyatā
der sich von allem befreite (Instr.Sg.Part.Pass./Med.)
pratiṣṭhatā mahāraṇyam
der in den großen Wald aufbrach (Instr.Sg.Part.; Akk.Sg.)
janakasya niveśanāt
aus Janakas Haus (Gen.; Abl.Sg.)

yaḥ kāmān prāpnuyāt sarvān yaś cainān kevalāṃs tyajet; prāpaṇāt sarvakāmānāṃ parityāgo viśiṣyate

Wer alle Wünsche erlangte und wer sie alle ganz aufgäbe – gegenüber dem Erlangen aller Wünsche ist das Aufgeben vorzuziehen.

Wort für Wort
yaḥ kāmān prāpnuyāt sarvān
wer alle Wünsche erlangen würde (3.Sg.Opt.)
yaś cainān kevalāṃs tyajet
und wer sie ganz aufgäbe (3.Sg.Opt.)
prāpaṇāt sarvakāmānām
gegenüber dem Erlangen aller Wünsche (Abl.Sg.; Gen.Pl.)
parityāgo viśiṣyate
das Aufgeben ist überlegen (3.Sg.Pass.)

nāntaṃ sarvavivitsānāṃ gatapūrvo 'sti kaś cana; śarīre jīvite caiva tṛṣṇā mandasya vardhate

Nie ist einer zum Ende aller Erwerbsgelüste gelangt; nach Körper und Leben wächst dem Törichten der Durst.

Wort für Wort
nāntaṃ sarvavivitsānām
nicht das Ende aller Erwerbsgelüste (Akk.Sg.; Gen.Pl.)
gatapūrvo 'sti kaś cana
ist irgendeiner zuvor gelangt (Part.Perf.Pass.; 3.Sg.Präs.)
śarīre jīvite caiva
nach Körper und Leben (Lok.Sg.)
tṛṣṇā mandasya vardhate
der Durst wächst dem Törichten (Nom.Sg.; Gen.Sg.; 3.Sg.Präs.)

nivartasva vivitsābhyaḥ śāmya nirvidya māmaka; asakṛc cāsi nikṛto na ca nirvidyase tano

„Kehre um von deinen Erwerbsgelüsten, werde ruhig, werde überdrüssig, mein [Herz]! Oft schon wurdest du betrogen und wirst doch nicht überdrüssig, du … [?].“

Wort für Wort
nivartasva vivitsābhyaḥ
kehre um von den Erwerbsgelüsten (Imp.2.Sg.Med.; Abl.Pl.)
śāmya nirvidya māmaka
werde still, überdrüssig geworden, mein [Herz] (Imp.; Gerundium; Vok.)
asakṛc cāsi nikṛtaḥ
und oftmals bist du getäuscht worden (2.Sg.Präs.; Part.Pass.)
na ca nirvidyase tano
und wirst nicht überdrüssig, [du] … (2.Sg.Präs.Med.; Vok.?)

tano: unklare Form (evtl. Vokativ oder verderbt); nicht sicher gedeutet [?].

yadi nāhaṃ vināśyas te yady evaṃ ramase mayā; mā māṃ yojaya lobhena vṛthā tvaṃ vittakāmuka

„Wenn ich von dir nicht zu vernichten bin, wenn du so an mir Gefallen findest, dann spanne mich nicht umsonst mit Gier ein, du Vermögenslüsterner!

Wort für Wort
yadi nāhaṃ vināśyas te
wenn ich von dir nicht zu vernichten bin (Nom.Sg.Gerundiv; Gen. des Agens)
yady evaṃ ramase mayā
wenn du dich so an mir erfreust (2.Sg.Präs.Med.; Instr.)
mā māṃ yojaya lobhena
spanne mich nicht ein mit Gier (Prohibitiv; Instr.)
vṛthā tvaṃ vittakāmuka
umsonst du, Vermögenslüsterner (Vok.)

saṃcitaṃ saṃcitaṃ dravyaṃ naṣṭaṃ tava punaḥ punaḥ; kadā vimokṣyase mūḍha dhanehāṃ dhanakāmuka

Angehäuft und wieder angehäuft ist dein Besitz immer wieder verloren gegangen. Wann wirst du frei werden, Tor, von deinem Streben nach Reichtum, du Reichtumsgieriger?

Wort für Wort
saṃcitaṃ saṃcitaṃ dravyam
immer wieder angehäuft, der Besitz (Part.Pass.; Nom.Sg.)
naṣṭaṃ tava punaḥ punaḥ
verloren dir, wieder und wieder (Part.Pass.)
kadā vimokṣyase mūḍha
wann wirst du befreit werden, Tor (2.Sg.Fut.Pass.; Vok.)
dhanehāṃ dhanakāmuka
vom Reichtumsstreben, du Reichtumsgieriger (Akk./Abl.; Vok.)

paripanthika sarvasya śreyasaḥ pāpasaṃśraya

Du Wegelagerer allen Heils, der du dich ans Böse hältst!

Wort für Wort
paripanthika sarvasya
Wegelagerer von allem (Vok.; Gen.)
śreyasaḥ
des Heils (Gen.Sg.)
pāpasaṃśraya
der du beim Bösen Zuflucht nimmst (Vok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

aho nu mama bāliśyaṃ yo 'haṃ krīḍanakas tava

Ach, wie töricht war ich, der ich dein Spielzeug bin!

Wort für Wort
aho nu mama bāliśyam
ach, meine Torheit (Nom.Sg.)
yo 'haṃ krīḍanakas tava
der ich dein Spielzeug [bin] (Nom.Sg.)

kleśair nānāvidhair nityaṃ saṃyojayasi nirghṛṇa

Mit mannigfachen Leiden verbindest du [mich] beständig, du Erbarmungsloser.

Wort für Wort
kleśair nānāvidhair nityam
mit mannigfachen Leiden, beständig (Instr.Pl.)
saṃyojayasi nirghṛṇa
du verbindest [mich] (2.Sg.Kaus.; Vok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

kiṃ naiva jātu puruṣaḥ pareṣāṃ preṣyatām iyāt

Warum sollte ein Mensch je nicht in die Dienstbarkeit anderer geraten? [?]

Wort für Wort
kiṃ naiva jātu puruṣaḥ
warum nicht je ein Mensch (Nom.Sg.)
pareṣāṃ preṣyatām iyāt
in die Dienerschaft anderer geraten sollte (Gen.Pl.; Akk.Sg.; 3.Sg.Opt.)

