Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 159: dānayajñaprāyaścittavidhi Nehmen für das Opfer, Not-Regeln, Vergehen und ihre Sühnen

Bhīṣma behandelt, wann ein König für Opfer und bedürftige Brahmanen Besitz von Nicht-Gebern nehmen darf, dann Notregeln, schwere und leichtere Vergehen sowie die zugehörigen Sühnen. Das Kapitel reiht Einzelregeln lose aneinander; einige Verse sind syntaktisch unklar.

bhīṣma uvāca; kṛtārtho yakṣyamāṇaś ca sarvavedāntagaś ca yaḥ; ācāryapitṛbhāryārthaṃ svādhyāyārtham athāpi vā

Bhīṣma sprach: „Wer sein Ziel erreicht hat, wer opfern will und wer alle Vedānta durchdrungen hat, [wer bittet] um des Lehrers, der Eltern und der Gattin willen oder auch um des Vedastudiums willen –

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf. 3.Sg.)
kṛtārtho yakṣyamāṇaś ca
wer sein Ziel erreicht hat (Nom.), und wer opfern will (Part.Fut.Med.)
sarvavedāntagaś ca yaḥ
und wer alle Vedānta durchdrungen hat (Nom.), der (Rel.)
ācāryapitṛbhāryārtham
um des Lehrers, der Eltern und der Gattin willen (Kompos., Akk. adv.)
svādhyāyārtham athāpi vā
um des Vedastudiums willen, oder auch (Kompos., Akk. adv.)

ete vai sādhavo dṛṣṭā brāhmaṇā dharmabhikṣavaḥ; asvebhyo deyam etebhyo dānaṃ vidyāviśeṣataḥ

diese Brahmanen gelten wahrlich als gut, [sie sind] Bettler um des Dharma willen. Ihnen, den Besitzlosen [?], ist die Gabe zu geben, je nach dem Vorzug an Gelehrsamkeit.

Wort für Wort
ete vai sādhavo dṛṣṭā
diese ja als gut angesehen (Nom.Pl.m.; Part.Pass.)
brāhmaṇā dharmabhikṣavaḥ
Brahmanen, Dharma-Bettler (Nom.Pl.)
asvebhyo deyam etebhyaḥ
den Besitzlosen [?], zu geben diesen (Dat.Pl.; Gerundiv)
dānaṃ vidyāviśeṣataḥ
die Gabe, nach dem Vorzug an Wissen (Nom./Akk.; Abl.-Adv.)

asvebhyaḥ ist unsicher (Dat. „den Besitzlosen“ in Apposition zu etebhyaḥ, oder Abl. „aus Nicht-Eigenem“).

anyatra dakṣiṇā yā tu deyā bharatasattama; anyebhyo hi bahirvedyāṃ nākṛtānnaṃ vidhīyate

Ausgenommen die Opfergabe (dakṣiṇā), die anderswo zu geben ist, o Bester der Bharata: Anderen wird außerhalb des Altars keine [Gabe von] unzubereiteter Speise [?] verordnet.

Wort für Wort
anyatra dakṣiṇā yā tu deyā
außerhalb; die Opfergabe, die zu geben ist (Adv.; Nom.Sg.f.; Gerundiv)
bharatasattama
o Bester der Bharata (Vok.)
anyebhyo hi bahirvedyām
denn Anderen, außerhalb der Altarstätte (Dat.Pl.; Adv./Lok.)
nākṛtānnaṃ vidhīyate
nicht [Gabe von] unzubereiteter Speise [?] wird verordnet (Pass.3.Sg.)

Der zweite Halbvers ist unsicher (akṛtānna: „nicht Zubereitetes/Ungekochtes“ oder „wer keine Speise gemacht hat“).

sarvaratnāni rājā ca yathārhaṃ pratipādayet; brāhmaṇāś caiva yajñāś ca sahānnāḥ sahadakṣiṇāḥ

Alle Kleinode soll der König nach Gebühr zuteilen, [und ebenso] die Brahmanen und die Opfer samt Speisen und samt Opfergaben.

Wort für Wort
sarvaratnāni rājā ca
alle Kleinode, der König (Akk.Pl.; Nom.Sg.)
yathārhaṃ pratipādayet
nach Gebühr soll er zuteilen (Adv.; Opt.Kaus.3.Sg.)
brāhmaṇāś caiva yajñāś ca
und die Brahmanen und die Opfer (Nom./Akk.Pl.)
sahānnāḥ sahadakṣiṇāḥ
mit Speisen, mit Opfergaben (Bahuvrīhi, Pl.)

anyonyaspardhino rājan yajante guṇataḥ sadā

Einander wetteifernd, o König, opfern sie stets je nach [ihren] Vorzügen.

Wort für Wort
anyonyaspardhino rājan
einander wetteifernd, o König (Nom.Pl.; Vok.)
yajante
sie opfern (3.Pl.Med.)
guṇataḥ sadā
nach Vorzügen, stets (Abl.-Adv.; Adv.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (star).

yasya traivārṣikaṃ bhaktaṃ paryāptaṃ bhṛtyavṛttaye; adhikaṃ vāpi vidyeta sa somaṃ pātum arhati

Wer für drei Jahre Speisevorrat hat, ausreichend für den Unterhalt der Diener, oder auch mehr, der darf Soma trinken.

Wort für Wort
yasya traivārṣikaṃ bhaktam
wessen Speisevorrat für drei Jahre (Gen.; Nom.Sg.n.)
paryāptaṃ bhṛtyavṛttaye
ausreichend für den Unterhalt der Diener (Part.; Dat.)
adhikaṃ vāpi vidyeta
oder auch mehr vorhanden wäre (Opt.Pass.3.Sg.)
sa somaṃ pātum arhati
der darf Soma trinken (Inf.; 3.Sg.)

yajñaś cet pratividdhaḥ syād aṅgenaikena yajvanaḥ; brāhmaṇasya viśeṣeṇa dhārmike sati rājani

Wenn das Opfer eines Opferers durch ein einziges Glied beeinträchtigt sein sollte, zumal das eines Brahmanen, während ein gerechter König da ist [?],

Wort für Wort
yajñaś cet pratividdhaḥ syāt
wenn das Opfer behindert wäre (Nom.; Part.Pass.; Opt.3.Sg.)
aṅgenaikena yajvanaḥ
durch ein einziges Glied, des Opferers (Instr.; Gen.)
brāhmaṇasya viśeṣeṇa
des Brahmanen, besonders (Gen.; Instr.-Adv.)
dhārmike sati rājani
wenn ein gerechter König da ist (Lok.abs.)

Der Satz ist eine abhängige Bedingung; der Hauptsatz folgt in der nächsten Einheit. pratividdha (eigtl. „durchbohrt“) hier als „beeinträchtigt/behindert“ gedeutet.

yo vaiśyaḥ syād bahupaśur hīnakratur asomapaḥ; kuṭumbāt tasya tad dravyaṃ yajñārthaṃ pārthivo haret

Ein Vaiśya, der viel Vieh hat, [aber] arm an Ritualen ist und keinen Soma trinkt: von dessen Haushalt soll der König dessen Gut für das Opfer nehmen.

Wort für Wort
yo vaiśyaḥ syād bahupaśuḥ
welcher Vaiśya viel Vieh hat (Nom.; Opt.3.Sg.)
hīnakratur asomapaḥ
arm an Opfern, kein Soma-Trinker (Nom.Sg.)
kuṭumbāt tasya
aus dem Haushalt von ihm (Abl.; Gen.)
tad dravyaṃ yajñārtham
dieses Gut für das Opfer (Akk.; Akk.-Adv.)
pārthivo haret
der König soll nehmen (Opt.3.Sg.)

āhared veśmataḥ kiṃ cit kāmaṃ śūdrasya dravyataḥ; na hi veśmani śūdrasya kaś cid asti parigrahaḥ

Vom Śūdra soll er aus dessen Haus nach Belieben etwas vom Besitz nehmen; denn im Haus eines Śūdra gibt es keinerlei [rechtmäßigen] Besitz.

Wort für Wort
āhared veśmataḥ kiṃ cit
er soll nehmen, aus dem Haus, etwas (Opt.3.Sg.; Abl.; Akk.)
kāmaṃ śūdrasya dravyataḥ
nach Belieben, vom Besitz des Śūdra (Adv.; Gen.; Abl.-Adv.)
na hi veśmani śūdrasya
denn nicht im Haus eines Śūdra (Lok.; Gen.)
kaś cid asti parigrahaḥ
irgendein Besitz ist (Nom.; 3.Sg.)

yo 'nāhitāgniḥ śatagur ayajvā ca sahasraguḥ; tayor api kuṭumbābhyām āhared avicārayan

Wer, ohne das Feuer eingerichtet zu haben, hundert Rinder besitzt, und wer, ohne zu opfern, tausend Rinder besitzt: aus den Haushalten dieser beiden soll er ohne Zögern nehmen.

Wort für Wort
yo 'nāhitāgniḥ śatagur
wer kein eingerichtetes Feuer hat, hundert Rinder besitzt (Nom.)
ayajvā ca sahasraguḥ
und ein Nicht-Opferer, tausend Rinder besitzt (Nom.)
tayor api kuṭumbābhyām
auch von diesen beiden, aus den Haushalten (Gen./Lok.Du.; Abl.Du.)
āhared avicārayan
soll nehmen, ohne zu prüfen (Opt.3.Sg.; Part.Präs.)

adātṛbhyo haren nityaṃ vyākhyāpya nṛpatiḥ prabho; tathā hy ācarato dharmo nṛpateḥ syād athākhilaḥ

Von den Nicht-Gebern soll ein König stets nehmen, nachdem er es bekanntgemacht hat, o Herr; denn wenn er so handelt, wird das Dharma des Königs vollständig.

