Kapitel 132: balād dharmapravṛttiḥ
Die Macht als Grundlage des Dharma; Wiedergutmachung für den Bedrängten [?]
Kapitel über die Vorrangstellung der Macht (bala) gegenüber dem Dharma und über Wege, ein durch üblen Wandel verlorenes Ansehen zurückzugewinnen. Der Text ist an mehreren Stellen knapp und schwierig.
atra karmāntavacanaṃ kīrtayanti purāvidaḥ; pratyakṣāv eva dharmārthau kṣatriyasya vijānataḥ; tatra na vyavadhātavyaṃ parokṣā dharmayāpanā
Hierzu nennen die Kenner der Vorzeit eine Aussage über den [Ausgang/Abschluss der] Unternehmungen: Dharma und Artha sind dem Kṣatriya, der [sie] erkennt, unmittelbar wahrnehmbar. Dabei darf nichts dazwischengeschoben werden; eine Lebensführung nach dem Dharma, die [nur] im Verborgenen [wirkt], [gilt nicht] [?].
Wort für Wort
atra karmāntavacanaṃ kīrtayanti purāvidaḥ
hierzu eine Aussage über das Ende/den Abschluss der Werke nennen die Kenner der Vorzeit (Akk.Sg./3.Pl.Präs./Nom.Pl.)
pratyakṣau eva dharmārthau
unmittelbar wahrnehmbar allein Dharma und Artha (Nom.Du.)
kṣatriyasya vijānataḥ
für den Kṣatriya, der erkennt (Gen.Sg./Part.Präs. Gen.Sg.)
tatra na vyavadhātavyam
dabei ist nichts dazwischenzuschieben (Gerundiv Nom.Sg.n.)
parokṣā dharmayāpanā
verborgene/nicht sichtbare Lebensführung nach dem Dharma (Nom.Sg.f.)
Die Bedeutung von karmānta (Abschluss der Werke / Werkstätte) und der Schlusssatz sind nicht sicher; Wiedergabe mit Vorbehalt.
yo hy anāḍhyaḥ sa patitas tad ucchiṣṭaṃ yad alpakam; bahv apathyaṃ balavati na kiṃ cit trāyate bhayāt
Denn wer nicht wohlhabend ist, ist gefallen; das Geringe [an Besitz] ist [wie] Abgestandenes/Überrest. Beim Mächtigen [ist] vieles Unzuträgliche [ohne Schaden] [?]; [den Schwachen] rettet nichts vor der Furcht.
Wort für Wort
yo hi anāḍhyaḥ sa patitaḥ
denn wer nicht wohlhabend, der ist gefallen (Nom.Sg./Part.Perf.Pass.)
tad ucchiṣṭaṃ yad alpakam
das ist Überrest, was gering ist (Nom.Sg.n.)
bahu apathyaṃ balavati
vieles Unzuträgliche beim Mächtigen (Nom.Sg.n./Lok.Sg.)
ubhau satyādhikārau tau trāyete mahato bhayāt; ati dharmād balaṃ manye balād dharmaḥ pravartate
Jene beiden [Kräfte], die beiden Herrschaftsansprüche der Wahrheit [?], retten vor großer Furcht. Ich halte die Macht für höher als den Dharma; aus der Macht geht der Dharma hervor.
Wort für Wort
ubhau satyādhikārau tau
jene beiden Herrschaftsbereiche der Wahrheit (Nom.Du.)
trāyete mahato bhayāt
beide retten vor großer Furcht (3.Du.Med.Präs./Abl.Sg.)
ati dharmād balaṃ manye
über den Dharma hinaus [ist] die Macht, so meine ich (Präp./Abl.Sg./Nom.Sg./1.Sg.Präs.)
balād dharmaḥ pravartate
aus der Macht geht der Dharma hervor (Abl.Sg./Nom.Sg./3.Sg.Präs.)
satyādhikārau unklar (evtl. Dharma und Macht als Träger des Wahren).
