Kapitel 147: janamejayaśaunakasaṃvāda
Janamejayas Reue und Śaunakas Mahnung zum Dharma gegenüber den Brahmanen
Bhīṣma berichtet ein Gespräch zwischen König Janamejaya, der sich seiner Schuld bewusst ist, und dem Weisen Śaunaka. Śaunaka fordert ihn auf, Stolz abzulegen und den Brahmanen Schonung zu geloben.
Bhīṣma sprach: Als er so angesprochen war, antwortete Janamejaya jenem Weisen: „Den Tadelnswerten tadelt Ihr, den Schmähenswerten schmäht Ihr mich, Herr.“
„Mich, den Verwünschenswerten, verwünscht Ihr; deshalb suche ich Euch zu besänftigen. Dies alles ist mein eigenes Werk: Ich brenne wie einer, der ins Feuer gelegt ist.“
Wort für Wort
dhikkāryaṃ mā dhikkurute
den zu Verwünschenden, mich, verwünscht [Ihr] (Akk./Akk./3.Sg.Med.)
tasmāt tvā aham prasādaye
deshalb besänftige ich dich (Abl./Akk./Nom./1.Sg.Kaus.)
sarvaṃ hi idaṃ svakṛtaṃ me
dies alles ist ja selbstgetan von mir (Nom.n./Nom.n./Gen.)
jvalāmi agnau iva āhitaḥ
ich brenne wie ins Feuer gelegt (1.Sg.Präs./Lok./Part.Pass.)
svakarmāṇy abhisaṃdhāya nābhinandati me manaḥ; prāptaṃ nūnaṃ mayā ghoraṃ bhayaṃ vaivasvatād api
„Wenn ich meine eigenen Taten bedenke, freut sich mein Geist nicht; gewiss ist mir furchtbare Angst zuteilgeworden, sogar vor dem Sohn des Vivasvat [Yama].“
Wort für Wort
svakarmāṇi abhisaṃdhāya
die eigenen Taten bedenkend (Akk.Pl./Abs.)
na abhinandati me manaḥ
es freut sich nicht mein Geist (3.Sg.Präs./Gen./Nom.)
„Ich will wieder wohlhabend werden als Speisehaus für die Brāhmaṇas. Ein Rest möge bleiben von diesem Geschlecht; dieses Geschlecht soll nicht zugrunde gehen.“
Wort für Wort
mahānasaṃ brāhmaṇānāṃ
Küche/Speisehaus der Brāhmaṇas (Nom./Akk.n. Sg./Gen.Pl.)
bhaviṣyāmi arthavān punaḥ
ich werde wieder wohlhabend sein (1.Sg.Fut./Nom./Adv.)
astu śeṣaṃ kulasya asya
es sei ein Rest dieses Geschlechts (3.Sg.Imp./Nom./Gen./Gen.)
mā parābhūt idaṃ kulam
nicht gehe zugrunde dieses Geschlecht (Inj.Aor./Nom.n.)
mahānasam ist wörtlich ‚Küche‘; die Konstruktion ‚bhaviṣyāmi mahānasam‘ ist elliptisch.
na hi no brahmaśaptānāṃ śeṣo bhavitum arhati; śrutīr alabhamānānāṃ saṃvidaṃ vedaniścayāt
„Denn für uns, von Brahmanen Verfluchte, kann kein Rest bleiben, [da wir] die Offenbarungstexte nicht erlangen, [und] Einvernehmen aus der Entscheidung des Veda [?].“
Wort für Wort
na hi naḥ brahmaśaptānāṃ
denn nicht uns, von Brahmanen Verfluchten (Dat./Gen.Pl.)
śeṣaḥ bhavitum arhati
ein Rest kann sein (Nom./Inf./3.Sg.Präs.)
śrutīḥ alabhamānānāṃ
die wir Śrutis nicht erlangen (Akk.Pl./Part.Gen.Pl.)
saṃvidaṃ vedaniścayāt
Einvernehmen/Kenntnis aus der Vedaentscheidung (Akk./Abl.)
Zweite Vershälfte syntaktisch und inhaltlich unsicher.
avijñāyaiva me prajñāṃ bālasyeva supaṇḍitaḥ; brahman piteva putrebhyaḥ prati māṃ vāñcha śaunaka
„Ohne meine Einsicht zu erkennen, [behandelst du mich] wie ein sehr Gelehrter ein Kind. Brahmane, wie ein Vater seinen Söhnen, komm mir mit Wohlwollen entgegen, Śaunaka.“
Wort für Wort
avijñāya eva me prajñāṃ
ohne meine Einsicht erkannt zu haben (Abs./Gen./Akk.)
bālasya iva supaṇḍitaḥ
wie ein sehr Gelehrter [dem] Kind (Gen./Nom.)
brahman
Brahmane (Vok.)
pitā iva putrebhyaḥ
wie ein Vater für die Söhne (Nom./Dat.Pl.)
prati mām vāñcha śaunaka
wünsche mir entgegen, Śaunaka (Imp./Akk./Vok.)
Vergleich elliptisch; ‚behandelst du mich‘ ergänzt.
