Kapitel 159: dānayajñaprāyaścittavidhi
Nehmen für das Opfer, Not-Regeln, Vergehen und ihre Sühnen
Bhīṣma behandelt, wann ein König für Opfer und bedürftige Brahmanen Besitz von Nicht-Gebern nehmen darf, dann Notregeln, schwere und leichtere Vergehen sowie die zugehörigen Sühnen. Das Kapitel reiht Einzelregeln lose aneinander; einige Verse sind syntaktisch unklar.
bhīṣma uvāca; kṛtārtho yakṣyamāṇaś ca sarvavedāntagaś ca yaḥ; ācāryapitṛbhāryārthaṃ svādhyāyārtham athāpi vā
Bhīṣma sprach: „Wer sein Ziel erreicht hat, wer opfern will und wer alle Vedānta durchdrungen hat, [wer bittet] um des Lehrers, der Eltern und der Gattin willen oder auch um des Vedastudiums willen –
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf. 3.Sg.)
kṛtārtho yakṣyamāṇaś ca
wer sein Ziel erreicht hat (Nom.), und wer opfern will (Part.Fut.Med.)
sarvavedāntagaś ca yaḥ
und wer alle Vedānta durchdrungen hat (Nom.), der (Rel.)
ācāryapitṛbhāryārtham
um des Lehrers, der Eltern und der Gattin willen (Kompos., Akk. adv.)
svādhyāyārtham athāpi vā
um des Vedastudiums willen, oder auch (Kompos., Akk. adv.)
diese Brahmanen gelten wahrlich als gut, [sie sind] Bettler um des Dharma willen. Ihnen, den Besitzlosen [?], ist die Gabe zu geben, je nach dem Vorzug an Gelehrsamkeit.
Wort für Wort
ete vai sādhavo dṛṣṭā
diese ja als gut angesehen (Nom.Pl.m.; Part.Pass.)
brāhmaṇā dharmabhikṣavaḥ
Brahmanen, Dharma-Bettler (Nom.Pl.)
asvebhyo deyam etebhyaḥ
den Besitzlosen [?], zu geben diesen (Dat.Pl.; Gerundiv)
dānaṃ vidyāviśeṣataḥ
die Gabe, nach dem Vorzug an Wissen (Nom./Akk.; Abl.-Adv.)
asvebhyaḥ ist unsicher (Dat. „den Besitzlosen“ in Apposition zu etebhyaḥ, oder Abl. „aus Nicht-Eigenem“).
anyatra dakṣiṇā yā tu deyā bharatasattama; anyebhyo hi bahirvedyāṃ nākṛtānnaṃ vidhīyate
Ausgenommen die Opfergabe (dakṣiṇā), die anderswo zu geben ist, o Bester der Bharata: Anderen wird außerhalb des Altars keine [Gabe von] unzubereiteter Speise [?] verordnet.
Wort für Wort
anyatra dakṣiṇā yā tu deyā
außerhalb; die Opfergabe, die zu geben ist (Adv.; Nom.Sg.f.; Gerundiv)
bharatasattama
o Bester der Bharata (Vok.)
anyebhyo hi bahirvedyām
denn Anderen, außerhalb der Altarstätte (Dat.Pl.; Adv./Lok.)
nākṛtānnaṃ vidhīyate
nicht [Gabe von] unzubereiteter Speise [?] wird verordnet (Pass.3.Sg.)
Der zweite Halbvers ist unsicher (akṛtānna: „nicht Zubereitetes/Ungekochtes“ oder „wer keine Speise gemacht hat“).
yajñaś cet pratividdhaḥ syād aṅgenaikena yajvanaḥ; brāhmaṇasya viśeṣeṇa dhārmike sati rājani
Wenn das Opfer eines Opferers durch ein einziges Glied beeinträchtigt sein sollte, zumal das eines Brahmanen, während ein gerechter König da ist [?],
Wort für Wort
yajñaś cet pratividdhaḥ syāt
wenn das Opfer behindert wäre (Nom.; Part.Pass.; Opt.3.Sg.)
aṅgenaikena yajvanaḥ
durch ein einziges Glied, des Opferers (Instr.; Gen.)
brāhmaṇasya viśeṣeṇa
des Brahmanen, besonders (Gen.; Instr.-Adv.)
dhārmike sati rājani
wenn ein gerechter König da ist (Lok.abs.)
Der Satz ist eine abhängige Bedingung; der Hauptsatz folgt in der nächsten Einheit. pratividdha (eigtl. „durchbohrt“) hier als „beeinträchtigt/behindert“ gedeutet.
yo 'nāhitāgniḥ śatagur ayajvā ca sahasraguḥ; tayor api kuṭumbābhyām āhared avicārayan
Wer, ohne das Feuer eingerichtet zu haben, hundert Rinder besitzt, und wer, ohne zu opfern, tausend Rinder besitzt: aus den Haushalten dieser beiden soll er ohne Zögern nehmen.
Wort für Wort
yo 'nāhitāgniḥ śatagur
wer kein eingerichtetes Feuer hat, hundert Rinder besitzt (Nom.)
ayajvā ca sahasraguḥ
und ein Nicht-Opferer, tausend Rinder besitzt (Nom.)
tayor api kuṭumbābhyām
auch von diesen beiden, aus den Haushalten (Gen./Lok.Du.; Abl.Du.)
āhared avicārayan
soll nehmen, ohne zu prüfen (Opt.3.Sg.; Part.Präs.)
adātṛbhyo haren nityaṃ vyākhyāpya nṛpatiḥ prabho; tathā hy ācarato dharmo nṛpateḥ syād athākhilaḥ
Von den Nicht-Gebern soll ein König stets nehmen, nachdem er es bekanntgemacht hat, o Herr; denn wenn er so handelt, wird das Dharma des Königs vollständig.
Wort für Wort
adātṛbhyo haren nityam
von Nicht-Gebern soll er nehmen, stets (Abl.Pl.; Opt.3.Sg.; Adv.)
vyākhyāpya nṛpatiḥ prabho
nachdem er es bekanntgemacht hat, der König, o Herr (Abs.; Nom.; Vok.)
tathā hy ācarato
denn so, wenn er handelt (Adv.; Part.Präs.Gen.)
dharmo nṛpateḥ syād athākhilaḥ
das Dharma des Königs wäre dann vollständig (Nom.; Gen.; Opt.3.Sg.)