Wort für Wort
adātṛbhyo haren nityam
von Nicht-Gebern soll er nehmen, stets (Abl.Pl.; Opt.3.Sg.; Adv.)
vyākhyāpya nṛpatiḥ prabho
nachdem er es bekanntgemacht hat, der König, o Herr (Abs.; Nom.; Vok.)
tathā hy ācarato
denn so, wenn er handelt (Adv.; Part.Präs.Gen.)
dharmo nṛpateḥ syād athākhilaḥ
das Dharma des Königs wäre dann vollständig (Nom.; Gen.; Opt.3.Sg.)

tathaiva saptame bhakte bhaktāni ṣaḍ anaśnatā; aśvastanavidhānena hartavyaṃ hīnakarmaṇaḥ; khalāt kṣetrāt tathāgārād yato vāpy upapadyate

Ebenso ist bei der siebten Mahlzeit von einem, der sechs Mahlzeiten nicht gegessen hat, nach der Regel des Nicht-für-morgen[-Aufbewahrens] von dem, der die Riten vernachlässigt, zu nehmen – von der Tenne, vom Feld, vom Haus oder woher es sich sonst ergibt.

Wort für Wort
tathaiva saptame bhakte
ebenso bei der siebten Mahlzeit (Adv.; Lok.)
bhaktāni ṣaḍ anaśnatā
sechs Mahlzeiten nicht essend (Akk.Pl.; Instr.Part.)
aśvastanavidhānena
nach der Regel des Nicht-für-morgen (Instr.)
hartavyaṃ hīnakarmaṇaḥ
zu nehmen ist von dem, der die Riten vernachlässigt (Gerundiv; Abl.)
khalāt kṣetrāt tathāgārāt
von der Tenne, vom Feld, ebenso vom Haus (Abl.)
yato vāpy upapadyate
oder woher es sich ergibt (Adv.; 3.Sg.Pass.)

ākhyātavyaṃ nṛpasyaitat pṛcchato 'pṛcchato 'pi vā; na tasmai dhārayed daṇḍaṃ rājā dharmeṇa dharmavit

Dies ist dem König mitzuteilen, ob er fragt oder nicht fragt; der Dharma-kundige König soll ihm nach dem Dharma keine Strafe auferlegen.

Wort für Wort
ākhyātavyaṃ nṛpasyaitat
mitzuteilen ist dem König dies (Gerundiv; Gen.)
pṛcchato 'pṛcchato 'pi vā
ob er fragt oder nicht fragt (Part.Präs.Gen.)
na tasmai dhārayed daṇḍam
nicht soll er ihm Strafe auferlegen (Dat.; Opt.Kaus.; Akk.)
rājā dharmeṇa dharmavit
der König, nach dem Dharma, Dharma-kundig (Nom.; Instr.; Nom.)

kṣatriyasya hi bāliśyād brāhmaṇaḥ kliśyate kṣudhā; śrutaśīle samājñāya vṛttim asya prakalpayet; athainaṃ parirakṣeta pitā putram ivaurasam

Denn durch die Torheit eines Kṣatriya leidet ein Brahmane Hunger. Nachdem er dessen Gelehrsamkeit und Charakter erkannt hat, soll er ihm Unterhalt bereiten; dann soll er ihn beschützen, wie ein Vater den leiblichen Sohn.

Wort für Wort
kṣatriyasya hi bāliśyāt
denn durch die Torheit eines Kṣatriya (Gen.; Abl.)
brāhmaṇaḥ kliśyate kṣudhā
der Brahmane leidet durch Hunger (Nom.; Pass.3.Sg.; Instr.)
śrutaśīle samājñāya
Gelehrsamkeit und Charakter erkannt habend (Akk.Du.; Abs.)
vṛttim asya prakalpayet
Unterhalt für ihn soll er bereiten (Akk.; Gen.; Opt.Kaus.)
athainaṃ parirakṣeta
dann soll er ihn beschützen (Opt.Med.3.Sg.)
pitā putram ivaurasam
wie ein Vater den leiblichen Sohn (Nom.; Akk.)

iṣṭiṃ vaiśvānarīṃ nityaṃ nirvaped abdaparyaye; avikalpaḥ purādharmo dharmavādais tu kevalam

Eine Vaiśvānarī-Opferhandlung soll er stets im Jahreswechsel darbringen. Ohne Wahlmöglichkeit [war] früher das Dharma, nur bei den Dharma-Rednern [?].

Wort für Wort
iṣṭiṃ vaiśvānarīṃ nityam
die Vaiśvānarī-Opferhandlung stets (Akk.Sg.f.; Adv.)
nirvaped abdaparyaye
er soll darbringen, beim Jahreswechsel (Opt.3.Sg.; Lok.)
avikalpaḥ purā dharmaḥ
ohne Alternative früher das Dharma (Nom.; Adv.; Nom.)
dharmavādais tu kevalam
aber [nur] bei den Dharma-Rednern, ausschließlich [?] (Instr.Pl.; Adv.)

Der zweite Halbvers ist syntaktisch unklar; die Wiedergabe ist vorläufig.

viśvais tu devaiḥ sādhyaiś ca brāhmaṇaiś ca maharṣibhiḥ; āpatsu maraṇād bhītair liṅgapratinidhiḥ kṛtaḥ

Von den Viśvedevas, den Sādhyas, den Brahmanen und den großen Sehern wurde, aus Furcht vor dem Tod in Notlagen, ein Ersatz für das Kennzeichen [?] geschaffen.

Wort für Wort
viśvais tu devaiḥ sādhyaiś ca
von den Viśvedevas und den Sādhyas (Instr.Pl.)
brāhmaṇaiś ca maharṣibhiḥ
und von den Brahmanen und großen Sehern (Instr.Pl.)
āpatsu maraṇād bhītaiḥ
in Notlagen, vor dem Tod erschrocken (Lok.Pl.; Abl.; Part.Instr.)
liṅgapratinidhiḥ kṛtaḥ
ein Ersatz für das Kennzeichen [?] wurde gemacht (Nom.; Part.Pass.)

liṅgapratinidhi: „Stellvertreter des Kennzeichens/der Norm“, Sinn unsicher.

prabhuḥ prathamakalpasya yo 'nukalpena vartate; na sāṃparāyikaṃ tasya durmater vidyate phalam

Wer, obwohl er über das erste Verfahren verfügen kann, nach dem Ersatzverfahren handelt: für diesen Törichten gibt es keine Frucht im Jenseits.

Wort für Wort
prabhuḥ prathamakalpasya
mächtig über das erste Verfahren (Nom.; Gen.)
yo 'nukalpena vartate
wer nach dem Ersatzverfahren verfährt (Instr.; 3.Sg.Med.)
na sāṃparāyikaṃ tasya
nicht jenseitig für ihn (Nom.n.; Gen.)
durmater vidyate phalam
des Törichten gibt es Frucht (Gen.; Pass.3.Sg.; Nom.)

na brāhmaṇān vedayeta kaś cid rājani mānavaḥ; avīryo vedanād vidyāt suvīryo vīryavattaram

Kein Mensch soll Brahmanen beim König anzeigen. Der Kraftlose würde durch das Anzeigen [nur] erfahren, der Kraftvolle [den] Kraftvolleren [?].

Wort für Wort
na brāhmaṇān vedayeta
nicht soll er Brahmanen anzeigen (Akk.Pl.; Opt.Kaus.3.Sg.Med.)
kaś cid rājani mānavaḥ
irgendein Mensch, beim König (Nom.; Lok.; Nom.)
avīryo vedanād vidyāt
der Kraftlose würde durch das Anzeigen erfahren [?] (Nom.; Abl.; Opt.3.Sg.)
suvīryo vīryavattaram
der Kraftvolle den Kraftvolleren [?] (Nom.; Akk.Komp.)

Der Vers ist sehr knapp und unklar; die Deutung von vedayeta/vedanāt/vidyāt ist unsicher.

tasmād rājñā sadā tejo duḥsahaṃ brahmavādinām; mantā śāstā vidhātā ca brāhmaṇo deva ucyate; tasmin nākuśalaṃ brūyān na śuktām īrayed giram

Darum ist für den König die Glut der Brahma-Kundigen stets schwer zu ertragen. Der Brahmane, der Denker, Lehrer und Ordner, wird ‚Gott‘ genannt; über ihn soll man nichts Unheilvolles sagen und kein scharfes Wort ausstoßen.

Wort für Wort
tasmād rājñā sadā tejo
darum vom König stets die Glut (Adv.; Instr./Dat.; Adv.; Nom.)
duḥsahaṃ brahmavādinām
schwer zu ertragen, der Brahma-Redner (Nom.n.; Gen.Pl.)
mantā śāstā vidhātā ca
Denker, Lehrer und Ordner (Nom.Sg.)
brāhmaṇo deva ucyate
der Brahmane wird Gott genannt (Nom.; Nom.; Pass.3.Sg.)
tasmin nākuśalaṃ brūyāt
über ihn soll man nichts Unheilvolles sagen (Lok.; Akk.; Opt.3.Sg.)
na śuktām īrayed giram
kein scharfes Wort soll man ausstoßen (Akk.; Opt.Kaus.)

kṣatriyo bāhuvīryeṇa taraty āpadam ātmanaḥ; dhanena vaiśyaḥ śūdraś ca mantrair homaiś ca vai dvijaḥ

Ein Kṣatriya überwindet die Not durch Armkraft, ein Vaiśya und ein Śūdra durch Besitz, der Zweimalgeborene aber durch Mantras und Opfer.

Wort für Wort
kṣatriyo bāhuvīryeṇa
der Kṣatriya durch Armkraft (Nom.; Instr.)
taraty āpadam ātmanaḥ
überwindet die Not seiner selbst (3.Sg.; Akk.; Gen.)
dhanena vaiśyaḥ śūdraś ca
durch Besitz der Vaiśya und der Śūdra (Instr.; Nom.)
mantrair homaiś ca vai dvijaḥ
durch Mantras und Opfergüsse der Zweimalgeborene (Instr.Pl.; Nom.)

na vai kanyā na yuvatir nāmantro na ca bāliśaḥ; pariveṣṭāgnihotrasya bhaven nāsaṃskṛtas tathā; narake nipatanty ete juhvānāḥ sa ca yasya tat

Weder ein Mädchen noch eine junge Frau, noch einer ohne Mantra, noch ein Tor, noch ein Ungeweihter soll Aufwärter beim Agnihotra sein. Diese fallen in die Hölle, wenn sie opfern, und der, dem es gehört.

