Kapitel 304: yogajñānopadeśaḥ
Die Lehre vom Yoga: Einheit von Sāṃkhya und Yoga, Sammlung und die Merkmale des Yogins
Yājñavalkya wendet sich nach der Darlegung des Sāṃkhya dem Yoga zu, betont dessen Einheit mit dem Sāṃkhya und beschreibt Atemlenkung, Zurückziehen der Sinne und die Kennzeichen des in Sammlung Gefestigten anhand von Gleichnissen.
Yājñavalkya sprach: „Das Wissen des Sāṃkhya habe ich [dir] dargelegt; vernimm nun von mir das Wissen des Yoga, so wie es gehört und gesehen wurde, der Wahrheit gemäß, bester der Fürsten.“
Wort für Wort
yājñavalkya uvāca
Yājñavalkya sprach (Nom.; 3.Sg.Perf.)
sāṃkhyajñānaṃ mayā proktam
das Wissen des Sāṃkhya ist von mir dargelegt worden (Akk.; Instr.; Part.Perf.Pass.)
yogajñānaṃ nibodha me
das Wissen des Yoga vernimm von mir (Akk.; Imp.2.Sg.; Abl./Gen.)
yathāśrutaṃ yathādṛṣṭam
wie gehört, wie gesehen (Adv.)
tattvena nṛpasattama
der Wahrheit gemäß (Instr.), bester der Fürsten (Vok.)
Wisse, dass die anderen Yogas Rudra als Hauptsache haben, Bezwinger der Feinde; eben mit diesem [selben] Körper durchstreifen sie dann die zehn Himmelsrichtungen.
Wort für Wort
rudrapradhānān aparān viddhi yogān
wisse die anderen Yogas als Rudra zum Hauptgegenstand habend (Akk.Pl.; Imp.2.Sg.)
paraṃtapa
Bezwinger der Feinde (Vok.)
tenaiva cātha dehena
und dann eben mit diesem Körper (Instr.)
vicaranti diśo daśa
durchstreifen sie die zehn Richtungen (3.Pl.Präs.; Akk.Pl.)
dviguṇaṃ yogakṛtyaṃ tu yogānāṃ prāhur uttamam; saguṇaṃ nirguṇaṃ caiva yathāśāstranidarśanam
Zweifältig ist das Werk des Yoga; als das Höchste unter den Yogas nennen sie: den mit Eigenschaften und den ohne Eigenschaften, wie es die Lehrschriften darlegen.
Wort für Wort
dviguṇaṃ yogakṛtyaṃ tu
zweifältig aber ist das Yoga-Werk (Nom.)
yogānāṃ prāhur uttamam
unter den Yogas nennen sie das höchste (Gen.Pl.; 3.Pl.Perf.; Akk.)
saguṇaṃ nirguṇaṃ caiva
das mit Eigenschaften und das ohne Eigenschaften (Nom./Akk.)
tad evam upaśāntena dāntenaikāntaśīlinā; ātmārāmeṇa buddhena yoktavyo ''tmā na saṃśayaḥ
So soll das Selbst, ohne Zweifel, von dem Beruhigten, Gezähmten, der Einsamkeit Zugeneigten, an sich selbst Erfreuten, Erwachten angespannt [im Yoga geübt] werden.
Wort für Wort
tad evam
so also (Adv.)
upaśāntena dāntena
vom Beruhigten, Gezähmten (Instr.)
ekāntaśīlinā
vom der Einsamkeit Ergebenen (Instr.)
ātmārāmeṇa buddhena
vom an sich selbst Erfreuten, Erwachten (Instr.)
yoktavyo ’tmā na saṃśayaḥ
das Selbst ist zu ver-/anzuspannen, kein Zweifel (Gerundiv; Nom.)
manas tathaivāhaṃkāre pratiṣṭhāpya narādhipa; ahaṃkāraṃ tathā buddhau buddhiṃ ca prakṛtāv api
ebenso den Geist im Ichbewusstsein festgemacht habend, Herrscher der Menschen, das Ichbewusstsein in der Einsicht und die Einsicht auch in der Urnatur,
Wort für Wort
manas tathaiva ahaṃkāre
den Geist ebenso im Ichbewusstsein (Akk.; Lok.)
pratiṣṭhāpya narādhipa
festgesetzt habend, Herrscher der Menschen (Abs.; Vok.)
ahaṃkāraṃ tathā buddhau
das Ichbewusstsein ebenso in der Einsicht (Akk.; Lok.)
evaṃ hi parisaṃkhyāya tato dhyāyeta kevalam; virajaskamalaṃ nityam anantaṃ śuddham avraṇam
so also [alles] durchgezählt habend, soll man dann allein meditieren über das Staubfreie, den [Lotos-gleichen] Ewigen, Endlosen, Reinen, Makellosen [?].
Wort für Wort
evaṃ hi parisaṃkhyāya
so nämlich durchgezählt habend (Abs.)
tato dhyāyeta kevalam
dann soll man meditieren, allein (3.Sg.Opt.; Adv.)
virajaskamalaṃ nityam
das Staubfreie/staubfreien Lotos [?], Ewige (Akk.)
anantaṃ śuddham avraṇam
Endlose, Reine, Makellose (Akk.)
virajaskamalam unsicher: „staubfreier Lotos“ oder „staub- und schmutzfrei“.
śaṅkhadundubhinirghoṣair vividhair gītavāditaiḥ; kriyamāṇair na kampeta yuktasyaitan nidarśanam
Von Muschelhörnern und Pauken erzeugtem Dröhnen und von mannigfachen, erklingenden Gesängen und Musikinstrumenten soll er nicht erzittern; dies ist das Kennzeichen des Gefestigten.
Wort für Wort
śaṅkhadundubhinirghoṣaiḥ
vom Dröhnen von Muschelhörnern und Pauken (Instr.Pl.)
vividhair gītavāditaiḥ
von vielfältigen Gesängen und Instrumenten (Instr.Pl.)
kriyamāṇair na kampeta
wenn sie gemacht/erzeugt werden, soll er nicht zittern (Part.Pass.; 3.Sg.Opt.)
saṃyatātmā bhayāt teṣāṃ na pātrād bindum utsṛjet; tathaivottaramāṇasya ekāgramanasas tathā
so würde er, selbstbeherrscht, aus Furcht vor ihnen keinen Tropfen aus dem Gefäß fallen lassen; ebenso beim Emporsteigenden [?], der einspitzigen Geistes ist.
Wort für Wort
saṃyatātmā bhayāt teṣām
selbstbeherrscht aus Furcht vor ihnen (Nom.; Abl.; Gen.)
na pātrād bindum utsṛjet
nicht aus dem Gefäß einen Tropfen fallen ließe er (Abl.; Akk.; 3.Sg.Opt.)