Ebenso ist bei der siebten Mahlzeit von einem, der sechs Mahlzeiten nicht gegessen hat, nach der Regel des Nicht-für-morgen[-Aufbewahrens] von dem, der die Riten vernachlässigt, zu nehmen – von der Tenne, vom Feld, vom Haus oder woher es sich sonst ergibt.
Wort für Wort
tathaiva saptame bhakte
ebenso bei der siebten Mahlzeit (Adv.; Lok.)
bhaktāni ṣaḍ anaśnatā
sechs Mahlzeiten nicht essend (Akk.Pl.; Instr.Part.)
aśvastanavidhānena
nach der Regel des Nicht-für-morgen (Instr.)
hartavyaṃ hīnakarmaṇaḥ
zu nehmen ist von dem, der die Riten vernachlässigt (Gerundiv; Abl.)
kṣatriyasya hi bāliśyād brāhmaṇaḥ kliśyate kṣudhā; śrutaśīle samājñāya vṛttim asya prakalpayet; athainaṃ parirakṣeta pitā putram ivaurasam
Denn durch die Torheit eines Kṣatriya leidet ein Brahmane Hunger. Nachdem er dessen Gelehrsamkeit und Charakter erkannt hat, soll er ihm Unterhalt bereiten; dann soll er ihn beschützen, wie ein Vater den leiblichen Sohn.
Wort für Wort
kṣatriyasya hi bāliśyāt
denn durch die Torheit eines Kṣatriya (Gen.; Abl.)
brāhmaṇaḥ kliśyate kṣudhā
der Brahmane leidet durch Hunger (Nom.; Pass.3.Sg.; Instr.)
śrutaśīle samājñāya
Gelehrsamkeit und Charakter erkannt habend (Akk.Du.; Abs.)
vṛttim asya prakalpayet
Unterhalt für ihn soll er bereiten (Akk.; Gen.; Opt.Kaus.)
viśvais tu devaiḥ sādhyaiś ca brāhmaṇaiś ca maharṣibhiḥ; āpatsu maraṇād bhītair liṅgapratinidhiḥ kṛtaḥ
Von den Viśvedevas, den Sādhyas, den Brahmanen und den großen Sehern wurde, aus Furcht vor dem Tod in Notlagen, ein Ersatz für das Kennzeichen [?] geschaffen.
Wort für Wort
viśvais tu devaiḥ sādhyaiś ca
von den Viśvedevas und den Sādhyas (Instr.Pl.)
brāhmaṇaiś ca maharṣibhiḥ
und von den Brahmanen und großen Sehern (Instr.Pl.)
āpatsu maraṇād bhītaiḥ
in Notlagen, vor dem Tod erschrocken (Lok.Pl.; Abl.; Part.Instr.)
liṅgapratinidhiḥ kṛtaḥ
ein Ersatz für das Kennzeichen [?] wurde gemacht (Nom.; Part.Pass.)
liṅgapratinidhi: „Stellvertreter des Kennzeichens/der Norm“, Sinn unsicher.
tasmād rājñā sadā tejo duḥsahaṃ brahmavādinām; mantā śāstā vidhātā ca brāhmaṇo deva ucyate; tasmin nākuśalaṃ brūyān na śuktām īrayed giram
Darum ist für den König die Glut der Brahma-Kundigen stets schwer zu ertragen. Der Brahmane, der Denker, Lehrer und Ordner, wird ‚Gott‘ genannt; über ihn soll man nichts Unheilvolles sagen und kein scharfes Wort ausstoßen.
Wort für Wort
tasmād rājñā sadā tejo
darum vom König stets die Glut (Adv.; Instr./Dat.; Adv.; Nom.)
duḥsahaṃ brahmavādinām
schwer zu ertragen, der Brahma-Redner (Nom.n.; Gen.Pl.)
mantā śāstā vidhātā ca
Denker, Lehrer und Ordner (Nom.Sg.)
brāhmaṇo deva ucyate
der Brahmane wird Gott genannt (Nom.; Nom.; Pass.3.Sg.)
tasmin nākuśalaṃ brūyāt
über ihn soll man nichts Unheilvolles sagen (Lok.; Akk.; Opt.3.Sg.)
na śuktām īrayed giram
kein scharfes Wort soll man ausstoßen (Akk.; Opt.Kaus.)
na vai kanyā na yuvatir nāmantro na ca bāliśaḥ; pariveṣṭāgnihotrasya bhaven nāsaṃskṛtas tathā; narake nipatanty ete juhvānāḥ sa ca yasya tat
Weder ein Mädchen noch eine junge Frau, noch einer ohne Mantra, noch ein Tor, noch ein Ungeweihter soll Aufwärter beim Agnihotra sein. Diese fallen in die Hölle, wenn sie opfern, und der, dem es gehört.
Wort für Wort
na vai kanyā na yuvatir
weder ein Mädchen noch eine junge Frau (Nom.Sg.f.)
nāmantro na ca bāliśaḥ
noch einer ohne Mantra, noch ein Tor (Nom.)
pariveṣṭāgnihotrasya bhavet
Aufwärter beim Agnihotra soll sein (Nom.; Gen.; Opt.3.Sg.)
nāsaṃskṛtas tathā
noch ein Ungeweihter ebenso (Nom.; Part.Pass.)
narake nipatanty ete
in die Hölle fallen diese (Lok.; 3.Pl.; Nom.Pl.)
juhvānāḥ sa ca yasya tat
die Opfernden, und der, wessen es ist (Part.Med.Nom.Pl.; Nom.; Rel.Gen.)
prājāpatyam adattvāśvam agnyādheyasya dakṣiṇām; anāhitāgnir iti sa procyate dharmadarśibhiḥ
Wer beim Einrichten der Feuer das Prājāpatya-Roß als Opfergabe nicht gegeben hat, der wird von den Dharma-Schauenden ‚einer, der das Feuer nicht eingerichtet hat‘ genannt.
Wort für Wort
prājāpatyam adattvāśvam
das Prājāpatya-Roß nicht gegeben habend (Akk.; Abs.)
agnyādheyasya dakṣiṇām
als Opfergabe des Feuereinrichtens (Gen.; Akk.)
anāhitāgnir iti sa
„Feuerloser“, so er (Nom.; Zitat; Nom.)
procyate dharmadarśibhiḥ
wird genannt von den Dharma-Sehern (Pass.3.Sg.; Instr.Pl.)