Wort für Wort
na vai kanyā na yuvatir
weder ein Mädchen noch eine junge Frau (Nom.Sg.f.)
nāmantro na ca bāliśaḥ
noch einer ohne Mantra, noch ein Tor (Nom.)
pariveṣṭāgnihotrasya bhavet
Aufwärter beim Agnihotra soll sein (Nom.; Gen.; Opt.3.Sg.)
nāsaṃskṛtas tathā
noch ein Ungeweihter ebenso (Nom.; Part.Pass.)
narake nipatanty ete
in die Hölle fallen diese (Lok.; 3.Pl.; Nom.Pl.)
juhvānāḥ sa ca yasya tat
die Opfernden, und der, wessen es ist (Part.Med.Nom.Pl.; Nom.; Rel.Gen.)

tasmād vaitānakuśalo hotā syād vedapāragaḥ

Darum soll der in den Vaitāna-Riten Geschickte, der Vedakundige, der Hotṛ sein.

Wort für Wort
tasmād vaitānakuśalo
darum in den Vaitāna-Riten geschickt (Abl.-Adv.; Nom.)
hotā syād
Hotṛ soll sein (Nom.; Opt.3.Sg.)
vedapāragaḥ
Vedakundiger (wörtl. zum anderen Ufer des Veda gelangt) (Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (star).

prājāpatyam adattvāśvam agnyādheyasya dakṣiṇām; anāhitāgnir iti sa procyate dharmadarśibhiḥ

Wer beim Einrichten der Feuer das Prājāpatya-Roß als Opfergabe nicht gegeben hat, der wird von den Dharma-Schauenden ‚einer, der das Feuer nicht eingerichtet hat‘ genannt.

Wort für Wort
prājāpatyam adattvāśvam
das Prājāpatya-Roß nicht gegeben habend (Akk.; Abs.)
agnyādheyasya dakṣiṇām
als Opfergabe des Feuereinrichtens (Gen.; Akk.)
anāhitāgnir iti sa
„Feuerloser“, so er (Nom.; Zitat; Nom.)
procyate dharmadarśibhiḥ
wird genannt von den Dharma-Sehern (Pass.3.Sg.; Instr.Pl.)

puṇyāny anyāni kurvīta śraddadhāno jitendriyaḥ; anāptadakṣiṇair yajñair na yajeta kathaṃ cana

Andere Verdienstwerke soll er tun, gläubig und mit bezwungenen Sinnen; mit Opfern, bei denen die Opfergabe nicht [gehörig] erreicht ist, soll er auf keine Weise opfern.

Wort für Wort
puṇyāny anyāni kurvīta
andere verdienstvolle Werke soll er tun (Akk.Pl.; Opt.Med.)
śraddadhāno jitendriyaḥ
gläubig, mit besiegten Sinnen (Part.Nom.; Bahuvrīhi)
anāptadakṣiṇair yajñaiḥ
mit Opfern ohne erlangte Opfergabe (Instr.Pl.)
na yajeta kathaṃ cana
soll nicht opfern, auf keine Weise (Opt.3.Sg.; Adv.)

prajāḥ paśūṃś ca svargaṃ ca hanti yajño hy adakṣiṇaḥ; indriyāṇi yaśaḥ kīrtim āyuś cāsyopakṛntati

Das Opfer ohne Dakṣiṇā vernichtet Nachkommen, Vieh und den Himmel; es schneidet auch ihm Sinneskräfte, Ruhm, Ansehen und Lebensdauer ab.

Wort für Wort
prajāḥ paśūṃś ca svargaṃ ca
Nachkommen, Vieh und Himmel (Akk.)
hanti yajño hy adakṣiṇaḥ
vernichtet, denn das Opfer ohne Dakṣiṇā (3.Sg.; Nom.)
indriyāṇi yaśaḥ kīrtim
Sinneskräfte, Ruhm, Ansehen (Akk.)
āyuś cāsyopakṛntati
und Lebensdauer schneidet ihm ab (Akk.; Gen.; 3.Sg.)

udakyā hy āsate ye ca ye ca ke cid anagnayaḥ; kulaṃ cāśrotriyaṃ yeṣāṃ sarve te śūdradharmiṇaḥ

Die, die bei einer Menstruierenden verweilen, und die, die ohne Feuer sind, und die, deren Geschlecht ohne Śrotriya ist: alle diese haben das Dharma von Śūdras.

Wort für Wort
udakyā hy āsate ye ca
die bei einer Menstruierenden verweilen (Instr.; 3.Pl.Med.; Nom.Pl.)
ye ca ke cid anagnayaḥ
und alle, die feuerlos sind (Nom.Pl.)
kulaṃ cāśrotriyaṃ yeṣām
und deren Geschlecht ohne Śrotriya ist (Nom.; Rel.Gen.Pl.)
sarve te śūdradharmiṇaḥ
alle diese haben Śūdra-Dharma (Nom.Pl.)

udapānodake grāme brāhmaṇo vṛṣalīpatiḥ; uṣitvā dvādaśa samāḥ śūdrakarmeha gacchati

Ein Brahmane, der in einem Dorf mit Brunnenwasser als Gatte einer Vṛṣalī zwölf Jahre gewohnt hat, geht hier als einer dahin, der das Werk eines Śūdra tut.

Wort für Wort
udapānodake grāme
in einem Dorf mit Brunnenwasser (Lok.)
brāhmaṇo vṛṣalīpatiḥ
ein Brahmane, Gatte einer Vṛṣalī (Nom.)
uṣitvā dvādaśa samāḥ
zwölf Jahre gewohnt habend (Abs.; Akk.Pl.)
śūdrakarmeha gacchati
als Śūdra-Werk-Tuender hier geht er (Nom.; Adv.; 3.Sg.)

anāryāṃ śayane bibhrad ujjhan bibhrac ca yo dvijām; abrāhmaṇo manyamānas tṛṇeṣv āsīta pṛṣṭhataḥ; tathā sa śudhyate rājañ śṛṇu cātra vaco mama

Wer eine Nicht-Ārya im Bett hält und dabei die Zweimalgeborene [Gattin] verstößt und [doch auch] unterhält [?]: sich für einen Nicht-Brahmanen haltend, soll er hinterher auf Gras sitzen; so wird er rein, o König; und höre hierzu mein Wort.

Wort für Wort
anāryāṃ śayane bibhrat
eine Nicht-Ārya im Bett haltend (Akk.; Lok.; Part.Präs.)
ujjhan bibhrac ca yo dvijām
verstoßend und unterhaltend eine Zweimalgeborene [?] (Part.; Akk.)
abrāhmaṇo manyamānaḥ
sich für einen Nicht-Brahmanen haltend (Nom.; Part.Med.)
tṛṇeṣv āsīta pṛṣṭhataḥ
auf Gras soll er sitzen, hinterher [?] (Lok.Pl.; Opt.Med.; Abl.-Adv.)
tathā sa śudhyate rājan
so wird er rein, o König (Adv.; Pass.3.Sg.; Vok.)
śṛṇu cātra vaco mama
und höre hierzu mein Wort (Imp.; Akk.; Gen.)

Erster Halbvers und pṛṣṭhataḥ sind unsicher.

yad ekarātreṇa karoti pāpaṃ; kṛṣṇaṃ varṇaṃ brāhmaṇaḥ sevamānaḥ; sthānāsanābhyāṃ vicaran vratī saṃs; tribhir varṣaiḥ śamayed ātmapāpam

Das Vergehen, das ein Brahmane in einer einzigen Nacht begeht, wenn er einer dunklen Varṇa dient, soll er, Gelübde haltend und durch Stehen und Sitzen umherziehend, in drei Jahren als seine Sünde tilgen.

Wort für Wort
yad ekarātreṇa karoti pāpam
was er in einer Nacht an Sünde tut (Instr.; 3.Sg.)
kṛṣṇaṃ varṇaṃ brāhmaṇaḥ sevamānaḥ
einer dunklen Varṇa dienend, ein Brahmane (Akk.; Nom.; Part.Med.)
sthānāsanābhyāṃ vicaran
durch Stehen und Sitzen umherziehend (Instr.Du.; Part.)
vratī saṃs
Gelübde haltend, seiend (Nom.; Part.)
tribhir varṣaiḥ śamayed
in drei Jahren soll er tilgen (Instr.Pl.; Opt.Kaus.)
ātmapāpam
die eigene Sünde (Akk.)

na narmayuktaṃ vacanaṃ hinasti; na strīṣu rājan na vivāhakāle; na gurvarthe nātmano jīvitārthe; pañcānṛtāny āhur apātakāni

Eine mit Scherz verbundene Rede schadet nicht; [ebenso] nicht bei Frauen, o König, nicht zur Hochzeit, nicht um eines Gurus willen, nicht um des eigenen Lebens willen: fünf Unwahrheiten nennt man nicht sündhaft.

Wort für Wort
na narmayuktaṃ vacanaṃ hinasti
scherzhafte Rede schadet nicht (Nom.; 3.Sg.)
na strīṣu rājan
nicht bei Frauen, o König (Lok.Pl.; Vok.)
na vivāhakāle
nicht zur Hochzeitszeit (Lok.)
na gurvarthe
nicht um eines Gurus willen (Lok.)
nātmano jīvitārthe
nicht um des eigenen Lebens willen (Gen.; Lok.)
pañcānṛtāny āhur apātakāni
fünf Unwahrheiten nennt man nicht zum Fall führend (Nom.Pl.; 3.Pl.Perf.)

śraddadhānaḥ śubhāṃ vidyāṃ hīnād api samācaret; suvarṇam api cāmedhyād ādadīteti dhāraṇā

Gläubig soll man heilsames Wissen auch vom Niedrigen lernen, und Gold auch aus Unreinem nehmen – so lautet die Überlieferung.

