Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 80: ṛtvigguṇāḥ dakṣiṇātapaś ca Eigenschaften der Opferpriester, Opferlohn und wahre Askese

Bhīṣma beschreibt die Eigenschaften geeigneter Opferpriester und beantwortet Yudhiṣṭhiras Zweifel am Opferlohn; er betont Geradheit und Wahrhaftigkeit als Kern von Askese und Wissen.

yudhiṣṭhira uvāca; kvasamutthāḥ kathaṃśīlā ṛtvijaḥ syuḥ pitāmaha; kathaṃvidhāś ca rājendra tad brūhi vadatāṃ vara

Yudhiṣṭhira sprach: „Woher stammend und von welcher Wesensart sollen die Opferpriester sein, Großvater? Und wie beschaffen [sollen sie sein], Fürst der Könige? Das sage mir, Bester der Redenden.“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
kvasamutthāḥ kathaṃśīlāḥ
woher stammend, von welcher Wesensart (Nom.Pl.m.)
ṛtvijaḥ syuḥ pitāmaha
Opferpriester sollen sein (Opt.), Großvater (Vok.)
kathaṃvidhāś ca rājendra
und wie beschaffen, Fürst der Könige (Vok.)
tad brūhi vadatāṃ vara
das sage (Imp.), Bester der Redenden (Vok.)

bhīṣma uvāca; pratikarma purācāra ṛtvijāṃ sma vidhīyate; ādau chandāṃsi vijñāya dvijānāṃ śrutam eva ca

Bhīṣma sprach: „Für die Opferpriester wird nach altem Brauch eine Gegenprüfung [?] vorgeschrieben: Zuerst [soll man] die Veda-Verse und auch die Schriftkenntnis der Zweimalgeborenen erkennen.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
pratikarma purācāra
Gegenmaßnahme/Prüfung [?], alter Brauch (Nom./Abl.)
ṛtvijāṃ sma vidhīyate
für die Opferpriester (Gen.Pl.), wird vorgeschrieben (Pass.Präs.)
ādau chandāṃsi vijñāya
zuerst die Veda-Verse (Akk.Pl.), erkannt habend (Abs.)
dvijānāṃ śrutam eva ca
der Zweimalgeborenen (Gen.Pl.), das Gehörte/Schriftkenntnis (Akk.Sg.n.), auch

pratikarma purācāram ist syntaktisch unsicher; Wiedergabe tentativ.

ye tv ekaratayo nityaṃ dhīrā nāpriyavādinaḥ; parasparasya suhṛdaḥ saṃmatāḥ samadarśinaḥ

Die aber, die stets an einem Einzigen Freude haben, standhaft sind, nicht unfreundlich reden, einander Freunde, geachtet und gleichblickend [sind] –

Wort für Wort
ye tv ekaratayaḥ nityam
die aber an Einem Freude habend, stets (Nom.Pl.m.)
dhīrāḥ
standhaft (Nom.Pl.)
na apriyavādinaḥ
nicht Unliebes Sprechende (Nom.Pl.)
parasparasya suhṛdaḥ
einander Freunde (Gen.Sg./Nom.Pl.)
saṃmatāḥ samadarśinaḥ
geachtet, gleich blickend (Nom.Pl.m.)

yeṣv ānṛśaṃsyaṃ satyaṃ cāpy ahiṃsā tapa ārjavam; adroho nābhimānaś ca hrīs titikṣā damaḥ śamaḥ

bei denen Nicht-Grausamkeit, Wahrhaftigkeit, Gewaltlosigkeit, Askese, Aufrichtigkeit, Nicht-Feindseligkeit, Freisein von Dünkel, Scham, Geduld, Selbstbeherrschung [und] Ruhe [zu finden sind].