Andere Verdienstwerke soll er tun, gläubig und mit bezwungenen Sinnen; mit Opfern, bei denen die Opfergabe nicht [gehörig] erreicht ist, soll er auf keine Weise opfern.
Wort für Wort
puṇyāny anyāni kurvīta
andere verdienstvolle Werke soll er tun (Akk.Pl.; Opt.Med.)
śraddadhāno jitendriyaḥ
gläubig, mit besiegten Sinnen (Part.Nom.; Bahuvrīhi)
anāptadakṣiṇair yajñaiḥ
mit Opfern ohne erlangte Opfergabe (Instr.Pl.)
na yajeta kathaṃ cana
soll nicht opfern, auf keine Weise (Opt.3.Sg.; Adv.)
udakyā hy āsate ye ca ye ca ke cid anagnayaḥ; kulaṃ cāśrotriyaṃ yeṣāṃ sarve te śūdradharmiṇaḥ
Die, die bei einer Menstruierenden verweilen, und die, die ohne Feuer sind, und die, deren Geschlecht ohne Śrotriya ist: alle diese haben das Dharma von Śūdras.
Wort für Wort
udakyā hy āsate ye ca
die bei einer Menstruierenden verweilen (Instr.; 3.Pl.Med.; Nom.Pl.)
ye ca ke cid anagnayaḥ
und alle, die feuerlos sind (Nom.Pl.)
kulaṃ cāśrotriyaṃ yeṣām
und deren Geschlecht ohne Śrotriya ist (Nom.; Rel.Gen.Pl.)
Ein Brahmane, der in einem Dorf mit Brunnenwasser als Gatte einer Vṛṣalī zwölf Jahre gewohnt hat, geht hier als einer dahin, der das Werk eines Śūdra tut.
Wort für Wort
udapānodake grāme
in einem Dorf mit Brunnenwasser (Lok.)
brāhmaṇo vṛṣalīpatiḥ
ein Brahmane, Gatte einer Vṛṣalī (Nom.)
uṣitvā dvādaśa samāḥ
zwölf Jahre gewohnt habend (Abs.; Akk.Pl.)
śūdrakarmeha gacchati
als Śūdra-Werk-Tuender hier geht er (Nom.; Adv.; 3.Sg.)
anāryāṃ śayane bibhrad ujjhan bibhrac ca yo dvijām; abrāhmaṇo manyamānas tṛṇeṣv āsīta pṛṣṭhataḥ; tathā sa śudhyate rājañ śṛṇu cātra vaco mama
Wer eine Nicht-Ārya im Bett hält und dabei die Zweimalgeborene [Gattin] verstößt und [doch auch] unterhält [?]: sich für einen Nicht-Brahmanen haltend, soll er hinterher auf Gras sitzen; so wird er rein, o König; und höre hierzu mein Wort.
Wort für Wort
anāryāṃ śayane bibhrat
eine Nicht-Ārya im Bett haltend (Akk.; Lok.; Part.Präs.)
ujjhan bibhrac ca yo dvijām
verstoßend und unterhaltend eine Zweimalgeborene [?] (Part.; Akk.)
abrāhmaṇo manyamānaḥ
sich für einen Nicht-Brahmanen haltend (Nom.; Part.Med.)
tṛṇeṣv āsīta pṛṣṭhataḥ
auf Gras soll er sitzen, hinterher [?] (Lok.Pl.; Opt.Med.; Abl.-Adv.)
Das Vergehen, das ein Brahmane in einer einzigen Nacht begeht, wenn er einer dunklen Varṇa dient, soll er, Gelübde haltend und durch Stehen und Sitzen umherziehend, in drei Jahren als seine Sünde tilgen.
Wort für Wort
yad ekarātreṇa karoti pāpam
was er in einer Nacht an Sünde tut (Instr.; 3.Sg.)
kṛṣṇaṃ varṇaṃ brāhmaṇaḥ sevamānaḥ
einer dunklen Varṇa dienend, ein Brahmane (Akk.; Nom.; Part.Med.)
sthānāsanābhyāṃ vicaran
durch Stehen und Sitzen umherziehend (Instr.Du.; Part.)
vratī saṃs
Gelübde haltend, seiend (Nom.; Part.)
tribhir varṣaiḥ śamayed
in drei Jahren soll er tilgen (Instr.Pl.; Opt.Kaus.)
na narmayuktaṃ vacanaṃ hinasti; na strīṣu rājan na vivāhakāle; na gurvarthe nātmano jīvitārthe; pañcānṛtāny āhur apātakāni
Eine mit Scherz verbundene Rede schadet nicht; [ebenso] nicht bei Frauen, o König, nicht zur Hochzeit, nicht um eines Gurus willen, nicht um des eigenen Lebens willen: fünf Unwahrheiten nennt man nicht sündhaft.
Wort für Wort
na narmayuktaṃ vacanaṃ hinasti
scherzhafte Rede schadet nicht (Nom.; 3.Sg.)
na strīṣu rājan
nicht bei Frauen, o König (Lok.Pl.; Vok.)
na vivāhakāle
nicht zur Hochzeitszeit (Lok.)
na gurvarthe
nicht um eines Gurus willen (Lok.)
nātmano jīvitārthe
nicht um des eigenen Lebens willen (Gen.; Lok.)
pañcānṛtāny āhur apātakāni
fünf Unwahrheiten nennt man nicht zum Fall führend (Nom.Pl.; 3.Pl.Perf.)
strīratnaṃ duṣkulāc cāpi viṣād apy amṛtaṃ pibet; aduṣṭā hi striyo ratnam āpa ity eva dharmataḥ
Ein Frauenkleinod auch aus schlechter Familie; man mag Nektar auch aus Gift trinken. Denn eine unverdorbene Frau hat er als Kleinod erlangt, so [gilt es] nach dem Dharma [?].
Wort für Wort
strīratnaṃ duṣkulāc cāpi
ein Frauenkleinod auch aus schlechter Familie (Nom./Akk.; Abl.)
viṣād apy amṛtaṃ pibet
auch aus Gift Nektar möge er trinken (Abl.; Akk.; Opt.3.Sg.)
aduṣṭā hi striyo ratnam
denn unverdorbene Frauen als Kleinod (Nom.Pl.f.; Nom./Akk.)