Wort für Wort
śraddadhānaḥ śubhāṃ vidyām
gläubig, heilsames Wissen (Part.Nom.; Akk.)
hīnād api samācaret
auch vom Niedrigen soll er erwerben (Abl.; Opt.3.Sg.)
suvarṇam api cāmedhyāt
auch Gold aus Unreinem (Akk.; Abl.)
ādadīteti dhāraṇā
soll nehmen, so die Überlieferung (Opt.Med.; Nom.)

strīratnaṃ duṣkulāc cāpi viṣād apy amṛtaṃ pibet; aduṣṭā hi striyo ratnam āpa ity eva dharmataḥ

Ein Frauenkleinod auch aus schlechter Familie; man mag Nektar auch aus Gift trinken. Denn eine unverdorbene Frau hat er als Kleinod erlangt, so [gilt es] nach dem Dharma [?].

Wort für Wort
strīratnaṃ duṣkulāc cāpi
ein Frauenkleinod auch aus schlechter Familie (Nom./Akk.; Abl.)
viṣād apy amṛtaṃ pibet
auch aus Gift Nektar möge er trinken (Abl.; Akk.; Opt.3.Sg.)
aduṣṭā hi striyo ratnam
denn unverdorbene Frauen als Kleinod (Nom.Pl.f.; Nom./Akk.)
āpa ity eva dharmataḥ
erlangte [?], so nach dem Dharma (Perf.3.Sg.; Zitat; Abl.-Adv.)

Der zweite Halbvers (āpa) ist unsicher.

gobrāhmaṇahitārthaṃ ca varṇānāṃ saṃkareṣu ca; gṛhṇīyāt tu dhanur vaiśyaḥ paritrāṇāya cātmanaḥ

Um der Kühe und Brahmanen Wohl willen, bei Vermischungen der Stände und zum Schutz seiner selbst darf auch ein Vaiśya den Bogen ergreifen.

Wort für Wort
gobrāhmaṇahitārthaṃ ca
und um des Wohls der Kühe und Brahmanen willen (Akk.-Adv.)
varṇānāṃ saṃkareṣu ca
und bei Vermischungen der Stände (Gen.Pl.; Lok.Pl.)
gṛhṇīyāt tu dhanur vaiśyaḥ
ergreifen darf aber den Bogen ein Vaiśya (Opt.3.Sg.; Akk.; Nom.)
paritrāṇāya cātmanaḥ
und zum Schutz seiner selbst (Dat.; Gen.)

surāpānaṃ brahmahatyā gurutalpam athāpi vā; anirdeśyāni manyante prāṇāntānīti dhāraṇā

Alkoholtrinken, Brahmanenmord und Ehebruch mit dem Lager des Gurus, oder auch [dieses]: man hält sie für nicht [durch Sühne] festzulegende, mit dem Tod endende [Vergehen] – so die Überlieferung.

Wort für Wort
surāpānaṃ brahmahatyā
Alkoholtrinken, Brahmanenmord (Nom.)
gurutalpam athāpi vā
Beschlafen des Gurulagers, oder auch (Akk./Nom.)
anirdeśyāni manyante
als nicht festzulegend hält man (Nom./Akk.Pl.n.; 3.Pl.Pass.)
prāṇāntānīti dhāraṇā
mit dem Tod endend, so die Überlieferung (Nom.; Zitat; Nom.)

anirdeśya: „nicht bestimmbar“ (ohne festgesetzte Sühne) ist Deutung; vgl. nirdeśya in 159.036.

suvarṇaharaṇaṃ stainyaṃ viprāsaṅgaś ca pātakam; viharan madyapānaṃ cāpy agamyāgamanaṃ tathā

Golddiebstahl, Stehlen und Anhaften an [der Frau] eines Brahmanen [?] sind ein Fall, ebenso als Lebensweise Alkoholtrinken und Verkehr mit Unerlaubtem.

Wort für Wort
suvarṇaharaṇaṃ stainyam
Golddiebstahl, Stehlen (Nom.)
viprāsaṅgaś ca pātakam
und Anhaften an einem Brahmanen [?], ein Fall (Nom.; Nom.)
viharan madyapānaṃ cāpi
nach Belieben [?] Alkoholtrinken auch (Part.; Akk.)
agamyāgamanaṃ tathā
ebenso Verkehr mit Unerlaubtem (Nom.)

viprāsaṅga und viharan sind unsicher gedeutet.

patitaiḥ saṃprayogāc ca brāhmaṇair yonitas tathā; acireṇa mahārāja tādṛśo vai bhavaty uta

Und durch Umgang mit gefallenen Brahmanen, ebenso durch Geschlechtsverbindung, o Großkönig, wird man in Kürze wahrlich ebenso [gefallen].

Wort für Wort
patitaiḥ saṃprayogāc ca
und durch Umgang mit Gefallenen (Instr.Pl.; Abl.)
brāhmaṇair yonitas tathā
mit Brahmanen, ebenso durch Geschlechtsverbindung (Instr.Pl.; Abl.-Adv.)
acireṇa mahārāja
in Kürze, o Großkönig (Instr.-Adv.; Vok.)
tādṛśo vai bhavaty uta
ebenso wird man wahrlich (Nom.; 3.Sg.)

saṃvatsareṇa patati patitena sahācaran; yājanādhyāpanād yaunān na tu yānāsanāśanāt

Innerhalb eines Jahres fällt, wer mit einem Gefallenen zusammen handelt, durch Opferleiten, Unterrichten und geschlechtliche Verbindung, nicht aber durch [gemeinsames] Fahren, Sitzen und Essen.

Wort für Wort
saṃvatsareṇa patati
im Laufe eines Jahres fällt er (Instr.; 3.Sg.)
patitena sahācaran
mit einem Gefallenen zusammen handelnd (Instr.; Part.)
yājanādhyāpanād yaunāt
durch Opferleitung, Unterrichten, Geschlechtsverbindung (Abl.)
na tu yānāsanāśanāt
nicht aber durch Fahren, Sitzen, Essen (Abl.)

etāni ca tato 'nyāni nirdeśyānīti dhāraṇā; nirdeśyakena vidhinā kālenāvyasanī bhavet

Und diese und die anderen daraus gelten als [mit bestimmter Sühne] festzulegende – so die Überlieferung; durch das für festzulegende [Fälle] geltende Verfahren soll er mit der Zeit frei von Unheil werden.

Wort für Wort
etāni ca tato 'nyāni
und diese und die anderen daraus (Nom.Pl.n.; Abl.-Adv.)
nirdeśyānīti dhāraṇā
als festzulegend, so die Überlieferung (Nom.; Zitat; Nom.)
nirdeśyakena vidhinā
durch das Verfahren für festzulegende [Fälle] (Instr.)
kālenāvyasanī bhavet
mit der Zeit soll er frei von Unheil werden (Instr.; Nom.; Opt.3.Sg.)

annaṃ tiryaṅ na hotavyaṃ pretakarmaṇy apātite; triṣu tv eteṣu pūrveṣu na kurvīta vicāraṇām

Speise ist nicht quer zu opfern bei einem Totenritual, wenn [der Betreffende] nicht ausgestoßen ist [?]. Bei diesen drei früheren aber soll man keine Erwägung anstellen.

Wort für Wort
annaṃ tiryaṅ na hotavyam
Speise ist nicht quer zu opfern (Nom.; Adv.; Gerundiv)
pretakarmaṇy apātite
beim Totenritual, wenn nicht ausgestoßen [?] (Lok.; Part.Lok.)
triṣu tv eteṣu pūrveṣu
bei diesen drei früheren aber (Lok.Pl.)
na kurvīta vicāraṇām
soll man keine Erwägung anstellen (Opt.Med.3.Sg.; Akk.)

apātite ist unsicher gedeutet.

amātyān vā gurūn vāpi jahyād dharmeṇa dhārmikaḥ; prāyaścittam akurvāṇair naitair arhati saṃvidam

Minister oder auch Lehrer soll der Dharma-treue dem Dharma gemäß verlassen; mit diesen, die keine Sühne vollziehen, darf er keinen Verkehr pflegen.

Wort für Wort
amātyān vā gurūn vāpi
Minister oder auch Lehrer (Akk.Pl.)
jahyād dharmeṇa dhārmikaḥ
soll verlassen, nach dem Dharma, der Dharma-treue (Opt.3.Sg.; Instr.; Nom.)
prāyaścittam akurvāṇaiḥ
keine Sühne vollziehend (Akk.; Part.Med.Instr.Pl.)
naitair arhati saṃvidam
mit diesen darf er keinen Verkehr [pflegen] (Instr.Pl.; 3.Sg.; Akk.)

adharmakārī dharmeṇa tapasā hanti kilbiṣam; bruvan stena iti stenaṃ tāvat prāpnoti kilbiṣam; astenaṃ stena ity uktvā dviguṇaṃ pāpam āpnuyāt

Wer Unrechtes tut, vernichtet [seine] Schuld durch Dharma [und] Askese. Wer einen Dieb „Dieb“ nennt, erlangt [dadurch] ebenso viel Schuld; wer aber einen Nicht-Dieb „Dieb“ nennt, würde doppelte Sünde auf sich laden.

Wort für Wort
adharmakārī dharmeṇa
der Unrechtes Tuende (Nom.Sg.) durch Dharma (Instr.Sg.)
tapasā hanti kilbiṣam
durch Askese (Instr.Sg.) tilgt er (3.Sg.Präs.) die Schuld (Akk.Sg.)
bruvan stena iti stenam
[wer] nennend (Part.Präs.) „Dieb“ (Zitat) einen Dieb (Akk.Sg.)
tāvat prāpnoti kilbiṣam
ebenso viel erlangt er (3.Sg.Präs.) Schuld (Akk.Sg.)
astenaṃ stena ity uktvā
einen Nicht-Dieb (Akk.Sg.) „Dieb“ genannt habend (Abs.)
dviguṇaṃ pāpam āpnuyāt
doppelte Sünde (Akk.Sg.) würde er erlangen (3.Sg.Opt.)

stenam astena ity uktvā tāvad āpnoti kilbiṣam

Wer einen Dieb „Nicht-Dieb“ nennt, erlangt ebenso viel Schuld.