Wort für Wort
yeṣu ānṛśaṃsyam satyam
bei denen (Lok.Pl.), Nicht-Grausamkeit, Wahrheit (Nom.Sg.n.)
ca api ahiṃsā tapaḥ ārjavam
und auch Gewaltlosigkeit, Askese, Geradheit (Nom.Sg.)
adrohaḥ na abhimānaḥ ca
Nicht-Feindseligkeit, kein Dünkel (Nom.Sg.m.)
hrīḥ titikṣā
Scham, Geduld (Nom.Sg.f.)
damaḥ śamaḥ
Selbstbeherrschung, Ruhe (Nom.Sg.m.)

etair eva guṇair yuktāḥ kāryās te ṛtvijaḥ prabho

„Nur mit eben diesen Eigenschaften ausgestattet sollen jene als Opferpriester bestellt werden, Herr.“

Wort für Wort
etaiḥ eva guṇaiḥ
mit eben diesen Eigenschaften (Instr.Pl.)
yuktāḥ
ausgestattet (Nom.Pl.m.)
kāryāḥ te ṛtvijaḥ
zu machen [zu bestellen] sind jene, Opferpriester (Gerundiv/Nom.Pl.)
prabho
Herr (Vok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

yasminn etāni dṛśyante sa purohita ucyate

„In wem diese [Eigenschaften] gesehen werden, der heißt Hauspriester (purohita).“

Wort für Wort
yasmin etāni dṛśyante
in wem diese gesehen werden (Lok./Pass.Präs.3.Pl.)
sa purohitaḥ ucyate
der heißt Hauspriester (Nom./Pass.Präs.3.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

hrīmān satyadhṛtir dānto bhūtānām avihiṃsakaḥ; akāmadveṣasaṃyuktas tribhiḥ śuklaiḥ samanvitaḥ

Schamvoll, in der Wahrheit gefestigt, gebändigt, den Wesen nicht schadend, frei von Begierde und Hass, ausgestattet mit den drei Weißen [?] –

Wort für Wort
hrīmān satyadhṛtiḥ
schamvoll, in Wahrheit gefestigt (Nom.Sg.m.)
dāntaḥ
gebändigt (Nom.Sg.m.)
bhūtānām avihiṃsakaḥ
der Wesen (Gen.Pl.), nicht Schädigender (Nom.Sg.)
akāmadveṣasaṃyuktaḥ
ohne Begierde und Hass verbunden (Kompositum, Nom.Sg.)
tribhiḥ śuklaiḥ samanvitaḥ
mit drei Weißen [?], versehen (Instr.Pl./Nom.Sg.)

tribhiḥ śuklaiḥ unklar (drei „weiße“ = reine Eigenschaften/Handlungen?).

ahiṃsako jñānatṛptaḥ sa brahmāsanam arhati; ete mahartvijas tāta sarve mānyā yathātatham

[wer] nicht schädigt, am Wissen gesättigt ist, der verdient den Brahman-Sitz. Diese sind die großen Opferpriester, Kind; alle sind gebührend zu ehren.

Wort für Wort
ahiṃsakaḥ jñānatṛptaḥ
nicht schädigend, am Wissen gesättigt (Nom.Sg.m.)
sa brahmāsanam arhati
der den Brahman-Sitz verdient (3.Sg.Präs.)
ete mahartvijaḥ tāta
diese, große Opferpriester, Kind (Nom.Pl./Vok.)
sarve mānyāḥ yathātatham
alle zu ehren (Gerundiv Nom.Pl.), der Wahrheit gemäß/gebührend

yudhiṣṭhira uvāca; yad idaṃ vedavacanaṃ dakṣiṇāsu vidhīyate; idaṃ deyam idaṃ deyaṃ na kva cid vyavatiṣṭhate

Yudhiṣṭhira sprach: „Dieses Vedawort, das bei den Opferlöhnen vorgeschrieben wird – ‚dies ist zu geben, dies ist zu geben‘ –, hat nirgends festen Bestand.“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
yad idaṃ vedavacanam
dieses Vedawort, das (Nom.Sg.n.)
dakṣiṇāsu vidhīyate
bei den Opferlöhnen (Lok.Pl.) vorgeschrieben wird (Pass.Präs.)
idaṃ deyam idaṃ deyam
dies ist zu geben, dies ist zu geben (Gerundiv)
na kva cid vyavatiṣṭhate
nirgends besteht fest/hält stand (3.Sg.Präs.Med.)

nedaṃ prati dhanaṃ śāstram āpaddharmam aśāstrataḥ; ājñā śāstrasya ghoreyaṃ na śaktiṃ samavekṣate

„Diese Lehre entspricht nicht [dem vorhandenen] Besitz [?]; die Notlagenpflicht ist nicht schriftgemäß; dieser Befehl der Lehre ist furchtbar, er sieht nicht auf die Fähigkeit.“

Wort für Wort
na idaṃ prati dhanam śāstram
nicht dies gemäß Besitz [?], Lehre (Akk./Nom.)
āpaddharmam aśāstrataḥ
Notlagenpflicht, nicht schriftgemäß (Akk./Abl.-Adv.)
ājñā śāstrasya
Befehl der Lehre (Nom.Sg.f./Gen.Sg.)
ghorā iyam
furchtbar, diese (Nom.Sg.f.)
na śaktiṃ samavekṣate
nicht auf die Fähigkeit blickt (3.Sg.Präs.Med.)