āpa ity eva dharmataḥ
erlangte [?], so nach dem Dharma (Perf.3.Sg.; Zitat; Abl.-Adv.)
Alkoholtrinken, Brahmanenmord und Ehebruch mit dem Lager des Gurus, oder auch [dieses]: man hält sie für nicht [durch Sühne] festzulegende, mit dem Tod endende [Vergehen] – so die Überlieferung.
Wort für Wort
surāpānaṃ brahmahatyā
Alkoholtrinken, Brahmanenmord (Nom.)
gurutalpam athāpi vā
Beschlafen des Gurulagers, oder auch (Akk./Nom.)
anirdeśyāni manyante
als nicht festzulegend hält man (Nom./Akk.Pl.n.; 3.Pl.Pass.)
prāṇāntānīti dhāraṇā
mit dem Tod endend, so die Überlieferung (Nom.; Zitat; Nom.)
anirdeśya: „nicht bestimmbar“ (ohne festgesetzte Sühne) ist Deutung; vgl. nirdeśya in 159.036.
suvarṇaharaṇaṃ stainyaṃ viprāsaṅgaś ca pātakam; viharan madyapānaṃ cāpy agamyāgamanaṃ tathā
Golddiebstahl, Stehlen und Anhaften an [der Frau] eines Brahmanen [?] sind ein Fall, ebenso als Lebensweise Alkoholtrinken und Verkehr mit Unerlaubtem.
Wort für Wort
suvarṇaharaṇaṃ stainyam
Golddiebstahl, Stehlen (Nom.)
viprāsaṅgaś ca pātakam
und Anhaften an einem Brahmanen [?], ein Fall (Nom.; Nom.)
viharan madyapānaṃ cāpi
nach Belieben [?] Alkoholtrinken auch (Part.; Akk.)
saṃvatsareṇa patati patitena sahācaran; yājanādhyāpanād yaunān na tu yānāsanāśanāt
Innerhalb eines Jahres fällt, wer mit einem Gefallenen zusammen handelt, durch Opferleiten, Unterrichten und geschlechtliche Verbindung, nicht aber durch [gemeinsames] Fahren, Sitzen und Essen.
Wort für Wort
saṃvatsareṇa patati
im Laufe eines Jahres fällt er (Instr.; 3.Sg.)
patitena sahācaran
mit einem Gefallenen zusammen handelnd (Instr.; Part.)
yājanādhyāpanād yaunāt
durch Opferleitung, Unterrichten, Geschlechtsverbindung (Abl.)
etāni ca tato 'nyāni nirdeśyānīti dhāraṇā; nirdeśyakena vidhinā kālenāvyasanī bhavet
Und diese und die anderen daraus gelten als [mit bestimmter Sühne] festzulegende – so die Überlieferung; durch das für festzulegende [Fälle] geltende Verfahren soll er mit der Zeit frei von Unheil werden.
Wort für Wort
etāni ca tato 'nyāni
und diese und die anderen daraus (Nom.Pl.n.; Abl.-Adv.)
nirdeśyānīti dhāraṇā
als festzulegend, so die Überlieferung (Nom.; Zitat; Nom.)
nirdeśyakena vidhinā
durch das Verfahren für festzulegende [Fälle] (Instr.)
kālenāvyasanī bhavet
mit der Zeit soll er frei von Unheil werden (Instr.; Nom.; Opt.3.Sg.)
annaṃ tiryaṅ na hotavyaṃ pretakarmaṇy apātite; triṣu tv eteṣu pūrveṣu na kurvīta vicāraṇām
Speise ist nicht quer zu opfern bei einem Totenritual, wenn [der Betreffende] nicht ausgestoßen ist [?]. Bei diesen drei früheren aber soll man keine Erwägung anstellen.
Wort für Wort
annaṃ tiryaṅ na hotavyam
Speise ist nicht quer zu opfern (Nom.; Adv.; Gerundiv)
pretakarmaṇy apātite
beim Totenritual, wenn nicht ausgestoßen [?] (Lok.; Part.Lok.)
triṣu tv eteṣu pūrveṣu
bei diesen drei früheren aber (Lok.Pl.)
na kurvīta vicāraṇām
soll man keine Erwägung anstellen (Opt.Med.3.Sg.; Akk.)
Wer Unrechtes tut, vernichtet [seine] Schuld durch Dharma [und] Askese. Wer einen Dieb „Dieb“ nennt, erlangt [dadurch] ebenso viel Schuld; wer aber einen Nicht-Dieb „Dieb“ nennt, würde doppelte Sünde auf sich laden.
Wort für Wort
adharmakārī dharmeṇa
der Unrechtes Tuende (Nom.Sg.) durch Dharma (Instr.Sg.)
tapasā hanti kilbiṣam
durch Askese (Instr.Sg.) tilgt er (3.Sg.Präs.) die Schuld (Akk.Sg.)
bruvan stena iti stenam
[wer] nennend (Part.Präs.) „Dieb“ (Zitat) einen Dieb (Akk.Sg.)
tāvat prāpnoti kilbiṣam
ebenso viel erlangt er (3.Sg.Präs.) Schuld (Akk.Sg.)
astenaṃ stena ity uktvā
einen Nicht-Dieb (Akk.Sg.) „Dieb“ genannt habend (Abs.)
dviguṇaṃ pāpam āpnuyāt
doppelte Sünde (Akk.Sg.) würde er erlangen (3.Sg.Opt.)
Wer einen Dieb „Nicht-Dieb“ nennt, erlangt ebenso viel Schuld.
Wort für Wort
stenam astena ity uktvā
einen Dieb (Akk.Sg.) „Nicht-Dieb“ (Zitat) genannt habend (Abs.)
tāvad āpnoti kilbiṣam
ebenso viel erlangt er (3.Sg.Präs.) Schuld (Akk.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers; der Sinn der Symmetrie zu Vers 41 bleibt knapp und unspezifisch.
brāhmaṇāyāvagūryeha spṛṣṭvā gurutaraṃ bhavet; varṣāṇāṃ hi śataṃ pāpaḥ pratiṣṭhāṃ nādhigacchati
Wer hier gegen einen Brahmanen [die Waffe] erhebt, wird [dadurch] belastet; wer [ihn] berührt [= trifft], wird noch schwerer belastet. Der Sünder findet hundert Jahre lang keinen Halt.