Wort für Wort
stenam astena ity uktvā
einen Dieb (Akk.Sg.) „Nicht-Dieb“ (Zitat) genannt habend (Abs.)
tāvad āpnoti kilbiṣam
ebenso viel erlangt er (3.Sg.Präs.) Schuld (Akk.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers; der Sinn der Symmetrie zu Vers 41 bleibt knapp und unspezifisch.

tribhāgaṃ brahmahatyāyāḥ kanyā prāpnoti duṣyatī; yas tu dūṣayitā tasyāḥ śeṣaṃ prāpnoti kilbiṣam

Ein Drittel der Brahmanentötung erlangt das Mädchen, das sich verfehlt [?]; wer sie aber verdirbt, erlangt den [übrigen] Rest der Schuld.

Wort für Wort
tribhāgaṃ brahmahatyāyāḥ
ein Drittel (Akk.Sg.) der Brahmanentötung (Gen.Sg.)
kanyā prāpnoti duṣyatī
das Mädchen (Nom.Sg.) erlangt (3.Sg.Präs.) sich verfehlend/verderbend (Part.Präs.Fem.)
yas tu dūṣayitā tasyāḥ
wer aber [sie] Verderbender (Nom.Sg.) ihrer (Gen.Sg.Fem.)
śeṣaṃ prāpnoti kilbiṣam
den Rest (Akk.Sg.) erlangt er (3.Sg.Präs.) [an] Schuld (Akk.Sg.)

duṣyatī kann auch „verdorben werdend/schuldig werdend“ heißen; der Vers ist kurz und elliptisch.

brāhmaṇāyāvagūryeha spṛṣṭvā gurutaraṃ bhavet; varṣāṇāṃ hi śataṃ pāpaḥ pratiṣṭhāṃ nādhigacchati

Wer hier gegen einen Brahmanen [die Waffe] erhebt, wird [dadurch] belastet; wer [ihn] berührt [= trifft], wird noch schwerer belastet. Der Sünder findet hundert Jahre lang keinen Halt.

Wort für Wort
brāhmaṇāya avagūrya iha
gegen einen Brahmanen (Dat.Sg.) erhoben habend (Abs.) hier
spṛṣṭvā gurutaraṃ bhavet
berührt/getroffen habend (Abs.) schwerer (Komp.) würde er sein (3.Sg.Opt.)
varṣāṇāṃ hi śatam
Jahre (Gen.Pl.) nämlich hundert (Akk.Sg.)
pāpaḥ pratiṣṭhāṃ
der Sünder (Nom.Sg.) Halt (Akk.Sg.)
na adhigacchati
nicht findet er (3.Sg.Präs.)

avagūrya wird hier als „(die Waffe) erheben“ gedeutet; spṛṣṭvā als Berühren im Sinne von Treffen.

sahasraṃ tv eva varṣāṇāṃ nipātya narake vaset; tasmān naivāvagūryād dhi naiva jātu nipātayet

Tausend Jahre aber weilt er in der Hölle, wenn er [ihn] niedergeworfen hat. Darum soll man [gegen ihn] niemals [die Waffe] erheben und ihn niemals niederwerfen.

Wort für Wort
sahasraṃ tu eva varṣāṇām
tausend (Akk.Sg.) aber eben Jahre (Gen.Pl.)
nipātya narake vaset
niedergeworfen habend (Abs.) in der Hölle (Lok.Sg.) weile er (3.Sg.Opt.)
tasmāt na eva avagūryāt hi
darum keinesfalls soll man erheben (3.Sg.Opt.)
na eva jātu nipātayet
und keinesfalls je soll man niederwerfen (3.Sg.Opt.Kaus.)

śoṇitaṃ yāvataḥ pāṃsūn saṃgṛhṇīyād dvijakṣatāt; tāvatīḥ sa samā rājan narake parivartate

So viele Staubkörner das Blut aus der Wunde eines Zweifachgeborenen aufnimmt, so viele Jahre, König, wandert er in der Hölle umher.

Wort für Wort
śoṇitaṃ yāvataḥ pāṃsūn
das Blut (Nom.Sg.) wie viele Staubkörner (Akk.Pl.)
saṃgṛhṇīyād dvijakṣatāt
aufnähme/bindet (3.Sg.Opt.) aus der Verwundung des Zweifachgeborenen (Abl.Sg.)
tāvatīḥ sa samāḥ rājan
so viele Jahre (Akk.Pl.) er, König (Vok.Sg.)
narake parivartate
in der Hölle (Lok.Sg.) wandert umher (3.Sg.Präs.Med.)

bhrūṇahāhavamadhye tu śudhyate śastrapātitaḥ; ātmānaṃ juhuyād vahnau samiddhe tena śudhyati

Der Brahmanentöter wird mitten im Kampf rein, wenn er von Waffen niedergestreckt wird; oder er soll sich selbst in das entzündete Feuer opfern; dadurch wird er rein.

Wort für Wort
bhrūṇahā āhavamadhye tu
der Brahmanentöter (Nom.Sg.) mitten im Kampf (Lok.Sg.) aber
śudhyate śastrapātitaḥ
wird rein (3.Sg.Präs.Pass./Med.) durch Waffen gefällt (Part.Pass.Nom.Sg.)
ātmānaṃ juhuyād vahnau
sich selbst (Akk.Sg.) soll er opfern (3.Sg.Opt.) ins Feuer (Lok.Sg.)
samiddhe tena śudhyati
in das entzündete (Lok.Sg.) dadurch wird er rein (3.Sg.Präs.)

bhrūṇahan meist „Tötung eines gelehrten Brahmanen/Embryos“; hier im Sinne des Brahmanenmörders gedeutet [?].

surāpo vāruṇīm uṣṇāṃ pītvā pāpād vimucyate; tayā sa kāye nirdagdhe mṛtyunā pretya śudhyati; lokāṃś ca labhate vipro nānyathā labhate hi saḥ

Ein Branntweintrinker wird von der Sünde befreit, wenn er heißen Branntwein (Vāruṇī) getrunken hat; ist sein Körper dadurch verbrannt, wird er im Tod, nach dem Hinscheiden, rein. Und der Brahmane erlangt [dann] die Welten; auf andere Weise erlangt er sie nicht.

Wort für Wort
surāpaḥ vāruṇīm uṣṇām
der Branntweintrinker (Nom.Sg.) Vāruṇī (Akk.Sg.) heiße (Akk.Sg.Fem.)
pītvā pāpāt vimucyate
getrunken habend (Abs.) von der Sünde (Abl.Sg.) wird befreit (3.Sg.Präs.Pass.)
tayā sa kāye nirdagdhe
dadurch (Instr.) er, wenn der Körper (Lok.Sg.) verbrannt ist (Lok.abs.)
mṛtyunā pretya śudhyati
durch den Tod (Instr.Sg.) nach dem Hinscheiden (Abs.) wird er rein (3.Sg.Präs.)
lokān ca labhate vipraḥ
und die Welten (Akk.Pl.) erlangt (3.Sg.Präs.Med.) der Brahmane (Nom.Sg.)
na anyathā labhate hi saḥ
nicht anders erlangt er (3.Sg.Präs.Med.) nämlich er

gurutalpam adhiṣṭhāya durātmā pāpacetanaḥ; sūrmīṃ jvalantīm āśliṣya mṛtyunā sa viśudhyati

Wer das Lager des Lehrers bestiegen hat, ein Bösgesinnter mit sündigem Denken, wird durch die Umarmung einer glühenden Sūrmī durch den Tod völlig rein.

Wort für Wort
gurutalpam adhiṣṭhāya
das Lager des Lehrers (Akk.Sg.) bestiegen habend (Abs.)
durātmā pāpacetanaḥ
der Bösgesinnte (Nom.Sg.) sündigen Sinnes (Nom.Sg.)
sūrmīṃ jvalantīm āśliṣya
eine Sūrmī (Akk.Sg.) glühende (Akk.Sg.Fem.) umarmt habend (Abs.)
mṛtyunā sa viśudhyati
durch den Tod (Instr.Sg.) er wird völlig rein (3.Sg.Präs.)

sūrmī: glühende eiserne Frauengestalt (Bedeutung aus dem Zusammenhang erschlossen) [?].

atha vā śiśnavṛṣaṇāv ādāyāñjalinā svayam; nairṛtīṃ diśam āsthāya nipatet sa tv ajihmagaḥ

Oder er soll Penis und Hoden selbst mit der hohlen Hand fassen, sich nach Südwesten wenden und geradeaus [gehend] niederstürzen.

Wort für Wort
atha vā śiśnavṛṣaṇau
oder Penis und Hoden (Akk.Du.)
ādāya añjalinā svayam
genommen habend (Abs.) mit der hohlen Hand (Instr.Sg.) selbst
nairṛtīṃ diśam āsthāya
die südwestliche (Akk.Sg.Fem.) Richtung (Akk.Sg.) eingenommen habend (Abs.)
nipatet sa tu ajihmagaḥ
niederfallen soll (3.Sg.Opt.) er aber ohne abzuweichen gehend (Nom.Sg.)

brāhmaṇārthe 'pi vā prāṇān saṃtyajet tena śudhyati; aśvamedhena vāpīṣṭvā gomedhenāpi vā punaḥ; agniṣṭomena vā samyag iha pretya ca pūyate

Oder er gebe für einen Brahmanen sein Leben hin; dadurch wird er rein. Oder er wird, wenn er mit einem Rosseopfer oder auch mit einem Rinderopfer geopfert hat, oder mit einem Agniṣṭoma recht [geopfert hat], hier und nach dem Hinscheiden geläutert.