Vers syntaktisch unsicher; Wiedergabe tentativ.

śraddhām ārabhya yaṣṭavyam ity eṣā vaidikī śrutiḥ; mithyopetasya yajñasya kim u śraddhā kariṣyati

„‚Mit Glauben anfangend ist zu opfern‘ – so lautet diese vedische Offenbarung; was wird der Glaube bei einem Opfer ausrichten, das mit Unwahrheit behaftet ist?“

Wort für Wort
śraddhām ārabhya yaṣṭavyam
den Glauben beginnend/mit Glauben, zu opfern (Abs./Gerundiv)
iti eṣā vaidikī śrutiḥ
so [lautet] diese vedische Offenbarung (Nom.Sg.f.)
mithyopetasya yajñasya
des mit Unwahrheit behafteten Opfers (Gen.Sg.m.)
kim u śraddhā kariṣyati
was wird wohl der Glaube tun (3.Sg.Fut.)

bhīṣma uvāca; na vedānāṃ paribhavān na śāṭhyena na māyayā; kaś cin mahad avāpnoti mā te bhūd buddhir īdṛśī

Bhīṣma sprach: „Nicht durch Missachtung der Vedas, nicht durch Tücke, nicht durch Trug erlangt irgendjemand Großes; eine solche Ansicht soll dir nicht kommen.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
na vedānāṃ paribhavāt
nicht durch Missachtung der Vedas (Abl.Sg./Gen.Pl.)
na śāṭhyena na māyayā
nicht durch Tücke, nicht durch Trug (Instr.Sg.)
kaḥ cit mahat avāpnoti
irgendjemand Großes erlangt (3.Sg.Präs.)
mā te bhūt buddhiḥ īdṛśī
nicht soll dir sein (Injunktiv/Aor.) eine solche Ansicht (Nom.Sg.f.)

yajñāṅgaṃ dakṣiṇās tāta vedānāṃ paribṛṃhaṇam; na mantrā dakṣiṇāhīnās tārayanti kathaṃ cana

„Der Opferlohn ist ein Glied des Opfers, Kind, eine Stärkung der Vedas; Mantras ohne Opferlohn retten auf keine Weise.“

Wort für Wort
yajñāṅgaṃ dakṣiṇāḥ tāta
Opfer-Glied, Opferlöhne, Kind (Nom.Pl.f./Vok.)
vedānāṃ paribṛṃhaṇam
Stärkung der Vedas (Gen.Pl./Nom.Sg.n.)
na mantrāḥ dakṣiṇāhīnāḥ
nicht Mantras, ohne Opferlohn (Nom.Pl.m.)
tārayanti kathaṃ cana
retten (3.Pl.Präs.), auf irgendeine Weise

śaktis tu pūrṇapātreṇa saṃmitānavamā bhavet; avaśyaṃ tāta yaṣṭavyaṃ tribhir varṇair yathāvidhi

„Das Vermögen aber soll nach einem vollen Gefäß bemessen [und] nicht geringer sein [?]; unbedingt, Kind, ist von den drei Ständen regelgemäß zu opfern.“

Wort für Wort
śaktiḥ tu pūrṇapātreṇa
Vermögen aber, mit/nach einem vollen Gefäß (Nom./Instr.)
saṃmitā anavamā bhavet
bemessen, nicht geringer, soll sein (Part./Opt.)
avaśyaṃ tāta yaṣṭavyam
unbedingt, Kind, zu opfern (Adv./Vok./Gerundiv)
tribhiḥ varṇaiḥ yathāvidhi
von den drei Ständen (Instr.Pl.), regelgemäß

Die erste Hälfte ist im Sinn unsicher.

somo rājā brāhmaṇānām ity eṣā vaidikī śrutiḥ; taṃ ca vikretum icchanti na vṛthā vṛttir iṣyate; tena krītena dharmeṇa tato yajñaḥ pratāyate