Einzelne Zeile innerhalb von 171.021; Sinn (Rhetorische Frage) unsicher [?].

na pūrve nāpare jātu kāmānām antam āpnuvan; tyaktvā sarvasamārambhān pratibuddho 'smi jāgṛmi

Weder frühere noch spätere [Menschen] haben je das Ende der Wünsche erreicht. Alle Unternehmungen aufgegeben, bin ich erwacht und wache.

Wort für Wort
na pūrve nāpare jātu
weder Frühere noch Spätere je (Nom.Pl.)
kāmānām antam āpnuvan
erreichten das Ende der Wünsche (3.Pl.Aor./Impf.)
tyaktvā sarvasamārambhān
aufgegeben alle Unternehmungen (Gerundium; Akk.Pl.)
pratibuddho 'smi jāgṛmi
erwacht bin ich, ich wache (Part.Pass.; 1.Sg.Präs.)

nūnaṃ te hṛdayaṃ kāma vajrasāramayaṃ dṛdham; yad anarthaśatāviṣṭaṃ śatadhā na vidīryate

Gewiss ist dein Herz, Begierde, aus hartem Diamant gemacht und fest, da es, von hundert Übeln erfüllt, nicht in hundert Stücke zerspringt.

Wort für Wort
nūnaṃ te hṛdayaṃ kāma
gewiss dein Herz, Begierde (Nom.Sg.; Vok.)
vajrasāramayaṃ dṛḍham
aus Diamantkern bestehend, fest (Nom.Sg.n.)
yad anarthaśatāviṣṭam
da es von hundert Übeln erfüllt (Nom.Sg.Part.Pass.)
śatadhā na vidīryate
nicht in hundert Teile zerspringt (3.Sg.Pass.)

tyajāmi kāma tvāṃ caiva yac ca kiṃ cit priyaṃ tava; tavāhaṃ sukham anvicchann ātmany upalabhe sukham

Ich gebe dich auf, Begierde, und alles, was dir irgend lieb ist; nach meinem Glück suchend, finde ich Glück im Selbst.

Wort für Wort
tyajāmi kāma tvāṃ caiva
ich verlasse, Begierde, dich (1.Sg.Präs.; Vok.)
yac ca kiṃ cit priyaṃ tava
und was irgend dir lieb ist (Nom.Sg.n.)
tavāhaṃ sukham anvicchan
ich, Glück suchend, dein [?] (Nom.Sg.Part.)
ātmany upalabhe sukham
im Selbst erlange ich Glück (Lok.Sg.; 1.Sg.Präs.Med.)

tava … sukham anvicchan: Bezug von tava unklar; sinngemäß als ‚nach meinem Glück suchend‘ wiedergegeben [?].

kāma jānāmi te mūlaṃ saṃkalpāt kila jāyase; na tvāṃ saṃkalpayiṣyāmi samūlo na bhaviṣyasi

Begierde, ich kenne deine Wurzel: aus dem Willensentschluss entstehst du, wie es heißt. Ich werde dich nicht mehr erwägen, so wirst du samt der Wurzel nicht mehr sein.

Wort für Wort
kāma jānāmi te mūlam
Begierde, ich kenne deine Wurzel (1.Sg.Präs.)
saṃkalpāt kila jāyase
aus dem Vorsatz entstehst du, wie es heißt (Abl.; 2.Sg.Präs.Med.)
na tvāṃ saṃkalpayiṣyāmi
ich werde dich nicht mehr erwägen (1.Sg.Fut.)
samūlo na bhaviṣyasi
samt Wurzel wirst du nicht sein (Nom.Sg.; 2.Sg.Fut.)

īhā dhanasya na sukhā labdhvā cintā ca bhūyasī; labdhanāśo yathā mṛtyur labdhaṃ bhavati vā na vā

Das Streben nach Reichtum ist nicht glücklich; hat man ihn erlangt, wird die Sorge größer; der Verlust des Erlangten gleicht dem Tod; und das Erlangte bleibt einem doch oft nicht.

Wort für Wort
īhā dhanasya na sukhā
das Streben nach Reichtum ist nicht glücklich (Nom.Sg.f.)
labdhvā cintā ca bhūyasī
und nach dem Erlangen ist die Sorge größer (Gerundium; Nom.Sg.f. Komp.)
labdhanāśo yathā mṛtyuḥ
der Verlust des Erlangten wie der Tod (Nom.Sg.)
labdhaṃ bhavati vā na vā
das Erlangte wird es oder wird es nicht [bleiben] (3.Sg.Präs.)

Letzter Pāda knapp: ‚das Erlangte ist oder ist nicht‘, sinngemäß ergänzt [?].

paretya yo na labhate tato duḥkhataraṃ nu kim; na ca tuṣyati labdhena bhūya eva ca mārgati

Was ist schmerzlicher als dies: wer [das Erstrebte] nicht bekommt, wenn er dahingegangen ist? Und er wird mit dem Erlangten nicht zufrieden und sucht immer nur mehr.

Wort für Wort
paretya yo na labhate
wer nach dem Hinscheiden nicht erlangt (Gerundium; 3.Sg.Präs.Med.)
tato duḥkhataraṃ nu kim
was ist schmerzlicher als das (Abl.; Komp.)
na ca tuṣyati labdhena
und er ist mit Erlangtem nicht zufrieden (3.Sg.Präs.; Instr.)
bhūya eva ca mārgati
und sucht nur immer mehr (3.Sg.Präs.)

paretya: Deutung des ersten Pādas unsicher [?].

anutarṣula evārthaḥ svādu gāṅgam ivodakam; madvilāpanam etat tu pratibuddho 'smi saṃtyaja

Reichtum macht nur immer durstiger, wie süßes Gangeswasser. Das aber ist mein Verderben, dass ich jammere; erwacht bin ich – lass ab [von mir]!