Beim Nicht-Herrschenden [?] [stützen sich] Macht [und] Dharma [wie] eine Liane, die sich an den Baum lehnt. Den Mächtigen ist der Dharma untertan, wie die Freude den Genussreichen. Nichts ist den Mächtigen unerreichbar; den Mächtigen ist alles rein.
Wort für Wort
anīśvare balaṃ dharmaḥ
beim Nicht-Herrn Macht, Dharma (Lok.Sg./Nom.Sg.)
drumaṃ vallī iva saṃśritā
wie eine Liane, die sich an den Baum lehnt (Akk.Sg./Nom.Sg.f./Part.Perf.)
vaśyo balavatām dharmaḥ
untertan den Mächtigen der Dharma (Nom.Sg./Gen.Pl./Nom.Sg.)
sukhaṃ bhogavatām iva
wie das Glück den Genussreichen (Nom.Sg./Gen.Pl.)
na asti asādhyaṃ balavatām
nicht gibt es Unerreichbares für Mächtige (3.Sg.Präs./Nom.Sg.n./Gen.Pl.)
sarvaṃ balavatāṃ śuci
alles ist den Mächtigen rein (Nom.Sg.n./Gen.Pl./Nom.Sg.n.)
Erster Halbvers grammatisch uneinheitlich (saṃśritā fem. neben balam/dharmaḥ); Sinn unsicher.
„So bin ich“ – so soll er sagen, indem er die Vorzüge anderer preist; er soll [Gebete] murmeln, dem Wasser [der Reinigung] zugetan sein, freundlich und nicht allzu redselig.
Wort für Wort
iti asmi iti vadet evam
„so bin ich“ – so soll er sprechen (3.Sg.Opt.)
pareṣāṃ kīrtayan guṇān
der Anderen Vorzüge preisend (Gen.Pl./Part.Präs./Akk.Pl.)
japet
er soll murmeln (3.Sg.Opt.)
udakaśīlaḥ syāt
dem Wasser zugetan soll er sein (Nom.Sg./3.Sg.Opt.)
peśalo na atijalpanaḥ
freundlich, nicht allzu redselig (Nom.Sg.)
Der Halbvers „ity asmīti vaded evam“ ist unsicher.
brahmakṣatraṃ saṃpraviśed bahu kṛtvā suduṣkaram; ucyamāno 'pi lokena bahu tat tad acintayan
Er soll in [den Stand der] Brahmanen und Kṣatriyas eintreten, nachdem er vieles sehr Schwierige vollbracht hat, und dabei, auch wenn die Leute [ihn] tadelnd anreden, dies und jenes unbeachtet lassen.
Wort für Wort
brahmakṣatraṃ saṃpraviśet
in Brahmanen- und Kṣatriya-[Stand] soll er eintreten (Akk.Sg./3.Sg.Opt.)
bahu kṛtvā suduṣkaram
nachdem er vieles sehr Schwierige getan (Akk.Sg.n./Abs./Akk.Sg.n.)
ucyamāno 'pi lokena
auch wenn er von der Welt angeredet wird (Part.Pass. Nom.Sg./Instr.Sg.)
bahu tat tad acintayan
vieles, dies und jenes, nicht beachtend (Akk.Sg.n./Part.Präs.)
apāpo hy evam ācāraḥ kṣipraṃ bahumato bhavet; sukhaṃ vittaṃ ca bhuñjīta vṛttenaitena gopayet
Denn ein Sündloser, der so wandelt, wird rasch hochgeachtet; er soll Glück und Besitz genießen und sich mit diesem Verhalten schützen [oder: verbergen].
Wort für Wort
apāpo hi evam ācāraḥ
denn sündlos, so wandelnd (Nom.Sg.)
kṣipraṃ bahumato bhavet
rasch hochgeachtet soll er werden (Adv./Part.Perf.Pass./3.Sg.Opt.)
sukhaṃ vittaṃ ca bhuñjīta
Glück und Besitz soll er genießen (Akk.Sg./3.Sg.Opt.Med.)
vṛttena etena gopayet
mit diesem Verhalten soll er schützen/verbergen (Instr.Sg./3.Sg.Opt.Kaus.)