Wort für Wort
brāhmaṇāya avagūrya iha
gegen einen Brahmanen (Dat.Sg.) erhoben habend (Abs.) hier
spṛṣṭvā gurutaraṃ bhavet
berührt/getroffen habend (Abs.) schwerer (Komp.) würde er sein (3.Sg.Opt.)
varṣāṇāṃ hi śatam
Jahre (Gen.Pl.) nämlich hundert (Akk.Sg.)
pāpaḥ pratiṣṭhāṃ
der Sünder (Nom.Sg.) Halt (Akk.Sg.)
na adhigacchati
nicht findet er (3.Sg.Präs.)
avagūrya wird hier als „(die Waffe) erheben“ gedeutet; spṛṣṭvā als Berühren im Sinne von Treffen.
sahasraṃ tv eva varṣāṇāṃ nipātya narake vaset; tasmān naivāvagūryād dhi naiva jātu nipātayet
Tausend Jahre aber weilt er in der Hölle, wenn er [ihn] niedergeworfen hat. Darum soll man [gegen ihn] niemals [die Waffe] erheben und ihn niemals niederwerfen.
Wort für Wort
sahasraṃ tu eva varṣāṇām
tausend (Akk.Sg.) aber eben Jahre (Gen.Pl.)
nipātya narake vaset
niedergeworfen habend (Abs.) in der Hölle (Lok.Sg.) weile er (3.Sg.Opt.)
tasmāt na eva avagūryāt hi
darum keinesfalls soll man erheben (3.Sg.Opt.)
na eva jātu nipātayet
und keinesfalls je soll man niederwerfen (3.Sg.Opt.Kaus.)
bhrūṇahāhavamadhye tu śudhyate śastrapātitaḥ; ātmānaṃ juhuyād vahnau samiddhe tena śudhyati
Der Brahmanentöter wird mitten im Kampf rein, wenn er von Waffen niedergestreckt wird; oder er soll sich selbst in das entzündete Feuer opfern; dadurch wird er rein.
Wort für Wort
bhrūṇahā āhavamadhye tu
der Brahmanentöter (Nom.Sg.) mitten im Kampf (Lok.Sg.) aber
śudhyate śastrapātitaḥ
wird rein (3.Sg.Präs.Pass./Med.) durch Waffen gefällt (Part.Pass.Nom.Sg.)
ātmānaṃ juhuyād vahnau
sich selbst (Akk.Sg.) soll er opfern (3.Sg.Opt.) ins Feuer (Lok.Sg.)
samiddhe tena śudhyati
in das entzündete (Lok.Sg.) dadurch wird er rein (3.Sg.Präs.)
bhrūṇahan meist „Tötung eines gelehrten Brahmanen/Embryos“; hier im Sinne des Brahmanenmörders gedeutet [?].
surāpo vāruṇīm uṣṇāṃ pītvā pāpād vimucyate; tayā sa kāye nirdagdhe mṛtyunā pretya śudhyati; lokāṃś ca labhate vipro nānyathā labhate hi saḥ
Ein Branntweintrinker wird von der Sünde befreit, wenn er heißen Branntwein (Vāruṇī) getrunken hat; ist sein Körper dadurch verbrannt, wird er im Tod, nach dem Hinscheiden, rein. Und der Brahmane erlangt [dann] die Welten; auf andere Weise erlangt er sie nicht.
Wort für Wort
surāpaḥ vāruṇīm uṣṇām
der Branntweintrinker (Nom.Sg.) Vāruṇī (Akk.Sg.) heiße (Akk.Sg.Fem.)
pītvā pāpāt vimucyate
getrunken habend (Abs.) von der Sünde (Abl.Sg.) wird befreit (3.Sg.Präs.Pass.)
tayā sa kāye nirdagdhe
dadurch (Instr.) er, wenn der Körper (Lok.Sg.) verbrannt ist (Lok.abs.)
mṛtyunā pretya śudhyati
durch den Tod (Instr.Sg.) nach dem Hinscheiden (Abs.) wird er rein (3.Sg.Präs.)
lokān ca labhate vipraḥ
und die Welten (Akk.Pl.) erlangt (3.Sg.Präs.Med.) der Brahmane (Nom.Sg.)
na anyathā labhate hi saḥ
nicht anders erlangt er (3.Sg.Präs.Med.) nämlich er
gurutalpam adhiṣṭhāya durātmā pāpacetanaḥ; sūrmīṃ jvalantīm āśliṣya mṛtyunā sa viśudhyati
Wer das Lager des Lehrers bestiegen hat, ein Bösgesinnter mit sündigem Denken, wird durch die Umarmung einer glühenden Sūrmī durch den Tod völlig rein.
Wort für Wort
gurutalpam adhiṣṭhāya
das Lager des Lehrers (Akk.Sg.) bestiegen habend (Abs.)
durātmā pāpacetanaḥ
der Bösgesinnte (Nom.Sg.) sündigen Sinnes (Nom.Sg.)
sūrmīṃ jvalantīm āśliṣya
eine Sūrmī (Akk.Sg.) glühende (Akk.Sg.Fem.) umarmt habend (Abs.)
mṛtyunā sa viśudhyati
durch den Tod (Instr.Sg.) er wird völlig rein (3.Sg.Präs.)
sūrmī: glühende eiserne Frauengestalt (Bedeutung aus dem Zusammenhang erschlossen) [?].
brāhmaṇārthe 'pi vā prāṇān saṃtyajet tena śudhyati; aśvamedhena vāpīṣṭvā gomedhenāpi vā punaḥ; agniṣṭomena vā samyag iha pretya ca pūyate
Oder er gebe für einen Brahmanen sein Leben hin; dadurch wird er rein. Oder er wird, wenn er mit einem Rosseopfer oder auch mit einem Rinderopfer geopfert hat, oder mit einem Agniṣṭoma recht [geopfert hat], hier und nach dem Hinscheiden geläutert.