Wort für Wort
anutarṣula evārthaḥ
der Reichtum ist eben durstmachend (Nom.Sg.)
svādu gāṅgam ivodakam
wie süßes Wasser des Ganges (Nom.Sg.n.)
madvilāpanam etat tu
dies aber ist mein Jammer [oder: mein Verderben] (Nom.Sg.n.)
pratibuddho 'smi saṃtyaja
erwacht bin ich, lass ab (Part.Pass.; 1.Sg.; Imp.2.Sg.)

madvilāpanam: ‚mich zum Jammern bringend‘ oder ‚mein Jammern‘, Lesart unsicher [?].

ya imaṃ māmakaṃ dehaṃ bhūtagrāmaḥ samāśritaḥ; sa yātv ito yathākāmaṃ vasatāṃ vā yathāsukham

Diese Schar der Wesen, die sich in meinem Körper eingenistet hat, mag von hier gehen, wie es ihr gefällt, oder wohnen, wie es ihr behagt.

Wort für Wort
ya imaṃ māmakaṃ dehaṃ
die diesen meinen Körper (Nom.Sg.; Akk.Sg.)
bhūtagrāmaḥ samāśritaḥ
Schar der Elemente [Wesen], [ihn] bezogen habend (Nom.Sg.Part.Pass.)
sa yātv ito yathākāmam
sie möge von hier gehen nach Belieben (Imp.3.Sg.; Adv.)
vasatāṃ vā yathāsukham
oder sie mögen wohnen nach Behagen (Imp.3.Pl.)

na yuṣmāsv iha me prītiḥ kāmalobhānusāriṣu; tasmād utsṛjya sarvān vaḥ satyam evāśrayāmy aham

Ich habe keine Zuneigung zu euch hier, die ihr Begierde und Gier folgt; darum lasse ich euch alle fahren und nehme allein die Wahrheit zur Zuflucht.

Wort für Wort
na yuṣmāsv iha me prītiḥ
nicht habe ich hier Zuneigung zu euch (Lok.Pl.; Nom.Sg.)
kāmalobhānusāriṣu
zu den Begierde und Gier Folgenden (Lok.Pl.)
tasmād utsṛjya sarvān vaḥ
darum, aufgebend euch alle (Gerundium; Akk.Pl.)
satyam evāśrayāmy aham
nur die Wahrheit nehme ich zur Zuflucht (1.Sg.Präs.)

sarvabhūtāny ahaṃ dehe paśyan manasi cātmanaḥ; yoge buddhiṃ śrute sattvaṃ mano brahmaṇi dhārayan

Alle Wesen schauend in meinem Körper und im Geist des Selbst, den Verstand im Yoga, das Wesen [Sattva] im Überlieferten [Veda] festhaltend, den Geist auf Brahman richtend,

Wort für Wort
sarvabhūtāny ahaṃ dehe paśyan
alle Wesen ich im Körper schauend (Akk.Pl.n., Nom.Sg., Lok.Sg., Part.Präs.)
manasi cātmanaḥ
und im Geist des Selbst (Lok.Sg., Gen.Sg.)
yoge buddhiṃ
im Yoga den Verstand (Lok.Sg., Akk.Sg.)
śrute sattvaṃ
im Überlieferten das Wesen/Sattva (Lok.Sg., Akk.Sg.)
mano brahmaṇi dhārayan
den Geist auf Brahman richtend (Akk.Sg., Lok.Sg., Part.Präs. Kaus.)

vihariṣyāmy anāsaktaḥ sukhī lokān nirāmayaḥ; yathā mā tvaṃ punar naivaṃ duḥkheṣu praṇidhāsyasi

werde ich ohne Anhaftung, glücklich und frei von Leiden in den Welten umherwandeln, damit du mich nicht wieder auf solche Weise in Leiden versetzt.

Wort für Wort
vihariṣyāmy anāsaktaḥ
werde umherwandeln, unanhaftend (1.Sg.Fut., Nom.Sg.)
sukhī lokān nirāmayaḥ
glücklich, in den Welten, frei von Leiden (Nom.Sg., Akk.Pl., Nom.Sg.)
yathā mā tvaṃ
damit mich du (Konj., Akk.Sg., Nom.Sg.)
punar naivaṃ
nicht wieder so (Adv.)
duḥkheṣu praṇidhāsyasi
in Leiden versetzen wirst (Lok.Pl., 2.Sg.Fut.)

Der Satz setzt V. 35 fort (Absolutum/Partizip dort, finites Verb hier).

tvayā hi me praṇunnasya gatir anyā na vidyate; tṛṣṇāśokaśramāṇāṃ hi tvaṃ kāma prabhavaḥ sadā

Denn für mich, der von dir vertrieben war, gibt es keinen anderen Ausweg [?]; denn du, Kāma, bist stets der Ursprung von Durst, Kummer und Mühsal.

Wort für Wort
tvayā hi me praṇunnasya
denn von dir, mir, dem Getriebenen (Instr., Gen./Dat., Gen.Sg.Part.)
gatir anyā na vidyate
anderer Weg/Ausgang nicht existiert (Nom.Sg.f., 3.Sg.Pass.)
tṛṣṇāśokaśramāṇāṃ
des Durstes, des Kummers und der Mühsal (Gen.Pl., Dvandva)
hi tvaṃ kāma
denn du, Kāma (Nom.Sg., Vok.Sg.)
prabhavaḥ sadā
Ursprung, stets (Nom.Sg.)

Der erste Pāda ist syntaktisch schwierig (praṇunna = getrieben/vertrieben); Sinn unsicher.

dhananāśo 'dhikaṃ duḥkhaṃ manye sarvamahattaram; jñātayo hy avamanyante mitrāṇi ca dhanacyutam

Den Verlust des Reichtums halte ich für das größere Leid, für das größte von allem; denn Verwandte verachten und Freunde [verachten] den, der den Reichtum verloren hat.

Wort für Wort
dhananāśo 'dhikaṃ duḥkhaṃ
Reichtumsverlust, größeres Leid (Nom.Sg., Nom.Sg.n.)
manye sarvamahattaram
halte [ich], größer als alles (1.Sg.Präs.Med., Kompar.)
jñātayo hy avamanyante
denn Verwandte verachten (Nom.Pl., 3.Pl.Präs.Med.)
mitrāṇi ca
und Freunde (Nom.Pl.n.)
dhanacyutam
den vom Reichtum Gefallenen (Akk.Sg.)

avajñānasahasrais tu doṣāḥ kaṣṭatarādhane; dhane sukhakalā yā ca sāpi duḥkhair vidhīyate

Und in der Besitzlosigkeit sind die Mängel durch tausendfache Geringschätzung noch qualvoller; und was es im Reichtum an einem Bruchteil von Glück gibt, auch das wird durch Leiden hervorgebracht.