„Den Palast der Einsicht bestiegen, beklagt der Unbeklagenswerte die Menschen; wie einer auf dem Berge die auf der Erde Stehenden, überblickt er sie durch Einsicht.“
Wort für Wort
prajñāprāsādam āruhya
den Palast der Einsicht bestiegen habend (Akk./Abs.)
aśocyaḥ śocate janān
der Unbeklagenswerte beklagt die Leute (Nom./3.Sg.Präs./Akk.Pl.)
jagatīsthān iva
gleichsam die auf der Erde Stehenden (Akk.Pl.)
adristhaḥ prajñayā pratipaśyati
der auf dem Berg [Stehende] sieht durch Einsicht hin (Nom./Instr./3.Sg.Präs.)
viditvobhayato vīryaṃ māhātmyaṃ veda āgame; kuruṣveha mahāśāntiṃ brahmā śaraṇam astu te
„Nachdem du die Kraft nach beiden Seiten und die Größe im Veda und in der Überlieferung erkannt hast, vollziehe hier eine große Besänftigung; Brahman [der Veda] sei dir Zuflucht.“
Wort für Wort
viditvā ubhayataḥ vīryaṃ
erkannt habend die Kraft nach beiden Seiten (Abs./Adv./Akk.)
māhātmyaṃ veda āgame
die Größe im Veda [und] in der Überlieferung (Akk./Lok./Lok.)
kuruṣva iha mahāśāntiṃ
vollziehe hier die große Besänftigung (Imp.Med./Adv./Akk.)
brahmā śaraṇam astu te
Brahman sei dir Zuflucht (Nom./Nom.n./3.Sg.Imp./Dat.)
brahmā (Nom.) hier wohl ‚Brahman/Veda‘; veda āgame verschieden auflösbar.
tad vai pāratrikaṃ cāru brāhmaṇānām akupyatām; atha cet tapyase pāpair dharmaṃ ced anupaśyasi
„Das ist gewiss das Schöne für das Jenseits, wenn Brahmanen nicht zürnen. Wenn du nun von den Übeln gequält wirst und wenn du den Dharma beachtest [, dann tu es].“
Wort für Wort
tat vai pāratrikaṃ cāru
das ist gewiss das für das Jenseits Schöne (Nom.n./Nom.n.)
brāhmaṇānām akupyatām
der Brahmanen, nicht zürnend (Gen.Pl./Part.Gen.Pl.)
atha cet tapyase pāpaiḥ
wenn du nun gequält wirst von Übeln (2.Sg.Pass./Instr.Pl.)
dharmaṃ cet anupaśyasi
wenn du den Dharma beachtest (Akk./2.Sg.Präs.)
Nachsatz fehlt; ‚dann tu es‘ ergänzt. Bezug von brāhmaṇānām akupyatām unsicher.
janamejaya uvāca; anutapye ca pāpena na cādharmaṃ carāmy aham; bubhūṣuṃ bhajamānaṃ ca prativāñchāmi śaunaka
Janamejaya sprach: „Ich bereue wegen des Übels und wandle nicht im Adharma; dem, der Gedeihen erstrebt und [dich] verehrt, komme ich mit Zuneigung entgegen [?], Śaunaka.“
Wort für Wort
janamejaya uvāca
Janamejaya sprach
anutapye ca pāpena
und ich bereue wegen des Übels (1.Sg.Pass./Instr.)
na ca adharmaṃ carāmi aham
und ich treibe nicht Adharma (Akk./1.Sg.Präs./Nom.)
bubhūṣuṃ bhajamānaṃ ca
den Gedeihen Erstrebenden und Verehrenden (Akk./Part.Akk.)
prativāñchāmi śaunaka
ich erwidere den Wunsch [?] (1.Sg.Präs./Vok.)
Zweite Vershälfte unsicher; Bezug von bubhūṣum bhajamānam offen.
śaunaka uvāca; chittvā stambhaṃ ca mānaṃ ca prītim icchāmi te nṛpa; sarvabhūtahite tiṣṭha dharmaṃ caiva pratismara
Śaunaka sprach: „Nachdem du Starrsinn und Stolz abgeschnitten hast, wünsche ich dir Wohlwollen, König; stehe im Wohl aller Wesen und erinnere dich des Dharma.“
Wort für Wort
śaunaka uvāca
Śaunaka sprach
chittvā stambhaṃ ca mānaṃ ca
abgeschnitten habend Starrsinn und Stolz (Abs./Akk./Akk.)
prītim icchāmi te nṛpa
Wohlwollen wünsche ich dir, König (Akk./1.Sg.Präs./Dat./Vok.)
„Die Adharma-Unkundigen werden [Übles] über mich reden, unfreundliche Leute werden reden; wenn meine Freunde diese Worte hören, werden sie sehr entbrennen [vor Kummer].“
Wort für Wort
vakṣyanti mām adharmajñāḥ
sie werden über mich reden, Adharma-Kenner/-Unkundige [?] (3.Pl.Fut./Akk./Nom.Pl.)
vakṣyanti asuhṛdaḥ janāḥ
reden werden unfreundliche Leute (3.Pl.Fut./Nom.Pl./Nom.Pl.)
vācaḥ tāḥ suhṛdaḥ śrutvā
jene Worte, die Freunde gehört habend (Akk.Pl./Nom.Pl./Abs.)
saṃjvariṣyanti me bhṛśam
werden erglühen, mir [meine], sehr (3.Pl.Fut./Gen./Adv.)
adharmajñāḥ: ‚den Adharma Kennende‘ oder ‚das Dharma nicht Kennende‘ (a-dharma-jñāḥ / adharma-jñāḥ); hier gewählt: Unkundige des Dharma.