Kapitel 247: bhūtaguṇasaṃkhyā
Aufzählung der Eigenschaften der Elemente, des Manas und der Buddhi
Bhīṣma zählt die Eigenschaften der fünf Elemente sowie des Manas und der Buddhi auf; Yudhiṣṭhira fragt nach den fünf Eigenschaften der Buddhi und der Sinne.
Bhīṣma sprach: „Vernimm noch einmal, mein Sohn, die Aufzählung der Eigenschaften der Wesen [bzw. Elemente], die aus dem Munde Dvaipāyanas hervorgegangen [ist] und mit höchstem Lobpreis [vorgetragen wurde], Makelloser.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
bhūtānāṃ guṇasaṃkhyānaṃ
die Aufzählung der Eigenschaften der Wesen/Elemente (Gen.Pl./Akk.Sg.)
bhūyaḥ putra niśāmaya
noch einmal, mein Sohn, vernimm (Adv./Vok./Imp.)
dvaipāyanamukhād bhraṣṭaṃ
aus dem Munde Dvaipāyanas hervorgegangen (Abl./Part.)
ślāghayā parayā anagha
mit höchstem Lobpreis, Makelloser (Instr.Sg.f./Vok.)
Des Wassers [sind]: Kühle, Geschmack, Feuchtigkeit, Flüssigkeit, Geschmeidigkeit und Milde, die Zunge als die Absondernde, und ebenso das Ausfließen, das von Erde und Wasser herrührt.
Wort für Wort
apāṃ śaityaṃ rasaḥ kledo
des Wassers Kühle, Geschmack, Nässe (Gen.Pl./Nom.)
dravatvaṃ snehasaumyatā
Flüssigkeit, Geschmeidigkeit und Milde (Nom.)
jihvā viṣyandinī caiva
und die Zunge, die Absondernde (Nom.Sg.f.)
bhaumāpyāsravaṇaṃ tathā
ebenso das Ausfließen aus Erd- und Wasserartigem (Nom.Sg.n., Kompositum)
bhaumāpyāsravaṇam: Deutung des Kompositums unsicher.
Des Feuers [sind]: Unbezwingbarkeit, Glanz, Hitze, Garen, Erhellen, Reinheit, Röte [bzw. Färbung], Leichtigkeit, Schärfe, und als zehntes das Aufwärtsstreben.
Wort für Wort
agner durdharṣatā tejas
des Feuers Unbezwingbarkeit, Glanz (Gen./Nom.)
tāpaḥ pākaḥ prakāśanam
Hitze, Garen, Erhellen (Nom.)
śaucaṃ rāgo laghus
Reinheit, Röte/Färbung, Leichtigkeit (Nom.)
taikṣṇyaṃ daśamaṃ ca
Schärfe und als zehntes (Nom./Ord.Akk.)
ūrdhvabhāgitā
das Anteilhaben am Aufwärts, Aufwärtsstreben (Nom.Sg.f.)
vāyor aniyamaḥ sparśo vādasthānaṃ svatantratā; balaṃ śaighryaṃ ca mohaś ca ceṣṭā karmakṛtā bhavaḥ
Des Windes [sind]: Ungebundenheit, Berührung, Ort der Rede [Grundlage des Sprechens], Selbstbestimmtheit, Kraft, Schnelligkeit und Verwirrung, Regung, das Entstehen von Tätigkeit [?].
Wort für Wort
vāyor aniyamaḥ sparśo
des Windes Ungebundenheit, Berührung (Gen./Nom.)
vādasthānaṃ svatantratā
Ort der Rede, Selbstbestimmtheit (Nom.)
balaṃ śaighryaṃ ca
Kraft und Schnelligkeit (Nom.)
mohaś ca ceṣṭā
und Verwirrung, Regung (Nom.)
karmakṛtā bhavaḥ
Entstehen des Tuns/Werk-Vollzug [?] (Nom.)
karmakṛtā bhavaḥ ist unsicher; auch „Entstehen durch das Handelnde/durch Handlung“ möglich.
Des Äthers Eigenschaft [ist] der Klang, [ferner] Allgegenwart und auch Hohlheit, Ohne-Stütze-Sein, Ohne-Halt-Sein, Unmanifestiertheit, Unveränderlichkeit.
Wort für Wort
ākāśasya guṇaḥ śabdo
des Äthers Eigenschaft [ist] der Klang (Gen./Nom.)
calopapattir vyaktiś ca visargaḥ kalpanā kṣamā; sad asac cāśutā caiva manaso nava vai guṇāḥ
Beweglichkeit und Zustandekommen [?], Manifestation, Entlassen, Vorstellung, Geduld, Seiendes und Nichtseiendes und Schnelligkeit: das sind fürwahr die neun Eigenschaften des Manas.
Wort für Wort
calopapattir vyaktiś ca
Zustandekommen des Beweglichen [?] und Manifestation (Nom.)
visargaḥ kalpanā kṣamā
Entlassen, Vorstellung, Geduld (Nom.)
sad asac ca
Seiendes und Nichtseiendes (Nom.Sg.n.)
āśutā ca eva
und Schnelligkeit (Nom.)
manaso nava vai guṇāḥ
des Manas neun fürwahr Eigenschaften (Gen./Nom.Pl.)
bhīṣma uvāca; āhuḥ ṣaṣṭiṃ bhūtaguṇān vai; bhūtaviśiṣṭā nityaviṣaktāḥ; bhūtaviṣaktāś cākṣarasṛṣṭāḥ; putra na nityaṃ tad iha vadanti
Bhīṣma sprach: „Sechzig Eigenschaften der Elemente nennen sie fürwahr; [sie sind] durch die Elemente ausgezeichnet, ständig [ihnen] verhaftet, an den Elementen haftend und vom Unvergänglichen geschaffen [?]. Mein Sohn, nicht beständig sagen sie das hier.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
āhuḥ ṣaṣṭiṃ bhūtaguṇān vai
sie nennen sechzig Elementeigenschaften fürwahr (Perf.3.Pl./Akk.Pl.)
bhūtaviśiṣṭā nityaviṣaktāḥ
durch Elemente ausgezeichnet, beständig verhaftet (Nom.Pl.)
bhūtaviṣaktāś cākṣarasṛṣṭāḥ
an Elementen haftend und vom Unvergänglichen geschaffen (Nom.Pl.)
putra na nityaṃ
mein Sohn, nicht beständig (Vok./Adv.)
tad iha vadanti
das hier sagen sie (Präs.3.Pl.)
Halbvers-Syntax unklar; Text möglicherweise verderbt.
tat putra cintākalitaṃ yad uktam; anāgataṃ vai tava saṃpratīha; bhūtārthatattvaṃ tad avāpya sarvaṃ; bhūtaprabhāvād bhava śāntabuddhiḥ
Dies, mein Sohn, [ist] vom Denken durchdrungen, was gesagt wurde, das dir jetzt hier noch Bevorstehende; wenn du dies alles, die Wahrheit der Sache der Elemente, erfasst hast, werde durch die Macht der Elemente ruhigen Geistes.“
Wort für Wort
tat putra cintākalitaṃ
das, mein Sohn, vom Denken durchdrungen (Nom./Vok./Part.Pass.)
yad uktam
was gesagt [wurde] (Part.Pass.)
anāgataṃ vai tava saṃpratīha
das noch nicht Gekommene fürwahr, dir jetzt hier (Nom./Gen./Adv.)
bhūtārthatattvaṃ tad avāpya sarvaṃ
die Wahrheit über die Sache der Elemente, dies alles erlangt habend (Akk./Abs.)