Wort für Wort
brāhmaṇārthe api vā
um eines Brahmanen willen (Lok.Sg.) auch oder
prāṇān saṃtyajet tena śudhyati
die Lebenshauche (Akk.Pl.) soll er aufgeben (3.Sg.Opt.) dadurch wird er rein (3.Sg.Präs.)
aśvamedhena vā apīṣṭvā
durch ein Rosseopfer (Instr.Sg.) oder geopfert habend (Abs.)
gomedhena api vā punaḥ
durch ein Rinderopfer (Instr.Sg.) auch oder wiederum
agniṣṭomena vā samyak
durch ein Agniṣṭoma (Instr.Sg.) oder recht
iha pretya ca pūyate
hier und nach dem Hinscheiden (Abs.) wird er geläutert (3.Sg.Präs.Pass.)
Ebenso soll der Brahmanentöter zwölf Jahre lang einen Schädel [als Bettelschale] tragen; als Brahmacārin, ein Schweiger (Muni), soll er Bettelspeise erbitten und seine eigene Tat verkünden.
Wort für Wort
tathā eva dvādaśa samāḥ
ebenso zwölf Jahre (Akk.Pl.)
kapālī brahmahā bhavet
Schädelträger (Nom.Sg.) der Brahmanentöter (Nom.Sg.) soll sein (3.Sg.Opt.)
brahmacārī caret bhaikṣam
als Brahmacārin (Nom.Sg.) soll er wandern/erbetteln (3.Sg.Opt.) Bettelspeise (Akk.Sg.)
svakarma udāharan muniḥ
die eigene Tat (Akk.Sg.) verkündend (Part.Präs.) der Muni (Nom.Sg.)
evaṃ vā tapasā yukto brahmahā savanī bhavet; evaṃ vā garbham ajñātā cātreyīṃ yo 'bhigacchati; dviguṇā brahmahatyā vai ātreyīvyasane bhavet
Oder so, mit Askese verbunden, soll der Brahmanentöter ein „Savanī“ [?] werden. Oder wer eine Ātreyī aufsucht, deren Leibesfrucht [ihm] unbekannt ist [?]: Doppelt ist der Brahmanenmord bei der Verfehlung mit einer Ātreyī.
Wort für Wort
evaṃ vā tapasā yuktaḥ
so oder mit Askese (Instr.Sg.) verbunden (Nom.Sg.)
brahmahā savanī bhavet
der Brahmanentöter (Nom.Sg.) Savanī [?] soll werden (3.Sg.Opt.)
evaṃ vā garbham ajñātā ca
so oder die Leibesfrucht (Akk.Sg.) unbekannte (Fem.) und
bei der Verfehlung mit einer Ātreyī (Lok.Sg.) soll sein (3.Sg.Opt.)
savanī unklar (etwa „Soma-Presser/Opferer“?); ajñātā und ātreyī (Frau aus dem Atri-Geschlecht oder menstruierende/schwangere Frau) sind unsicher; der Text ist möglicherweise verderbt.
Ein Branntweintrinker, maßvoll essend, Brahmacārin, Nachsicht übend, soll nach Ablauf von drei Jahren ein Agniṣṭut-Opfer darbringen; wenn er tausend Kühe samt einem Stier gegeben hat, erlangt er Heilvolles.
Wort für Wort
surāpaḥ niyatāhāraḥ
der Branntweintrinker (Nom.Sg.) maßvoll essend (Nom.Sg.)
brahmacārī kṣamācaraḥ
als Brahmacārin (Nom.Sg.) Nachsicht übend (Nom.Sg.)
ūrdhvaṃ tribhyaḥ atha varṣebhyaḥ
nach (Ablauf von) drei (Abl.) dann Jahren (Abl.Pl.)
yajeta agniṣṭutā param
soll opfern (3.Sg.Opt.Med.) mit einem Agniṣṭut (Instr.Sg.) anschließend
ṛṣabhaikasahasraṃ gāḥ dattvā
tausend Kühe samt einem Stier (Akk.Pl.) gegeben habend (Abs.)
śubham avāpnuyāt
Heilvolles (Akk.Sg.) würde er erlangen (3.Sg.Opt.)
Bei einem Kṣatriya, der von Weihe und Salbung frei ist [?], soll er sechs [Jahre] üben.
Wort für Wort
dīkṣābhiṣekanirmukte
bei einem von Weihe und Salbung Freien (Lok.Sg.)
kṣatriye ṣaṭ
bei einem Kṣatriya (Lok.Sg.) sechs
samācaret
soll üben (3.Sg.Opt.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers; „Jahre“ ergänzt; Sinn (nicht geweihter Kṣatriya) unsicher.
vaiśyaṃ hatvā tu varṣe dve ṛṣabhaikaśatāś ca gāḥ; śūdraṃ hatvābdam evaikam ṛṣabhaikādaśāś ca gāḥ
Hat er einen Vaiśya getötet, [soll er] zwei Jahre [büßen] und [dazu] Kühe, hundert mit einem Stier; hat er einen Śūdra getötet, nur ein Jahr und Kühe, elf mit einem Stier.
Wort für Wort
vaiśyaṃ hatvā tu
einen Vaiśya (Akk.Sg.) getötet habend (Abs.) aber
varṣe dve
zwei Jahre (Akk.Du.)
ṛṣabhaikaśatāḥ ca gāḥ
hundert [Kühe] samt einem Stier (Akk.Pl.) und Kühe
śūdraṃ hatvā abdam eva ekam
einen Śūdra (Akk.Sg.) getötet habend ein Jahr (Akk.Sg.) nur eines
śvabarbarakharān hatvā śaudram eva vrataṃ caret; mārjāracāṣamaṇḍūkān kākaṃ bhāsaṃ ca mūṣakam
Hat er einen Hund, einen Barbara [?] oder einen Esel getötet, soll er dieselbe Buße wie für einen Śūdra üben; ebenso [bei] Katze, Blauracke, Frosch, Krähe, Bhāsa und Maus.
Wort für Wort
śvabarbarakharān hatvā
Hund, Barbara [?], Esel (Akk.Pl.) getötet habend (Abs.)
śaudram eva vratam caret
die Śūdra-betreffende (Akk.Sg.) eben Buße (Akk.Sg.) soll er üben (3.Sg.Opt.)
mārjāracāṣamaṇḍūkān
Katze, Blauracke, Frosch (Akk.Pl.)
kākaṃ bhāsaṃ ca mūṣakam
Krähe, Bhāsa (Geier?) und Maus (Akk.Sg.)
barbara unsicher (Barbar/„Bär“?); bhāsa vermutlich ein Geier- oder Raubvogel.