Wort für Wort
avajñānasahasrais tu
durch Tausende von Missachtungen aber (Instr.Pl.)
doṣāḥ kaṣṭatarādhane
die Übel, noch qualvoller in der Besitzlosigkeit (Nom.Pl., Lok.Sg.)
dhane sukhakalā yā ca
und die Glücksfraktion im Reichtum, welche (Lok.Sg., Nom.Sg.f.)
sāpi duḥkhair vidhīyate
auch sie wird durch Leiden bewirkt (Nom.Sg.f., Instr.Pl., 3.Sg.Pass.)

dhanam asyeti puruṣaṃ purā nighnanti dasyavaḥ; kliśyanti vividhair daṇḍair nityam udvejayanti ca

„Er hat Reichtum“, so schlagen Räuber den Menschen einst nieder; sie quälen ihn mit mancherlei Strafen und versetzen ihn stets in Unruhe.

Wort für Wort
dhanam asyeti puruṣaṃ
„Reichtum ist ihm“ so den Menschen (Nom.Sg.n., Gen./Dat.Sg., iti, Akk.Sg.)
purā nighnanti dasyavaḥ
einst schlagen nieder Räuber (Adv., 3.Pl.Präs., Nom.Pl.)
kliśyanti vividhair daṇḍair
sie quälen mit mannigfachen Strafen (3.Pl.Präs., Instr.Pl.)
nityam udvejayanti ca
stets beunruhigen sie (Adv., 3.Pl.Kaus.)

kliśyanti ist formal Passiv/Intransitiv; transitiv (quälen) verstanden.

mandalolupatā duḥkham iti buddhaṃ cirān mayā; yad yad ālambase kāma tat tad evānurudhyase

Dass die Gier des Törichten Leid ist, habe ich nach langer Zeit erkannt; woran auch immer du dich, Kāma, klammerst, dem hängst du eben nach.

Wort für Wort
mandalolupatā duḥkham
Gier des Törichten [ist] Leid (Nom.Sg.f., Nom.Sg.n.)
iti buddhaṃ cirān mayā
so erkannt nach langer Zeit von mir (iti, Part.Pass., Abl., Instr.)
yad yad ālambase kāma
was immer du ergreifst, Kāma (2.Sg.Präs.Med., Vok.Sg.)
tat tad evānurudhyase
gerade dem hängst du nach (2.Sg.Präs.Med.)

mandalolupatā evtl. auch „Gier aus Trägheit/Torheit“.

atattvajño 'si bālaś ca dustoṣo 'pūraṇo 'nalaḥ; naiva tvaṃ vettha sulabhaṃ naiva tvaṃ vettha durlabham

Du bist der Wahrheit unkundig und kindisch, schwer zufriedenzustellen, unfüllbar, [wie] ein Feuer; weder weißt du, was leicht zu erlangen ist, noch weißt du, was schwer zu erlangen ist.

Wort für Wort
atattvajño 'si bālaś ca
du bist der Wirklichkeit unkundig und kindisch (Nom.Sg., 2.Sg.Präs., Nom.Sg.)
dustoṣo 'pūraṇo 'nalaḥ
schwer zufriedenzustellen, unfüllbar, Feuer (Nom.Sg., Nom.Sg., Nom.Sg.)
naiva tvaṃ vettha sulabham
nicht du weißt Leichtes (2.Sg.Perf.-Präs., Akk.Sg.n.)
naiva tvaṃ vettha durlabham
nicht du weißt Schwererlangbares (Akk.Sg.n.)

pātālam iva duṣpūro māṃ duḥkhair yoktum icchasi; nāham adya samāveṣṭuṃ śakyaḥ kāma punas tvayā

Wie die Unterwelt schwer zu füllen, willst du mich mit Leiden verbinden; ich aber kann heute, Kāma, nicht mehr von dir umfangen werden.

Wort für Wort
pātālam iva duṣpūro
wie die Unterwelt schwer zu füllen (Akk.Sg./Nom.Sg.)
māṃ duḥkhair yoktum icchasi
mich mit Leiden zu verbinden willst du (Akk.Sg., Instr.Pl., Inf., 2.Sg.)
nāham adya samāveṣṭuṃ
nicht ich heute zu umfangen (Nom.Sg., Inf.)
śakyaḥ kāma punas tvayā
fähig/möglich, Kāma, wieder von dir (Nom.Sg., Vok.Sg., Instr.Sg.)

nirvedam aham āsādya dravyanāśād yadṛcchayā; nirvṛtiṃ paramāṃ prāpya nādya kāmān vicintaye

Überdruss habe ich durch den Verlust meiner Habe, zufällig, erlangt; höchste Ruhe gewonnen, sinne ich heute nicht mehr über Begierden nach.

Wort für Wort
nirvedam aham āsādya
Überdruss ich erlangt habend (Akk.Sg., Nom.Sg., Abs.)
dravyanāśād yadṛcchayā
durch Verlust der Habe, zufällig (Abl.Sg., Instr.Sg.)
nirvṛtiṃ paramāṃ prāpya
höchste Beruhigung erreicht habend (Akk.Sg.f., Abs.)
nādya kāmān vicintaye
nicht heute über Begierden sinne ich (1.Sg.Präs.Med.)

atikleśān sahāmīha nāhaṃ budhyāmy abuddhimān; nikṛto dhananāśena śaye sarvāṅgavijvaraḥ

Allzu große Leiden ertrage ich hier, ich Unverständiger, ohne es zu merken; vom Verlust des Reichtums getroffen, liege ich [nun] an allen Gliedern fieberfrei [?].

Wort für Wort
atikleśān sahāmīha
allzu große Leiden ertrage ich hier (Akk.Pl., 1.Sg.Präs.)
nāhaṃ budhyāmy abuddhimān
nicht merke ich, unverständig (1.Sg.Präs., Nom.Sg.)
nikṛto dhananāśena
getroffen/gedemütigt durch Reichtumsverlust (Nom.Sg.Part.Pass., Instr.Sg.)
śaye sarvāṅgavijvaraḥ
ich liege, an allen Gliedern fieberfrei (1.Sg.Präs.Med., Nom.Sg., Bahuvrīhi)

Die Verse 45cd sind schwierig; vijvara = fieberfrei, nikṛta = getroffen/betrogen; Sinn unsicher.

parityajāmi kāma tvāṃ hitvā sarvamanogatīḥ; na tvaṃ mayā punaḥ kāma nasyoteneva raṃsyase

Ich verlasse dich, Kāma, indem ich alle Regungen des Geistes aufgebe; nicht wieder, Kāma, wirst du dich an mir ergötzen wie an einem [Tier] mit Nasenseil.