Wort für Wort
brāhmaṇārthe api vā
um eines Brahmanen willen (Lok.Sg.) auch oder
prāṇān saṃtyajet tena śudhyati
die Lebenshauche (Akk.Pl.) soll er aufgeben (3.Sg.Opt.) dadurch wird er rein (3.Sg.Präs.)
aśvamedhena vā apīṣṭvā
durch ein Rosseopfer (Instr.Sg.) oder geopfert habend (Abs.)
gomedhena api vā punaḥ
durch ein Rinderopfer (Instr.Sg.) auch oder wiederum
agniṣṭomena vā samyak
durch ein Agniṣṭoma (Instr.Sg.) oder recht
iha pretya ca pūyate
hier und nach dem Hinscheiden (Abs.) wird er geläutert (3.Sg.Präs.Pass.)

tathaiva dvādaśa samāḥ kapālī brahmahā bhavet; brahmacārī cared bhaikṣaṃ svakarmodāharan muniḥ

Ebenso soll der Brahmanentöter zwölf Jahre lang einen Schädel [als Bettelschale] tragen; als Brahmacārin, ein Schweiger (Muni), soll er Bettelspeise erbitten und seine eigene Tat verkünden.

Wort für Wort
tathā eva dvādaśa samāḥ
ebenso zwölf Jahre (Akk.Pl.)
kapālī brahmahā bhavet
Schädelträger (Nom.Sg.) der Brahmanentöter (Nom.Sg.) soll sein (3.Sg.Opt.)
brahmacārī caret bhaikṣam
als Brahmacārin (Nom.Sg.) soll er wandern/erbetteln (3.Sg.Opt.) Bettelspeise (Akk.Sg.)
svakarma udāharan muniḥ
die eigene Tat (Akk.Sg.) verkündend (Part.Präs.) der Muni (Nom.Sg.)

evaṃ vā tapasā yukto brahmahā savanī bhavet; evaṃ vā garbham ajñātā cātreyīṃ yo 'bhigacchati; dviguṇā brahmahatyā vai ātreyīvyasane bhavet

Oder so, mit Askese verbunden, soll der Brahmanentöter ein „Savanī“ [?] werden. Oder wer eine Ātreyī aufsucht, deren Leibesfrucht [ihm] unbekannt ist [?]: Doppelt ist der Brahmanenmord bei der Verfehlung mit einer Ātreyī.

Wort für Wort
evaṃ vā tapasā yuktaḥ
so oder mit Askese (Instr.Sg.) verbunden (Nom.Sg.)
brahmahā savanī bhavet
der Brahmanentöter (Nom.Sg.) Savanī [?] soll werden (3.Sg.Opt.)
evaṃ vā garbham ajñātā ca
so oder die Leibesfrucht (Akk.Sg.) unbekannte (Fem.) und
ātreyīṃ yaḥ abhigacchati
eine Ātreyī (Akk.Sg.) wer aufsucht (3.Sg.Präs.)
dviguṇā brahmahatyā vai
doppelt (Nom.Sg.Fem.) Brahmanentötung (Nom.Sg.) fürwahr
ātreyīvyasane bhavet
bei der Verfehlung mit einer Ātreyī (Lok.Sg.) soll sein (3.Sg.Opt.)

savanī unklar (etwa „Soma-Presser/Opferer“?); ajñātā und ātreyī (Frau aus dem Atri-Geschlecht oder menstruierende/schwangere Frau) sind unsicher; der Text ist möglicherweise verderbt.

surāpo niyatāhāro brahmacārī kṣamācaraḥ; ūrdhvaṃ tribhyo 'tha varṣebhyo yajetāgniṣṭutā param; ṛṣabhaikasahasraṃ gā dattvā śubham avāpnuyāt

Ein Branntweintrinker, maßvoll essend, Brahmacārin, Nachsicht übend, soll nach Ablauf von drei Jahren ein Agniṣṭut-Opfer darbringen; wenn er tausend Kühe samt einem Stier gegeben hat, erlangt er Heilvolles.

Wort für Wort
surāpaḥ niyatāhāraḥ
der Branntweintrinker (Nom.Sg.) maßvoll essend (Nom.Sg.)
brahmacārī kṣamācaraḥ
als Brahmacārin (Nom.Sg.) Nachsicht übend (Nom.Sg.)
ūrdhvaṃ tribhyaḥ atha varṣebhyaḥ
nach (Ablauf von) drei (Abl.) dann Jahren (Abl.Pl.)
yajeta agniṣṭutā param
soll opfern (3.Sg.Opt.Med.) mit einem Agniṣṭut (Instr.Sg.) anschließend
ṛṣabhaikasahasraṃ gāḥ dattvā
tausend Kühe samt einem Stier (Akk.Pl.) gegeben habend (Abs.)
śubham avāpnuyāt
Heilvolles (Akk.Sg.) würde er erlangen (3.Sg.Opt.)

dīkṣābhiṣekanirmukte kṣatriye ṣaṭ samācaret

Bei einem Kṣatriya, der von Weihe und Salbung frei ist [?], soll er sechs [Jahre] üben.

Wort für Wort
dīkṣābhiṣekanirmukte
bei einem von Weihe und Salbung Freien (Lok.Sg.)
kṣatriye ṣaṭ
bei einem Kṣatriya (Lok.Sg.) sechs
samācaret
soll üben (3.Sg.Opt.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers; „Jahre“ ergänzt; Sinn (nicht geweihter Kṣatriya) unsicher.

vaiśyaṃ hatvā tu varṣe dve ṛṣabhaikaśatāś ca gāḥ; śūdraṃ hatvābdam evaikam ṛṣabhaikādaśāś ca gāḥ

Hat er einen Vaiśya getötet, [soll er] zwei Jahre [büßen] und [dazu] Kühe, hundert mit einem Stier; hat er einen Śūdra getötet, nur ein Jahr und Kühe, elf mit einem Stier.

Wort für Wort
vaiśyaṃ hatvā tu
einen Vaiśya (Akk.Sg.) getötet habend (Abs.) aber
varṣe dve
zwei Jahre (Akk.Du.)
ṛṣabhaikaśatāḥ ca gāḥ
hundert [Kühe] samt einem Stier (Akk.Pl.) und Kühe
śūdraṃ hatvā abdam eva ekam
einen Śūdra (Akk.Sg.) getötet habend ein Jahr (Akk.Sg.) nur eines
ṛṣabhaikādaśāḥ ca gāḥ
elf [Kühe] samt einem Stier (Akk.Pl.) und Kühe

śvabarbarakharān hatvā śaudram eva vrataṃ caret; mārjāracāṣamaṇḍūkān kākaṃ bhāsaṃ ca mūṣakam

Hat er einen Hund, einen Barbara [?] oder einen Esel getötet, soll er dieselbe Buße wie für einen Śūdra üben; ebenso [bei] Katze, Blauracke, Frosch, Krähe, Bhāsa und Maus.

Wort für Wort
śvabarbarakharān hatvā
Hund, Barbara [?], Esel (Akk.Pl.) getötet habend (Abs.)
śaudram eva vratam caret
die Śūdra-betreffende (Akk.Sg.) eben Buße (Akk.Sg.) soll er üben (3.Sg.Opt.)
mārjāracāṣamaṇḍūkān
Katze, Blauracke, Frosch (Akk.Pl.)
kākaṃ bhāsaṃ ca mūṣakam
Krähe, Bhāsa (Geier?) und Maus (Akk.Sg.)

barbara unsicher (Barbar/„Bär“?); bhāsa vermutlich ein Geier- oder Raubvogel.

uktaḥ paśusamo dharmo rājan prāṇinipātanāt; prāyaścittāny athānyāni pravakṣyāmy anupūrvaśaḥ

Damit, König, ist das Recht bei der Tötung von Lebewesen [als] dem des Viehs gleich gesagt. Nun werde ich [dir] andere Sühnen der Reihe nach verkünden.

Wort für Wort
uktaḥ paśusamaḥ dharmaḥ
gesagt (Part.Pass.) dem Vieh gleich (Nom.Sg.) das Recht (Nom.Sg.)
rājan prāṇinipātanāt
König (Vok.Sg.) bei der Tötung von Lebewesen (Abl.Sg.)
prāyaścittāni atha anyāni
Sühnen (Akk.Pl.) nun andere (Akk.Pl.)
pravakṣyāmi anupūrvaśaḥ
werde ich verkünden (1.Sg.Fut.) der Reihe nach

talpe cānyasya caurye ca pṛthak saṃvatsaraṃ caret; trīṇi śrotriyabhāryāyāṃ paradāre tu dve smṛte

Beim Lager eines anderen und beim Diebstahl soll er jeweils ein Jahr [büßend] wandeln; drei [Jahre gelten] bei der Frau eines Śrotriya, bei der Frau eines anderen gelten zwei.

Wort für Wort
talpe ca anyasya caurye ca
beim Lager (Lok.Sg.) eines anderen (Gen.Sg.) und beim Diebstahl (Lok.Sg.) und
pṛthak saṃvatsaraṃ caret
je ein Jahr (Akk.Sg.) soll er wandeln (3.Sg.Opt.)
trīṇi śrotriyabhāryāyām
drei [Jahre] bei der Frau eines Śrotriya (Lok.Sg.)
paradāre tu dve smṛte
bei der Frau eines anderen (Lok.Sg.) aber zwei (Nom.Du.) gelten als überliefert (Part.Pass.)

kāle caturthe bhuñjāno brahmacārī vratī bhavet; sthānāsanābhyāṃ viharet trir ahno 'bhyuditād apaḥ

Zur vierten Mahlzeit essend soll er ein Brahmacārin und Gelübdeträger sein; im Stehen und Sitzen soll er verweilen, dreimal am Tag [ins] Wasser [gehen ...] [?].