Damit, König, ist das Recht bei der Tötung von Lebewesen [als] dem des Viehs gleich gesagt. Nun werde ich [dir] andere Sühnen der Reihe nach verkünden.
Wort für Wort
uktaḥ paśusamaḥ dharmaḥ
gesagt (Part.Pass.) dem Vieh gleich (Nom.Sg.) das Recht (Nom.Sg.)
rājan prāṇinipātanāt
König (Vok.Sg.) bei der Tötung von Lebewesen (Abl.Sg.)
talpe cānyasya caurye ca pṛthak saṃvatsaraṃ caret; trīṇi śrotriyabhāryāyāṃ paradāre tu dve smṛte
Beim Lager eines anderen und beim Diebstahl soll er jeweils ein Jahr [büßend] wandeln; drei [Jahre gelten] bei der Frau eines Śrotriya, bei der Frau eines anderen gelten zwei.
Wort für Wort
talpe ca anyasya caurye ca
beim Lager (Lok.Sg.) eines anderen (Gen.Sg.) und beim Diebstahl (Lok.Sg.) und
pṛthak saṃvatsaraṃ caret
je ein Jahr (Akk.Sg.) soll er wandeln (3.Sg.Opt.)
trīṇi śrotriyabhāryāyām
drei [Jahre] bei der Frau eines Śrotriya (Lok.Sg.)
paradāre tu dve smṛte
bei der Frau eines anderen (Lok.Sg.) aber zwei (Nom.Du.) gelten als überliefert (Part.Pass.)
Zur vierten Mahlzeit essend soll er ein Brahmacārin und Gelübdeträger sein; im Stehen und Sitzen soll er verweilen, dreimal am Tag [ins] Wasser [gehen ...] [?].
Wort für Wort
kāle caturthe bhuñjānaḥ
zur vierten Zeit (Lok.Sg.) essend (Part.Präs.Med.)
brahmacārī vratī bhavet
als Brahmacārin (Nom.Sg.) Gelübdeträger (Nom.Sg.) soll er sein (3.Sg.Opt.)
sthānāsanābhyām viharet
mit Stehen und Sitzen (Instr.Du.) soll er sich aufhalten (3.Sg.Opt.)
triḥ ahnaḥ abhyuditāt apaḥ
dreimal am Tag (Gen.Sg.) [nach?] Aufgang (Abl.) Wasser (Akk.Pl.)
Der letzte Pāda (abhyuditād apaḥ) ist syntaktisch unklar; die Wiedergabe ist unsicher.
Bei einer ehebrecherischen Gattin, zumal wenn sie eingesperrt ist: Was für Männer bei fremden Frauen [gilt], dieses Gelübde soll man auch sie ausführen lassen.
Wort für Wort
bhāryāyām vyabhicāriṇyām
bei der Gattin (Lok.Sg.) ehebrecherischen (Lok.Sg.Fem.)
niruddhāyām viśeṣataḥ
bei eingesperrten (Lok.Sg.Fem.) besonders
yat puṃsām paradāreṣu
was für Männer (Gen.Pl.) bei fremden Frauen (Lok.Pl.)
tat ca enām cārayet vratam
dieses und sie (Akk.Sg.Fem.) soll ausführen lassen (3.Sg.Opt.Kaus.) Gelübde (Akk.Sg.)
Dies ist die Strafe, Großkönig, für Frauen bei Verletzung des Gatten; bei einem, der seit einem Jahr beschuldigt und verdorben ist, soll sie doppelt sein.
Wort für Wort
eṣaḥ daṇḍaḥ mahārāja
dies (Nom.Sg.) die Strafe (Nom.Sg.) Großkönig (Vok.Sg.)
strīṇām bhartṛvyatikrame
für Frauen (Gen.Pl.) bei Verletzung des Gatten (Lok.Sg.)
saṃvatsarābhiśastasya
bei einem ein Jahr lang Beschuldigten (Gen.Sg.)
duṣṭasya dviguṇaḥ bhavet
bei einem Verdorbenen (Gen.Sg.) doppelt (Nom.Sg.) soll sein (3.Sg.Opt.)
Der Bezug von saṃvatsarābhiśastasya duṣṭasya (Frau oder Mann) ist unsicher.
Zwei [Jahre] für ihn, drei Jahre [für einen anderen Fall], vier für den, der mit ihr verkehrt; als Kucara [?] soll er fünf Jahre Bettelspeise erbitten, das Gelübde eines Muni [haltend].
Wort für Wort
dve tasya trīṇi varṣāṇi
zwei (Nom.Du.) für ihn (Gen.Sg.) drei Jahre (Nom.Pl.)
catvāri sahasevinaḥ
vier (Nom.Pl.) für den Mitverkehrenden (Gen.Sg.)
kucaraḥ pañca varṣāṇi
Kucara [?] (Nom.Sg.) fünf Jahre (Akk.Pl.)
caret bhaikṣam munivrataḥ
soll wandern/erbitten (3.Sg.Opt.) Bettelspeise (Akk.Sg.) das Muni-Gelübde haltend (Nom.Sg.)
Der Vers ist elliptisch; die Zuordnung der Jahre und die Bedeutung von kucara sind unsicher.
parivittiḥ parivettā yayā ca parividyate; pāṇigrāhaś ca dharmeṇa sarve te patitāḥ smṛtāḥ
Der Parivitti, der Parivettṛ, die [Frau], mit der die Parivedana [geschieht], und der, der [sie] dem Recht gemäß ehelicht: alle diese gelten als gefallen.
Wort für Wort
parivittiḥ parivettā
Parivitti (Nom.Sg.) Parivettṛ (Nom.Sg.)
yayā ca parividyate
und die [Frau], mit der (Instr.Sg.Fem.) Parivedana geschieht (3.Sg.Präs.Pass.)
pāṇigrāhaḥ ca dharmeṇa
der Gattenbräutigam (Nom.Sg.) und dem Recht gemäß (Instr.Sg.)
sarve te patitāḥ smṛtāḥ
alle (Nom.Pl.) diese (Nom.Pl.) gefallen (Nom.Pl.) gelten (Part.Pass.)
parivitti: älterer Bruder, der unverheiratet bleibt; parivettṛ: jüngerer Bruder, der vor ihm heiratet.
parivettā prayaccheta parivittāya tāṃ snuṣām; jyeṣṭhena tv abhyanujñāto yavīyān pratyanantaram; enaso mokṣam āpnoti sā ca tau caiva dharmataḥ
Der Parivettṛ soll jenem Parivitti jene [Frau] als Schwiegertochter geben, [und] der Jüngere [tut es] unmittelbar danach, vom Älteren dazu ermächtigt. Er erlangt Befreiung von der Verfehlung, und sie und die beiden [erlangen sie] dem Recht gemäß.