Wort für Wort
parityajāmi kāma tvāṃ
ich verlasse, Kāma, dich (1.Sg.Präs., Vok.Sg., Akk.Sg.)
hitvā sarvamanogatīḥ
aufgegeben habend alle Geistesregungen (Abs., Akk.Pl.f.)
na tvaṃ mayā punaḥ kāma
nicht du an mir wieder, Kāma (Nom.Sg., Instr.Sg., Vok.Sg.)
nasyoteneva raṃsyase
wie an einem am Nasenseil Geführten wirst du dich vergnügen (Instr.Sg., 2.Sg.Fut.Med.)

kṣamiṣye 'kṣamamāṇānāṃ na hiṃsiṣye ca hiṃsitaḥ; dveṣyamuktaḥ priyaṃ vakṣyāmy anādṛtya tad apriyam

Ich werde denen nachsichtig sein, die nicht nachsichtig sind, und, wenn verletzt, nicht [zurück]verletzen; frei von Hass werde ich Liebes sprechen und das Unliebe nicht beachten.

Wort für Wort
kṣamiṣye 'kṣamamāṇānāṃ
ich werde nachsichtig sein gegenüber Nichtnachsichtigen (1.Sg.Fut., Gen.Pl.Part.)
na hiṃsiṣye ca hiṃsitaḥ
und nicht werde ich verletzen, verletzt (1.Sg.Fut., Nom.Sg.Part.Pass.)
dveṣyamuktaḥ priyaṃ vakṣyāmi
vom Hass befreit werde ich Liebes sprechen (Nom.Sg., Akk.Sg.n., 1.Sg.Fut.)
anādṛtya tad apriyam
nicht beachtend jenes Unliebe (Abs., Akk.Sg.n.)

tṛptaḥ svasthendriyo nityaṃ yathālabdhena vartayan; na sakāmaṃ kariṣyāmi tvām ahaṃ śatrum ātmanaḥ

Zufrieden, mit gesunden Sinnen, stets von dem lebend, was sich fügt, werde ich dir, dem Feind des Selbst, nicht [mehr] nach Wunsch handeln.

Wort für Wort
tṛptaḥ svasthendriyo nityaṃ
zufrieden, mit gesunden Sinnen, stets (Nom.Sg., Bahuvrīhi, Adv.)
yathālabdhena vartayan
von dem jeweils Erlangten lebend (Instr.Sg., Part.Präs. Kaus.)
na sakāmaṃ kariṣyāmi
nicht nach Wunsch werde ich handeln (Adv., 1.Sg.Fut.)
tvām ahaṃ śatrum ātmanaḥ
dir, ich, dem Feind des Selbst (Akk.Sg., Nom.Sg., Akk.Sg., Gen.Sg.)

na sakāmaṃ kariṣyāmi: wörtlich etwa „nicht dir nach Wunsch tun/dich zufriedenstellen“; Objektkonstruktion unsicher.

nirvedaṃ nirvṛtiṃ tṛptiṃ śāntiṃ satyaṃ damaṃ kṣamām; sarvabhūtadayāṃ caiva viddhi māṃ śaraṇāgatam

Überdruss, Beruhigung, Zufriedenheit, Frieden, Wahrheit, Selbstbezähmung, Nachsicht und Mitgefühl mit allen Wesen: wisse, dass ich bei diesen Zuflucht genommen habe.

Wort für Wort
nirvedaṃ nirvṛtiṃ tṛptiṃ
Überdruss, Beruhigung, Zufriedenheit (Akk.Sg.f.)
śāntiṃ satyaṃ damaṃ kṣamām
Frieden, Wahrheit, Selbstbezähmung, Nachsicht (Akk.Sg.)
sarvabhūtadayāṃ caiva
und Mitgefühl mit allen Wesen (Akk.Sg.f.)
viddhi māṃ śaraṇāgatam
wisse mich als Zuflucht-Gekommenen (Imp.2.Sg., Akk.Sg., Akk.Sg.)

tasmāt kāmaś ca lobhaś ca tṛṣṇā kārpaṇyam eva ca; tyajantu māṃ pratiṣṭhantaṃ sattvastho hy asmi sāṃpratam

Darum sollen Begierde, Gier, Durst und Kleinlichkeit mich, der ich [fest] dastehe, verlassen; denn ich bin jetzt im Sattva gegründet.

Wort für Wort
tasmāt kāmaś ca lobhaś ca
darum Begierde und Gier (Abl., Nom.Sg.)
tṛṣṇā kārpaṇyam eva ca
Durst und eben Kleinlichkeit (Nom.Sg.f., Nom.Sg.n.)
tyajantu māṃ pratiṣṭhantaṃ
sie sollen verlassen mich, den Feststehenden (Imp.3.Pl., Akk.Sg., Part.Präs.)
sattvastho hy asmi sāṃpratam
denn im Sattva stehend bin ich jetzt (Nom.Sg., 1.Sg.Präs., Adv.)

prahāya kāmaṃ lobhaṃ ca krodhaṃ pāruṣyam eva ca; nādya lobhavaśaṃ prāpto duḥkhaṃ prāpsyāmy anātmavān

Nachdem ich Begierde, Gier, Zorn und Schroffheit aufgegeben habe, werde ich heute, nicht mehr in die Gewalt der Gier geraten, kein Leid erlangen, [ich,] nicht [mehr] Unbeherrschter.

Wort für Wort
prahāya kāmaṃ lobhaṃ ca
aufgegeben habend Begierde und Gier (Abs., Akk.Sg.)
krodhaṃ pāruṣyam eva ca
Zorn und eben Schroffheit (Akk.Sg., Akk.Sg.n.)
nādya lobhavaśaṃ prāpto
nicht heute in die Gewalt der Gier geraten (Adv., Akk.Sg., Part.Pass.)
duḥkhaṃ prāpsyāmy anātmavān
Leid werde ich erlangen, unbeherrscht (Akk.Sg., 1.Sg.Fut., Nom.Sg.)

anātmavān: „ohne Selbst/unbeherrscht“; der Satz ist verneint zu verstehen („nicht mehr“), Konstruktion knapp.

yad yat tyajati kāmānāṃ tat sukhasyābhipūryate; kāmasya vaśago nityaṃ duḥkham eva prapadyate

Von welchen Begierden man auch immer ablässt, damit füllt sich [der Mensch] an Glück; wer aber stets der Begierde gehorcht, gerät eben ins Leid.