Wort für Wort
kāle caturthe bhuñjānaḥ
zur vierten Zeit (Lok.Sg.) essend (Part.Präs.Med.)
brahmacārī vratī bhavet
als Brahmacārin (Nom.Sg.) Gelübdeträger (Nom.Sg.) soll er sein (3.Sg.Opt.)
sthānāsanābhyām viharet
mit Stehen und Sitzen (Instr.Du.) soll er sich aufhalten (3.Sg.Opt.)
triḥ ahnaḥ abhyuditāt apaḥ
dreimal am Tag (Gen.Sg.) [nach?] Aufgang (Abl.) Wasser (Akk.Pl.)

Der letzte Pāda (abhyuditād apaḥ) ist syntaktisch unklar; die Wiedergabe ist unsicher.

evam eva caran rājaṃs tasmāt pāpāt pramucyate

Wer so verfährt, König, wird von jener Sünde befreit.

Wort für Wort
evam eva caran
so eben verfahrend (Part.Präs.)
rājan tasmāt pāpāt
König (Vok.Sg.) von jener Sünde (Abl.Sg.)
pramucyate
wird befreit (3.Sg.Präs.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

evam eva nirācānto yaś cāgnīn apavidhyati

Ebenso [gilt es für den], der ohne Mundspülung [?] die [heiligen] Feuer wegwirft.

Wort für Wort
evam eva
ebenso eben
nirācāntaḥ
ohne Mundspülung (Nom.Sg.) [?]
yaḥ ca agnīn apavidhyati
wer und die Feuer (Akk.Pl.) wegwirft/verstößt (3.Sg.Präs.)

Der Vers steht unvollständig als Teilstück; Bedeutung von nirācānta unsicher.

tyajaty akāraṇe yaś ca pitaraṃ mātaraṃ tathā; patitaḥ syāt sa kauravya tathā dharmeṣu niścayaḥ

Wer ohne Grund Vater und Mutter verlässt, der gilt als gefallen (patita), Kaurava; so ist die Entscheidung in den Dharma-Lehren.

Wort für Wort
tyajati akāraṇe yaḥ ca
verlässt (3.Sg.Präs.) ohne Grund (Lok.Sg.) wer und
pitaraṃ mātaraṃ tathā
Vater (Akk.Sg.) Mutter (Akk.Sg.) ebenso
patitaḥ syāt sa kauravya
gefallen (Nom.Sg.) soll sein (3.Sg.Opt.) er, Nachkomme des Kuru (Vok.Sg.)
tathā dharmeṣu niścayaḥ
so in den Dharma-Lehren (Lok.Pl.) die Entscheidung (Nom.Sg.)

grāsācchādanam atyarthaṃ dadyād iti nidarśanam

Nahrung und Kleidung soll er [ihnen] reichlich geben; so lautet die Anweisung.

Wort für Wort
grāsācchādanam
Nahrung und Kleidung (Akk.Sg.)
atyartham dadyāt
überreichlich soll er geben (3.Sg.Opt.)
iti nidarśanam
so [lautet] die Anweisung/das Beispiel (Nom.Sg.)

brahmacārī dvijebhyaś ca dattvā pāpāt pramucyate

Ein Brahmacārin wird von der Sünde befreit, wenn er den Zweifachgeborenen [Gaben] gegeben hat.

Wort für Wort
brahmacārī dvijebhyaḥ ca
der Brahmacārin (Nom.Sg.) den Zweifachgeborenen (Dat.Pl.) und
dattvā pāpāt pramucyate
gegeben habend (Abs.) von der Sünde (Abl.Sg.) wird befreit (3.Sg.Präs.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers; das Objekt der Gabe fehlt im Text.

bhāryāyāṃ vyabhicāriṇyāṃ niruddhāyāṃ viśeṣataḥ; yat puṃsāṃ paradāreṣu tac caināṃ cārayed vratam

Bei einer ehebrecherischen Gattin, zumal wenn sie eingesperrt ist: Was für Männer bei fremden Frauen [gilt], dieses Gelübde soll man auch sie ausführen lassen.

Wort für Wort
bhāryāyām vyabhicāriṇyām
bei der Gattin (Lok.Sg.) ehebrecherischen (Lok.Sg.Fem.)
niruddhāyām viśeṣataḥ
bei eingesperrten (Lok.Sg.Fem.) besonders
yat puṃsām paradāreṣu
was für Männer (Gen.Pl.) bei fremden Frauen (Lok.Pl.)
tat ca enām cārayet vratam
dieses und sie (Akk.Sg.Fem.) soll ausführen lassen (3.Sg.Opt.Kaus.) Gelübde (Akk.Sg.)

śreyāṃsaṃ śayane hitvā yā pāpīyāṃsam ṛcchati; śvabhis tāṃ khādayed rājā saṃsthāne bahusaṃvṛte

Die Frau, die ein besseres Lager verlässt und zu einem schlechteren geht, soll der König von Hunden fressen lassen, an einem stark umfriedeten Ort.

Wort für Wort
śreyāṃsaṃ śayane hitvā
einen besseren [Mann] (Akk.Sg.) im Bett (Lok.Sg.) verlassen habend (Abs.)
yā pāpīyāṃsam ṛcchati
die zu einem schlechteren (Akk.Sg.) geht (3.Sg.Präs.)
śvabhiḥ tāṃ khādayet rājā
von Hunden (Instr.Pl.) sie (Akk.Sg.Fem.) soll fressen lassen (3.Sg.Opt.Kaus.) der König (Nom.Sg.)
saṃsthāne bahusaṃvṛte
an einem Ort (Lok.Sg.) stark umschlossenen (Lok.Sg.)

pumāṃsaṃ bandhayet prājñaḥ śayane tapta āyase; apy ādadhīta dārūṇi tatra dahyeta pāpakṛt

Den Mann soll der Weise auf ein glühendes Eisenlager binden lassen; man lege auch Hölzer [darunter]; dort soll der Übeltäter verbrennen.

Wort für Wort
pumāṃsaṃ bandhayet prājñaḥ
den Mann (Akk.Sg.) soll fesseln lassen (3.Sg.Opt.Kaus.) der Weise (Nom.Sg.)
śayane tapte āyase
auf einem Lager (Lok.Sg.) glühenden (Lok.Sg.) eisernen (Lok.Sg.)
api ādadhīta dārūṇi
auch soll man legen (3.Sg.Opt.Med.) Hölzer (Akk.Pl.)
tatra dahyeta pāpakṛt
dort soll verbrennen (3.Sg.Opt.Pass.) der Übeltäter (Nom.Sg.)

eṣa daṇḍo mahārāja strīṇāṃ bhartṛvyatikrame; saṃvatsarābhiśastasya duṣṭasya dviguṇo bhavet

Dies ist die Strafe, Großkönig, für Frauen bei Verletzung des Gatten; bei einem, der seit einem Jahr beschuldigt und verdorben ist, soll sie doppelt sein.

Wort für Wort
eṣaḥ daṇḍaḥ mahārāja
dies (Nom.Sg.) die Strafe (Nom.Sg.) Großkönig (Vok.Sg.)
strīṇām bhartṛvyatikrame
für Frauen (Gen.Pl.) bei Verletzung des Gatten (Lok.Sg.)
saṃvatsarābhiśastasya
bei einem ein Jahr lang Beschuldigten (Gen.Sg.)
duṣṭasya dviguṇaḥ bhavet
bei einem Verdorbenen (Gen.Sg.) doppelt (Nom.Sg.) soll sein (3.Sg.Opt.)

Der Bezug von saṃvatsarābhiśastasya duṣṭasya (Frau oder Mann) ist unsicher.

dve tasya trīṇi varṣāṇi catvāri sahasevinaḥ; kucaraḥ pañca varṣāṇi cared bhaikṣaṃ munivrataḥ

Zwei [Jahre] für ihn, drei Jahre [für einen anderen Fall], vier für den, der mit ihr verkehrt; als Kucara [?] soll er fünf Jahre Bettelspeise erbitten, das Gelübde eines Muni [haltend].

Wort für Wort
dve tasya trīṇi varṣāṇi
zwei (Nom.Du.) für ihn (Gen.Sg.) drei Jahre (Nom.Pl.)
catvāri sahasevinaḥ
vier (Nom.Pl.) für den Mitverkehrenden (Gen.Sg.)
kucaraḥ pañca varṣāṇi
Kucara [?] (Nom.Sg.) fünf Jahre (Akk.Pl.)
caret bhaikṣam munivrataḥ
soll wandern/erbitten (3.Sg.Opt.) Bettelspeise (Akk.Sg.) das Muni-Gelübde haltend (Nom.Sg.)

Der Vers ist elliptisch; die Zuordnung der Jahre und die Bedeutung von kucara sind unsicher.

parivittiḥ parivettā yayā ca parividyate; pāṇigrāhaś ca dharmeṇa sarve te patitāḥ smṛtāḥ

Der Parivitti, der Parivettṛ, die [Frau], mit der die Parivedana [geschieht], und der, der [sie] dem Recht gemäß ehelicht: alle diese gelten als gefallen.

Wort für Wort
parivittiḥ parivettā
Parivitti (Nom.Sg.) Parivettṛ (Nom.Sg.)
yayā ca parividyate
und die [Frau], mit der (Instr.Sg.Fem.) Parivedana geschieht (3.Sg.Präs.Pass.)
pāṇigrāhaḥ ca dharmeṇa
der Gattenbräutigam (Nom.Sg.) und dem Recht gemäß (Instr.Sg.)
sarve te patitāḥ smṛtāḥ
alle (Nom.Pl.) diese (Nom.Pl.) gefallen (Nom.Pl.) gelten (Part.Pass.)

parivitti: älterer Bruder, der unverheiratet bleibt; parivettṛ: jüngerer Bruder, der vor ihm heiratet.

careyuḥ sarva evaite vīrahā yad vrataṃ caret; cāndrāyaṇaṃ caren māsaṃ kṛcchraṃ vā pāpaśuddhaye

Sie alle sollen das Gelübde üben, das ein Heldenmörder übt; einen Monat lang das Cāndrāyaṇa oder das Kṛcchra zur Reinigung von der Sünde.