„‚Soma ist der König der Brahmanen‘ – so lautet diese vedische Offenbarung. Und den wollen sie verkaufen [?]; ein Lebensunterhalt ohne Grund wird nicht gewünscht; durch den mit Recht gekauften [Soma] wird dann das Opfer ausgebreitet.“

Wort für Wort
somaḥ rājā brāhmaṇānām
Soma [ist] König der Brahmanen (Nom.Sg./Gen.Pl.)
iti eṣā vaidikī śrutiḥ
so [lautet] diese vedische Offenbarung (Nom.Sg.f.)
tam ca vikretum icchanti
und ihn zu verkaufen wünschen sie [?] (Inf./3.Pl.Präs.)
na vṛthā vṛttiḥ iṣyate
nicht wird ein grundloser Lebensunterhalt gewünscht (Pass.Präs.)
tena krītena dharmeṇa
durch den Gekauften, dem Dharma gemäß (Instr.Sg.)
tataḥ yajñaḥ pratāyate
dann wird das Opfer ausgebreitet (Pass.Präs.)

Zweite Zeile syntaktisch unsicher (Subjekt von icchanti, Sinn von vikretum).

ity evaṃ dharmataḥ khyātam ṛṣibhir dharmavādibhiḥ; pumān yajñaś ca somaś ca nyāyavṛtto yathā bhavet; anyāyavṛttaḥ puruṣo na parasya na cātmanaḥ

„So ist es dem Dharma gemäß verkündet von den Sehern, den Sprechern des Dharma: Der Mensch, das Opfer und der Soma sollen so sein, dass sie rechtmäßig wirken; ein Mensch, der unrechtmäßig handelt, [nützt] weder einem anderen noch sich selbst.“

Wort für Wort
iti evaṃ dharmataḥ khyātam
so, dem Dharma gemäß verkündet (Ptz.Pass.)
ṛṣibhiḥ dharmavādibhiḥ
von den Sehern, den Dharma-Sprechern (Instr.Pl.)
pumān yajñaḥ ca somaḥ ca
Mensch, Opfer und Soma (Nom.Sg.)
nyāyavṛttaḥ yathā bhavet
rechtmäßig wirkend, wie er sein soll (Opt.)
anyāyavṛttaḥ puruṣaḥ
unrechtmäßig handelnder Mensch (Nom.Sg.)
na parasya na ca ātmanaḥ
nicht für einen anderen und nicht für sich selbst (Gen.Sg.)

Letzter Pāda elliptisch; „nützt“ ergänzt.

śarīraṃ yajñapātrāṇi ity eṣā śrūyate śrutiḥ; tāni samyak praṇītāni brāhmaṇānāṃ mahātmanām

„‚Der Körper [und] die Opfergefäße‘ – so wird diese Offenbarung gehört; diese sind recht zu bereiten bei den hochgesinnten Brahmanen.“

Wort für Wort
śarīraṃ yajñapātrāṇi
der Körper, die Opfergefäße (Nom.Sg.n./Pl.n.)
iti eṣā śrūyate śrutiḥ
so wird diese Offenbarung gehört (Pass.Präs.)
tāni samyak praṇītāni
diese recht hergerichtet (Nom.Pl.n.)
brāhmaṇānāṃ mahātmanām
bei den Brahmanen, den Hochgesinnten (Gen.Pl.)

Wortlaut der Śruti („śarīraṃ yajñapātrāṇi“) und Konstruktion von praṇītāni unsicher.

tapo yajñād api śreṣṭham ity eṣā paramā śrutiḥ; tat te tapaḥ pravakṣyāmi vidvaṃs tad api me śṛṇu

„‚Askese ist sogar besser als Opfer‘ – das ist die höchste Offenbarung; diese Askese will ich dir verkünden; du Wissender, höre auch dies von mir.“

Wort für Wort
tapaḥ yajñāt api śreṣṭham
Askese ist sogar besser als Opfer (Nom./Abl.)
iti eṣā paramā śrutiḥ
so [lautet] diese höchste Offenbarung (Nom.Sg.f.)
tat te tapaḥ pravakṣyāmi
diese Askese dir verkünde ich (1.Sg.Fut.)
vidvān tat api me śṛṇu
Wissender, auch dies von mir höre (Vok./Imp.)

ahiṃsā satyavacanam ānṛśaṃsyaṃ damo ghṛṇā; etat tapo vidur dhīrā na śarīrasya śoṣaṇam