Wort für Wort
parivettā prayaccheta parivittāya
der Parivettṛ (Nom.Sg.) soll geben (3.Sg.Opt.Med.) dem Parivitti (Dat.Sg.)
tām snuṣām
jene (Akk.Sg.Fem.) Schwiegertochter (Akk.Sg.)
jyeṣṭhena tu abhyanujñātaḥ
vom Älteren (Instr.Sg.) aber ermächtigt (Part.Pass.Nom.Sg.)
yavīyān pratyanantaram
der Jüngere (Nom.Sg.) unmittelbar danach
enasaḥ mokṣam āpnoti
von der Verfehlung (Gen.Sg.) Befreiung (Akk.Sg.) erlangt er (3.Sg.Präs.)
sā ca tau ca eva dharmataḥ
sie und die beiden und eben dem Recht gemäß
Der Vers ist knapp und syntaktisch schwierig; die Wiedergabe folgt dem wahrscheinlichen Sinn [?].
amānuṣīṣu govarjam anāvṛṣṭir na duṣyati; adhiṣṭhātāram attāraṃ paśūnāṃ puruṣaṃ viduḥ
Bei nichtmenschlichen [Wesen], Kühe ausgenommen, wird der Nicht-Regen [?] nicht schuldig. Als Besteiger und Verzehrer der Tiere kennt man den Menschen.
Wort für Wort
amānuṣīṣu govarjam
bei Nichtmenschlichen (Lok.Pl.Fem.) Kühe ausgenommen
anāvṛṣṭiḥ na duṣyati
Nicht-Regen [?] (Nom.Sg.) nicht wird schuldig/befleckt (3.Sg.Präs.)
adhiṣṭhātāram attāram
als Besteiger/Herrn (Akk.Sg.) Verzehrer (Akk.Sg.)
paśūnām puruṣam viduḥ
der Tiere (Gen.Pl.) den Menschen (Akk.Sg.) kennen sie (3.Pl.Perf.)
anāvṛṣṭi im ersten Halbvers ist unklar; die Stelle ist möglicherweise verderbt.
Nachdem er [ein Gewand] mit aufwärts gerichtetem Haar [?] angelegt und eine irdene Schale genommen hat, soll er zu sieben Häusern Bettelspeise gehen und dabei seine eigene Tat verkünden.
Wort für Wort
paridhāya ūrdhvavālam tu
angelegt habend (Abs.) mit aufwärts gerichtetem Haar [?] (Akk.Sg.) aber
pātram ādāya mṛnmayam
eine Schale (Akk.Sg.) genommen habend (Abs.) irdene (Akk.Sg.)
caret sapta gṛhān bhaikṣam
soll gehen (3.Sg.Opt.) sieben Häuser (Akk.Pl.) [um] Bettelspeise (Akk.Sg.)
svakarma parikīrtayan
die eigene Tat (Akk.Sg.) verkündend (Part.Präs.Kaus.)
ūrdhvavāla wörtlich „mit aufwärts stehendem Haar“; worauf es sich bezieht (Gewand, Fell?) ist unsicher.
bhavet tu mānuṣeṣv evaṃ prāyaścittam anuttamam; dānaṃ vādānasakteṣu sarvam eva prakalpayet; anāstikeṣu gomātraṃ prāṇam ekaṃ pracakṣate
So kann es bei Menschen die unübertreffliche Sühne sein; oder [er soll] bei Menschen, die am Nichtgeben hängen, alles als Gabe anordnen; bei Nicht-Gläubigen bezeichnet man eine Kuh als Maß, ein einziges Leben [?].
Wort für Wort
bhavet tu mānuṣeṣu evam
soll sein (3.Sg.Opt.) aber bei Menschen (Lok.Pl.) so
prāyaścittam anuttamam
Sühne (Nom.Sg.) unübertreffliche (Nom.Sg.)
dānam vā adānasakteṣu
Gabe (Akk.Sg.) oder bei am Nichtgeben Hängenden (Lok.Pl.)
sarvam eva prakalpayet
alles (Akk.Sg.) eben soll er festsetzen (3.Sg.Opt.)
anāstikeṣu gomātram
bei Nicht-Ungläubigen/Nicht-Nihilisten [?] (Lok.Pl.) nur eine Kuh
prāṇam ekam pracakṣate
ein Leben (Akk.Sg.) einziges (Akk.Sg.) nennen sie (3.Pl.Präs.Med.)
Der zweite und dritte Pāda sind syntaktisch unsicher; anāstikeṣu kann auch „bei Nicht-Ungläubigen“ (also Gläubigen) bedeuten [?].
Wenn ein Somatrinker den Geruch eines branntweintrinkenden Brahmanen eingeatmet hat, soll er drei Tage heißes Wasser trinken, drei Tage heiße Milch trinken; nachdem er drei Tage heiße Butter getrunken hat, soll er drei Tage von Luft leben.
Wort für Wort
brāhmaṇasya surāpasya
eines Brahmanen (Gen.Sg.) eines Branntweintrinkers (Gen.Sg.)
gandham āghrāya somapaḥ
Geruch (Akk.Sg.) eingeatmet habend (Abs.) der Somatrinker (Nom.Sg.)
apaḥ tryaham pibet uṣṇāḥ
Wasser (Akk.Pl.) drei Tage soll trinken (3.Sg.Opt.) heißes (Akk.Pl.)
tryaham uṣṇam payaḥ pibet
drei Tage heiße (Akk.Sg.) Milch (Akk.Sg.) soll er trinken (3.Sg.Opt.)
tryaham uṣṇam ghṛtam pītvā
drei Tage heiße (Akk.Sg.) Butter (Akk.Sg.) getrunken habend (Abs.)
vāyubhakṣaḥ bhavet tryaham
Luftesser (Nom.Sg.) soll sein (3.Sg.Opt.) drei Tage