Wort für Wort
yad yat tyajati kāmānāṃ
was immer man aufgibt von den Begierden (3.Sg.Präs., Gen.Pl.)
tat sukhasyābhipūryate
dadurch wird [er] mit Glück erfüllt (Gen.Sg., 3.Sg.Pass.)
kāmasya vaśago nityaṃ
der Begierde unterworfen, stets (Nom.Sg., Adv.)
duḥkham eva prapadyate
Leid eben gelangt er hinein (Akk.Sg., 3.Sg.Präs.Med.)

kāmān vyudasya dhunute yat kiṃ cit puruṣo rajaḥ; kāmakrodhodbhavaṃ duḥkham ahrīr aratir eva ca

Indem der Mensch die Begierden wegwirft, schüttelt er allen Staub [Rajas] ab; aus Begierde und Zorn entstehen Leid, Schamlosigkeit und Unlust.

Wort für Wort
kāmān vyudasya dhunute
die Begierden wegwerfend schüttelt ab (Akk.Pl., Abs., 3.Sg.Präs.Med.)
yat kiṃ cit puruṣo rajaḥ
was auch immer der Mensch an Staub/Rajas (Nom.Sg., Akk.Sg.n.)
kāmakrodhodbhavaṃ duḥkham
aus Begierde und Zorn entstehend Leid (Nom.Sg.n., Bahuvrīhi)
ahrīr aratir eva ca
Schamlosigkeit und Unlust (Nom.Sg.f.)

eṣa brahmapraviṣṭo 'haṃ grīṣme śītam iva hradam; śāmyāmi parinirvāmi sukham āse ca kevalam

Ich, in Brahman eingegangen, wie [man] im Sommer in einen kühlen Teich [eingeht], werde still, erlösche völlig und verweile in reinem Glück.

Wort für Wort
eṣa brahmapraviṣṭo 'haṃ
dieser, in Brahman eingegangen, ich (Nom.Sg., Nom.Sg.)
grīṣme śītam iva hradam
wie im Sommer einen kühlen Teich (Lok.Sg., Akk.Sg.)
śāmyāmi parinirvāmi
ich werde still, ich erlösche (1.Sg.Präs., 1.Sg.Präs.)
sukham āse ca kevalam
und ich weile glücklich, rein (Adv./Akk., 1.Sg.Präs.Med., Adv.)

yac ca kāmasukhaṃ loke yac ca divyaṃ mahat sukham; tṛṣṇākṣayasukhasyaite nārhataḥ ṣoḍaśīṃ kalām

Und was es in der Welt an Sinnenglück gibt und was an großem himmlischem Glück: diese sind nicht den sechzehnten Teil des Glücks der Versiegung des Durstes wert.

Wort für Wort
yac ca kāmasukhaṃ loke
und was Sinnenglück in der Welt (Nom.Sg.n., Lok.Sg.)
yac ca divyaṃ mahat sukham
und was himmlisches großes Glück (Nom.Sg.n.)
tṛṣṇākṣayasukhasya
des Glücks der Durstversiegung (Gen.Sg.)
ete nārhataḥ ṣoḍaśīṃ kalām
diese beiden sind nicht wert den sechzehnten Teil (Nom.Du.n., 3.Du.Präs., Akk.Sg.f.)

ātmanā saptamaṃ kāmaṃ hatvā śatrum ivottamam; prāpyāvadhyaṃ brahmapuraṃ rājeva syām ahaṃ sukhī

Nachdem ich durch mich selbst die Begierde, als siebte [?], wie einen höchsten Feind erschlagen habe und in die unverletzliche Brahman-Stadt gelangt bin, möge ich wie ein König glücklich sein.

Wort für Wort
ātmanā saptamaṃ kāmaṃ
durch das Selbst als siebte [?] die Begierde (Instr.Sg., Akk.Sg.m., Akk.Sg.)
hatvā śatrum ivottamam
erschlagen habend wie einen höchsten Feind (Abs., Akk.Sg.)
prāpyāvadhyaṃ brahmapuraṃ
erreicht habend die unverletzliche Brahman-Stadt (Abs., Akk.Sg.n.)
rājeva syām ahaṃ sukhī
wie ein König möge ich sein, glücklich (Opt.1.Sg., Nom.Sg.)

ātmanā saptamam: unklar (Kāma als „siebter“ neben Geist und fünf Sinnen? oder „mit mir selbst als Siebtem“); Wiedergabe unsicher.

etāṃ buddhiṃ samāsthāya maṅkir nirvedam āgataḥ; sarvān kāmān parityajya prāpya brahma mahat sukham

Auf diesen Entschluss gestützt, gelangte Maṅki zum Überdruss; nachdem er alle Begierden aufgegeben hatte, erlangte er Brahman, großes Glück.

Wort für Wort
etāṃ buddhiṃ samāsthāya
auf diesen Entschluss gestützt (Akk.Sg.f., Abs.)
maṅkir nirvedam āgataḥ
Maṅki zum Überdruss gelangt (Nom.Sg., Akk.Sg., Part.Pass.)
sarvān kāmān parityajya
alle Begierden aufgegeben habend (Akk.Pl., Abs.)
prāpya brahma mahat sukham
erreicht habend Brahman, großes Glück (Abs., Akk.Sg.n.)

damyanāśakṛte maṅkir amaratvaṃ kilāgamat; acchinat kāmamūlaṃ sa tena prāpa mahat sukham

Wegen des Verlusts der [Jung]stiere gelangte Maṅki, so heißt es, zur Unsterblichkeit; er durchhieb die Wurzel der Begierde, dadurch erlangte er großes Glück.