Wort für Wort
careyuḥ sarve eva ete
sollen üben (3.Pl.Opt.) alle eben diese
vīrahā yat vratam caret
ein Heldenmörder (Nom.Sg.) welches Gelübde (Akk.Sg.) übt (3.Sg.Opt.)
cāndrāyaṇam caret māsam
Cāndrāyaṇa (Akk.Sg.) soll üben (3.Sg.Opt.) einen Monat (Akk.Sg.)
kṛcchram vā pāpaśuddhaye
Kṛcchra (Akk.Sg.) oder zur Reinigung von Sünde (Dat.Sg.)

vīrahā möglicherweise auch „Feuer-Vernachlässiger“ (vgl. spätere Rechtstexte) [?].

parivettā prayaccheta parivittāya tāṃ snuṣām; jyeṣṭhena tv abhyanujñāto yavīyān pratyanantaram; enaso mokṣam āpnoti sā ca tau caiva dharmataḥ

Der Parivettṛ soll jenem Parivitti jene [Frau] als Schwiegertochter geben, [und] der Jüngere [tut es] unmittelbar danach, vom Älteren dazu ermächtigt. Er erlangt Befreiung von der Verfehlung, und sie und die beiden [erlangen sie] dem Recht gemäß.

Wort für Wort
parivettā prayaccheta parivittāya
der Parivettṛ (Nom.Sg.) soll geben (3.Sg.Opt.Med.) dem Parivitti (Dat.Sg.)
tām snuṣām
jene (Akk.Sg.Fem.) Schwiegertochter (Akk.Sg.)
jyeṣṭhena tu abhyanujñātaḥ
vom Älteren (Instr.Sg.) aber ermächtigt (Part.Pass.Nom.Sg.)
yavīyān pratyanantaram
der Jüngere (Nom.Sg.) unmittelbar danach
enasaḥ mokṣam āpnoti
von der Verfehlung (Gen.Sg.) Befreiung (Akk.Sg.) erlangt er (3.Sg.Präs.)
sā ca tau ca eva dharmataḥ
sie und die beiden und eben dem Recht gemäß

Der Vers ist knapp und syntaktisch schwierig; die Wiedergabe folgt dem wahrscheinlichen Sinn [?].

amānuṣīṣu govarjam anāvṛṣṭir na duṣyati; adhiṣṭhātāram attāraṃ paśūnāṃ puruṣaṃ viduḥ

Bei nichtmenschlichen [Wesen], Kühe ausgenommen, wird der Nicht-Regen [?] nicht schuldig. Als Besteiger und Verzehrer der Tiere kennt man den Menschen.

Wort für Wort
amānuṣīṣu govarjam
bei Nichtmenschlichen (Lok.Pl.Fem.) Kühe ausgenommen
anāvṛṣṭiḥ na duṣyati
Nicht-Regen [?] (Nom.Sg.) nicht wird schuldig/befleckt (3.Sg.Präs.)
adhiṣṭhātāram attāram
als Besteiger/Herrn (Akk.Sg.) Verzehrer (Akk.Sg.)
paśūnām puruṣam viduḥ
der Tiere (Gen.Pl.) den Menschen (Akk.Sg.) kennen sie (3.Pl.Perf.)

anāvṛṣṭi im ersten Halbvers ist unklar; die Stelle ist möglicherweise verderbt.

paridhāyordhvavālaṃ tu pātram ādāya mṛnmayam; caret sapta gṛhān bhaikṣaṃ svakarma parikīrtayan

Nachdem er [ein Gewand] mit aufwärts gerichtetem Haar [?] angelegt und eine irdene Schale genommen hat, soll er zu sieben Häusern Bettelspeise gehen und dabei seine eigene Tat verkünden.

Wort für Wort
paridhāya ūrdhvavālam tu
angelegt habend (Abs.) mit aufwärts gerichtetem Haar [?] (Akk.Sg.) aber
pātram ādāya mṛnmayam
eine Schale (Akk.Sg.) genommen habend (Abs.) irdene (Akk.Sg.)
caret sapta gṛhān bhaikṣam
soll gehen (3.Sg.Opt.) sieben Häuser (Akk.Pl.) [um] Bettelspeise (Akk.Sg.)
svakarma parikīrtayan
die eigene Tat (Akk.Sg.) verkündend (Part.Präs.Kaus.)

ūrdhvavāla wörtlich „mit aufwärts stehendem Haar“; worauf es sich bezieht (Gewand, Fell?) ist unsicher.

tatraiva labdhabhojī syād dvādaśāhāt sa śudhyati; caret saṃvatsaraṃ cāpi tad vrataṃ yan nirākṛti

Genau dort soll er Speise erhalten; nach zwölf Tagen wird er rein. Oder er soll ein Jahr lang jenes Gelübde üben, das „nirākṛti“ [?] [heißt].

Wort für Wort
tatra eva labdhabhojī syāt
genau dort Erlangtes essend (Nom.Sg.) soll sein (3.Sg.Opt.)
dvādaśāhāt sa śudhyati
nach zwölf Tagen (Abl.Sg.) er wird rein (3.Sg.Präs.)
caret saṃvatsaram ca api
soll üben (3.Sg.Opt.) ein Jahr (Akk.Sg.) und auch
tat vratam yat nirākṛti
jenes Gelübde (Akk.Sg.) welches „nirākṛti“ [?]

yan nirākṛti ist unklar, möglicherweise verderbt.

bhavet tu mānuṣeṣv evaṃ prāyaścittam anuttamam; dānaṃ vādānasakteṣu sarvam eva prakalpayet; anāstikeṣu gomātraṃ prāṇam ekaṃ pracakṣate

So kann es bei Menschen die unübertreffliche Sühne sein; oder [er soll] bei Menschen, die am Nichtgeben hängen, alles als Gabe anordnen; bei Nicht-Gläubigen bezeichnet man eine Kuh als Maß, ein einziges Leben [?].

Wort für Wort
bhavet tu mānuṣeṣu evam
soll sein (3.Sg.Opt.) aber bei Menschen (Lok.Pl.) so
prāyaścittam anuttamam
Sühne (Nom.Sg.) unübertreffliche (Nom.Sg.)
dānam vā adānasakteṣu
Gabe (Akk.Sg.) oder bei am Nichtgeben Hängenden (Lok.Pl.)
sarvam eva prakalpayet
alles (Akk.Sg.) eben soll er festsetzen (3.Sg.Opt.)
anāstikeṣu gomātram
bei Nicht-Ungläubigen/Nicht-Nihilisten [?] (Lok.Pl.) nur eine Kuh
prāṇam ekam pracakṣate
ein Leben (Akk.Sg.) einziges (Akk.Sg.) nennen sie (3.Pl.Präs.Med.)

Der zweite und dritte Pāda sind syntaktisch unsicher; anāstikeṣu kann auch „bei Nicht-Ungläubigen“ (also Gläubigen) bedeuten [?].

śvavarāhamanuṣyāṇāṃ kukkuṭasya kharasya ca; māṃsaṃ mūtrapurīṣaṃ ca prāśya saṃskāram arhati

Wer Fleisch, Urin und Kot von Hund, Eber, Mensch, Hahn und Esel gegessen hat, verdient die [erneute] Weihe.

Wort für Wort
śvavarāhamanuṣyāṇām
von Hund, Eber und Menschen (Gen.Pl.)
kukkuṭasya kharasya ca
von Hahn (Gen.Sg.) und Esel (Gen.Sg.)
māṃsam mūtrapurīṣam ca
Fleisch (Akk.Sg.) Urin und Kot (Akk.Sg.)
prāśya saṃskāram arhati
gegessen habend (Abs.) die Weihe (Akk.Sg.) verdient (3.Sg.Präs.)

brāhmaṇasya surāpasya gandham āghrāya somapaḥ; apas tryahaṃ pibed uṣṇās tryaham uṣṇaṃ payaḥ pibet; tryaham uṣṇaṃ ghṛtaṃ pītvā vāyubhakṣo bhavet tryaham

Wenn ein Somatrinker den Geruch eines branntweintrinkenden Brahmanen eingeatmet hat, soll er drei Tage heißes Wasser trinken, drei Tage heiße Milch trinken; nachdem er drei Tage heiße Butter getrunken hat, soll er drei Tage von Luft leben.

Wort für Wort
brāhmaṇasya surāpasya
eines Brahmanen (Gen.Sg.) eines Branntweintrinkers (Gen.Sg.)
gandham āghrāya somapaḥ
Geruch (Akk.Sg.) eingeatmet habend (Abs.) der Somatrinker (Nom.Sg.)
apaḥ tryaham pibet uṣṇāḥ
Wasser (Akk.Pl.) drei Tage soll trinken (3.Sg.Opt.) heißes (Akk.Pl.)
tryaham uṣṇam payaḥ pibet
drei Tage heiße (Akk.Sg.) Milch (Akk.Sg.) soll er trinken (3.Sg.Opt.)
tryaham uṣṇam ghṛtam pītvā
drei Tage heiße (Akk.Sg.) Butter (Akk.Sg.) getrunken habend (Abs.)
vāyubhakṣaḥ bhavet tryaham
Luftesser (Nom.Sg.) soll sein (3.Sg.Opt.) drei Tage

evam etat samuddiṣṭaṃ prāyaścittaṃ sanātanam; brāhmaṇasya viśeṣeṇa tattvajñānena jāyate

So ist diese ewige Sühne dargelegt; für einen Brahmanen entsteht sie besonders durch Erkenntnis der Wirklichkeit.

Wort für Wort
evam etat samuddiṣṭam
so dies (Nom.Sg.) dargelegt (Part.Pass.)
prāyaścittam sanātanam
die Sühne (Nom.Sg.) ewige (Nom.Sg.)
brāhmaṇasya viśeṣeṇa
für den Brahmanen (Gen.Sg.) besonders (Instr.Adv.)
tattvajñānena jāyate
durch Erkenntnis der Wirklichkeit (Instr.Sg.) entsteht (3.Sg.Präs.Med.)

Der Sinn des letzten Halbverses ist knapp; „entsteht“ könnte auch „gelingt“ bedeuten.

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