„Gewaltlosigkeit, Wahrheitsrede, Nicht-Grausamkeit, Selbstbeherrschung, Mitgefühl: Dies kennen die Standhaften als Askese, nicht das Ausmergeln des Körpers.“

Wort für Wort
ahiṃsā satyavacanam
Gewaltlosigkeit, Wahrheitsrede (Nom.Sg.)
ānṛśaṃsyaṃ damaḥ ghṛṇā
Nicht-Grausamkeit, Selbstbeherrschung, Mitgefühl (Nom.Sg.)
etat tapaḥ viduḥ dhīrāḥ
dies als Askese kennen die Standhaften (3.Pl.Perf./Nom.Pl.)
na śarīrasya śoṣaṇam
nicht des Körpers Ausdörren (Gen.Sg./Akk.Sg.n.)

aprāmāṇyaṃ ca vedānāṃ śāstrāṇāṃ cātilaṅghanam; avyavasthā ca sarvatra tad vai nāśanam ātmanaḥ

„Die Nichtanerkennung der Vedas und das Übertreten der Lehrschriften und die Regellosigkeit überall – das ist wahrlich die Vernichtung des Selbst.“

Wort für Wort
aprāmāṇyaṃ ca vedānām
Nichtanerkennung und der Vedas (Nom.Sg.n./Gen.Pl.)
śāstrāṇāṃ ca atilaṅghanam
der Lehrschriften Übertretung (Gen.Pl./Nom.Sg.n.)
avyavasthā ca sarvatra
Regellosigkeit und überall (Nom.Sg.f.)
tat vai nāśanam ātmanaḥ
das ist wahrlich Vernichtung des Selbst (Nom.Sg.n./Gen.Sg.)

nibodha daśahotṝṇāṃ vidhānaṃ pārtha yādṛśam; cittiḥ sruk cittam ājyaṃ ca pavitraṃ jñānam uttamam

„Vernimm, Pārtha, wie die Anordnung der Zehn-Hotṛ-[Formel] beschaffen ist: Das Denken (cittiḥ) ist der Opferlöffel, der Geist (citta) die Opferbutter, und das höchste Wissen ist das Reinigungsmittel.“

Wort für Wort
nibodha daśahotṝṇām
vernimm (Imp.), der Zehn-Hotṛ (Gen.Pl.)
vidhānaṃ pārtha yādṛśam
Anordnung, Pārtha, wie beschaffen (Akk.Sg.n./Vok.)
cittiḥ sruk
Denken, Opferlöffel (Nom.Sg.f.)
cittam ājyaṃ ca
Geist, Opferbutter und (Nom.Sg.n.)
pavitraṃ jñānam uttamam
Reinigungsmittel, höchstes Wissen (Nom.Sg.n.)

daśahotṛ: Bezug auf die Daśahotṛ-Formel; Gen.Pl. daśahotṝṇām wörtlich „der Zehn-Hotṛ“.

na śāṭhyaṃ na ca jihmatvaṃ kālo deśaś ca te daśa

„Nicht Tücke und nicht Krummheit, Zeit und Ort: das sind die zehn.“

Wort für Wort
na śāṭhyam na ca jihmatvam
nicht Tücke und nicht Krummheit (Nom.Sg.n.)
kālaḥ deśaḥ ca
Zeit und Ort (Nom.Sg.m.)
te daśa
das sind die zehn (Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zählung der „zehn“ unklar; Zusatzvers, Bezug verderbt oder verkürzt.

sarvaṃ jihmaṃ mṛtyupadam ārjavaṃ brahmaṇaḥ padam; etāvāñ jñānaviṣayaḥ kiṃ pralāpaḥ kariṣyati

„Alles Krumme ist der Pfad des Todes; Geradheit ist der Standort des Brahman. So weit reicht der Bereich des Wissens; was wird [da] Geschwätz ausrichten?“

Wort für Wort
sarvam jihmam mṛtyupadam
alles Krumme [ist] Todespfad (Nom.Sg.n.)
ārjavam brahmaṇaḥ padam
Geradheit [ist] Standort des Brahman (Nom./Gen.Sg.)
etāvān jñānaviṣayaḥ
so weit reichend der Bereich des Wissens (Nom.Sg.m.)
kim pralāpaḥ kariṣyati
was wird Geschwätz tun (3.Sg.Fut.)

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