Wort für Wort
damyanāśakṛte maṅkir
um des Verlusts der Jungstiere willen Maṅki (Adv./Lok., Nom.Sg.)
amaratvaṃ kilāgamat
Unsterblichkeit, so heißt es, erreichte er (Akk.Sg.n., Partikel, Aor.3.Sg.)
acchinat kāmamūlaṃ sa
er durchhieb die Wurzel der Begierde (Impf.3.Sg., Akk.Sg.n., Nom.Sg.)
tena prāpa mahat sukham
dadurch erlangte er großes Glück (Instr.Sg., Perf.3.Sg., Akk.Sg.)

atrāpy udāharantīmam itihāsaṃ purātanam

Auch hierzu erzählt man diese uralte Geschichte;

Wort für Wort
atrāpy udāharanti
auch hierbei führt man an (Adv., 3.Pl.Präs.)
imam itihāsaṃ
diese Erzählung (Akk.Sg.m.)
purātanam
uralte (Akk.Sg.m.)

asminn arthe purā gītaṃ śṛṇu rājan mahātmanā

„In dieser Angelegenheit wurde einst [ein Lied] gesungen; höre, König, von dem Hochsinnigen:

Wort für Wort
asminn arthe purā gītaṃ
in dieser Sache einst gesungen (Lok.Sg., Adv., Part.Pass.n.)
śṛṇu rājan
höre, König (Imp.2.Sg., Vok.Sg.)
mahātmanā
von dem Hochsinnigen (Instr.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (Sternzeile); die Satzstruktur setzt sich in der folgenden Einheit fort.

gītaṃ videharājena janakena praśāmyatā

gesungen vom Videha-König Janaka, der zur Ruhe gekommen war:“

Wort für Wort
gītaṃ
gesungen (Part.Pass.n.)
videharājena
vom König von Videha (Instr.Sg.)
janakena
von Janaka (Instr.Sg.)
praśāmyatā
dem zur Ruhe Kommenden (Instr.Sg.Part.Präs.)

Die Anführungszeichen umschließen die in V. 62 folgende Strophe; die Einleitung ist im Sanskrit nicht selbst Rede.

anantaṃ bata me vittaṃ yasya me nāsti kiṃ cana; mithilāyāṃ pradīptāyāṃ na me dahyati kiṃ cana

„Unendlich ist fürwahr mein Besitz, ich, dem nichts gehört; wenn Mithilā in Flammen steht, verbrennt mir nichts.“

Wort für Wort
anantaṃ bata me vittaṃ
unendlich fürwahr mir Besitz (Nom.Sg.n., Interj., Gen./Dat.Sg.)
yasya me nāsti kiṃ cana
dem mir nicht ist irgendetwas (Gen.Sg., 3.Sg.Präs.)
mithilāyāṃ pradīptāyāṃ
in Mithilā, der brennenden (Lok.Sg.f., Part.Pass.; Abs. loc.)
na me dahyati kiṃ cana
nicht mir verbrennt irgendetwas (3.Sg.Pass.)

atraivodāharantīmaṃ bodhyasya padasaṃcayam; nirvedaṃ prati vinyastaṃ pratibodha yudhiṣṭhira

Eben hierzu erzählt man diese Sammlung von Strophen des Bodhya, die zum Thema Überdruss aufgestellt wurde; erkenne sie, Yudhiṣṭhira.

Wort für Wort
atraivodāharantīmaṃ
eben hierbei führt man an diese (Adv., 3.Pl.Präs., Akk.Sg.m.)
bodhyasya padasaṃcayam
des Bodhya Sammlung von Strophen/Worten (Gen.Sg., Akk.Sg.)
nirvedaṃ prati vinyastaṃ
auf den Überdruss hin dargelegt (Akk.Sg., Postp., Akk.Sg.Part.Pass.)
pratibodha yudhiṣṭhira
erkenne, Yudhiṣṭhira (Imp.2.Sg., Vok.Sg.)

bodhyaṃ dāntam ṛṣiṃ rājā nahuṣaḥ paryapṛcchata; nirvedāc chāntim āpannaṃ śāntaṃ prajñānatarpitam

Den gezähmten Seher Bodhya befragte der König Nahuṣa, der durch Überdruss zum Frieden gelangt war, [den] Stillen, an Erkenntnis Gesättigten.

Wort für Wort
bodhyaṃ dāntam ṛṣiṃ
den Bodhya, gebändigten Seher (Akk.Sg.)
rājā nahuṣaḥ paryapṛcchata
König Nahuṣa befragte (Nom.Sg., Impf.3.Sg.Med.)
nirvedāc chāntim āpannaṃ
durch Überdruss zum Frieden gelangt (Abl.Sg., Akk.Sg., Part.Pass.)
śāntaṃ prajñānatarpitam
still, durch Erkenntnis gesättigt (Akk.Sg.)

Bezug der Partizipien auf Bodhya (Akk.) angenommen.

upadeśaṃ mahāprājña śamasyopadiśasva me; kāṃ buddhiṃ samanudhyāya śāntaś carasi nirvṛtaḥ

„Unterweise mich, Hochweiser, mit einer Unterweisung über die Ruhe; auf welche Einsicht sinnend wandelst du still und erloschen [befriedet] umher?“

Wort für Wort
upadeśaṃ mahāprājña
Unterweisung, Hochweiser (Akk.Sg., Vok.Sg.)
śamasyopadiśasva me
über die Ruhe unterweise mich (Gen.Sg., Imp.2.Sg.Med., Dat.Sg.)
kāṃ buddhiṃ samanudhyāya
welche Einsicht bedacht habend (Akk.Sg.f., Abs.)
śāntaś carasi nirvṛtaḥ
still wandelst du, befriedet (Nom.Sg., 2.Sg.Präs., Nom.Sg.)

bodhya uvāca; upadeśena vartāmi nānuśāsmīha kaṃ cana; lakṣaṇaṃ tasya vakṣye 'haṃ tat svayaṃ pravimṛśyatām

Bodhya sprach: „Ich lebe nach [empfangener] Unterweisung, ich unterweise hier niemanden; das Kennzeichen davon werde ich nennen, das möge man selbst durchdenken.“

Wort für Wort
bodhya uvāca
Bodhya sprach (Nom.Sg., Perf.3.Sg.)
upadeśena vartāmi
durch Unterweisung lebe ich (Instr.Sg., 1.Sg.Präs.Med.)
nānuśāsmīha kaṃ cana
nicht unterweise ich hier irgendwen (1.Sg.Präs., Akk.Sg.)
lakṣaṇaṃ tasya vakṣye 'haṃ
das Kennzeichen davon werde ich sagen (Akk.Sg.n., Gen.Sg., 1.Sg.Fut.)
tat svayaṃ pravimṛśyatām
das möge selbst erwogen werden (Nom.Sg.n., Adv., Imp.3.Sg.Pass.)

upadeśena: „durch Belehrung“ (von Lehrern/Vorbildern empfangen) oder „durch Beispiel/Hinweis“; Sinn nach dem Folgenden.

piṅgalā kuraraḥ sarpaḥ sāraṅgānveṣaṇaṃ vane; iṣukāraḥ kumārī ca ṣaḍ ete guravo mama

Piṅgalā, der Fischadler, die Schlange, das Suchen des Sāraṅga im Wald, der Pfeilmacher und das Mädchen: diese sechs sind meine Lehrer.

Wort für Wort
piṅgalā kuraraḥ sarpaḥ
Piṅgalā, Fischadler, Schlange (Nom.Sg.)
sāraṅgānveṣaṇaṃ vane
Suchen des Sāraṅga im Wald (Nom.Sg.n., Lok.Sg.)
iṣukāraḥ kumārī ca
Pfeilmacher und Mädchen (Nom.Sg., Nom.Sg.f.)
ṣaḍ ete guravo mama
sechs diese Lehrer mir (Nom.Pl., Nom.Pl., Gen.Sg.)

sāraṅgānveṣaṇam: Beziehung unklar (Sāraṅga = Vogel/Reh); Deutung nach der Zusatzpassage unsicher.

bhīṣma uvāca; āśā balavatī kaṣṭā nairāśyaṃ paramaṃ sukham; āśāṃ nirāśāṃ kṛtvā tu sukhaṃ svapiti piṅgalā; sāmiṣaṃ kuraraṃ dṛṣṭvā vadhyamānaṃ nirāmiṣaiḥ; āmiṣasya parityāgāt kuraraḥ sukham edhate; gṛhārambho hi duḥkhāya na sukhāya kadā cana; sarpaḥ parakṛtaṃ veśma praviśya sukham edhate; sukhaṃ jīvanti munayo bhaikṣyavṛttiṃ samāśritāḥ; adroheṇaiva bhūtānāṃ sāraṅgā iva pakṣiṇaḥ; iṣukāro naraḥ kaś cid iṣāv āhitamānasaḥ; samīpenāpi gacchantaṃ rājānaṃ nāvabuddhavān; bahūnāṃ kalaho nityaṃ dvayoḥ saṃgharṣaṇaṃ dhruvam; ekākī vicariṣyāmi kumārīśaṅkhako yathā

Bhīṣma sprach: „Hoffnung ist mächtig und quälend, Hoffnungslosigkeit das höchste Glück; die Hoffnung zur Hoffnungslosigkeit gemacht habend, schläft Piṅgalā glücklich. Einen Fischadler mit Fleisch sehend, der von Fleischlosen bedrängt wird: durch das Aufgeben des Fleisches gedeiht der Fischadler glücklich. Hausbau ist stets zum Leid, nie zum Glück; die Schlange, in ein von anderen gebautes Haus eingetreten, gedeiht glücklich. Glücklich leben die Munis, die vom Betteln leben, durch Nichtschädigung der Wesen, wie die Sāraṅga-Vögel. Ein Pfeilmacher, im Geist in den Pfeil versunken, bemerkte den ganz nahe vorbeigehenden König nicht. Bei vielen ist stets Streit, bei zweien gewiss Reibung; allein werde ich umherwandern wie der Muschelreif der Jungfrau [?].“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca āśā balavatī kaṣṭā
Bhīṣma sprach: Hoffnung mächtig, quälend (Nom.Sg.f.)
nairāśyaṃ paramaṃ sukham
Hoffnungslosigkeit höchstes Glück (Nom.Sg.n.)
āśāṃ nirāśāṃ kṛtvā tu sukhaṃ svapiti piṅgalā
Hoffnung zur Hoffnungslosigkeit gemacht, schläft glücklich Piṅgalā (Abs., 3.Sg.Präs.)
sāmiṣaṃ kuraraṃ dṛṣṭvā vadhyamānaṃ nirāmiṣaiḥ
Fischadler mit Fleisch gesehen, bedrängt von Fleischlosen (Abs., Part.Pass.Pl.Instr.)
āmiṣasya parityāgāt kuraraḥ sukham edhate
durch Aufgeben des Fleisches gedeiht der Fischadler glücklich (Abl., 3.Sg.Präs.Med.)
gṛhārambho hi duḥkhāya na sukhāya kadā cana
Hausbau ist zum Leid, nie zum Glück (Nom.Sg., Dat.Sg.)
sarpaḥ parakṛtaṃ veśma praviśya sukham edhate
Schlange, in fremdgebautes Haus eingetreten, gedeiht glücklich (Abs.)
sukhaṃ jīvanti munayo bhaikṣyavṛttiṃ samāśritāḥ
glücklich leben Munis, das Betteln als Lebensweise gewählt (3.Pl.Präs., Nom.Pl., Part.Pass.)
adroheṇaiva bhūtānāṃ sāraṅgā iva pakṣiṇaḥ
durch Nichtschädigung der Wesen, wie Sāraṅga-Vögel (Instr.Sg., Gen.Pl., Nom.Pl.)
iṣukāro naraḥ kaś cid iṣāv āhitamānasaḥ
ein Pfeilmacher, im Geist auf den Pfeil gerichtet (Nom.Sg., Lok.Sg., Bahuvrīhi)
samīpenāpi gacchantaṃ rājānaṃ nāvabuddhavān
den ganz nahe gehenden König bemerkte er nicht (Instr.Sg., Part.Präs., Akk.Sg., Part.Perf.)
bahūnāṃ kalaho nityaṃ dvayoḥ saṃgharṣaṇaṃ dhruvam
bei vielen Streit stets, bei zweien Reibung gewiss (Gen.Pl., Gen.Du.)
ekākī vicariṣyāmi kumārīśaṅkhako yathā
allein werde ich umherwandern, wie der Muschelreif der Jungfrau (Nom.Sg., 1.Sg.Fut., Nom.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. Lange Einheit (mehrere Strophen). kumārīśaṅkhaka: Anspielung auf das Mädchen mit dem Muschelarmreif (Lehrer Nr. 6); genaue Konstruktion des Vergleichs unsicher.

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